Einzelbild herunterladen
 

Maer W Zeitung

Momürdeklager „Küdaer Seschrchisblatter"

38. Jahrgang.

Fulda, Montag den 6. Febmar 1911

Erstes Blatt.

M 29

lt$$i|«t: Vie d» spaltige Petitzeile oder »treu Bau* 15 Pf-. Neklamen diepetttzess« Pf-., de, wieder» ydmrgen wird eatfpr.

Rabatt gewährt.

Sotatiee«bra<H* Verlag der Fuldaer AH, tienöiuderei ta Fuldi» Zenssprecher «r. K

M4ctattaaIi4Mtt Hurnah»» der Uäm Md Feiertage, viertel- «hrlicherVe^t-rprei« tzinr Vringertohn und Ueßekgeld in Fulda so» Wle a»j«ärtr 1.50 IHL yerantw RedaNemtr <etüS*ette|

jgÄ w°ckM>«itts«^wftrrerte $omttag$$6iW'

heiligen Kirch« jeder Kreatur daS Evangelium zu verkünden. Ein besonderer Glanz wurde der Ver- anstaltung durch die Anwesenheit des Oberhirteu unserer Diözese und de» greisen Franziskanerbischof» Msgr. Hofmann, früher apostolischer Vikar in Süd. sckanfi (China) verliehen. Mit liebevoller Bereit» Willigkeit und schönem Erfolge hatten sich unsere bewährten Kirchenchöre: der AlumnatSchor, geleitet von Herrn Regen» Professor Schreiber, und der stadtpfarrliche Kirchenchor, Diri­gent Herr Stadtkantor Scherer, in den Dienst der Sache gestellt. Der gestrig« Abend erbrachte wieder den Beweis, daß Fulda allen Anlaß hat, auf seine Kirchenchöre stolz zu fein. Die gehegten Erwartungen erfüllte« sich in schönster Weise. Es wurde mit Lust und Liebe gesungen, und die Diri» genten wußten die Sänger mit Fleiß und Geschick zu führen.

Beethoven, unser Größter im Reiche der Töne, eröffnete mit seinem von der Artiüeriekapelle schneidig gespielten Festmarsch den Abend. Dann sprach der Unterprimaner Noll recht wirkungsvoll einen von P. Lektor HippolytuS Böhlen 0. F. M. gedichteten, der Verherrlichung des Miisionsroerkes gewidmeten Prolog. Der stadtpfarrliche Kirchenchor sang hierauf mit Orchesterbegleitung den Festchor von Mitterer, eine in Melodie und Harmonie wohlgelungene Som» Position. Die Wiedergabe war vortrefflich und von zündender Wirkung.

Herr Oberbürgermeister Dr. Antoni entbot der Festversammlung einen herzlichen Willkommensgruß.

Sein erster Gruß galt unferm Hochwürdigsten Herrn Bischof Joseph Damian, der die Seele der gan­zen Veranstaltung des gestrigen und heutigen Tage» gewesen ist und der, so fuhr der Herr Oberbürgermei­ster fort, mit apostolischem Eifer rastlos dahin gewirkt hat, daß das Missionsfest in Fulda ein schönes, ein würdige» und segensreiches wurde. Des Dankes aller Diözesanen darf er sicher fern. An zweiter Stelle be. grüße ich den hochwürdigsten FranziSkimerdischof Mon­signore Hofmann, ein leuchtendes Beispiel aufopfern­der Tätigkeit im Dienste der Mission. Dann möchte ich Se. Durchlaucht Fürst AloyS zu Löwenstein will­kommen heißen. Der Name Löwenstein ist uns kein fremder. Wir kennen, wir schätzen, wir verehren alle den hochedlen, ritterlichen und tteffrommen Vater des Herrn, der uns heute die Ehre schenkt, in unserer Mitte zu sein. Wir wissen, waS er für die deutschen Katholiken getan hat und wir freuen unS, daß sein Sohn in die Fußstapfen seines VaterS tritt. (Beifall.) Sein warmes Eintreten für die Missionen auf dem Katholikentage in BreSlan wird ihm unvergessen blei­ben. (Beifall.) Nachdem der Herr Oberbürgermeister hierauf die Obern und Mitglieder des FranziSkaner- und des Oblatenordens, insbesondere die Redner de» Abends aus diesen begrüßt, wandte ev sich an die übrige Versammlung: Durch Ihr überaus zahlreiche» Erscheinen haben Sie bewiesen, daß die Mahnungen Ihres Bischofs und die begeisternden Worte der Pre­diger nicht auf steinigen Boden gefallen sind. Sie haben gezeigt, oaß Fulda» Katholiken den alten Ruhm bewahrten, treue Söhne des hl. Bonifatius zu fein, die stets Herz und Hand den Werken der christl. Cha­ritas öffnen und gern bereit sind, unferen bedrängten Glaubensbrüdern in und außerhalb Deutschlands zu helfen Ich bin überzeugt, daß das heutige Miffionsfest nicht spurlos in unferm Vaterland« dorübergehen wird. Der Geist de» hl. Bonifatius hat segnend über unS ge. waltet. Möge er auf uns wirken, damit die Saat, welche die Prediger auSgettreut, reiche Früchte trage zum Segen für daS Missionswerk, zum Segen noch mehr für unsere heilige katholische Kirche. DaS walte Gott! (Lebhafter Beifall.)

Hieraus hielt Se. Durchlaucht Fürst AloyS zu Löwenstein die Festrede.

Der Redner, der mit lebhaftem Beifall empfangen wurde, dankte einleitend mit warmen Worten und unter wiederholter Zustimmung der Versammlung dem Hochw. Herrn Bischöfe, dem es zu verdanken sei, daß heute das erste katholische Miffionsfest Deutschlands in Fulda habe gefeiert werden können. Was wir, so sagte er, von gestern abend bis jetzt gesehen und mit- erlebt haben, daS war so schön, so herrlich, wie wir eS uns nicht vorgestellt hatten. Erlauben Ew. Bischöfliche Gnaden, daß ich namens der Katholiken Deutschland» Ihnen Dank ansspreche für das herrliche Beispiel und für den Glaubensimpuls, den Sie damit dem ganzen katholischen Deutschland gegeben haben. Sie haben von dem großen Schatze, den Sie hier am Grabe des hl. Bonifatius verwachsen, etwas hinauSgehen lasten über die deutschen Lande. Wir alle in Deutschland werden es, so hoffe ich, erfahren. In der Ge- fchichte FuldaS wird dieser Tag immer ein Ruhmes­blatt bleiben. Zu seinem eigentlichen Thema über­gehend, führte darauf der Redner etwa folgende» au»:

Mir ist die Aufgabe gestellt worden .noch einmal kurz die Gedanken, die in den Predigten deS gestrigen Abends und deS heutigen Tages so schön und herrlich ausgeführt worden find, hier zusammenzufassen, ge- wissermaßen eine kleine Nachlese zu halten. Christus hat seiner Kirche den Misfionsbefehl erteilt, die AuS- führung diese» Befehls ist also für die Kirche und für jedes Mitglied der Kirche eine Pflicht deS Gehorsams. Der hochwürdige Prediger deS heutigen Morgen» hat uns diese alte Wahrheit überzeugend inS Bewußtsein gerufen. Damit ist für uns die Frage gelöst, ob auch wir dem Missionswerk un? widmen sollen. Wo Gott befohlen hat, da könnte jede Begründung unse­res Gehorsams überflüssig, ja vermessen erscheinen. Als Pflicht der GotteSliebe müssen wir die MisfionSar- beit erkennen, wenn es wahr ist, daß e» Gotte» Her- zenSwunsch ist, sein Reich in allen Mensch«! zu errichten, die seine Allmacht ins Leben gerufen hat. Was Gotte» Wille erfaßt hat, darauf hat er ein Recht, da» Recht des Schöpfer» aller Dinge au» dem Nichts. Darum fordert er die Herrschaft in allen Menschenlagen al» sein Recht. Da» Recht de» Schö­pfer» wird noch gesteigert durch daS Recht be» Erlö- !ers. Christi Willen und Wort erweisen eS unumstöß- ich, daß seine Sendung nicht dem Judenvolk allein, sondern der gesamten Menschheit galt. Den Aposteln hat er befohlen: »Gebet hin in alle Welt und lehret alle Völker!" Gott der Vater hatte alle Menschen für sich, für feine Ehre geschaffen. Heber alle hat er dem Sohne Macht gegeben. Allen will der Sohn da» ewige Leben verleihen. Dafür ist er gestorben. So sehr hat Gott die Wett geliebt! Gott hat bie Erfüllung feine» Herzenswunsches der Entscheidung de» freien Willen» der Menschen, jede» einzelnen armseligen Menschen untergeordnet. Er hat un» da» ganze Ar­senal seiner göttlichen Waffen geschenkt; aber er hat un» die SBaljl gelassen, un» dieser Waffen, dieser Wehr, zu bedienen ober seinem Erzfeinde, dem gefallenen Engel, zn folgen

Almosen, jeder nach feinem Vermöge«. Weihrauch: da» Gebet, da» aufsteige« soll zum «ater der Er- barmungen, daß er Arbeiter senden möge in seinen Weinberg und mit Wohlgefallen da» schwtettge Werk be» Missionar» segne. Myrrhe: das persönliche Opfer, die Entsagungen und Entbehrungen, die der MifstouSderuf mtt sich bringt Mit ein- dringlichen Worten forderte et die Gläubigen auf, dem nun einmal gefaßten Entschluß, das Mission»« werk zu unterstützen, treu zu bleiben. Es soll kein Sttohseuer feto. Tretet ein in den Verein des hl. Franz Xaver, unterstützet aber auch die speziellen Misstons, vereine eurer Diözese, die Franziskaner- und Oblaten« Missionsveretoe. Hattet und leset die Misstonszett- fdjriften. Den kathol. Frauen und Jungfrauen empfahl er den Beitritt zur Mststonsvereinigung kath. Frauen und Jungfrauen. Wenn so alle wetteifern, dann wttd da» Werk gelingen und es wirb ein Schafstall und ein Hirt sei«.

„Lasset die Kmdlein zu mir kommen*, das war der Ruf der Glocken Nachmittags um Uhr. Geführt von ihren Lehrern und Lehrerinnen scharten sich die Kinder in großer Zahl um das göttliche Kind. Biele Eltern der Kinder und zahlreiche Er­wachsene hatten sich eingefunden um Zeuge der

KiudheU-Zestwereiusseier

zu sein. Herr Pfarrer Nüd ling in Aufenau, dessen liebliche literarische Schöpfungen aus dem Leben deS Kindes weithin bekannt sein dürften, war der be­rufene Prediger für diese Kinderfeier. Zum Bor- spruch wähtte er die Divise des Kindheit - Jesu- VereinS: .Bei deiner Fahn, o Jesulein, da wünsch ich ein Soldat zu (ein.*

Ausgehend vom Kinderkreuzzug vor 700 Jahren und einer lieblichen Episode aus dem Sieben der heil. Theresia schilderte die Predigt die Gründung und das Wachstum des Kindheit Jesuverems. Der Verein bieter kleinen Soldaten des Jesuskindes brachte tm ersten Jahr schon 18000 Mark zusammen — in fünfzig Jahren an 70 Millionen — im letzten Vereinsjahr allein 3 046000 Mark. Die Predigt sprach '>on den großen Ausgaben der Kinder, mit Gebet und Opfergabe das Werk der Heidenmission zu unterstützen. Zuletzt ließ der Prediger dem hl. Bonifatius durch die Kinder sagen, daß Fuldas Jugend sich auch in Zukunft um die Fahne Jesu schart und an die Heiden die alte Dankesschuld abtragen will!

Auch der Hochw. Herr Bischof, der es sich nicht nehmen ließ, der Feier anzuwohnen, richtete eine herzliche Ansprache an die Kleinen. Er schilderte ihnen den Nutzen des Kindheii>Jesu-Vereins für sie und für das Werk der Glaubensverbreitung, führte den hl. Bonifatius im Geiste in ihre Mitte und zeigte wie das Werk des hl. Bomfattus gerade durch die Kinder gefördert werden könnte. Wie einstmals die Kinder der Tiroler Freiheitskämpfer nicht achtend der Gefahr im dichtesten Kugelregen an der Seite ihrer Väter standen und diesen die ÜJiunitwn reichten, so müßten auch die Kinder des hl. Bonifatius aus dem religiösen Schlachtfeld mutig und unerschrocken den Missionaren im Kampfe um unsterbliche Seelen zur Seite stehen, um die Munition des Gebetes und Almosens zu reichen. — Freudig gestimmt, legten die Kinder dem Jesulind eine Opfergabe zu Füße«. Kurz vor 3 Uhr war diese rührende Feier beendet. Eine Stunde später rief die Salvator-Glocke die Gläubigen zur

Schlutzseier.

Wieder stand Kops an Kops die lauschende Menge, um den Worten des Predigers, des Franzts- kanerpater» P. Pankratius zu lauschen.

Mit rethorsscher Gewandtheit zeichnete bet Prediger mit dem Seher von Patmos das Gebäude der Kirche Ehrifti auf hohem Berge, das vom hl. Geiste errichtet Auch heute noch arbeiten die Mstsionare an bietest Gebäude. Ni..,, leblose Steine sind es, die sie in diesen Bau tinfügei:, nein, e* find lebendige, durch Christi Blut teuer er taufte Seelen. Zur Mitarbeit an diesem Goitesba« find neben den berufsmäßigen Bauleuten auch alle Katholiken berufen. Gebet und Opfer und bie perlönliche'Hingabe verlangt Gott von uns. In einbringlidjen Worten stellte der Prediger den Gläubigen die vielgeschmähte, domengekrönte und gekreuzigte Kirche Christi vor und rief ihnen zu: Um GotteSwillen sorget in euren Familien für die Erhaltung des bt Glauben», vergesset auch nicht die Brüder in der Dias­pora aber abermals um Gotteswillen vergesset auch nicht die Brüder ht den heidnischen Ländern. Was Winfried etuft geworden, ein Bonifatius, das sei auch du katholische» Bolh ein Bonifatius, ein Wohl­täter der Menschheit. Derjenige, der gesagt: WaS ihr dem Geringste« meiner Brüder getan, wird es unS dereinst reichlich lohnen und uns mit den durch unsere MissionSarbett geretteten Seelen hinführen zum ewigen „Hosen n* in excelsis“.

Nach einer kurzen Andacht, die wiederum der Chor de» Priesterseminars verschönte, stimmte der Hochw. Herr Bischof das Te De um an, das das gläubige Volk mit jubelndem, dankerfüllten Herzen ausnahm und fortsetzte^ während deflen die Glocken des Dome» einstimmteu m den Lodgesang und ihn weitertrugen, weithin in die Lande. Die kirchliche Feier deS ersten Missionsfestes der Diözese Fulda war vollendet. Ein guter, glückverheißender Stern hat über ihm gewaltet. Der tiefgläubige, treue Sinn, der sich in diese» Tagen wiederum gezeigt hat, läßt eine frohe Zukunft für das Glaubensleben in Fulda mb für da» Miffionswerk erhoffen.

Auf die Schlußandacht folgte um 71/* Uhr eine

Festversammlung.

In helle» Scharen zogen Männer und Jünglinge, Frauen und Jungfrauen zu den Stadtsälen, die beide, einjchließltch der Empore schon lange vor Beginn der Versammlung brechend voll waren. Sehr viel« mußten angesichts der Unmöglichkeit, noch einen Platz zu erhallen, umkehren. Eine der­artig stark besucht« Festversammlung dürfte die Orangeri« noch nicht gesehen haben. Wie verschieden auch immer die Anwesenden an Stand und Charakter, an Bildung und Besitz sei» mochten: in Einem schlugen alle Herzen zusammen, in der Begeisterung für da» wichttge und erhabene Werk der Heiden­bekehrung und in der innigen Sympathie für die wackeren Glaubensboten, die zu opferfreudiger und entsagung-reicher Ardett hinausziehen, um ge­mäß dem Auftrage deS göttlichen Stifter» unserer

Erstes katholisches Misstoasfest in Fulda.

Die Krone der Fuldischen Kirchen, die altehr- würdige Grabeskirche des großen Missionar» St. Bonifatius, die schon so manches erhebende kirchliche Fest geschaut hat, war in diesen Tagen uneder Zeuge einer ganz ungewöhnlichen kirchlichen Festfeter. ES jcm das erste größere Missionsfest, daS in der Diözese Fulda begangen wurde, gleichzettig das erste 'größere Misswnssesi in deutschen Landen. Die Dtö- »ese Fulda darf sich rühmen, durch daS Fest tn der Förderung des MisstonsgedantenS dem übrigen katholischen Deutschland vorangegangen zu sein; hoffentlich entfacht dieses Beispiel in ganz Deutsch- land aufs neue den Geist apostolischen Seeleneifers und entzündet die Begeisterung für das heilige Werk der Glaubensverbreitung. Die Beteiligung der Gläubigen war ungemein zahlreich. Es war erhe- bend zu sehen, wie zu allen Veranstaltungen die katholischen Frauen und Männer von fern und nah Schar auf Schar herangerückt kamen, wie die Menge anschwoü zu einer gewaltigen Flut.

Schon zu der

Eiuleiluugspredigt,

am Samstag abend um 71/* Uhr begann, war der Dom dichtgefüllt, als P.Pankratius O.F.M. von Paderborn anstelle des erkrankten Herrn P. Conrad Schulte die Kanzel bestieg. In begeisterten Worten pries er die Katholiken Deutschlands, besonders aber dar katholische Volk der Diözese Fulda glücklich, daß es im Besitze der kostbaren Erbschaft des hl. Bonifatius: des katholischen Glaubens sei. Daraus folge aber die Pflicht immerwährender, unerschütter­licher Dankbarkeit, die eine Unterstützung des großen Missionswerkes nicht nur für Deutschland, sondern auch für bie Hei Emissionen fordere. Die Leiden des Missionars sind ohne Zahl, die Freuden da­gegen außerordentlich spärlich; seinen einzigen Lohn findet er in der Gewinnung unsterblicher Seelen für Christus. Um diese Befriedigung aber zu för­dern, bedarf er, der sein Leben in den Dienst des Heilandes gestellt hat, der tatkräftigen Unterstützung der Gläubigen, die den Segen der Kirche in so deichem Maße an sich verspüren. Gebet und Al­mosen gebet unfern Missionären, da» war seine Bitte, dre er den Gläubigen tief ins Herz rief und die gewiß auch von Erfolg war. Eine weihevolle Andacht, die der Chor des Priesterseminars durch Mehrstimmige Gesänge verherrlittte, beendete die Ein- leitungSfeier, der auch der Hochw. Herr Bischof, da» Domkapitel uno Se. Durchlaucht Fürst zn Löwenstein anwohnten. Den Glanzpunkt der kirchlichen Misst- vnsseier bildete

Das Pontifikalamt

am Sonntag morgen. Noch selten hat der Dom solche Scharen von Andächtigen aufgenommen, wie am gestrigen Sonntag. In geradezu besorgnis­erregender Enge waren die weiten Räume des Domes gefüllt, rote kaum je zuvor. Zur Aufrecht­erhaltung der Ordnung waren die Hellebardiere und die Feuerwehr aufgeboten, für eventl. Unfälle waren Mitglieder der Sanitätskolonne im Gottes­hause an verschiedenen Stellen postiert. Gott sei Dank ging alles gut ab, die erhebende Feier wurde durch keinen Mißton gestört, wenn auch daS Ent­leeren des Domes sich in etwas drangvoller und beängstigender Weise vollzog. Die C locken des Domes hatten eben zum letten Male in vollen Akkorden die Einladung an die Gläubigen hinaus« geläutet über die Stadt und noch zitterten die letzten Klänge der Osanna durch die Lust, als die bischöfl. Equipagen am Portal vorfuhren. Ihnen entstieg der zwar greise, aber überaus lebhafte Franzis- ^anerbifchof, Mfgr. Hofmann und Bischof Dr. Joseph Damian Schmitt. Ein großes Ministerium, mit bem Domkapitel an der Spitze, führte die Hochw. Herren unter den brausenden Klängen der großen Orgel ium festlich geschmückten Hochaltar, der in reichem .Kerzenlichte flimmerte. Alsdann begann das heil. Opfer, das unser Hochw. Herr Bischof Joseph Damian zelebrierte. Der Chor deS PriesterseminarS Ang unter Leitung des Herrn Regens Professor Dr. Schreiber die überaus stimmungsvolle Messe in G-Dur von Filke unter Mitwirkung der Regi­mentskapelle und Orgeibegleitung. Die musikalische Darbietung war der Feier überaus würdig. Aus der Komposition spricht eine herzliche Frömmigkeit, die ohne moderne Effekthascherei sowohl im Gesang al» audj tm orchestralen Teil geschickt und stimmungsvoll, aber dennoch mit Frische durchgeführt ist. Die Gesamtleistung verdient alles Lob. Nach dem Evangelium bestieg Herr P. Kassiepe, Provinzial der Oblaten in Hünfeld, die Kanzel, die er nur mit Mühe erreichen konnte. Mtt ' seiner sonoren, wohlklingenden Stimme beherrschte Iw ~e.-nie?tflra ben ganzen Dom, und in tiefer Stille lauschten die Tausende der Andächttgen setnen Worten, dte begründet waren in dem Testa- Ment des Gottessohns: „Buntes in nrnndum untrer- mim, praedicate Evangelium omni creaturae.“ Gehet hin in alle Welt und predigt da» Evan- ! gelmm allen Geschöpfen!

f*.„6i.nroei!rn^ °uf ben Stern von Bethlehem, bet » Dreilömgen aus geibenlonb bie frohe be8 HE verkündete, führte er au», daß brm?,^‘51 uufgegangen fei für alle Böller und bah bie ,aÄpond' ibte Nachfolger: die Päpste,

ebrtoi -4 ra,h,et8Ke,n^benE «'blieben feien be» Wortes, hi. "rau1 J)ln tn Welt!' Die Diözese Fulda, Grab des hl. Bonifatius, der ihr das W ft Vt V- glauben gebracht habe, zu schirmst : k” ™ SAaVm b?rbtt°n«ete? ®dfe die Dankespflicht, ;ben tm Schatten der Finsternis sitzenden armen Seelen :»u.bufe <a Warum? Wann? und Wie? sollen mir mifftomeren. Dtese drei Fragen beantwort tete fccr Prediger in packender Sprach? atortun? Weil das Testament des Gottessohnes lautete: (Bebet hin in alle Welt und lehret alle Völler!' SSann? Jetzt und zu jeder Zeit, denn das Gebot Thristi gilt für alle Zeilen: .Liehe, ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Welt.' Wie? Gold, Weihrauch und i Myrrhe. Das war das Opfer der heidnische« Drei- Könige. Tas soll auch unser Opfer sein. Gold: unsere

Wie Hai bie Menschheit entschieden?

Nie vieleicht ist mir bie Tragik der Antwort aus diese Frage erschreckender zum Bewußtsein gekommen, als vor einigen Wochen, da ich in einem Briefe be» Bischof» Henninghau» über die Bedeutung Chi-- na» al» Missionsland die schlichte statistische Betrach­tung Ia6: .China'» Volkszahl, nach neuester Zählung 430 Millionen Menschen, welch ein Koloß unter ben Nationen, an zahlenmäßiger Größe selbst die katho­lischen Wettkinder weit überragend". Da habe ich mir an den Kopf gegriffen und mich gefragt: ja, ist den« daS denkbar? Nein, denkbar ist e» nicht, aber eS ist wahr! 430 Millionen Chinesen, davon etwa 2 Millio­nen Christen, 428 Millionen heidnische Chine­sen — und auf der ganzen Erde zufammen nur 260 Millionen Katholiken!

Aus der ganzen Erde 1560 Millionen Menschen, da­von 240 Millionen Mohamedaner, 800 Millionen Hei­den und — 2 6 0 Millionen Katholiken!

Unb Christus ist vor bald 1900 Jahren gestorben, „damit er allen daS ewige Leben gebe"! M. H. Die Erkenntnis der verhältnismäßig so geringen Verbrei­tung der wahren Lehre Christi auf Erden soll uns nicht entmutigen, und soll vor allem nicht unsere Bewunde- rung für das Wirken der Kirche Christi mindern. Wie die Apostel, so sind deren Nachfolger Jahrhundert für Jahrhundert in alle Welt gezogen und haben alle Völ­ker gelehrt. Sie hatten bie Religion der Selbstver­leugnung an die Stelle be» Sinnes!ults gesetzt, die Leh« der freiwilligen Armut und der Demut in einer Welt der Habsucht und des Ehrgeizes zur Gel­tung gebracht, sie haben nicht wie Roland mit dein Schwett, sondern mit der Waffe der Liebe gekämpft und haben in Milliarden von Seel n das Reich errich­tet, da» nicht von dieser Welt ist und das daher schwe­rer als jedes andere von dieser Welt angenommen wird. Gegen sie allein — vergessen wir auch das nicht — stürmt die Wut der ganzen Hölle an und ihr allem galten alle Verfolgungen und Unterdrückungen; ©pal. hing und Lostrennung haben immer wieder große Teile de» geistigen Gebäudes niebetgeriffen, das sie ihrem göttlichen Bräutigam auf Erden errichteten.

Aber das soll un» die traurige Statistik lehren, daß wir jetzt alle Kraft einfetzen müssen, um Christi Wunsch zu erfüllen, um Gott zu seinem Recht zu ver­helfen. Jetzt gerade, weil die technisch:, die wirtschaft- liche ,bie politische Entwicklung aller Erdteile heute eine Missionsgelegenheit geschaffen hat, wie die Kirchcnge- schichte fie noch nicht gekannt und weil sie der Kirche ermöglichen müssen, diese Gelegenheit zu nützen. Eine Gelegenheit, die sich nicht nur dem Christentum bietet, sondern auch jeder anderen religiösen Bestrebung, der Irrlehre in jeglicher Gestalt, dem Götzendienst, dem Unglauben, deren Nichtbenützung daher gleichbedeutend ist nicht mit Stillstand, sondern mit Zurückdrängung deS Reiches Christi auf Erden.

»Du sollst dir kein geschnitztes Bild machen, uni dasselbe anzubeten". So hat der Herr gesprochen. Und mehr als die Hälfte der heute lebenden Menschheit betet Götzen an. Phantasieerzeugnisse oder groteske Bill>werke, Tiere oder Gesteine, Fetische aller Art, ja unverhüllt Satan selbst nehmen den Thron ein, von dem der wahre Gott herabgestotzen ist. Es ist ein Zu­stand dauernder Revolution gegen Gott, in dem bie Hälfte der Menschheit lebt.

Daran müssen wir denken, wenn wir uns die Frage borlegen, ob denn die Heidenmission wirklich eine so wichtige Sache fei, wie die Missionare unS glauben machen wollen. Ob man die feingebilde­ten Inder, die Chinesen, Japaner, ob man die Reger Afrika» und die Weiden der Südsee nicht lieber in Ruh, lassen solle, ob wir nicht unser Geld besser verwende« können, al» es den Bestrebungen der Missionäre zu opfern. Ach! die Mssstonäre, um die handelt es sich ja gar nicht. Um Gott handelt e» sich!

„Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.' Wenn wir dieses Gebot, eines der zwei Staatsgrund- gefetze des ChristentttmS, nur mit Ueberlegung aus­sprechen, so erkennen wir unmittelbar, daß die Näch­stenliebe eS nicht ertragen kann, daß zwei Dritteile der Menschheit heute noch jedem Christentum fremd sind. Mathen wir un» nur klar, was das bedeutet: dem Christentum fremd. In all dem materiellen Elend bet Armut, des Mangels an allem, waS uns Menschen höhere Kultur daS Leben erleichtern mag, der geistige Bann der Knechtschaft, kein tröstender Aufblick zu ihm. her alle? Elend der Erde auf sich genommen hat, um unser Kreuz für un» zu tragen. Keine hoffnungs« freudige Zuversicht, daß der irdische Jammer nur eine kurze Zett der Vorbereitung sei auf ewiges, unermeß­liches Glück. Nicht der Trost deS Gebetes, der Sakra­mente che» hl. Meßopfers. Nicht», als das Zittern box einem bösen Geist, der in der Nacht und im Gewitter, in Krankheiten und in der Gestalt wilder Tiere, der in jedem erdenklichen Spuk dem Menschen nachstellt und der durch Opfer — vielleicht durch Menschenopfer — besänftigt werden muh. Was es bedeutet: dem Christentum fremb, auch für Völker eigener Kultur, großer Wissensbildung. Was nützt dem getoerbege. wandten Japaner, dem kunstliebenden (Sbinefen, dem gelehrten Inder all sein Können und Wissen, wenn er auf die tiefsten, aber doch auch ersten Fragen deS Menschenlebens: Woher und Wohin? nicht mit bei herrlichen Gewißheit des Wahrhritsbesitzes Antwort ge­ben kann? WaS nützt e» ihm alle» auch nur für sein irdische» Glück, wenn et nicht einmal die Gewißheit hat, ob ihm die Sünden früherer Lebensjahre ver­geben seien oder ob die Gottheit rachedurstig feir Schuldkonto offen hält, um ihn einfhnal zu vernichten! Muß nicht der Schrei der Verzweiflung ,ber sich st manchem neuheidnsschen großen Denker entrungen hat wenn er die tönernen Füße erkannte, auf die er al fein Leben und Streben gestellt, muß es nicht aut der Brust der edelste« Männer auch jener Heidenvöl- ter zum Himmel gellen, wenn fie die Hohlheit ihre» Wissen» sehen oder doch ahnen? W. D. u. H-! Wenn Sie in ben Kirchen dem hl. Meßopfer beiwohnen, bann denken Sie daran, daß Millionen von Menschen nicht toi ff en, toa» ein Tempel be» wahren Gottes ist. Wenn Sie im Beichtstuhl knieen, denken Sie daran, daß Millionen diese« wunderbare Heilmittel nicht ken­nen. Und wenn Sie Gotte» Sohn selbst m bet hl Kommunion in Ihrem Herzen empfangen, bann wer. fen Sie einen Blick auf j ne Millionen, abemninronen armer Bettler, bie be» geistigen Hungertodes sterben, während Sie in ben Wonnen des göttlichen Hochzeits- mahle» schwelgen. Denken Sie bar an, daß Sie Mit­wirken könnten, all diese Entbehrung, all daS Elend zu lindern unb daß GotteSliebe unb Nächstenliebe Sie berufen, Spenber de» Glücks an die Unglücklichen zu fein. Dam, werden Sie ganz von selbst Ihre Mis- fionSpflicht erfülle«.

Der Appell der christichen Nächstenliebe ist nicht uiu gehört verhallt. Nein, die Op f er toi 11 i g t e 11 de» kathol. Volke» für bie Missionen ist groß unb bi« Mssstonäre können von manchem Wohltäter erzählen, der still, ungenannt Jahr für Jahr reiche Gaben schickt. Verhältnismäßig reiche Gaben. Denn meift Jinb e-