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verhindern suchen.

ständischen, General Otozko, will Juarez nach seiner Einnahme zur Operationsbasis machen und von dort auS seine Angriffe auf die Hauptstadt Mexiko richten.

f e n b u r g wurde unter stärkstem Druck der national­liberalen Parteileitung und unter einem großartigen Aufgebot aller verfügbaren demokratischen Kräfte aus nah und fern der Pakt besiegelt. Es waren 562 Teil­nehmer erschienen, in übergroßer Mehrheit Demokra­ten, und gegen diese Masten ließ sich nichts mehr aus­richten. Die Rechtsliberalen, denen die Schacherpoli­tik der Führer doch gegen die Natur ging, brachten nur 85 Stimmen auf, die das Bündnis verwarfen. Ruhe ist mit dieser Verdeniütigung bei den Natio­nalliberalen aber natürlich nicht eingekehrt, deshalb muß die nationalliberale Parteikorrespondenz in einem gewissen Kommandoton verfügen, daß die Erörterun­gen über das Blockabkommen nunmehr in der gesamten liberalen Presse Badens verstummen müßten. Der Rest ist peinliches Unbehagen, aus dein sich natürlich kein Kitt bilden kann, um die Pattei zusammenzuhal- tcn.

also der Alkoholfrage unpatteiisch gegenüber und muß als solcher dem Gesundheitsrat dann recht geben, daß der beste Alkohol derfenige ist, der nicht getrunken wird Jedenfalls sollte man bei allen Wetten auf dem Trockenen bleiben, d. h. lieber um ein saftiges Ochsenfllet oder ein üppiges Rippespeer wetten, als um alkoholische Flüssigkeiten. Ueberhaupt ist jedes Animieren zum Trinken ein gemeinfchädlicher Unfug. Als gute Deutsche stehen wir ja so wie so schon unter der erblichen Belastung eines stark entwickelten Dur­stes. Wenn wir in Ruhe und Frieben unser Tröpf­chen auf die Lampe gießen, so besteht in der Regel nicht die Gefahr, daß es zu wenig wird. Werden wir nun obendrein noch' aufgestachelt und genötigt durch Genoffen, die uns in einem fott zuprosten oder oar „Lagen schmeißen", dann >vird das wohlbemeffene Deputat überschritten und die Alkoholvergiftung ist da. Wollen die opferfreudigen Abgeordneten fürs Vaterland ins Katerland steigen, so mag das ihnen überlassen bleiben. Wir gewöhnlichen Leute bleiben lieber in dem alten Geleise der festumfriedeten Mäßig­keit und lassen uns weder durch Freunde noch Gegner verlocken, mehr zu tunten, als wir von Anfang an nach dem selbstgezogenen Aichstrich trinken wollten.

Aber soll man denn überhaupt wetten? Auch in dieser Hinsicht halte ich das erwähnte „Beispiel von oben" für sehr bedenklich. Zu der angestammten Eigenart des deutschen Volkes gehött eigentlich die Wettsucht nicht. Wir betrachteten es früher als ein Refetvattecht der Engländer und Nordamerikaner, bei jeder möglichen Gelegenheit eine Wette avzufchließen, und zuckten gettngschätzig die Achseln, wenn wir Hüt­ten, daß ein Gmtleman sein ganzes Vermögen in tö­richten Wetten verpulvett habe. „Die Reise um die Welt in 80 Tagen oder die Wette um eine Million" betitelte sich das Schaustück, das vor einigen Jahr­zehnten volle Häuser machte. Em Franzose hatte die Geschichte erdichttt u. in Deutschland wurde sie aufge- führt; aber der Held des Stückes, der um die Million wettet, mußte natüttich ein spleeniger Engländer sein. Inzwischen hat Deutschland feine Wettunfchuld leider zum großen Teil eingebüßt. An dem internationalen Wttteifer im Wetten beteiligen wir uns auch mit nur zu großem Eifer und Schaden. Das hat hauptsächlich der S P or t verschuldet. Auf dem sogenannten grü­nen Rasen ist diese Giftpflanze mit wuchernvem Er-

Unrecht habe." I« höher die Summe ist, desto ben­galischer wird die Uebeczeugung deS Wettenden be­leuchtet. Aber auch nichts weiter, als seine Uebev» zmgung, seine subjekttve Ansicht. Auch der Wettende kann sich irren; bet einer abgeschloffenen Meinungs­wette muß sogar immer ein Tell sich irren. Manch­mal habm sie beide Unrecht. Wozu nun der lärmende Apparat, der nichts beweist, als daß einer eine ge­wisse Meinung hat? Daß ich daS glaube, was ich behaupte, totff en die urteilsfähigen Leute so wie so schon; das brauche ich ihnen nicht durch Kraftwotte oder durch eine Wette zum Bewußtsein zu bringen.

Die übrigen Wetten find im Grunde auch An- fichtSweüen. Herr Meyer z. B. blldet sich ein, daß er die Chancen eines RenngaulS oder eines Radfahrers besser abschätzen kann als die Mitmenschen, und darum setzt er so und so viel Mark auf den Sieg seines „Fa­voriten". Herr Meyer Int sich in seinem vermeint- lichen Sachverstand. Als Zuschauer von draußen hat er gar nicht dir volle Kenntnis der Stallgeheimnisse und erst recht nicht die Kenntnis von den Abmachungen und Schiebungen, die hinter den Spottkulissen vor sich gehen. Wenn er einmal gewinnt, so ist das ein Zu­fall; wenn er aber 6ediert, tote eS meistens der Fall ist, so ist daS die natürliche Folge davon, daß andere Leute in die Verhältnisse viel besser eingeweiht waren und das Ergebnis viel mehr beeinflussen konnten wie er. , _ .

Aehnlich sicht eS mit dem BSrsmspirt. Der Heine Wagehals auS dem Volk blldet sich ein, daß er den künftigen Kurs dieses oder jenes PapierS besser vor- aussehen könne, als die Eingeweihten an der Börse und die Großspekulanten, welche die Kursbewegung feibft machen helfen. DaS ist rote ernt Wettfahrt zwi- schm einer wackeligen Landkutsche und einem hundert- pferdigen Auw.

Wenn du wetten wilsst, so wette zunächst, daß du ein Esel bist. Und wenn du gar das Weltgeld auf die Rennbahn trögst, so kannst du mit ganz besonders laichen Ohren prahlen. Denn alSoann bist du gerade so gescheit, Ivie ein Mensch, der sich mit raffinierten Falschspickern In ein Hasardspiel einläßt.

Unter allm Wetten gibt es keine netten l Man sollte daS Wort „Glücksspiel" überhaupt nicht gebrau­chen, denn eS find lauter Unglücks spiele.

# Wanderkochkursus in Steinau, Kreis Fulda.

Professor H. Sohnrey schreibt in seinem vortreff­lichen Buche „Wegweiser für ländliche Wohlfahrts­und Heimatpflege": „In bett letzten Jahrzehnten hat es sich immer mehr als eine dringende, nicht län­ger abzuweisende Forderung der ländlichen Wohl­fahrtspflege herausgestellt, der weiblichen Landjugend neben der allgemeinen Schulbildung auch eine syste­matische, den modernen Anforderungen der Volksge­sundheit und Emährung entsprechende hauswirtschaft- liche Unterweisung zuteil werden zu lassen. Sowohl soziale und ethische, wie volkswirtschaftliche Gründe sprechen dafür ... ES fehlen den Landmädchen mei­stens dir für die Führung eines ländlichen Klein- baushalteS nötigen Kenntnisse und Fertigkeiten im Ko­chen, Flicken, Reinigen usw., In der Kleinvieh- und Gartenpflege. Die Folgen für das materielle und sittliche Wohl eines Haushaltes nach der Verheira- tvng liegen auf der Hand. Nicht nur bezahlt die Fa­milie ihre Emährung viel zu hoch und lebt zu teuer und schlecht, weil sie sich — in Unkenntnis nahrhafter und billiger Speisen — nur von wenig nahrhafter Kost emährt, auch die Ueberhandnahme deS Alkohols in seiner schlimmsten Form, dem Schnaps, tritt als Begleiterscheinung kraftloser Emähmng bei alt und jung unter der Landbevölkerung auf. Diesem Scha- ben in unserem Landvolk muß burch einen fystema- tischen, für ländliche Verhältnisse berechneten HauS- haltungsunterricht begegnet werden. Der Haushal­tungsunterricht muß aber, wie die Sparkasse, t n 8 Dorf gebracht werden. Da kann er sich den örtlichen Vechältnissen anpassen und jederzeit mit praktischm Unterweisungen in allen Zweigen des kind­lichen Haushalts verbunden werden. . . . Das durch­greifende Mittd, die notwendige Unterweisung in jedes Dorf und zu allm Dorfmädchen und zwar ohne diesen besondere Geldkostm zu verursachm, zu bringen, bieten die sog. Wanderkochkurse, die abwech- selnd in dm Dörfem eines Kreises stattfindm und sich auf eine bestimmte Anzahl von Wochen, gewöhn­lich in dm Wintermonaten, beschränken; die ange­stellte Lehrerin wandert dabei von Ort zu Ort, meist mit der Kücheneinrichtung, — daher der Name."

Solche Wanderkochkurse hat man seit längeren Jahrm schon in Sahen, Württemberg und Bayern abgehalten, neuerbing8 auch in Nord- und Mittel­deutschland. DaS Marienheim in Speyer — eine staatlich anerkannte Hauswirtschaftsschule mit HauSwirtschaftslehrerlnnen-Seminar — allein hat be­reits in 383 Stadt- und Landgemeinden 676 Koch­kurse mit 7396 Teilnehmerinnen abgehalten. Der folgende Prospett gibt über Zweck und Einrichtung der bett. Kochkurse und die zu erfüllmdm Bebingun- gm bie nötigen Aufschlüsse:

Die Wanderkochkurse, welche vom Marienheim tn Speyer ausgehen, haben den Zweck, Mädchen und Frauen ein gutes bürgerliches Mittagessen, sowie Back­werke bereiten zn lehren. Im befferen Kurs wird auch dte Zubereitung der feineren Spellen erlernt. Jeder landesüblichen Kochart wird Rechnung getragen. Jeder Kochkurs wird von einer staatlich geprüften Koch- und Haushaltungslehrerin geleitet und hat 36 Unterrichts­tage, dauert somit 6 Wochen. Täglich können zwei Kurse abgehalten werden. Der eine Bormittag, Der

wochen-Rundschau.

[:] Fulda, 10. Februar 1911.

Deutsches Reich.

* Nochmals die Rede deS Herm V. Mühlberg. Gegenüber der Behauptung eines Berliner Blattes, daß die Rede des Herm von Mühlberg bei der Kai- sergebuttstagsfeler in Nom tatsächlich viel schärfer gegen dm Vatikan gewesen und daß die Kölnische Volkszeitung angewiesen worden sei, durch die Ver- offmttichung deS „angeblichen" Wortlautes der un- angmehmm Angelegenheit die Spitze abzubrechen, stellt die Deutsche Tageszeitung fest:.

„Die .Deutsche Tageszeiiung' hat sofort am Abende des 27. Januar, früher als das Wolffsche Bureau und die anderen Blätter, über die Rede des Gesandten v. Mühlberg einen Bericht veröffentlicht. Der vollkommen dem nachher von der .Köln. Vztg/ gebrachten Wortlaut entsprach. Es ist also Unsinn, wenn man der Fiöln. Voltsztg.' nachsagt, sie habe aus der Fanfare des Gesandten eine Schamade gemacht. Unser römischer Mitarbeiter bestätigt uns übrigens, daß Der von ihm uns übermittelte Auszug der Diebe völlig korrekt war."

Angesichts der tmdenziösen Art, wie bie Rede trotz­dem ausgebeutet wird, erklärt bas genannte Blatt c8 für notwendig, daß bie preußische Regierung sich mtschließe, ben Wortlaut bet Ausführungen des Gesandten, wie er ihr amtlich unterbreitet worden ist, zu veröffentlichen, außerdem aber darüber Klarheit zu schaffen, wie das offiziöse Wolf f- sche Bureau zu einem Bericht kommen konnte, der dm tatsächlichen Ausführungen des Herm von Mühlberg nicht entsprach.

* Karlsruhe, 10. Febr. 1911. In B a b e n ha­ben sich die Nationalliberalen mit den Fortschrittlem für die ReichStagswahl zu einem liberalen Block zusammengeschloffen. Die Bolksparlei soll nach den Abmachungen der Parteileitung Kandidaturen in Freiburg, Lahr und Karlsmhe angewiesm erhalten. Freiburg und Lahr sind jetzt durch Zenttumsabgeord- nete, Karlsmhe durch einen Sozialdemokraten ver- treten. Der interessanteste von diesen Wahlkreisen ist Freiburg. Dort stritten sich bisher Zentrum und Nationalliberale um ben Sieg. Daß jetzt dieser Wahl­kreis den Fortschrittlem zugeschanzt werden soll, hat unter den nationalliberalen Wählem mtßerordmttiche Unzufriedenheit hervorgemsen, mit Recht, denn die Fortschrittler sind dort die schwächste Partei. Die Blockführer aber spekulieren darauf, daß der Links­liberale mit dem Zentmm in die Stichwahl komme und daß bann in biefer bie Sozialdemokraten vollzählig für dm Linksliberalen stimmen. Es kann so kom- men — dieses Mal noch. Das nächste Mal wird e8 dann aber um so sicherer anders kommen. Der Linksliberalismus hat sich allerorts als Uebergangs- stadium zur Sozialdemokratie erwiesen, und schon eine ganz geringfügige Verschiebung nach der sozialdemo- kratischm Seite hin bringt den Sozialdemokraten mit dem Zentmm in die Stichwahl, und damit sind die po- litischm Verhältnisse in ihrer Entwickelung da ange­langt, wo es kein Zurück mehr gibt. Zwischen Zen­trum und Sozialdemokratie wird einst die große Ent­scheidungsschlacht geschlagen. Die Nationalliberalen haben sich mtt Händm und Füßen gegen die Preisgabe Freiburgs gewehrt. Allein ihre eigene Fühmng hat sie im Stiche gelassen. Auf einem Parteitage in O f­

folg gezüchtet worden; bei den Pferderennm wurde das Volk bis in seine breitesten Schichten hinein ge- radezu erzogm zum Wetten. Dort wurde sogar der Maschinenbetrieb auf diesem Gebiete durchgeführt, denn der Totalisator ist ja eine richtige Wettmaschine, welche die Verluste en gras und die Gewinne in spärlichem detail fabriziert. Von dem Pferderennm sprang bie Seuche aus bie Menschenrennen per Rad über und dann weiter auf allen möglichm anderen Sport. Jetzt hat bie Wettsucht schon einen so hohen Grad erreicht, daß die einheimischen Veranstaltungen nicht mehr ausreichen. Eine Nnmasse Leute, vom Lehr­ling an der Portokasse bis zum Meister und Direktor, tragen ihr Geld zu den schlauen Vermittlem, die Wettm auf französische ober englische Sportplätze be­sorgen. Das Wetten und Wagen kitzelt bie krankhaf­ten Nerven. Die fortwährmden Verluste lähmm bie Sptelwut nicht, sondern fachen sie noch mehr an. „Ich wette, daß ich schließlich doch noch beim Weiten gewin­nen muß", sagt der Verblmdete, — bis der letzte Groschen eigenen (oder manchmal auch fremben) Gel­des verputzt ist.

Nun lonnen freilich bie genannten Abgeordneten sagen, sie hättm nicht das Beispiel einer Wette auf Pserdebeme oder Radlerwaden gegeben, sondem nur wegen der Richtigkeit ober Unrichtigkeit einer Be­hauptung gewettet. Ja, eine Wette blelbts doch und ein schlechtes Beispiel auch. Jedenfalls ist in der Wette um eine Meinung kein Sinn und Verstand zu finden. Wenn ich die andern Leute von meiner An­sicht überzeugen will, so muß ich durchschlagende Gründe angeben. Kann ich bie Richtigkeit beweisen, fo brauche ich keine Wette mehr; mangelt es aber an überzeugenden Gründen, so kann die allerhöchste Wette ben Beweis nicht ersetzen. Gewöhnliche Leute pflegen, wenn ihnen bie Beweismittel fehlen, mit der Faust auf ben Tisch zu scvlagen und zu versichern: ^Dar­auf können Sie sich verlassen; davon beißt leine Maus einen Faden ab, das steht bombenfest, davon brauchen wir weiter gar nicht zu reden." Unter solchen und ähnlichen Krastworten wiederholm sie bann ihre bmiptung vier-, fünf- imd ein dutzendmal. „2108 ist damit „bewiesen"? Nichts weiter, als daß ber Schwa­droneur sich in die betreffende Ansicht üerbiffen hat. Auf derselben Stufe steht das Angebot einer Wette. „Ich will jo und so viel Geld einbüßcn, wenn Ich

andere Nachmittag oder am Abend. Die normale Zahl der Teilnehmerinnen beträgt für jeden KvrS zwölf. So können 14-30 Mädchen mW Frauen gleich­zeitig kochen lernen. Betrügt Die Zahl der Teilnehmer­innen nut 12—15, so wird em 8wöchenllicher KurS abgehallen. Dieselben Teilnehmerinnen des Kurse- kommen Dann zweimal täglich zum Unierricht.

Für Den ein jachen Kochkurs werden 10 Mk. Lehr­geld und 30 Psg. für das tägliche von Den Mädchen bereitete und verzehrte Essen bezahlt. So kommt bet Kochkurs an 20 Mk. Für Den besseren Kurs, Suppe und zwei Gänge, werden 12 Mk. Lehrgeld und für Das tägliche Essen 50 Psg. verlangt. So kostet Der Kurs 30 Mk. Feinere Kochkurse 60-75 Mk. Die Küchen- einrichtung mit Herd wird auf Die weitesten Ent­fernungen gesandt.

Für ein geeignetes Lokal zum Abhalten der Koch­kurse muß Sorge getragen und dasselbe nach Möglich­keit frei zur Verfügung gestellt werden. Es kann hierzu em Echulsaal oder zwei Zimmer dienen. Die Säle in Wirtshäusern sind möglichst zu meiden. Da sie erfahrungsgemäß manchmal zu anderen Zwecken bean« spracht werden, wodurch der Kochkurs eine Unter­brechung erleidet. Der Lehrerin möge bei einer guten Familie ober in einem Schwrsternhause stetes Logis mit Kaffee und voller Beköitigung am Sonntag ge­boten werden. Die übrigen Mahlzeiten teilt sie mit ben Schülerinnen. „

Am Ende jedes Kochkurses findet eine Prüfung statt, wozu Die Gönnet, sowie Eltern, Freundinnen und Bekannte ber Schülerinnen eingelaben werden. Jeder Gast zahlt 50 Psg. oder 1 Mk. Die Wander, kochkutse werden durch diese Schkußfeste populär. Für Haushaltungskurfe von 3—6 Monaten mit theoretischem und praktischem Unterricht im Kochen, Näien und Bügeln »c. sowie in landwirtschaftlichen Fächern werden bejonbere Vereinbarungen getroffen.

Die Zusendung dieses Prospektes und das fast gleichzeitige Ersuchen des königl. LanbratsamtS in Fulba um Einführung eines Haushaltungsunterrichts gaben bie Anregung, einen Wanderkochkurs fiit bl< Pfarrei Steinhaus zu veranstalten. Es melbeten sich zur Teilnahme 3 Frauen und 23 Mäbchen, von denen leider zwei wegen Krankheit zurücktreten muff­ten. Die Kreisverwaltung bewilligte in anerkennens­werter Weise zu ben Unkosten 100 Mk. unb so konnte am 4. Januar bet KochkursuS unter Leitung bet Fräulein Schäfer und Teilnahme von 24 Schüle­rinnen im Karl Schwarz'schen Hause zu Steinau beginnen. Das Resultat ist ein über alles Erwarten günstiges. Die Leiterin ber Schule verbindet mtt ausgezeichneten Kenntnissen auf bem Gebiet ber Koch­kunst unb Haushaltung eine vorzügliche Lehrgabe unb praktisches Geschick und bie Schülerinnen zeigen ohne Ausnahme bas größte Interesse und ben regsten Eifer unb haben infolgedessen Tüchtiges gelernt. Allerdings zu voller Meisterschaft auf dem wettm Gebiet der Kochkunst und Haushaltungskunde haben fle eS in bem sechswöchigen Kursus nicht bringen können, aber sie haben boch so viel gelernt, als sie für ihre einfachen Verhältnisse benötigen unb eine Grundlage gewonnen, auf ber sie sich fortbilden unb auch ihre Angehörigen unterweisen können.

Die Teilnehmerinen wurbm theoretisch untertol* fen unb praktisch angeleitet: 1) In bet Haushaltungs- kunbe unb Gesundheitspflege: Einrichtung, Lüftung unb Reinigung ber Wohnung unb Küche, Heizung unb Beleuchtung, Behandlung bet Kleidung unb Wäsche, Bügeln, Plätten unb Stärken, Anstandsregeln, Servieren, Krankenpflege, Gartenbau unb Gepslü- gelzucht usw.; 2) Im Kochen unb Bereiten ber Spei­sen. Außer einigen Getränken würben etwa je zwölf Milch-, Mehl-, Eier-, Fleisch-, Gemüse- unb Kartosselspeisen hergestellt, je vier Gerichte von Fi­schen und Hülsmftüchtm, Obst- unb Nebenspeisen unb Backwaren. Bei der Herstellung kamen zur Bespre­chung: die Milch, das Ei, Fische, Fleisch, Fette, Ge­treide, Kartoffeln, Gemüse, Hülsenfrüchte, Obst, Ge- ttänke, Speifezusätze, Krankenkost, Soden und Ein­machen, Alkohol usw.

Donnerstag ben 16. b. M. wirb ber KochkursuS mit einet kurzen Prüfung unb einem Festessen ge­schlossen werden. Geistliche, Lehret, Gemeinbevorj- stehet unb anbere, die sich für die Sache interessieren, sinb ftmnblichst eingeladm, vormittags ober nachmit­tag» (von 9—y2l Uhr resp. 2—5y2 Uhr) sich ben Betrieb bet Koch schule einmal anzusehen. Vielleicht ent­schließt sich eine Gemeinde in der Nachbarschaft, auch einen Kursus im Anschluß an ben In Steinau zu

Unpolitische Zettlaufe

(N.) Berlin, 9. Februar 1911. ’ (Nachdruck verboten.)

„Ich w e 11 e mit Ihnen um eine Flasche Wein." sagte neulich in einer Parlamentsdebatte ber Abgeord­nete von Zedlitz zu dem Abgeordneten Caffel. Und letzterer rief darauf: „Sie find mir überhaupt noch eine Flasche Wein schuldig!" Herr von Zedlitz konnte das nicht leugnen unb versicherte, er werde bei der nächsten Gelegenheit seine Wettverpflichtung einlösen.

So ein Wortgefecht macht einen viel besseren Ein­druck, als wenn man sich gegenseitig mtt Ausbrücken fcoie Unverschämtheit, Lügner ufro. bombarbiert. Doch bat ber parlamentarische Wettsport auch sein Bebenk- kiches. Aus bet Mahnung an bie früher schon ver- lotene Flasche ersieht man, daß die beteiligten Herren bereits „rückfällig" sind. Es handelt sich um Gewohn- heitswetter, und zwar um alkoholische Gewohnheits- [foetter. Wohin soll bas führen, wenn die zahllosen Meinnngsverfchiebenheitrn im Parlament auf bem sein ^fröhlichen Traktierweg ausgetragen werben? .Ein vielredenber Parteiführer müffle bann erstens fein volles Portemonnaie unb zweitens einen ausge- htchten Magen haben. Je mehr Glück er in bet ®e» batte hat, desto mehr Siegeswein bekommt er in seine Reljle. Die Wähler werden bann nicht bloß achten tnufTc” auf bas, wa§ aus bem Munde ihres Kanbl- yertiotgefft, sondern auch auf das, waS in ben H.’’««tatufjjfen vermag. Neben ber Charakter- leit in fj'age nblbaten *ätne au$ ^ine Trinkfähig- htb ?MMn3bi!b2ifKeJber&4n ^ockene Sitten. Schließ- Klfobrf tt'n <r°t06 “k ba8 Staatswohl int

Alkohol. Das ist kein Spaß; denn biefer Tane bat Sie "Ach was,°reben

Sie mir nicht von her Pest oder den fonftigen Baril­lenkrankheiten! Die brauchen uns keine Kopfschmerzen »u machen. Die deutsche Pest — das ist der Alkoh^ Der richtet mehr Unglück an, als sämtliche Seuchen" Zum Glück besitze ich keine Aktien von Brennereien oder Brauereien, ja nicht einmal einen Weinberg in -oornft »der Grünberg auf ber Schattenseite. Ich stehe

JBerurteUten an Gütern unb Gesundheit erlitten ha­ben, nicht in vollem Umfangt wieder gut gemacht wer­den kann, so dürfen wir doch unserer Justiz das Zeug- 'M nicht versagen. Daff fle hier ihre Objettivität und Unparteilichkeit wieder bewiesen hat. Von sozialdemo- jftatischer, demokratischer und linksliberaler Seite wird Natürlich ber „Fall Schröder" als ein Schulbeispiel der preußischen Klassenjustiz auszubeuten gesucht unb hei ben Verhandlungen im Reichstag sowohl wie im vreutzischen Abgeorbnetenhause suchten bie sozialbemo- ftatischen Volksvertreter tn dieser Richtung Stimmung |u machen. Wir können aber die feste Ueberzeugung sticht verleugnen, daß die Richter unb Geschworenen, hie vor 16 Jahren bie damaligen Angeklagten verur- hellt haben, gleichfalls nach bestem Wissen unb Gewis­sen ihren Wahr- und Urteilsspruch abgegeben haben, fvenn auch schon damals sofort Stimmen laut wurden, Mick in ber Zentrumspresse, baff hier ein Fehlurteil ge­fällt fei. Ein Gute» aber wirb bie neue Verhandlung zeitigen, baff sich diejenigen Personen ,bie über Ange­klagte, auch wenn es Sozialdemokraten sinb, zu Gericht tu sitzen haben, sich noch mehr als bisher von jeher, st>enn auch unbewußten Beeinflussung ihres Urteils durch das politische Gefühl stei machen werden, wenn Man auch damit rechnen muff, baff, solange bie Richter Menschen sind, jeberzeit Fehlurteile vorkommen können.

In England ist das Parlament am Montag Hucch ben König tn feierlicher Weise mit einer Thron­rede eröffnet worden. Wenn auch Thronreden mit Vorsicht ausgestellt werben müssen, damit etwas, was der König in ihr bekannt gibt, nicht später zurückgenom­men werden muff, so darf man doch sagen, baff diese Arste Thronrede deS Königs Georg ein Beispiel dafür ist, nichts zu berühren, was bie Oeffentlichkeit am mei­sten interessiert. Wenn man bie Erklärungen, bie bet ber Besprechung ber Thronrede In ben beiden Parla- mmtshäusern von selten ber Regierung abgegeben wur­den, dazu nimmt, so scheinen zwar bie Beziehungen EnglanbS zu anderen Staaten vorzüglich zu sein, boch kann man nur zu sehr gewisse Besorgnisse für bie Zu­kunft unb baS Streben nach einer Erweiterung bet Englischen Macht In anbeten Länbern heranSlesen. ES ist deshalb gut, wenn auch wir ber äußeren Politik Englands in ganz besonderer Weise auch in Zukunft unsere Aufmertsamkeit widmen.

Der Türkei sind in der letzten Woche sehr erheb­liche Schwierigkeiten in Arabien erwachsen. Die eng­lische Regierung scheint sich schon mit bet bestimmten Hoffnung zu trogen, es werbe dort tn nächster Zeit zu einer Eroberung ber türkischen festen Plätze burch die arabischen Häuptlinge und damit zur Losreißung Arabiens von ber Türkei kommen. DaS würbe, da England sich sofort über Arabien hermachen würbe, Äne vollständige Umwälzung ber Orlentpolttik bedeu­ten mit Folgen, bie sich heute noch gar nicht übersehen lassen.

In Mexiko haben die Revolutionäre bereits ver­schiedene Erfolge auszuweisen. Nachdem sie den Be­fehlshaber ber BunbeStruppen, ber zum Entsatz ber Mabt Juarez herbeigeeilt war, in der Nähe dieser Stadt geschlagen unb zum Rückzug gezwungen haben, haben fle nunmehr Juarez vollkommen umzingelt. Starke Abteilungen von Insurgenten, bie anscheinend yus neu geworbenen Abenteurern aus Texas bestehen, Hilden einen Kreis um bie Stadt unb haben fle von jeg­licher Verbindung mit ben Regierungstruppen abgc- ichuitten, (obaff voraussichtlich ihre Kapitulation nut noch eine Frage ber Zeit ist. Der Anführer ber Auf-

Rjeder gut gemacht worben, ber vor 16 Jahren eine eiffe von dortigen Bergarbeitern unter ber schweren Beschuldigung des Meineids ins Zuchthaus gebracht hatte, "er Bergmann Schröder unb feine Genossen, joon denen einer unterdessen gestorben und einer aus- gewanderl ist, haben nach jahrelangem Bemühen end­lich ein Wiederaufnahmeverfahren durchsetzen können sind erlangten, da sich gegen die Glaubwürdigkeit des bamaligen Hauptbelastungszeugen, be8 inzwischen ver­storbenen Genbarmen Münter seht schwerwiegenbe Be­denken geltend gemacht hatten, eine nachttägliche Frei­sprechung. Wenn auch ber Schaben, ben bie damals

, _ , ~ । Die Pest In China scheint in ihrem eigentlichen

Am Ende der vorigen Woche ist m Essen ein Fehler I Qcnfrum infolge bet strengen sanitären Maßnahmen ju — *'■*' 1ß "" 3um Stillstand gekommen zu fein, verbreitet sich aber

mtt unheimlicher Schnelligkeit in den kleineren Ort­schaften aus, wo es an Netzten und Pflegepersonal mangelt. Von verschiedenen Staaten sind bereits Aerzte zur Untersuchung ber Pest nach China abgesandt wor­den, die sich den chinesischen Behörden mit ihren Kennt- niffm und Vorschlägen bereitwillig zur Verfügung stel­len. Für unser Kolonialgebiet in Ostasten besteht zur­zeit keine Gefahr, wenn auch in ber Umgebung ein­zelne Pestfälle votgekommen sind, ba die bärtigen brut­schen Behörden durch strenge Absperrungsmaßregeln und andere Vorschriften ein Einbringen ber Seuche zu

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Simstag »en U. Sebru« Wt.

38. Jahrgang.

2. Blatt.

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