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Fulda, Samstag den 4. März 1911.

Erstes Blatt.

52.

38. Jahrgang.

Deutscher Reichstag.

Sitzung vom 2. März 191L

Die Weiterberatung deS MilitLretats wird beim Titel M ikit ärwerkü äu«n ,orlge»etzt.

Slbg. Behrens (wirtsch Bereinigt legt dar, daß den MÜitärarbeitein nicht die volle KoaltttouSsreihett gewährt werden lärme. Bon den Relolutionen könne man nur denjenigen be8 Zentrum znftimmen.

«bg. Frhr. v. Gamp (Reformp.) meint, die Parteien M-chien iÄ doch nicht in Reiolnlionen gegenseitig über» rümpfen, um fo weniger, da sie ja doch nicht alle berücksichtigt werden können. „ ,

«bg. Dr. Becker-Köln 'Ztr.Z warnt m einer Polemik _tit dem Abg. Pollhoff den Freisinn vor feinet Ber- brvdernng mit der Svzialdemokrarie, die tot Lande übel vermerkt werde und schließlich nur den Effekt haben werde, daß der Freisinn von den Sozial, demokraten untergebuttert werde. Wir ziehen unsere Resolutionen nicht zurück, sondern hoffen im ©egentetl auf eine recht große Majorität Der Redner tritt noch­mals für den Ausbau der Arbetterausschüffe und die Stcherüellung ihrer Mitglieder ein.

. Abg. Zubeil (so,.) fordert unbeschränkte KoalttwnS- freibeit für die MUilärwerkstättenarbeiter.

Generalmajor Wandel bezeichnet die gestrige Be­hauptung des Abg. Bohlen, daß die Mehrzahl der Werkpättenarbeiter in Straßburg Eoztaldemokraten seien, a« unrichtig. - _

*, Abg. Sommer (VolkSp.) wünscht bessere Avance- menisverhLltntsse für die Feuerwerks- und Zeugofstziere.

Generalmajor Wandel gibt eine zusagende Antwort.

Abg. Schwarze-Lippstadt (Ztr.) weift aus den Widerspruch hin, der fich bei den Sozialdemokraten darin bekunde, daß sie ftets höhere Löhne usw. sorder- ten, aber selbst die Mittel zum Etat nicht bewilligen wollten. Dem Abg. v. Gamp habe er zu erwidern, daß man mit der Resolution des Zentrums eine Besse­rung der Berhältnifle anstrebe, und nachdem man sich tagelang über die Remonten gestritten habe, dürfe doch wohl auch ein Wort über die Arbeiter gesagt werden. (Beifall im Ztr.) Redner bespricht bann die Fragen deS Aklrrdsyftems, der Teuerungszulagen, der X ensious- kosse« und die Behandlung der Arbeiter, die viels ach zu wünschen übrig lassen.

Abg. Hue (Soz.) begründet eine sozialdemokratische Re'vlntion bett. Vergebung von Arbeiten.

Abg. Mommsen kBp.): Bei unserer politischen Lage gibt es für das große liberale Bürgertum keine größere Gefahr, al8 das Zentrum, und in­fofern bedeutet das Zentrum für das Deutsche Reich die schwerste Gefahr. «Gelächter im Ztr.) Gewiß — so lange das Zentrum besteht, werden wir in Deutsch­land nicht zu vernünftigen politischen Berhältnissen auf der Grundlage kommen, daß wir eine Rechte und eine Linke haben — eine Linke, iunerhakb deren schließlich auch die Sozialdemokratie ihren Radikalismus ablegen wird. (Lachen und Widerspruch im Ztr. und rechts.) Deshalb werden wir mit besonderer Freude den Kamps gegen das Zentrum führen und wir werden es ihnen bei den Wahlen zeigen. Die Be­sorgnis, daß wir bei unserem Bündnis mit ber Sozial- bemoTratie Sitze etobüßen könnten, ist völlig deplaciert. Zunächst ist mir von einem .Bündnis' mit der Sozial­demokratie überhaupt nichts bekannt — (Glocke des Präsidenten).

Präsident Gras Schwerin-Löwitz'. Herr Abgeordne­ter, das gehört aber wirklich nicht zum Militäretat und ich muß Sie bitten, zur Sache zu kommen.

Lbg. Mommse» (sortsahrend): Ich komme schon (Heiterkeit); ich mußte das sagen gegenüber den An­griffen der Zentrumsredner. Im übrigen aber genügt wohl auch, ivas ich gesagt habe, und ich will nur noch seststeUeu, daß von unserer Seile »och keine Briese au dir Ör Deutlichkeit gekommen st id, durch die ein Bünd­nis ruu der Sozialdemokratie schriftlich sestgelegt wor­den ,st.

Adg. Dr. Will (Ztr.) titlet die Heeresverwaltung, recht bald an eine Reform der Lohnverhältuisse in den Militarbetrieben heranzugehen und fährt fort: Daß $eir Mommsen kein Freund des Zentrums ist, das wissen wir, wir verzichten auch gern auf feine Freund­schaft. (Sehr gut! und Heük. im Ztr) Wir wissen aber, daß sein früherer Parteiches Eugen Richter ganz anders über daS Zentrum dachte. (Zu- ruf itr 8: Da war es aber auch anders!) Ja, da waren auch andere Zeiten! < Erneute Zurufe linkS.) Nun — wir wollen unS darüber nicht streiten, wir wollen ruh g die Zukunft abwarten und wir werden

|a dann sehen, ob Ihr« (zu bet Freisinnigen) Prophe­zeiung«, in GrMung geh« werb«. (Beifall tot Zentrum.)

Abg. Hoch (Soz.) wünscht Heranziehung der Ge­werks ck asten M den Ardeiteransschüssen.

Ada. GieSbert» (Ztr.) bittet, die «kkordabrüge zu untersuch«, di» in verschied«« Werkstätten bet Krupp vorgekomm« fei« und über die bei den christlich- national« Arbeitern groß» Erregung bestehe. Dann wch eto Wort zu dem, wa« der Abg. Hue über die Stellungnahme deS christlich-nationalen Arbeiterkon- greffeS in Frankfurt zur Frage deS EtreikrechtS gesagt hat. Die Zitate, di« er da vorgelesen hat, waren nicht vollständig und daher nicht zutreffend. Der Abg. Schiffer hat damals — (Glocke deS Präsidenten).

Bizeprästdent Schultz: Herr Abgeordneter, daS hat mit dem Militäretat nichts zu tun, ich muß Sie bitten, auf di« Sach« zurückzukommen!

Aba. Gtestat» (Ztr.), Ich stelle demgegenüber fest, daß ber Abg. Hue in der Beziehung, ohne daß vom Präsident« etogegriffen worden wäre, hat ver­dächtig« bflrf« — (Glocke deS Präsidenten).

Vizepräsident Schultz: Ich verbttte mir eine solche Kritik meiner PrSfidialführnng. Es wird von hier aus völlig gleichmäßig verfahr«: wenn wirklich einmal eto Abgeordneter mit einem Nebensätze oder einem Nach­sätze etwaS Steift, was nicht ganz zur Sache gehört, so kann man nicht gleich dagegen einschreiten, aber längere Ausführungen über solche Fragen können nicht zugelassen werden.

• Abg. @ie»bert« (Ztr.): Dann verzichte ich — ich stelle aber fest, daß wir in dieser Frage nicht gleich­mäßig und ausreichend zu Worte gekommen sind.

Abg. KeU (Soz.) mehrt, die württembergische Milstärverwattung sei nicht da? Geld wert, da- sie uns kostet.

Vizepräsident Schultz rügt den Redner wegen dieser Bemerkung.

1 Damit schließt die Diskussion.

Zur Geschäftsordnung bemerkt

Abg. GleSbert» (Z.): Der Präsident hat mich vor­hin unterbrach« in meiner Erwiderung auf Dinge, über die Aba. Hue, allerdings während eto anderer Präsident PtKdterte, Dreiviertelstunde lang reden durfte. Ich will dem Herrn Präsiv«t« durchaus nicht den Vor­wurf machen, daß er illoyal »erfahren fei, e? ist aber notwendig, daß die Herren Präsident« sich verständigen über dm Gang der Debatte, damit solche Zivischen- Me nicht vorkommen. (Sehr richtig!)

Vizepräsident Schultz: SS ist bei solch ausgedehnt« Debatten für bro gerade amtierenden Präsidenten un­möglich bei jedem einzelnen Satz einzugreifen, der nicht streng zur Sache gehört, aber es ist doch «in großer lluterschich, ob ein solcher Satz beiläufig ausgesprochen wird oder ob eS sich um lange Ausführungen handelt. Herr Hue hat, soviel ich weiß, überhaupt nicht Drei» vtertelftmtbe gesprochen.

Die beiden Kapitel »Artillerie- und Waffemvesm' werden bewilligt, unb darauf di« Zmi-umSretostzrioum angroommen, di« Resolution Albrecht dagegen adgelehni.

Zu Kapitel 48 Z (Verschiedene Ausgaben) begrün­de der ZmtrumSabgeordnele Schirmer solgende Re­solution: Die Regierung möge in Erwägung« darüber eiutreten, in welcher Weise die Versorgung der invalid« Arbeiter, sowie der Witwen und Waisen der in den Militärbetrieben beschäftigten Arbeiter besser auSgedaut werd« könne.

DaS Kapitel wird darauf bewilligt und die Reso­lution Schirmer (Z.) angmommen.

Bei tat außerordentlichen Ausgaben bittet

Abg. Trimboru «Z), daß erlaubt werde, daß Luft­schiffe di« Stadt Köln besuch« und in der MH« deS dortigen Feftunasgeländes landen.

Generalmajor Wandel sagt Berücksichtigung zu.

Daraus werd« die außerordentlich« Ausgaben bewilligt.

Dienstag: Fortsetzung und 8. Lesung der HeereS- verlagen.

Preußischer Landtag

Abgeordnetenhaus.

Sitzung vom 8. März 1911.

Die Wetterberatung der EtatS wird bei der Bau­verwaltung fortgesetzt.

Abg. ». Poppen heim begründet einen Antrag, die AuSgab« für die Unterhaltung der Binnenhäf«

und Binnmgewäffer um 200 Tausend Mark herab- zusetz<>n, weil von der Unterhaltung etaet über die ver­tragliche Verpflichtung Hinausgehmd« Fahrtiefe biS zur Erledigung deS EchiffabrlsabgabmgtsetzeS abae- sehm werd« könne. Di« hterdmch gefparten 200 Tausend Mark sollen zu den «usgabm für Unterhai. trnig der Seehäfen, SeeschiffahrtSstraßen usw. »uge- schlagen werd«.

Abg. Roeren (Zmtr.) trttt in längerer Ausführung für die Mosel-Sa ar-Kanalisation ein.

Verkehrsminister v. »reitenbach erklärt, daß der Moselkanalifatton nicht nähergetretm werden tonne, und zwar auS denselben Gründ«, wie ta früheren Jahren. Die Moselkanalisation würde der Eisenbahn- Verwaltung einen Schad« von etwa 24 Millionen Mark zufugen. Der Antrag Pappmheim, mit dessen Begründung wir einverstanden sind, soll geprüft werden.

Abg. Dr. Röchling (natl.) spricht sich gegen den Antrag Vappenheim aus. WaS btt Saar und Mosel­kanalisation anlangt, fo darf ich behaupten, daß der Saar- und Moselkanal das finanziell rmtabelfte Wasser- straßenprojett ist, da» in Deutschland überhaupt aus- geführt werden kann.

Abg Frhr v. Zedlitz lsreikons.) erllärt sich für den Antrag Pappmheim und stellt fich bezüglich der Mosel­regulierung auf Seiten des Ministers.

Abg. Waldstein iBolksp.) bekämpft den Antrag Pappenheim unb befürwortet die Mosel-Saarkanali- sation. „ .,

Abg. v. Maltzahn (kons.): Mit Rücksicht auf die Erklärung deS Ministers, daß er uiit unserem Antrag einverstanden ist, ziehen wir ihn zurück.

Abg. Dr. v. Campe (nt!b.) hält es für besser, den alten Kanalunfrieden nicht wieder an das Licht zu ziehen.

Abg. Schreiner (Ztr.): Wir dürfen kein Mittel außeracht lassen, bas Mosel-Saarprojekt zu verwirk­lichen. Der Minister irrt sich, wenn er meint, daß 1905 bas Projekt ber Regierung nur zur Prüfung über­tragen roerben sei. Da aus dem Kanal 10 Millionen Mark eingenommen würden, würde eS sich für den Fiskus nur um ein.n Ausfall um 10 Millionen Mark handeln. Der Fiskus darf aber nicht immer das fis- kal-sche Interesse in den Vordergrund stellen, sondern muß auch das wirtschaftliche Interesse deS Landes mit« sprechen lassen. Mit Genugtuung nehme ich Kenntnis von der Erklärung des Ministers, daß er das Projekt als nicht erledigt betrachtet (Beifall im Zlr.)

Abg. v. Rath (ntlb.) tritt für Kanalisierung ber Lahn ein

Abg. Dr. Glattfelter lZtr.) erNSrt, daß er seiner­zeit dem Kanalprojekt nur zugestimmt habe unter der Voraussetzung, daß auch Mosel und Saar kanalisiert würden.

Abg. Lotz (srk.) gibt seiner Befriedigung Ausdruck über den steigenden Verkehr des Dortmund-Ems- Kanals.

Abg. Dahlem (Zlr.) tritt in warmen Worten für die Schiffbarmachung der Lahn ein. Seine Freunde seien t/affir, bau tm SchissahriSabgavrngeFtz die Heinen Schiffer von Abgaben sreigelaffm werden. Sie würden einen entsprechenden Antrag einbringen.

Minister v. Breitenbach erwidert, daß das Lahn- projekt noch nicht geprüft sei.

Samstag: Fortsetzung.

Deutsches Reich.

Prälat Dr. v. Dnller -fr.

Dr. v. Salier, der langjährige erste V o r- sttzenbederZentrumsfraktiondesbaye- rischen L a n d t a gS, ist am Freitag in Freising im Alter von 76 Jahren gestorben.

Die Zentrumspartei Betrauert in seinem Tode den Verlust eines ihrer ältesten und verdientesten Führer. 40 Jahre lang hat er dem bayerischen Abgeordneten­haus angehbrt, wo er mit den liberalen Ministerien Lutz und Crailsheim die härtesten Kämpfe bestand und seine Partei zuletzt von Sieg zu Sieg geführt hat. Eine schwere Krankhett trübte seine letzten Lebens­jahre, sodaß der Tod für ihn eine Erlösung sein mußte.

Balthasar v. Daller, Lyzealcektor in Freising wurde geboren 1835 in Gasteig bei Niklasreuth. Von 1847 bis 1849 Besuchte er die Lateinschule in Rosen

heim, von 1819 Bis 1855 das Gymnasium in Freising, um hierauf an der Universität Münch« weiter zu stu­dieren. 1862 wurde er Religionslehrer am Gymnasium in Freising, 1864 Profeffor der Kirchengeschichte und de» Klrchenrecht» am Lyzeum, 1886 wurde er Rektor dieser Anstalt. Seine parlamentarische Tätigkeit be­gann er 1872 im Freisinger Gemetndekollegium, dem er biß 1899 angehörte, nachdem et schon 1869 als Er­satzmann in ben Landtag gewählt worden war (für Traunstein und Rosenheim). Am 14. Februar 1871 wurde er in die Kammer einberufen und war seit dieser Zett ununterbrochen tm Landtag. Staat und Kirch« zeichnet« ben immer einfachen und bescheidenen Man» durch zahlreiche Ordm, Verleihung des persönlich« ÄdelS, des Titel» eines päpstlich« Hauspralatm, eine» erzbischöflich« geistlich« Rate» usw. aus. Di« Stadt Freising und die Gemeinde Niklasreuth ernannt tm ihn zu ihrem Ehrenbürger.

Daller trat in einer Periode schwerer Kämpfe in dm Landtag ein, tn dem er immer sein« Mann stellte. Sie Stellung der Zentrumspartei in Bayern war Bei der auch hmte noch stark liberalistermdm Regierung von jeher schwierig. Da hieß eS fest zusammenhalten. Saß dieser Zusammmhalt geschaffm wurde in einer mustergütigen Organisation der Zentrumspartei, daß auch da» Arbeiterelement in die Fraktion eingefügt werd« konnte, ist da» unsterbliche Verdienst des Ver­ewigt« ; ihm ist e» gelungen, alle Widerwärtigkeit« und all« Zwist, der bei einer so groß« Fraktion un­ausbleiblich ist, mtt klugem Rat auS der Welt zu schass«. Sein hervorragendes Verbimst war es auch, daß e» gelungen ist, die Bewegung im Bauernstands die bei dm Wahlen von 1893 im Bauernbünde Erfolge errang, aufzunehmm und trotz fortwährender Emme- rung im Personalsten!) der Fraktion eine einheitlich« Fraktionspolitik in allen Hauptfragen zu wahr«.

Dr. v. Daller war ein vorzüglicher Redner unb griff, namentlich In seinen jüngeren Jahren, bi all» Frag« ein. Seine außerordentliche Menschenkenntnis, sein mildes, versöhnliches Wes«, seine kluge Ab­wägung ber VolbSbedürsnisse unb Volksstimmung« machten ihn zum Fraktionsführer in hervorragmdem Maße geeignet. Unb was bie Hauptsache war: er besaß bas Verträum und die Liebe aller; so trauert heute um ihn die ganze Zentrumspartei in Bayer» unb barüber hinau» vor allem seine FraktionSgenoffm, denen ihr .Vater Daller" unvergeßlich bleiben totrb.

t Berlin, 3. März 1911. Der Kaiser war am Donnerstag abenb bei einem Diner bei m Dbee» Präsidenten der Provinz Brandmburg. — Der bisherige Legationssekretär bei der Gesandtschaft in Bukarest, Legation»rat Dr. Kräcker v. Schwarzem feldt, wurde zum Minifterrestdenten in Bogota (Columbien) ernannt. — Dem LandtagSabgeordneten Geisler (Wolperidorf) wurde von Se. Heiligkeit Papst Pins X. dar Kreuz des Ordens Pro Ecclesia et Pontifice verliehen. — Der König von Sachse« ist auf seiner Sndavreise in Taufikan eingetroffm unb hat jetzt die Reise nilabwärt» angetreten.

e. Die Budgetkommifsion des Reichstages verhandelte bei der fortgesetzten Beratung des Postetats über die Verhältnisse der Unter­beamten. Mit der Begründung, daß Post­beamten durch die neue Besoldungsordnung tut einzelnen Orten keine Verbefserung ihrer Bezüg« erfahren hätten, wurde von Sozialdemokrat«! und Volkspartei eine Abändrrung der Be­soldungsvorlage zugunsten der unteren Postbeamten verlangt. Der Schatzsekretär legt» Verwahrung dagegen ein, daß man auf diese Weise die ganze Befoldungsfrage von Neuem auf- rolle. Eine Erhöhung der Bezüge der Unter­beamten müsse zu neuen ©feuern führen. Die verbündeten Regierungen feien fest entschlossen, für die nächsteZeit Aende« rungen an der Besoldungsordnung nicht vorzunehmen. In Anerkenntnis, daß

In der Ferne Gttarrm- unb MandollnenKang. Schmelzmbe Weis« durchztttem die weich« Lust.

In dem etwa» zurückliegenden Schloß fast alle Fmster erhellt.

Und jetzt aufsprühende, buntfarbige Rccketm, Drehende Sonn«. Taghell «rschtmmemde bmgaktsch« Beleuchtung.

Draußen vor dem hohm gußeisemen Packtor alle? still.

Langsam, wie suchend, kommt ein Mann des Wegs daher. Manuel Alvarez ist'», dm da» Telegramm deS von chm mgagiertm Detektivs nach Riva rief.

An dein Tor Äeibt er stehen und horcht. —

Er gewahrt einen Burschen, ber scheu die hohe Parkmauer entlang schleicht, alS wolle er nicht gesehen werd«.

Ihn fragt er, ob er wisse, was da drinnen lo» ist.

„8etloBimg!' knurrt ber Bursche mit einer höh­nischen Grimasse. „Verlobung!'

In tat schwarz« Augen de» Portugiesen zuckt e» auf. Also wirklich!

»Wie heißt die glücklich« Braute fragt er mtt scheinbarer Ruhe. .

„Wie die glückliche Braut heißt?" höhnt der Bursche. „Lilia Baletti heißt flel Sie Tochter eine, lumpig« Stallmeisters ist fiel Richt» besseres al» Ich, ber Beppo Sorto!" „

„Unb — ber Bräutigam? — Wissen Sie auch, wer ber — Bräutigam ist?'

Sin widerwärtige» Lach« verzieht Beppo» LH»- p«.

„Der — Bräutigam? Hahahaha! — Ein feiner Lord ist'S. Lord DouglaS schimpft er fich!"

verblüfft tritt Manuel Alvarez einige Schritte zurück.

„Lord — DouglaS? Irr« Sie fich nicht, junger Mann? — Heißt er nicht „Romano"? Arturo Ro­man»?'

Grinsmd zeigt der Bursche feine weiß« Zähne.

»Nee, mein Bester! Lord DouglaS heißt er! Hol' ih» ber Kuckuck! — Wer ich werd'» ihm schon be­sorg«!'

(Fortsetzung folgt.)

Stellung angetreten, interessiert aufhorcht, um gleich darauf, mtt dem gleichgültigsten Gesicht von der Welt, tat Brat« weiter zu servier«.

Lady DianaS Wutausbrüche find etwa» f» All­tägliche», daß für gewöhnlich niemand in ihrer Um­gebung ihn« irgmd welche Bedeutung besiegt.

Ums» erstaunter ist die Dame, ole am nächsten vormittag, während sie sich allein tm Eßzimmer bv- findet, der neue Diener, nachdem er fich vorfichttg nach all« Sette» «»geblickt, an sie herantritt.

I» hochmüttgflem Ton fragt sie, was er wolle.

„Mylady äußerst« gestern, Mylady würdm Ihr halbes vermög« hergebm, wmn die Heirat zwischen Lord Demglas unb der Signorina Baletti verhindert wurde. H da» Mylady» Ernst?'

Lady Diana blickt dm Mann, der in unterwür­figer Haltung vor ihr steht, spöttisch an.

„Möchten Sie e» etwa verhindem?'

Der Dimer lächelt vielsagend.

„Wollen Mylady zuerst meine Frage beantworten! Wieviel gedenken Mylady dem zu gebm, der die Het- rat verhindert? Oder möchtm Mylady lieber, daß die Sigonorma tot —'

„Still! Um Himmelswillen!' unterbricht ihn Lady Diana erschrocken. „Wa» unterstehm Sie fich —'

„Mylady fegten doch —'

„Was sagt man nicht alle», wen» man aufge- bracht ist!'

„Mylady wollen als» nicht —'

„Warum nicht? Die Heirat verhindert hab« — da» möchte ich schon —'

„Gut. Wieviel zahl« Sie?'

Forschend steht die Derne dem Man» in» Gesicht, da» so 9« nicht» von einem Dien« an sich hat — vielmehr ta» schlauen, durchdringenden Blick eine» GcheimpaltzP« Dann sagt sie, wie gleich« iltt« hdo- geworfmr

^„Ra — ßchntausend Frank« wärm mir nicht M

Pseudodlm«. -s ist, al» ob «

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Ise Vche Lilie vs» 8-rSasee.

29] Roman von Erich Friesen.

„Hm, sie sieht nicht aus wie eine Gans'k meint der Boron nachdenklich, indem et noch einmal tat Kops zurücks-ndet nach ber rasch vorüberschreitmden schlan­ken Mädchengestalt.

Wie schmollend zieht Lady Diana die kurze Ober» lippe ein wenig herauf. Forschend blinzeln ihre Augen oen Mann an Äret Seite an. Hat auch er sich bereits in die hübsche Larve vergafft?--

Ach, ganz andere Empfindung« ließ« Wolf von Bcrkow tat Kopf zurückwmdm: Erinnerungen an feine Jugmdzeit, die längst hinter ihm liegt; 6t* hmenr ^«, ine et fett fldro Jahren verbannt hatte und die nun beim Anblick dieses Mädchens Wied« auftauchm; Erümernngm an seine — verlorene Schwester.

Er sucht deshalb, beim nächsten Mittageffm wie mtabßchllich das Gespräch nochmals auf die junge Dame zu bring«, welche Lady Diana s» freundschaft­lich mit „Gans' abgetan.

Äud) diesmal weicht fix fichöich verstimmt aus.

. ./'i® Marchesa aber, der« gutes Hetz dem bescheiden« RLdchm gngeton ist, erzM, daß Sig- nonna iiflia Lord Arthurs Braut ist.

Ein tanger, verwundert« Mick au» dm klug« Slänneraug« trifft Lady Stone, He, hochrot vor Art- ßer mtt dm Fingern auf dem Tisch herumtrommckt und dabei ihr« Tante giftige Blicke zmottst.

„Immer diese unausstehliche Person!' stößt st« Wütmd heraus. ^Jch gäbe mein halbe» vermög» darum. Wenn ich dies Geschöpf tat zu meinen Füßen jähe oder wmiKms die verhaßte Heirat vereitel» könnte''

Wmn in Lady Dimm die „Furie' erwacht, verhält fich ihre Umgebung mäuschenstill.

So auch heute. Niemand erwidert etwas auf ihr« Wutausbruch.

Nicmwid bemerkt ab« auch, wie ein« bet anfi Parten den Sten«, der erst vor wenig« Tag« {ebn

Diana zu verabschied«. Seit gestem abenb hat der joviale Baron eine unüberwindliche Abneigung geg« die temperamentvolle Same de« Hause», so daß « e» nicht fertig bringt, länger ihr Gast zu sein.

Der Diener ab« wechselt rasch ein« Blick des Einverständnisses mit Lady Diana — dann nimmt er mtt gulgesptelter Geschäftigkeit ein Tablett mtt Gläser vom Büffet und entfernt sich mit tief« Verbeugung.

An demselben Abmd noch schickt n schmunzelnd ein langes Telegramm an Manuel Alvarez nach Capri.

Die doppelten Spionendiensie sollm ihm eine Masse von Rollm „roter Füchse' eintragen.

So meint er wenigstens, bet brave Detektiv.

15.

Schloß Tusculum, Lord DouglaS' stolzer Herren­sitz, ist viele Jahrhunderte alt.

In reinstem altitalimischem Stll erhebt sich das mächtige weiße Gebäude, ein archttcktonisches Meister­werk, auf ein« weiten säulengeschmikkten Terrasse.

Dahinter ein riesig« halbverwildert« Park. Schwermütig und stelz rag« durckelnde Zypreffm empor. Hohe Ptntm wieg« ihre Breitgeäflet« Schirmkronen tm HerBstwind. Auf filbergrmim Oliombäumm webt Sonnenpracht, und ünmngrüne Eich« wucht« daneben, knorrig unb ernst, wie ein« schsitzmde Kohorte.

Sett Jahrm, so lange b« jetzige Besitzer, Lord Arthur, da» Schloß bewohnt, hat fich niemand son- d«lich um seine Schönheit« gekümmert. Und noch wmig« um die Schönheiten de» Pack».

Lord Douglas ist kein Ratutfteund. Und Lady Diana noch wenig« eine Naturfreundin.

Früher, al» die Besitzung noch tat Romano», b« Vorfahren Lord Douglas' mütterlicherseits, gehörte — da widerhallteu oft die eleganten Räume von Becherklang und frohem Singsang. Unb „Evvivak Evviva!' schallte «8 hinan» in die dunkle Nacht. —

Lana, lang HP» ta — —

Heute scheinen jene Glanzte«« des Schlosse, wie- btt zu neuem Leb« erwacht zu fei*. Bie vor lang« Jahr« j» oft, erstrahlt auch heute bet Park ta feen­haftem Glanze.