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Der Schwerpunkt der Anwartschaften, wie sie das Gesetz vorsieht, liegt in der Altersrente., Wäh­rend die Invalidenrenten, wenigstens in Verbindung mit den Leistungen der allgemeinen Reichsversiche­rung, immerhin noch ein auskömmliches Existenzmini­mum verbürgen, sind die Hinterbliebenen­renten derart gering ausgefallen, daß sie als unzu­länglich bezeichnet herben müssen. Die Witwenren­ten weiden in den meisten Fällen nicht über 20—30 Mark, die Waisenrenten nicht über 4—6 Mark betra­gen. Bei den Witwenrenten ist übrigens noch eine Bestimmung getroffen worden, die nicht dem Geist einer Sozialversicherung entspricht. Es soll nämlich die Witwenrente in allen Fällen gekürzt werden, in denen die Wittve durch Arbeit so viel verdient, daß Einkommen und Rente zusammen etwa das versicherte Durchschnittseinkommen des verstorbenen Ehemannes übersteigen. Würde die Witwe dieses Einkommen des vechorbenen Ehemannes vielleicht ganz erreichen, so soll die Rente ganz wegfallen. Diese Bestimmung, die nichts anderes als eine Prämie auf Nichtstun oder Lohndrückerei bedeuten würde, wird hoffentlich im Reichstag endgiltig gestrichen werden.

Eine allgemeine Kritik hat eingesetzt gegenüber dem Vorschläge, welcher die Organisation und Verwaltung der neuen für die Versicherung zu errich­tenden Anstalt betrffft. Die Verwaltungsorgane setzen sich zusammen aus einem Direktorium, Verwaltungs­rat, den Vertrauensmännern, den Rentenausschüssen und einem Vertvaltungsausschuß. Die Hauptbemän- gelungen knüpfen an die Tatsache an, daß in diesem System eine eigentliche Sechstverwaltung fast vollstän­dig fehlt. Alle wichtigen Posten bis auf die Vor­sitzenden der Rentenausschüsse, sogar bis auf deren Hilfsbeamte herunter, werden von obenher ernannt; den direkt Beteiligten, welche die ganze Beitragslast aufzubringen haben ohne irgendwelchen Zuschuß des

Reiches, werden nur begutachtende Funktionen zu- erkannt In diesem Punkt ist zweifelsohne die Der- waltung der österreichischen Allgemeinen Pensionsan­stalt eine wesentlich fteiheitlichere. Hier haben die Vertreter der Versichertm nicht nur beratende, .onbem entscheidende Stimme, die Anstalt ist ein unabhängi­ger Organismus, welcher der Selbstverwaltung der beteiligten untersteht.

Sache der beteiligten wird es ferner sein, zu prü­fen, ob wegen der hohen Kosten, welche die neue Or­ganisation verursacht, nicht etwa ein engerer An» schluß an die Verwaltung der bereits bestehenden aut sunktionierenden Einrichtungen der Allgemeinen Invalidenversicherung möglich ist. Die Begründung bringt verschiedene Gründe dagegen vor. Der wich­tigste liegt in dem Hinweise darauf, daß bei der neuen Standesversicherung die Berufs Invalidität bei der allgemeinen Versicherung aber die Erwerbsmvalldi- tüt die Hauptgrundlagen der Versicherung seien. Bei­des müsse auch, wenn keine Verwischung eintreten solle, in der Verwaltung streng getrennt gehalten werden. Außerdem wird besonders betont, daß die Arbeitslast der Landesversicherungsanstalten schon fetzt so groß sei, daß eine Erweiterung kaum angängig erscheine.

Für das sichere Arbeiten der neuen Anstalt und für das Ausreichen oder Nichtausreichen der Beiträge ist die Frage der Anlage der Kapitalbestände von größter Bedeutung. Die soeben erschienene Schrift Nr. 5 der Rheinischen Arbeitszentrale (15 H Post­frei) : Was bringt dec „Entwurf eines Versichemrigs- gesetzes für Angestellte?", Darstellung und Kritik äußert sich hierzu wie folgt:

• Aus Uirche und Schule.

* Rom, 19. Febr. 191t Im Befinden de« K«, dinalS Rampolla ist eine erfreuliche Wcndunß zum Bessern eingetreten.

Die Frage, ob Leistung und Einklänge zu einander stehen, wird nen mit I a beantworten können. Eine Einschränkung ist zu machen hinsichtlich der Unverheirateten. Diese bleiben vielfach gerade deshalb unverheiratet, weil sie alte Eltern oder oersorgungsbedürstige Ge­schwister haben. In der neuen Versicherung werden sie gezwungen, Beiträge auch zur Hinterbliebenm-

* Der Penfionsversicherrmgsgesetz-- entwnrf und die Angestellten.

In einer kritischen Betrachtung des Entwurfs eines Penstonsgesetzes für die Privatangestellten wird uns aus führenden Kreisen derselben geschrieben:

Leistung und Gegenleistung des Ge­setzes ergeben sich aus nachstehender Tabelle:

Dienstag Sen 2(. Zebruar Ml.

38 Jahrgang.

Abstufung der Beitragsleistung nach unten vor, wie nachstehende Tabelle beweist. Es zahlt an Beitrag:

Aur dem Nachbargebiete.

:8: SodenSiolzenberg, 19. Febr. Auf Einladung de» Herrn Ortspfarrers war heute im Saale der Gast­wirtschaft zum „Goldenen Hirsch' eine große Anzahl von Männern und Jünglingen zur Gründung des katholischen Volksvereins erschienen. Nachdem Herr Pfarrer Schulz die Versammlung begrüßt und seinen Dank für das zahlreiche Er- scheinen ausgesprochen, erteilte er Herrn Volksver- einssekretär Frank-Fulda das Wort zur Belehrung über Ziele und Notwendigkeit des Volksverews für das katholische Deutschland. Die begeisternden Worte des Herrn Redners endeten mit stürmischem Applaus der Versammlung. Nach Absingung eines Liedes verbreitete sich der Herr Stadtkaplan Pf eis er-Fulda über die Leistungen des Volks- Vereins in sozialer und religiös-apologetischer Hin­sicht. Die große Wärme, mit der Redner sich seiner Aufgabe entledigte, erzeugte einen wahren Beifalls­sturm. Daß die Worte der beiden Redner aus gutes Erdreich gefallen waren, bewies der alsbaldige Beitritt von 180 Männern zum Volksverein, Nicht unerwähnt soll bleiben, daß die schon vorher er­nannten Vertrauensmänner vorzügliche Vorarbeit geleistet hatten und somit am Gelingen großen Anteil gehabt haben. Möge der neu gegründete Verein eine Abwehr bilden gegen die Grundsätze der irre geführten Genossen, deren Führer Bebel sagt: „Christentum und Sozialismus stehen sich gegenüber wie Feuer und Wasser' und der '""dc- rum sagt: „Wir erstreben auf dem, was ma> nie das religiöse Gebiet nennt, den Atheismus (Gotter- leugnung). „Den Himmel überlassen wir den Engeln und den Spatzen". „Ob ein Corist Sozialdemokrat sein kann, muß verneint werden". So Genosse

Und wieder läßt die atme Kranke sich den Spiegel reichen. , „ „ ,, ,

Und ein befriedigtes Lächeln verzieht ihre schmalen Sippen.

Das rosafarbene Licht täuscht einen Schimmer von Jugend, von Gesundheit auf die Wangen der Kranken.

Sie bedeutet der Zofe, sie allein zu lassen. Die müden Hände unter dem Kopf gefaltet, blickt sie zur Decke und läßt — wohl zum tausendstenmal — ihr Leben Revue paffiecen. ...

Wäre es möglich, daß nun auch noch der Sohn ihr durch eine andere entriffen würde? Und gar durch die Tochter eines Bediensteten? Eines — Stallmei-

Während sie noch so grübelt und grübelt, steckt die Zofe ben Kopf zur Tür herein.

„Gnädige Gräfin —'

.Was ist los?" , , „

Die Equipage der Lady Douglas ist vorgefahren.'

6inen Augenblick überlegt Gräfin Isolde. ...

Wenn der Berg nicht zu Mohamed kommt, be- ouemt sich Mohamed, dem Berg einen Besuch abzu- statten —' denkt sie bei sich. „Sie ist klüger als ich glaubte. Umso besser! VieNeicht wird Noch alles gut!'

Melde Lady Diana meinem Sohn, dem Grafen Winfried l" befiehlt sie kurz. „Ich fühle mich nicht wohl.'

Eine Viertelstunde verharrt Gräfin Isolde noch in ihrem rosaverhangenen Boudoir. Dann treibt sie die Neugierde auf die Terraffe. _

Schon von weitem vemimmt sie erregte «ttmmen: die tiefe, grollende ihres Sohnes und die in höchste Fisteltöne hmaufgeschraubte der Lady Dimm

Unwillkürlich bleibt sie stehen unb lauscht . . » Sie wollen mir also nicht versprechen, diese» Ge­schöpf fernerhin nicht mehr zu beachten, Graf?

„Nein, Lady Diana. Denn diese» — „Geschöpf", wie Sie Signorina Baletti zu nennen belieben, ist meiner höchsten Bewunderung würdia —"

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vrnck unb Verlag der Znldaer Rettendrnckerek tu $uUe

Deutsches Reich.

Der scharfe Waffengang zwischen Konservaiiven und Nationalliberaten im Abgeordnetenhause gibt der ,Nordd. Allg. Zig.' Anlaß zu der Bemerkung:

„Der Zusammenstoß wird von der radikalen Presse mit liefet Genugtuung besprochen. Sie geht dabei von der Ansicht ans, daß die Auseinandersetzung vom vergangenen Dienstag mehr als ein isoliertes, aus auoenblickttcher Streitlust erwachsenes Ereignis ist, und in der Tat mögen Reden im Lande, Kundgebungen in der Presse gerade in der letzten Zeit viel zur Ver­schärfung der Stimmung beigetragen haben. Hiernach ist cs begreiflich, daß von der radikalen Presse mit wachsender Zuversicht die Prognose aufgestellt wird, daß die Reichstagswahlen eine geschlossene Front der Linken den Parteien der Rechten gegen­übersehen werden. Gleichwohl nehmen wir nicht an, daß eine solche Radikalisierung unserer Parteiver- häitnisse von den beteiligten beabsichtigt wird, denn weder dre Konservativen noch die Nationalliberalen lönnen erwarten, daß sie es fein werden, denen die Ernte aus dem so tief aufgerissenen Boden zuwächst."

Wir glauben auch, daß bei den Wahlen beide Parteien Haare lassen werden. Aber wenn man darüber hinaus nach dem künsligen polnischen Kurse fragt, so will uns doch bedünken, daß die konserva­tive Partei das Anwachsen der Sozialdemokratie besser überstehen kann, als die liberalen Parteien. Wir können uns wenigstens nicht gut denken, daß zur Abwehr der Umsturzgesahr die Herrschaft den liberalen Großblockpoliltkern ausgeliesert werden sollte. _________________________

Die Absicht, Darlehen an Bauvereine zu geben, die sich mit der Herstellung billiger und gesunder Wohnungen für Angestellte beschäftigen, ist durchaus zu begrüßen. Verwunderung muß es aber erregen, daß man einen so großen Teil des Versicherungsver- mögens der Angestellten für die Staatsanleihen mit Beschlag belegen will. Die Begründung muß selbst zugeben, daß es durch diese Vorschrift erschwert wird, den. Zinsfuß von 31/2 Prozent dauernd zu erreichen, beu man den Berechnungen zugrunde gelegt hat. Sollte aber dieser Zinsfuß nicht erreicht werden, ]ö müßte eine entsprechende erhebliche Erhöhung der Beiträge eintreten. Bei der Angestelltenversicherung will das Reich nicht den geringsten Zuschuß gewäh­ren; es will weitgehende Ausstchlsrcchte ausüben, und nun will es noch obendrein die Kapitalien der Ange­stellten dazu benutzen, den Kurs der Reichs- und Staatsanleihen zu stärken, die Zinserträge der neuen Reichsanstalt aber zu schwächen. Die Angestellten und ihre Arbeltaeber werden es sich wohl sehr über­legen müssen, ob sie Anlaß haben, diesem Versuche

Iie miße Lilie mm Ariissee.

18] Roman von Erich Friesen.

Obgleich er gern zuerst einen Blick auf die Zeich­nung geworfen hätte, rollt er sie doch sofort ausein­ander Als aber die Mutter ihre langgestielte Lorg­nette hervorholt und das kleine Kunstweck mit spöt- tlsch-kritlsierenden Blicken betrachtet — da ist ihm, als würde das teure Bild brutal entweiht.

„L. B." — Heft sie, sich tief zu der einen Ecke der Zeichnung herabbeugend. „Wer ist ,L. B/?"

Winfried wendet sich einem vollerbluhten Centt- folienstock, der an einer der Marmorsäulen der Terrasse steht, zu und atmet langsam den Duft einer der Blü­ten em. „ n

Wie meinst Du, Mutter? ... Ach so, was ,L.

B'"beißt! . . . Lilia Baletti!'

„Dars man ftagen, wer diese— LUia Baletti ist?

"Warum nicht? ... Sie ist die Zeichnerin des Bildes.'

Spöttisch lacht Gräfin Isolde auf

„Das kann ich mit selber sagen. Ich meine seW- verständllch: wer sind die Eltem dieser — Lilia

Einige Augenblicke zögert Winftied, unschlüssig, ob er das ihm peinliche Gespräch nicht lieber kurz ab­brechen soll. Doch nein! Was berechtigt ihn zu einem solch unkindlichen Benehmen der Mutter gegen­über?

So sagt er in möglichst gelassenem Tone, indem er sich bückt, um eine halbwelke Centtsolie vom Boden aufzuheben:

„Der Vater ist Stallmeister bei Lord Douglas.'

„Aah -1

Gräfin Isoldes Lippen verziehen sich spöttisch. Durchdringend heften sich ihre Augen auf den Sohn, und sie bemerkt, daß fein Gesicht auffallend gerötet ist. Hat ihn das bücken derack angestrengt?

Kurzes Schweigen.

Dann fragt die Dame aufs neue: »Jst.ste noch jung, diese — Lilia baletti?'

und ich scheue mich nicht, offen zu erklären, daß ich Signorina Lilia liebel'

Lady Diana kann kaum mehr an sich hallen vor Wut. Ihr Gesicht hat einen gelblich-fahlen Ton an­genommen ; feucht brennen die Schläfen unter dem kunswoll toupierten Haar; die wasserblauen Augen ichelnen ans den Höhlen zu treten: das Bild einer Furie.

Gräfin Isolde auf ihrem Lauscherposten erschrickt Rasch kommt sie näher, um noch Schlimmeres zu ver­hüten.

Zu spät.

Mit einem unartikulierten Wutschrei stürzt sich jene , Furie' soeben auf die Zeichnung, die wieder zu- sammengerollt auf dem weißlackierten Rohrtisch liegt.

Nitsch, ratsch--

In vier Stücke zerrissen liegt das Keine Kunst­werk am Boden.

Totenstille.

Mit zusammengepreßten Sippen blickt Winfried auf sein zerstörtes Kleinod. .

Dann wendet et sich kurz und verläßt, ohne ein Wock zu sagen, die Terrasse.

9.

Das Wettrennen in Arco, das die Gemüter wochen­lang in Aufregung versetzte, ist vorüber.

Lord Douglas' „Rleopatra' hat gesiegt — mu Carlino Baletti als Jockey.

Für kurze Zett ist der schlanke Jüngling, auS des- sm schwarzen Augen Lebenslust und Frohsinn, fa ToMhnhett, lacht, der Held deS TageS.

Bernardo Baletti ist unbändig stolz auf feinen Sohn. Und Lilia freut sich mit dem Vater und Bruder.

Nur Frau Jngeborg nimmt nicht Teil an dieser allgemeinen Freude. Ihr schwermüttger Ernst hat nie recht Fühlung gewinnen können mit der fröhlichen Leichthcrzigkeit des Sohnes, der so recht da» Abbild seines Voiers ist. —t

.MoMkuns fM.)

Erdmann. .

-L Kassel. 20. Febr. 1911. Die Lanbreurfchaftr- kainmer zu Kaffri, hak zur Hebung der Rlndvich- zucht ihres Bezirks für dieses Jahr wiidLUM eine, Prämiierung ganzer Ri ndvieh st ämme vor­gesehen. Als Viehstämme gelten mindesten- 3 Köpfe in drei Generationen im Besitze eines bäuerlichen Wirtes. Für dieses Jahr er­streckt sich die Prämiierung auf die Kreise: Kassel, Melsungen, Homberg, Fritzlar, Kirchhain, Marburg, Frankenbero, Ziegenhain, Wolfhagen, Hofgeismar, Grasschaft Schaumburg. Die Prämiierung geschieht nach dem jetzt neu um gearbeiteten Punktier - systcm und es findet im einzelnen folgende Bewertung statt: 1) Ter gesamte Viehstand 80 Punkte; 2) Haltung und Pflege des Viehstandes 20; 3) bau und Einrichtung des Stalles 10; 4) Anlage von Kälber- und Jungviehweiden 40 und 5) regel- mäßiges Probemelken 50 Punkte, zusammen 200 Punkte. — Für die Prämiierung stehen folgende Preise zur Verfügung: ein 1. Preis 200 Mk.; ein 2 Preis 175 Mark; ein 3. Preis 150 Mark; em 4. Preis 125 Mark; ein 5. Preis 100 Mark; zwei 6. Preise je 75 Mk. und zwei 7. Preise je 50 Mk., zusammen 1000 Mark. — Anmeldungen aus bei genannten Kreisen sind unter Angabe der Rasse uuS Stückzahl ihres Bestandes bis spätestens 15. Mai cr. bei der Landwirtschastskammer in Kassel zu be­reuten. , t „

* Wetzlar, 16. Febr. 1911. Der Verband Hessen- Nassau deutscher Militäranwärter hat hier eine Tagung abgehatten. Auch Vertreter der Ver­bände von Bayern, Baden, Elsaß-Lothrlngen nahmen teil. Der Vorsitzende des Gesamtbundes bemerkte, die Militaranwärter wollten den Zivilanwörtem nichts wegnhenien. Die Anrechnung der Militärzelt bei den Gemeindebeamten sei noch nicht in allen Bundesstaa­ten allgemein durchgeführt, und es müsse weiter ange­strebt werden, dieses Ziel zu erreichen. Die Anfangs­besoldung der Kanzleigehilfen sei zu niedrig. Di« Militäranwärter müßten sich auch den politischen Pav- teien anschließen. Angenommen wurden folgende An­träge: Die Bezeichnung Diener soll bei allen Behörden fortsallen und durch eine zeitgemäßere ersetzt werden. Die Uniformabzeichen der Unterbeamten sollen durch gefälligere Wzelchen ersetzt werden. Allen Assistenten soll fünf Jahre nach der Anstellung der Titel Ober-

witb.

Wer das noch nicht wußte, hat es ja von Herrn Paafche erfahren können. Von demselben Herrn Paasche, der bisher zum rechten Flügel gerechnet wurde und trotzdem als maßgebende Parole aus- gegeben hat: Stramm gegen rechts und das Zentrum! Gegen die Sozialdemokratie mag Herr Paasche so wenig stramme Front machen, daß er sogar öffentlich in aller Form mit einer »Abwehr­mehrheit von Basfermann dis Bebel rechnet.

Da haben wir ja die rote Flut, durch die hm- burch ber Liberalismus zur Herrschaft gelangen will.

„Ich glaube wohl.'

„Und hübsch?'

„Sehr hübsch'

„So, so!'

Gräfin Isolde weiß genug.

Darum also diese plötzliche Abneigung gegen Lady Diana! Darum dies ungewohnte Auflehnen gegen den Wunsch der Mutter!

Hastig raffen die bleichen bebenden Hände das helle Schleppgewand zusammen. Mit Gewalt die Schmerzen, die unaufhörlich ihre kranke Brust quä­len, bemeisternd, schreitet sie langsam, mit müden Schritten, davon — ihren Gemächern zu.

Auf der Schwelle blickt sie sich noch einmal um. Wird der Sohn nicht wie sonst ihr nacheilm? Sie stützen? Oder in liebevoller Besorgnis fragen, ob sie sehr leide? . . .

Nichts dergleichen. Dort steht er noch auf dem­selben Fleck, in beiden Händen die Zeichnung. Und die blauen Augen nchen mit einem Ausdruck auf dem Bild — mit einem Ausdruck--

Gräfin Isoldes schmale Lippen pressen sich fest aufeinander. So rasch es ihre müden Glieder gestat­ten, eilt sie davon.

In ihrem mit rosa Seide ausgeschlagenen Bou­doir sinkt fit auf einen Sessel. Dann schellt sie der Zofe, bamit sie ihr ben Toilettenspiegel bringe.

Sorgsam ftublert sie ihr schmales, eingefallenes Ge­sicht, bas einst so voll und blühend war; . . . dar Silberweiß ber Haare, bereu Goldglanz einst bk Schar ihrer Verehrer halb verrückt machte; ... ben matten Blick der Augen, ble einst so feurig aufblitz­ten unb soviel Unheil anrichteten. . . .

Unb leises Stöhnen entringt sich der schmerzen­den Brust.

„Jalousien schließm! ... Licht andrehen!' keucht

' sie. —

Die Zofe tut, wie ihr geheißen

Unb bald ist bet ganze kosige Raum in rosafar­benes Licht getaucht, bas ble rosafarbene Tapete, ble rosa Seidenvorhänge, bk rosaumhülltcn elektrischen Ampeln ausstrahlen.

x „Durch die rote Flut hindurch zur Herrschaft."

Der Ausdruck gefällt uns, wenn er auch in einem Blatte steht, bas uns nicht gefällt. „

Die .Tägliche Rundschau' beschuldigt nämlich einen Parteiführer, er habe offenbar seine Kalku­lation Über die nächsten Wahlen hinaus entworfen und wolle dre Seinen durch die rote Flut hindurch zur Herrschaft führen. Ist damit nicht eine gewisse Taktik klipp unb klar gekennzeichnet?

Der Leser wird sich freilich wundern, daß be- tagtes Organ des Evangelischen Bundes so rück- ichtslos die Kalkulation des Herrn Basser- mann und «eines Schildknappen Paasche ausdeckt. Das ist aber die komische Seite dieser Sache, daß ber erwähnte Ausdruck nicht von der .Täglichen Rundschau' auf die nationalliberale Partei­leitung, auf die er so vorzüglich paßt, sondern gegen die konservative Parteiführung gerichtet wird. Man hat eine wohlgelungene Momentphotographie von Herrn Basfermann ausgenommen und schreibt nun darunter: Das ist der schreckliche Herr v. Heydebrand unb der Lasa!

Mit gutem Grunde haben auch die Gegner Respekt vor der Klugheit und dem Weitblick des Herrn v. Heydedranb. Ader ihm die Spekulation zuzutrauen, daß er von ber roten Flut das konser­vative Schiff bis zur Herrschaftshöhe tragen lassen wolle, das widerspricht ber offensichtlichen und hand­greiflichen Wirklichkeit. Das Bestreben der konser­vativen Partei geht vielmehr daraus hinaus, dem Nächsten Reichstag eine Mehrheit von positiven, staatstreuen unb arbeitsfähigen Mitgliedern zu er­halten. Darauf kann man einfach die Probe machen, indem man sich vorstellt, es käme folgendes Wahlkartell der positiven Parteien aus die Tagesordnung: Anerkennung des Besitzstandes, gegen« ietiine Unterstützung gegenüber der Sozialdemokratie. Äus" diesen Boden tonnte bi? km.ftxnatine Partei treten, ohne mit ihrer bisherigen Taktik zu btechM. Aber die nationalliberale Parteileitung könnte bas nicht, ba sie es aus die Eroberung von mög­lichst vielen konservativen Mandaten abge­sehen hat und dazu die Hilfe von links bedarf. Daher das offene Wahlbündnis mit dem Freisinn und die verschämte Hilfe der Sozialdemokraten gegen die „Reaktion".

Man kann die bezeichnete Probe noch einfacher und wirksamer machen. Nehmen wir nm den Vor­schlag eines Stichwahl-Abkommens an: wo ein Konservativer oder Nationalliberaler mit einem Sozialdemokraten in die Stichwahl kommt, da sollen die Anhänger der ausgefallenen Partei für den bürgerlichen Kandidaten eintreten. Also Stichwahl­hilfe gegen die Sozialdemokratie auf Gegenseitigkeit! Die könnte die Konservativen leisten, aber die Bassermann-Partei nicht. Unb wenn die örtlichen Führer bet Nationalliberalen sie ver­sprechen wollten, so wäre die Einlösung des Versprechens durch die liberalen Wähler mehr als zweifelhaft. Denn das Gros der nationalliberalen Wählerschaft ist viel zu sehr verhetzt gegen die Konservativen und sind zu tief verstrickt in die v.r- hängnisvolle Parole: Liebet rot aisschwarz,— eine Parole, die ohne weiteres auch aus ben blauen Teil ber sog. schwarzblauen Mehrheit angeroenbet

Prozent des Tarchschntt-r» gedaitr

ZJi 5,33 5,65 6,18 6,62 6 95 7,32 6,90 7,09

Gegenleistung

wgtive Partei | Versicherung zu zahlen; sie werden durch die neue hf ... fw-müH RN<HMg vielfach verhindert, durch private Bersiche- mng für Ihre Hintervnedmen JU sorgen und doch sollen wenn diese unPerhelrateten Angestellten ster­ben, ihre Eltem oder Geschwister, die daun vielleicht In Not zurückbleiben, gar keine Ansprüche aus Hin- terbliebenenversorgung haben. Die Begründung er­kennt offen an, daß hier ein Unrecht vorliegt; sie er­klärt, daß vorerst keine Mittel verftigbar seien, um den an sick> berechtigten Wünschen nach Aszendentenrente gerecht zu werden, und sie verspricht, daß die Ein- ührung dieser Renten sofort erfolgen soll, sobald sich vielleicht ein Überschuß aus den Beiträgen ergebe.

«rhaltSNatl«

Der Beitrag

Die gnoaL» Rente nach 10 Jahren jährt. Mark

%te leb« wetlereJahr erhöht sich die Jahr«- rente um Mark

J

von bti Mark

monatl.

jährlich

A

bis zu 550

1,60

19,20

48,—

2,40

B

550—850

3,20

38,40

96,—

4,80

G

850—1150

4,80

57,60

144,—

7,20

D

1150-1500

6,80

81,60

204,—

10,20

E

1500—2000

9,60

115,-0

288,—

14,40

F

2000—2500

13,20

158,40

396,—

19,50

a

2500—3000

16,60

199,20

493,—

24,90

H

3000—4000

20,—

240,-

600,—

30,—

J

4000—5000

26,60

319,20

798,—

39,90

Der Gesetzentwurf sieht eine

Immerhin erhebliche