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Fulda, Dienstag den 14. Februar 1911.

38. Jahrgang.

Erstes Blatt

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Verlag der Fuldaer AI. /

Monakb-üage: „Fuldaer Geschichtsblätter" Ferusprecher 9. ;

beitslosenfrage und endlich — als ob das die Rom» munalverbände etwas anginge — mit der Eintet» lung der vteickstagswahlkreise.

+ Die Privatbeamtenverstcherung. Am 10. Februar war die Siebene?kommission bet Hauptausschusses zur Herbeiführung einer Pen» sions» und Hinterbliebenenversicherung sür Privat» angeslellte neuerdings in Berlin zu einer Bera» tung zusammengelreten. An der Sitzung, bie im Reichstagsgebäude ftattfanb, nahmen Vertretet aller Fraktionen des Reichstags teil. Ihne« wurde der einmütige Wunsch aller im Haupts ausschusse zusammengeichlossenen Privalangestell» ten vorgetraaen, der Reichstag möge die Eilevi- gnng des Entwurfs möglichst beschleunigen. Sämtliche anwesenden Abgeordneten versicherten, daß alle Fraktionen des Reichstags bestrebt sein würden, sür die Erledigung des Gesetzentwurfs, noch im gegenwärtigen Rerchstage — sofern nur der Entwurf schnell genug vom Bundesrat an. den Reichstag gelangt — Sorge zu tragen. Die Abgeordneten ließen sich daraus noch die beson­deren Verbesserungswünsche der Siedenerkommis» sion vorlragen und stellten deren wohlwollende Berücksichtigung in Aussicht. Die Siebenerkom- Mission beschloß, mit allen ihr zu Gebote stehen« den Mitteln die Aufklärungsarbeiten über den Gesetzentwurf, den sie als eine brauchbare Grund- läge für die Schaffung einer Pensionsversicherung der Prlvatangestellten ansieht, fothuMten.

** Einen „großartigen" Vorschlag für die näch­sten Reichstagswahlrn macht der ehemalige Staats­sekretär Dernburg. Er will für vas ganze Reich einen einzigen Wahlkreis geblldet .wißen. Auf einem Normalstimmzettel soll jede Partei eine Rubrik erhalten; dec Wähler soll in die Rubrik der Partei, der er seine Stimme geben will, ein Zeichen machen. Alle im ganzen Reiche abgegebenen Stim­men sollen zusammengezählt und durch die Gesamt­zahl der zu wählenden Abgeordneten geteilt werden. Was herauskommt, ist die Stimmenzahl, die auf einen Abgeordneten trifft. Damit soll wieder in die für jede Partei abgegebene Stimmenzahl geteilt iver- den und jeder Partei ihre Abgeordneten nach der lau­fenden Nummer einer eingereichten Kandidatenliste zugeteilt werden. — Man wäre versticht, das sehr ge­scheit zu nennen, wenn es nicht herzlich dumm wäre. Noch kein einziger Staat hat ein solches Experiment gemacht, da es die Loslösung der Abgeordneten von den Wählern bedeutet. Die Grundlage eines Staa-

Deutsches Reich.

»♦ Berlin, 13. Febr. 191 l. Tas Kaiserpaar wird Ende Mai zur Einweihung der neuen Rhctii- brücke in Köln erwartet.

Ei» Seutscher Parteitag des Zetttrunrs.

Daß die in diesem Jahr statifindenden Reichs­tagswahlen alle vorausgegangenen Wahlen der letzlen Jahrzehnte an Bedeutung übertreffen, darüber herrscht in allen Lagern völlige Klarheit.

Diesmal handelt cs sich nicht um eine Ent- scheidung, die auf lange Jahre sür die Wirtschafts­politik Deutschlands die Richtlinien vorschreiben wird — nein, auch die grundsätzlichen Fragen der Weltanschauung treten in den Vordergrund und lassen eine noch nie dagewesene Verschärfung der Gegensätze in dem bevorstehenden Wahlkampf er­warten. Sollte es den linksstehenden Parteien diesmal gelingen, di; seitherige Reichstagsmehrheit aus dem Sattel zu heben, dann ist nicht nur der Fortbestand unserer seitherigen erprobten Wirtschafts­politik in Frage gestellt, cs wird dann auch den tullurkampserischen Steigungen gewisser Parteien Vorschub geleistet und unser öffentliches Leben noch mehr als bisher durch konfessionelle Gegensätze ge­trübt werden. Je näher die Entscheidung kommt, um so mehr verschärfen sich bereits die Gegensätze und um so mehr wächst auch im katholischen Volte die Ueberzeugung, daß wir einem Entscheidungs­kampf entgegengehen.

Während alle übrigen politischen Parteien sich veranlaßt sehen, auf Parteitagen, die sür das ganze Reich einberusen werden, eine einheitliche Parole sür das ganze Reich zu geben und nach ein- heitlichcn Leitsätzen die Wahlen vorzubereiten, hat die Zcntrumspartei bis jetzt von der Einberufnng eines deutschen Parteitags Avstand genommen. Man will sich wie in früheren Jahren auf die Veran­staltung provinzieller oder Landesparteitage für die einzelnen Bundesstaaten beschränken, dort die Organisation sür die einzelnen LandeSteile vorbe- reiten und die Anhänger für die Zentrumssache zu sammeln suchen. Dies mag für früher e Zetten genügt haben; sür so außergewöhnliche Um. stände und Verhältnisse, wie sie diesmal ,n die Er- scheinuua treten, erscheint es uns aber nicht aus­reichend Die Katholikentage entbehren des politi­schen Ciarakters, sie beschäst'.gen sich nicht mit den Fragen der Tagespolitik und können, da sie kerne Veranstaltungen der deutschen Zentrumspartei sind, auch keinen Ersatz sür die politische Werbearbeit bieten, die ein Parteitag in sich schließt, und be­zweckt. Aber auch die Parteitage in den ein- «Inen Bundesstaaten dürften bei der gegen- ivärtigen Lage keinen ausreichenden Ersatz für eine große Heerschau der deutschen Zentrums- Wähler bieten. Es sollte vielmehr das deutsche Zentrum angesichts des Ernstes der Lage zu einer machtvollen Kundgebung zusammen- treten, um neben einer Aussprache über wichtige Fragen, die bei den kommenden Wahlen im Vordergrund stehen, auch den Anlast zu einem voll- gltgen Beweis der Einheit der

Partei in allen Teilen des Reichs herbeizu üqren. Die Stoßkraft der Agitation wurde wesentlich ge- söidert und ein einhei'liches Vorgehen der Partei n allen Teilen des Reiches gesichert, wenn auf wem großen deulschcn Parteitag des Zentrums me Varole für die kommenden Wahlen ausgestellt und der Bericht über die Wahlvorbereitungen t. ben verschiedenen Bundesstaaten erstattet wurde.

Wir sprechen gewiß Tausenden treuer Zentrums- feute aus dem Herzen, wenn wir an die Zenlrums- krak'ion des Reichstags die Bille richten, der Frage näber zu treten. Man we'ße den Gedanken nicht kurzerhand zurück, sondern prüfe ihn e.nstlich und iälle dann die Entscheidung, wie d'e Jntereffen der Partei sie gebietet. Wir sind der Ueberzeugung, baß eine genaue Prüfung aller einschlägigen Ver­hältnisse dazu führen wird, unserem Vorschlag zu-

Ein" "glanzvolle Beschickung eines allgemeinen deut'chen Zenlrumsparteitages wäre zweifellos; die Zentrumswähler warten nur auf den Rus und sie werdeii schon durch die Zahl ihrer Delegierten zu einem großartigen Verlauf des Parteitages beitragen.

damit betreten hat. Ein besonderer Streit hat sich ent­spannen über die Heizerzulagen. Die Kommission hat sich schließlich auf den Standpunkt gestellt, daß den Heizern für die Tage eine Zulage gezahlt werden soll, »u denen sie Dienst tun. Dieser Entschluß der Rom» Mission bedeutet ein weitgehendes Entgegenkommen gegenüber dem Heizerversonal. Die weilergehenden Anträge der Sozialdemolraten nützen den Heizern garnichts, solange ihnen die metallische Unterlage fehlt, d. h. solange die Herren (z. d. Soz.) nicht sür die Beschaffung der erforderlichen Mittel sorgen, d. h. den Etat bewilllgen. (Lebh. Beifall.) Der Redner schließt, indem er nochmals zum Ausdruck bringt, daß die .deutsche Flotte nur ein Instrument des Friedens «nd der Verteidigung sein soll. (Beisall.)

Abg. Dr. Dröscher (kons.): Der Etat hält sich im Mayinen unseres Flottengeseyes und er befleißigt sich sbcr weitgehendsten Sparsamkeit. Die Grundgedanken, 'n Flottengesetz amgebaut ist, haben sich

llötderständen und aller Kritik zum Trotz durch- zefetzt. ^er beste Beweis dafür dürste sein, daß Frankreich ach ein Floltengesetz gegeben hat, das in «kirrer ganzen Grundlage offensichtlich dem unfern nach- zebildet ist. Wir freuen uns, daß sich untere Flotten. Politik als richlig erwiesen hat und wir vertrauen, daß sie auch im Urteil der Weligeschichie die Probe bestehen wird. Die Abgg. Erzderger, Waden und Dr. Weber haben im vorn en Jahre unferr Werflaniagen besichtigt Und sie sind zur Ueberzeugmig gekommen, daß Miß- fiände wie früher nicht mehr vorhanden sind. Aller­vings muß nun die Muriueverwaltung auch kauf­männischen Geist betätigen und d.e Konjunktur mög­lichst auszunutzen suchen, wie dies jeder gute Kans- ijsumxx tut.

38°/» Adlige seien, unter den Landräten 56e/o, in den Ministerien dagegen 90° o. Es liegt mir selbstverständ- lich fern, den Adel als geistig minderwertig anzusehen, aber so überlegen ist er den bürgerlichen Herren doch nicht, da» eine solche Skala bei der Besetzung der höheren Beamtenstellen sich rechtfertigte. Der Herr Kollege Dr. Bell hat neulich aus dem .Faust» mit oühem Behagen das Bild vom freisinnigen Gretchen ausgemalt, das sogar das glänzende Blockgeschmeide angenommen hätte. Dabei ist mir der Gedanke ge» toimnen, ob es denn nicht mit dem kirchlichen Bücherverbot in Widerspruch steht, wenn Herr Dr. Bell solche Bücher, wie den Faust lieft (Abg. Hoffmann ruft: Dispens!> Ach so ja k Aber wenn auch Herr Dr. Bell dispensiert ist, darf er doch solche Bücher nicht mit so großem Behagen und Genuß lesen. (Gelächter nn» Zurui: Das ist nur für die großen Massen!»

Abg. Frhr. v. Zedlitz (fit.): Seit der jetzige Reichs- kanzler v. Bethmann-Hvllweg Minister des Innern war, ist für die Besetzung der Landrat-ämler nur die Tüchtigkeit der einzetnen Beamten entscheidend gewesen. Gegen die potitische Betätigung der Landräle läßt sich nichts einwenden, nur darf sie nicht von Amtswegen erfolgen, der Landrat dars nicht Agent der jeweiligen Regierung sein. In dieser Beziehung ist früher manch­mal gefehlt worden.

Abg. Hirsch-Berlin (So,.) bringt eine Reihe von Beschwerden über die politische Bekämpfung der Sozial­demokratie durch politische Beamle vor und geht dann zur Thealerfraae über.

Präsident v. Kröcher: Nach dem mir vorliegenden Stenogramm hat der Abg Hirsch der Polizei vorge­worfen, daß sie auf der Wache sistierte S ute in nieder­trächtiger und unmenschlicher Weise mißhandelt habe. Herr Abg. Hirsch! Ich infe Sie dafür zur Ordnung.

Dienstag: Dritte Beratung des Arbeiterwohnuiigs- gesetzes; Fortsetzung der Etatsberalung.

Preußischer Landtag Abgeordnetenhaus.

Sitzung vom 13. Februar 1911. ,

Die zweite Beratung des

Etats des Ministeriums des Inner» j wird fortgesetzt und zwar beim Titel „Miniflergehakt». Dazu liegt eine Reihe von Anträgen, darunier sechs sozialdemokratische, vor. Nach längerer Geschäfls- bebatte werden diese Anträge dis nach Erledigung des EtatS zurückgestellt, um den Etat rechtzeitig sertigstellen zu können.

Adg. Goßler (kons.): Die Agitation der Liberalen gegen die Landräte können wir nicht billigen. Die Linke sollte bedenken, daß die landwirtichafiliche Be­völkerung konservativ i t, nicht aus parteipolitischen, sondern aus wirtschaftlichen Gründen. Die Landräte haben die an sich ja etwas schwierige Grenze zwischen amtspolitischer und parteipolitischer Tätigkeit richtig innegehalten.

Abg. Lin, (Ztr.): Der Polizeipräsident von Berlin hat in einer Rede vor dem Urteil in Moabit er­klärt, daß die Schutzleute sich keine Verfehlungen hätten zuschulden kommen lassen. Das Gericht hat dann doch solche Fälle festgestellt. Das ist ein be­dauerlicher Widerspruch zwilchen Polizeipräsident und Gericht, wodurch die Siaatsaulorität nicht gerade ge­stärkt wird. Redner betont weiter, daß durch die großen Repräsentationspflichten der Beamten die­selben in eine pekuniär schwierige Lage geraten, und daß es zu der ganz unerwünschten Konsequenz führen würde, daß nur noch von Hause aus vermögende Leute in die Verwaltung eintreten können. Was die Stel­lung des LandrakS zur Politik anlangt, so ist der Redner der Ansicht, daß sich der Landrat in dieser Beziehung in bescheidenen Grenzen halten muß, weil er, je mehr er sich an die Spitze der Politik stellt, sich desto mehr der Gefahr aussetzl, seine Berlrauensstellmig zu erschüttern. Es ist bedauerlich, daß die dem Zen­trum nahestehende politische Presse als Publi­kationsorgan der Landratsämter auch dann ausgeschlossen wird, wen» fie ben größten Leserkreis hat. Meine politischen Freunde begrüßen die Uebernahme der Medizinalver­waltung auf das Ministerium des Innern. Wenn der Minister aber dadurch die Sorge für die körperliche Gesundheit des preußischen Volkes übernommen hat, bann bitten wir ihn, die Sorge für die geistige Gesundheit besselbrn auch zu übernehmen. Die Anregung des Munsters auf den Erlaß einer Polizeiverordnung, nach welcher die Kinemato- gr aph en von der polizeilichen Genehmigung abhängig gemacht werden sollen, begrüßen wir, bitten aber zu­gleich auch um strenge Handhabung der Theater­zen sur. Ganz energisch wenden wir uns gegen das Bestreben einzelner Theater, die Erolik auf der Bunne -u verherrlichen und prolestieren dagegen, daß unsere Geistlichen auf der Bühne vielfach m der Rolle ver­achtungswürdiger Menschen bezeichnet und dem Haß und der Verachtung der Menschen preiSgegeben werde-,. Auch ein deutsches Theater kleidet da? Dichterwort: Der Menschheit Würde ist in Eure Hand gegeben, bewahret sie!» Möge man diese Worte beherzigen.

Minister des Inneren v. Dallwitz erkennt an, daß die Revräsentationspflicht der Beamten keine zu loft- svieliae sein dürfe, weil sonst tatsächlich nur besier- fituierte Leute die Verwaltungsstellen besetzen könnten. Äug auf die Theaterzensur äußerte er sich zustimmend.

Aba. Dr. Lohmann (nall.) beanstandet polittidje Betätiauna der Landräte. Den Ausführungen de- Aba Zinz bezüglich der Bekämpfung der öffentlichen Unsittlichkeit stimmt er bei. Redner ergänzt die Stattstik des Ministers über d,e Zusammensetzung des Hoyren Beamtentums dahin, daß unter den,Reg«rungsassesioren

tes, Land und Leute, wird verleugnet; nu» die Leute sollen noch gelten und zwar in Berlin 50 000 Tagediebe ebensoviel wie 50000 deutsch« Bauern, die Rekruten stellen und hohe Staatslasten tragen. Wer einen solchen Vorschlag ausheckt, zeigt nur, daß ihm jede staatsmännische Fähigkeit abgeht.

**$cr Essener Meineidsprozeß wird von der so­zialdemokratischen Preffe unaltläffig für die Agitation ausgeschlachtet. Der Vorwärts muß natürlich auch dem „Klerikalismus" eine Mitschuld an dem „Zucht- Hausurteil" aufbürden; denn der Kampf gegen „Kle­rikale" und Zentrum wird ja als Hauptaufgabe der Sozialdemokratie betrachtet. Eine Zuschrift an die „Germ." geht durch die Feststellung der nackten Tat- fachen mit der sozialdemokratischen Hetze gründlich ins Gericht: Was bet Vorwärts zum Beweise der Mitschuld" der „Klerikalen" vorbringt, steht auf sehr schwachen Füßen. Da sind einige Aeußerungen, die „klerikale" Geweckschaftsführer über Sozialdemokratie und Meineid getan haben, aber biefe Aeußeumgen fallen in die Jahre 1898 bis 1910, also nach dem Essener Prozeß von 1895, können somit auf das Urteil keinen Einfluß gehabt haben. Wenn bie Wahrheit»- liebe von Sozialdemokrat en bezweifelt worden ffr, so sind übrigens sozialdemokratische Auslassungen übet ben Meineid selbst schuld daran. Richt die lanspresse" hat zuerst Zweifel an den Eiden von Ge­nüssen erweckt, fonbern Genossen selbst sind e8 ge- we en. Sodann soll die Mitschuld des „KlenkaliS- mus" dadurch bewiesen werden, daß der „Zentrums» aqitator" Brust den Gendarmen Munter requirierte, um Schröder nicht Rede zu stehen brauchen wegen der erneuten klerikalen Zersplitterung bet Sergatbe^ ter". In Wirklichkeit verhält sich die Sache so, daß bie Genossen Schröder, Hue usw. damals mit Sprengkolonnen von Ort zu O r t z o- n e n um Versammlungen der christlichen Bergleute zu st ö t e n. Brust selbst hatte an dem Tage <m bie Bankauer Versammlung ftattfanb, dem Schroder schon auf einer Versammlung in Oberhausen gezagt, die Diskussionen hätten keinen Zweck; jeder V^band möge für sich Versammlungen abhalten; für die «folge werde in ben christlichen Versammlungen den Geg­nern keine Diskussion mehr gewährt wewen. Aus einer zweiten Versammlung vom selben Tage haue er dem Schröder unb Genossen erklärt, bet storunge würden sie h i n a u s g e w i efe n werden aber nicht, wie bisher, ihr Eintrittsgeld zuruckerhalten. der Versammlung in Barikau waren auch misdrml lich nur die christlichen Bergleute eingeladen wor­den. Trotz alledem erschien Schroder auch»da. w re b c r, unb ba kam es bann zu dem Vor^lle, bet den Meineid-Prozeß zur Folg-hatte. Die Genossen sind also selbst schuld am „Zuchthausurteil Zudem war

der Artikel der Bergarbeiterzeitung, bet die Beleidi­gungsklage Münlers zur Folge hatte, aus der dann der Meineidsprozcß entstand, von dem sozialdemo­kratischen Abg. Hue geschrieben worden. Also nicht die Schuld des „Klerikalismus", sondern das Selüst- verschulden der Sozialdemokraten hat zu dem Urteil geführt.

** Weimar, 13. Febr. 1911, Im weimari«, scheu Landtage wurde heute ein Gesuch der G erichtSschreiber des Großherzoztums um"; Äenoerung ihrer Besoldungs-Verhältnisse der Re« gierung al$ Material überwiesen. Ebenso erging

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X Der Deutsche Stästetag soll in diesem Jahr« im September in Posen stattfinden. Man rott# sich mit der neuerdings so sehr brennenden Frag» des Kredits der Städte befassen, ferner mit der A»

Staatssekretär v. Tirpitz: Ich bin dafür dankbar, daß unser SBor^eben als richtig bezeichnet wird. Ich bin nach wie vor überzeugt, daß wir mit ben verfügbaren Mitteln tatsächlich bas Möglichste für unsere Seemacht geschaffen haben. Ich kann beflätigen, daß unser Flottenausbau von Beginn an niemals einen Angriffszweck gehabt hat. Das ist für jeden Deutschen so selbstverständlich, daß ein weiterer Beweis nicht notwendig fein dürste. In bet Begründung des Gesetzes ist es klar ausgesprochen, bie Flotte soll zum Schutz unseres Hanbels unb bet Kolonien, zur Sickerung unseres Frieden- mit Ehren bienen. Dazu braucht die Flotte nicht so groß zu sein rote die Englands. Ihre Bestimmung als Berteidigungsmiltel ist damit klar aus­gesprochen. Die Einzelheiten über baS Unglück mit dem Unterseeboot „U 3» werben besser in bei Kommission besprochen. Wäre das Boot gerade auf Grund gesunken, so hätte die Mannschaft 48 Slunden Luft gehabt. Alle Mann wären gerettet worben. Es halt« aber eine starke Schräglage und so entwickelten ich im Vorderschiff Slickgafe. Man verfuhr richtig, nbetn man zunächst die Leute aus dem Vorderschiff herausbolte. Leider wurde erst später bekannt, daß die Offiziere mit bent Mann am Ruder es für nötig gehalten hatten, im Turm zu bleiben. Ich bitte nm Ablehnung des sozialdemokratijchen Antrages aus Wiederherstellung der gesamten Zulage der Heizer. Der Antrag verlangt Summen, die aus dem Marine- etat nicht herausgewirtschastet werden können. Es ist mir schon fchwer geworden, die von der Kommission beschlossene Zulage für die Heizer zu befchaffen.

Ada. Ledebour (Soz.): Selbstverständlich bat der Marinestaatssekretär allen ihm gespendeten Weihrauch dankend akzeptiert. Wir sind nicht rote Herr Erzberger der Meinung, daß das Floitengesetz sich ausgezeichnet bewährt hat, wir glauben vielmehr, daß zur Aufrecht­erhaltung einer fo kostspieligen Flotte keine Veran- laffung besteht. Eine so mächtige Flotte ist nur geeig­net, die Kriegsgefahr zu vergrößern. Wir verlangen Abrüstung zu Wasser und zu Lande. Es ist Tatsache, daß seit dem Auftreten des Friedens­engels Tirpitz im Auslande die Ansicht Platz gegriffen hat, Deutschland plane einen Angriffskrieg. Groß­admiral Prinz Heinrich hat neulich eine Wahlrede gehalten. Läßt der Dienst ihm Zeit ba;u V Wir ver­langen, daß kein diensttuender Admiral solche Reden hält, ohne daß der Staatssekretär im Interesse des Dienstes dagegen einschreitet. (Lärm rechts. Beifall bei den Sozialdemokraten.)

Staatssekretär Tirpitz erhebt energischen Protest gegen die Art und Weile, rote der Abg. Ledebour bie Rede deS Prinzen Heinrich dargestellt habe. Er (Tirpitz) habe sie auch gelesen und könne sagen, daß in ihr absolut nichts enthalten gewesen fei, was Prinz Hein­rich nicht hätte sagen Dürfen. ES war keine Wahlrede sondern eine Ansprache an die Regimentskameraden. Prinz Heinrich erhält übrigens weder Pension noch Gehalt von der Marine und die Darstellung des Abg. Ledebour ist vollkommen unrichtig.

Dienstag- Weilerberatung.

Deutscher Reichstag. „ i

Sitzung vom 13. Februar 191V ;

' Auf der Tagesordnung steht

bie zweite Lesung de» MarineetalS, >

jeS Etats sür Kiautschau und das ostasiatffche . Plarinedetachement.

Abg. Frbr. v. Tbünefeld (Zentr.) berichtet über die Ikommiffiousoerhandlungen.

Die Beratung beginnt mit den fortlaufenden Aus­gaben, Titel .Staatsfekretär»; in Verbindung damit foirb das Kapitel 51 (Geldveipflegung) mit zur Bera- jung gestellt, soweit es das Stellenzulagewesen »«trifft.

, x Abg. Erzberger (Zentr.): Wir beflnden nn8 auf ,em Höhepunkt und gleichzeitig Wendepunkt in der Ent- vicklung unserer Marine. Das spiegelt sich schon äußer- ich im Etat, der mit der Gesamtdelaftung des deut- cheu Volkes mit 454,4 Millionen einen Höhepunkt be< »eutet. DaS Jahr 1911 bringt aber auch den Abschluß »er im Floitrnpefetz vorgesehenen Neubauten. Aus der ieriobe der FloUenvermehrnng tommen wir in die seit der Ersatzbauten hinein, nach der Zeit der ußeren Ausgestaltung kommt die Zeit der Uebung, der erhöhten Indienststellung. Mit dem Steigen der lortdauernden Ausgaben gebt aber — und daS ist eine Erfreuliche Tatsache — em Abflauen der außer- »rbentlichen Ausgaben Hand in Hand. Ein An- leihededülfnts wird von 1917 an für die Flotte picht mehr vorhanden sein. Wir können alle die er­freuliche Tatsache konstaiieren, daß die Summen für den Ausbau der Flotie von Jahr zu Jahr geringer »erben. 1917 wirb bet außerordentliche Eiat der Marineverwaltung vollständig beseitigt sein. Dieses fieiige Abflauen ist zu einem guten Te,t auf An­regungen meiner Fraktionskollegen, besonders des Abg. Müller-Fulda, zurückzusührea. Ein Blick auf das Auöland zeigt, daß wir mit dem Flotlengesetz den wichtigen Weg beschritten haben. Redner legt das des läheren dar. Man kann also ohne Uebettieibung agen: Es ist gut geroeien, einen ,old)en roeitgeftedten Nahmen für den Flottenbau zu schaffen. Auch die öoraussetznngen, von denen das Flottengesetz aueging, )a3 Anwachsen 6e8 deutschen Außenhandels und die überseeischen Interessen, sind zumteil weit '■ iber Erwarten eingetroffen. Nun wird man aller« ing- auf der anderen Seile auch die Kosten dieser wniroidelung in Rechnung stellen müffen. Gewiß sind auch diese Kosten gewachsen. Deutschland steht mit ben Ausgaben auf den Kopf der Bevölkerung an dritter Stelle. (Hört, hört!) Ein Bergterch mit den Marmeverwaltmigen anderer Länder zeigt, daß unsere Marineverwaltung mit den ihr zur Beringung gestellten Geldern etwas tüchtiges geschafsen hat. Unsere deutsche Flotte ist ein vorzügliches Werkzeug zu puserem Schutze, jedem Feinde zum Trutz, aber keine Angriffsarmada. Das deutiche Volk will ein 'gleichberechtigter Faktor auf dem Weltmarkt fein, es wird alle Kräfte onfpannen, dieses Ziel zu erreichen; »bei es liegt ihm fern, ein« Feindseligkeit gegen irgend­eine Macht zum Ausdruck z» bringen. Auch in Eng­land sollte diese obiettwe Betrachtung das alte Märchen von der deutschen Invasion gründ­lich zerstören. Wir wollen eine Fioite schaffen, die jedem Gegner den Einiatz fo doch stellt, daß er es sich festlich überlegt, den Frieden der deutschen Nation zu stören. Manche Ausgaben, wie für dir Beseitigung Helgolands, waren groß, werden aber allerseits gebilligt. Die neue Zusammensetzung des Nordfeegeschwaders war notwendig, da unser« neuen großen Schlachischiffe tot den Nordoslsee-Kana! zu groß sind. Keineswegs W darin eine Drohung gegen England. Hauptauf­gabe für die Gegenwart und die nächste Zukunft muß Zun der innere Ausbau unserer Flotte unb die Heranbildung eines tüchtigen OssizierkorpS fein. In diesem Zusammenhang ist es zu begrüßen, daß fo großer Nachdruck gelegt wurde aui die Förde­rung der Abstinenz in unserer Marine. Der Alkohol sst der furchtbarste Feind der Disziplin. Unsere Zeit braucht, rote der Kaiser in Mürwick gesagt hat, ganze, 'eisenharte Männer. Die technische Vervollkommnung Pud Entwicklung unserer Manu« bat durch die Bm- bung des Flottengesetzes nicht Not gelitten. Untere Torpedo flotte steht auf der Höhe der technifcheu ^Entwicklung und die Gründung einer besonderen Unter« fe^bootschule zeigt, daß auch auf diesem Gebiete der Marinetechnik die nötige Ausmerlsamkeit gewidmet jlvird. Die heldenhaste, treue Pfl-chtersülluug beim Untergang des Unterseebootes ist ein Beweis /dafür, daß die Marineverwaltung ihrer Ausgabe der sHeranziehung charaklerjester Männern erfüllt hat. Das deutsche Volk wird den drei braven Männern {ein stete- treues Andrnten bewahren. (Beisall.) Ich komme dann zu einem Kapitel, das in den letzten /Jahren vielsach Anlaß zu Beanstandungen gegeben bat: die Beschaffung von Panzerplatten und Kanonen. Nach den uns gewordenen vertraulichen äüitteilungen ist die Marrneve, wallung aus dem besten toege, speziell für die Beschaffung großer Kanonen Preise zu erzielen, bie mit den finanziellen Interessen des Reiches im Einklang siebe». Ich wünsche der Marineverwaltung viel Glück auf dem Wege, den sie