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38. Jahrgang

Fulda, Dienstag den 31. Januar 1911

Erstes Blatt

M 25

Preußischer Landtag

v. Mühlberg»

auS unpolitisch gefaßten Rede

spaltige petitzrll« oder deren B«* 16 pfg. LeNamendkePetitzeU« Pfg., der wieder- Qtiungew wird entspr.

Rabatt gewährt.

Sotationrdruckund Verla- der Fnldaer Al-

nehmer Weife bemerkbar, und zwar so, daß eine ganze Reihe von Revierverwailungen über den Mangel an stündig ansässigen Holz- und sonstigen Waldarbeitern stark zu klagen hat. Diesem Uedelnande will die Kgl.

Staatsregierung durch die in Titel 3 in Aussicht ge- , __g „,,c k™

'nommenen Mittel abhelsen, indem dort 180 uüO Mark 1 geht hervor, daß er stch jeder Anspielung auf den

schwäche, das Bewußtsein ist fast ununterbrochen gestört.

)( Das Monstrum einer Neichstagskandidatur. Der frühere Minister Graf Posadowsky ist schon mehrfach von Verehrern gebeten worden, eine Kandi­datur zum Reichstage anzunehmen. Wir unsererseits würden es nur gut heißen, wenn dieser tüchtige und erprobte Staatsmann Gelegenheit fände, sein reiche» Wissen und seine Erfahrung den gesetzgebenden Kör­perschaften zur Verfügung zu stellen. Nun taucht die Meldung auf, Graf Posadowsky sei mit seiner eigenen Zustimmung als Kandidat der sogenannten Kultur- bündler in Aussicht genommen. Herr Wilhelm S ch w a n e r, der Herausgeber der Zeitschrift „Volks­erzieher", der diese Idee ausgehech hat, behauptet, eine gründliche Aussprache diesbezüglich mit dem Grasen selbst gehabt zu haben. Danach sollen die Kultur- bündler überall bei der Hauptwahl Stimmzettel sür den Grafen Posadowsky abgeben. Fmgt man, was das für Leute sind, die stch Kulturbündler nennen, so zählt sie uns Herr Schwaner auf. Es sind die Bo­denreformer, die Ethik«, die Monisten, die Freiden­ker, die Temperenzler, die Vegetarier, die Jmpfgeg- ner, die Gartenstadtleute, die Theosophen, die Bio- sophen, die Schulreformer, die Lichtfreunde, die Junggermanen, die Leser der „Surma", des .Ham­mer", des „Kunstwort" usw. — Mit welchem Rechte Herr Schwaner alle die genannten Kategorien von Personen zu seinem Heerbann zählt, ist uns unbe­kannt; sicherlich werden viele von seinen kindischen Redereien wenig erbaut sein. Als Hauptziel seiner Aktion bezeichnet Herr Schwaner die Vernich­tung de- Zentrum». Run, von ihm und fei­nen Mannen wird da» Zentrum sich nicht in Angst jagen lassen. Wir halten die ganze Sache einstweilen für einen verfrühten Fastnachtsscherz und bezweise.n sehr stark, daß ein Mann rote Graf Posadowsky sich in dieser Gesellschaft wohlfühlen würde,

sein.

Unter Hinweis ans die Kaiserred« von Beuron betonte der Gesandte die Notwendigkeit, in den interkonfessionellen Beziehungen das Trennende in den Hintergrund treten zn lasten und die einigen-, den Kräfte znsainnienwirken |u lasten für die Hebung des Volkswohtes. Auch aus dem Schluß der durch-

c. Zur dritten Beratung der Wertzuwachssteuer- Borlage ist zwischen den bürgerlichen Parteien ein Kompromiß vereinbart worden, das im wesent­lichen an die Beschlüsse der zweiten Lesung anknüpft. Von besonderer Wichtigkeit ist die Vereinbarung, daß der in der zweiten Lesung vollständig ausge­fallene Abs. 2 des 8 20 durch eine Bestimmung er­setzt werden soll, wonach für allen vor dem Jahre ]900 erworbenen Grundbesitz bis zum 1. Januar 1911 eine Anrechnung von l1I* 0 o zulässig ist, wäh­rend im übrigen der Satz von 1 °/0 in Anrechnung gebracht wird. Außerdem sieht der Kompromiß, anlrag auch eine Milderung zugunsten der Festnngs- ftäste vor. Wie erwartet werden darf, wird die Reg'erung dem Kompromiß zustimmen. Das Gesetz darf damit als ge chert angesehen werden. Es sind Verhandlungen im Gange, die Diskussion in der dritten Lesung möglichst einzuschränken, sodaß diese vielleicht an einem Tage erledigt werden kann.

** Der vertrauenslose Baffermann. In Duisburg sprach am Sonntag der nakionalllbe- rale Führer Baffermann in einer großen Partei- Beriammlung. Er meinte, die Regierung habe unter den gegenwärtigen Umständen keinen An­spruch aus da- Vertrauen, dessen sie so sehr be­dürfe. Der Rus zur Sammlung sei zu spät ge­kommen nnd finde rm Volke kein Echo. Bei den kommenden Reichstagswahlen gelte b er Kampf in erster Linie dem Zentrum und der Sozialdemokratie. — Etwas Neues hat Herr Bastermann da uit nicht gesagt.

** In dem Befinden des erkrankten Abg. Paul Singer ist eine Verschlimmerung einge« treten, sodaß man stündlich die Auflösung erwartet. Der Kranke hatte einen schweren Anfall von Herz-

gegenzukommeu. Die

Gemeinde Hainzelt

bemüht sich schon seit Jahren, derartige Waldparzellen zu erwerben und ohne jeden weiteren Nutzen i» Te-l- parzellen an die Arbeiter weilerzugeben. Bel der Regierung in Saffet hat sie ein sehr germges Entgegen­kommen gefunden, wohl aber ist man ihr bei der Zentralinstauz. wie ich dankbar anerkenne, wohlwollend begegnet. Der Minister hat im verflossenen Sommer einen seiner Kommissare in die dorlige Gegend gesandt, um die Waldpamellen zu besichtigen und mit der Gemeinde zu verhandeln. Seit dreier Zert ist aber nrchts mehr über den Fortgang der Angelegenheit ge­hört worden, und man ist oeshatb in den beledigten Kreisen sehr beunruhigt und fürchtet, es möchte die Sache doch noch schließlich scheitern. Ich wurde der Königl. Staatsregierung dankbar fern, wenn ne in der Lage' wäre, mir Auskunft darüber z>» geben mb »w j einen Fortgang der Sache in Aussicht zu stellen. (Beifall..

Landforstmetfler V«y erwiderte, die Besichugung der für Hainzell in Betracht kommenden Parzelle sei im Sommer vorigen Jahres erfolgt, das Angebot der Gemeinde Hainzell sei vom Herrn Minister angenommen und die Akten seien nut der ministeriellen Genehmigung an die Regierung m Kassel weitergegeben. . .. .

Die allgemeine Besprechung wird geschlossen und der Forftetat nach unwesentlicher Debatte erledigt. Das Haus vertagt sich sodann aus Dienstag: Domanen- etat, Gestütsetat, kleinere Vorlagen.

» Klingende Silberlinge. Die Kulturkämpfer zsiegeu sonst jedem Kaplan die paar hundert Mark zu mißgönnen; urplötzlich aber vergießt der Liberalis­mus Tränen des Mitleids über das Elend katholischer Geistlicher und sammelt sogar — es ist wirklich so:, er sammelt — Gaben zur Linderung des Elends. Liberale Blätter bringen auS Berlin hocherfreut di« Reibung, daß «zur Unterstützung der Opfer hes Antt- modernisteneideS" aus ganz Deutschland bisher 60 000 Mark eingelaufen feien. Auch aus dem AuS- lande träfen »fortgesetzt Geldspenden ein". Der libe- rale Fränkische Kurier brachte dieser Tage folgende» Inserat, das gleichfalls die Stunde durch die Kultur- Iffmpfpreffe macht: ~ ,

„Akademisch gebildeter Geisttrcher, 40 Jahrs alt, durchaus gesund, der den «ntimodernisteneid nicht ge­leistet hat, sucht entsprechende Stelle to tin-m Bureau gegen mäßiges Honorar. Offerte unter „W. Z. 582" an die Expedition des Blattes erbeten."

Melleicht existiert der Geistliche, der dieses Inserat aufgegeben hat, vielleicht auch nicht. ES scheint eher nur dem Zwecke der Sttnummgmache zu dienen: »Geisfliche, fallet ab, wir habm für euch bereits 60 000 Mack gesammelt, weitere Spenden laufen fort- gesetzt ein: ihr werdet in Geld schwimmen, wenn ihr der Kirche dm Rückm kehret." — Das ist der Hand- greifliche Sinn der ganzm Mache. Der »Hohe Rat klirrt mit den gesammelten Silberlingen und wartet auf Subaffe. Mit so schäbigen Mitteln wirb gegen die Kirche gekämpft.

4- Die Alldeutsche« habm am Samstag in Ber­lin eine Sitzung abgehaltm, in welcher Entschließun­gen gegen die reichsländifche Verfassungsre­form und für die Anwendung des Entei»- nungSgesetzeS gegen die Polen angenommen tourben. Da es nicht unsere Absicht ist, die Herren in den Verdacht eines größeren politischen Einflüsse» als sie ihn wirklich besitzm, zu bringen, so halten wir es für das beste, über dir vollständig überflüssigen Kundgebungm zur Tag es ordnu,ng überzu­

letzten Papftbrief mit großer Sorgfalt enthaften hat. Er erklärte:

„Wenn es tot vergangenen Jahr» noch einmal glücklich gelungen ist, den Sturm in unserem Bat«, aude za beschwichtigen und die guten Beziehungen zwischen dem hl. Stuhl und meiner Regierung zu er­halten, so fit das dem hohen Sinn be» Papste» und der starken Hand des Kaisers zuzuschreiben;beide mächtige Herrscher haben es verstanden, sich to ihrem Vorgehen Schranken aufzuerlegen und da­durch ihrem Vaterlande das kostbare Gut de» konsessionellen Friedens zu erhalten."

Es liegt, wie man wohl nicht abstreiten kann, System in den tendenziös entstellten und unwahren Berichten. Di- Kalkulation ist ja verständlich: der erste schlechte Eindruck bleibt immer haften, und die päieren Mitteilungen, die ja niemals eme offene Richtigstellung enthalten, werden von dm Lesern immer noch im Lichte der ersten falschen Meldung betrachtet. So wird systematisch die Verfälschung der öffentlichen Meinung zu Ungunsten der katholischen Kirche durch die Verbreitung unrichtiger oder mtstellter Meldungen betriebm.

Von der liberalen Presse sind wir derartige Manöver gewöhnt, sie überraschen w.s nicht mehr und wir wissm von vornherein, daß wir ihre Mel­dungen über kalholifch-kirchlicheAnoelegmheiten mit schärfstem Mißtrauen auszunehmen haben. Das offiziöse Wölfische Telegraphen Bureau aber wird nicht daran vorbei kommen zu erklären, wie es dazu gekommen ist, über eine bedeutsame Ansprache eines Regierungsvertreters «inen derart tendenziös zugejpitzten Auszug zu verbreiten.

zur Beschaffung von Jnsthäusern eingestellt find, um Waldarbeiter und Holzhauer to den Gegenden wieder ansäsfig zu machen und ihnen einen dauernden Stamm von ständigen Arbeitern zu hüben, wo das nötig ist. Meine politischen Freunde werdm diesem Titel und ebenso dem Titel 4, der dem gleichen Ziele zuslrebt, gern zustimmen, weil wir jede Maßnahme freudig begrüßen, die die Möglichkeit gewährt, die Arbeiter dauemd in der Heimat zu beschäftigen und sie dauernd ihrer Familie zu erhalten. Ich möchte die Gelegenheit aber nicht vorübergehen lassen, ohne die Kal. Staatsregierimg darauf aufmerksam zu machen, daß sich in manche« Gegenden noch eine andere Mog- liebfeit der Seßhaftrnachung von Arbeitern bietet, so namentlito im Regierungsbezirk Staffel Aus diesem Bezirk, besonders aus dem westlichen Teile meines Wahlkreises, müssen alljährlich wegen Mangel an ständiger und lohnender Beschäftigung viele Hunderte von Arbeitern als Maurer und Hand­langer nach Rheinland und Westfalen gehen, und sind so saft während des ganzen Jahres der Heimat und der Familie fern. Dies« Arbeiter besitzen meistens ein kleines Anwesen, das aber nicht ausreichend ist, Ihnen während des gmizen Jahres fortwährende und lohnende Beschäftigung zu gewähren. Sie würden gern

I in ihrer Heimat bleiben und als Wald- und Holz­arbeiter tätig feto, wenn ihnen die Möglichkeit gegeben

| würde, durch Ankauf von Laad ihr Anwesen io z« I vergröbern, daß sie auf ihm to demjenigen Teile des Jahres, in dem die Arbeiten tot Waloe von geringem Umfange sind, Beschäftigung und genügens Unter halt haben würden. In einer Reihe von Ortschaften meines Wahlkreises ist von der Gemeinde deshalb schon eine Bewegung eingebettet, die daraus absielt, vom For'i< fiskus Waldparzellen, die ohne Schaden sur das Revier abgezweigt werden können, und die sich zur dauernden landwirtschaftlichen Nutzung eignen, zu er­werben, zu parzellieren und die Teilparzellen den Arbeitern zu überlassen Ich möchte an die Königl. Staatsregierung die Bitte richten, den Ge­meinden nach dieser Richtung hin mit Wohlwollen ent«

veuLsches Reich.

*, Berlin, 31. Jan. 1911. Der Kaiser nahm im Schlosse den Vortrag des Chefs des Zivil- kabinetts v. Valentini entgegen, und empfing als­dann den Reichskanzler v. Bethmann-Hollweg. — Die deutsche Kronprinzessin ist von ihrem. Aufenthalt in Aegyptens Hauptstadt Kairo so be­friedigt, daß sie sich entschloflen hat, noch eine Woche dort zu verweilen und dafür den Besuch Siziliens aufzugeben. — Admiral Truppei, der Gouverneur von Kiautschou, wird nach Btättermeldungen demnächst feinen Abschied er­bitten.

Wrtafe Sonntagyettung"

Di^RcVe des Herr« -.Mühlberg, des preußischen Gesandten beim Vatikan, aus An­laß der Kaisergeburtstagsseier in Rom ist geradezu tendenziös umgestaftet worden.

Berliner Blätter hatten die Rede bekamrtltch in einer Fassung wiedergegeben, wonach Herr v. Mühlberg von einer Vergewaltigung der 45 Millionen deutscher Protestanten durch die katholische Minderheit gesprochen und dm Vatikan vor einer Wiederholung von Verstößen nach Art der Borro- mäus-Enzykltka bringenb gewarnt haben sollte. Beträchtlich ruhiger als diese von vornherein un- wahrscheinliche Fassung lautete schon der Auszug, den das offiziöse Wolffsche Telegraphen-Bureau verbreitete, aber auch dort enthielt die Rede eine Stelle, nach der Herr v. Mühlberg betont Haden sollte, der konsesfionelle Friede in Deutschland so­wie die Beziehungen seiner Regierung zum Vatikan schienen bedroht zu fein. Auch diese Fassung ist falsch.

Die Mln. VolkSztg/ veröfientlrcht die Rede im Wortlaut. Danach enthält die Stelle, die man hätte politisch ausbeuten können, nur einen i historischen Rückblick auf die Ereignisse des Der« j gangenen Jahres, sie lautet:

Als ich im vergangenen Jahre die Ehre hatte. Sie bei biet« Gelegenheit hi« zu begiüßen, lebte ich in l bet frohen Hoffnung und Zuversicht, daß wir im kommenden Jahre ruhige und friedliche Tage für den konfessionellen Frieden in Deutschland erwarten dürsten. Diese Hoffnung unv Zuversicht hat sich nicht ersüllt. Die guten Be­ziehungen zwischen meiner Regierung und dem Vatikan haben im verflossenen Jahre eine Belastungsprobe ausha11en müssen, wie sie so stark in den letzten zwei Dezen­nien nicht eingetreten war.

Nachdem her Redner dann über di« Schwierig- fett, die Serie ein« fremden Nation, insbesondere des so komplizittt zusammengesetzten deutschen Volkes zu verstehe», gesprochen hatte, bebauerte er, daß man to gewissen Kreisen und in einer geroiffen Presse immer mied« die Behauptung hören muß, daß die katholisch, Religion in unserm Bater- lanbe verfolgt seh daß bie Katholiken sich noch ihren Platz an der Sonne erobern müssen. W« uns« Vaterland kennt und mit der Regierung wie mit b« Person unsere» Kaisers in näherer Beziehung gestanden bat, wirb darüber bald eines Bessern belehrt worden

Ausnahme tat $•«= mndZeierlas« viertel- »hrNchtrVn»yrprrir ^hne Sringerlohn mnb IVesttSgelbinzulöasö' kvie auswärts 1-50 Bit.

Ver,nt».1tebatt«urt

Gipfeln ist Ruh.

* Zum Ausstand in der Südsee. Bei dem Auf- stand in Ponape im Herbst vorigen Jahres, bet dem bekannüich vier deutsche Beamtm und 5 Eingeborene ermordet wurden, hat e» sich dem jetzt eingetroffenm amtlichen Bericht zufolge nur um eine Revolte einer geringen ZaU von 6ingeborenen gehandelt, die mit ber Bestrafung eines widerspenstigen Kameraden nicht einverstandm warm. D« größte Teil der Ein­wohner hat jede Gemeinschaft mit den 200 Auf­rührern abgelehnt, die ihre gerechte Strafe erhaltm habm. Die Ruhe auf Ponape ist seitdem unge­stört geblieben. Die Ausrührer hatten mit groß« Grausamkeit ihre Opf« niedergemacht. Die vor ber Uebermacht Weichenden mürben bis an ihr« Boote verfolgt unb hn Wasser stehend iiiedergeschla- gen. Man sand die Leichm der Ermordeten später tu der See treibend. .

= Weimar, 30. Jan. 1911. Heute mittag wurde die zweite Tagung d-S 32. w ei m a r i s ch e n L a n d- tage» eröffnet Bon den Regierungsvorlagen sind der StaatSv«trag mit dem Herzogtum sachsmAl- ten&urg und dem Fürstentum Schwarzburg bezüglich Errichtung eine» gemeinschaftlichen Oberverwattungs- aerichtS sowie daS Gesetz üb« bie Bekämpfung über­tragbarer Krankheiten bie bedeutendsten Vorlagen. Besondere» Jntereffe beansprucht die Regierungsvor­lage bett, bie Neugestaltung ber Gehälter ber evange­lischen unb katholischen Geistlichen beS Großher- zogtum». D« Sanbtag wirb zirka fünf Wochen zu­sammen bleiben.

♦ Köln, 30. Jan. 1911. Während in Düsseldorf seitens ber Stadt die weltliche Pflege in den Krankenhäusern eingeführt wurde, hält man in Köln an der Pflege durch bie Ordensschwestern fest.

erfolge.

Abg. Brust zZmtr.): Bei Holzverkaufs- annoncen feilte die totale Presse mehr berücksichtigt werdm. , • . .....|

Abg. Weißermcl (Ions.) verteidigt die Jagdpolltik ber Forstverwaltung.

Abg. Busch (3tr.); Ick) wundere »ich, daß her Herr Minister nicht zwilchm christlichen und fozial- demokratische« Organisationen unterjchiedm hat. Ich möchte ferner den Wim Ich aussprechen, daß die An­zeigen über staatliche Holzverkänfe auch den totalen Blättern übergehen werden.

Landwulfchaftsninust« Frbr. 6. Schorlemer er­widert, daß er frte Organisation bet Forstarbeuer über­haupt für üderfiuffig halte, daß er aver von d« Ver- toeubung in den Forsten nut fozialdemokialifch orga- Misierte Arbeiter ausschließe. Die Anzeigen über Holz- verkaufe würden denjenigen Zettungen übergeben, die sich dafür am besten eigneten.

Abg. Ströbel (Soz.l: Den Zentrumsredner hätte 'ber politische Anstand schon oeran taffen sotten, in der Behandlung her Arbeiterorganisationen lerne Unter­scheidung zu forbetn.

Abg. Busch (Ztr.) lehnt es entschieden ab, von Herrn Ströbel Mehren üb« politischen Anstand ent« gegenzunehmen. Die Regi«»ng habe das Recht, des Wortes eingedenk zu handeln: Nur die bümmltro Kälber wählen ihre Metzger selber.

Abg. Fteuft« (3tr.) M'-cht über die Kaninchen- plage. Man sollte die Kaninchen zum jagbaren Ti« «klären.

i Oberlandsorstmeister Wesen«: Die Bekämpfung :der Kaninchen geichieht am besten durch Frettchen. 'Auch das Wiesel geht dem Kaninchen zu Leibe. Wir bringen ber Bekämpfung der Kanmchenplage große Sttufmettfamteit entgegen.

Abg. Rhiel (Str.):

Wie im landwirtschaftlichen Betrieb, so macht stch -auch tot forstwirtfchaitlicheii, besonders im staatlichen, bie Landflucht der Arbeiter to recht unange-

Abgevrdneinklmus.

Sitzung vom 30. Januar 1911.

In der zweiten B«atung des Forftetois sorderi Abg. Ströbel iSoz., daß d« Forftstsius bei seinen Verkäufen mehr Rücksicht aus die Secüvntffe der großen Städte nach Lust und Erholmigsmöglichkett nehme. ] Die staatlichen Jagden müssen l eipachiet werben und die g-orft arbeitet, deren Lage lehr veibessetungs- bebutftig ist, muffen das Koalmonsrecht «ballen.

D:e Abg. Müller-Prüm (ffentr.) und Geißler (Zenit.) klagen über Wildschäden in ihren Wahltieuen.

Landwirtschastsmmift« Jrhr. v. Schorlemer-Lies«: Auf die Etholungsbedürstigleit der giopnävuichen Be- völterung nehmen wir alle Rücksicht, und wir haben ja gerade aus diesem Gründe den Zweckveibands- enIw-utf jür Berlin euSgearbeüeL Die WaIdatb etter flehen sich gar nicht jo schlecht, haben eine Arbeitszeit von durchschnittlich 9 Stunden und einen Tagelohn, der hinter dem ortsüblichen durchaus nicht zuruckbleibt. Sie siud denn auch mit ihrer Lage durchaus zulrieden und ein Bedürfnis, sie zu erganifieten, liegt nicht vor. Insbesondere würde die Fotstvetwallung sopaldemo- Iraiisch orgamsiene Arbeit« nicht weiter beschästigen können. (Beisall.) Was de Klagen über Wild- schäü en angehe, so find diele Schäden in oen letzten Jahren bedeutend ganiefgegangen, und das ffi auch der Forstvnwaltung zu verdauten, die den Uebetfluß ait Wild abschießen lasse.

Abg. Frhr. v. Maltzah« >kons.) spricht sich ent­schieden gegen dir Dtgantialion d« Waldarbeiter aus die nur zu politischen, nicht zn wirtschaftlichen Zwecken

Deutscher Reichstag.

Sitzung vom 80. Januar 1911.

; Auf d« Tagesordnung steht zunächst die erste 'Beratung des Gesetzeniwutss betr. die bei cmem »bersten Landesgericht einzulegende Revifion m bürget« llchen Rechtssttettigkeiten. .

l Die Vorlage bestimmt, daß Rechtsstreffigkeiten, die pem Reichsrecht angehören, beim Reichsgencht;.solche, die dem Landesrecht angehören, beim oherNen Landes« Bericht revisibel sein sollen. Bel geteilter Zuständigkeit |ebt das Reichsrecht vor, falls nicht die teichsgesetz« (»eben Normen nur ganz nebensächlich neben dm iandesgesetzlichm in Betracht tommen.

® Nach lurz« Debatte wird d« Gesetzentwurf m 1. $mb 2. Lesung angenommen.

r ES folgen Petitionen, die zumeist nach den Vor- schlägen ber Kommission erledigt werde».

l 26 Petiltonen bett. Maßnahmen jur Linderung der Fleischnot werden nachKommisstonsantiag dem Reichskanzler als Material überwlesm. - ES folgt die Pelition betr. Verunreinigung deS Marnes durch Sabritabroäffer. Die Kommpfion schlagt lledet- weisuna als Material vor. Nachoem mehrere Ab- 'ceorbnete aus die Nolwendigleit hmgewiesen habm, fn Offenbach ausreichende Kläranlagen z« schaffen. K Ülbg. v. Richthosen aus, daß das tn Aussicht

ide preußische Wassetgefetz Abh'Ise bringe» durfte. Das HauS beschließt im Sinne der Kommission. — Eine Reche von Petitionen fordern

Aenderung deS Jmpsgesetzes.

Die Kommission beantragt, über all' diese Pe­titionen zur Tagesordnung überzugehen; demgegmnver beantragen die Abgg. Dr. Faßbender lZtr.) und Tr. Pfeiffer (Ztr.), 1. die Petitionen auf Beseitigung des JmpszwangeS als Material zu Überwegen, 2. den Reichskanzler zu ersuchen, eine Vorlage ju machen, die die Geivissensklausel enihalre (Berücksichtigung einer von Ettern vor der Behörde abgegebenen Erklärung gegen das Impfen der Kinder), oder 3. eine Kom­mission zur Untersuchung der Frage« ewzusetzen. Letzteres beantragt auch Abg. Erzberg« (Ztr.). Abg. Damm (wntsch. Vgg.) will bie Petitionen um Eni- schädigung an durch Impfung Geschädigte zur B.ruck- fichtigung übeiweijen. Aehnliche Tendenzen haben sozialdemokratische und freisinnige Anlräge. .

Abg. Dr. Pfeiff« lZlr.) begründet seinen und des Abg. Dr. Faßbender Anlrag. _

Abg. Dr. Arntog (ntlb.) tritt für die volle Au;- rechtnhaltung des Impfzwanges ein.

Darauf wird ein Veitagungsantrag angenommen.

Morgen: Dritte Lesung des Wertzuwachs- st euerg es etzes.

gehm. „ , .

* Das Feuerzeug in Frankreich. Uever das liebevolle Jntereffe der französischen Zollbehörden für die nach Frankreich eingeführlen Feuerzeug« schreibt die ,Nordd. Allg. Zig.^:

Der französische Ftoanzminister hat über die Förm­lichkeiten, die ein Privatmann zu erfüllen hat. wenn « zu seinem persönlichen Gebrauch ein selbsttätige» Feuerzeug aus dem Ausland nach Frankreich ein- führt, folgendes bekannt gemacht: Wird das Feu«, zeug von einem Reffenden «togrführt, so muß er davon sogleich den Grenzzollbeamten Mitteilung machen, Die ihm nach Bezahlung bei Zolls und der Steuer ein Stempelumband aushändigen. Dieses muß er alsbald nach feiner Ankunft am Reiseziel auf das Feuerzeug auf löten lassen. Wird eui Feuerzeug durch die Post oder ein and«es Besörd«ungsnnt«nehmen nach Frankreich eingeführt, so wird das Paket von der fran- Mjchen Zollbehörde an eine Tabakniederlage weit« gesandt, wo eS dem Empfänger ausgehändigt wird, sofern er gleichzeitig das Skempelumband kaust und auf das Feuerzeug auflöten laßt. Die genaue Beod. achtung vorstehender Bekanntmachung ist zur Vermei­dung von Unannehmlichkeiten und Strafe jedem Reisenden, der im Besitz eines Feuerzeuges der in Red« stehenden Art ist, dringend anziiraten.

* lieber allen Gipfeln ist Ruh Unter d'es« Spitzmarke schreibt die ,Sächl. Voltsztg/ (Nr. 21): Unscheinbar und hübsch versteckt unt« allerhand Kleinigkeiten, brachten die ,Leipz. Reuest. Rachr.' (Rr. 22) folgende Meldung:

Ein Lehrer, der aus der Landeskirche auktritt. Man schreibt uns aus Schönebeck a. d. Elbe: Aufsehen erregt in unserer Gegend die Angelegenheit des Lehrers Schabon in Plötzky. ISchabon hatte dem Gerichte seinen Austritt au8 der Landeskirche angezeigt uns der Königlichen Regierung davon Mitteilung ge­macht. Man ««suchte, ihn zur Zurücknahme seiner Erklärung zu bewegen, als das sruchtloS blieb, wurde er aus dem Schuldienste entlassen.

Punkt, Schluß! — Die liberale Presse, wie st« leibt und lebt! Keine Klage, nicht die Spur ein« Antlage! — Wie aber, schreibt die ,Sächs. Volksztg/ weiter, wenn des H«tn Schabon vorgesetzte Be« ffötöe — katholisch wäre? — Sapperlot 1 Dann wäre die liberale Press« Hans Dampf in allen Gaffen. Proleflartikel, Leitartikel, scharf, fern, pikant, gepfeffert st la Limann. Herr Lehrer Schabon heut«, morgen, übermorgen nochmals, wiederum, immer noch! Herr Schabon, der Kämpfer, Streite^ Dulder, Märtyrer! Reaktion, Geistestyrannei, Knechtschaft, Sllavnei! So aber —: Ueber allen

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