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M 5L,

Mtttwöch den 15. Februar 1-^

58. Jahrgang.

« fuldaer;

^ruck und Verlag d« gilbaet Actiendruckerei

in $M'ba,

Zeitung

X Ein Blick anf die nächsten Reichstagswahle«.

So lange dar Deutsche Reich besteht, hat man für bevorstehende Neuwahlen nicht ein solches Interesse gehabt — und besonders nicht so lange vorher — tvie jetzt. Wir wollen untersuchen, woher das kommt, ;unb wie die Lage sich im nächsten Reichstag gestalten mag.

Allgemein ist die Annahme verbreitet, daß die sozialdemokratische Partei bei den näch­sten Wahlen die Scharte von 1907 auswetzen und ft och eine erkleckliche Reihe von Siegen darüber hin- fus erfechten werd«. Selbst in Regierungskreisen soll «in sich auf 100 sozialdemokratische Mandate gefaßt machen. Mit Sicherheit läßt sich das fteilich auch noch nicht sagen, obgleich die großen sozialdemokm- tischen Erfolge bei den letzten Nachwahlen dafür spre­chen; da aber nichts wandelbarer ist, als das politische Leben und die öffentliche Meinung, kann es auch nicht als unmöglich erscheinen, daß noch im Jahre 1911 irgend welche politischen Ereignisse eintreten, die einen Umschlag der Volksftimmung herbeiführen. Wir wollen aber bei unseren weiteren Darlegungen von der Voraussetzung ausgehen, daß das »richt eintritt tmd die Lage so bleibt, wie sie heute ist.

Wenn die Sozialdemokraten mit 100 Mann in den neuen Reichstag einziehen, so ist die erste Folge, paß der Bülowblock selbst dann nicht wieder ins Leben zurückgerufen werden kann, wmn es der Wunsch der Betelligten wäre. Jetzt ließe sich das noch ma­chen, weil eben die konservativen und die liberalen Parteien die zahlenmäßige Mehrheit besitzen. Im heuen Reichstage wird das nickt mehr der Fall sein, sind damit wäre die Politik Bülows endgültig ein« gesargt. Wenn die Sozialdemokraten auf 100 Köpfe steigen, so werden sie wohl die meisten Mandate den Liberalen abnehmen, einen Teil vielleicht auch den Konservativen. Hatte der Bülow-Block schon fn diesem Reichstage nur eine kümmerliche Majorität Io würde sie durch diese Verändemng vollständig be- eitigt werden.

Sehr wichtig ist, ob mich die konservativen Par­teien, das Zentrum und die Polen die bisherige Mehrheit behalten werden. Der sogenannte „sch w a rz- blaue Block" verfügt über mehr Abgeordnete als der Bülow-Block, ist also so leicht nicht „unterzukrie- sien". Trotzdem hat man mit der Möglichkeit zu Rechnen, daß auch er in die Minderheit versetzt wird, und da erhebt sich die Frage: „Was dann?"

Arif der Linken träumt man von einem r a d i- falen Block nach Art des französischen; besonders das „Berl. Tagebl." ist Feuer und Flamme für diese Idee. Es handelt sich aber hierbei aus mehr als ‘einem Grunde um ein Luftschloß. Zunächst ist un­denkbar, daß die Sozialdemokraten und die Fort­schrittliche Volkspartei die Mehrheit gewinnen. Rech­nen wir 30 Fortschrittler und 100 Sozialdemokraten, so bleiben sie zusammen nach Adam Riese immer noch mit 69 Stimmen unter der absoluten Mehrheit, die 199 beträgt. Wenn die Nattonalliberalen hinzuträ­ten, so bliebe die Mehrheit auch noch fraglich,, aber es ift ganz ausgeschlossen, daß die Nationalliberalen, besonders die Herren von der Industrie, fich mit den Sozialdemokraten zu einer parlamentarischen Acbeits- {jenossenschaft vereinigten. Basfermann hat in seinen etzten Reden deutlich genug durchblicken lassen, daß ein nationalliberales Herz weit mehr für die Re­gierung schwärmt, als für die sozialdemokratische Partei.

Und selbst iucnn der radikale Block -- was nicht der Fall sein wird — eine Mehrheit zustande brächte, so würde sie sich doch als ein swmpses Schwert erwei­sen, denn in Deutschland besteht nun einmal nicht das parlamentarische Regime wie in Franireich. Dort kann die Blockmehrheit jeden Minister vom Sessel stlL- |en, bis eine ihr genehme Persönlichkeit auf die Kom­mandobrücke gestellt wird, aber in Deutschland würde der Kanzler selbst vor einem einsttmmigen Mißtrau­ensvotum des Reichstages nicht zu weichen brauchen. Daß ein deutscher Reichskanzler sich mit einer Mehr­heit verständigt und die Geschäfte führt, zu der die Sozialdemokratie das Gros oder wenigstens die Hälfte der Mannschaft stellt, ist auf absehbare Zeit ganz ausgeschlossen. Also der radikale Block ist und bleibt auf jeden Fall ein Luftschloß.

Wenn die Dinge so liegen, bleibt aber nichts an­deres übrig, als eine Majorität aus den bürger­

lichen Parteien zusammenzusuchen, wie sie eben sich findet. Sollte also der „schwa^' b^.x Block" wirklich in die Binsen gehen, io wl Reichs­kanzler jedenfalls den Versuch machen, ine National- liberalen mit hinzuzuziehen, und sie werden ganz gerne kommen, wenn sie sich auch anfänglich nach Art spröder Schönen, die den Wert chrer Person fteigem wollen, eine Zett lang sträuben und zierm. Ein Lock- ruf an die Fleischtöpfe der Regierung hat auf Natio­nalliberale noch niemals dauernd seine Wirkung ver­fehlt. Gute Patrioten, die das erwägen, werden deshalb auch noch nicht in Tränen aus brechen, wenn sie die Möglichkett eines ungünstigen Wahlausfalles ins Auge fassen. Sollten die Konservatwen und das Zentrum nicht zahlreich genug sein, die Geschäfte de» Reiches zu führen, so wird der nationalliberale „Mon­sieur Herkules" schon das übrige tun.

Hiemach wird der große .Wahlkrach" von die­sem Jahre nach unserer Meinung nicht so gefährlich werden, wie mancher denkt. Die Sozialdemokraten fteilich schwelgen in OpttmiSmus und plantschen in Wonne. Sie erwarten zum minbeftcn wieder eine „Weltenwende", wie bet Vorwärts das Wahlergeb­nis von 1903 taufte, aber auch damals hat fich in Wirklichkeit nichts „gett>endet". Und so werden aller Wahrscheinlichkeit nach auch die nächsten Reichstags­wahlen nicht so fürchterliche Folgen haben, wie man nach den düsteren Prophezethungen einiger Pefsi- misten glauben sollte. •. । .

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......A, deutsches Reich.. ?

s. In der Winzernoikommifsion des Abgeordneten- hanseS lag ein Antrag vor, schleunigst Geldmittel und zwar 60 Mk. pro Morgen bereit zu stellen, den Gemeinden zu überweisen und die Beihilfen je zur Hälfte am 1. März und am 1. Juli auszuzahlen. Ein Regierungskommissar erklärte, ein Mittel mit durchschlagendem Erfolge gegenüber den Schädlingen sei bisher nicht gefunden. Der Staat habe den Gemeinden 48000 Mk. zur Verfügung gestellt. Der doppelte Betrag ist für die Sommerbekämpfung de- reit gestellt. Im ganzen stehen für den Regierungs­bezirk Wiesbaden 150000 Mk., für die Rheinprovinz 300000 Mk. zur Verfügung. Die Gemeinden müssen den gleichen Betrag zur Durchführung von Versuchen bewilligen. In den einzelnen Gemeinden, in denen ein besonderer Notstand herrscht, sollen Unterstützun- gen gewährt werden. Der Antrag wurde schließlich mit großer Mehrheit angenommen.

; > Blühenden Blödsinn verzapft der ,Reichsbote' über den Modernisteneid. Er schreibt:

Nachdem man in dem Fall des Prinzen Max erlebt hat, daß der Papst nicht bloß religiös-kirchliche Dinge dem Eid unterwirft, sondern auch historische, sodaß der Prinz alle die Resultate seiner geschichtlichen Forschungen, die mit denen der allgemeinen Geschichts­wissenschaft übereinstimmten, abschwören mußte, ist e8 unmöglich, den katholischen Geistlichen, welche den Eid geleistet haben, den Geschichtsunterricht in den Schulen zu übertragen; denn dieser Eid ver- pstichtet sie zum Vortrag der deutschen Geschichte im Sinne der römischen Hierarchie. Solchen Geschichts­unterricht in deutschen öffentlichen Staatsschulen kann aber der Staat unmöglich billigen. Der Staat kann aber diesen Priestern auch nicht zumuien, mein­eidig zu werden, indem sie den Unterricht im objektiv- historischen Sinn vortragen; es bleibt also nichts übrig, als diese Geistlichen auf den Religionsunterricht zu beschränken, und auch da ist eine sorgfältige Aufsicht nölig, damit der Unterricht nicht im Sinne der Borromäus-Euzyllika erteilt und über die Fürsten und Völker der Reformation Urteile gefällt werden, welche ein ftiedliches Zusammenleben der katholischen Bevölkerung mit der evangelischen anss höchste ge> sährdet. Der Eid geht weit über die religiöse Lehre hinaus; er bezieht sich auch, wie die Affäre des Prin­zen Ma^ beweist, auf die Machtstellung und Macht­ansprüche des Papstes, und verdammt alles, was diesen Ansprüchen widerspricht oder sie nicht billigt, und weil die Hierarchie mit der „Irrlehre" auch die Person der Jrrlehrer verdammt, so muß der Eid die Priester zur Verhetzung gegen die protestantischen Fürsten und Bevölkerung sühren. Wenn der König von Preußen eine Einrichtung trifft, Gesetze erläßt, wie sie z. B. im Kulturkampf gemacht wurden, so würden jetzt nach diesem Eid die katholischen Priester verpflichtet sein, den Kaiser, die deutsche Regie­rung und Deutschland als Feind des Papstes und der Kirche sofort zu bekampsen und auf ihre Schwächung hinzu wirken. Die Konsequenzen dieses Eides sind also sehr bedcnllick, und wenn der Staat sich gegen diese Konseque-z', de) PapsteidrS

Z e Weiße Lilie mm Gardasee.

13' Roman von Erich Friesen.

rißen Sie, Lady Douglas — aber Sie ha­ben . nichts zu befehlen. Mein Mann ist der lln.tr> eile Ihres Herrn Bruders; aber ich und meine Tochter, wir sind frei zu tun, was uns be­liebt."

Lady Tiana reißt ihre wasserblauen Stu gen wett auf vor Entsetzen.

Eine solche Antwort ihr, der stolzen Ladyl Der Schloßherrin! Und von wem? Von der Frau eines Dieners ihres Bruders! Unerhört!

„Das sollen Sie mir büßen", knirscht sie. „Mein Bruder wird Ihren Mann entlassen. Sofort —"

„Das ist seine Sache."

„Unverschämte!"

Wutentbrannt reißt Lady Diana an der Schleppe ihres heliothropfarbenen Kostüms, gibt ihrem seder- tzeschmvckten Rembrandthut einen ärgerlichen Stoß und schreitet ohne Gruß, yztt der Miene einer belei­digten Königin, hinaus.

Achselzuckend, wie um Entschuldigung bittend, folgt die Marchesa.

Eine Weile noch verharrt Frau Jngeborg an der- felben Stelle.

Dann begibt sie sich wieder an ihre Arbeit — gelassen, als wäre nicht soeben noch ihr gan- zes Innere in Aufruhr gewesen.

Ihr großer dunkler Blick ist nach innen gerichtet. Er umfaßt das ganze Leben, mit seinen Leidenschaf­ten, seinen Prüfungen, seinem Elend —

Unten rasselt soeben Lady Dianas Equipage von bannen.

7.

Wochen sind vergangen. ____

Wenn Frau Jngeborg geglaubt hatte, ihr Mann würde seine Stellung bei Lord Douglas verlieren, so befand sie stch im Irrtum.

Zwar hatte Lady Tiana versucht, bk Frau des Stallmeisters bei ihrem Bruder anzuschwärzen. Aber

Lord Douglas zuckte nur spöttisch . ging auf das Thema nicht weiter c

Ms er gesehen, daß bei der reizende:

zu erreichen ist, nahm er sich guerft vor, sie „zu schnei­den".

Doch merkwürdig: je mehr er sich bemüht, die zierliche Elfengestalt, das zarte Gesichtchen, die großen Vcilchenmrqen zu vergessen — umso lebhafter stehen all diese Reize vor seinem geistigen Auge.

Ja, er, der stolze Lord Arthur Douglas, der ttotz seiner vorgerückten Jahre noch niemals daran dachte, sich durch die Blumenfesseln der Ehe zu binden, der die vornehmsten Ladies und Komtessen vergebens nach ihm die Angeln auswerfen ließ — er ertappt sich jetzt sogar dabei, wie er überlegt, ob er nicht die Tochter seines Stallmeisters zu — seiner Gemahlin erheben soll.

Vielleicht Ware er auf diesen „hirnverrückten Ge­danken" — wie er es in verbissenem Spott selbst nennt — nie gekommen. Aber die Eifersucht ist eine mächtige Triebkraft.

Und Lord Douglas ist eifersüchtig — wahnsinnig eifersüchtig auf den jungen Grafen Älthof.

Zwar hat er die beiden nie wieder zusammen ge­sehen. Er hat auch nicht bemerkt, daß Winfried je wieder das kleine glhcinienumrcmkte Haus betrat.

Trotzdem quält ihn die Eifersucht.

Aus diesem peinigenden Gefühl heraus. faßt er den Vorsatz, das, was er zuerst nur gewissermaßen zum Spaß erwog, zur Wahrheit zu machen.

Wamm sollte er auch nicht! — Zeitlebens hat er getan, was ihm beliebte, was Laune oder Neigung ihm diktierte! Wer also könnte ihn daran hindern, wenn es ihm diesmal behagt, stch nach dem verbor­genen Veilchen zu bücken und es aus dem Staube aufzuheben? —

Ein weiterer Grund, seine Absicht recht bald aus- zuführen, ist der, daß Lady Diana klagt, Graf Win­fried lasse sich fcch gar nicht mehr bei ihr sehen.

Ohne daß je ein Wort von Liebe zwischm Win- ftied und Diana gefallen wäre hatte man es im Schlosse TuSculgm als festsiehende Tatsache betrach-

-chftln und

Lilia

wehrt, so tut er einfach seine Pflicht, und eS bat niemand das Recht, ihm vorzuwersen, er habe einen Kulturkampf angefangen. Der Papst ist eS, der mit seinem Eid diese Spannung zwischen Staat und Kirche geschaffen hat. So find ober ju aller Zeit alle kirchlich» polikischen Elrettigkeiten durch di« Machtanjprüche deS Papstes hervorgerufen worden.

Furchtbar, dieser Antimodernisteneid! .Der ,ReichSbote^ .weiß ungefähr gerade soviel von diesem Eide wie der evangelrscke Pfarrer Preger, der in Kassel diejer Tage die Evangelischen Bunvcsleute gruselig machte. In Wirklichkeit ist dieser Eid nichts andere- als ein feierliches Glaubensbekennt­nis mit besonderer Verwahrung gegen die moder­nistischen Irrlehren, wie sie in der Enzyklika „Pas- cendi" definiert UNO verurteilt worden sind. Aber kein Wort findet sich darin, daß der Eid die Ab- schwörung der Rejultate geschichtlicher For- s ch u n g en verlange, tein Wort von der Machtstellung und den Machtansprüchen de« Papstes, kein Wort von der Verpflichtung, die Feinde deS Papste« und der Kirche zu b e k ä m p f e n. Eine unverfrorene Lüge ist es, daß die Hierarchie „mit der „Irrlehre" auch die Person der Jrrlehrer verdammt," eine Geschichtsfälschung frechster Art ist eS, daß Prinz Max von Sachten sich zu dem Antimodernisteneid oder zu der Enzyklika „Pascendi" in Widerspruch gesetzt habe. WaS der MeichSbole' von den „Kon- sequenzen deS Papsteides" redet, ist darum ebenso verkehrt wie das, waS er von dem Eid selber erzählt. Das Blatt führt Klage, daß der geschichtliche Unter- richt im Sinne der BorromäuS-Enzyklika erteilt und dadurch das friedliche Zusammenleben der katholischen Bevölkerung mit der evangeliscken auf« höchste ge­fährdet werden könnte. In Wirklichkeit gibt der Antimodernisteneid Richtlinien weder für den geschicht­lichen Unterricht noch insbesondere für die Beurteilung deS Reformationszeitalters. Das alles lügt der .Reichsbote' hinzu. Weshalb? Gefchieht es aus Unwissenheit, dann ist es eine sträfliche Un­wissenheit. Es ist gar keine Form möglich, das friedliche Zusammenleben der katholischen Bevölke­rung mit der evangelischen in höherem Maße zu gefährden, als durch solche systematische Irre­führung der evangelischen Bevölkerung über katholische Dinge unb die dadurch hervor­gerufene Verhetzung und Mißachtung.

X Zum Fall Jatho. Unter dem Titel „Akten­stücke zum Fall Jatho" veröffentlicht die „Christliche Freiheit" (herausgegeben von Lizentiat Traub-Dort- tnunb) bk Verfügung bes evangelischen Oberkirchen- ratS, bk bekanntlich ben Pfarrer Jatho wegen Irr­lehre in fünf Punkten zur Rechenschaft zieht, unb bie Antwort Pfarrer Jcrthos. Letzterer legt seinen Stand- pmckt in ben fünf Fragen eingehend bar. Die Gott­heit Christt leugnet er unb ob es nach dem Tobe noch ein anberes Leben gebe, hält er zum mindesten für zweifelhaft. Diese Lehre, so betont er ausbrücklich, werbe er festhalten. In ber Verfügung bes Ober- kirchenrats heißt es am Schluß: „Zugleich erwarten wir eine Erklärung über bk richtige Wiedergabe deS Inhalts Ihrer ölen erwähnten Julipredigt in der abschriftlich beigefügten Skizze, sowie darüber, ob und inwieweit Sie in dem gleichfalls abschriftlich beige­fügten Stenogramm des 2. Teiles Ihres Ostervortra- ges eine zutreffende Wiedergabe Ihrer Ausführungen erkennen." Hierauf antwortet Pfarrer Jatho: „Was meine Predigt vom 10. Juli betrifft, so habe ich es nicht über mich gewinnen können, die abschriftlich bei- gefügie Skizze zu lesen. Ich darf annehmen, daß diese Skizze dem Hochwürdigen Evangelischen Oberkirchen­rat als eine anonyme zuqegangen ist, sonst würde mlr derselbe ben Verfasser gewiß genannt haben. Ano­nyme Denunziationen aber sind mir so widerwärtig, baß ich mich mit benselben in keiner Weise befassen möchte." Daraufhin weiß man sich in Berlin nicht weiter zu helfen unb verhanbelt nun. Jatho ist ein protestantischer Modernist im besten Sinne des Wortes; das beweist schon seine Verteidigung durch die liberalen kirchlichen Organe. Diese Sache toitb dem Kirchenregimcnt zu Berlin noch viel zu schaffen machen. Wie manche Protestanten, die sich jetzt über das Vorgehen des Papstes gegen den Modernismus entrüsten, wären froh, wenn sie eine Autorität in ihrer Kirche hätten, bie ben Irrlehren beizeiten kräftig ent­gegentreten würde

* Könitz, 14. Febr. lull. Der hiesige Ma- gistrat bleibt katholikenrein. In der letzten Stadtverordnetensitzung wurde die Wahl eines

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kt, daß Graf Althof sich um die Hand der Schloß­herrin bemühe. Jedenfalls bewachtet Lady Diana ihn bereits als ihr Eigentum, unb sie glaubt, mit Recht entrüstet sein zu hülfen, daß er sie feit einiger Zeit so auffallend vernachlässigt.

Graf Winfried selbst hat fteilich nie daran gedacht, die um einige Jahre altere Lady Douglas zu seiner Gattin zu machen.

Als er mit seiner leidenden Mutter voriges Jahr aus der nordischen Heimat nach Riva kam unb hier hie Villa Eden" mietete — ba machte er im Klub, hem "er Mb beitrat, bie Bekanntschaft Lord Douglas'.

Dieser wieder lud den „Nachbar" in sein Schloß ein.

Unb Laby Diana fand rasch Wohlgefallen an dem frischen heitern jungen Grafen unb beschloß, zumal es ihr in Riva an Herrenbekanntschaften fehlt, ihn an sich zu fesseln.

Da Gräfin Jfolbe Whof, ihres leibenden Zu­standes wegen, gar keinen Umgang pflegt, ihr Sohn aber naturgemäß gesellschaftlichen Verkehr sucht — so entspann sich 6alb eine Art von freundschaftlichem Verhältnis zwischen ben Geschwistern Douglas unb Winftieb Althof.

Freilich — nicht immer war ber junge Graf mit ben Ansichten Lorb Arthurs einverstanben — zumal, wenn es stch um bk Beziehungen zum weiblichen Geschlecht hanbelte.

Winftieb hält bk Frau hoch. Lorb Arthur ba- gegen sieht in ihr nur ein Spielzeug für bie Launen des Mannes. Noch niemals aber war es zwischen ihnen zu einem offenen Streit gekommen. Es blieb stets bei theoretischen Auseinanbersetzungen.

Doch Theotte unb Praxis flnb zweierlei.

Unb als damals Graf Winfried Zeuge wurde, wie Lorb Atthur seine verwerflichen Theorien bei jenem unschulbigen Geschöpf, ber „weißen Luk vom Gardasee", zu verwirklichen beabsichtigte — da hielt er es für seine Pflicht, den «dien Lorb seine Mch- billigung fühlen zu lassen.

StadtratS an Stelle deS verzogenen Stadlrat­vorgenommen. Von 25 abgegebenen Stimm« zetteln lauteten 14 auf Bahnhofswirt Buchholz« der die Wahl aanahm und „allen denen, bie ihm die Stimmen gegeben haben", dankte. Aus den katholischen Kandidaten Justizrat Zilewski fiel nur eine Stimme. Drei kalholiscke Stadt» verordnete fehlten in der Sitzung. Di; Stadt­ratswahl hat also den AuSgang genommen, der nach dem seinerzeit mitgetetilen Beschluß der evangelischen Mehrheit ber Stadtverorbneten von Könitz zu erwarten war. Die Konitzer evan­gelische Mehrheit bet Stabtverorbneten hat bie „Ehre" beS Konitzer Magistrats, sich feit Jahr* hunberten „katholikenrein gehalten zu haben",) flftlttey

volkswirtschaftliches und Sozialer.

V

Lorb Douglas wieder verhöhnt im Men den Tugendbold". Daß Winfried ihm im Ernst bet Lilia Baletti ins Gehege kommen könne glaubt er nicht. Er weiß, daß die roegen ihres Adelsstolzes bekannte Gräfin Isolde niemals ihre Einwilligung zu einer Heirat zwischen ihrem Sohn unb ber Tocht« eine? Stallmeisters geben würde; er weiß ferner baß Winfried seine kranke Mutter liebt; weiß auch — unb das erscheint ihm das wichtigste — daß der junge Graf zu ehrlich unb ritterlich ist, um einem unschul­digen Mäbchen ben Kopf zu verdrehen, wenn er nicht die Absicht hat, eS zu heiraten.

Trotzdem — Lorb Douglas ist vorsichtig, wenn es sein eigenes Interesse gilt. Unb er beschließt, so» fort zu handeln. —

Frau Jngeborg ist nicht'wenig erstaunt, als nach längerer Pause Lorb Arthur DouglaS wieber einmal in ihrer Wohnung auftaucht.

Noch erstaunter aber ist sie über seine außerge- wohnlich respektvolle Höflickkett, bie umso vorteNhaf- ter von dem beleidigenden Benehmen, mit dem seine Schwester ihr neulich entgegentrat, absticht

Mit tiefer Verbeugung reicht er ihr die Hanv, was er bisher noch nie getan. Dann fragt er mit einem Blick auf die mmelehnte Tur nach dem Neben, zimmer, ob sie allein seien. , .

Zwar verwundert sich Frau Jngeborg aufs neue. Doch erwidert sie ruhig: . ,

Fa Mylord, wir sind allein. Meme Tochter, ist nach" Arco gegangen, um Besorgungen ju madten.

Q0rb Arthur nickt befriedigt. Dann bittet er um bie Gunst, eine Taffe Tee bei her Hausfrau trinken äU Frau^JngeborgS Erstaunen wächst. Aber höflich rückt sie einen bequemen Sessel zurecht ünb verschwin­det bann in ber Küche, um ben Wunsch ihres Gaste» zu erfüllen. '

Lord DouglaS ist allein. Behauch streckt er die Deine weit von sich, vergräbt bie Haube in ben Hosentaschen unb läßt ben Blick im Zimmer umhev- schwrifen. — ■>

(Fortsetzung folgt.)

* Zehnter volkswirtschaftlicher Kursus in, M.'Gladbach. Vom 6. Juni bis 29. Juli wird' an ber Zentralstelle beS Volksvereins in M.-Glab-, bad) ein achtwöchiger voll- wirtschaftlicher Äurfu8| abgehalten werben. Zur Behanblung kommen: Wirtschaftsgeschichte unter befonbeter Berücksichtig gung ber brutschen Wirtschaftsgeschichte im 19. Jahrhunbert, ber gewerbliche Großbetrieb, feine Unternehmungsformen, seine Organisation und bie Jndustriepolitik, ferner bie Arbeiterfrage, bie Gewerkschaften, baS Tarif- unb EinigungS wesen­der Sozialismus unb bie sozialistische Bewegung,^ enblich bie bürgerliche Sozialreform zugunsten ber verfchiebenen Stäube. Der Kursus ist berechnet, für solche Herren unb Damen, bie sich ber sozialen Arbeit auf irgendeinem Gebiet in besonderer wenn auch nicht ausschließlicher Weife zu roib^ men gedenken, insbesondere für Arbeiter, bie, berufen unb gewillt sinb, in bet Arbeiterbewegung sich zu betätigen. Die Vorträge finben bes! Morgen- statt, bie Nachmittag« sinb Private stubien unb praktischen Hebungen gewidmet, Gebühren werben für bie Teilnahme am Kursus nicht erhoben. Kosten (75 bi« 80 Mark pro, Monat) entstehen nur aus Logis und Ve'pflegung sowie auS ber Anschaffung einiger Bücher. Dies» Kosten sind in erster Lime durch die Teilnehmer selbst aufzubringeu. In manchen Fällen zahlen.' bie entfenbenben sozialen Vereine (Arbeitervereines Gewerkvereiue usw.) Unterstützung. Die Teil« nehmet aus Arbeiterfreifen müffen eine gute Schul»; bilbung besitzen, orthographisch richtig schreibens rebnerifch talentiert fein unb eine gute praktisch», soziale Schule in Arbeitervereinen, sozialen Untere richtSkmsen und vor allem in gewerkschaftliches Kleinarbeit bisher schon durchgemacht haben,! Arbeiter unb Arbeiterinnen mögen ihrem Gesuchs beifügen: f

1. einen kurzen, selbstverfaßten und selbstgeschrie/ denen Lebenslauf; darin ift insbesondere anzugeben, in welchen Berufen und wo man tätig gewesen ist,' seit wann und in welcher Gewerkschaft man oraank, si«xt ist, in welchen kalbolfichen Vereinen man 9Jtit»' glied war, und wie man fich in der organisatorischen und agitatorischen Kleinarbeit betätigt hat; 2. eit( ärztliches Gesundheitsattest; 8. sind solche Personen namhaft zu machen, bei denen die Zentratstell« übet Charalter und Fähigkeiten der sich Meldenden Er«', kundigungen einzieben kann; 4. ist der Nachweis zu erbringen, daß die notwendigen Mittet zur Deckung der entstehenden Kosten vorhanden sind und in Gladbach deponiert werden können. Dieser Nachwr« kann durch Bürgschaften zahlungsfähiger Korporationen' oder Privatiers ersetzt werden. Solch« Bürgschaft»- erklärungen müssen genau den Betrag angeben, für berf der Bürge eventuell auszukommen bezw. den er zu der Kosten beizusteuern bereit ist. '>

Auf Wunsch übermittelt die Zentralstelle Prospekte unb genauere Anweisungen. Anmel­dungen möge man spätesten« bi« jum 1. Tlai an Direktor Dr. H. Braun« in M.-Gladbach lichten. /