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M 55.

Montag den 6. Mär; 19U.

38. Jahrgang.

* fuldaer W Zeitung •

2. Blatt.

vruck und vertag der -inidsrr Actiendruckerei in Zntda.

Deutsches Reich.

.. Roter Terrorismus. Kürzlich wurde berichtet, daß in Miesbach in Bayern ein angesehener Ge­schäftsmann in einer Wirtschaft auf Verlangen sozialdemokratischer junger Burschen vom Wirte aus dem Lokale gewiesen werden mußte. Das Be­zirksamt Miesbach hat den Fall untersucht und als wahr befunden. Nun kommt ein neuer Fall. In der .Seerose' in Schliersee verkehrte ein Herr schon 25 Jahre als Stammgast. Dieser Herr be- dazte den Sozialdemokraten nicht. Was tun sie? Sie sammeln 150 Unterschriften, legen diese Liste dem Wirt vor mit dem Bemerken: .Diese 150

ihre Abnehmer zu verlieren.

Die Aepselwein-Herstellung vollzog sich 1910 unter günstigen Verhältnissen. Bei rechtzeitigem Einkauf war ertragreiches Obst zu billigen Preisen -u haben, und der Msatz war reichlich und lohnend. Namentlich das warme Herbstwetter begünstigte den Konsum des süßen Aepfelweins sehr

Mr die Fabrikation und den Absatz von Mulle- rei-Erzeugntssen gestaltete stch das Geschäfts­jahr 1910 teilweise recht schwierig und im allgemein« nicht angenehm. Die Roggenerntr des Vorjahres war zwar sehr gut ausgefallen, und der Mahllohn stellte sich dementsprechend günstig. Aber an der Weizenvermah- lunq war kaum ein Nutzen zu «zielen, zumal die Wei- - zenpreise ungewöhnlich starken Schwankungen unter- worfen waren und eine Beruhigung für mehrere Wo­chen oder einige Sicherheit für Eindecken mit passender Ware nicht zuließen. f

Nachdem die 1909er Zollerhöhung auf Kaffee soeben vom inländischen Markte überwunden zu wer- den angefangen hatte, ging der Preis infolge minderer Ernteaussichten spekulativ in die Höhe, und diese Be­wegung setzte sich seit August in erhöhtem Maße unb in zum Teil sprunghafter Weife fort Der Zucker ning infolge ungünstiger Ernteaussichten bis in bett I August hinein im Preise hinauf. Alsdann kam das I schöne Herbstwetter jedoch den Rüben noch sehr zu | gute, und in der Erwartung einer ausgezeichneten

eine radikale Wirtschaft abgesehen war. Aus der „LMiimlungspolitik", die das scheidende Ministerium I annähern empfohlen hatte, wurde so eine Abschwörung der ge- mäßigtm Republikaner und deren Ersetzung durch die

ReichktagSwahlvorbereitttttgett.

♦ Wiesbaden, 3. März 1911. Eine konservative Parteiversammlung beschloß durch eine Deputation Herrn Regierungspräsidenten Dr. x-. Meister um Annahme der Reichstagskandidatur bitten zu lasten. — Die christlich-soziale Partei hat General Klingender als Kandidaten ausgestellt.

£1 Das Ministerium Combes gen. Monis.

Ausland.

♦♦ Tie Urheber des BurenknegeS. Großes Aussehen erregen in England die soeben erschienenen Memoiren Sir William Butlers, der bis kurz vor dem Ausbruche des Burenkrieges den Oberbefehl der englischen Truppen in Südafrika hatte und von seinen Feinden verdächtigt rootben I war, nichts zur Vorbereitung des Krieges in der Kapkolonie geleistet zu haben. In diesen Memoiren I werden die schwersten Anklagen gegen den damaligen Kolonialminister Chamberlain und andere hohe | englische Staatsmänner erhoben, die jahrelang

---- Mannheim, 3. März 1911. Am Sonntag tagte hier eine Konferenz des Zentralver- b and es christl. Maler und verw. Berufe für den Bezirk Frankfurt. Anwesend waren 16 Dele­gierte, die etwa 400 Milglieder vertraten. Nach dem Geschäftsbericht für das Jahr 1910 hat der Bezirksverband trotz äußerer Widerstände wettere Fortschritte gemacht. Besonders günstig hat sich der Markenumsatz gestaltet; es wurden pro Kopf der Mitglieder 48,6 Beitragsmarken verkauft. 9In Bei­trägen wurden geleistet pro Mitglied 25,25 Mark. Die Leistungen dursten noch gesteigert werden, zu­mal die Beiträge den Mitgliedern wieder zugute kommen. U. a."sollen reu eingesührt werden die ---------- ------ „

Militärunterstützung und Arbeitslosenversicherung. I $rnte unb Befriebigenber Ausbeuteverhältmsse gingen Den Jv.nggehiljcu im ersten Gesellemahr ist der I ,,ic cßtei|e öoin August an wieder erheblich zurück. — Beitritt zum Verband durch das Zngeständms eines yeBer die Gewinnung von Eisenerzen ist der geringeren Wochenbeitrags erleichtert worden. 5)ie <?>nnBrtsfammer folgender Bericht zugegangen: Im christlichen Maler, Anstreicher und Weißbinder haben c>ajre tgiO wurden auf unseren Gmben bei Bieber sich in ihrem Verband eine Organisation geschaffen, Srei8 Einhausen 55 092 Tonnen Eisrnttze ge- die ihnen einen Rückhalt bietet bei Erringung Ordert und 60 970 Tonnen Eisenerze zum Versand günstiger Löhne und Arbeitsbedingungen, sowie bet 'bracht Die Belegschaft der Gruben betmg Im Erkämpsung der ihnen zusteheiiden Rechte auf ge- Jahresdurchschnitt 5 Beamte und 300 Arbeiter, wertschaftlichem und wirtschaftlichem Gebiete. Allen < ' ---- - - - - «■r - *

christlich denkenden Berulsangehörigen gilt da!,er der Rus: „Hinein in den christl. Malerverband!'

so viele für den liberalen Kandidaten zu gewinnen, daß dieser ben Borsprung über den klerikalen Mandats­bewerber gewinne. Dies ist nicht eingetreten. Nur nm ein Geringeres ist der Liberale dem Zentrums- Renner nahegerückt: 1907 betrug der Unterschied in

selbständige Sozialdemokratie.

So ist das neue Ministerium auf den altenCom-1 besuchen Block zurückgekommen. Die Herrschaft I über Frankreich ist wieder dem alten Combes und sei-1 neu kiilturkämpserifchen Genossen zugefallen, — jenen ] kircheii- und religionsfeindlichen Sturmem und Dran-1 gern, die teils das Schurzfell der Freimaurer, teils tie i rote Mütze der Umstürzler tragen.

Den Anlaß zu der Krise gab bekannllich die I Frage, ob die Staatsgewalt gegen die Ordeusleute | unb die christliche Schule nicht schärfer und schneller I vorgehen solle, wie es der schlaue Briand mit seiner 1 Einschläferungspolitik beliebt. Tie so herbeigeführte 1 Mendimg beschränkt sich aber durchaus nicht auf das 1 kirchen- unb schulpolitische Gebiet; sie bringt auch einen ] neuen sozialpolitischen Kurs, fie drohtnameul-> lich die Vorteile für die Ordnung unb Sicherheit, die I Herr Briand durch sein Auftreten gegenüber der Eisen- bahner-Beivegmig errungen hatte, wieder zu vernichtm. Ja, die ganze politische Entwicklung Frankreichs I wird unter ein neues Zeichm gestellt, da Herr FmirtzS | und seine zielbewußten Sozialdemokraten die «nSschlag- gebende Macht haben.

Nun werden dem neuen Mnisterium in vielen Blättern sehr schlechte Aussichten gestellt und nur eine kurze Lebensdauer prophezeit. Dafür lassen sich freilich manche versönliche und sachliche Grunde ■ an führen; aber die Erfahrung lehrt, daß es oft ganz i anders kommt. Sogenannte „grofce* Ministerien mit imposanten Mitgliedern und stacken Mehrheiten sind schon öfter überraschend schnell zu Fall gekommen, wah­rend mittelmäßige ober gar minderwertige Minister, die mit ^wachen Mehrheit«, anfingen, sich häufig längere Zeit behaupten und viel Unheil anrichten konn­ten Man muß vor allem im Ange halten, daß Herr E o m b es, der rechte Vater bc8 Kulturkampfes, bet Patron der neuen Regierung ist unb daß hinter ihm die ganze Macht der Freimaurer steht.

Tie Katboliken in Frankreich müssen sich auf eine neue Heimsuchung von ernstem Charakter unb nachhal­tiger Drangsal gefaßt nwdjen. Ihr einziger Vorteil ist die Klärung der Lage und die Adwqn der schleiche »den Verführung. Tut Wolfe tommen setzt ohne Schafspelz.

M Mitze Lilie »m Arissee.

30) Roman von Erich Friesen.

Unb nut einer wütenden Geberbe macht er sich asch davon.

Manuel stecht eine Zeit lang unschlüssig. Sollte »er Detektiv sich doch geirrt hab«, als er ibm förteh, er fei auf bet richtigen Fährte? — Wird Zeit unb Geld vergeudet für ein — Phantom? —

Schon wendet auch er sich, um davvnzugchal.

Doch nein! Sch Gewißheit! Hat er eS sich nicht zur Lebensaufgabe gestellt, nicht eher zu ruhen, als bis er die Schwester gerächt? —

Mit wenigen Schritten hat er das hrchc gußeiserne Tor erreicht. Cs ist nur angelchnt.

Mannck Älvarez tritt ein.

Doch nicht dirckt ans das Schloß geht er zu. Seit­wärts HM er sich, ans einem schmalen, allmählich sich empsrfchlängcknden Fußpfad, von wo aus man die Terrasse unb einen Teil der erleuchteten Fenster über­sehen kann.

Hücker einem der hochragenden Lorbeergebüsche verbirgt er sich und wartet, ben brennenden Blick auf die Terrasse gerichtet.

Jetzt tritt eine schlanke weide Frauengestalt her­aus ans die Terrasse. Langsam, wie müde bewegt sie sich vorwärts unb lehnt sich über die Marmor­brüstung, unbeweglich hinausstarrenb in bas Dunkel der Nacht.

„Lilia Baleüi, die schöne Braut!' murmelt unten auf feinem Lauscherposten erregt der Portugiese. .Bin neugierig, was nun folgt!*

Und plötzlich «wettern stch seine Pupillen. So anaestrrngt, mit Anspannung all feinet Strafte, blickt er 'auf die monbschcinüberfiutete Terrasse dort oben, daß er fast einen körperlichen Schm^ empfindet^

Soeben hat ein Mann die Terrasse betreten. Rasch geht er auf die stille Frauengestalt zu legt den Arm um ihre Taille und nähert seinen Mund chrem weißen .Gesicht.

Tochter, die schmerzliche Trauer um den Sohn für kurze Zeit genommen ist, um stolzer Freude Platz zu machen.

Zum erstenmal hat Frau Jngeborg das Schloß betreten. Solange Lady Diana noch in seinen Räu­men weilte, konnte niemand sie dazu bewegen, den Fuß über seine Schwelle zu setzen.

Aber Lady Diana ist fort. Seit gestern. Und iebemtann, der je mit ihr in Berührung gekommen, atmet auf. In Unfrieden ist sie gegangen — in Un­frieden nicht nur mit dem Bruder, sondern auch mit der Tante; denn die gute Marchesa hatte vorgezogen, bei ihrem Neffen zu bleiben.

Auch Bernardo Baletti wollte dem Verlobungsfest im Schloß beiwohnen. Höflich aber bestimmt lehnte Lord Douglas seine Anwesenheit ab. Und der Stall­meister ist es zufrieden. Er begnügte sich damit, sei­ner „Frau Gemahlin" und „Fräulein Tochter* nut vom Rausch zitternden Händen in die elegante Eqm- page zu helfen, die Lord Douglas geschickt. Glück­strahlend, mit weinseligen Augen, blickt er dem davon- rollenden Wagen nach und schwankt bann in seine Lieb- lings-Osteria drunten am Markt, wo der .Chianti* am feurigsten und der Zigaretten qualm am dichtesten l,t Lord Douglas sieht seine Braut heute zum ersten- mal in hetterer Stimmung.

Lilia hat den Bitten ihres Verlobten nachgegeben und für diesen Abend die Traueckleidnng abgelegt. Leuchtendes, duftiges Weiß umhüllt die schlanke Mäd- chengestalt. Kein Schmuck, keine Blumen. Rur eine einzige weiße Rose in dem goldglänzenden Lockenhaar.

Das kleine, ab« exquisite Festmahl verläuft zur allgemeinen Zufriedenheit. Niemand bemerkt, mit welch hohem Interesse der eine der Diener jede Mwne der jungen Braut beobachtet und wie bei ihrem fnschen Lachen manchmal etwas wie Schauern über fein glattrasiertes, unbewegliches Gesicht huscht.

Niemand bewerft auch, wie Frau Jngeborg tole- derholt, wenn sie sich unbeobachtet glaubt, mit der Hand hastig in die Tasche fährt um sich 8u bergetm = fern, ob d« Brief auch noch darin steckt - • der Bries,

den der Postbote chr vorhin einhändigte und der an

Lilia adressiert ist. Sie hatte keine Zett, wehr ge.rnv ben, ihn der Tochter zu geben. Also spat«I

Mitternacht ist langst vorbetz als Lord Arthur» Wagen Mutter und Tochter nach Hause zuruckbringt.

Bernardo liegt bereits im Bett und verschläft sei- neu Rausch. Sein lautes Schnarchen durchdröhnt da» ganze Haus.

Bald begibt auch Lilia sich zur Ruhe.

ftrau -tnaeborg bleibt allein in dem kleinen Wohn- itamn unt toÄ b« R.M-I H-l« w«d,. -

Alles ging gut. Noch wenige Tage - und die geliebte Tochter ist Lady Douglas unb damit auf der Höhe ihres Glück»!

Und wahrend sie noch so den« und grübelt, fällt ihr plötzlich der Brief eh, der noch unerösfnet in ihrer Tasche steckt.

Sie zieht ihn hervor. Er trägt eine tückische Macke und den Poststempel Konstantinopel.

Em Brief an Lilia aus - Konstantinopel? -

Unb plötzlich v «färbt sich Frau Jngeborgs Gesicht Argwöhnisch dreht sie das Kuvert hin und her

Richtig! Dort in der Ecke steht der Absender: „Winfried Althof.* .

Frau Jngeborg Preßt die Lippen oufeinanber.

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,u gewöhnen beginnt? Will er dasselbe chr- lose Spiel treiben, wie vor Jahren feine Mutter. Die Braut dem Bräutigam abspenstig machen, tote bamalJ Gräfin Isolde den Bräutigam d« Braut? —

Frau Jngeborg steht auf und durchmißt mit ra­schen Schritten ein paarmal das Zimmer.

Rein, das darf nicht geschehen! Auf kehen Fall. Sie hat nicht nur das Recht, sondern die Pflicht, übet der Tochter zu wachen. Soll sie gestatten, daß ihr Kind, nachdem es kaum etwas zur Ruhe gekommen, neuen Herzenskämpfen ausgesetzt wird, die doch zu nichts führen können?! — —

(Fortsetzung folgt)

Dir liberale Partei hat bei dieser Ersatzwahl mit einer Konzentration unb einer Intensität agitatorischer Kräfte und Quantitäten gearbeitet, wie es bei allge- meinen Reichstagswahlen einfach unmöglich ist. Es konnte also in liberalen Kreisen wohl die Hoffnung aufkommen, daß es gelingen werbe, von den 5000 Wählern, die das letztemal zu Hause geblieben waren unb die inzwischen durch die Bertiuerung aller Lebens­mittel unb durch die Steuervermehrungen hinten unb vorn unb unten unb oben unzufrieden geworden waren,

Tie Fabrikation emaillierter Eisenblech- waren konnte ihren vollen Betrieb das ganze ^ahr hindurch ununterbrochen aufrechterhalten. ^hre Pr^ duktion sowohl wie ihr Absatz haben sich im Vergleich zum Jahre 1909 gehoben. Erst«« konnte durch die Vervollkommnung der Produktionsmittel erreicht wer­den, während sich für den Absatz sowohl der Export als auch der deutsche Markt aufnahmefähiger zeigten, als in der voraufgegangenen BerichtSzett. Die Mar­rn o r- u n d G r a n i t w e r k e im Kreise Schlucht«», welche hauptsächlich rohgesägte Marmorplatten Bau- arbeiten aller Art sowie Kamine, Waschtischplatten, Randbekleidungen, Fußbodentafeln und Platten für die Elekirizitätsbranche herstellten, waren auch im Jahre 1910 wieder vollauf beschäftigt und konnten bei befriedigenden Ergebnissen ihren Umsatz auf glei­cher Höhe halten wie im Vorjahre.

In der Fuldaer T onwar enfabr ikation hielten Gang und Umfang d« Produktion sich unge- I führ im Rahmen der vorjährigen Infolge reger Bau

♦♦ Der Liberalismus arbeitet mir für die Sozial- demokrattr. Die nationalliberale .Braun­schweiger Landeszig/ schreibt in ein« Wahlbetrach­tung über die Reichstagsersatzwahl in Immen- stabt ganz zntreffend: .Es ist im Grunde allein die Sozialdemokratie, welche das Haupiwahlergebnis zu gesteigerten Zukunstshoffnungen berechtigt, wobei sich allgemein sagen läßt, daß sozialdemokra­tische Erfolge in bet Regel auf Kosten des Liberalismus gehen. Es ist deshalb unbegründet unb bedenklich, anS der Wahl von Jmmenstadt günstige AuSstchten für den Liberalismus hnzuleiten.* — In sehr interessanter Weise bespricht auch der demokratische »Nürnberger Anzeige^ den Ausfall b« Wahl m Jmmenstadt:

werden in Zukunft ihr Gasthaus meiden, wenn dieser N. R. sich nochmals sehen laß..* Der Wirt legt dem Herrn, der 25 Jahre bei bei ihm verkehrt, „nabe*, er solle sich nicht mehr sehen lassen — den Sozialdemokraten zuliebe. — Sind denn anständige, ruhige Leute ganz ber Willkür der Sozialdemokraten ausgeliesert? — Von diesen zukunstsstaatlichen Kulturbildchen einer ver­hetzten Menge erfahren natürlich die Leser der roten Presse nichts ober es werden die Tatsachen einfach mit groben allgemeinen Schimpfereien abgeleu^net.

sm. Die Brauereim warm nicht in bet Lage, die enorme Brausteuer-Erhöhung selbst zu tragen, viel- mehr genötigt, diese im Sinne der gesetzgebenden Fak­toren auf ben Konsum abzuwälzen, wodurch eine Ver­bitterung der Konsumenten.Boykott und Konsumbe- schränkungen hervorgerufen wurden. Die Abwälzung eines Tests her Brausten« unb die damit Hand in Hand gehende Erhöhung der Bierpreise war ab« möglich durch den engeren Zusammenschluß der Brauereien zu Jnt«effcn-V «bänden. Jedoch hatte unter diesem Zustande das Braugewerbe bis in die jüngste Zeit recht zu leiden und wurde noch besonders bedrückt durch die allgemeinen schwierigen Erwerbs- Verhältnisse in Gewerbe und Industrie, durch die Steigerung der Lebensmittelpreise, durch die Ein- schränkung des Viergenusses, durch die äußerst um günstige Sommerwittemng und schließlich auch noch durch die von industriellen und von staatlichen getrie­ben unterstützten und empfohlenen Antialkohol-Be- strebungen. Auch ist in ben steuerfreien sogen alkohol- freien Getränken und in dem Obstwein, dessen Kon- sum infolge BierpreiSerhchung und überaus reicher Aepselcrnten der letzten Jahre bebeutenb zu genommen hat dem Bier eine erhebliche Konkurrenz entstanden, ein' Umstand, der gleichfalls den Bierabsatz stack be- schrankte. Mit der jetzigen Preisgestaltung konnte man im Allgemeinen zufrieden fein, wenn nicht durch zahlreiche Beine bayerische Brauereien teils die neuen I Preise unterboten und sehr weitgehende Vergunsti- I gungcii eingeräumt worden wären, denen die Ver- I bandslrauereien Rechnung tragen mußten, um nicht

konspiriert und intrigiert HAten, um ben 1 Krieg heraufzubeschwörrn. Während Eng- land durch systematische Fälschung von Nachrichten aus Kapstadt verhetzt wurde unb von den Ver­schwörern in England alles ausgeboten wurde, um die Buren auszureizen, ließ man den für biemtti« tärische Situation in Kapland verantwortlichen Offi-ier (Sir William Butler) ganz im unklaren Über die Pläne, der doch für Englands Kriegsbereit- schäft zu allerttst hätte in Frage kommen muffen, sjiur auf Umwegen erfuhr der General von dem gefährlichen Spiel, das man in London und Jo- hannesburg spielt, ohne sich der schweren Folgen bewußt nt fein. Niemand in London schien sich zu fragen, ob England auch kriegsbereit wäre. Ja das Srtegeminifterium ordnete angeblich sogar noch allerlei Ersparnisse in der Armeeoerwaltung im Kapla de an. Im Mai 18^) wurde S»r William Butler vom Gouverneur Miln« befragt, ob eine militärische Demonstration an der Trans­vaalgrenze veranstaltet worden könnte. Der General lachte offen über diese Idee und erklärte, dazu wären mindestens 40000 Truppen nötig. Später erfuhr Sir William, daß die Kapitalisten in Johannesburg ihren Frieden mrl Krüger hatten machen wollen, aber Chamberlain das verhindert habe. Ihm selbst sei von dem Kolomalamt zuge- mutet worden, seine offiziellen Depeschen, die m einem Blaubuch erscheinen sollten, zensieren zu lassen, um die öffentliche Meinung me»u|ui ten. So wurde gehetzt und geschürt, obwohl der General fortwährend in seinen Depeschen aus die englische Unvereitfchast zum Kriege btnrote^ Lord Lansdowne antwortete ihm kurz, er solle sich nicht um Dinge kümmern, die ihn nichts an­gingen, und im Juli wurde ihm von dcm Kriegs- ministttium geraten, um feine Versetzung einjutommen, weil man ihn in gewissen weisen in London als burcnfreundlich verschrieen habe. Buller ertrug diese Schmach mit Schweigen. Bald darauf brach der Krieg aus, der England fünf Milliarden Mark und 25000 Menschenleben kostete.

Volkswirtschaftlicher und soziales.

Jahresbericht der Handelskammer, in.

Die EssigsPrii - Produktion hielt sich un­gefähr in den vorjährigen Grenzen. D«^ Absatz ließ bis in den Juli hinein recht zu wünschen übrig, sodaß sich größere Lagerbesiände ansammelten; von da ab begann das Geschäft aber recht lebhaft zu werden, die Vorräte lonnteu rasch geräumt werden, unb bie rege Nackffrage nach Essig hielt bis gegen Ende des Jahres an. Die Preise tonnten im allgemeinen entsprechend den durch das neue Branntweinsteuergesetz bedingten Verschiebungen erhöht werden.

Die Bierbrauerei batte auch im Berichts­jahre mit recht ungünstigen Verhältnissen und mit mancherlei Erschwerungen ihrer Entwicklung zu kämp-

Voll beleuchte» die Mondenstrahlen die kleine Gruppe.

Ter Lauscher unten aber starrt und starrt, wie hyp­notisiert — unb seine Fäuste ballen sich.

Er hat ben Mann dort oben erkannt.

Es ist — Arturo Romano!

Sein erst« Impuls ist, hinzustürmen, dem Schur- km die Maske vom Gesicht zu ziehen.

Dsch nein. Würde man ihn überhaupt hinein- lassen? Würde man Ujn nicht davonjagen wie einen Hund? — —

Manuels ganzes Blut ist in Wallung. Seine Schläfen hämmern. In rasenden Schlägen klopft sein

Trotzdem — er beherrscht sich und zwingt stch zu ruhiger Üeberlegung.

Und plötzlich lacht er triumphierend auf.

Ein Gedanke ist ihm gekommen — ein Gedanke — s» grausam, so entsetzlich, so diabolisch, daß « selbst davor erschrickt.

Mit einem Ruck schiebt er ben breitkrempigen Ca- labreserhitt in die Stirn und verläßt rasch den Park. Dann eilt er zum Telegraphenbüro, wo et eine De­pesche nach Capri ausgibt.

Die Depesche ist an Mercedes Alvarez adressiert und tautet:

»Komme sofort hierher. Dein Bruder.

Lllia Baletti, die schöne Braut dort oben in den festlich geschmückten Raumen von Schloß Tusculum, hat keine Ahnung von der dunklen Wolke, die sich über ihrem unschuldigen Haupt zusammenzieht.

Rur freundliche Gesichter steht sie. Alles, was fie umgibt, ist Glanz und Pracht. Sie beginnt, sich daran zu gewöhnm, in wenig Tagen dem Manne an­zugehören, ber ihr noch bis vor kurzem Widerwillen einflößte. Verdient nicht schon allein sein unermüd­liches Werben um ihre Liebe ein Fünkchen Gegenliebe?

Wie stolz und vornehm die Mutter heute aussieht in ihrem schwarzm Seidenkleid! Selbst die verwöhn- ten Blicke bee vornehmen Bräutigams ruhen beroun- beend auf der majestätischen Erscheinung, auf dem , edelschönen Gesicht, dein bade, an dem Ehrentage bet

In ben parlamentarisch regierten Ländern, vor 1 allem in ben Republiken, soll angeblich der Minffter-1 wechsel mit ein« gewissen naturgesetzlichen Ordnung I und Sicherheit erfolgen. Das Parlament gibt seinen Willen durch einen Mehrheitsbeschluß kund, und das K^ats^chechaupt wähtt die Diinffter aus ben Führern ber Mehrheitsparteien. Diese Theorie steht sehr ein­fach aus: aber in d« Praxis geht es keineswegs Kgelrecht unb glatt.

So fehlte z. B. bei der jüngsten KrtfiS in Frankreich | ber ministerstützende und mmisterfchaffenbe Mehrheits-1 beschlug Tas Ministerium Briand nahm seinen Ab­schied, obschon es nicht in die Minderheit geraten fvar, nut wegen der Abschwächung fein« Mehr­heit bis auf 16 Stimmen. Briand unb feine Genossen zogen einen Freiwilligen" Rücktritt dem drohenden re- gelrechten Sturze vor. Die knappe Mehcheit, die bis ihm Schluffe dem Ministerium Briand treu geblieben War, hatte doch nach allen Regeln des parlamentari­schen Regierungssystems mindestens ebensovick Recht ÜNb Gewicht, als die gegnerische Minderhett. Ab« Mn hat sich die Sache f» entwickelt, daß gerade die Führ« dieser M i n b e r h e i t zur Aiacht gelangen unb die bisherigen Mehrheitsparteien in den Hintergrunb geschoben werden. Erst hieß es:, der alte Kurs mtt einer „Nuance" nach links; jetzt ist man auf b« f^i^ fen Ebene nach links hin schon so weit abgerutscht, daß i S^mmenzahl l380 unb jetzt beträgt er 1268.' Diese die bisher opposttioncklM Sozialdemokt,aten t t,en Liberalismus ärgerliche Tatsache Unttt Führung von JaurLs das Zünglein in der Wage I beweist, daß bie Allgäuer seine Bülowblocksünden Hilden sollen. D« Senator Dionis, der vom Präsiden- i nicht vergessen haben und daß der auf einmal ten der Republik auf die Mmistersuche geschickt wurde. I wieder oppositionell sich ergebende Liberalismus ■-«§ U S rimaen gemäßigten« Vertrauen deS süddeutschen Volkes noch nicht in dem

stchwodlweis- Maße wieder gewonnen hat, daß er seine Wählerziffern Republikanern angefragt, aber die ha en 1 9 I t,ermet)ten fn ber Lage wäre. Es reicht, wenn alle

ltch aolehnend^ verhalten, da sie mertten, datz^es aus | au| einen Punkt konzentriert werden — was nur bei Ersatzwahlen möglich ist — gerade aus, um ähernd den alten Wählerbestand einzubehnl- ten. Weiter langte es nicht. Das ist die Lehre des 25. Februar 1911 für die liberalen Parteien.