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Maer W Zeitung

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iJÄ w°ch-nbei,°ee- .Illustrierte ScmMgrrettung"

38. Jahrgang.

Fulda, Mittwoch den 1. März 1911.

Erstes Blatt

*16 $ei«t«ie. Viertel« jührlichervezngrpreis »hne Srin-rr>»h» «ntz -esteLgewinZMaft- wieou$t»8tb<.50äiL verantm. «edakteun

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Lstatiourdrucknnd Verlag der Fuldaer N> tieudruckerei tu Fulda Fenlsprechrr Ar. 9.

die

wollen lieber Realpolitik treiben an Stelle der Kultur- plülkeret und und an das praktische Ergeb­nis des ministeriellen Gedankenganges halten. Der Kultusminister kam zu dem Schluß: die Auflö­sung der Fakultäten sei jetzt noch nicht zwingend und ihre Aufrechthaltung liege jetzt noch im In­teresse des Staates. Mr sind überzeugt, daß auch in absehbarer Zeit noch die Erhaltung der Fakultäten möglich sein und erwünscht bleiben wird, — wenn nur die Regierung sich von den wirklichen Interessen des Landes leiten läßt und nicht vou dem Lärm und Hetzen der Kulturkärnpfer.

Was der Minister über die von ihm einzeholten Gutachten wegen der angeblichen Bindung der „freien Forschung' durch den Eid sagt, ist in ben verschiedenen uns vorliegenden Ausschußberich- ten nicht überall klar und übereinstimmend wiederge­geben. Wenn man die verschiedenen Versionen kritisch betrachtet, so scheint der Minister gesagt zu haben: die Frage, ob bie Professoren durch den Eid an der Erfüllung ihrer wissenschaftlichen Aufgabe gehindert würden, sei nicht bloß von den preußischen katholischen Theologieprofefforen, sondern auch von einem hervorragenden evangelischen Kirchen­rechtslehrer und einem allgemein anerkannten, der kritischen Richtung angehörenden Professor der evangelischen Theologie verneint wor­den. Das genügt für alle Urteilsfähigen.! Ebenso ist es erfreulich, daß der Minister die Vorwürfe, die we­gen dec formellen Behandlung der Frage gegen den Vatikan erhoben worden, als unbegrün­det bezeichnet.

WaS nun die Eidesleistung der geistliche» O b e r l e h r e r an den Gymnafim und sonstigen höhe- ren Schulen angeht, so wie» der Minister auf zwei Fälle hin, in denen der Eid gefordert, aber nicht ge­leistet sei, ohne daß die kirchliche Behörde weitere Maßnahmen habe folgen lasten. Der Minister be­tonte von neuem den Schutz der Nichtschwörendm in chren Rechten als Staatsdiener. Wir wollen hoffe», daß es auf diesem Gebiete ohne Konflikte abgeht; Voraussetzung ist freilich, daß der Staat sich durchaus auf sein eigenes Gebiet beschränkt und vor allem das Recht der Kirche auf dm rechtgläubi­gen Charakter des Religionsunterricht» un­angetastet bleibt.

„Abwarten" erklang als Parole aus den Er- klärungm des Minstters. Man kann in der Tat mit Ruhe abwarten, nur muß die Regierung dem Drängen der Nationalltberalm auf Beschränkung der Lehrtätigkeit der geistlichen Oberlehrer usw. einm b e» harrlichen Widerstand entgegensetzen.

Nach weiterer unerheblicher Debatte schließt Diskussion und der Titel wird bewilligt.

Mittwoch: Fortsetzung.

Abendsitzung

Minister ». Stzdow: Die Einrichtung der Klein­handel-Ausschüsse bewährt sich gut. Bezüglich der Ueberlandzentralrn ist daraus hingewiesen worden, daß im allgemeinen Interesse ein Jnstallalions- monopol nicht etabliert werden soll. Daß noch kein durchschlagender Erfolg erzielt ist, mag wohl sein. Ich hoffe, nachdrückliches Zureden wird auch hier helfen, die Seldstverivaltnngskörperschaften zu ermuntern. Natür­lich find die großen Gesellschaften, wenn sie fich das Jnftallationsmonopol Vorbehalten, in der Lage, den Preislurs niedriger zu halten. In der letzten Woche ist der Versuch gemacht worden, die drei großen Ge­sellschaften zu veranlassen, auf solche Beiträge zu ver­zichten. Ich hoffe, daß diese Bemerkungen auch Erfolg Haden werden. Was die Frage des Bauschutzes betrifft, so ist in dm letzten Jahren der Banschwindel entschieden zurückgegangen. Dm zweiten Teil des Gesetzes anzuwmden, getraut sich auch die Nrichgesetz- gebuug nicht, er gilt als äußerstes Mittel. Die Bäckereiverordnung soll mit Schonung durch­geführt werden. Die Beschwerden gehm erheblich zurück. Die Lockung Hirschs an die Handwerker wird wirkungslos dlerdm, denn das Handwerk fängt an, sich mächtig aui,zurichten, es fehlt vielleicht nur das nötige Selbstvertrauen; daS wird einkehren, wenn das Handwerk sich von den »«alteien Formen losfagt.

Adg. Sönig-Kreseld (Ztr.): Im Gegensatz zu dem Minister hallen wir den Hansabund für eine poli­tische Organffation, auch d« Minister wird zu ander« Ansicht kommen. Der Fortschritt der Kleinhandrls- Ausschüffe wird dem Handwerk zum Segen gereichen. Man soll di» alten Gebräuche des Volkes schonen und die Interessen des Wandergewerbes nicht außeracht lassen.

Abg. Maurer (natl.) polemisiert gegen die Aus­führungen des Abg. Hammer, der mit einer Fastnachts­pritsche um fich geschlagen habe.

In bei Speztaldebatte erörtert

Abg. Hohn (kons.) die Gesährlichkeit der Wander­lag«.

Abg. Heckenrorh (kons.) legt die Gefahren der Konkurrenz der schwedischen Pflastersteine und die Be­deutung bet heimischen Pflast ersteinindustrie bar.

Abg. Liebknecht (Soz.) führt Beschwerde üb« die Handhabung d« Schiffahrtspolizei.

Minister Sydow weist die Behauptung des Redn«s, daß die Strompolizeibeamten bestechlich seien, als beweis- lose Verdächtigung zurück.

Abg. Hein» (natl.) »«langt gleichfalls Schutz für die Pflastersteininduftrie.

Donnerstag: Fortsetzung.

z Der Kultusminister über veu Moderuisteneid.

Di« Budgetkommission des Abgeordneten­hauses vachandelte am Montag abend den Kultus- «tat Von national liberaler Seite wurde b« Mi­nister üb« die Leistung des Antimodernisten- eides interpelliert.

Es fei zweifelhaft, ob die bei der ersten Lesung des Etats von dem Minister gemachten Angaben auf zutreffenden Informationen beruhten, insbesondere be­treffend den moralischen Druck, der auf die Profefforen

Preußischer Landtag,

Rbgcordnrteuhask.

Sitzung vom 28. Februar 191L

e. ©efefceittrourf betr. Erweiterung deS wird nach kurz« Beratung an die Sememdekonnniffion »«wissen. — In der fort» «esetzien Beratung des Handelsetats verteidigt

Abg. Rosenow (Volksp.) den Hansabund, be- dauert, daß die Handelspolitik Hand»! und Gewerbe tmgunfttfl beeinflußt hab« und regt an, bei der Gewerbe- Inspektion Jnspewonsassistenteu aus den Arbellerkreisen «mzustellen.

Adg. Rorfanft) (Pole) wünscht, daß bet den ob«, schlesischen Zinkhütten die Arbeiter monatlich auf Blei- Krankheit untersucht würden, weil d« Verdacht besteh«, daß die Kaflenärzte Bleierkrankungen vielfach ver- schweigen, um nicht bei den Hüttendirektionen in Miß» rrebit zu geraten. Vielfach würden zu viel lieber- Wichten gemacht. Energisch müßte es bekämpft werden.

daß man di» Arbeit« einschüchtere, zu dem Zwecke, daß sie Mißstände in den Betrieben nicht entdecken.

Ein RegietnnsSkommiflar erwidert, daß für die Zink­hütten bestimmte Vorschriften bestände» und daß di» Regierung alle» tue, um dieses zur Durchführung zu bringen. Im nächsten Iahte soll eine Revision d« sanitären Borschrfften «folgen. Aus Mitteilungen Über Mißstände hätten die Arbeiter nichts zu befürchten, da ihre Mitteilungen vertraulich behandelt würden und nicht zur Kenntnis d« Arbeitgeber gelangten.

Abg. Hirsch (Eoz.) meint, dem Handwerk sei mit kleine« Mitteln nicht mehr aaszuhelsen. Mit Ent- fchiedenheit weise er die Angriffe auf die Verwaltung der Krankenkaffen zurück. Was die Fortbildungs­schulen anlange, so protestierten seine Freunde gegen die Erteilung von Religionsunterricht in den­selben.

Abg. Hamm« (kons.) macht die Großbanken für die hohen Diskontsätze verantwottlich, unter denen der deutsche Mittelstand zu seufzen habe. Das sei die Mittelstandspolittk de- Hansabund es. Er bitte ben Minister, energisch gegen den geheime» Waren­handel der Beamten einzuschreiten. Bei d« Entwickelung, welche die Beamtenkonsumvereine ge­nommen hätten, frage es sich, ob man diese noch länger bestehen lassen könne. Auf jeden Fall müsse man die Beamtenkonsumvereine und die Warenhärff« recht scharf heranziehen. Redner legt sodann die Mittel- standspolitik b« Konservativen dar und richtet auf einen Zwischenruf an den Präsidenten die Worte: Herr Präsident, der Abg. Hoffman» hat mir „Frech­heit" zugerufen.

Präsident ». Kröchet (heftig klingelnd): Herr Abg. Hoffmann--

Abg. Hoffmann: Ich hab« ja gar nichts gesagt; wie können Er« mich da zur Ordnung rufen V

Abg. Hammer (kons.): Dann war es der Abg. Leinert.

Präsident v. Kröchet» Herr Abg. Hoffmarm, ich habe Sie »och gar nicht zur Ordnung gerufen.

Abg. Hoffmann: Na, weil ich Ei» davor beschützt habe. (Heiterkeit.)

Abg. Hanuner (fortfahrend): Man hat uns vor­geworfen, wir seien Ministerstürzler. Wir sind gar nicht in der Lage, Minister zu stürzen, denn die Mi­nister sind die Minister Sr. Majestät des Königs.

Abg. Hoffmann (Soz): Na, Herr Hammer, tun Sie man nicht so! (Heiterkeit.)

Abg. Hammer (sortiahrend): Der Minist« sagte, solange « keine Beweise habe, könne er den Hansa­bund nicht als politisch betrachten. In Breslau hat der Hansabund den Kandidaten Bogel bekämpft. Bogel hat sich fett Jahrzehnten für den Mittelstand auf» gerieben, ab« er war d« Kandidat des „schwarz- dlauen Blocks", und deshalb wurde er bekämpft. (Hört, hört!) Schornfteinsegermeister Vonrad-Wrechu kandidiert in Liegnitz gegen den Abg. Fischbeck. Kon» rab hat ben Hansabund gefragt, ob er ihn als alten, treuen Mtttelstandsvert reter unterstützen wolle. Der Hansabund hat ihm keine Unterstützung zugesagt. (Hört, hört! rechts.) Ich glaube, das find Beweise genug. (Lachen links; Zustimmung rechts.) Wir werden uns weder durch den Hansabund, noch durch die Sozialdemokratie irre machen lassen, und wir hoffen auch weiterhin die Unt«stützung der wideren Parteien und der Regierung zu finden. (Lebhafter Beifall rechts.)

Hi«auf vertagt fich das Haus auf abends 7*/i Uhr.

b« katholisch-theologischen Fakultäten zur Leistung de» EibeS ausgeübt werbe. Es würbe um Aufklärung er­sucht, wie viele Professoren den Eid ge- leistet haben und rote viele nicht, ob eine Sicher­heit für bi» freie Forschung an den katholischen Fakultäten noch vorhanden sei, ferner, ob auch die dem aeistlichen Stande angehörende Staatsbeamte ben Eid ,u leisten hätten, zum Beispiel Oberlehrer, ob den Lehrern, die den Eid leisteten, auch noch andere Fäch«, wie Geschichte und Deutsch, üderlaffe» werden sollten, besonders an paritätischen Anstalten.

D« Minister antwortete:

Die Frage, auf welche Klaffen das motu proprio sich erstrecke, fei geklärt. Nach dem Schreiben an Kardinal Fischer konnte angenommen werden, daß die Ausnahmen zurückgenommen od« durch moralischen Druck beseitigt seien. Das habe $«anlaffnng gegeben einer Anfrage in Rom, durch den Gesandten. Die Folge sei das Schreiben des Kardinal-EtaaissekretälS an den Kardinal von Kopp gewesen, inhalts deffen die Universitätsprofessoren, welche ttrchliche Funktionen nicht ausübe», den Eid nicht zu leisten brauchten. Es werde allerdings im Laufe der Zeil keine Profefforen in den Fakultäten mehr geben, welche den Eid nicht geleistet haben, da ja die Ergänzung die!« Profefforen durch Geistliche stattfinden müsse. Es entstehe daher die Frage, ob die Bindung, die jetzt schon bestehe, eine freie wifsenschastliche Forschung an den katholischen Fakultäten noch ge­währleiste. Katho'ische Profefforen haben die Frag« verneint. Zu demselben Ergebnis seien ein hervorragend« evangelischer Kirchenrechtslehr« und ein allgemein anerkannter d« kritischen Richtung angehörender Profefior der evangellschen Theologie, die er gutachtlich gehört habe, gelangt. Für den Staat kommen die katholischen Fakultäten weniger als eine Forschungsstätte inbetrachk, denn als eine Stätte der Ausbildung der späteren katholischen Geistlichen für ihren Beruf. @5 fei nicht zu be­streiten, daß durch die Forderung des Eides die katholischen Fakultäten in ihrer Stellung an den Universitäten beeinträchtigt und ihr wissenschaftliches Ansehen in Frage gestellt werde. Geichroohl sei die Auslösung der Fakul­täten jetzt noch nicht zwingend und ihre Auf- rechterhaltimg liege jetzt noch im Interesse des Staates, lieber die Zahl der Profefforen, welche den Eid geleistet haben, sei ihm nichts bekannt. Anders lieg« die Frage bei den dem geistlichen Stande ange­hörenden katholischen Oberlehrern an den höheren Schulen. Der Minister hatte annehmen müssen, daß diese Kategorie den Eid nicht zu leisten habe. Nu» sei aber der Eid gefordert worden, zwei Beamte hätte» ihn verweigert. Gegen diese beiden geistlichen Dberlebter sei von der kirchlichen Behörde nichts geschehen. Der Staat werd« aus der Ablehnung deS Eides gegen diese Beamten Folgerungen nicht ziehen. Er werde die geistlichen Ob«lehter gegen Eingriffe in ihre amtlichen und staalsbehörditchen Stellen schützen. Die Lehrer an höheren Schulen seien ja übrigens den bestehenden Borschristen unterworfen, würden revidiert und nach dem Ausfall der Revision behandelt.

An die Erklärung des Ministers knüpfte sich eine längere Aussprache.

EmZentrumsabgeordneter wies nach, daß die Maßregeln gegen den Mod«nismus aus tirchlichen Beivegungen in Frankreich und Italien, die von der Kant'schen Philosophie stammten, entsprungen seien. Das wurde klar und ruhig nachgewiesen; cs seien innere kirchliche Angelegenheiten. Jeder Geistliche könne den Eid leisten, weil er keine neue Lehre ent­halte. Die freie Forschung werde dadurch so wenig gehemmt, wie vor 100 Jahren. Redner verwies auf den in Erlangen, in Sachsen, an der Universität in Berlin von den protestantischen Theologieprosefforen geforderten Eid, der noch mehr binde als der Mo- deinisteneid. Wolle man die katholisch-theologischen Fakultäten zu Falle bringen, so müßten auch di: evan­gelischen fallen. Die Konservativen behielten sich ihre Entscheidung vor bis zur Plenarvnhandlung. Ein nationalliberaler Redner war von der Erklärung des Ministers enttäuscht, er hatte die Erklärung er­wartet, es solle kein Geistlicher, der den Eid geleistet, als Lehrer angestellt werden. Der Minister wies nochmals auf den Unt«schied des Unterrichts an den höheren Lehranstalten und an den Universitäten hin. Wenn durch die Bindung Bedenken entständen, werde Abhilfe «folgen. Bon Zentrumsseite wurde noch­mals die Entstehungsgeschichte und die Bedeutung deS Eides bargelegt Es handle sich nicht um Prosan- jonb«n um Dogmengeschichte. Ein Nation aUibe- rales Mitglieb bemängelte nochmals bie Information des Ministers, bet Gesandte hätte direkte Antwort erhalten sollen, nicht durch Kardinal Kopp. Demgegen­über stellte der Minister nochmals den Brief an Kardinal Kopp als Folg« der Vorstellung d« preußi­schen Regi«u»g dar.

Aus den Darlegungen deS Kultusministers ist zunächst festzustelleti, baß die Frage b« Eidespflicht für bie katholischen Theologieprofessoren jetzt vollständig geklärt ist, dahin, daß sämtliche Profefforen an den theologischen Univeisitätsfakul- täten, die geistliche Funktionen nicht ausüben, ben Eib nicht zu leisten brauchen. Damit ist eigentlich die Hochschule außerhalb des Rahmens der Eidesiroge gestellt. D« Kultusminister ging aber doch ans diese Seite der Angelegenheit noch näh« ein, weil « daS Zukunftsmoment in Betracht zog, daß es im Laufe d« Zeit nur noch vereidete Profefforen bet Theologie geben werde, da ja die Ergänzung bet Professorenschaft «folge durch Geist- liche, bie bei der Priesterweihe den Antimodernisten- eib geleistet hätten. Sehr richtig; aber dies« Gkaubenseid der Priesterweihe geht den Staat ebensowenig etwas an, rote die bisherigen Formen des Glaubensbekenntnisses, welche die kathoi. Kirche von ihren Priestern fordert. D« Minist« hat ja in seiner nsten Ianuarrede selbst öffentlich aner­kannt, daß die Ausbildung deS Nachwuchses der katholischen Geistlichkest nur durch Profefforen er­folgen könne, die in Uebereinstimmung mit der Lehre ihrer Kirche stehen.

Wenn das selbstverständlich ist, so wird kn Grunde überflüffig, daß bet Minister über die vermeintliche B eetnträchtigung ber Stellung bet theologischen Fakultäten an ben Hochschu­len unb bie G efährbung ihres „wissen­schaftlichen Ansehens" sprach. Damit hat er wohl ben Kulturkampfem einen Gefallen tun wollen, unb in bet Tat sucht alsbald das Organ des Evan­gelischen Bundes, die „Tägl. Rundschau', aus diesen Bemerkungen des Ministers Kapital zu schlagen. Wir

Deutscher Reichstag.

Sitzung »em 28. Februar 1911.

Auf der Tagesordnung steht die zweite Beratung de» MMätttatS. beschwert sich beim Militär- kaffenwefen üb« bie Verwendung der sogen, schwarzen Fonds zur Unterstützung von Offizieren, bie speziell in Sack le» g«adezu an russische Wirtschaft erinnerten.

Sächs. Milttärbevollmächttgter Frh». v. Salza er­widert solche Fonds beständen in Sachsen gar nicht Die Beschuldigungen fielen also in sich zusammen.

Abg. Erzbers« (Ztr.): Es handelt fich bei dem Ämtertfeben Borwurf um Stffttmgs- und ErsparmS-

veutsches Reich.

•• Berlin, 28. Febr. 1311. Der Kaiser hört« am Montag morgen im Berliner Schlöffe Borträgt des Finanzministers Dr. Lentze und des Ministers der öffentlichen Arbetten v. Breitenbach. — In Ver­tretung des Königs von Sachsen werden sich Prinz und Prinzessin Johann Georg zu den KrönungS- feierlichkeiten nach London begeben. — Die Berliner „Post" meldet, daß Gegensätze zwischen dem Ober» Präsidenten in Pofen und der Staatsregie­rung, insonderheit bie bisherige Nichtanwendung des Enteignungsgesetzes in Verbindung mit dem Plane, in dem neuen Posener Schloß einen preußischen Prin­zen Hof halten zu lassen, „die Entfernung" des Ober» präsibenten aus Posen „bedingten". Die Rordd. Allg. Ztg. erklärt, daß bie Nachricht jeglicher Unterlag« entbehrt.

s. Die Bndgetkommisfion des Reichstages begann am Dienstag bie Beratung bes Postetats. Die Postverwaltung forbert 20 neue höhereBeamten- stellen und zwar 12 Posträte, 2 Abteilungs» dirigenten unb 7 Oberpost-Jnspektoren. Die mit dem Wachstum b« Geschäfte der Post begründete Forderung wurde vom Sprecher bes Zentrums be­kämpft. Der Postetat lasse bie versprochene Spar­samkeit vermissen. Gnabe denn Verwaktungs- pnsonal müsse gespart werden, beim Betriebs­personal sei das weniger möglich. Da es dem Re- gierungsvertreter nicht gelang, zahlenmäßige Unter­lagen für bie Neuforberungen beizubringen, nahm die Kommission einen Antrag auf Streichung von 7 d« geforderten Stellen an. Die Beamtenklaffe der Oberpostpraktikanten soll nach der Er­klärung des Regi«ungskommiffars allmählich be­seitigt werden. Zum Titel Postassistenten usro. liegt eine Petition vor, 2000 neue A,ststentenstellen einzustellen mit Rücksicht auf die schlechten Avance- mentverhältnisse. Der Etatststel fordert aus dem gleichen Grunde bereits eine Vermehrung dieser Stellen um 8°0. Ein Mitglied des Zentlttms meinte, diese Mehrforderung entspreche nicht den Vereinbarungen mit der Postverwaltung, wonach an mittleren Stellen gespart und möglichst viele gehobene Unterbeamte als Ersatz Verwendung finden sollen. Ein Reichspatleil« schloß sich diesen Darlegungen an. Vielleicht komme man durch per­sönliche Zulagen roeit«, als durch Schaffung neuer Stellen.

a. Die Reichsverfichernugskommisfiou verhandelte am Dienstag über bie bebeutfame Frage d« An­stellung b« Krankenkassenbeamten Die Zusammensetzung des Vorstände» unb des Aus­schusses d« Krankenkassen hat bekanntlich schon ihre Erledigung gefunden. Es ist gegen den Wunsch b« Regierung bie bisherige Drittelung bet Beitrags, pflicht und d« entsprechend«! Beteiligung von Arbeitgebern und Arbeitnehmern an Vorstand und Ausschuß beschlossen worben. Nach dem Beschlüsse erster Lesung sollten auch bei bet Besetzung der Kaffenbeamtenstellnr den Arbeitgebern ein Drittel, dm Arbeitnehmern zwei Drittel ber Wahlftimmen nrstehen. Dies« letztere Beschluß fanb bei einem Teil d« ReichÄagSpartcien aus dem Grunde hestigen Widerstand, weil dadurch der sozial oemo- kratifck« Einfluß in den Krankenkassen verstärkt ro«be. Die Mehrheitsparteien: Zerirum, Konser­vative, Natronalliberale und Wirtschaftliche Ver» einigung haben sich nun auf ein Kompromiß geeinigt.

Ausführungen bei Abg. Kuvert zeugen von ein« un- gewöhnliche» UutenntntS des Etatsrechts. Er hat von Betrug, Unterscklagung. Bersassungsbruch, B«letzung des Budgetrechts deS Reichstages gesprochen. Nichts ist «wiesen! Er sollte unS mit solchen haltlose» Be­schuldigungen verschon«. Gewiß werden die ©naben» gelagert geheim »«gehen; ob« verteilt die Sozialdemo­kratie ihre Unterstützungen an Parteigenoffm öffmUich «tf be» Parteitagen?

Abg. Werner (Rsp.) wünscht bi« etat-mäßige An­stellung ber Jntendanturschreib«.

©enaalmaiot ». Wachs «widert, daß diesem Wunsche einstweilen nicht entsprochen ro«den könnte.

Beim Titel „Sanstäts- und Veterinärofstzi«e" wünscht

Abg. Sommer (Bp.) eine Aufbesserung d« Ober- etcrinäre.

Beim Titel „Beamte und Unterosstzi«e als Gehalts­empfänger" führt

Abg. Zubeil (Soz.) Beschwerde über die Konkurrenz, die die Militärmusiker den Zivilmufikern machen Und meint weiter, daß die Militärkapellen künstlerisch Nicht auf ber Höhe ständen

Abg. Kopsch (Bp.) schließt sich dm Beschwerden deS Borredners an. Die Militärkapellen machten nicht nur in ber Garnison, sondern auch außerhalb den Zivilmufikern eine unbillige Konkurrenz.

Generalmajor Wandel sührt aus, daß die Bestim­mungen üb« bie Konkurrenz der Militärkapellen an Schärfe nichts zu wünschen übrig ließen. Uebertretun» gen würden rücksichtslos geahndet.

Abg. Dr. Goercke (naiL) meint, bie Erklärung des Vorredners lies«e ben Beweis, daß die SHklilärver» roaltung gewillt sei, auch sern«hin jeder Konkurrenz d« Mititärmufik« entgegenzutreten.

Abz. Frhr. v. Richthofen (kons.) spricht fich für eine Einschränkung ber Ront»rre-»j ans, die bie Militär- büchienmacher ihren bürgerlichen Kollegm machen.

Abg Zubeil (Soz.) bleibt habet, baß die Militär» mitfif« den Ztvckmusikcrv eine Konkurrenz bieten, bi« geeignet sei, letztere zu ruinieren.

Abg. Graf' Prafchma (Zmtr.): Wir sind gewiß Gegner einer urckeckckichen Konkurrenz der Militärkapellen und wir haben stets zu Tage getretene Mißstände be» kämp t. Der »en ben Sozialdemokraten gegen die Milnärmufiken geführte Kampf geht ab« zu weit, zu­mal der Kriegsmnnst« gesagt hat, baß er alles tun werde, um die Konkurrenz aus dem Wege zu räumen Herr Zubeck als Berfechter des gute» Geschmacks des deutschen Bottes! (Hest«keit rechts unb im Zentrum.) Durch bie Militärkapellen wird die Freud« an der Musik »«breitet. Buch bei ihrem Gründungsfeste im Reichstage hatte die Volkspariri ausdrücklich Militär» mufit bestellt. (Heiterkeit.)

Beim Titel ,Garrirfonlazaieite" bemängelt

Abg. Geck (Soz.), daß die Lehrer, bie zu Lazarctt- gehülsen bcrangebiibet »erben, nur 2 Slunben Unter- richt täglich «halten und die übrige Zeit zu ackert;and Arbeite», wie z. B. Stubetneiuigmig verwendet würden.

Abg. Goercke (ntl.) fragt an, ob die Schilderung des »BorwäriSH wonach Leichen zu Schreßversuchen verwindet würden, ber Wahrheit entsprächen.

Generalmajor Wandet i An der Mitteilung ist so viel wahr, daß tm Jahre 1909 Schießvenuche tintige» «»ben haben, um bie Berwunduirgsfähigkeit der modernen Geschosse festzustecken. Hrerzu find anatomische Präparate »etroenbet worben. Bon einem Schießen utf nackte Leichen Krone leine Siebe fein. Derartig« Versuche sind nottvendig tm Interesse der Kriegs- chirurgte.

Abg. Dr. Mugdan (Bp.): Die Wirkungen der klein» falibvtgen Geschosse können nur durch Schießversuche ermittelt werden. Indem man das tut, nützt man dem lebenbe» Soldaten.

Abg. Robke (Soz.ri Es ist grausig und scheußlich, haß man gemeine Soldaten zwingt, auf Leichen zu schießen. Mau verwende dazu nur die Leichen besitz­los« Proletarier. (Zuruf bei bat Soz.; Warum nehmen Sie denn z» diesen Schießverfuchm nicht auch OsfizierS- leichett? (Heiterkeit.)

Abg. Dr. Mugdan stellt fest, daß für die Anatomie mir solche Leichen benutzt w«den, bie von ben Ver­wandten nicht rekognosziert unb in Anspruch genom­men werden. Di« Sozialbemolratte fördert jetzt den Aberglauben, als ob eine Leiche schon grauenerregend sei. (Abg. Zubeil: Es ist rine Rohest!) Dem» ist jede Anatomie eine Roheit. (Abg. Zubeil: Mau soll Ossi- ziersleichen nehmen.)

Abg. Frau! (Soz.): In Preußen darf man sich beute »och nicht verbrennen lasse», das ist nicht ge­stattet, wohl aber kann man hier auf Leichen schießen.

Abg. Dr. Carsten (Bp.): Die Versuche sind doch im Interesse b« lebenden Soldaten. Ich verstehe es nicht, wie d« Reichstag solange darüd« debattieren kann.