M 29.
Mntag den 6. Februar 19 U.
58 Zavraang.
* fuldaer W Zeitung >
2. Blatt.
vntck und Verlag der zuldarr rlttiendrncktkti in $ul6a
Die weiße Lilie oom Ardaiee
4]
Roman von Erich Friesen.
halbe
kleine
zu
schästspolittk unserer Großhankm zur Verhandlung bringen.
leider sagen, dah die Ueberfüllung anhalte und auch in der nächsten Zeit noch keine Besserung zu erwarten sei. Sie finde sich aber auch in anderen Berufszweigen. Die Justizverwaltung werde sich natürlich immer die besten Kräfte heraussuchen. Bon einer Entlassung von Assessoren sei ihm nichts bekannt.
Abg. Schiffer (ntl.): Die Neberlastung der Richter läßt sich dadurch beheben, dass wir ihnen alle die Ar- beiten abnehmen, die von Kanzleibeamten ausgeführt werden können. Die Strafprozehreform und die Reform des Gerichtsverfaffnngsgesetzes mag viele Vorzüge haben, aber sie begegne im Volke großer Gleich, giltigkeit, ein Beweis, daß sie in vielfacher Beziehung mcht das Richtige treffe.
Abg. Seyda (Pole) klagt über politische Beeinfluß sung der Richter. Im weiteren bemängelt Redner den zu großen Umfang der Landgerichtsbezirke in
und schwieriger Beralungen. DaS Blatt knüpf daran folgende Erwartungen:
Für eine gedeihliche Entfaltung der neuen Abgabe sowie überhaupt des ganzen thr zu Grunde liegenden gesetzgeberischen Gedankens wird von wesentlicher Bedeutung sein, daß es nunmehr auch gelingt, die Ausführung der Veranlagungsbestimmungen den Bedürfnissen des wirtschaftlichen Lebens anzupassen. Hierfür mit allen Mitteln zu sorgen, ist besonders Pst cht der Reichsregierung. Sie rechnet dabei auf die Mitwirkung der Gemeinden, die auf diesem Gebiet bereits Erfahrungen besitzen. Aber auch die Mitarbeit der Interessenten des Grundstückmarktes ist erwünscht und unentbehrlich. Es muß das allseitige Bestreben sein, unnötige Weiterungen insbesondere durch Prozesse durch geschickte Handhabung aus dem Wege zu räumen.
zur Aui-raoe giiuuuji yui, «>, j
dieser Richtung vorangeht, um im Smne eines gesunden sozialen Ausgleichs auch für die heimische Textilindustrie und die vielen Tausenden von Existenzen, die von ihr leben, einzutreten. Zur Einleitung der Aktion hat der Zentrumsabgeordnete Müller-Fulda ein Rundschreiben in verschiedenen Blättern veröffentlicht. Er ersucht darin alle Korporationen, die mit der Textilindustrie zusammenhängen, umgehend um ihre Zustimmung für eine zu beantragende staatliche Unterstützung der Textil- brauche. U. a. hxißt es da :
„Mitte Februar d. Js. soll im Reichstagsbudget des Reichsamtes des Innern die Bewilligung von Mitteln beantragt werden, die zur Unterstützung, Hebung und Förderung der gesamten heimischen Textilindustrie und des Handels verwendet werden sollen. Geplant ist n. a. eine Zentralberatung?», Versuchs- und Prüfungsstelle, die Industrie und Handel der Textilbranche i fördern und die Lage derselben auf dem Weltmärkte heben sollen. Die Notwendigkeit hierfür hat sich aus der gesamten Lage ergeben, und es erscheint an der Zeit, daß das Reich auch für diese» für das gesamte Kultur-, Erwerbs« und Wirtschaftsleben hochbedeutsamen Faktor Mittel auswirft und Unterstützungen angrdechen läßt, wie es das bisher »um Beispiel auch für die Landwirtschaft i .i ausgiebigsten Maße getan hat.
Natürlich ist auch das wieder den Liberalen nicht recht, und sie suchen es als eine ebenso wichtige als geistreiche Entdeckung auszuposaunen, daß der Abg. Müller-Fulda eingestanden habe, staatlicher« I seits werde für die Landwirtschaft in ausgiebiger Weise gesorgt. Als ob das jemals bestritten worden I wäre. Wenn demgegenüber die Berechtigung der Agitation des Hansabundes und seines Leiters Ge- I heimrat Rießer zum Schutze der gewerbefleißigen I Ztände dargetan werden soll, so können wir nur | sagen, daß wir diese Berechtigung niemals bestritten I haben. Was wir bekämpfen ist die Tatsache, daß I Der Hcmsabund seine unpolitische wirtschaftliche und I soziale Arbeit vorschiebt, um dadurch die Welt darüber hinwegzutäuschen, daß er unter diesem Deckmantel die reinste liberale Parteipolitik treibt.
Der deutsche Geldmarkt imd die fremde« Wertpapiere.
♦ Die Entwickelung der deutschen Kolonien war nach der soeben erschienenen amtlichen Darstellung günstig. Besonders zu erwähnen ist die zunehmende Kapitalsfestlegung in Kolonialroerten, die Zunahme der weißen Bevölkerung und die ständig sich hebende Viehzucht. Heber die südwestafrikanischen Diamanten erklärt die amtliche Denkschrift, daß man gut tut, auf diesen Reichtumzuwachs von noch unbestimmbarer Dauer, nichtzugroßeHossnungen zu setzen. Was Die wirtschaftlichen Verhältnisse betrifft, so hat in der Südsee die Kokospalme immer noch ihre ausschlaggebende Bedeutung. Erhöhten industriellen Wert hat der Phosphatabbau auf den Südseeinseln erhalten. In Deutsch« südwest- und Ostafrika haben sich die Plantagen« wirtschaft namentlich in Kaffee und Baumwolle und die Wollchafzucht sehr gehoben. Der Handel l weist durchweg höhere Ein- und Ausfuhrziffern auf.
)( Tie staatliche Unterstützung der Textilbranche wird bei ihrer beDiäugten Lage nachgerade eine I brennende Frage. Das Zentrum, das sich von jeher
Vergebens Keine Mercedes zu sehen.
So geht es eine Woche lang — jeden Tag. Und jeder Tag vergeblichen Startens steigert das zuerst laue Interesse des blasierten Lebemanns für die kleine Malerin.
Wenn sie ihm wenigstens eine Zelle geschrieben hätte! — Aber auch das nicht!
Endlich — am achten Tage — gewahrt er in der Galerie eine junge Malerin, die er wiederholt in Mercedes' Gesellschaft bemerkt. Er fragt sie nach bet
Volkswohl gleichermaßen berücksichtigen soll, ist es die Pflicht einer Volksvertretung, hieran geschlossen mit- zuarbeitcn. (Beifall im Ztr.)
Justizminister Dr. Veseler teilt mit, daß die Zahl der Hilfsrichter sich an den Amtsgerichten auf 60, an den Landgerichten auf 37 belaufe. Was die lieber» füllung des juristischen Standes anlange, so müsse er
Nicht hält es diese impulsive Südländerin für nötig, sich zu verstellen. Mit jedem Blick, mit jede n Wort verrät sie Arturo Romano, daß ihr Herz ihm gehört — tüt immer.
In lebhaftes Geplauder vertieft, bemerken beide nicht, wie in dem Menschengewühl Manuel Alvarez' finsteres Gesicht auftaucht und suchend umherspäht; wie plötzlich die braunen Fäuste sich ballen, und wie sich gleich darauf der Portugiese mutentbronnnt rasch
Chikago-Milwaukee-St. Paul-Eisenbahnen an der Berliner Börse einzuführen. Es ist aber klar, daß es sich bet der Mion nicht um diese Aktien der Chi- cago-Milwatckee-Bahn allein handelt. Die durch die Interpellation angeregte Erörterung wird die ganze Frage der Inanspruchnahme deutschen Kapitals für das Ausland und der Ge-
Er lächelt.
„Was werden soll? . Wie meinst Du da?. Kind? Mein Bruder wird niemals seine Einwilligung unserer Verbindung geben."
Preußischer Landtag
Abgeordnetenhaus.
Sitzung vom 4. Februar 1911.
wieder entfernt. —
Am nächsten Tage zur verabredeten Zeit findet Arturo Romano sich pünktlich wieder im zweiten Saal bet. Vatikanischen Gemäldegalerie ein.
Mercedes ist nicht da.
Er wartet — eine Viertelsttinde — eine
Kollegin
Anita Casablanca zuckt die Achseln. Auch sie habe seit längerer Zeit nichts von ihr gesehen und gehört.
Unmutig kehrt Arturo Romano ins Hotel zurück, entschlossen, seinen Koffer zu packen und noch heute abend abzuteisen. „
Da findet et das langersehnte rosa Bnefchen aus seinem Arbeitstisch vor.
Deutscher Reich.
a. In bet Buogetkommissiou der preutz. Abgeordneten, hansks wurde am Samstag das Medizinalwesen besprochen, wobei übet zwei Fälle von Sperren, die Der Leipziger Aetzteverband verhängt hatte, Klage geführt wurde. Die Regier ng erklärte, daß ihr Eingreifen in solche Streitigkeiten nicht angängig sei. Der Verband umfasse 24000 von 30000 deutschen Aerzten und habe dadurch gewaltige Macht. Zur Organisation seien die Aerzte veranlaßt worden, iiachdem beider Ausdehnung der Krankenversicherung durch das Gesetz von 1903 ihnen ein Schutz Nicht zuteil geworden war. Zivcckmäßige Lösung würde die ReichsversicherungsorDniing bringen können, wenn in solchen Konflikten eine varitätische Kommission, zur Hälfte aus Aerzten bestehend, als Schiedsgerichl eintreten würde. - Zur Pestgefahr wurde mit« geteilt, Daß eine Einschleppung bet Bealenpest von Aegypten her nicht ausgeschlossen fei. Det Ein- schieppung der Pest von der Mandschurei her werde man sich wohl erwehren lönucn.
)( Auf die Annahme des Wertzuwachssteuer- stksetzes im Reichstage kommt die ,Worbt). Allg. Zjg/ in ihrem Mochemückblick zu sprechen und l bezeichnet sie als ein ersreuliches Ergebnis langer
Sie eewahtt nicht das eigentümliche Lächeln, das seine Lippen bei der Andeutung einer Heirat zwischen
In beweglichen Worten klagt Mercedes ihm, daß sie von ihrem Bruder aufs schärffte bewacht werde, Daß es ihr erst heute gelänge, wenigstens diese Zeilen zu schreiben, weil Marmel sie für eine halbe Stunde allein lasse, um einen Freund vom Bahnhof abzuholen. Sie werde sich aber morgen nachmittag frei machen und um fünf Uhr an dem großen Obelisken auf der Piazza del Popolo sein — und koste es ihr geben. —
Arturo Romano lächelt siegesgewiß und packt seinen Koffer nicht. — —
Am andern Tag trifft er Mercedes an der verabredeten Stelle. Als fei er bereits ihr Herr und Gebieter zieht er ihren Arm durch den seinen und geleitet sie in den nahen Park dec Villa Borghese.
In vertraulichem Gespräch wandeln beide die verschlungenen Wege des Riesenparks auf und ab — stundenlang.
Orangenblüten hauchen ihre berauschenden Dürfte auf die einsamen Wanderer. In den Siringenbuschen flötet eine Nachtigall ihr schmelzendes Liebeslied. Lautlos huschen große Fledermäuse durch die welche Abendluft. —
Da beugt der Mann sich herab und preßt seine bärtigen Lippen auf den Mund des Mädchens.
Und sie erwidert den Kuß innig.
Plötzlich zuckt sie zusammen und bricht in Tränen aus.
„Großer Gott! Was soll nun werden!"
Fünf Uhr — die Zeit, zu welcher „ganz Rom" sich auf den blumenvollen Terrassen des Monte Pincio fein Rendezvous gibt, um bei den einschmeichelnden Klängen einer wohlgeschulten Kapelle zu lachen, zu scherzen, zu kokettieren, wkihrend der heinlgehende Sonnenball brunten bie „ewige Stabt" mit ihren Kuppeln und Palästen, ihren Riesensäulen unb äghp- Achen Obelisken, ihren aus Schutt unb Resten alter Pracht Hochauftagenden Ruinen unb Trünnnern, in leuchtenben Purpur taucht.
Die Monte Pincio ist gewissermaßen ber Em- ffcmgssalon ber römischen eleganten Welt.
Nachlässig zurückgelehnt in bie {eibenen Polster <rer Karossen, umhüllt von buhiaen Smtzeanewän- Dern ober farbenprächtigen Atlasroben, glitzernd und strahlend im Schmuck ihrer Diamanten — so nehmen die römischen Schönen hier die Besuche ihrer Verehrer entgegen, werden sie mit Veilchen, Orangenblüten, Tuderoie überhäuft, lächeln sie als Dank ihr reizendstes Grübchenlächeln.
n HS' und Schönheit, Jubel und Frohsinn allüber- a ’ °° es gar keine Tränen mehr gäbe und keine £) ummerlofen jRäcfite voll banger Schmerzen unb Urn Qb^ennenber ^cht nach einem höheren bes-
' ^uuEen der endlos langen Reihe der sich mäh- die palmenumsaumte Straße emporschlängelnden Wagen urd Automobile befindet sich auch eine einfache zweisitzige Karaffe.
. Mit leuchtenden Augen lehnt Mercedes Alvarez an der Seite ihres Kavaliers in den weichen Polstern
Nicht die Schönheit der Natur ringsum ist es, die sie berauscht. Auch nicht das elegante Auf- und Jliebergemoge — nein.
Daß sie neben bem Gelieb elt sitzen barf, zum erstenmal — bas entfacht ihren leichtflackernben Enthusiasmus ,11 üftTjht sVcnm’cs
„Mein Skiiber verlangt, baß ich morgen mit ihm nach Lissabon zurückkehre —"
„Das wirst Du nicht tun!"
unb feinen Freunb Alfonso bi Castro heirate —" ,
„Unsinn! Mir gehörst Du! Niemand anberS!
Sein Ton ist herrisch, befehlenb. Doch sie in ihrer Verblenbung Höft nichts bacaus als Liebe.
Zärtlich schmiegt sie sich an ihn
„Mein Bruder und di Castro werden sich an un8 rächen! Sie gehören einer mächtigen Partei an — der Revolutionspattet —"
„Was kümmert das uns! — Komm, Närrchen, sei vernünftig Wir lvollen zusammen soupieren in ber Ostetta braußen vor der Porta Pia, wo Gitarren erÜingen und schmachtende Liebeslieder! — Komm!"
Und sie kommi.
Beim rotfunlelnbcn „Orvieio" schüttet sie ihm ihr ganzes Herz aus. Sie erzählt ihm, baß sie aus guter Familie stamme, baß ihre Eltern schon lange tot seien unb baß ihr Bruder, der zehn Jahre älter sei als sie und ein angesehener Schriftsteller in Lissabon, Re erzogen habe. Er hätte sie sehr lieb unb werde unglücklich sein, wenn sie nicht zu ihm zurückkehre. Nur ihretwegen, weil sie sich durchaus zur Malerin ausbrlden wolle sei er vor einem Jahr mit ihr nach Rom gekommen. Auch sie habe Manuel lieb; «der was stt diese schwesterliche Zuneigung gegen das Gefühl, vas sie jetzt beherrsche, das von ihrem ganzen Wesen Be- |l$ In "ihrem Gückstaume! fällt ihr gar nicht auf, daß der Marm neben ihr Vertrauen mit Vertrauen vergelten daß er ihr auch etwas aus seiner Vergangenheit erzählen sollte. Sie weiß bis jetzt nichts von ihm als seinen Ranien und daß er sich auf einer Ver- gnügungsreise durch Italien bestndet.
Um seinetwillen vergißt sie alles. Wie ein Flammenmantel umwallt sie ihre Leidenschaft. Ihr Kops ist wie betäubt.
Kein Gedanke daran, wie dies alles enden soll — Arme Mercedes!
(Fortsetzung folgt.)
ihnen umspielt.
„Brauchen wir Deinen Bruder?" fragt er leichthin, ihr lief in die Augen blickend.
Heftig schlingt sie die Anne um seinen Nacken. „Rein, nein! Aber — ich bin arm, Arturo .Ich habe genug für uns beide!"
Stande. — Er wartet eine Stunde.--
Mercedes kommt nicht. Arturo Romano ist empört. Ec nimmt sich nun seinerseits vor, „die Schlange" morgen zappeln zu lassen.
Als aber bie Zeit heranrückt, ba er Mercedes gewöhnlich im Vatikanischen Museum aussuchte, ist er bereits wieder unterwegs dorthin.
Die Beratung be8 JustiyetatS wird beim Titel Mi- 'rnstergehalt fortgesetzt. _ . I
?lba Stroßer (fonf.) polemisiert gegen ine gesirr- aen Abführungen des Abg. Dr. Liebknecht und vcrur- ffllt fobann auss Scharsite eine Aeutzerung des Abg. Liebknecht Die dieser auf seiner Amerikareise getan »nd worin er den Reichskanzler verglich mit einem gewissen Tier im Porzellanladen.
<8ba Viereck (frk.) wünscht, daß die angehenden In- ritten einen Einblick tun in Industrie, Handel und Landwirtschaft, um ermessen zu können, wie daS Recht die wirtschaftlichen Berufe einroide.
Dr. Bell (Ztr.) erkennt das System der D vars a m k e i t als zweckmäßig an, ist aber der An- ?<bt dass die Justizgcväude, wo Hoheitsrechte ausgeubt wrbetn toürbig ausgestattet werden sollen. Gespart könne vor allem darin werden, daß man nicht die Bau- plane hundertmal umstotze oder verändere. Es dürfe nicht vorkommen, daß, wie dies m einer großen Stadt i_ Metten geschehen, eine Reihe von Abänderungen I fc Plüneerfolchnsit dem Resultat, daß man schließ, lick einen Teil des bereits begonnenen Neubaues wieder bat Niederreißen müssen. Es könne aiich gespart I werden, indem man nicht Zeugen zitiere, von denen man aus den Akten weiß, daß sie zur Sache nichts neues auszusagen wissen. Auch soll die Staatsanwalt, schäft nicht so oft in Berufung gehen. Eine H e b. u n g des Richter st andes ser am Platze. Diese Hebung könne dadurch erzielt werden, daß man die Richter den anderen Verwaltungsbeamten gleichstelle. Der enorme Ueberfluß an Recht Sa nw al» len ist sehr bedenklich. Er führt mehr und mehr zu einer Proletarisiernng des Anwaltstandes. Nur tuch- tige junge Leute sollten sich dem rursstischen Stadium widmen. Allerdings wird er immer noch von vielen ergriffen, weil sie kein anderes Studium finden. Für solche Elemente haben wir in unserer Rechtspflege keinen Platz. Unsere Rechtsprechung ist noch viel zu formalistisch, während die Gesetze klar und leicht der- stündlich sein sollen. Damit unsere jungen Juristen mcht weltfremd in ihren Beruf Eintreten, ist cs erforderlich, daß ihnen schon auf der Universität das soziale Empfinden und der Gerechtigkeitssinn beige- bracht werden. Das ganze unzeitgemäße System der Geheimhaltung der Personalakten und Konduitenlisten mutz abqeschafft werden. Die Assessoren haben keine Möglichkeit, sich zu rechtfertigen. Es darf auch nicht Vorkommen, daß man Assessoren, die eine sechsjährige richterliche Tätigkeit hinter sich haben, nachher als unbrauchbar entläßt unb sie auf den Rechtsanwaltstand verweist. Der Redner äußert sich zu der aus den | letzten Prozessen gezogenen Folgerung iiibezug auf die B cw ei s a u f n ah m e in Strafprozessen. Ge- ivii muh. wo von vornherein aussichtlose Anträge ge. stellt werden, wo offenbar die Absicht der Verschleppung vor liegt, eingeschritten werden, aber man darf darunter dock nicht den Angeklagten leiden Ian en. Das Ver- halten des Verieidigcrs im Breuerprozeh zu Trier, der rrtlärte, er stelle immer neue Anträge, bis der Staatsanwalt selber Freisprechung beantrage, ist durchaus n gehörig und wird vom gesamten Amvaltstande ber» , eilt. Aber die Ausnahmefälle, wo die Verteidiger
Wenn darauf hingewiesen wirb, daß eine angemessene Beteiligung deutschen Kapitals an ausländi-1 schon Wertpapieren in unserem eigenen Interesse durchaus erwünscht sei, vor allem mit Rücksicht auf bie finanzielle Kriegsbereitschaft Deutschlands, bie sich in dem Besitz von Geldwechseln und Gelbsorderungen sonstiger Art an bas Auslanb sowie in Gestalt des Besitzes marftgängiger ausländischer Werte geltend macht, so soll dem nicht widersprochen werden. Aber wir legen den Hauptton auf ba3 Wort „angemes- s e n" und man kann in der Tat im Zweifel darüber sein, ob die gegenwärtige Inanspruchnahme des deutschen Kapitals durch das Ausland noch als angemessen angesehen werden kann. Nach einer Ausstellung der „Deutschen Tagesztg." sind feit dem Tage, wo der preußische Finanzminister Dr. Lentze uie Erklärung abgab, daß er in diesem Jahre den Anleihemattt nicht in Anspruch nehmen werde, dem deutschen Geldmarkt ausländische Steucremissionen in Höhe von insgesamt über 2 Milliarden Mark aufgelegt worden. Vor einigen Tagen wurden in einem Aussatz der „Frankfurter Zeitung" die Reichseinnahmen aus dem Effektenstem- pel besprochen und dabei festgestellt, daß im Jahre 1910 in welchem alle Arten inländischer Wette einen Rückgang in ber Emissionssumme zu verzeichnen hatten bie Forderungen für das Ausland stck) erhöht ha- I ben Nicht weniger als 139 Millionen Matt Aus- landspaviere wurden im vorigen Jahre in Deutschland verstempelt, d. h 20,5 Proz. der Summe der I überhaupt zur Ausgabe gelangten Papiere, gegen 115,1 Proz. im Jahre 1909 unb nur 4,9 Proz. im Jahre 1908. Dabei ist zu berücksichtigen, daß erfah-
I rungSgemäß nur ein Tei l ber ins Am an g - »rennenve .eraae L,aZ ueiuiuw, uu» uu# wu ffoffenen Kapitalien für den Fiskus^steuerlich faßbar pleirt)m^tg0en Schutz Der Interessen aller Stände ist, da spekulative Anlagen oftmals tm Austo Ausgabe g< macht hat, ist es, bas auch nach
! selbst, namentlich in London, gemacht und die ecw . i ^r ' L_ ---— -----
benen Papiere dort belassen werben.
Eine solche übermäßige Inanspruchnahme bes deutschen Kapitals für das Ausland hat notwendig eine Verengung des heimischen Geldmarktes zur Folge, und speziell bet unbefriedigende Kursstand unserer Staatsanleihen findet barm zu einem Teile seine Erklärung. In vielen Fallen kommt hinzu, daß die ausländischen Anlagen ein großes Risiko datsiellen und den deutschen Besitz stark gefährden. Es muß auch daran erinnert werden, daß gerade in der letzten Zeit gegen bie Großbanken in immer stärkerem Maße der Vorwurf erhoben wirb, daß ihre Geschästsvolitik, die immer mehr sich der Propaganda ausländischer Anleihewerte zuwendet, in ber'SBerfolgitng ihrer Gewinninteressen das ^nter- : esse ber deutschen Geldgeber hintansetze und gefährde.
Wir begrüßen es, daß über alle diese Dinge, an l deren AuMrung die Allgemeinheit das allergrößte ' Interesse hat, die bevorstehende Besprechung ber ton» ; servativen Interpellation eine eingehende öffentliche
Aussprache hetbeifühten wirb.
Ausland.
* Die christlich-sozialen Arbeiter-Organisationen der Schweiz wollen bei der Int Herbst dieses Jahre» ftottfinbenben Delegiertenversammlung die Gründung einer selbstänD,gen politti djen Bartet beantragen, die sämtliche schweizerische christlich-soziale Arbeiterorganisationen umsaffen unb an bie noch zu
Oberschlesien. . , I
In der Spezialdiskussion des JustizetakS äußert Abg. Mathis (ntl.) feine Freude über die Zuwen- düngen, welche der Staat im vergangenen Jahre den Kanzleibeamten gemacht habe.
Abg. Drinnenberg (Ztr.): Schon seit dem Jahre 1884 hat das Haus sich alljährlich mit Petitionen der Kanzleigehilfen nm Aenderu n g des Kanzleiwesens und um etatsmästige Anstellung der Kanzleigehilfen zu beschäftigen gehabt. Seither ,st allerdings eine erfreuliche Besserung in den Bezügen eingetreten, so ist das Einkommen nach und nach erhöht, z. B. von 1981 Mk. im Jahre 1907 auf 2100 im Jahre 1909. Dazu kommt dann noch eine Erhöhung der Pensionen ufw. Tas alles ist dankenswett und freudig anzuettennen. Aber sine Aenderimg des Kanz-1 leiwesens und die etatsmästige Anstellung haben die Kanzleigehilfen nicht erreicht. Auch der im vorigen Jahre hier einstimmig angenommenen Resolution entsprechen die jetzigen, an sich ja sicherlich erfreulichen Besserungen im Etat nicht. Die Wünsche der Kanzleigehilfen und unsere Wünsche werden erst erfüllt sein, wenn die etatsmästige Anstellung dieser Beamten gewahrt und das ganze Kanzleiwesen von Grund aus umgestaltet sein wird. Die Mehrbelastung des Etats I wird nur sehr geringfügig sein. Was für ein Papier I wird nicht beim jetzigen Kanzleisystem verschrieben.
Auch der Titel dieser Beamtenkategorie mutz angemessen umgestaltet werden.
Ein Regierungsvertreter erwidert, die Kanzlewe- amten Hütten ja heute schon fast alle Vorzüge der etats- mähigen Anstellung. .
Ein Vertreter des preussischen Kriegsmimsteriums ettlärt, dass der preußische Kriegsminister nicht m der Lage fei, der etatsmäßigen Anstellung der Zivilanwar» ter zuzustimmen, da dadurch bie Frontunterosftziere 0ef<|iibiflt$toürte&^ fordert gleichfalls etats- müstige Anstellung der Justizkanzleigehilfen.
Abg. Witzmann (ntl.) wünscht Einführung der «te- I noaraphie in den Kanzleien.
I Abg Cassel (Vv.) verlangt Beseitigung der Wie- I Verkehr von Eingriffen in die freie Advokatur.
I Aba. Wadarz (Ztr.) erachtet eine Belehrung der Gemeindevorsteher über Testamentssachen sur er- : wünscht, damit nicht Nottestamente nachher wegen Formfehlern als ungültig erklärt werden müssen, was : für die Erben mit vielem Aerger und Verdruß bei» ’ I Kunden sei. Weiterhin wünscht Redner gesetzliche Re- ; gelung der Berufsvormundschaft.
La’SSÄÄ“ 8? leidiger mit Einbrechern verglich! Der Essener! Freispruch — ich selbst gehörte vor 16 Jahren zu I l en Verteidigern im ersten Verfahren — ist geeignet, | das Vertrauen zur Justiz nicht etwa zu erschüttern, ? sondern gerade zu be f e ft ig*cn. Es hat sich ge- I zeigt, dah die Justizbehörde ohne Berücksichtigung tr» I gcndwelchcr Folgen die Wiederaufnahme herbeigeführt ^ie Uebettchwemmuug des deutschen Geldmarktes hat, sobald die Glaubwürdigkeit des Hauptbelastung^. fremden WertPaviecen hat einen so erheblichen zeugen erschüttert war. Es sei zu wünschen, daß auch "" jremven I . /v - , ,
In dem Falle des zu Aachen wegen Sittlichkeitsverore- Umfang angenommen daß bte Konservativen sich zu chens verurteilten Kirchenschweizers das Wiederauf- einer Interpellation un Reichstag veranlaßt nahmcverfahren eingeleitet werde, nachdem jetzt das I gesehen haben. Die heute zur Verhaitotung
betreffende Tienstmädchen, von Gewissensbissen gepei-1 kommt. Sie fragen an, welche Maßregeln die
■nigt, die Haltlosigkeit ihrer Anschuldigungen eingestan-1 Regierungen ergreifen wollen, um der Ueberfchwem- dcn habe. Der Redner betont unter Bezugnahme auf munfl deutschen Geldmatttes mit fremben Wett-
biefen Fall die Notwendigkeit der Vorsicht gegenüber » b bcm übemiüßigen Abflüsse deutschen Ka-
AilS'agen von Kindern und der Sicherstellung von | __, . n,n
Sittlichkcitsberbrccherri, die wegen ihrer triebhaften ] pttalS nach bem A-lslaud 0 •
Anlage freigesprochen werden, gegen Wiederholung sol-I Die Interpellation ist veranlaßt durch dell Plan cher Vergehen. — In dieser Zeit des Ringens um die I ber Berliner Handels-Gesellschaft, die Attien der -Eniwicklung des Rechtes, die Staatsautotttüt und '