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Zeitung

« fuldaer

M 50.

Donnerstag den 2. März 19U.

58. rapraaug.

2. Blatt.

vk»<k und Verlag der Znldarr ArKendrnckrrtl hi Snl6a

Buckler, in der 1. Klasse der Landwirt Löwer gewählt. , m.

♦ Treysa, 28. Febr. 1911. Im nahen Wiera wurde vorgestern nacht ein Dienstknecht von Zigeunern durch Revolverschüsse verwundet. Man konnte der Täter nock nicht habhait werden.

— Stausebach, 1. März 1911. Am Sanis tag abend sprach hier Schneidermeister Rupp von Niederwal­gern. Die wahlberechtigten Männer und Jünglinge Stausebachs hatten sich diesmal zahlreich eingefnnden. Rupp entwickelte sein Programm als Reichstcgskandt- dat des Wahlkreises Marburg-Kirchhain-Frankenberg in geschickter Weise.

* Anzefahr, 28. Febr. 1911. Die Straße vor, hier nach S chö n b a ch war in den letzten Sagen wie­der überschwemmt und deshalb wie häufig bei Überflutungen der Verkehr nach Schönbach, Groß- seelhetm usw. unterbrochen. Für die Bewohner dieser Orte, die mit der Eisenbahn verreisen wollen, bedeutet jede Neberschwemmung eine starke Störung, da sie dann bis zur nächsten Station einen großen Umweg machen müssen. Die Kosten einer Erhöhung des Weges können nicht so hoch sein, da es sich nur um eine kurze Strecke handelt, die beteiligten Gemeinden müßten deshalb auf schleunige Beseitigung des unhaltbaren Zustandes dringen r .

* Kirchhain, 1. März 1911. Auf Anregung der hiesigen Pferdezüchter sst die Deckzeit der Stuten erweitert worden und zwar von vormittags 8—9% unb 11—12 Uhr und nachmittags von 4—6 Uhr.

Legen Sie niemals die Zeitung weg

ohne daß Sie den Anzeigen eine eben­so eingehende Beachtung schenken, wie dem übrigen Lesestoff; auch wenn Sre keine direkte Veranlassung dazu haben, können Sre unter den verschiedenen Angeboten immer etwas finden, das Sie interessiert und nützen kann.

vermischtes.

* Im v-Zug zwischen den Stationen Wesel unb Haltern erschoß sich während der Fahrt der Re- aterungsbaumeister Kann aus Kiel.

* Bau neuer Zeppelin-Luftschiffe. Die Luftschiff- baugesellschast Zeppelin wirb entgegen dem ursprüng­lich gesüßten Plane zunächst bas wieder erstandene Luftschiff „Deutschland" fertig stellen und das Luft­schiff Anfang April von Friedrichshafen nach Düssel­dorf überführen, wobei in Baden-Baden und Frank- Hirt a. M ein Fahrgastwechsel stattfindet. Hierauf wird sofort das Versuchslustschiff „Zeppelin 9" in Betrieb gesetzt.

* Raubmord an einem Geistlichen. In D a m e- remy be Charleroi in Belgien ist der 56;ährige ka­tholische Geistliche des Ortes Francois be Jonghe und seine 6üjährige Haushälterin von Einbrechern in seinem etwas abgelegenen Hause ermordet worden. Die Mörder drangen auf einer Leiter in das Schlaf­zimmers des Pfarrers ein und zwangen ihn, sie durch das ganze Haus zu führen und ihnen alle Behältnisse, auch zwei große Geldschränke, aufzuschließen. Nach­dem das geschehen, zerschmetterten die Einbrecher dem Priester mit einem Brecheisen die Hirnschale, bann er- schlugen sie bie durch das Geräusch erwachte Haus­hälterin auf dem Korridor. Als der Geistliche mot- gens nicht zur Messe erschien, entdeckte der Kirchendie- nee das Verbrechen Die Täter sind unbekannt ent­kommen.

* Eine Genossenschaftsbank für bas Uhrmacherge- werbe ist, wie die Deutsche Uhrmacher-Zeitung berich­tet, vor kürzem ins Leben gerufen worden. Der Sitz der neubegründeten Kreditgenossenschaft ist Düsseldorf; sie bezweckt, den Angehörigen des Faches den nötigen Barkredit zu verschaffen. Da die Uhrenfabrikanten unb -Grossisten dec nengegründeten Genossenschaft ihre tatkräftige Unterstützung zugesagt haben, so darf eine gedeihliche Entwicklung dieses gemeinnützigen Unterneh­mens erhofft werden.

Die Sammlungspolitik der Regierung

Ist bekanntlich darauf gerichtet, möglichst viel libe­rale Elemente aus der Bassermann'schen Opposition hinweg zu den arbeitswilligen Parteien hiuüberzu- bringen. Der Zweck ist nicht zu tadeln, aber bie an­gewandten Mittel sind nicht einwandstet.

Von der besonderen Vergünstigung, die Herr v. Bckhmwm Hollweg im neuen Wahlgesetz dm Ra- ttonaNiberalen durch Vergrösserung der Wahlbezirke usw. zugebacht hatte unb um deren« illen er die ganze Reform scheitern ließ, wollen wir nicht näher reden. Aber als klarer Beweis für die außerordentlich große Rücksichtnahme auf bie Liberalen muß jene Unter­lassung httivorgehoben werden, auf die jüngst noch der Antrag Mirbach im Herrenhause hinwies: bie Regierung hat bie Finanzresorm au8 ben Händen der sog. schwarzblauen Mehrheit entgegengenommen und die dadurch beschafften materiellen Mittel zur Grundlage ihrer Geschäftsführung gemacht; aber sie hat gegenüber der Hetze, welche die Gegner der Finanz­reform in Gang brachten, eine lässige Zurückhaltung beobachtet, — als ob bie angegriffenen Steuergesetze gar nicht unter ihre Verantwortlichkeit fielen. Die Forderung, baß bie Regierung offen unb kräftig für die Wahrheit und dir Ehre ihrer Gesetze sowie für den inneren Frieden eintreten müsse unb solle, ist fett anderthalb Jahren oft, aber vergeblich erhoben worden. Der Antrag Mirbach war sachlich wohl begründet, aber nach Sage der Verhältnisse im jetzigen Zeitpunkte nicht mehr opporttm. Die Parteien, welche das patriottsche Werk der Finanzreform geleistet haben, müssen sich selbst helfen gegenüber der feindlichen Agitation, pbsckwn sie von der Regierung, die sich der Früchte des Werkes erfreut, Schutz und Hilfe hätten erwar­ten bürfen.

Zu diesem Kapitel gehört auch die „wohlwollende Neutralität" gegenüber dem Hansabunde, welche bie Regierung bisher betätigt. Der Hansabund griff nicht bloß gewisse polttische Parteien und wirtschaft­liche Organisationen, namentlich die landwirffchaft- lichen, grimmig an, sondern er richtete seine Agitation offen gegen die bestehende Gesetzgebung, für Welche die Regierung selbst unmittelbar verantwortlich ist. Der Hansabund entwickelte sich in offensichtlicher und handgreiflicher Weise zu einem mit riesigen Geld­mitteln und ebensogroßem Effer arbeitenden Wahl­verein, der nicht bloß die posittven Parteien der Konservativen und des Zentrums rücksichtslos be­kämpft, sondern auch mit bet sog. Regierungsmehrheit bie gegenwärtige Regierung selbst zu untergraben ftre&te. Als em tapferer Bayer, Herr v. Pechmann, die Leitung des Hansabundes überführte, aus tccktt- schen Gründen die. pflichtmäßige Abwehr bet Sozial­demokratie hintanzusetzen, blieb die Regierung dennoch In ihrer Reserve und sah ruhig zu, wenn auch öffent­liche und rechtliche Körperschaften, wie die Handels- kammern, und sogar ganze Gemeinden sich dem poli­tischen und oppofittonellen Agitattons- und Wahlbunde förmlich anschloffen.

Dieses Aergernis ist am Montag im preußischen Ab­geordnetenhause zur Sprache gebracht worden, und da­bei Hai sich bet Handelsminister Sydow in über­raschender Weife die Verteidigung des Hansa­bundes angelegen fein lassen (tigl. Rt. 48). Eine solche Fülle von Wohlwollen werden aller Wahrscheinlichkeit nach auch die Letter des Hansabundes selbst nicht er­wartet haben. Herr Sudow begnügte sich nicht da­mit, für bie Bewegungsfreiheit der Handelskammern zu plaidieten und auf das Mißliche von disziplinären Eingriffen hinzuweifen, sondern er bestritt angesichts der schreienden Tatsachen, daß der Hansabund „von dem wirtschaftspolitischen in das rein politische" ge­kommen sei, auch stellte er das bekannte skandalöse Flugblatt des Hansabundes als eine voreilige „Ent­gleisung hin. Nm genügt es, daß „maßgebende Kreise des Bundes", mit denen et „selber gesprochen" hat, das Flugblatt „entschieden mißbilligt" haben. Jn- zwisckien setzi das lügnerische Flugblatt mit der Unter­schrift des Vorsitzenden des Hansabundes seine ver­hetzende, vergiftende Wirkung fort.

ein paar Dutzend Handelskammern zu dem Mil- lionenfonds, den bie Großbanken und Freihändler bet Wahlagitation des Hansabundes zur Verfügung stel- len, noch etliche Hundertmarkscheine beifteueni, ist von geringer materieller Bedeutung. Aber bet mo­ralische Eindruck, den die Schwäche bet Regierung und die Unterstützung der politischen Opposition durch

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Dir Misse Lilie Boni Gardasee.

27] Roman von Erich Friesen.

„Und Du —? — Allmächtiger Gott —"

„Ich wollte ihm nach. Da waren sie weg!"

.Cie -?•

„Er und — seine Begleiterin, die schöne Sig- norina Baletti."

Mercedes sinkt in sich zusammen. Ihr ganzer Körper schüttelt wie im Fieber.

„Signorina Baletti —? wiederholt sie atemlos.

„Glaubst Du, daß — daß--"

.— daß bie beiden zusammengehören? — Ja. Sie hielt das Taschentuch vor bie Augen. Und er —*

„Er? Er?"

„— streichelte zärtlich ihr Haar, nahm ihren Arm

und zog sie mit sich!"

Laut stöhnt MerredeZ auf. Ihr wehes, blutendes, zuckendes Herz droht stille zu stehen.

Als aber bet Bruder Hut unb Stock nimmt unb davon rennen will — ba ruft sie tn zitternder Angst hinter ihm her:

„Manuel! Manuel! — Großer Gott! Was willst

Du tun?"

»Sie — warnen! Und ihn — züchttgenl" Verzweifelt ringt das unglückliche Weib die Hände. „Nein, nein! Hör mich, Manuel

<5r aber hört nicht auf ihr bebendes Flehen. Schon sst er auf dem Wege nach dem Hotel Pagano.

„Signora unb Signorina Baletti find vorhin mit hem Dampfer abgefahren", meldet der Portier.

„Unb — er? Der brünette Herr —"

„Der vorhin erst angekommen war? — Auch er fst fort *

„Mit ben Damm?"

„Mit ben Damm."

14.

Eine Woche ist eS her, daß man den armen kleinen tarlmo zur ewigen Ruhe gebettet Unter einem buf­fenden Blumenhügel schlaft er den ewigen Schlaf.

öffenllich rechlliche Körperschaften hervortust muß doch ein bedenkliches Schütteln des Kopfes veranlassen. Daß Herr Shdow über ben Kreidestrich ber vorsichti­gen Zurückhaltung, den Herr v. Bethmann Hollweg gezogen hatte, boch hinausgehüpst sei, unb baß er in­folgedessen zur Uebernahme des gerade vakantm Ober- ptlPdiumS von Westfalen reif erscheine.

Jedenfalls ist Klärung geboten. Der leitende Staatsmann muß öffentlich Stellung nchmen gegen bie Ausschreitungen des Hansabundes. Es handelt sich nicht um die Interessen von Handel, In­dustrie unb Gewerbe, bie ans der Etikette des Bun­des stehen, sondern um dessen Partei- und wähl- politische» Treiben.

veutsches Reich.

)( Bon der 1. Eisenbahnklasse erzählt die amt­liche Statistik allerlei schr Bemerkenswertes. Trotz bet starken Inanspruchnahme btefet Klasse durch reiche Ausländer benützten diese so herzlich überflüssige 1. Klasse kaum 3 Proz. die 2. 17% Proz., die 3. runb 41% Pro,, unb bie 4. Klaffe 36 Proz. ber Reisenden. — Die 4. Wagenklasse ist die Haupteinnahmequelle ber Eismbahnverwaltung, ba sie die geringsten Auf­wendungen 6erlangt. Der Ertrag dieser Klaffe, von dem die Eisenbahn einen erheblichen Teil ihrer gro­ßen UeberschÜffe zieht, würde noch größer sein, wenn man die 4. Klaffe auch in Schnellzüge einlegen unb datmrch bei einem erheblichen Teile ber Reisenden 4. Klasse das ständige (wegen des Bremsens und Wie- deranfahrens so kostspielige häufige) Anhalten auf den Stationen beseitigen wollte. Aber aus einer solchen Maßregel befürchtet man ein „Abwandern" in die 4. Klasse und daraus eine Schädigung der Eisenbahn. Die finanziellen Gestchtspunfte aber spielen bei uns in Preußen in solchen Fällen ja die Haupttolle,

e Deutsche und lateinische Schrift. Der Bericht bet PetitionSkommisflon über bie Beratung bet Pe­titionen bett. Zulassung ber lateinischen Schrift im amtlichen Verkehr und über die Zurückdräugung des deutschen Schreibunterrichts in den Schulen ist jetzt erschienen. Er berichtet gleichzeitig auch übet bie Behandlung bet Gegeneingaben, über die Uebergaitg zur Tagesordnung beschlossen worden ist. Doch er­folgte dieser Beschluß nicht mehr einstimmig. In der Diskussion führte ein Mitglied ber Kommission aus, daß seine politischen Freunbe nur widerstrebend dem Beschlüsse bet Kommission zustimmen konnten, dies je­doch durch die bringenbe Befürwortung des Regte- rungskommissars veranlaßt, getan hätten. Er erklärte ferner, daß seine Fraktion diesen Beschluß nicht akzep­tiert habe, vielmehr im Plenum sich auf das schärfste dagegen aussprechen werde. Was die Stellung des Re- giemngSkommiffars angeht, so hat dieser zu Eingang seiner Ausführungen betont, daß die verbündeten Re­gierungen zu der Frage noch nicht Stellung genom­men hätten. Er hat also wesentlich nur im eigenen Namen gesprochen.

Aus dem Nachbargebiete.

]:[ Dipperz, 1. März 1911. Gestern hielt die hiesige Feuerwehr ihre erste diesjährige Uebung ab, wobei die ältesten Feuerwehrleute Haas, Link, Jestädt, Böhm und Helmer zum ersten Mal die ihnen verliehene Verdienstmedaille anlegen konnten. Der Ortsbrandmeister gedachte in einer Ansprache der Verdienste der ausgezeich­neten Feuerwehrleute.

* Frankfurt a. M, 27. Febr. 1911. Wir be­richteten schon mit dem nötigen Fragezeichen über bie 900 Millionen-Hinterlassenschäft des holländischen Admirals Wirtz, auf die Einwohner von Niedershausen bei Weilburg glaubten Ansprüche zu haben. Es stellt sich nun heraus, daß es sich um dieselbe Erbschaft handelt, wegen deren im vorigen Jahre in Asbach im Westerwald, in der Gegend von Bonn und auch in dem Saarbrücker Gebiet nicht geringe Aufregung war. Damals hat die Polizeidirektion in Essen die Sache untersucht und ihre gänzliche Aussichtslosigkeit, u. a. auch durch Erkundigungen bei der Kaiserlichen Gesaud!schäft im Haag, festgestellt. Ansprüche werden seil 1849 auf diese Erbschaft erhoben und zahlreiche Prozesse sind ohne Erfolg geführt worden. In Köln gibt es sogar einen „Verein zur Erlangung der Erb­schaft Wirtz".

Frau Jngeborg ist es, bie am meisten unter bem Verlust leibet.

Gewiß — mich der Vater betrauert den Sohn in seiner derben Weise, und Lilia ist von ganzem Herzen betrübt.

Aber Bernardo findet Trost in dem berauschenden Gift der südlichen Weine, so daß man ihn jetzt fast nie mehr vollständig nüchtern sieht.

Frau Jngeborgs Trauer indessen sst die ttefste, nachhaltigste, weil das Gewissen bei ihr mitspricht.

In stummem Schmerz hatte sie den bleichen Kops des Sohnes immer wieder und wieder gestreichelt und verzweifelt gesucht, ihn ins Leben zurückzurufen. Ach, was würde sie darum geben, wenn der Junge wieder vor ihr stände in seiner ganzen frischen Jugmdkraft, seinem lachenden Uebermut!

Vergebenes Sehnen! Er ist tot, der muntere kleine Jockey, dessen geschmeidiger Gestalt auf der Rennbahn so oft bewundernde Blicke, begeisterte Zurufe folgten. Kein Klagen, kein Flehen ruft ihn ins Leben zurück.

Still ist es geworben in bem kleinen Hause bet Balettts.

In ihren schwarzen Trauerkleidem bewegen bie 6eiben Frauen sich schweigen!» hin unb her — lebe von ihnen trübe Gebanken im Kopf hemmwälzenb, ohne ihnen Ausbruck zu geben.

„Mein Mann ein Trunkenbolb, ber langsam, aber sicher, bem Grabe zutaumelt — mein Sohn, ber Haupternährer ber Familie, tot — was soll aus mit unb meiner Tochter werben, falls Lorb Douglas sich von uns zurückzieht--*

So grübelt bie Mutter.

„Winfrieb, mein Stillgeliebter, fort — ber Valet fast nie zu Hause — bie Blutter auf Setten bes Man­nes, der mich zum Weibe begehrt unb vor bem mich noch immer eine Innere Stimme warnt —"

Dies bie Gedanken ber Tochter.

Selbe aber wissen, baß nur Lorb Douglas' Hand sie dieser Misere entreißen tarnt. —

Lorb Douglas umgibt seit bem Tode be» Heinen Carlino bie beiben Damen mit noch garteren Aufmerk­samkeiten. Die Ttauerklelbung läßt Lilia größer, rel-

Kassel, 1. März 1911. Im November v. IS. berichteten wir über einen von der Handwerkskammer veranstalteten MeisterkursuS für Bauhand- werter. Von den 19 Teilnehmern, die sich dazu gemeldet, trat einer gleich anfangs zurück, die üb­rigen 18 haben sämtlich ihre Prüfung bestanden. Ein Teil der Kurststen hatte im katholischen Gesellen­hause Wohnung unb Kost genommen. Die Leute waren mit Unteren,ft und Verpflegung sehr zu­frieden, jodost -ns zur weiteren Benutzung

empfohlen weu >-

♦ Kassel, 1. 1911. Für die landwirt­

schaftliche Ausstellung rm Sommer ist mit Unterstützung des städtischen Verkehrsamtes vom Kasseler Fremdenverkehrsverein ein Wohnungs- ausschuß gebildet worden, der es übernommen hat, für die Besucher der Ausstellung Unterkunft in Privatquartieren zu vermitteln. Bei der Bestellung einer Wohnung durch den Wohnungsausschuß i eine Vermittlungsgebühr von 1 Mark für das Bett in Postmarken beizusügen. Die Zimmerpreise in Privalhäusern beweg n sich zwischen 3,75 und 5,75 Mark einschließlich Frühstück. Wegen Beschaffung von Massenquartieren zu ermäßigten Preisen haben sich die Besteller spätestens bis Mitte Mai an den Wohnungsausschuß zu wenden. Die Wohnungsbe- stellung wird sich nm so glatter abwickein, wenn der Taz der Ankunft, die Daiter des Aufenthaltes und die Ansprüche an die Wohnung sowie besondere Wünsche betreffs Frühstück usw. angegeben werden.

* Dillenburg, 1. März 1911. Mit dem Bau der Bahnstrecke Dillenburg—Weidenau, die schon vor zwei Jahren vom Landtag genehmigt wurde, soll nun begonnen werden. Für den Bau, der auf 11 Millionen Mark veranschlagt ist, sind drei Jahre vorgesehen.

* Steinach (Sachs.-Mein.), 1. März 1911. Der 20 Jahre alte Sohn des Grünwärenhändlers Greiner verüble einen Mordversuch auf den Bäckermeister Huhn Hierselbst. Er betrat den Laden des letzteren und forderte einen Pfeifenkopf. Während Huhn sich umdrehte, schlug Greiner ihm mit einem Beil über den Kopf. Huhn ist schwer verletzt. Der Täler ist enlflohen.

* Darmstadt, 1. März 1911. Das größte Dorf Hessens ist nach der letzten Vollszählung Viernheim, das jetzt nahezu 10000 Einwohner zählt.

* Ingelheim, 1. März 1911. Eine wandernde Schafherde, 250 Stück, wurde in der Freitag nacht auf der Ingelheimer Aue durch Hunde in alle Windrichtungen zerstreut. Der Schäfer war Die ganze Nacht tätig, um Die Schafe wieder zu- sammenzubringen. Es glückte ihm dies bis auf drei Stück, die verfd wunden stt.d. Die Tiere wurden von einem Hunde zersprengt, der ans Hunger die Schafe anfiell Eines der Tiere zcrrrß er unb fraß einen Hinterschenket vv is ändiz auf.

Amt Geisa und Umgebung.

* Tiefenort, 1. März 1911. Auf der chemischen Fabrik KaEeroda ereignete sich am Montag nachmit­tag ein beklagenswerter Unglücks fa II. Einem Ar­beiter wurde durch einen Kippwaoen, der umschlug, das eine Bein an zwei Stellen gebrochen.

* Buttlar, 28. Februar 1911. Am letzten Sonnlag nachmitlag ertränkte sich die Ehefrau des Kolonialwarenhändleis Hahn in der stark angeschwollenen Ulster. Die in den 50 er Jahren stehende Frau zeigte schon längere Zeit Spuren öoh Geistesgestörtheit.

Aus Oberhessen u. den Hess. Remtern.

A Marburg, 1. Marz 1911. Heute früh zwischen 5 und 6 Uhr richtete hier ein Wlrbelsturm mit Hagelschlag an Fensterscheiben und Dächern vielfa­chen Schaden an. — Arn nächsten Samstag und Sonn­tag begeht die hiesige Freiwillige Feuer­wehr ihr 50jä6tige8 Bestehen. — Die Vorbereitun­gen zu bem am 1 2. unb 3. Juli hier ftattfinbenben Athletenvccbanbsfest beider Hessen sind von einer aus sämtlichen Vereinen zusammengesetzten Kom­mission in Angriff genommen worden.

♦ Wehrda, 1. März 1911. Bei der gestrigen Gemeindevertreterwahl wurde in der 3.Klasse der Kandidat des Bürgervereins, Bahuarbeiter I.

ferer erscheinen, und miss neue bestürmt sie ihr Bräu­tigam, die Hochzeit zu beschleunigen. Daß dabei et­was Unruhiges, Unstätes sein ganzes Wesen kennzeich­net, beachtet niemand.

Bisher hatte Lilia jedes Geschenk zurückgewiesen — außer Blumen.

Umso angenehmer berührt es sie, als die Mutter ihr eines Tages ein kleines Etui einhändigt, aus dem ihr ein großer Brillant entzegenflmkelt.

„Dein Verlobungsring, mein Kind. Lord Don glas hat ihn vorhin für Dich abgegeben."

Noch einmal bäumt sich alles in Lilia auf gegen diese Verbindung. Der glitzernde Diamant erscheint ihr wie das Auge einer Schlange, vor dem sie schau- dernd zurückweicht.

Unb in ihrer Herzensangst beschließt sie, das letzte Mittel anzuwenden, das sie vielleicht vor der verhaß­ten Verbindung retten kann.

Sie offenbart der Mutter ihr Herz. Frei unb offen erklärt sie ihr, baß sie ben jungen Grafen Althof Hebe, baß sie nie einen anbern lieben könne, auch wenn sie Lord Douglas' Gattin werde und daß sie diese Verbindung unter solchen Umständen als ein Unrecht ausehe.

Mit einem traurigen Lächeln läßt Frau Jngeborg die Tochter aussprechen. Dann erwidert sie mit leise vibrierender Stimme:

„Was Du mir da erzählst, überrascht mich nicht, mein Kind. Ich ahnte, daß der Sohn jener Heuchlerin seiner Mutter gleicht unb es ebenso verstehen würbe, sich in ein unerfahrenes Herz einzuschmeicheln, wie seinerzeit die Mutter. Aber das sage ich Dir: nie­mals — hörst Du: niemals würde ich meine Ein­willigung zu einer Heirat zwischen Dir und dem Sohn der Gräfin Isolde Althof geben. Es sei denn, daß jene Frau mich auf den Knien um Verzeihung bittet für daS, was sie vor Jahren an mir getan!"

Lilia ist tief erblaßt. Wenn sie je noch in einem geheimen Winkel ihres Herzens ein Fünkchen von Hoffnung hegte, Wmftttd erwidere doch vielleicht ihre Liebe zu Ihm und werde sie einsten? zu feinem Weibe

begehren — durch bie harten Worte der Mutter isi auch diese letzte Hoffnung vernichtet.

„O Winftied! Winfried!" schluchzt ihre Seele. „Warum hast Du mich damals nicht sterben lassen! Um wieviel besser wäre es für mich, wenn ich tot auf dem Grund des Sees läge, als daß ich das Weib eines ungeliebten Mannes werden muß!"

Ein wildes Chaos von Gedanken und Plänen wirbelt durch ihren Kopf. —

Bald nach ihrer Rückkehr von Capri hatte sie an Anita Casablanca geschrieben und auch freundliche Antwort erhalten.

Wie, wenn sie sich jetzt an die liebenswürdige Ma­lerin wendete, um sie zu bitten, ihr beizusteheu, damit sie sich ihr Brot verdienen lerne — vielleicht durch Zeichnen ober als Gesellschafterin ober sonst wie. Sie hat ja keinen Menschen, der ihr beisteht in ihrer Her­zensnot — jetzt, da selbst die Mutter Ihre Wider­sacherin ist! —

Aber bald verwirft sie wieder den Gedanken. Sie ist zrr sehr in Abhängigkeit und Gehorsam unter ben Willen ber Eltern erzogen, als baß sie sich auf einmal entschließen könnte, bem Vaterhaus zu entfliehen.

Was tun? Was tun?! — —

Tagelang geht sie mit sich zu Natt.

An all diesen Tagen kommt der Vater abends stets betrunken aus der Welnkneipe nach Hause, ohne daß er sich Im Marstall bat blicken lassen und ohne daß Lord Douglas von dieser groben Pflichtverletzung an­scheinend Notiz nimmt.

Aber wie lange kann das noch bauern? Wenn Lilia ihre eigenen Wege geht unb sich von Lorb Dou­glas zurückzieht, so hat biefer keine Rücksicht mehr zu nehmen. Er künbigt bem Vater einfach seine Stellung unb Vater unb Mutter liegen auf ber Straße.

Nein, nein! Nur das nicht!!

Alles, Was in Lilias ehedem so zärtlichem Herzen an Kindesliebe noch übrig blieb ,bäumt sich auf.

Sie beschließt, sich zu opfern. Um der Elter» willen. —

(Fortsetzung folgt.)