38. Iahrqanq
Fulda, L-iontag sen 30. Januar 1011
Erstes Blatt
ji0 24.
der
wäre
M-rZ
fpeitigt Petit jeile ob« bereit Kam 15 pfg. Heflamenbiepetitjeite
Pf-., bei Wieber« i)Ölungen wirb enispr. Hobeti -ernährt.
Botetionsbrudunb vertag bet Luldcrer Al»
tienbraderet in Lulba
monatsteUage: .Lulda« G«schicht;b!ätter" Zemsprecher fit. 9.
Abg. Dr. Pachnicke (Bp.) fordert ein schnelleres Tempo in der inneren Kolonftation und bemängelt baS Uebergewicht des Großgrundbesitzes in den Kreis-
Abg. Frhr v. Zedlitz (frt) erklärt e§ für ein Märchen, daß Oer Großgrundbesitz in den Kreistagen all. geroaliig fei. Im gleichen Sinne äußert sich der Abg. Graf v. d. GrSden (tons.) , . ...
Landwirtfchaitsminifter Frhr. v. Schorlemer tritt den Behauptungen entgegen, daß die innere Kolonisation von der Regierung lässig betrieben werbe. Freilich fei auch em allzu übereiltes Borgehen nicht empfehlenswert. , _
Abg. Klocke (Ztr.) äußert sich in längeren Darlegungen über die Frage der inneren Kolonisation, zu der in erster titnie die Generalkommissionen berufen eien. Wie sich die Landgesellschaften bewähren würden, müsse die Entwicklung lehren. Daß sich die neuen Kolonisationsgründungen in erster Linie auf mittel« und tlembSuertiche Siedlungen erstrecken müsse, darüber sei man jetzt allgemein einig. Das bedeute ober nicht eine Verurteilung des Großgrundbesitzes an sich.
Abg. Graf Praschma (Ztr.) begründet einen non ihm eingebrachten Antrag auf schnellere Förderung schlesischer Flußregulierungen.
linterftaaisleiietär Michaelis erklärt, daß das in Frage stehende Pro,ekt gant in den Händen der Provinz Schlesien liege, und daß die Regierung sich nicht eininilchen könne.
Darauf siebt Abg. Graf Praschma seinen Antrag zurück. Der Etat wird bewilligt, ebenso ohne erhebliche Debatte der Etat der GüterverwaWrng.
Montag; Etats der Forsten und Domänen.
weifen damit, daß Eie nicht reif sind«, und erklärt, daß kein Grund zum Em,chreiten voriäge, da diese Worte sich mcht gegen die Mitglieder des Hauses richten. „
Staatssekretär Delbrück weist die Aeußerung beS Abg. v. Lieber mann bezüglich der schlechten Ber- pflegung der Truppen un Elsaß zurück und erhebt dann Eiulpruch gegen die Ausführungen des Abg. Pretß. Dieser erweist sich heute als ein Gegner der Borlage. Bor nicht langer Zeit war er es nicht. Der Redner spricht die lleberzeugung auS, daß d,e -Per. haudlungen tn der Kommission zu einem guten Ad- schlich führen roeroen.
Abg. Frhr. v. Hertlin, (Ztr.): Die Ausführungen des Abg. v. Liebermann entsprechen wenig dem Geist der Versöhnung, dem diese «erläge entspringt. (Sehr richtig 1) Auch die Ausführungen des Abg. Preiß bedauern wir, umsomehr, als sie aus eliäffUcbem Munde kamen. (Zustimmung.) Mein Fraktionsgenosse Bonder- scher hat bereits die Vorlage als eine brauchbare Grundlage zur Weiterarbeit bezeichnet. Ich möchte feinen Ausführungen vom R.ichsftandpunkte aus einiges hinzusügen. Das ist sicher, daß auch die Organe, die die deutsche Herrschaft im Lande durchzuführen hatten, nicht immer geeignet waren, das alte Vaterland den Elsäsiern besonders liebenswert zu machen. Roch schlimmer aber ist der häufige Systemwechsel gewesen. Falschen Verdächtigungen gegenüber muß ich seststellen, daß zu den Vertretern des geeinigten Deutschtums gerade die Zentrumsvertteter in hervorragendem Matze gehört haben. iZuftimmung im Zentrum.) Bei der Behandlung der uns hier beschäftigenben. Frage dürien wir uns nicht zu sehr von den jüngsten Vorkommnifien in Metz beeinflussen lassen. Man soll diese Dinge nicht übertreiben. Da waren Elemente beteiligt, die immer der Polizei gern ein Schnippchen schlagen, und die dann „Vive la France!" rufen, nicht aus Liebe zn Frankreich, sondern aus Aerger gegen cie Polizei. Die wenig schönen Worte des tlbg. Naumann beklagen wir auf das tiefste. (Best, rechts und im Zentr.) 'Ich weiß ja nicht, was er eigentlich will: ein zentralisiertes Kaiserreich oder eine ^«trainierte Republik. IHeiterkeit im Zentrum.) Wir aber danken dem Fürsten Bismarck, daß er das Reich jo gestaltet hat, wie er es getan hat. (Beif. und hört! hört!) So fassen wir den Reichsgedanken auf a 8 das unlösliche Band der wurzelsesten deutschen Einzelstaaten. Wir im Süden sehen am wenigsten im Reich nur Preußen und die umliegenden Ortschaften. (Heiterkeit.) Unser Ziel muß auch für Elsaß bleiben dte vollständige Eingliederung als gleich- berechtigter Faktor tn das Deutsche Reich mit einer im Lande selbst heimischen monarchischen Spitze. Wir geben einem eignen Monarchen, vor dem sich der Widerstreit der Meinungen beugt, den Vorzug vor einem lebenslänglichen Statthalter. Ich weiß allerdings, welche Schwierigkeiten sich der Durchführung dieses Gedankens entgegentürmen. Was das Wahlrecht anlangt, so sind wir prinzipiell für dte Einführung des Reichstagswahlrechis auch im Elsaß. Die Einschränkung, die die Regierung vorfchlägt, trifft ungefähr alle Parteien gleichmäßig, und wir werden an dieser Bestimmung die Vorlage nicht schettern lassen. Ueber die erste Kammer werde ich, als Angehöriger I einer ersten Kammer, nicht schlecht reden. (Heiterkeit.) Ich bin auch der Meinung, daß es recht war, bet konstitutionellen Verfassungen die erste Kammer immer als integrierenden Bestandteil zu betrachten. Die ersten Kammern sollen ein allzurapides Fortschreiten verhindern. (Zuruf Hemmschuh) Ein Hemmschuh ist im Gebirge auf abschüssiger Bahn ganz nützlich (Betf. und Heiteckett.) Für die Mitglieder der ersten Kammer sollten keine Entschädigungen gewährt werden, und, was wichtiger ist, die Ernennungsdauer von nur fünf Jahren ist viel zu kurz. Ich bin der Meinung, daß sie auf Lebenszeit festgesetzt werden mußte. Wenn man Ellaß-Lothringen nicht zum vollwertigen Bundesstaat machen will, so sollte man ihm aber wenigstens die vollwertige Vertretung im Bundesrat gewähren. Hoffen wir, daß das Werk zur Versöhnung süyren wird. (Lebh.
, Vizepräsident Dr. Spahn gittert nach beet Steno- . . jramin die Stelle der Rede, wo eS heißt: ,6te be» > müßten.
Preußischer Landtag Abgeordnetenhaus.
Sitzung vom 36. Januar 1911.
In der Fortsetzung der zweiten Beratung
Deutsch« Reich.
r Berlin, 80. Jan. 1911. Der Kaisers Bruder Pri«z Heinrich übernahm das Protektorat über die im Juni in Kiel stattfindende Flvgrooche, die mit dem Fernfluge Kiel-Hamburg-Berlm enden soll. — Der deutsche Kronprinz besuchte Freitag dte Ausstellung in Allahabad und reifte abends nach Benares ad. — Prinz Augu st Wil heIm von Preußen, der Referendar und Dr. jum, vierter Sohn des Kais«paareS, vollendete am Sonnlag da» 24. Lebensjahr. — Der Besitzer der .Vosstschen Ztg. Geheimrat Karl Robert Lessing ist <mt Samstag im Alter von 85 Jahren in Berlin gestorben.
er An Reichstage hat die zweite Beratung der elsaß-lothringischen Verfassung dte am Donnerstag schon erwartete Sensation gebracht: eine Rede des Reichskanzlers, der nachgerade ein seltener Gast im Wallotbau geworden ist. Herr v. Bethmann-Hollweg brachte zu dem Thema eigentlich nicht viel neue Gedanken bei, aber sein« Ausführungen berührten sympathisch, da sie den ehrlichen Wtüen «kenn« ließen, dem Reichslande Entgegenkommen zu beweisen. Wenn er dem AbH. Vonderfcheer die Anerkennung spendete, als Elfay- Lothringer würde er selber die gleiche Stellung eingenommen haben, so ist das von seinem Stand-
Ausnahme »et Se m« A j H W ▲.
mw Feiertage viertel- Bk ■ jMÄ Jim
MÄ Wil lOllPI sssss
-eranftv «töatimi W W
tat sdbütiei
M<i>«nb<u-e.:.^v«strlerteSo«ntagr;e»Mg'
Deutscher Reichstag.
Sitzung vom 28. Januar 1911.
Die Beratung der elsaß-lothringischen Bersaffung
iViti>3lbg.t02Stofler (kons.): bedauert, daß Elfaß-Lolh- ringen nickt von Anfang na Preußen ein»edetbt worben fei. Vor allem hätte man nicht den Dtttatuipara- graphen aufbeben fvllen. Dann wäre es möglich ge- wefen, antideutsche Zeitungen zu verbieten und zu i er- htndern, daß sranzösiiches Geld zur Gründung von
Präsident Gras Schwert,i ruft den Abg. Wetterte !iir Oidnunz. Abg. Winkler fortsahrendU erhebt zcchk- ieiibe Bedenken gegen eine erweiterte Seckuänbigkett der Reichslande, fordert vor allem daß dem Reichstage das JnterpeUationsrecht über Elsaß-Loihringen gewahrt, bas Wahlrecht zur zweiten Kammer verfassungvmäktg fefaeleat und seine Abänderung der Landesgesetzgebung entzogen werbe. (Beifall rechts.)
Reichskanzler b. Bethmann-Hollweg: Nach dem Verlaufe ber Debatte muß ich konstatieren, baß bte Stimmung gegenüber ber Verfaffungsfrage un Laufe ber Zeit ungünstiger geworben ist. In der Preße tu vielfach die Frage erörtert worben, ob es nicht am besten wäre, bte Retchslanbe j,u Preußen zu schlagen. Würbe man bas tun, so würde man nch dadurch nnt ber ganten Politik in Wider,pruch fetzen, die bisher gegenüber dem Reichslande beobachtet worden ist (Sehr richtig im Zentrum., Auch Bismarck ist ja von diesem Plane seinerzeft wieder abgekommen Gewiß liegen bte Verhältnisse in Elsaß-Lothringen sehr schwierig; aber ich meine, wir sollten da tu über« gehen, die politische. fulatreUe und wirtschaftliche Schwerkraft Deuttchlands zur Anziehungskraft für Elsaß-Lothringen machen. Dann ist aber auch der Wunsch nach einiger staatlichen Selbständigkeit erklärlich. Wenn aber der Wunsch nach staatlicher Selbständigkeit anerkannt worben ist, so hat bas lange Zögen, Mißmut hervorgerufen. Ich fetze mich entschieden für die Vorlage em. Bet den jüngsten Vorkommnissen in Metz und an andern Orten scheinen sich chauvinistische mit solchen Elementen verbunden zu haben, die sich überhaupt gegen den Staat als solchen auflehnen. Wir werden solche Bewegungen energisch unterdrücken. Aber man Darf doch nickt für solche Vorgänge die ganze Bevölkerung des Landes verantwortlich machen. Deshalb haben sie mich in meinet Polnik nicht wankend macken können. Mau erwartet nun von der Vorlage eine Stärkung des elsaß-lothringischen Paitikularismus; aber damit ist eine Stäi- fuug des Protestlertums keineswegs ohne weiteres ver- knüpft. Den Wunsch nach vollständiger Autonomie finde ich begreiflich, und ich würde ihn als ©bafc» Lothringer wahrscheinlich selbst verfechten (Hört, hört!) allerdings, diese Zwischenbemerkung möge rntt Herr Naumann schon gestatten, nickt auf republikanischer, sondern auf monarchischer Grundlage. (Heiterkeit.) Warnen muß ich aber vor der Alles- ober Nichts- Poki-rk. Ms Wahlrecht für Elsaß - Lotbringen kann nur das in Bett acht kommen, daß sich aus den Eigenheiten und bet bisherigen Entwicklung ergibt. Einen Widerspruch zwischen dem für Elfatz-Lothringen not« geschlagenen Wahlrecht und dem preußischen Wahlrecht zu fonftruielen, ist eine theoretische Spielerei. Preußen wird sich sein Wahlrechts nach eigenem Gutdünken so gestalten, daß es als Prästvial- madjt eine konstante ReickSpolitik sichren kann. Die Frage des elsaß-lothringischen Wahlrechts hat damit nichts zu tun. Bon der Forde,ung des Zwei- kumuiersystems werden die Derb. Regierungen nicht abathen. Die erste Sammer soll uns eine unter allen Umn finden deutsche Politik in den Reichslande,i gewährleisten. So hoffen wir von den Institutionen, die nur Ihnen Vorschlägen, daß sie bas politische Leben ber Reichslande neu auregen, zum Vorteile des Landes wie auch des deutschen Reiches. (Bravo,)
Aba. Glotzet (nati.) führt au5, daß der Staat und öffentlich-rechtliche Korporationen die Frage der inneren Kolonisation * die Hand nehmen muffen, und daß die sich auf demselben Felde betätigenden Privatgesellschaften mit der Zeit staatlichen «harakter annehmen
f Eine auWMge Rede
hat der preußische Gesandte beim hl. Stuhle Dr. v. Mühlberg gelegentlich der Feier des Ge- burtstages deS druischeu Kaisers im Rom gehalten. DaS offiziöse Wölfische Telegraphische Bureau ver- breitete davon gestern folgende Inhaltsangabe:
Bei ber zur Feier des Geburtstages des deutschen Kaisers veranstalteten Tafel wies der preußische Gesandte beim Päpstlichen Stuhl, Dr. v. Mühlberg, auf die Krisis der vergangenen Jahre hin und betonte, daß der konfessionelle Friede in Deutschland sowie die Beziehungen seiner Regierung zum Vatikan bedroht schienen. Man befände sich in Rom im Irrtum, wenn man behaupte, daß die katholische tHeligion in Deutschland »erfolgt werde. Die Ansprache des Kaisers im Kloster zu Beuron enthalte eine fo klare Anerkennung des Wertes des Glaubens für da» deutsche Volk, daß darüber jedem Patrioten die trennenden Punkte in den beiden Konfessionen verschwänden und nur die Momente hervo lträten, bte die beiden christlichen Konfessionen einen und zusammenschließen sollen zur gemein- (amen Arbeit für das Vaterland und zum Schutze ber kulturellen Interessen.
Nach einem ausführlichen Telegramm des,Berl. Lok. Anz/ soll der Gesandte ferner hingewiesen haben
auf die Gefahren, die in einer falschen Beurteilung ber beutschen Verhältnisse zur Kurie liegen. Nur große unb weite Ersah- rungen unb Kenntnisse könnten bie Tragweite der letzten päpstlichen Dekrete ermefien. In keinem Lande seien die Verhältnisse der Stammes- und Religionsverschiedenheiten komplizierter als in unserem Vaterlande. Niemand dtirje dort eine Zurücksetzung erfahren und niemand let and} gewillt, sie sich bieten zu lassen. Die Zulpitzung ber Gegensätze im vorigen Jahre habe zu einer wahren Kraftprobe geführt. Wenn es überhaupt gelungen wäre, ben Sturm zu beschwichtigen, so sei das dem Einlenken bes Papstes unb dem starken Willen des Kaisers zu danken. Der Gesandte habe bann nochmals bie Gefahren betont, bie imVerkenneuunsererStim- mung liege. Man habe im Vatikan die Tiefe unb Volkstümlichkeit ber Protestströmung total verkannt. Man bürfe doch nicht vergessen, baß bie Kirche sich nirgends in ber Welt eines so starken Schutzes erfreue, rote unter bem Szepter des deutschen Kaisers.
Schon diese Inhaltsangaben enthalten überraschende Wendungen. Die Privattetegramme ge- rotfier Blätter legen dem Gesandten noch schärfere Ausdrücke des Vorwurfs und der Drohung in den Mund. Es sind die kulturkämpserischen Blätter, die »Morgenluft wittern".
Wir glauben im Interesse deS Friedens uns vorläufig auf einige Beme rkungen zu dem offiziösen Auszug aus der Rede beschränken zu sollen. Darin sind besonders zwei Punkte auffällig.
Elstens der Hinweis aus die „KrisiS im vergangenen Jahr", mit der beunruhigenden Betonung: »daß der konfeifloneüe Friede in Deutschland sowie die Beziehungen seiner Regierung zum Vatikan bedroht schienen".
Unter der »KrisiS im vorigen Jahr" muß doch die Verhandlung wegen derBorromäus-Enzy- klika verstanden werden. Nun ist aber durch das Entgegenkommen des hl. EtuhleS dieser »Zwischen- fall" alsbald in friedlicher und freundlicher Weife ausgeräumt worden, und die Regierung hat dafür dem hl. Stuhle ihren Dank ausgesprochen. Rach unserer Ansicht von den guten diplomatischen Gepflogenheiten hätte man in einer Gejandlenrede au diese glücklich erledigte Angelegenheit nicht anders zurückkommen sollen, als mit dem Ausdruck der Befriedigung. Sonst steht es auS, als ob die vor einem halben Jahr abgeschloffene Streitfrage ausS neue angeschnitten, der auSgeräumte Zankapfel wieder in den Saal geworfen werden solle.
Wenn die nach diesem Zwischenfalleiugetretenen Ereigniffe dem Gesandten Anlaß zu seinen unerfreulichen Aeußernngen «geben habe» sollten, so wäre eine deutliche Bezeichnung wohl am Platze gewesen. Wir müflen immer wiederholen, daß die Abwehr der moderuistischen Irrlehren eine Angelegenheit deS katholisch-kirchlichen Lehr- und Hirtenamtes ist, also eine innere, rein kirchliche Angelegenheit, die den Staat und die politischen Parteien nichts angeht. Die lehramt» lichen Entscheidungen des hl. Stuhle- richten sich an di« Katholiken; die hnttenarntttchen Verord- nungen wegen des Antimobernifteneibe« betreffen die katholischen Priester. Da die Protestanten und die sonstigen Andersgläubigen mcht in Mü- leibenschaft gezogen werben, so haben sie keinen
Adg. Preiß (Elfäffer): Wir Elsaß-Lothringer wissen, baß sich unser Laub nur in unb mit Deutschland enlwickeln kann, aber durch bte tatsächliche Politik wirb bte Vevötterung ber Reichslande immer wieder vor ben Kopf gestoßen. Heute macht man Hurravolftik An ber Vorlage fehlt vor allem J bie Verleihung von Sitz unb Stimme für ben Bunbesrat. Unbedingt gestrichen werben muß ferner § 28, nach bem die Verfassung durch Reichs- gefetz abgeänbert werben kann. Völlig üderflüffig ist auch die erste Kammer. Mit revolutionären Be- firebungen haben bie Metzer Vorgänge nichts zu tun. Mit demAusnahmezustand muß endlich gebrochen werden. Wir verlangen die Anerkennung des Reichklanbes als ein selbständiger vollberechtigter Bundes- ft a a t. Nur durch eine gute Verfassung können bie Elsaß Lothringer zu zufriedenen Reichsbürgern gemacht werden. Wir verlangen Gerechiigkeit.
Abg. Liebermann v. Sonnenberg (wirtsch. Vgg): Diese Rede beweist, baß der ZeUpnnkt noch nicht ge« kommen ist, Elsaß-Lothringen eme eigene Verfassung zu geben. Die Mehrheit der Bevölkerung ist noch nicht reff, noch nicht würdig dafür. (Widerspruch der tilfnffer.1 Auch heute droht vom Westen die Gefahr. Der Revanchegebauke lodert in Frankreich unter der Asche. Der Deutsche lebt im Reichslande wie im Feindesland. (Lachen und Widerspruch., Die Soldaten werden bei jeder Gelegenheit übervorteilt. (Heftiger Widerspruch bei ben elfaß-lothringen Abgg. Abg. Preiß ruft: Zur Dtbnung!) Darüber hat ber Präsident zu entscheiden, nicht ein beliebiger Abgeordneter. (Große Unruhe bei den Elsaß-Lothrmaern; Vizepräsident Spabn bittet um Ruhe.) Die Herren Elsaß-Lothringer sind ja nur selten hier, man hat nicht oft bas Vergnügen, Sie zu sehen, ba sollten Sie bock» nicht bie Verhandlungen stören. (Unruhe.) Ueberall ;d)ttanfert man bie beutschen Beamten und die Soldaten. Ave Soldaten, die ins Elsaß geschickt
werden, sollten Französich lernen, damit sie sich wehren können, wenn bie Bauernburi chen sich über sie Innig wachen wollen. Ist gegen ben Polizeipräsidenten von Mülhausen eingeschritten, ber revolutionäre Umzüge gestattet? Wir lehn en die Vorlage vollftändtg ab. Wir halten die geplante Berfassimgsänberung für eine Gefahr für di« Sicherheft des Reickes. Das beste wäre die Zurückziehung der Vorlage. Der nächste Stieg wird durch bie elsaß-lothringische Verfassung unter Umstänben in größere Nähe geruckt. (Hefterkeit und Ohoruse.) Das sage ich, obwohl ein Appell an bie Furcht im deutschen Herzen keinen Widerhall findet. (Abg. Sebebour: Sie Angstmeier!) Mein lieber Herr Eebebour, das ist eine Kühnheit von Ihrer Seite. Dieses erneute Entgegenkommen gegen Elsaß-Lothringen nuß direkt anreizend auf Frankreich Wirtes. Am testen wäre es gewesen, man hätte seinerzeit baS Aeichsland in Preußen einverleibt.
Landwirtsckmftseiat» fordert
Abg. lourneae <Ztr.) bte Erhöhung be« Anteils ber Provinz Sachsen am Westfonds, fpeziell im Interesse des Eichsseldes. m „
Abg. v. Gesche« (lonf.) will überhaupt ben Westfonds sowie den Osifimds deträchttich erhöht roiffeu.
Abg. e. Bockclbetg (teuf.) tritt ber Aufiaffung entgegen, aö ob bte Konservativen unb besonder« ber Großgrundbesitz für bte Entvölkerung be« platten Lande« verantwortlich zu mache« feien.
Grund, über Gefährdung des konfessionellen Friedens zu Hagen. Ebenso wenig wie wir Katholiken uns beschweren könnten über eint Verfügung des Evangelischen Oberkirchenrats wegen der evangelisch- kirchlichen Lehr« ober des AmtS^löbnifies der Prediger. Und wie sollen nun sogar noch die »Beziehungen der preußischen Regierung zu n Vatikan" bedrolst fein, nachdem der t»L Stuhl, um Konflikte aus dem sog. Grenzgebiet zu vermeiden, die staatlich angestelltenHochschulprofefforen derTheologie mit dem Zwange zur Eidesleistung verschont hat ? Das jüngst« schreiben bes hl. Vaters an den Erchischof von Köln tritt freilich der weiteren Ausdehnung dieses Dispenses entgegen unb hebt hervor, daß die Ad- landnahme von der sonst obligatorischen Eides« ormel dte Zustimmung zu der lehramtlichen Ent« cheidung nicht ausfchließen soll und die freiwillig« Bekundnng defien erwün'cht sei; eher eS hebt doch das im ^utereffe des Friedens gegebene Zugeständnis nicht auf. Wenn trotzdem die Beziehungen bedroht sein sollen, so muß man befürchten, daß die Regierung wtiterge h ende Aniordernngen au den hl. Stuhl gestellt hat, die mit den höhere« Interessen der Reini eit und Sicherheit der Glauden-- ehre nicht vereinbar «schienen.
Zweitens ist es auffällig, daß der Gesandt« bemerkt haben soll: »Man befände sich in Rom m einem Irrtum, wenn man behaupt«, daß die katholische Religion in Deutschland verfolgt werde." Wo ist denn neuerdmgS »in Rom" erve solche Behauptung zu Tage getreten ? Die Mängel unserer kirchenpolUiscken Gesetzaebnng und die noch unbefriedigten Wünsche der Katholiken find bekannt. Der Hinweis daraus hat sich aber nicht zn der Be- Häuptling einer Religionsv-rfolgung verdichtet. Di« Beuroner Rede des Kaisers, auf die der Gesandte vcrweift, hat gerade bei den Katholiken begeisterten Anklang gefunden, und die gemeinsame Arbeit der beiden christlichen Bekenntniffe für das Vaierland und die kulturellen Interefien hat die Zentrumspartei nicht bloß in Worten, fondern durch die opferwillige Tat andauernd befördert. , _
Wenn die kulturkämpferischen Blätter dem Gesandten noch schroffere Bemerkungen, so Über die „Vergewaltigung der 45 Millionen deutschen Protestanten durch die katholische Rtinderhett" und eine „dringende Warnung vor einer Wiederholung von Vorstößen nach Art der Enzyklika" in den Mund legen, so wollen wir, wie gesagt, darauf vorläufig nicht entgelten. Anscheinend bezieht sich ein« Dementi der ,Köln. Bztg.', daß in der Rede de« Geiandteu die „von Berliner Blättern veröffenllichte abfällige Wendung gegnt den Vatikan" nicht enthalten sei, auf diese Bemerkungen.
Hoffentlich wird die weitere Aufklärung auch ergeben, daß hier überhaupt keine »Kriegserklärung" vorliegt, sondern höchstens ein diplomatischer Sch ach zug von etwas ungewöhnlicher Art, der vielleicht in seiner Ausführung derber und schärfer ausgefallen ist, als ihn die Regierung deabfichtigt hatte.
Daß päpstliche Schreiben an Kardinal Fischer wird jetzt von der »Köln. Volksztg." in rnet eigenen Uebersetzung veröffentlicht, die, rote das Blatt sagt, auf Genauigkett Anspruch erheben kann. Im großen ganzen stimmen die AuSzüg«, die wir btS« her veröffentlicht haben, mit dem Inhalt dieser Uebersetzung überein. Als falsch und irreführend aber erweist sich die. von uns bereits als verdächtig gekennznchnete Uebersetzung der »Voss. Ztg." Diese übersetzte n. a.:
Auch jene aber, die alS staatliche Lehrer sich de» Eides enthalten dürfe«, werde« vielleicht, fall» st« vorziehen, von dieser Ermächtigung Gebrauch z« machen, noch keinen Verbackt gegen bte Rem heft ihrer Lehrmeinungen erwecken, ober sicherlich eine klägliche Unterordnung unter dte Meinungen der Menschen bekunven ....
Nach der Uebersetzung der „Köln. Vztg." lautet die Stelle:
Wenn ferner diejenigen, die ausschließlich al» öffentliche Lehrer tätig sind und somit den Eid unterlassen dürfen, nach außen zeigen, daß sie von dieser fclaubniä gerne Gebrauch machen, so erwecken sie dadurch möglicherweise fernen Verdacht gegen die «orreltheit ihrer Lehre, aber sicher legen Re eine bedauernswerte Nachgiebigkeit gegenüber den Anschauungen der Menschen an ben Tag, tnbem sie in feiger Weise vor ber Autorität betet sich beugen, bi« nicht au« aufrichtiger Heb Beugung, sondern aus Ad- neigung gegen die katholische Religion in bte W-lt hmaustuien, butch diesen Eid werde dte Wurde bet Vernunft verletzt und dte Freiheit ber Forschung gehemmt.
Beifall im Zentr.)
Abg. Bähte (Soz.): Die Vorlage beweist, baß bie Regierung sich ihrer Pflicht gegen bte Reichslande nicht bewußt ist. Man will tn den Reichslanden die Republik. Mindestens müsse das Wahlrecht auf 21 Iahte herabgesetzt werben.
Abg. Gregoire (Hosp. b. Ml.): Wir beklagen aufs tiefste bie Angriffe des Herrn Liebermann auf bas elläfsische Volk und weisen sie scharf zurück. Der Entwurf bringt eine Enttäuschung, eine Teilreform, ein Stückwerk, aber immerhin einen Schritt vorwärts, vor allem bas freiheitliche Wahlrecht.
Nach weniger erheblichen Ausführungen der Abgg. Dove (Vp.) und Höffel (Rp.) betont
Abg. Wetteti« <Elsässer): Wir stnb keine Nationa- llstenpartei. Wit achten bie Obrigkeit soviel, wie sie es verdient. Unser einzige« Verbrechen ist, daß wir einmal Franzosen waren. Warum sollen wir unser ftühetes SBaterlaub hassen? Wir verlangen gleichberechtigte Aufnahme in die Fmnili«, die uns gewaltsam an sich gerissen bat
Staatssekretär Zorn v. Bulach: Die Rebe bes Abg. Wettet le versckärst bie Gegensätze. Die Politik, Die aber ber Abg. SBetterle mit seinen Freunden »erfolgt und die er tn feiner Zeitung vertritt, ist für baS Land Elsaß-Lothringen nicht günstig. Der größere TeU unserer Bevölkerung ist loyal. Sie wird bte Vorlage mit Dank annehmen, wen« sie auch nicht die vollständig« Autonomie bringt
Abg. Graf Rielczinskh (Pole) farbext volle Autonomie.
Die Vorlagen gehen an eine Kommission non 28 Mitgliedern.
Montag: RevtfionSgesetz, Petitionen.