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treüag «en 10. mär$ 1911.

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« Tuldaer S Leitung *

2. Blati.

vrack ttnb Vortag Lor tatba« Idtentanterel ta Silia.

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Hs. Der Moderuisteneid im Licht

protestantischer Lehrverpflichtung.

Der »om Papst geforderte Modernisteneid be- teäftigte tn der vergangenen Woche die Bnegetkom» Misston und in den letzten Tagen auch daS Plenum deS Abgeordnetenhauses. An beiden Stellen wurde der Eid zum Angriff gegen die kalholtschen Fakul« täten benutzt. ZentrumsreSner wresen zur Abwehr bin auf die noch viel mehr beiageuden Eides« formeln, denen fick die Doktoranden an evange« fischen Fakultäten unterziehen muffen.

Mit Reckt! Die Berliner evangelische Fa« kultär läßt den Dokioranden schwüren, daß er nichts irgendwie lehren, gutherßen, empfehlen und ver« Leidigen wolle, was irgendwie den prophetischen 'unb apostolischen Schrillen, den ökumenischen Glau« bensbekenntnissen der Kirche und insbesondere dem Atlgsdurgischen Glaubensbekenntnis entgegen sei. In Erlange« beschwört der Doktorand außer der Heiligen Schrift noch die Äugsourgische Bekenntnis« formet und ihre Apologie, die jchmalkatdischen Artikel, den groben und kleinen Katechismus Luthers, die Konkordiensormel als Glaubensnormen und verspricht, weder schriftlich noch mündlich etwas da­gegen zu lehren.

Wir benutzen diese Gelegenheit, um auf die bindenden unter Eidesleistung anfertegken Lehr­verpflichtungen in der protestantischen skirche hinzuweisen. Die Statuten der meisten Iniverfit fiten verpflichten die Professoren der y oie» t an tischen Fakultäten, nicht bloß auf Wissenschaft, andern auch auf eine den Zwecken der evangelischen Kirche entsprechenden Ausbiloung der Theologen hin» zuarbeiten.

Co heißt es in den Statuten der theologischen Fakultät in Halle: „§ 4. Die theologische Fakultät hat den Berni, einesteils die auf sie angewiesene Ju­gend durch akademische Vorlesungen unb Hebungen in Vir christliche Theologie als die rvissenschajlUch« Er­kenntnis und Darstellung des christllchen Glandens und Lebens ben Grundsätzen der evangelischen Kirche ent­sprechend einzusühren und so zum Dienste der Kirche vorzubereuen." In den Statuten der evan­

gelischen Fakultät in Bonn lautet § 3, 1: „Die Fa­kultät bekennt sich zu der un.erten evangelischen Kirche und ist verpflichtet, ihre Lehre mit den Grundsätzen dieser Kirche, wie sie in den anerkannten Bekenntnis- schriften übereinstimmend und fchriftgemäß aufgestellt worden sind, in Einklang zu erhalten unb ihre Wirksamkeit dem Dienst dieser Kirche zu widmen. § 4, 3: (SS ifl der Beruf der Fakultät, das Jnterefse der evangelischen Kirche von dem Standpunkt der theologischen Wiffenschast nach äugen unb innen zu wahren." In dem Lizentiaten­eid dieser Fakultät heißt es: „Ich will, so lang ich den Titel eines Lizentiaten der Theologie führe, "mich dieser Würde durch christlichen Ledenswaiidel . . . wert erweise», das Evangelium nach den Grundsätzen der Reformation vertreten und das ivahre Wohl der evan­gelischen Kirche nach bestem Wiffrn und Gewissen fördern." Achnltch kauten die Lizentiateneide an de» anderen protestantischen Fakultäten.

Weiter sei auch hmgewiesen auf die Lehrver­pflichtung, die der Ordinationseid der protestantischen Geistlichen vielerorts euthfilt. Derselbe lautet:

I.In der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Preußen: „IchN.N.gelobe unb schwöre, bei der in der evangelisch-lutherischen Kirche unseres Landes ingtnommenen reinen Lehre wie solche in der heiligen kchrfft enthalten unb in den drei allgemeinen Bekennl- Illffen dem apostolischen, nizänischen unb athanasiani tchen in der ungeänberien Augsburger Konfession und Deren Apologie, ben Schmalkaldischen Artikeln, dem oroßeu und Heilten Katechismus Dr. Martin Luthers und ber Konkordiensormel bargestellt ist, fest nnd stand­haft zu verbleiben, ihr gemäß zu lehren, wider Auf­rechterhaltung Vieser Letzte weder insgeheim noch öffentlich etwas zu unternehmen; baser» ich aber, was ©ott verhüten wolle, au berselben irre gemacht und davon adznweichen verfucht würde, solches ohne Säumen memem Oberhirten anzuzeigen unb desselben Rat unb Weilung abzuwarten. So wahr mir Gott helfe durch Ist um Ehristum unfern Herrn. Amen".

2. In der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern: „Ich N. R. verspreche, daß ich iu ben mir lidertragenen ober von nur übernommenen Pre­digten, Unterrichtsstunden unb sonstigen mir zustehendeu Funktionen, ivelcher Art sie auch seien, mich sorglältig an tue Lehre der heiligen Schrift, wie solche in ben Beker ntnisschriften mrset er evangelisch-lutherischen Kirch« bezeugt ist, ballen, in keinem Stück mit Wiffen von chr abweichen, geschweige ihr widersprechen ober durch un­sichere und zweiseihasle Lehren, die dem Bekennt« »

Sie wche Lilie wm Arliche.

B4] Roman von Erich Friesen.

Aber jedes fühlt, daß das unausgesprochene Un­geheuerliche zur Katastrophe werden muh. Und jeder jlttert vor den Folgen. —

Vorbei das Festnlahl.

Der Diener sragt, ob angespannt werden solle, um Mylord und Mylady zur Bahn zu fahren.

Lilia erschauert .

Fort von der Mutter, hinaus in die kalte Welt — all, in mit ihm? Mit dem Manne, vor dem ihr zu ßraien beginnt? Barmherzigkeit!

Zu Winfried fliegen ihre Gedanken in diesem qual­vollsten Augenblick ihres Lebens - zu ihm, den fte tot wähnt. , . .

Um wieviel besser ist er daran ,als sie, die das Le­ben tveiter tragen mutz an der Seite dieses Mannes, deffeu Gewissen — Lilia fühlt es mit absoluter Ge­wißheit — so schwer belastet ist!

Nicht einen Moment zweifelt sie an der Richtig­keit von Mercedes' Anklagen: ihre haßerfüllten Au­gen sprachen die Wahrheit, und seine scheuen Micke logen. —

„®er Wagen steht bereit für Mylord und Mylady!• Meldet der Diener aufs neue.

Da faßt das bleiche junge Weio Mut.

„Ich kehre zu meinen Eltern nachhause zurück", lagt sie mit fester Stimme.

Lord Douglas will auffahrcn.

Wolf von Berkow hindert ihn daran.

„©eben Sie ihr nach!" raunt er ihm leise zu. „Di« Auflegung war zu groß für das zarte Geschöpf. Mor­gen wird sich alles aufklären l"

Lord Douglas fährt sich mit fpöttisch-nonchalanter Haltung zu seiner Gemahlin.

»Wie Sie wünschen, Mylady! Nur bitte ich zu bedenken, daß ich jetzt ein Recht an Sie habe!"

Todesbletch, erschauernd vor etwa» Unbekanntem, Schrecklichem, klammert Lllia sich an die Mutter.

,O Mutter, Mutter! Verlaß mich nicht! Meld bet mir! Ich — fürchte mitbl*

meiner Kirch« nicht gemäß ftnM, Anstoß geben mffl.*

L Im der «vangelifch-Lmtderischen Lande«. ktrche t« K«»i,reich S-chfem: ^ch gelobe vor Gott, daß ich bei Lvangelmm Mn Lyristo, wie das­selbe in der bethgen Schrift enttmllen tft tntb in der ersten ungefabetttn «ngeberget «onfesfion nnt> fobrnnt tn ben übttaea BekennlniSschrrften der evangelifck^ lutherischen Kirch« dezenql tft, nad) bestem Wffsen und Gewiffen tontet ttnb rem lehren und verkündigen will"

4. In der feldstämdtgem Gvaugelilch« Lutherischen Kirche in ben hessischen Landen: ^ch erkenne die drei Hauptsymbole der »recht «Apostolikum, Ntzaennm und Lchanastanmns btt ungeänberte Augsburger Soafeiston unb deren Apologie, die Schmalkaldischen Arttkel, dte beiden Katechismen Luther« und bi« Kvnkorbienformel für die reine unge- sälschke Erklärung und Darlegung de« göttlichen Wortes und Willen« dekerne ich mach zu denselben al« zu meinen eign« Bekenntntffen."

5. Im Bezirk de« Konsistorium« zu Kassel: Unter dieser einen kirchlichen Behörde sind Lutheraner, Reformierte und Etmerte de« ehemaligen Kurhessen« vereinigt. Die Lehrvervsttchtung ist sstr alle drei Karchengememschaslen von doppelte, Art: GS handelt sich pruächft um einen Revers. Zn unter­scheiden ist wieder der eigentliche Revers unb eine ab­gekürzte Form dieser Dtenstanweisimg. Pfarramts- tanbtbaten bekommen ben enteren zor Kenntnisnahme oorgelegt und werden auf die letztere durch Handschlag verpflichtet. Pfarrer ober solche, bie mit ber selbst­ständigen Führung eines Amre« detrarrl werden, über- nehmen eine eidliche Verpflichtung auf ben elfteren unb unterschreiben ihn; diese llnterschrist wiederholt sich bet jebem Hebergang von einer Pfarrei in eine anbere. Beide Formen de« Reverses sind für alle drei Kirch«tzemeinfchaften gleich. Die kürzere Dienst- anroetfung verpflichtet, *Me Lehre der christlichen Re­ligion, wie dieselbe in den Büchern bei Alten us6 Neuen Testaments enthalten, gelehrt rorrb, nach An. leitung bet vekenninisschrtsteu unserer Kirche voll» ständig rem und unverfälscht der Gemeinde vorzu- tragen ttnb sich bet allen Belehrungen allein von dieser Richtschnur leiten zu kaffen". In betn eigentlichen Die. verS heißt efl: ,LfrSdesondere will tch 3. bte Lehre der christlichen Reiigwn, wie dieietde ht den Hk. Schriften M Alken und de« Reue» Testament« enthalten ist, nach itinleitung der christlichen Belenritnirschriflen in» sonberheit bet btei Symbola, Apostolicum, Nicaenum unb Alhanasianum, sowie der AugSburgischen Kon­fession und deren Apologie nollstänoig rein unb un- veisäUchl bet Gemeinde nnt allem Fleiß vortragen ttnb bet allen meinen Belehrungen ohne Menschenfurcht unb Meirfchengesälligkeit nur bieser Richtschnur folgen."

Ist etwa mit Viesen Eidesformeln und Lehr­verpflichtungen dem protestantischen Theologen, Reiigionsletoer und Pfarrer größere Lehr« und Forschungssreiheit gegeben, als dem katholischen? Bterm aber daS evangelische Glaubensbekenntnis fern Hindernis bildet für Anstellung an staatlichen Lehranstalten, dann auch nicht das katholische. Sehr zutreffend schreibt ein evangelischer Geistlicher zu der liberalen He^ gegen den Moderrristeneid in den .Reuest.n Nachrichten' (Braunschweig) vom 23. Fe­bruar :

„ES ist ja doch selbsiverstänblich, daß ein Geist­licher die Lehre seiner Kirche, aus bte er verpflichtet ist, lehrt unb nichts anderes, unb wenn er baS nicht kann, bann als ein ehrlicher Mensch ben Treust quittiert." Heber die in der protestantischen Kirche obwal­tende Wirklichkeit gibt derselbe folgendes fachmän­nisches Urteil ab:

,DaS Wort Gc-ites, b. h. unsere Bibeh wirb von niemanb mehr gelä tert, zerrissen, gering geschätzt, als von ber evangelischen protestantischen Geistlichkeit, man läßt barmt gelten, was einem paßt, ttnb roaS einem nicht paßt, bar übet fetzt man sich statt huuvea, unb baS tut man nicht heimlich, fonbern öffentlich" aus allen Lehrstühlen, in vielen, vielen Lanzelu dr, Kirche. Seldstveriiänbtich geht es so mit ber Lehre der Bibel auch, ober sagen mir mit ber Lehie der Kirche der Resoruratton, rote wir seinen Katechismus brfrnnen. Fort, fort mit allen bleiern alten Kram, SZßunber gibt eS nicht, Jesus ist Gottes Sehn, so rote btt unb ich, sonst ist er ber natürliche Sohn beS Joseph, unb ge­recht vor Gott wirst bu, wenn bu nur tapfer räfonnierst ulro. Das ist kurz unb stark ausgebrückt bie moderne Kirchen lehre, wie sie sich breit macht tu bet Kirche bet Reformation. 9hm haben alle Geistlichen ttu» alle Professoren bereits ben Eid beschworen, baß sie bie reine Lehre der Kirche der Reformation lehre» und prebigen wollen, haben also wesentlich das­selbe beschworen, was derPapst je^tgegen» roärttg »au seinem Standpunkte aus »v» feinen Geistlichen rollt beschworen haben." Dieses Urteil enthält die volle und ungeschminkte Wahrheit. Es gibt den Freisinnigen wie den Posi­tiven der evangelischen Küche Stoff zu ernsten Er-

wfigungen unb Anlaß genug, bu Hetze g«gat ben Modernist eneto emzu stellen.

vestscher Reich.

♦ Der Urheber der russische» Pretzhetze gegen Deutschland. Die fortgesetzten deutschfemdllchen Auslassungen der.Nowvje Wremjcfi, die auch be- sonder« seit den Tagen der Pol« amer Entrnme unangenehmes Aufsehen machten, finden nunmehr eine überraschende Aufklärung. ES Hal sich dem «Perl. Lokalanz.' zufolge heranSgesiellt, daß rin Beamter bei ruifilchen Auswärtiges Amtes, der fich feh einiger Zeit in der deutsches Reichshaupt- ftabt in Urlaub au?hält, tnetfach unter der MaSke der Derttschfreundllchkeit in politischen und journa- ltstischen Kreisen gefellschetftlicheu Anschluß gesucht unb gesundes, unb diese Beziehungen dazu benutzt bat, um wertvolle Informationen zu snmme n und sie in gehässiger Werse in der ,Nowoje Gremja" gegen Denlschlanv zu verwerten. Hebet- raschend btetbet ist, daß dieser Sonderberichl« erftittet des genannten Blattes bis auf den heutigen Tag etaksmäßiger Beamter im ersten Departement des Ministeriums des Aeußern in Petersburg ist. Danach muffen feine wenig deutschfreundlichen Berichte über bte Potsdamer Er trenne und die russif ch-deutschen Verhandlungen entsprechend bewertet werden, llebrigens wat diese Persönlichkeit sonder batet weise auch einet bet Urheber der Idee non einer Jsformaüons-- Reise deutscher Journalisten nach RsßlaaS.

Ausland.

** Gegen bte Los »en RmnBewegimg hielt am Sonntag abend in bei Volkshalle des Rathauses in Wien der katholische VokkSbund eine im­posante Versammlung ab, der wegen des riesigen An­dranges eine zweite Bersamnüung im Arkadenhose des Rathauses angeMedrrt wurde. Es sprachen tt. a. der Bürgermeister Remnayer, ber Koadjutor des Erz­bischofs, Dr. Nazi und Dr. Meffert aus M.Glndbach. Dieser hielt einen Bortrag, worin er den Katholizis­mus gegen den Vorwurf der Kukturfrindschaft und bet Ueberheßung über den Staat verteidigte.

Aus dem Nachbargebieke.

„§„ Lahrbach, 10. März 1911. In unserer Ke­inem de herrscht, wie auch in vielen andern Gemeinden, seit längerer Zeit unter den Mchbeständen bet Scheidekatarrh. Der hierdurch den Viehbe- sitzern erwachsene Schadm wird für unsere Gemeinde allein cmf 5000 Mk. geschätzt.

— Hilders, 9. Mörz 1911. Die diesjährige &t- sellenprüfung für das Sch reine r» und Wngnetgewerbe findet hier SamStag ben 1. April, nachmittags 2 Uhr im Jnnungslokal /dasthmlS zum Stern" ftott. Diejemgen Lehrlinge, welche sich der Gesellenprüfung unterziehen wollen, Haden sich bis zum 15. März b. I. unter Ueberreichung der erforder­lichen Zeugnisse vom Lehrherrn und von bet Schul­behörde sowie eines sekbstgefck)riebe»en Lebenslaufs bet dem Obermeister Hohmann dahier anzniAriden.

* Metzeu, 9. März 191L Eines wichtigen Schritt zur Einigung ber deutschen Sttidenteuschast bedeuten bie Beschlüsse der erst« brutschen Hochschul- tag es, der in ben letzten Tagen hier tagte. Die Lersnmmkung, die zum größten Teil aus Vertretern zwrikampfgegnerischrr Berbände bestand, sah ihre Anf- Mbe darin, die Ehcanffaffungeii ber Zweikamvfgegner und -Anhänger z« versöhnen, einen Weg zu finden, der beiden Anschauungen gerecht wirb. Em solcher Weg scheint im Göttinger Ehrenrat bereits gesunden zu sein. Der erste deutsche HochfLpttag beschloß an mög­lichst allen Hochschulen DrutfchlankÄ sofort Ehren- schntzausschüffe ins Leben zu rufen, bte ihrerseits bte Gründung von Ehrenräten nach GSttiuger Vorblld ms Werk setzen Den Zentral Ausschuß wird der Göt­tinger Ehrenrat bilden. Man hofft in tiefen Ehren- rätri die Grundlage sehen zu dürfen für allgemeine studentische SiandeÄnieressen. Die Betsammelten

verpfltichteten fich. überall mid besonder« in llflen Ver­bänden für Zusammenschtuß zu allgemeine« studenti­schen Arbeiter au Sscküffrn zu wirken.

* Hnn«, 8. März 1911. Di^ Schwurgericht verurteilte heute den 48 Jahre alten Landwirtschafts­lehrer Bernhard Srumbßhner aid Gelnhausen wegen vwrfStzlicher Brasbfttftung zu 1 Jahr 5 Monaten Zuchthaus. 5 Monate der erlittenes Unter- suchunasbaft kommen in Anrechnung.

* FranSvrt, 8. März 1911. Gegen den früheren Leutnant Schrick von Schweinsberg u. Gen. fand heute wegen gewerbsmäßigen Glücksspiels eint Vernehmung durch den UnkerfuchungSrichter statt. — Die Kriminalpolizei verhaftete den 25jährigen Fabrik­arbeiter Michael Helle, der in der letzten Nacht ein Mädchen an ber aßen Brücke in den Main ge­worfen hatte. DaS Mädchen konnte gereitet werden.

*♦ Frankfurt, 10. März 191L Der Magistrat hat für den Anbau einer Feuerbestattungsan» läge bei den Neubauten des HauvtfliedhofeS bi« Bewilligung von 60000 Mark bei der Stadtoerocd- netm-VersMmlung beantragt.

• Wiesbaden, 3. März 1911. Gestern abend hat fich in eins« Anfall nervöser Ueberreizung ber 54 Iahte äße Rentner Fratq H e h drich e tfchos sen. — Der Geschäfts führet der BezirkLkaffe Wiesbaden des Verbandes deutscher Buchdrucker, Franz 33 et- tina, ber dieser Kaffe 21000 Mark veruntreut hatte, wurde heute von der Stt afkaMmer zu iy2 Jah­ren Gefängnis und 5 Jahren Ehrverlust verurteilt.

88 Kaffri, 10. März 19IL Die Landeskre- ditkasse erstattet ihren Bericht Ser das Ge­schäftsjahr 1910. Der Umsatz beziffert sich auf 166 709 652 M.; et weist in Einnahme 84 544116 Mark, in Ausguß 82 165 536 Mk. «ms, wobei der Ueberfchutz gegen daS Vorjahr um 88700 Mk. auf 729 385 W. gestiegen ist. Die Slgingeroinne, weisen allein eine Steigerung von 87 500 Mack auf. Im Jahre 1910 sind insgesamt 10 544 800 Mark Schuld­verschreibungen ausgegeben worden. Der Wsatz bet Schuldverschreibungen vollzog sich während des gan- zen Jahres ohne Schwierigkeit zu günstigen Kursen und erfordette nur mäßige Aufwendungen. Die Böv- senkurse ber älteren Serien zeichneten sich durch Ste­tigkeit aus. Der Bericht klagt, daß der Verkehr mit den Sparkoffen des Bezirk an Lebhaftigkeit und Gleichmäßigkeit noch immer zn wünschen übrig lasse, besonders insofern, als die Einlagen zwar in der Zu­nahme begriffen, dagegen Entnahme von Dorschüffe» nur in ganz beschränktem Maße stattfanden. Die Zins­sätze für Guthaben der Kaffen stellten sich auf 3, 3>V^ u. 3-V, %, »arrotegertb auf 3 %, für Borichüffe auf 4^ und 5 %, Werwirgend auf 414 %- Der Geschäfts­gang im Fahre 1910 war ruhig, zeigte aber gegen das Iahe 1909 eine, wenn auch nicht erhebliche, f» doch stetige Aufwättsbewcgung. Der Betrag der ausgezahlten Darlehm übersteigt den des Vorjahre« bei sch gleichbtttbender Postenzahl um rund 2600 000 Ak.; der Durchschnittsbetrag der neu auSgelichene« Darlehen erhöhte sich daher um rund 1400 Mk. auf etwa 6200 Mk, immerhin entfallen auch diesmal übet breroiertef aller gewährten Darlehen auf die Stufen bis 5000 Mk., was wesentlich mit dem Dorwiegen dri länbllchen Hypotheken zusammenhäng^, bte stark l/j der im Berichtsjahr erworbenen Htzpocheken au» machen. In der Stabt Kassel litt da« Hypothekeng», schäft einmal unter ber noch immer erheblichen Ein­schränkung. bei Bautätigkeit, noch mehr aber barunter, daß zweite Hypotheken, bte früher hinter ber Lande»- kredittasse gern gegeben wurden, selbst bei recht drü­ckenden Bedingungen kaum zu beschaffen waren. Die­ser Umstand nötigte wiederhott Kreditversuche, auf eine erststellige bei der LandeSkrediikasse ab­

zusehen. Tis rmgeteetme allmähliche BeffrrMg bet WirtschaftÄagr machte sich im allgemeinen auch ta dem pünkllicherm Eingänge der Darlchnszinsen und Abtrag« bemertoar. Der am Jahresschürß verbliebene Gesamtrückstoud von 0,24 Proz. der Misen Beträge dürfte als em mäßiger zu bezeichnen sein. Die Zahl ber von der LandeSkräntkaffe eingeleiteten, in btt überwiegenden Mehrzahl jedoch nicht durchgeführtes ZwongSversteigerMyen war etwa« größer als im Vorjahre während bte Beteiligung an von änderet Seite betriebenen Zwangsverkaufen um bie HAfte geringer war. Bmr dem verbleibenden RetnüberfchuI von 462500 M. find 20 Proz gleich 92 500 Mk. zum Stammvermöglm der Anstalt ab zu führen, der Rest von 370 000 Mk. (20 000 Mk. mehr a!8 im Vorjahre) ge­langt an den Bezirksverband zur Ablieferung.

Wortlos schlingt Frau Jngeborg den Arm um b« zitternde Gestatt unb führt sie aus dem Ztrnmer.

Unb Wolf von Brekow folgt den beiden. In sei­nem eigenen Wagen fährt er Lilia unb ihre Mutter

Kein Wort fällt zwischen den Geschwistern, die ein­ander soeben erst nach zwanzig Jahren der Trennung wiedergefunden. Der feste Händedruck, ben sie vorhin miteinander tauschten, der offene, fratbtg=emgte Mick, bie leise bebende Art, in der jedes den Namen d«S andern leise nannte, sagten genug. Sie haben fich ver­standen.

Mit einem Ruck hält ber Wagen vor dem Beinen Hause ber BaleitiZ. Die Haustür ftcht wert offen. Von brinnen her leises Schluchzen.

Und jetzt stürzt daS Beine Dienstmädchen heraus — mit bickgeschwoüenm Ang« mb gerungener, Hän­den.

„Signom, Signor»! Kommen Sie schnrL! Der Signore wollte auf die Gesundheit ber Signorma Lllia trtoten. Er holte sich eine Flasche „Wermut bi To­rino" au« bem Büfflt und trank sie in einem Ange aus. Unb dann — und dann--"

WaS hat er mm erreicht? . . .

Er besitzt rin Weib. Ein schönes Weib, nach de« seine Sinne seit langem verlangten. Ein Weib, das er liebt, leidenschaftlich liebt!

Unb dieses Weib — sein Weib--eS flieht

vor ihin, zur — Mutter! . . .

Schwer atmet er auf.

Dann öffnet er eine kleine Phiole, die er seit längerer Zeit immer bei sich trägt, unb fitzt su an die Lippen.

Die Twpfen üben ihre beruhigende Wirkung aus.

Er vermag eS. ferne Lage werter zu bedenken. . . .

Wenn morgen der Portugiese auf« neue austaucht — mit seiner Schwester — und ihn zur Rede stellt —?

Lord Douglas spring! empor.

Nein, das bars nicht fiin. Er, Lord Douglas, wirb fein Haus von Polizisten bewachen kaffen, damit niemand ihm nahen darf — —

Ratter Schweiß bedeckt seine Stint. Er öffnet das Fechter.

Draußen schweigende Rächt. Kein Stern wn Him­mel. Alles schwarz. Unb alles still.

Frau Jngeborg hött nicht mehr auf die atemlos herausgestoßenen, fich überstürzenden Worte de« Mäd­chens. Bon trüber Ahnung ersaßt, eilt sie, ben andern voran, inS Hau«.

In der Mitte des Beinen Wohnzimmers, die lern Weinflasche noch mit den Fingern umkrallt, liegt See» nardo Balettt langausgestreckt am Boden.

Er ist tot Sin Schlaganfall hat seinem Leben ein End« gemacht.

18,

Mitternacht ist vorbei.

In febteut einsamen Schlaflirnmer fitzt Lord Dou­glas unb brütet vor sich hin .. .

Die alte Marches«, die ihn nach Kräften zu tri­ften versuchte, hat ihn vor kurzem verlaßen, um fich zur Ruhe zu begeben.

at tft Lord DouglaS allein, ganz allein.

e» »ot 'ein Hochzeitstag!

In quälenben Gedanken versunken, stützt er bte Ellbogen auf bte Tischkante unb wühlt die Hände tn dal dunst« Haar,

Totenstill. ■

Da erfaßt den einsamen Mann plötzlich ein« selt­same Bestemmung.

Ihm ist, al» trüge er einen blutigen Fleck cmf der ltoten Seite der Brüst; öS habe der Böse ihn gefenu- zeichnet unb ihm baff Herz herauSzertffen mit all seinen Fasern — bie» wilde, fürtbige Herz, baS schon fa vielm Unheil gebracht. . . .

Ein Schwindel erfaßt ihn. Nicht mehr leidet es ihn in der Enge bri Zimmers. Hinunter eilt er, in ben Pack,

Wie ein Irrer rennt £«tb Dougka« in feinem eige­nen Park umher. Sein Atem keucht. Seine Pulse fliegen. ,, .

Ha, glotzen ihn nicht ringsum flhwarzstmkeknbe Augen ent Nähend, brennend, haßerfüllt? .

Jetzt hier links . . . dann dort recht» . , , Run von beiden Seiten., .

Und jetzt von überall her , . ,

Unb dazwischen ein Paar traumhafter Beffchen- äugen — die immer traumhafter, immer verschleierter

werden--bis fie ganz im Dunkel der Nacht ver»

fchwinden---

Ein Stöhnen entringt sich Lord Douglas' Prust

Sem Gewissen regt sich. Unb das Gewißen ist ein unbequemer Gast.

Er will ihm entfliehen. Nach links toppt er und nach rechts. Hebern! Banmwurzeln und dicke Stän»- me miß Gestein.

Nicht gewahrt er in feiner namenlofen Erregung, baß leise, schleichende Schritte sich langsam nähern.

Plötzlich — ein Knacken in den Zweigen . , , em Huschen--

Lmd DouglaS wendet sich um.

Da fühlt er auch schmr von hinten tbwn Stoß —-

Em Schrei ... ein dumpfer, schwerer Fall--

Rascheln von Zweigen . . . hastig bavonflhleichend«

SchrM---

Dann wieder alles mhig.

Ringsum tiefe Finsternis. Unb Totenstille.

Am nächsten Morgen.

In vollem Glanze steigt die Sonne über den glat­ten Spiegel des Gardasees empor. . . .

Slidjt verhüllt sie ihr leuchtendes Antlitz, als ihr Sttahkenauge baS dichte Gezweig des Parkes von Schloß Tuscntom durchdringt und auf um grausige, Verbrechen fallt.

Höher steigt fie unb höher ...

Unb als sie bie Mittagshöhe erreicht hat — ba fln- bet die Dienerschaft nach langem Suchen ben «schloß- Herrn mit torchbohrier Brust auf einem schmalen Sei­tenwege des Packe« liegen; kalt unb starr. —

Wie em Lauffeuer verbreitet sich dir Nachricht von dem Mord durch ganz Riva.

Auch Lilia hört baflau mit Schaudern.

Und tiefes Miüeiden löst ba3 Grauen ab, ba» fte noch gestern vor dem Manne empfand, dessen Namen sie jetzt trägt.

Von der Bahre de» Vaters eilt fie ins Schloß zur Bahre des Gatten, ber sie nie besessen unb dessen ein­ziger Wunsch seit Monaten war, die» holde Geschöpf sein eigen zu nennen.

(Fortsetzung folgt.)