Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image
 

JV6 24.

Montag »en 50. Januar Wb

58 laoraang.

• Tuldacr W Zeitung •

2. Blatt.

»red und vei Fuldaer actienbrudere in »nlba.

4. Ser Entwurf der Privatbeamten- Vorlage

ift nun auch im Buchhandel erschienen und zwar mit Begründung. Diese bietet zunächst ein Bild her geschichtlichen Entwicklung der behandelten Frage, welche bis zum Jahre 1891 zurückgeht. Der Januar 1892 brachte die Frage der Prioatangestellten-Bersiche- rung zuerst vor den Reichstag. Nachdem am 13. Ja­nuar der konserval've Abg. Hahn für den Teil der Angestellten, der für Aktiengesellschaften arbeitet, wirk­lich gesicherte Pensionsbezüge gefordert hatte, lenkte nm 31. Januar der Abg. Sittart die t-lufmerksam- feit auf den gesamten Privatbeamten­stand und wünschte, daß man sich ernstlich mit der Fürsorge für ihn befasse, und am 14. Februar 1903 sprach er die Hojfnung aus, daß recht bald nebm der Versicherung der Arbeiter eine ntue Versicherung ent­stehen möge für die große Brvölkerungszahl, die hin- ter den Prioatbeamten stehe.

Dann folgten saft alljährlich Maßnahmen, die den Gedanken der Privatbeamtenfürsorge fördern sollten. Die Regierung veröffentlichte zweimal eine Denk­schrift, an welche die öffentliche Kritik energisch an­setzte. „Aber" — so sagt die Begründung — „gegen die Einführung der neuen Versicherung oder gegen die neue Belastung in der erwähnten Höhe" (8 Proz.) „haben sich, wie aus den dem Reichsamt des Innern zugegangenen Eingaben zu entnehmen ist, nur verhältnismäßig wenige Stim­men erhoben." Dann heißt es:

„Die veibünbeun Regierungen tonnen sich der Ueber' zeugung von der Nouvenvigteu und Durchführbarkeit einer AngefleUlenverircherung ntchl verichUeoen. Auch erscheint dte Regelung der Frage nur durch Einsüh- rung einer 4-stichtversicherrng möglich. In vielen Er- werbszwetgeit tft Die Au-ficht jur die Angestellten, jemals seidnändtg zu werden uno eine (StroerbeqneUe n dem eigenen Unternehmen zu begründen, das über die Zeil bet Ätbeilssahigleit hinaus den Unterhalt der Familie sichert, nur gering.'

Und weiter lesen wir in der Begründung die zu­treffenden Sätze:

„Wenn es sich, wie rm vorliegenden Falle, darum handelt, durch Befriedigung ihrer Inngiährigen Forde­rung die ÄngeueUlen beruisireudig zu erhallen, jo müssen auch die Bedenken gegen die durch die neue Versicherung emttetenoe weitere Belastung des ,d rutschen Getchäitsleben» zurücktreten. Den Angestellten, i. besondere den technischen und kauf- männischen Beamten, tu in gewtstem Sinne bie Füh­rung der deutschen Arbeitet anverttaut, und von ihrer Mitarbeit hängt vermöge ihrer Borbttdung und ihrer Fähigkeiten der terioig der produktiven Tätigkeit des veutschen Volkes, die gesamte demiche Vorkswirtschast wesentlich ab. Die Betretung von ihren Zukunfts­sorgen um das Wohl ihrer Familien erhält ihre Zufried enheit, sichert die freudige Entsetzung ihrer vollen Arbeitskraft und ihren nir Staat und Gesellschaft in wirtichastlicher uno potustchet Hinsicht gleich wichtigen Bestand.....Nach den vorstehenden

Ausführungen mu« oet gesetzlichen Regelung der Ange- pelltenoerstcherung alsbald Fortgang gegeben werden.'

Diese warmen Worte werden In den Kreisen der Mngestellten dankbaren Widerhall finden. ‘ Die Begründung erläutert dann die einzelnen Bestimmungen des Entwurfes.

't Ueber den Umfang der Versicherung spricht sich die Begründung wie folgt aus: „Die neue Fürsorge umfaßt alle männlichen und weiblichen An­gestellten, die gegen Entgelt im Jahresbetrage von Nicht mehr als 5000 Mark beschäftigt werden, das 16. Lebensjahr vollendet haben und vor vollendetem 60. Lebensjahr in eine versicherungspflichtige Be- Kgung eingetreten find, soweit sie nicht bereits

. »unfähig im Sinne des Entwurfs oder aus anderen Gründen zu befreien sind."

Für Personen mit Gehaltsbezügen von über 5000 Mark hält der Entwurf die Pflichtversicherung nicht mehr für gerechtfertigt. Die Bindung der Versiche­rungspflicht an eine untere Grenze des Einkommens vermeidet der Entwurf, zunächst im Interesse der An­gestellten, weil dadurch vermieden wird, daß Fälle ein- freten, in denen Gehaltszulagen int Interesse der Bei­trags ersparnts hinausgeschoben werden. Dann wird ' vermieden, daß durch eine Verschiebung des Eintritts in die Versicherung allgemein die Verstcherungsdauer und somit auch der Anspruch auf die Leistungen ver­kürzt werden würde. Ruhegehalt und Hinterblie­benenrenten setzen sich nämlich aus einem Anfangs­betrag und aus StetgerungSsätzen zusammen und

diese richten sich nach der Zahl der fällig werdenden Beiträge. Auch wird durch solche Bestimmung des Entwurfs der enge Anschluß an die Bestimmungen des Jnvalidenversicherungsgesetzes erreicht, wodurch viele Schwierigkeiten in der Durchführung der Ange­stelltenversicherung vermieden werden. Dabei ist noch zu beachten, daß gerade die in suaendltchem Alter ge­zahlten Beiträge einen ungleich höheren versicherungs­technischen Wert haben, als die später gezahlten

Hinsichtlich der Erstreckung der Versiche­rungspflicht werden — wie bei der Jnvaliden- und Hinterbliebenenversicherung — dem Bundesrat besondere Befugnisse eingeräumt Derselbe kann dem­nach bie Versicherungspflicht auf einzelne weitere Personenkreise ausdehnen, für die ein besonderes drin­gendes Bedürfnis nach einer auf Zwang beruhenden Fürsorge vorliegt. Die Begründung erwähnt bei­spielsweise die Fleischbeschauer, wir fügen hinzu die Küster.

Fußend auf den Ergebnissen der Berufszählung vom 12. Juni 1907 berechnet die Begründung die Zahl der zu versichernden Personen auf 1429 235, eine Zahl, die sich inzwischen natürlich nach oben verschoben hat und durch etwa neu hinzutretende Per­sonenkreise noch weiter entsprechend erhöht werden würde.

Die freiwillige Versicherung in dem vom Hauptausschuß gewünschten Umfang begegnet in der Begründung ernsten Bedenken. Es w'rd die wohl nicht zu bestreitende Tatsache angenommen, daß sich Unverheiratete und auch kinderlose Personen, die ver­heiratet sind, wohl nur in wenigen Fällen freiwillig versichern werden, eine große Zahl ion freiwilligen Versicherern, die schlechte Risiken für die Versicherung darstellen, würden aber ein schweres Risiko für den Versicherungsträger als solchen und damit eventuell eine Schädigung der Versicherten darstellen. Dieselben Bedenken führen dahin, daß auch die frei­willige Fortsetzung der Versicherung nur unter ge­wissen Voraussetzungen zugelaffen wird.

Der Vorschlag von neun Gchaltsklassen bezweckt die Erleichterung und Vereinfachung der Durchfüh­rung der Versicherung. Die unteren Klaffen decken sich mit den Lohrcklossm der Invalidenversicherung, was sich zur Vermeidung von mancherlei Zweifeln und Streitigkeiten empflehlt. Von einer Versicherung in einer höheren Gehaltsklaffe siebt der Entwurf ebenfalls ab. weil auch dadurch das Risiko zum Scha­den der Allgemeinheit der Versicherten leicht ver­schoben werden kann.

Der Gegenstand der Versicherung ist für den Fall der Berufsunfähigkeit oder der Vollendung des 65. Lebensjahres ein Ruhegeld und für den Todesfall die Versorgung ihrer Hinterbliebenen durch Renten. . Raturgemäß gestaltet sich die Belastung aus der Ver­sicherung weiblicher Personen beträchtlich geringer als die Belastung aus der Versicherung männlicher Personen weil die Witwenbezüge und in den meisten Fällen auch die Waisenbezüge Wegfällen. Da aber die verschiedene Bemessung der. Beiträge für männ­liche und für weibliche Personen vermieden werden soll, weil sie zu einer bedenklichen Verschiebung des Arbeitsmarktes zum Nachteil der männlichen Ver­sicherten führen würde, siebt der Entwurf als Entgelt für die an und für sich zu hohen Beiträge, welche von den weiblichen Versicherten erhoben werden, beson­dere Leistungen an diese bet, und zwar ein früheres Eintreten des Rechtsanspruches auf Ruhe­geld bezw ein Sterbegeld. Endlich sieht der Ent­wurf als Mehrleistungen für weibliche Versicherte die Renten für die Dauer der Bedürftigkeit an Hinter­bliebene weiblicher Versicherten vor. Darin wird ein Ausgleich gefunden für die BeitranSunterschiede aus der geringeren Belastung für die Versicherung. Der von weiblicher Seite gewünschten Gewährung von Aszendentenrenten steht die Begründung ablehnend gegenüber, weil sich die Tragweite zurzeit nicht üb-c- sehen läßt. Reben dirsen Leistungen wird für alle Versicherten eine ausreichende Heilbehand. lung in Krankheitsfällen (§ 35 ff.), ähn­lich wie die des Jnvalidenversicherunasgesetzes, zur Abwehr frühzeitigen Eintritts der Berufsunfähigkeit vorgesehen.

Deutsches Keich-

* Etwas für Dr Müllet - Meiningen. In der Wochenbettage des freisinn gen .Berliner Tageblatts/

„Haus, Hof und Garten" findet sich im Inseraten» tetie der jüngsten Zett folgendes Jnierat:

„Wahriager gibt Damen uns Herren scbristltcht iluitldrung übet Vergangen leit, Gegenwart uno ftu- funft, Charak.er, Eheüben, jimder, Prozesse, Lotterte» iptel rc. . . .

Das freisinnige Blatt kann sich bekanntlich nich! genuglun tm Sckumpien und Höhnen über den Aberglauben der kawo uchcn Kirche. Wir möchten heule dem *bg. i>tuUer»i)lemingen, Der das genannte liberale Blatt darin getreulich unterstützt, den Rat geben, dte katholuchen Gebetbücher künftig tn Ruhe zu lassen. Datüt sich aber um den Anzeigenteil temet eigenen Presse zu kümmern Dort hat er ein aus­giebigeres Felo, unv jpeziell tm ,Berl. Tageblatt" kamt er reiche Ausbeute machen.

(♦) Sozialdemokratie und Schule. Der „Vor­wärts" (Nr. 21) denunziert eine Berliner Gemeinde- schule und den dort wirkenden Gesanglehrer bei der städtischen Schuldeputation, well tn jener Schule ein Kaisergeburtstagslied eingeübt worden ist, in dem es heißt:

Mag der innre Freund auch Dräuen, Mag der Rolle Hiß und Hohn Schmähen uns Die Königslreue, Fest steh'n wir zu Wilhelms Thron.

Das sozialdemokratische Blatt empfindet den Ausdruck Rotte als beleidigend für die Sozialdemo­kraten. Den Arbeiterkindern werde zugemutet, die eigenen Eltern zu beschimpfen. ES könne nicht feh­len, daß die (5Item mit ihren Kindern über die ihnen durch Singen dieser Strophe gemachteZumutung spre­chen. Dadurch werde die Autorität der Schule und der Lehrer nicht gefördert werden. Die „Kreuzztg." tritt dieser Heuchelei scharf entgegen:

Wie zarl betauet doch Die Sozialdemokratie sich stellt, wenn sie Andirsdenkende denunziert! Eine Ge- lellichafl, die nicht nur Die Gegner gewohnheitkinäbig belchimpst, sondern in . Deren eigenen Reihen die größten Schimpf worte herüb r und hinüber­stiegen, tollte doch ntchl Io empftn»sam fein, wenn gegen sie der Ausdruck Rolle fallt. Wir glauben auch tar nicht, da- Dieter Ausdruck es ift. Der in Der Sozialdemokratie ein io itarkes Mißfallen beroorgeruten Hal. Das war wohl nur Der AnSdmck Der Königs» treue, den freilich die foziaidemotrawchen Eltern aus der Schule verbannt jeden tnöd ten. Was Die fvzial- demoktatilche Sorge um die Autorität Der Schule und der Lehrer betrifft, fo berührt sie eigentümlich. Denn man wew ja. daß Die Hauplsorge Der Sozial- oemotralte die tit, den Proletarierkindern, sowie sie aus den Schulen entlassen sind, bie Schulweisheit ausztt- treiben uno fetbit in Den noch schulpflichtigen Kindern Dem Einflusie und der Autorität Der Lehrer entgegen« zuarbeiten. So wirb Dte Tätigkeit Der Lehrer durch die Sozialdemokratie geradezu fy'iemalftch erschwert.

Amt Gelsa und Umgebung.

A Geisa, 28. Jan. 1911 . Ein Schwindler hat in den letzten Tagen unsere israelitischen Mitbürger zu brandschatzen versucht. Er gab vor, Glaubensgenosse und krank zu sein, was er durch Vorzeigen eines ärztlichen Ältestes zu beglaubigen wußte. Infolgedessen erhielt er reichliche Almosen. Auf ein; Anzeige hin wurde er verhaftet, wo er sich als stellenloser Kaufmann entpuppte, der weder Is­raelit noch krank war.

(:) Geisa, 28. Jan. 1911. Am Freitag wurde die Feier des Geburtstages des d eu tschen Kaisers in der hiesigen Lateinschule in gebühren­der Weise begangen. Die Festrede hielt der Direktor, Herr Prälat Hagemann. Er stellte den Kaiser als das Muster eines Fürsten hin und wies besonders auf die Worte des Kaisers in der Abtei Beuron hin. Am Nachmittag versammelten sich die Lateinschüler zum „Kaiserkaffee" im Gasthaus zum Adler.

* Buttlar, 27. Jan. 1911. Die fett Herbst hier wieder in Betrieb gesetzte Molkerei ist, wie die „Eisenacher Zeitung" schreibt, schon wieder e i n- gegangen. Dec Unternehmer, welcher sich vor etwa 4 Monaten per Auto hier einführte, ist, ohne Lebewohl zu sagen, verschwunden. Er hinterläßt eine Anzahl gefälschter Wechsel. Wahrscheinlich werden auch manche andere trauernden Hinterbliebenen dem Entschwundenen mit langen Gesichtern nachschauen. Molkereien sind in unserer Gegend aussichtslose Un­ternehmen. In den Dörfern des Geisaer Amtsbe­zirks herrscht nämlich durchweg andauernde Milchnot,

da dies viel wenige: al» Flxisch entbehrliche Nah­rungsmittel vielfach nicht für Geld und gute Worte zu haben ist. Alle Milch wird zur Aufzucht von Jung­vieh und Schweinen verwendet.

* Dermbach, 28. Jan. 1911. Der hiesige Schul- vorstand hält am kommenden Montag, den 30. Ja­nuar 1911, eine Sitzung ab. in welcher u. a. die Vergebung der Arbeiten zum Schulneubau stattfindeu wird. Bezirkstierarzt und Tierzucht-Inspektor Dr. Cornelius wird Dermbach verlassen, um den Po­sten des Bezirksarztes Krüger-Kroneck in Eisenach ver­tretungsweise zu übernehmen.

* Wölferbütt, 28. Jan. 1911. Tas seltene Fest der goldenen Hochzeit feierte hier gestern das Landwirt Geringsche Ehepaar.

Aus Gberheffen u. d. heff. Aemlern.

* Homberg, 29. Jan. 1911. Die letzthin hier ab- gehaltene Versammlung der Verwaltungsor­gane der Raiffeifenveceine unseres Krei­ses war zahlreich besucht. Es stand die Besprechung genossenschaftlicher, die Leitung der Vereine betreffen­der Fragen auf der Tagesordnung.

* Wabern, 29. Jan. 1911. Die U m b a u ar b e i- ten auf dem hiesigen Bahnhof schreiten rüstig vorwärts . Augenblicklich ist man damit beschäftigt, die Anschüttungsarbeiten für die große Wegeüberfüh- ntng auszuführen. Anstelle des Rweauüöer in unmittelbarer Nähe des Stationsgebäudes , v - c ße nach Homberg wird eine Wegeüberführung Heu gestellt. Die Erdbewegung, ungefähr 70 000 Kbmtr. Boden, ist der Eisenbahnbausirma Gries aus Heiligenstadt übertragen. Ueber die Zufuhrwege zum Uebergong ist man noch nicht einig zwischen Regierung und Ge­meinde. Erstere hielt den geraden Weg über den To­tenhof für am vorteilhaftesten, auch w rd Derselbe tu der Gemeinde für zweckmäßig gehalten, jedoch hat die Gemeindevertretung aus Pietätsgründen bisher die­sen Vorschlägen noch nicht zustimmen können.

* Fritzlar, 27. Jan. 1911. Der Unhold, der am Montag am Büraberg zwei Frauensperso­nen überfiel, ist gestern in Frankcnbcrg v er- haftet worden. Die Stelle am Fuße des Büra- berges, wo der Ueberfall stattfand, ist im Volksmuude als übelbeleumundeter Cd bekannt Das noch nie­drige Unterholz bietet im Sommer namentlich vielen. Strolchen und Zigeunern Unterschlupf. Ter letzte Ueberfall fand im Juli vorigen Jahres statt, wobei eine Frau aus Ungedanken von zwei Männern voll­ständig ausgeraubt wurde. — Ein hiesiger Gastwirt hatte eine Anzahl Leute zum Eiseinfahren ge­mietet und ging selbst, da die Zeit drängte, mit zu: Eder, um mit Hand anzulegen. Zur Frühstückszeit schickte er dann bie Leute in fein Gasthaus zum Früh­stücken, was natürlich in bester Welse besorgt wurde. Alz der Gastwirt dann mittags mal seinen Vorrat im Eiskeller ansehen wollte, war dieser noch leer. Die wackeren Arbeiter hatten das Eis einem anderen Gast­wirt in den Keller gefahren. — Einen für die Gläu­big« verhältnismäßig günftigen Abschluß fand das üb« den Nachlaß des Straßenwalzenbe­sitzers Horn hi« eingeleitete Konkursverfah­ren. Infolge günstig« Verwertung d« Dampf- Straßenwalzen war es trotz der nicht unerheblichen Masse- und Gerichtskosten möglich, den Gläubigem beinahe 59 Prozent ihres Guthabens auszuzahlen.

Märkte.

♦ Marburg, 28. Jan. 1911. Butter per P'd- 95—100 P'g., Hühnereier p. St. 10 Pfg. Hand' käse p. St. 12 Psg. Käschen p. St. 3 Pfg. Koch» käse p. Pfd. 44 Pfg. Käse matte p. St. 5 stftg. Endivien p. Pfd. 10 Pfg. Porree p. St. 5 P g Sellerie p. St. 10—15 Pfg. Radieschen p. Pak. 10 Pfg. Wirsing p. Kopf 15—00Pfg. Weißkraut p. Kopf 8—15 Pfo. Rotkraut p. Kops 15—30 P?p Blumenkohl St. 30—60 Pfg. Zwiebeln p. Pjd. 7 Pfg. Knoblauch p. Pfd. 40 Prg. Rettig y. St. 10—00 Pfg. Meerettig per Pak. 10-00 Pig. Möhren p. Pak. 10—00 Pfg. Hähne p. St. 1 20 bis 1.60 Mk. Hühner St. 1.00—1.50 Mk. Tauben p. St. 40-00 Pfg. Gänie p. Pfd. 60-70 Pfg. Enten p. St. 2.00- 3.00 Mk. Birnen p. Pfd. 20 bis 30 Pfg. Aepfel p. Pfd. 10—15 Pfg. Spinat p. Pfd. 20-00 Pfg.

Ein gefährlicher Geheimnis.

85] Roman in zwei Bänden von Charles Readr.

(Schluß statt Fortsetzung.)

Sie ließ sich oon ihm durch die Treibhäuser füh­ren und sich feine „Kinder" zeigen. „Tie einzigen Kinder, die ich jetzt noch habe", sagte er — und sie weigerte sich fortan nie wieder, den auf Irrwege ge­ratenen alten Wann zu besuchen. Sein Haus war ihr diele Jahre eine Heimat gewesen und er hatte, wenn auch zu spät, erkannt, wie lieb sie ihm war, so lieb, als ihm überhaupt seiner Natur nach ein Mensch sein konnte.

Percy Fitzroy besaß eine ältere Schwester, vor welcher « in Bezug auf Julia Clifford sein Herz ausschüttete. Sie unterwarf ihn einem scharfen Ber- , hör und sagte ihm dann, er sei sehr töricht, zu ver­zweifeln. Sie meinte, Julia werde schwerlich nach wm getragen haben, wenn sie entschlossen gewesen icf/ sich ,uc immer von ihm zu trennen.

»X)a6 es mich versuchen, eine Aussöhnung herbei- Bitfuhren", fache sie.

„£>, wie gern! " rief er. „Ich m—einesteils bin W—itz zu Ende."

?ie beiden machten ihren Plan. Miß Fitzroh ™ das Haus ihres Bruders und spielte _■ Elin. Sie lud andere junge Mädchen zu sich "tn»f.8 iene Schöne mit dem nußbraunen Haar, as.. „das dicke Ding" nannte, eine junge

rind"Füßen^E'chE" Formen und mit Beinen Händen ersten Ausritte, den Walt« mit Grace und v ua unternahm, begegneten sie der klein« Caval- aus Percy, fein« Schwester und dies« 'wthaarigen Venus bestand.

“nct) zog seinen Hut mit allen Zeichen d« Hoch- «öJittiiQ vor Julia und Grace, machte ab« kein« V«- lud), sie anzusprechen.

für ein hübsches Mdch«I" sagte Grace. «Meinst Du?" bemerkte Julia.

Du. findest es ja auch."

„Woraus schließest Du das?"

„Hättest Du sie sonst mit solchen Dolchblicken an­gesehen,"

»Sie wirst ihre Angeln nach dem kleinen Narren ausl"

»Sie wird hn ohne Deine Einwilligung schwerlich erobern."

Julia wurde nachdenklich.

Am nächst« Tage machte Walter Perch einen Be­such und spielte dm Verräter.

„Geb« Sie ein« Ball', riet er.

Und Miß Fitzroh und ihr Bruder gab« einen Ball. Percy, durch seine Schwester gehörig instruiert, schrieb an Julia, « befinde sich in der größten Ver­legenheit. Lüde « sie ein, so würde das bei der ge­ring« Meinung, die sie von ihm hegte, aussehen wke eine Anmaßung; überginge er sie, während « Walt« Clifford und Mrs. Clifford .Karten schickte, so würde das dm Anschein ein« Feindseligkeit haben und ginge auch gegen fein eigenes Gefühl.

Julia 8 Antwort lautete:

„Lieb« Mr. Fitzroh. Ich bin gar nicht eifer­süchtig, ab« ich tanze sehr gern und werde kommen.

Ihre aufrichtig ergebene

Julia Clifford."

Und fie kam, brachte ab« ihre Rache mit. Sie zeigte, was eine dunkle Schönheit mit einet Rose im Haar und strahlend int Glanze geschmackvoll« Dia­manten im hellen Kerzenlicht zu fein vermag.

Sie tanzte mit verschiedenen Tänzern und im Laufe des Abends auch mit Percy, gegen dm sie freundlich war, ab« nichts weiter.

Percy «bat sich die Erlaubnis, ihr am nächsten Tage seine Aufwartung machen zu dürfen.

Sie «teilte ihm dieselbe ziemlich kalt.

Perch wurde nun von sein« Schwester für dies« Besuch sorgfältig instruiert.

Das erste, war er tat, war, daß er in der uner­träglichsten Weise zu stottern begann.

„O, wenn ©te mir wett« nichts zu sagen ha­ben", unterbrach ihn Julia, „ich habe Ihnen attedei zu sagen. Erstens, wo ist mein Armband?"

„Hier!" gab Perch zur Antwort, indem « es schleunigst zum Vorschein brachte,

Julia lächelte.

„Und mein Halsband?"

„Hi«!"

„Meine Verlognes?"

„Hi«I"

„Und die Prob« Ihrer Orthographie, die Sie mir gegeben haben, das heißt Ihre Liebesbriefe?"

„Hier sind sie alle."

„Rein, fie sind nicht mehr dort, fie sind hier!" rief Julia, indem sie danach griff und alles hastig in ihre beiden Taschen steckte.

„Und dm Verlobungsring", sagte Perch jetzt mit strahlender Miene und zog denselben hervor; „bitte, den ve—ve—vergessen Sie nicht!"

Julia zauderte.

„Wenn ich dm wieder anstecke, muß es für im­mer fein", «widerte fie.

„Das soll es auch", sagte Perch.

„Lassen Sie mit einen Augenblick der Ueberte- gung". bat sie und nach ein« Pause fügte fie hinzu, was fie übrigens längst entschlossen war zu sag«: „Percy, Sie find ein Ehrenmann, und ich bin bereit, die Ihrige zu werd«, wenn Sie mit feierlich geloben wollen, daß Sie mit, bl» der Tod uns scheidet, mit Ihr« Liebe auch Glauben und Berkau« schenken wollen."

„Ich will Ihn« mit mein« Liebe auch Glaub« und Bettraum schenken", antwortete Percy mit feier­lichem Emst.

Im folgenden Monat fand ihre Heirat statt; et hielt Wort, gab ihr sein volles Betkauen und hatte niemals Grund, es zu bereuen.

* *

*

„John Baker."

„Sir."

„Nimm Dich mit tn acht, aller Bursche, sonst sehe ich e» noch komm«, daß Du meine Schwiegertochter lieb« hab« wirst all meinen So&n."

„Es wird alles nichts helfen, Herr Oberst, wird Ihn« selbst so geh«." Und nach kurz« Ueberle- gung erklärte der Alle, daß dies gar nicht zu vermei­den sei. „Denn, sehen Sie, He« Oberst", sagte «, „ein Mann ist ein Mann und ein Weib ist ein Weib. Es ist nicht zu «warten, daß Master Waltet Ihn« für jede Freundlichkeit, die Sie ihm erweis«, um den Hals fällt und Ihnen ein« Kuß gibt, oder daß et Ihnen, wenn Sie ausgehen wollen, jedes weiße Här­chen vom Rocke absucht, oder daß et Sie im Hause beständig so freundlich anblickt, wie es draußen die liebe Sonne tut. Und ebensowenig ist von Mr. Wal­ter zu erwarten, daß « jedesmal, wenn « mir auf bet Treppe begegnet, ein Lächeln haben sollte, das mit alten Menschen das Herz «wärmt und mir den An­blick der schönsten Zähne gewährt, die man nur sehen kann. Auch würde « mir, ivenn ich eine kleine Er­kältung ob« Kopfschmerzen habe, nicht jeden Augen­blick die Kammerjungf« schicken und frag« lass«, wie es mit geht, ob« mit Anweisung senden, was ich für mich tun soll, ob« mir androhrn, sckbst zu kommen, um mich zu pfleg«, wenn ich nicht schnell gesund würde.

„Du hast Recht", antwortete d« Oberst, „es ver­hält sich gewissermaßen so, wie Du sagst."

„Und weil es so ist, Sir, will ich Ihnen ein Ge­ständnis machen", «widerte John mit treuherziger Mime. „Schon neulich habe ich zu Mr. Walter ge­sagt: „(Sine schöne Geschichte, Sir. Sie kenne ich doch schon von Kindesbeinen an und habe Sie die ganze Zeit von Herzen lieb gehabt; Mrs. Walt« sst ab« erst seit einem halb« Jahre hi«, und doch kommt e» mir schon jetzt so vor, als ob sie mich dazu bring« würde, ihr noch mehr gut zu sein als Ihnen." — „Natürlich wird sie das tun", gab Mr. Walt« zur Antwort. „Ich habe fie ja auch lieb« als mich selbst; es ist also Deine Schuldigkeit, meinem Beispiel zu folgen, und tust Du da» nicht, fo werde I ich Dich umbringen.' 1

Somit war diese Frage gelöst.