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M 58.

Somfta» den U. Mir, 191t,

38. Jatzrga»-.

«fuldaer W Leitung

5. Blatt.

vrnck tut» v«lag btt selbe« Hdieatruderd in Sulba.

,tr.

17 209,84 Ltt. An Darlehen ivurden ausgegeben 39 int Betrag von 27 025,50 2JL, davon 31 gegen Bürgschaft und 8 gegen Hypothek (mit 18070 M) Für gemeinschaftliche Bezüge ivurden ausgegeben 12 560,32 M. (2884 Zentr. Düngemittel, 300 Ztr. Futtermittel, 84 Ztr. Saatfrächte und

Sor fltgeS). Drr Geivtnir beträgt 852,29 Ät. Das Vermögen des Vereins (Stislungs- und Reserve­fonds) beläuft sich jetzt auf ca. 5200 M An Äohlfahrtseiurichtungen hat der Verein ein Schieds­gericht und außerdem unterstützt er diePfarrbibliothrl mit erneut jährlichen Zuschuß von 30 Bi. Die Bibliothek hat bereits ca. 250 Bände. Nach einer Aussprache über verschiedene genossenschaftliche und gemeinnützige Angelegenheiten und Erlcdiguug der

nehmen. So ist e» üb« Nacht gekommen, daß die Ver­einigten Staaten, b« Grenznachbar, .große Bruder" rmd Meistinteressierte alr Beauftragt« b« Fremden eingesetzt worden ist. Kaum wider ihren Willen aller­dings.

Um war es sich hier vor allem andern handelt, ist der Schutz bet riesigen Vermögen, die in ober unter dem mexikanischen Boben liegen und arg bedroht sind. Wahrscheinlich ist vorläufig, auch in amerikanischen Regierungskrise«, keine andere Absicht da, al» dem Präsidenten Diaz zu helfen, solange er noch atmet kann, da « sich selb« nicht mehr helfen kann. Viel­leicht aber steht ber Präsident trotz all« Ableugnungen heute schon vor dem Tode, und man bereitet sich auf da» Letzte, auf den wilden Ansturm d« Nachtjäger vor, ber folgen muß. Nicht» ist wahrscheinlicher, al» daß mau ba» von Diaz so lange in kaum noch erträg­liche Fesseln gelegte Volk sich in einem furchtbaren Ausbruch «hebt, ber blindwütig gegen alle» Be­stehende und vor allem gegen alle» Fremde stürmt. -Daraus will man sich vorbereiten. Zwar bat Diaz auch an diese Zukunst gedacht. Corral, d« Vizepräsi­dent b« mexikanischen Republik, ist sein Schützling und von Diaz selbst al» Nachfolg« ausersehen. Man rühmt auch ihm eine eiserne Hand nach. Ob sie ihm aber nützen wird, steht bahtn. Ihm fehlt zu sehr die Nutorität bei Alien und die große Furcht vor beffen Willen, ber Zeit seine» Leben» noch vor nicht» zurück­geschreckt ist.

Da» Deutsche Reich i*t in b« angenehmen r‘aer, b« Entwickelung de.' Dinge ruhig zusehen zu können. Den Schutz ieiner großen Jntereffen in Mctt'o »"mag eS tnhig gleich den at.oetn Staaten der Ern^cht der Union anzuvertrauen. Und andere Interessen hat e» dort nicht

Veutscheg Reich.

* Ei« schwer« Krtminalfall au» letzter Zeit kann bei ber bevorstehenden Behandlung derLeichenver- brennungS -Vorlage nicht außer acht gelassen wer» dm. Im Arrchhause zu Koblenz befindet sich noch ber im Oktober v. I. vom Schwurgerichte wegen Ver­giftung feiner beiden Ehefrauen zum Tode verurteilte Karl Grub, früher Gefängnisaufseher in Mayen. Die von ihm eingeleitete Revision ist vom Reichsgerichte verworfen worden; über Begnadigung ober Hinrich­tung ist noch kein Entfcheib getroffen. ®er Mörder hatte seine erste Frau zu Mayen im Jahre 1908 ver­giftet und in deren Heimat beerdigen lassen, ohne daß eilt Verdacht wegen Mordes gegen ihn aufgekonnnen wäre Drei Monate spät« hatte er die zweite Frau geheiratet, die auch bald zu kränkeln anfing, am 18. Januar 1910 gestorben ist und, wie die «ste, anstands­los beerdigt würbe. Erst bei Geltendmachung der Le- bcnsverfichttungssumme wurde die Vermutung laut, es liege Mord vor. Die Ausgrabung und Untersuch­ung der beiden Leichen bestätigte dann auch die schreck­liche Tatsache de» Doppelmordes. Die Gerichtsver­handlung ergab nun, daß kein« der Aerzte, von betten die erkrankten Frauen behandelt worden waren, die raffiniert eingeleitete Vergiftung erkannt Halle. Hätte die Verbrennung der Leichen stattgestmden dann wären die beiden Verbrechen wohl nie entdeckt worden, bet ruchlose Mürber wäre der irdffchen Ge- rechtigkett höchstwahrscheinlich entgangen und hätte wohl noch mehr Verbrechen sich zuschulden kommen lassen.

* Ei« Gesetzentwurf über die Besteuerung ixt Znnd- holzersatznuttel soll dem Reichstag demnächst zugehen. Außerdem werde eine Kontingentierung der Zündholz- mdustrie beabsichtigt.

D Für die Libttaken muß e5 eine Freude [ein zu leben. Es ist lange her, wo sie ihren 'nnerfien Her- zensneigungen so offen Ausdruck geben dursten als ste es heute tun. Da verwundert es nrcht, wenn ber Ge­neralsekretär der nattonalliberalen Partei, Breit- Haupt, nach dem Bericht des „Hannöverschen Kau- riet" in einer Versammlung am 3. März in Lüneburg gesagt hat:

„Rom fei an der Arbeit, das deutsche Volk geistig zu knechten und zu binden", es band!» sich bei den kommenden Reichstagswahlen nicht um mehr oder weniger Mandate, fondern es stehe mehr auf dem Spiele, es frage sich dabei, „ob das deutsche Volk die

Frücht« der Resormatwn weiter genießen solle in Schule, ttrrche und Haus".

Diese Aeußerung ist bezeichnend dafür, mtt welchen Mitteln die Nattonalliberalen im Lande die Gemüt« zu verwirren und aufzuhetzen suchen. Ganz ährckiche Sprüche, wie ste Herr Breithaupt in Lüne­burg gemacht hat, find auch in den Wahlkämpfen um Oletzko-Lück und Labiau-Wchlau gemacht worden, und ste werden noch btd mehr in dem bevorstehenden gro­ßen Reichstagswahlkampf gemacht werden. Ueberall da nämlich, wo e» gilt, evangelische Wähler, die von dem politischen Programm der nationalliberalen Par­tei nicht viel wissen wollen, dadurch zu gewinnen, daß ihnen die nattonallibetale Partei als die einzige treue Hüterin ber evangelischen Interessen vorgefilhrt wirb. BiS jetzt haben die nattonallibecalm Agitatoren damit ziemliches Glück gehabt, und die Konseroattven werden viel zu tun haben, um die v«- hetzende Wirkung dieser Agitation auszugleichen. Ab« cs wird nicht unmöglich fein.

* Metz, 10. März 1911. Wie schon gemeldet, hat sich trotz der Hetze die reichSländische Regierung, wenn auch nach langem Zögern, bewogen gefunden, Herrn Tr. göret den Einheimischen und Zentrumsmann, als Bürgermeister von Metz zu bestätigen. Die liberale Metzer Zeitung' bringt es über sich, hervorzuheben, es fei sonst nicht üblich, daß sich die Regierung von einem in Vorschlag gebrachten Bürgermeister von Metz „erst noch gewisse Erklärungen abgeben lasse, ob biefet auch bie geschichtlich gegebenen Verhältnisse rückhalt­los anerkennt und ob es sein Bestreben war und fein werde, für eine vollständige innere Angliederung El- saß-LothringenS an das Deutsche Reich zu wirken/ Es ist traurig, daß sich die Regierung durch die er­bärmlichen Hetzereien ber liberalen Blätter einschüch- tern ließ. Es ist das ein Beweis, daß die Regierung die vielberufene „stacke Hand" gerade bann vermissen läßt, wenn ste am notwendigsten in Wirksamkeit treten sollte. In der ganzen Angelegenheit hat die Regie- ning nichts weniger als eine glückliche Hand gehabt. Statt frisch und entschieden zuzugreifrn und sich da­durch das Vertrauen und die dankbare Anerkennung der Metzer Bürgerschaft und des gesamten Lochringens zu sichern, hat man den rechten Augenblick verstreichen lassen und den Verdacht erweckt, als ob bei un§_ die Schrei« und Hetzer die Macht in den Händen hätten und nicht die zur Leitung der Geschäfte berufenen Männer.

* Karlsruhe, 9. März 1911. Baden war das erste deutsche Land, das im November vorigen Jahres die Einfuhr sranzö fischen Schlachtviehs gestat­tet hat; heute hat die badische Regierung die Grenze gegen Frankreich wieder geschloffen, nachdem auch in Frankreich die Maul- und Klaueufeuche auSge» krochen ist . Wie man Höck, wird auch Bayern und Elsaß dem Vorgehen Badens folgen.

D Die Bereinigten Staaten und Mexiko.

Die Zeiten sind vorüber, da treuherzige Worte dem Gang von Tatsachen auf lange hinaus de« « sichern de» fünften Gegenteils zu geben jlaiibt heute mehr an offiziell- Versuche dieser inh dnü inan fie immer noch macht, liegt wohl mehr m dtt Anh^g'ichke'i an alle Gewohnheit als an dem Vertrauen auf ihre Wirkung.

Dralldent Tast hat von benOptrationenbei Bereinigten Staaten gegen Mexiko mit harm- (ofem Gellcht ber Welt erzählt, es feien Manöver, di« beweisen sollten, daß die Vereinigten Staaten kriegS- bereit feien, woran in den letzten Jahren manch einer gezweifelt habe, lieber diese „Erzählung" kann man ohne weitere» zur Tagesordnung übergehen. Handell es sich um Manöver, toenn eine Landarmee von 20000, nach anderen von 32000 Mann Aufftelluug nimmt längs der amerikanisch-mexikanischen Grenze, >venn tn oder vor Galveston, dem Ostmexiko zunächst gelegenen Hasen der Union sich ein Eskader von Panzerkreuzern versammelt wenn vi« Regimenter Macknetruppen an die Südwestliche von Kuba gehen, von der eS nach der mexikanischen Provinz Bukatan kaum weiter als ein Katzensprung ist, wenn ans dem südkalisornifchen Hafenplatz Los Angeles die Pazisikflotte nach dem Golf von Tchuantepek im südlichsten Mexiko ausläuft?

Daß sich ernste Dinge vorbereiten, ist offenbar. Daß man um Kinkerlitzchen willen nicht einen vorläufigen Betrag von sechs Millionen (soviel kostet nach den ersten Schätzungen die amerikamfche Mobilisierung) zum Fenster hinauswirst, ist ebenso tlar. Die Geschichte der letzten Jahre und Monate in Mexiko erzählt das Uebrige.

Diaz, ber Präsident von Mexiko, ist heute ein Achtziger. Seme stählerne Kraft und sein an- bezwinglich« Wille sind allgemach schlaff geworden. Ob.Diaz, wie die einen erzählen, mit dem Toüe ringt ober ob er, tote andere behaupten, nur von leichterem Unwohlsein befallen ist, bleibt gleichgiltig. Jeden­falls, er ist nicht mehr der alte Gebieter, der mit eiserner Streng« feilte Herrschaft sicherte. Was er durch mehr als ein Vierteljahrhundert von feinem Vaterland abzuhalten sich bemüht hat, scheint vor der Türe zu stehen: Das Chaos, ähnlich wie in den mittelameri- kanischen Staaten, wo eine Revolution die andere ab­löst. Zwar ist die mm schon durch Monate währende Revolution in der Mille des Landes und im Süden für den Augenblick so gut wie unterdrückt. Aber im Norden, vor allem in dem Vergwerkstaate Chihu­ahua, flackert sie fo stark wie je. In Chihuahua aber sind Milliarden von fremdem Kapital ungelegt. Diaz selbst hat sich bemüht, es ins Land zu rufen. Er hat Deutsche, Franzosen, Engländer und Amerikaner gerufen. Die beiden letztem vor allem haben im Norden Millionen angelegt. Die Vereinig­ten Staaten allein nach Schätzungen an die sechs Mil­liarden Mark. Sie stecken in den Eisenbahnen, Silber-, Gold-, Kupfer-, Kuhlen- und anderen Bergwerken, in Farmen, Waffeckraststationen und Aehnlichem. Weit über 17000 Nordamerikaner arbeiten im Lande und beben sich niedergelassen.

Daß alle Ausbeute in die Hände derFremden fällt, empört nun das Volk. Zwar, sie selbst zu heben, wäre es nicht imstande, aber die andern sollen es auch nicht hab««. Sv haben es bi« verschiedenen Präsi dentschaftskandidaten, großen und kleinen Macht- gkecksen für mißlich gehalten, auf ihre zu d« eigenen Bereicherung entfalteten Fahnen ein modern gewor­denes Schlagwort zu schreiben, das gut klingt: „Mexiko den Mexikanern!' Also: Hinaus mit den Fremden und, darum auch: Hinaus mit T i az. der sie gerufen! Tas lockt, und so haben nicht nur die armen Jndianerstämme und Mesttzerl ihre Streitaxt anssegraben, sondem haben auch die Arbei­teckreise der Städte und Industriezentren sowie viele Schichten dec gebildeten Gesellschaft ihren stiüschwei- garbe.i oder tätigen Anschluß erklärt. Das geht nun schon seit längerer Zell so. Gleicherweise die Ueber- sälle, Zerstörungen und Plünderungen an fremden ttntrrmhmungen, die daraus resultierenden Verluste. Kun scheint das alles aber unleidlich geworden zu fein. Sine englische Großsirma hat sich an den englischen Botschafter m Washington um Schutz gewandt, und dieser hat die Vereinigten Staaten-Regiemng aufge- furbed, den Schutz der fremden Interessen zu über-

Frühjahrsbestellungen hielt der Ortspfarrer einen Vortrag über den idealen Zug im Rarffeisenoerbande.

[:] HilderS (Rhön), 11. März 1911. In der diesjährigen Generalversammlung des Rhönklubzweigvereins Hilders wurde neben dem altbewährten Vorstände ein? neue Berkehrskoinmiifion, bestehend aus den Herren Gerichtsaffeffor Knierim, Postverwal er Kurz und Lehrer Hillenbrand gewählt, welche sich zur Auf­gabe gestellt hat, das Eektionsgediet noch mehr als bisher dem allgemeinen Touristenverkehr u erschließen, den unfeten klimatisch so vorzüglich gelegenen Höhenluslkurort besuchenden Sommer- srtschlern den Aufenthalt in Htiders und dessen nächster Umgebung auaenehm und bequem zu machen und für die Frequenz desselben intensiver zu werben durch geeignete Reklamen. So hat sich denn in unserem Zweigverein eine recht rege Tätigkeit entfallet, die durch regelmäßig abzu- haltenden Monatsversammlungen, zweckentspre­chende Vorftäge, gemeinschastiiche Wanderungen usw. weitergeweckt und anfrechlerbaUe; wird.

* Schlüchtern, 10. Mürz 1911. Vor einigen Sa­gen wurde nachts bei dem Rechtsanwalt Heimrich eine Mauer eingedrückt. Ein Kriminalbeamter be­gab sich infolgedessen von Hanau mtt seinem Poli­zeihund hierher. Der Hund setzte über die Mau« hinweg und lief in das Nachbarhaus des Weißbinder» Kohlenbusch, sprang bie Hintertreppe hinauf zu dem Bett beS Lehrlttigs Fechner. Der schon vorher ver- dächfige Lehrling Fechner gestand nun bie Tat ein, gab jedoch an, daß ihn fein Lehrherr verleitet habe. Es liegt ein Racheakt vor, da die beschädigte Mau« die Grm'.dstücke der beiden Nachbar« trennt.

= Frankfurt, 11. März 1911. «m 19. Mar, hält hier der Verband geprüfter Nahrung s- mittelchemiker seinen vierten Verbandstag ab. Es wird in der öffentlichen Versammlung Dr. F. Nottbohm reden über Notwendig'.eit der Ver­einheitlichung und Verstaatlichung der Rahrungs- mittelkontrolle im Anschluß an den Bericht des Vorsitzenden über das Verbandsjahr 1910 11, Dr. H. Spieß über die Stellung der sogen, jiffiftenten an den Untersuchungsämtern, Dr. R. Murdfield übet die Neuregelung bet Prüfungsordnung für Nahrungsmittetchemiker, Dr. I. Seiler über di« Zuständigkeit von Tierärzten und Nahrungsmittel, chemikern auf Grenzgebieten der Nahrungsmittel- kontrolle. Im geschäftlichen Teil wird man sich befassen mit der endgültigen Beschlußfassung übet Form und Wortlaut der im Entwurf vorliegenden Eingabe an die den Unter fuchungsämtern vorgesetzten Behörden, mit der Zweckmäßigkeit eines gemein­samen Vorgehens des ge] amten Nahrungsmittel­chemikerstandes in gewissen wirtschaftlichen und ideellen Fragen, jmt. den Befoldungsverhältniffen ver Nahrun.gr- an den amtlichen Unter«

suchungsanna fe'., ver zurzeit üblichen Anusbezeich- Mu'öiifr. mit dem Bericht die Kaffenverhaltnlffe des Verbandes und die Grün­dung deS tlnterstützungsfonds.

* Freienhagen, 9. März 1911. Hier hat ein jun­ges Mädchen feinem Leben durch Erhängen ein Ende gemacht. Tieffinn bürste der Gmnb zum Selbst morde fein. Vater unb Großvater der Unglücklichen ftarben ebenfalls keines natürlichen Todes.

* Ans Oöerheffen, 10. März 1911 . Viel belacht wird ein Telephongespräch zwischen einem Tierarzt und einem Fleischbeschau«. In einem Orte bei R. war ein Kalb geschlachtet worben, das beim Beschauen sich als ungenießbar herausstellte. Dem Gesetze gemäß wollte ber Fleischbeschau« Den Tierarzt benachrichtigen. Als biefer am Telephon erschien und fragte: „Wer boxt?' erscholl bie Antwort: „Hier bt> onstandetes K al b'.

* Rotenburg, 9. Märzl9t1. Die Enttassungs- Prüfung am hiesigen kgl. Lehrerinnenseminar hatte das Ergebnis, daß sämtliche Damen — 30 an der Zahl — die Prüfung bestanden, 10 derselben wurden von der mündlichen Prüfung dispensiert.

V Kassel, 10. März 1911. Der tm Februar 1906 dahier verstorbene Sanitätsrat Htukelbein hat den größten Teck feines bedeutenden Vermögens b« kctthol. Gemeinde in Kassel-Alt zu Anneuzwecken bet-

Aus dem Nachbargebiete.

(?) Eckweisbach, 11. März 1911. Der hiksi^ Darlehnskassenverein hielt am Sonntag feiste Frsihjahrsgeneralversammlung ab, die von 80 Mitgliedern besucht »vor. Der Verein bot sich unter der rührigen Leitung seines Vorstehers des Landwirts Rich. Reinh ard t auch im verflossenen Jahre in erfreulicher Weise weiter entwickelt. Nach dem Jahresberich, ist die Mftgliederzahl von 114 auf 117 gestiegen; der Umsatz betrug 196 422,98 M. Die bei der Kaffe angelegten Spargelder betragen 175940,83 Di. Im Laufe des Rechnungsjahres wurden eingelegt 31013,58 M., zmsickgenommen

Mpolttische ZeMäuse

(N.) Berlin, 9. März 1911.

-Nachdruck verboten.)

Den neunzigsten Geburtstag begeht setzt der Prinzregenk Luitvold von Bayern. Am Fest- tag des rüflig regierenden Greises gibt es leine Mainlinie und keine bundesstaatlichen Grenzstriche; ganz Deutschiand begrüßt glückwünschend das ehr- ivürbige $au;t des Wftlelsbackschen Königsreiches. Und wenn »ir des Himmetsfegens der hohen Jahre und der andauernden Kraft gedenken, so schweifen unsere Bticke hinüber in das befreundete Oesterreich, wo Kaiser Franz Joseph im neunten Johrzehnt seines Lebens durch Geistes frische und Arbeitskraft der Jugend voranleuchtet, unb unsere Erinnerung führt uns zurück zum alten Kaiser Wilhelm, der setzt vor 23 Jahren als Einundrennzigjähriger sein ruhmreiches Leden beschloß, das ihnr keine Zett ge- iassen hatte, müde zu sein. Ebenso gebeutet, wir oer ehrwürdigen Gestalt des Papstes Leo XIII., in beffen hageren Körper ein Geist von wunderbarer Schärfe, Feinheit, Weisheit und Energi- de: Last >on zehn Jahrzehnten trotzte. Und uni x den her- oorr ageuden Stil bürgern bleiben unvergessen Moltke, Bismarck und Wmdlhorst als Beweise dafür, daß ver iüchttge Mensch längst nicht so frV „alt* wird, rote die ZiHern der Jahresringe uns glauben machen wollen.

2).ian kann sehr alt werden, r.>ne alt zu fein. ” 6lüt "> manchen Jahren einen schönen, langen Herbst, oer den Sommer an Herrlichkeit übertrifft *er 'Mensch soll fein Glück selbst fchmieden helfen; das gilt auch für den glücklichen und fruchtbaren Ledeusherdst. Die erste Voraussetzung ist dre solide Lebensführung in der Jugend und Vollkraftzeit. Die zwette Bedingung ist der zäh« Wille. Wer ivegeu jedes grauen Härcherrs verdrossen und zag­haft wird, der kommt nicht zu einem gesegneten Alter, das dem greifenden Wein gleicht. Aber wer auch die etwas steiferen Beine unverdrossen vorwärts setzt, langsam aber sicher, der macht durch die z<rl- berouRte Richtigkeit reichlich wett, was ihm an der

jugendfrischen Fixigkeit etwa abgeht, erreicht durch das bedächtige, wohlberechnete und klug durchgeführte Spiel der gereiften Kräfte oft viel mehr, als die jüngere« Leute in ihrem Stürmen uns Drängen. Wenn der Geist matt wird, wird der Körper früh- zettig müde. Bleibt aber der Geist frisch und arbeits­lustig, dann trä)t und nährt und erhält er die Körperhaft DaS berühmte Wort: „Ich habe keine Zeit, müde zu feint' — muß man recht verstehen. Es soll au-drücken: Ich habe noch fo viel ru tun, ich muß noch Jo viel eisten, daß ich mir keine Ruhe gönnen darf; rch will nicht müde werden!

Trotz des guten Beispiels, das uns viele hervor­ragende Greife in ihrem rastlosen Wirken und Schaffen gegeben haben, ist im Volke sehr stark die Sucht nach Ailersruhe verbreitet. In Frankreich noch stärker als bei uns, da dort bei den Gefchafts- leuten geradezu die Unsitte herrscht, sich schon in den kräftigen Jahren, möglichst noch vor dem 50. Geburtstag, von der Berufsarbeit zurückzuziehen und als Rentier den Rest des Ledens in Muße zu verbringen. Solche Leute machen stch selbst vor­zeitig alt; sie fetzen sich zur Ruhe, während sie noch gar nicht ruhebedürsttg sind; sie schallen sich selbst aus, wenn ihre Leistungsfähigkeit noch aus der Höhe steht; sie machen sich zu Tagediebe.', obschon sie noch die volle Tagesachett leisten können. Ein Feierabend nach vollbrachter Arbeit ist wunderschön und sehr gesund. Ab« wen» ei» kräftiger Mensch schon morgens nach dem Anziehen Fei«abend hat, so verschrumpfi und verdorrt er schnell. Ich habe uian±e Beamte beobachtet, die gewisse Alters- ttscheinungen benutzten, um sich frühzeitig pensio­nieren z« kaffen. Sie dachten, nun gehe eine herr­liche Zeit für sie an; sie freuten sich wie Kinder zu Anfang der große» Ferien und diickre« mitleidig auf die gleichalterigen Bürgersleute, die sich noch immer weiter „abrackern- mußten. Aber in der Regel find dievorzeittsenAitersfttiendenPenfionäreu schlecht bekommen. Es fchlle ihnen die alle Ordnung; d>e ewigen Nii-ßestunden wurden ihnen nicht zur Wohltat, fjn. etn zur Last. Die Le«e des Daseins machte ihnm Unbehagen; sie wurden launffch und gerieten in allerhand MKHelligketten mit den Angehörigen

und Bekanilten, von denen sie in ihrer Arbeitszeit verschont geblieben waren. Das ewige Spazieren­gehen, Rauchen, Bieririnken rc. konnte die Quelle des Unbehagens nicht verstopfen. Die Leute wurden bald matt und verschlissen, weil sie sich vorzeitig fo ausgegeben hatten. Durch die Arbeit wird- man längst nicht so schnell alt, wie durch die ArbettZ- losigkeit.

Diese Gefahr bedroht mehr die Männer, als die Frauen. Letztere bleiben in der Regel in der häus­lichen Arbeit, auch wenn chre Jahre vorrücken, vorausgesetzt, daß es richtige Hausfrauen von altem Schrot und Korn sind und nicht solche, die den Hvsenrock der Emanzipation tragen. Der Mann aber, der seine Berufstätigkeit aufgibt, findet schwer einen befriedigenden Ersatz, um sich vor Langeweile und Erschlaffung zu schützen. Daher das alte Äahmvort: Man soll sich nicht ch« ausziehen, als bis man stch zu Bette legen will.

Es kommen ja im vielgestaltigen Leben Verhältnisse vor, welche die Alten zwingen, dem Nachwuchs Platz zu machen, da ihre Kraft erschöpft ist. In das Unabänderliche muß man sich natürlich fügen; aber man soll erst wohl überlegen, mit sich und mtt sachkundigen Vertrauensmännern, ob die Selbstaus­schaltung wirklich notwendig ist und in welch«» Niaße sie geboten ist. Ans jeden Fall muß der Ruhestandskandidat darauf bedacht sein, in ein« Tätigkeit zu bleiben, die ihm das Bewußtsein erhält, daß er noch ein nützliches Mitglied der menschlichen Gesellschaft ist. Die befriedigende Ar­beit ist das einzig richtige Mittel, um das Leben so lang und zugleich so glücklich zu machen, wie es stch in diesem Jammertal überhaupt erreichen läßt.

Drehen wir diese Piedaille «ach der anderen Seite, so müssen wir mit der unerfreulichen Erschei­nung deS modernen Lebens rechnen, daß der Nach­wuchs vielfach den Respekt vor dem Alter vermissen läßt. In der Vorrett war es anders. Da galt jeder Greis als ehrwürdig, und vor jedem grauen Haupte standen die jüngeren Jahrgänge auf. Jetzt aber bilden sich zahllose Grünlinge ein, daß ste auf der Höhe der Kultur ständen und die Srauköpse rückständig seien. Woran das stiegt, ist

ist nicht so einfach zu sagen. Di: Welt wird ja überhaupt sehr neuerungssüchtig; für die Vergangen­heit hat man keinen rechten Stnn mehr. Und weil der kalte Verstand übermäßig geschätzt und entroickell wird, geht die Pietät flöten; ba$ Gefühl der Au­torität, die Regungen der Ehrfurcht und Dankbar­keit, die Hochachtung vor Uebertieferug und Er­fahrungsweisheit sind nicht mehr zeitgemäß'. Vielleicht wirft auch die moderne Sport« fexerei mit. Die körperlichen Leistungen werden neuerdings außerordentlich hoch geschätzt. Infolge­dessen sehen die körperlich rüstigen jungen Leute mit Geringschätzung herab auf die älteren Jahrgänge, die steifer und kurzatmiger werden. Von einer solchen fatschen Abschätzung bei Wertes und der Nützlichkett der Menschen und vor einer solchen Verrohung des Gefühls kann nicht dringend gewarnt werden. Die Jugend muß sich bewußt bleiben, daß zwischen blendenden Krastäußerungen und fruchtbarer Arbett ein großer Unterschied besteht und daß die wahre Weisheit nicht an» den trainierten Muskeln, sondern an» der angesammelten Erfahrung eines pstichttrenen Lebens stammt. Die Jugend darf dieBttdienste, die sie sich noch erwerben will, nicht höher schätzen wollen, als die Ver­dienste, die sich ältere Leute bereits erworben haben. Und vor allem soll die Jugend im Aug« bchallen, daß sie selbst mit jedem Jahre älter wird und nur zu bald dieselbe Stufe erreicht, auf der jetzt die älteren Jahrgänge stehen. So rote sie als­dann wünschen werden behandelt zu werden, sollen sie jetzt auch diejenigen behandeln, die vor ihnen alt geworden sind.

Das gift zugunsten aller, die in Ehren alt geworden. Hebet die höheren Pflichten, welche die Kinder gegen ihre alten Eltern haben, sollst man unter Christen eigentlich nicht zu reden brauchen Aber eS ist leider eine traurige Tatsache, daß die groß gewordenen Kinder gegen die Urheber ihres Lebens und die Pfleger ihrer Jugend rücksichtslos lieblos, ja grausam vorgehen. Diese Frevel gegen daS 4. Gebot werden wohl beim letzten Gericht eine große und oft verhängnisvolle Rolle spielen.