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Donnerstag den 25. Zebruar Ml-
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Deutsches Reich.
**■ Nette Früchtchen scheinen in den religionslosen Regierungsschulen in Ostafrika hervor- zuwachsen. Frhr. v. Dalwigk, der als Ansiedler lange Zeit in Ostasnka war, läßt sich darüber im Tag in folgender Weise aus:
.Nicht nur ich habe die Erfahrung gemacht, daß tS keine frechere, ungezogenere Bande gibt, wie die entlassenen Regierung^schüler. Zigarettenrauchen, sich putzen, für jede körperliche ’irMt unbrauchbar, durchaus ungenügende Ausbildung tu . den Schulfächern, Weibern nachlaule», Ngoma tanzen, das ist der Regierungsschüler. Christlicher Unterricht wird absichtlich von der Schule ferngehalten. Als Entschuldigung wurde mir angegeben, daß die Kinder dann nicht kommen würden, aus Furcht, dem Islam entfremdet zu werden. Die schlechte Schulbildung ift mir von einem großen Freund der Schule damit begründet worden, daß der Neger überhaupt schwer lernt, und daß mit 13 oder 14 Jahren die Geschlechtsreife eintritt. W nn die Regierung die Missionsschulen unterstützen würde, so würden diese wohl über diese Schwierigkeiten wegkommen. Eine religionslose Schule wird überhaupt den wilden und halbwilden Völkern feine Kultur bringen. Welches sind denn die Hauptbestandteile der Kultur? Bildung und Gesittung. Etwas unverdaute Bildung mag in den Negerköpsen spuken, aber Gesittung nie. Nur der Missionar, der dem Neger die Neberzeugung von einem allmächtigen, allwissenden Golt und von einer ewigen Vergeltung bet« bringt wird dieses Ziel erreichen."
Ganz damit einverstanden. Die Bildung ohne Religion wird namentlich in Ostafrika zur schlimmsten Unkultur führen müssen.
— Freiburg i. B., 21. Febr. 1911. Der Senat der Universität Freiburg hätte gern so ein bißchen Kulturkampf. Kaum hatte Rom den Antimodemisieneid vorgeschrieben, da wurde der Senat bei der Regierung vorstellig, um das Schreckliche von den Profefforen der theologischen Fakultät femzu- halten. Die theologische Fakultät hcttte natürlich den Senat keineswegs veranlaßt, diesen Schritt zu tun. Vom Senat war es also eine Antnaßung, sich in ein» Sacke einzumtschen, die ihn gar nichts angeht. Der Untimodemisteneid ist ein eidlich abgelegtes Glaubms- bekenntnis, vom Oberhaupt der Kirche angeordnet. Wer der Ablegung desselben Schwierigkeiten zu bereiten suckt, der erlaubt sich einen Eingriff in die Freiheit des Religionsbekenntnisses Nun ist unerwartet der Pastoralprofessor Prälat Krieg gestorben. Wenn ein Lehrstuhl neu zu besetzen ist, so stellt die. in Frage kommende Fakultät eine Kandidatenliste auf, welche dann durch den Senat dem Ministerium unterbreitet wird. Natürlich kann es nicht Sache des Senates sein, seinerseits eine Prüfung der von einer Fakultät vorgeschlagenen Kandidaten vorzunehmen. Man würde gewiß nicht zurückhalten mit der allerschärfsten Kritik, wenn z. B. die Vertretung der theologischen Fakultät im Senat die Begutachtung der Kandidaten für einen juristischen oder medizinischen Lehrstuhl beanspruchen wollte Nun geschah aber das Unglaubliche, daß, als die theologische Fakultät die Kandidatenliste dem Senat eingereicht hatte, damit dieser sie an das Ministerium weitergebe, daß da der Senat wissen lvollte, ob unter den Kandidaten auch solche seien, welche den vom Oberhattpt der Kirche vorgeschriebenen Eid g e- le i st e t haben. Da die gestellte Frage nicht, wie vielleicht erwartet, einfach verneint, sondem unbeantwortet gelassen wurde mit der Begründung, die Fakultät habe lediglich die wissenschaftliche Qualifikation der von ihr in Betracht gezogenen Persönlichkeiten zu prüfen, wurde beschlossen, die Uebersendung der Kandidatenliste an das Ministerium abzulehnen. (!) Statt sie an das Ministerium zu übermitteln, hat sie der Senat der Fakultät zurückgegeben. Wie es weiter gehen wird, muß sich erst zeigen. Das Verfahren des Senates kann eine gerechte Kritik nicht ertragen. Selbstredend berührt die Sache nicht bloß die tt-eÄogisch? Fakultät und die Kirchenbehörde, sondern beit ganzen katholischen Volksteil in Baden. Man hat es bei den Katholiken nicht vergessen, daß die Universität Freiburg eine katholische Stiftung ist, zu dem ausgesprochenen Zwecke ins Leben gerufen, der Verteidigung des katholischen Glaubens zu dienen. ES war ein Unrecht gegen die Katholiken, der Universität ihren katholischen Charakter zu nehmen. Er ist ein diwpeltes Unrecht, ihr den gegenteiligen Charakter aufdrängen zu wollen,
c? München, 22. Febr. 1911. Bayern will als Beamten keine Sozialdemokraten. Bahn-
Die weitze Me mm Arimsee.
20] Roman von Erich Friesen.
Er fragt seine Schwester. Und diese erklärt mit ihrem verbtssrnsten Gesicht, sie hätte einen Wortwechsel mit Graf Winfried gehabt, den er übel genommen zu haben scheine.
Lord Douglas kennt die Art der „Wortwechsel", die seine holde Schwester führt. Er zuckt deshalb nut die Achseln und fragt nicht weiter.
Äks er aber hört, daß der junge Graf schon seit mehrere« Wochen verreist ist — da merkt er doch, daß jener „Wortwechsel* besondere Bedeutung gehabt haben muß.
In dem Hanse der Stallmeisters wird der Name des Grafen Winfried Althof gar nicht mehr erwähnt.
Jedes Müglied der Familie Baletti ist mit sich selbst beschäftigt und dem .großen Gluck', das Lilia erblühen soll.
Der brave Bernardo weiß sich gar nicht zu fassen über die „hohe Ehre*. Daß er selbst seinerzeit ein Mädchen aus jenen Kreisen, die ihm jetzt soviel Ehrfurcht einflößen, freite, hat er längst vergessen, und wenn es ihm hie und da noch einmal einfällt, so ist nur, um über die »vornehmen Allüren*, die „hoch- trabmde Miene* feiner Frau zu spötteln.
Frau Jngeborg selbst blüht förmlich wieder auf. Ihr blasses Gesicht erscheint frischer; ihre Augen blicken nicht mehr so streng. Kl dem erwarteten Glück der Tochter steht fie ihre eigene Jugend wieder et» "An und all ihre eigenen Hoffnungen, die so jäh vernichtet wurden. Auch tut e» ihrem gedemütigten Her» Swohl, daß niemand aus jenen Steifen, denen sie m Haß und Verachtung den Rücken gekehrt, ihr Wtt Respekt begegnet.
Und so übersieht sie manches, was ihr an dem Freier der Tochter sonst nicht gefallen, ja was ihre Bedenken erregen würde, wenn sie ihn mtt ganz unparteiischen Augen anblickte.
Und Lilia? . . .
meister Cattanh in Speyer hatte ein Rundschreiben an die Voracheiter gerichtet, wonach bei abzugebenden Qualifikationen vermertt werden muß, ob die zur Aufnahme in die unteren Beamtenstellen vorzuschlagenden Arbeiter gegen die Staatsverfassung gerichtete Bestrebungen verfolgen. Dieses Rundschreiben entspricht den amttichen Qualifikationslisten, welche die entsprechenden Rubriken enthalten, die auszufüllen sind. Die Qualifikations-Rubriken entsprechen den Mintsterialverordnungen von 1880 und 1887. Die sozialdemokratische Presse und der linksliberale „Fränkische Kurier* hatten das Vorgehen Cattany äußerst abfällg beurteilt und Rechenschaft von der Staatsre- oierung verlangt. Nttn erscheint als Antwort eine Kundgebung in der offiziösen Korrespondenz Hoffmann, in welcher aus dem Beam enetd die Stelle hervorgehoben wird: „Ich schwöre Treue dem Könige, Gehorsam dem Gesetze und Beobachtung der Staatsverfassung*. Die Kundgebung bemertt dazu, es bedürfe keiner wetteren Erörterung, daß Personen, die verfassungsfeindliche Bestimmungen verfolgen, zu Verwendungen, für welche dieser Eid zu leisten ist, nicht zugelassen werden können. Diese Kundgebung kommt aus dem Verkehrsministerium, hat aber auch den anderen Ministern Vorgelegen, sodaß man es mit einer Willensäußerung der Gesamtstaatsregierung zu tun hat. Sie ist eine Bestätigung des Vorgehens Cattanys und eine nachdrucksvolle Aussprache des Regierung? willens gegenüber den äußeren Behörden, ihre Aufmecksamkeit darauf zu richten, daß Sozialdemokraten von den Beamtenstellen ferngehalten werden.
Aus dem Nachbargebkte.
* HerSfeld, 21. Febr. 1911. Ein trauriger Gedenktag war für unsere Stadt der 19. Febr. Waren doch an diesem Tage 150 Jahre verflossen, daß unsere herrliche Stiftskirche durch die Franzosen in Brand gesteckt wurde. In tinseier Stadt befand sich damals (1761) das Hauptmagazin füt die in Hessen lagernde französische Armee. Mit Ausnahme des Heues und Strohes, das in den Stiftsgärten im Freien aufgeschichtet war,, lagerten die übrigen Vorräte in der geräumigen Stiftskirche. Um ihr Magazin gegen ihre Verfolger zu verteidigen, gedachten die Franzosen das äußerste zu wagen, selbst auf die Gefahr hin, daß die Stadt dabei in Brand geschossen wurde. Auf dringendes Bitten der Stadtbehörden wurde aber dieser Plan auf- gegeben, dagegen die Vernichtung des Magazins durch Brandlegung beschlossen. Am 19. Februar wurde die Brandfackel in die herrliche Stiftskirche geschleudert und die massenhaften, im Freien lagernden Stroh- und Heuvorräte angezündet. Im Nu stand das altehrwürdige Denkmal vergangener Zeiten in lichten Flammen, und riesige Feuersäulen stiegen zum Himmel empor. Dem großen Brande gegenüber war man machtlos, und von den umliegenden Gebäuden, auch die ehemalige Residenz der Aebte, wurde eins nach dem anderen von den Flammen ergriffen, und am Abend des 19. Februars sah man t ut noch rauchende Trümmer, aus denen die nackten Wände des ehemaligen herrlichen Domes hervorragten. Erst nachdem die Franzosen die Stadl verlassen hatten und Die Verbündeten in dieselbe eingezogen waren, atmeten die Bürger wieder au,' und man trat, jedoch zu spät, Anstalten, um dem riesigen Brand wenigstens nach der Stadt hin Schranken zu setzen. Bis vor etwa 25 Jahren sand man im Schiff der Kirche Reste von oeibronntem Korn. ‘
— Bad Orb, 22. Febr, 1911. Der Elseraus- schuß des hiesigen Karncv a lvereins hat nach einer langjährigen Ruhezeit seine Täligteit wieder aufgenommen und für den. Fastnachismoutag e nen großen karnevalistischen ll-nzug in Aussicht genommen. Da bereits von Seiten der Bürgerschast namhafte Beträge zur Verfügung gestellt sind, verspricht der Umzug imposant zu werden.
* Frankfurt, 22. Febr. 1911. Zu dem schweren Eisenbahnunfall auf der Station Goldsteiu wird jetzt eine amtliche Darstellung gegeben, in btt es heißt: „Nach den bisherigen Feststellungen ist der Unfall auf die Nichtbefolgung von Dienstvorschriften zurückzusühren. Auch scheint die Rangierabteilung schneller gefahren zu sein, als zulässig war. Wären die Bcstim-
Sie hat sich sehr verändert in den wenigen Wochen. Richt, daß ihre Schönheit gelitten hätte — im Gegenteil. Sie ist noch schöner geworden; aber dir bezaubemde Frische, die kindliche Harmlosigkeit haben einem getrifteten Ernst Platz gemacht.
Rie widerspricht sie mehr der Mutter, wenn diese Lord Arthurs Vorzüge preist. Aber oft zieht ein melancholisches Dulderlächeln über ihr jetzt recht bleiches Gesicht, das ihrem Vater ins Herz schneidet und die Mutter mtt Unmhe erfüllt.
Merkwürdigerweise hat sich Lilia in letzter Zeit mehr an den Vater angeschlossen. Und Bernardo, der tiroß seiner etwas rohen Natur und feiner bedenklichen Vorliebe für geistige Getränke im Grunde genommen ein guter braver Keil ist, beobachtet in diesem Ausnahmefall vielleicht schärfer als seine lluge Frau.
Er sieht, wie Lilia ihren Verlobten stets mit auffallender Kühle bewillkommnet, wie sie fast zurückschreckt vor jeder persönlichen Annäherung, wie sie sogar vermeidet, ihre Hand länget als es die Hüflich- kett bedingt, in der seinen zu lassen und wie sie nur mit ersichllichem Widerstreben darein willigt, ab und zu mit ihm allein einen kleinen Spaziergang zu machen.
Dies alles gibt ihm zu denken. Und al» Lilias Wangen bleichet und bleichet werden und ihr Lächeln immer mehr an Schwermut gewinnt — da bekommt es Hemardo Mreft mit der Angst und er erklärt kraft seiner väterlichen Autorität, seine Tochter muffe Luftwechsel haben, sie solle mit ihrer Mutter auf ein paar Wochen ein Seebad aufsuchen.
Ein frohe» Leuchten tritt in LiliaS Augen bei dieser Eröffnung und leise Röte steigt in ihre Wangen. Sie gleicht wieder etwas mehr der Lilia von früher, deren silberhelles Lachen und munteret Singsang durch HauS und Garten schallte.
Fort, fort — wenn auch nur auf kurze Zeit! Fort auS Lord Douglas' Nähe! Fort mich aus der Nähe deS Mannes, den sie nun schon seit vielen Wochen nicht gesehen und dessen Bild doch so tief in ihr Herz gegraben ist, daß — fie fühlt es mit einem Schauer — e» nie wieder daraus entschwinden wird.
mungen genau befolgt worden, so hätte der Unfall unmöglich emtreten können. Es ist daher nicht gerechtfertigt, die Schuld an dem bedauerlichen Unfall, wie es zumteil geschehen ist, den Goldsteiner Bahnhofsverhättniffeu zuzuschreiben.' — Die hiesigen Adler-Fahrradwerke verteilen 80 Prozent Dividende; im Vorjahre waren eJ 25 Prozent.
* Kassel, 22. Febr. 1911. In der vergangenen Nacht wurde die Eisen Möbelfabrik von Schmidt u. Keerl vollständig ein R au b derFlam- meit. Das Feuer griff mit rasender Schnelligkeit um sich und legte die riesigen Lagervorräte in Asche. Der Schaben ist unübersehbar. Die Fabrll hatte in der gegenwärtigen Zeit verschiedene große Aufträge auszuführen. Für den Truppenübungsplatz Vordorf befanden sich 2500 Betten in Arbeit und mehrere tau- ftnd gebrauchsfertige Tischplatten find vernichtet. Die aesamt: Feuerwehr Kassels arbeitete die ganze Nacht hindurch, um dem entfeffelten Elemente endlich Herr zu werden.
♦ Elz (6. Limburg), 21. Febr. 1911. Einen raffinierten Betrug verübte hier ein fremder Mann in einem Pfarrhause. Er meldete ein Kind an, ließ dir Namen ins Gebuttsregister eintragen und bestellte die Taufe. Dabei klagte er dem Pfarrer sein Leid und seine Armut, sodaß der alte Herr ihm, vom Mitleid gerührt, einen größeren Geldbetrag zur Linderung seiner Not einhändigte. Doch zur festgestellten Zeit der Taufe erschien niemand und die Nachforschungen ergaben, daß weder ein Kind dieser Angabe zur Welt gekommen war, noch der Vater in dem betreffenden Orte existierte.
♦ Hess. Lichicnan, 20. Febr. 1911. Der 1jährige Sohn eines Maurers ging in einem unbewachten Augenblicke an eine Futterschneidemaschine und machte fick an ihr zu schaffen. Als man nach einiger Zeit nach ihm suchte, fand man ihn blutüberströmt und bewußtlos bei der Maschine liegen, er hatte sich die Spitze des Schuhes und drei Zehen des Fußes abgeschnitten.
* Schmalkalden, 20. Febr. 1911. Der Holzhauer Beck erlitt beim Holzfä 1 len im Walde bei Elem thal infolge Stürzens einer Tanne nach der falschen Seite so sch were Verle tz ungen, daß er nach einigen Tagen starb.
Amt Geisa und Umgebung.
* Vacha, 21. Febr. 1911. Die freie Innung der Maurer, Zimmerer und Steinmetzen hält ihre diesjährige Lehrlingsprüfung für Zimmer- lehrlinge Mittwoch, den 19. April, für Maurer- lehrlinge Donnerstag, den 20. April ab. Anmeldungen hierzu sind bis zum 15. März an den Vorsitzenden Kümpel in Vacha einznreichen.
* Vacha, 22. Febr. 1911. In der Nähe von Heimboldshausen geriet der in Gerstungen wohnhafte verheiratete Schaffner Witze! unter die Räder des Zuges und wurde so schrecklich zugerichtet, daß er aus dem Transport ins Eisenacher Ärernten- Haus starb. Wie das Unglück geschah, ist noch nicht sestgestellt. Nach einer Mitteilung soll Witze! vom Trittbrett abgestürzt sein, nach einer anderen Meldung ge'chah das Unglück beim Rangieren. Witzei ist Familienvater.
* Dermbach, 22. Febr. 1911. In Oberalba, Landbestellbezilk Dermbach, wird am 24. Februar eine Posthilfstelle eingerichtet.
vermischtes.
• In bett oberschlesischen Jitdustrieweckeu in Beu- then haben sich zahlreiche Unfälle ereignet. In der Kleofasgrube wurde der Wagenstößer ByschkowSkl vom Förderseil ergriffen, umhergeschleift und fürchterlich zugerichtet. Er starb bald darauf. In der Julienhütte hatte der Arbeiter Bezia elektrische Drähte berührt. Er war auf der Stelle tot. In der Koksanstalt Skalley geriet dec Koksarbeiter Krist zwischen die Puffer zweier Eiseubahuwageu und wurde t o t- ge-gue 1 scht. ferner erlitten in den ehteu Tagen vierzehn Gruben-, und Hüttenarbeiter mehr oder weniger schwere Verletzungen. Die Verunglückten wurden ins Lazarett gebracht.
* Bon einem Wilderer erschossen wurde unweit Kevelaer am Niederrhein ein Neoierwachter, der mit zwei Jagern eine Wilddieöbande aufspürte. Die
Als Lord Douglas am Nachmittag seinen gewohnten Besuch macht, findet et Lilia allein auf der Terrasse fitzend.
Er küßt ihr die Hand, die sie ihm nur widerstrebend überläßt und nimmt neben ihr Platz. Sein scharfgeschnittenes Profil zeigt einen eigenen Ausdruck, halb Aerger, halb Triumph.
Die Unterhaltung dreht sich zuerst um gleichgültige Dinge. Bis plötzlich Lord Arthur ganz unvermittelt Lilias beide Hände ergreift, sie trotz ihres Sträuben? zwischen den seinen hält und in sichtlicher Erregung sagt:
„Lilia, ich möchte, daß die Hochzeit bald stattfin- det. Wozu länger warten!*
.Nein, nein —' fallt sie hastig ein, während ein Zittern ihren Körper überfliegt — „meine Mutter hat mir versprochen, daß ich bis zu meinem achtzehnten Jahre warten darf. Außerdem —* fie zögert, als falle ihr das Weitersprechen schwer — „außerdem ist Lady Diana ja auch noch auf Schloß Tusculum —*
„Meine Schwester spöttelt er — „bah!*
.Bevor Lady Dianas Hochzeit nicht stattgesunden hat — *
„Die wird nie stattfiudenl* Lord Douglas fin- gert'in seinem Portefeuille herum und zieht eine Visitenkarte heraus. „Lesen Sie!*
Lilia ist es, als stocke ihr Herzblut, um gleich darauf mit rasender Geschwindigkeit durch ihre Adern zu rinnen.
Zitternd ergreift fie die Visitenkarte. Wie ein Schleier liegt eS vor ihren Augen. Die Buchstaben scheinen vor chrem umflorten Blick zu tanzen.
Endlich vermag sie, die wenigen Zeilen zu entziffern.
.Lieber Lord Douglas! Ich habe mich zur deutschen Botschaft nach Konstantinopel versetzen laffrn. Morgen reife ich dorthin ab. Leben Sie wohl! Mtt Gruß W. A.'
Die jubelnde Freude, die Lilias Herz erfüllte, als Lord Douglas sagte, es würde nichts aus der Heirat zwischen seiner Schwester und Graf Wiitfried, macht sofort tiefer Riederaeschlagenbeit Platz
Jäger feuerten mehrere Schüsse auf den fliehenden Wildei )r ab, wobei einer schwerverletzt zusammenbrach und Ü’ fiter im Gestrüpp aufgefunden wurde. Der er- schosseme Wächter hinterläßt eine Frau und acht un- mündi je Kinder.
♦ In der Nähe der katholischen Marienkirche in Hohensakza, dk« Larfreitag des Jahres 1909 durch große -rdsenkongen zumteil zerstört worden ist, hat sich ein trichterförmtgeS, drsi Meter breites ttnd |me< Meter tiefes, mit Wasser ausgefülltes Loch gebildet. Man befürchtet von neuem eine Gefahr für die Kirche. Dir Polizei hat die Stelle sofort abgesperrt.
* Zwischen zwei Kippwagen, deren Bremse nicht funktionierte, wurde bei den Bauarbeiten am Stettiner Kanal der 40jährige Arbeiter Paul An- draschik eingeklemmt. Dem Unglücklichen wurde der Brustkorb vollständig eingedrückt, so daß er auf bet Stelle starb.
* Hebet den schrecklichen Tod einer Gefängnisinsassin, der Witwe Last fn Chariey (Kreis Oppeln) wurde kürzlich berichtet. Me Witwe Last hatte eine eintägige Haftstrafe wegen Schulversäumnis ihrer Sin- bet zu verbüßen und kam dabei auf entsetzliche Weise umS Leben. Der Gemeindevorstand veröffentlicht nun eine Darstellung deS Vorganges, wonach der Stroh- sack, auf dem die Frau schlief, Feuer fing, sodaß die Frau durch den Rauch erstickte. Der im Gefängnisgebäude schlafende Wächter hatte keine Hilferufe gehört. DaS Feuer entstand erst am Morgen, als die Tür geöffnet wurde, durch den Luftzug. Die Witwe hinterläßt übrigens nicht neun unversorgte Kinder, sondern nur deren drei, von denen ein» in Fürsorgeerziehung sich befindet. Me beiden andrem im Alter von 13 und 11 Jahren sind jetzt im Waisenhause untergebracht wordm. — Der Fall ist auch so noch schrecklich genug.
* Die Schuld an dem BahnhofSraud in Havre soll nach der gerichtlichm Untersuchung einm Fabri» kantm treffm, der Zelluloid waren unter falscher Bezeichnung abgeschickt hatte, um die für derartige Warm vorgeschriebene besondere Packung zu ersparen.
Literarisches.
Der Rheinganer Winzetkrach. Eine Dmkschrift m Nutz und Lehr füt jedermann. Von Fr. C. Jung. 96 Seiten. Preis 75Pfennig. Verlag von Hermann Rauch-Wiesbaden.
Das Werkchen schildert uns die Fehler. Gebrechen, Auswüchse und Mißbräuche an Hand der unglaublichen Vorkommnisse in derraiffeisen'schen GeschäftS- fübrung der nassauischen landwirtschaftlichen Ge- nosienschaftskasse Wiesbadm-Frankfurt, der Zentral- verka ifsgenossenschaft Rbeingauer Winzervereine in L!q. und der ZentralverkaufSgesellschast Deutscher Winzervereine m b. H. und deckt Tatsachen auf, die den Niedergang der Raiffeisenotganisation durch« iu8 begreiflich machen. Die traurige Lage der land« wirtschaftliche» Zentra darlehnskasse, die sich an ihre Genossenschaften wenden und von ihnen eine „®e« bühr* von 750 Mark pro Verein verlangen muß, um mit dem auf diese Art erzielten Betrag von über 3 Mill. M. nicht weniger als 10 verunglückte Raiffeisenunternehmungen zu sanieren bezw. mit Anstand bis zum bitteren Ende zu führen, wird uns verständlich und mit ihr auch die Grundursachen, die diefes traurige Resultat aezeitiat haben. z.
Nektau eu- »ud Anzeigenteil.
Sehr nützlich
ist es, in bet Kinderstube Scotts Emulsion nie au?» gehen zu lassen. Die Kleinen nehmen das Präparat gern, oft sogar mit solcher Vorliebe, daß sie selbst darnach verlangen, Scotts Emulsion ift ein ganz vorzügliches Stätlungsmitttel und ein sicherer Schutz gegen die häusigen Erkältungen unserer Kleinen.
eeotts limuiflon wird ooit uns Lu«td)U«tzUch tm 1 rotzen vertäust und ;mur nie lose nid) Eeivtcht oder Matz, sondern nur in »erstegelten Lrlgtnalstaschen tu Karton mit unserer Schutz- mar!« (Siidjer mit Dem Dorsch). Scott u. Lowne, ®. m. b. H. zrauNurt a. 1'1.
BeftanMelle: feinster Medtjlnar-iieberlran iso,', prima »l„erin to.o, nnlerphoSvhurtgsaurer Kalk 4,1. muerptzowhonig. antrt Seiron 1,0, pul». Tragant 6,0, seinster arad. «Summt ml». it,o. dettlll. fca er 119,0, «llohnt 11/). Hie>t» arontulilt'-.« imulston nm Hunt , anbei, -nb ,BnnItbedfl3l le 9 Trov en.
Morgen schon reist er ab! Ohne daß fie ihn noch einmal gesehen! Ohne daß fie weiß, ob er noch ihrer gedenkt oder ob er das arme kleine Mädchen schon ganz vergessen hat, das dort oben in den Zweigen des Baumes an seiner Brust geruht und deffm Herz ihm feit jener Stunde gehört — für immer! . . .
Verstohlen beobachtet Lord Douglas das wechselnde Mienenspiel in dem reizenden Mädchengestcht, den raschen Wechsel bet Farbe auf ihren Wangen. Et fühlt, wie auch ihm das Blut zu Kopf steigt. Noch niemals hat Lilia auch nur die geringste Zärtlichkeit von seiner Seite geduldet. Und er, der sich sonst den Kuckuck , um die Prüderie der grauen kümmerte — er hat sich den Wünschen dieses kleinen Mädchens stets gebeugt!
Wie konnte er mir soviel Rücksicht nehmen! Geradezu lächerlich!
Er steht auf und tritt dicht an Lilia heran
Etwas Heißes, Ungeduldiges spricht aus feinem Augen, aus seinem Gesicht. Tie Maske ist für eine Sekunde gefallen.
Lilia weicht vor ihm zurück. Sie hat die Empfindung, als stehe er vor ihr wie eine lauernde Katze, zum Sprunge bereit und schon die Krallen tastend ausstreckend.
„Einen Kuß, Mädchen!" flüstert er aufgeregt „Einen Kuß! Ich bin Dein Bräutigam, es ist mein gutes Recht —"
Er will nach ihrer Hand greifen, will die Widerstrebende an sich ziehen.
Doch sie wehrt ihm mit einer hoheitsvollen Geberde.
„Sie irren, Mylord. Sie haben noch kein Recht an mich. Bitte, lassen Sie mich vorbei!"
Er fühlt, daß er zu weit gegangen. Diesem Mädchen ist nicht beizukommen, wie den midem ihres Geschlechts!
Verlegen tritt er beiseite und läßt sie passieren.
„Sie wsssen ja nicht, wie ich Sie liebe, Lilia —* flüstert er, fast heiser vor Erregung. „Noch nie habt ich vorher ein Weib geliebt wie Sie! Wollen Sie mir nicht wenigstens 3§re kleine Hand gestatten —* (Fortsetzung folgt.)