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2. Blatt.
Druck und üetlag 6er Julöaet Retiendrnckerei m »Iva
wieder der Fraze der Befestigung Vlissin-
nungen wohl sehr schnell und gründlich ein Ende
„Südamerikanischm Vereinigten Staaten" zusammen
leine weitere Ausbeute mehr gestatten will, hat die internationale deutschfeindliche Preßverschwörung sich
rika. Dort sollen Bestrebungen, die drei nördlichsten Republiken Columbia, Venezuela und Aecuador zu
Ersparnis brächten.
Wir gestehen, daß wir diese Gründe nicht als stichhaltig anzuerkennen vermögen; wirklichen Gehalt hat eigentlich nur der letzgenannte Grund; gottlob trifft er aber nicht allzu häufig zu, und läge er häufig vor, so müßte auch er unseres Erachtens zurücktreten gegenüber den schwerwiegenden pädagogischen und ethischen Gründen, die gegen die Koedukation sprechen.
Mehr denn je sind alle einsichtigen Pädagogen heutzutage von der Notwendigkeit überzeugt, daß der
machen.
Eine interessante Meldung kommt aus Südame-
sie es vermöchte.
Auch die Ziele und Zwecke, für die der Knabe
gen 1 ------ — ---- ...
habe Holland dazu angestistet, um sich vor einer San-
Unterrichtsbetrieb in großen Schulkörpern nicht .schematisch-einheitlich", sondern .dtfferenziert-einheitiich" sei, mit anderen Worten, daß der Jndivtdualt- t ä't der Schüler größte Rechnung getragen werden muffe. Im sogenannten .Mannheimer Schulsh st e m", in den „Hilfsschulen" und im Sonderunterlicht" hat dieser Grundsatz bereits den denkbar deutlichsten Ausdruck gefunden. Es wird im Mannheimer Schulsystem eine Gliederung der obligatorischen Volksschule nach der natürlichen Leistungsfähigkeit der Kinder angestrebt es werden die Schüler in Normaiklaffen und in Sonderklassen (zur Wiederholung oder Förderung) mit Ab- ichiußklassen vereinigt. Für die ganz schwachen Kinder wurden anderwärts „Hilfsschulen" eingerichtet mit Klassen von nur 15—29 Schülern und sehr beschränktem Sroffplan nach einer auf möglichste Anschauung gerichteten Methode unter der Leitung speziell vorge- bitdeter Lehrkräfte. Solcher Schulen besaß Deutschland Anfang 1910 314 mit 20151 Kindern. Preußen hatte mit ihnen im Jahre 1879 in Elberfeld (Otto Boodstein) den Anfang gemacht. Für begabte Volks, schiller wird als gerechte Gegenleistung zu hen schulen" der Minderbefähigten .Sonderunterricht erteilt. Mannheim hat 1909 einen derartigen „Sonderunterricht" eingerichtet, indem es in den Lehrplan der Volksschule fremde Sprachen einbezog; befähigte Schüler der 6., 7. und 8. Klaffenstuft erhalten auf
I diese Weise innerhalb der normalen Schulzeit französischen Sprachunterricht. Das badische Schulgyetz fcom 7. Juli 1910 sieht die Einrichtung eines solchen Unterrichtes besonders vor. Auch an ben höheren Lehranstalten hat sich das System des Sonderunter- Achtes bereits vielfach eingebürgert und zwar in der
I Form eines wahlfreien Unterrichtes ach I der Oberstufe. Man läßt ben Primanern (ober auch schon den Obersekundanern) Wahlfreiheit zwischen | zwei Kursen, von denen der eine das Hauptgewicht (egt auf die sprachlich-historischen Fächer, der ander« auf die mathematisch-naturwissenschaftlichen. Am Ly-
I zcum zu Hannover werden seit 1909, neben dem lehrplanmäßigen Unterricht, Sonderkurse in 2 Wochen, stunden ftir philosophische Propädeutik, Griechisch, Englisch, Geschichte, Mathematik usw. abgehalten; auf
1 Wunsch wird, wer an diesem Sonderunterricht tetl- r.immt, von zwei mathematischen oder zwei bis drei lateinischen Lehrplanstunden befreit; auch bei der Reifeprüfung wird auf den Sonderunterricht Rücksicht : genommen. Es sind Versuche, denen immer noch
Mangelhaftes anhaften wird und das in allem gutzu- : heißen wir weit entfernt sind. Aber ein gesunde»
Grundgedanke steckt in ihnen, ganz entschieden, , der Gedanke nämlich, daß das Kind seiner I n d i- » vidualität entsprechend zu unterrichten und zu : erziehen ist. Dieses Prinzip sührt aber notwendig : I zur Verwerfung der Koedukation. Der Knabe ist nun einmal nach Verstand, Willen, Gemüt und Phantasie anders veranlagt als das Mädchen. Das ist ein Unterschied, den die Natur geschaffen hat und den darum keine Bildung versuchen soll aufzuheben, selbst wenn
delektieren kann an dem Unrat, der aus allen Ecken des Lebenslaufes zusammengefegt ist.
Es ist schon schlimm genug, wenn man all dieses Zeug lesen muß. Noch viel schlimmer sind die Richter und Geschworenen daran, die in einem solchen Skandalprozeß mitwirken müssen. Ihre Zett, ihre Arbeitskraft, ihre Nerven werden verbraucht; sie müssen alle Kunstgriffe der Verteidiger, alle Schauspielerei der Angeklagten über sich ergehen lasten; sie dürfen vor lauter Gewissenhaftigkeit nicht ungeduldig, nicht einmal matt werden, und wenn nun eine Reihe von langen Gutachten voll Unklarheiten und Widersprüchen über sie hereinbricht, so sollen sie mit ihrem einfachen Menschenverstand den „gelehrten" Wust bezwingen, immer in dem stachelnden Gefühl: Du bist vor Gort und deinem Gewissen verantwortlich für deine folgenschwere Entscheidung! — Wenn die sogenannte Hysterie ins Spiel kommt, wird die Entscheidung besonders schwierig. Das sind sogenannte Grenzfälle. Die Leute sind nicht recht vernünftig, aber auch nicht sichtlich verrückt. Ihre Denkkraft ist oft sehr scharf ausgebildet, aber ihr Gefühlsleben ist wild und wirr, die Willenskraft versagt bald vollständig, bald schlägt sie in leidenschaftlichem Tatendrang empor. Etwas Verrücktheit läßt sich schließlich bei jedem Menschen nachweisen. Bei den Verbrechern erst recht; denn jedes Verbrechen ist im Grunde eine unvernünftige Handlung. Die Zurechnungsfähigkeit gleicht dem Monde, der nur einmal im Monat voll ist und auch bann noch seinen ewigen Flecken hat. Wo ist die richtige Grenze zwischen ber strafbaren Schuld und dem beklagenswerten Irrsinn? Wer sie aiS Richter ober Geschworener suchen muß, ist nicht zu beneiben. Viele Lehrer beklagen sich laut darüber, daß man im Interesse der Schulordnung sie von dem Amte des Schöffen ober Geschworenen entbinden will. Sie sollten eher froh fein, daß ihnen diese Last erspart bleibt.
Als ich noch jung war, da gab es auch schon solche launische und nervöse Leute, aber man hatte für ihre unangenehme Eigenart derbe deutsche Bezeichnungen. Das Fremdwort hysterisch war noch nicht im Schwünge. Man hielt es für Pflicht und Schuldigkeit jedes Menschen, seine Launen zu beherrschen, seine Nerven im Zaum zu halten. Wenn das unstäte Wesen sich auf dem geschlechtlichen Gebiete bemerkbar mochte, so sprach man einfach von Fleischeslust und
Liederlichkeit, die ein solider Christenmensch mit aller Energie bekämpfen müsse. Ich glaube gern, daß die Wissenschaft in ber Erforschung dieser Dinge seitdem sehr fortgeschritten ist; aber leider hat das Hebel selbst noch größere Fortschritte gemacht. Durch all' das Reden über die Triebkräfte im Blute und in ben Nerven, über die erbliche Belastung, über krankhafte Anlagen, über perverse Dispositionen usw. und durch die Belegung von häßlichen Dingen mit klangvollen Fremdnamen ist schließlich nichts weiter erreicht worden, als eine Verminderung der sittlichen Widerstandsfähigkeit, eine Schwächung der Selbstzucht, und zwar gerade bei solchen Naturen, welche die Kandare des Gewissens und der Scham am dringendsten notwendig haben. Wahrscheinlich hat es früher ebensoviel „hysterische" Personen beiderlei Geschlechts gegeben, als heute; nur haben früher diese Leute ihre Launen und ihre tollen Triebe nicht so ungeniert sich austoben lassen. —
Die Verurteilte von Nürnberg war zweimal verheiratet Schon dir erste Ehe gestaltete sich unglücklich Sie hatte als 21jähriges Mädchen eine sogenannte Verstandes ehe geschloffen, um ms dem unerquicklichen Elternhaufe fort zu kommen. Sie sagt nun, ihr erster Mann fei ein Schürzenjäger gewesen. Aber es war offenbar nicht die Eifersucht allein, die jene erste Ehe unhaltbar machte. Der Mann war frohes er die übermäßig aufgeregte Fran los wurde. Fünf Jahre nach der Scheidung hatte die Frau einen neuen Ehemann gefunden, und diesmal segelt sie mit „Siebe" in den neuen Bund. Der zweite Mann war nicht im mindesten ein Schürzenjäger, sondern ein sehr solider, berufseifriger Oberlehrer. Das paßte nun der nervösen, begehrlichen, abwechselungslustigen Frau wieder nicht. Das Zusammenleben gestaltete sich zu einer wahren Hölle. Die Nerven des Mannes wurden allmählich auch aus dem Gleichgewicht gebrockt. Wenn sie ihm seine „plebejische Abkunft" vorhielt und in Gegenwart anderer ihn Bauern flegel nannte, so re= vanchierte er sich mit „Dreckweib" und schließlich auch mit Handgreiflichkeiten.
DaS Protzen der Frau mit ihrer „höheren" Abstammung und die Beschimpfung des Mannes, der aus einer bäuerlichen Kinderstube sich einer angesehenen Stellung irr Wissenschaft und Gesellschaft heraufgearbeitet hatte, ist ein recht moderner Zug. Man sagt
Eb bSlTO* Parlamentariers, der seit nahezu 40 Jahren dem Abgeordnetenhause angrhort weckte bei allen Parteien Teilnahme, denn der Verstorbene batte wohl viele und erbitterte politische Gegner, aber teinen persönlichen Feind. An der Trauer der polnischen Bevölkerung, für deren Rechte unb ^ntereffen er stets und mit größter Entschiedenheit «nteat, timmt das ganze katholische Deutschland teil, das bem Verstorbenen niemals «ergeffen wird, tote er 'N Gemeinschaft mit seinem Freunde, dem spateren Erzbischof
* * Was ist von der Koedukation tu den Volks- und Mittelschulen zn halten?
Die „Kölnische Volkszeitung" bringt in der Rum- mer 55 vom Donnerstag, den 19. Januar 1911, folgende Mitteilung aus Kempen (Rhein):
„(Sine Frage von prinzipieller Bedeutung bei >.äi- tiate yeule das Staöloeroroneteutollegium, nämlich Die Einführung der Koeöufatton bei der Plena en I I. niinarüvungsschule. Die König!. Regierung fordert lefet die Abgrenzung eines eigenen Schuldez,rl5 für Knaben und Mädchen dieser Schule. Tue Uednnge- Khule setzte sich bislang aus Knaben zusammen, welche | in vier Klassen von den Seminaristen unterrichtet werben, und dte Kinder der Schule rekrutierten sich au« Dem ganzen Stadtbezirk bet freier Enuchlleßung der (Sltern. Die Forderung der Staatsregterung bedingt notwendigerweise die Koedukation, wie sie auch ui trüberen Jahren schon einmal von der Behörde an -e- reai worden ist, aber seitens der Bürgerschaft energische Gegner fand, sodaß die tlebungsschule auf Knuden- zöglinge beschränkt blieb. Die Frequenz der Schwe war auf Grund dieses Abkommens fortdauernd recht aut. Die ttahl der Anmeldungen war oft so groß, daß die Anmeldungen zur Ausnahme nicht einmal aLe berücksichtigt werden konnten. Seitens der Burgertchasl wird beute noch dieselbe Stellungnahme gegen öte gemischte Schule bekundet. Das Kollegium erklärte sich heute einstimmig gegen die Vorlage der Regierung. Der Schule soll zwar der um das Semtnargevaude liegende Bezirk zugeteilt werden, aber unter Au-schluß
Wochen-^undichau.
f;f Fulda. 27 Januar 1911.
von Schülerinnen." . r
Auch wenn xs hoffentlich nicht wahr ift, was vielfach behauptet wurde, daß die Kgl. Regierung auch zei uns auf das System der Koedukation hinaus | teuere, so ist die Sache an sich doch von so großer Wichtigkeit für olle Familienväter und Familienmütter, daß eine Besprechung derselben in der Oeffent- lichkeit am Platze ist.
Für die gemischten Schulen, für den Unterricht beider Geschlechter in einem und demselben Schulraume, pflegt man ins Feld zu sichren, daß dadurch eine ungesunde Prüderie im Keime erstickt und die Sittlichkeit gefördert werde. Wenn der Knabe sich von Jugend auf an das Zusammensein mit Mädchen und das Mädchen sich von Jugend auf an das Zusammensein mit Knaben gewöhne, bann verliere das andere Geschlecht nach und nach den verfänglichen Reiz, dem gerade isoliert auf gewesene Kinder später so leicht erliegen. Die gemischte Schule sei in sittlicher Hinsicht somit ein Borbeu- giingsmittel ersten Ranges.
Sie diene aber auch der Ch a r akt e rv e r e d e- lung: in ihr lerne der Knabe Rücksicht nehmen aus hie zartere Natur des Weibes, und das Mädchen lerne Männlichkeit im Umgang mit ben Knaben - v------ . .
Man weist ferner daraus hin, daß die Schule eine erzogen wird, sind vielfach andere als die der Mäd- Familie im Großen sei; in der Familie aber ^en Eine Menge von Berufen bleibt ber grauen« würden die Knaben mit den Mädchen zusammen er-1 lui[t verschlossen und muß ihr verschlossen bleiben, zogen, und gerade bas seien bie artigsten Knaben, die Hierauf muß die Volksschule Bedacht nehmen. Da zusammen mit Schwestern ausgewachsen seien, und sie dies aber weniger in den Lehrgegen ständen das seien die charaktervollsten Mädchen, die mit Brü- feI6er tun kamt — denn diese sind so beschaffen, daß dem gemeinsam ihre Zucht erhalten hätten. I sie für alle Lebenslagen u. Lebensstänbe u. für beide
Schließlich solle man auch nicht vergessen, daß die Geschlechter grundlegend sind — so muß es geschehen Einrichtung getrennter Schulen für Knaben und Mäd- hn der Darbietung und Mitteilung dieser djen den kleinen und darum gerade den ärmeren Ge-1 Lehrgegeitstände. Das aber hinwiederum kann nur in meinben oft große Ausgaben verursachen, wäh- geschlechtlich getrennten Schulen bewerkstelligt werden, renb di- gemischten Schulen ihnen eine bedeutende | W^rhin stellen sich schon in der Volksschule, speziell in den Oberklaffen der Volksschule bei ben Mädchen unterrichtliche und erzieherische Bedürfnisse heraus, die dringend eine Rücksichtnahme heischen und bei Mädchen erfüllt werden müssen, so wenig sie für die Knaben praktisch sind. Wir denken da z. B an die Fragen, bie mit : ber bei Mädchen viel früher als bei Knaben, oft schon in der Volksschule, eintretenden
si? » i 81 a a bat die zweite Beratung der Wertzuwachssteuer erledigt. Reichs'Latzsekretär Dr. Wer nü h hat sich in den langwierigen Ausemander- febungen in der 2. L-iung ber Reichsw-rtzuwachs- teuer nicht aus der Fassung bringen lassen, und so ift <■? ihm cielunaen die vielparrgrapyrge Manmgsal- tUcit dieses Gesekes wiederum eine Stuft weiter zu bttnaen Roch fterfcn allerdings einige Fragen von nrBüeTer Tragweite im Ungewissen.
$ hiebet ist einer der Veteranen aus der Kultur- ampfzeit dem Allbezwinger Tod zum Opfer gefallen. SSrälat Dr. v. Jazdzewfti erlag einem Schlaganfalle, ÄmittcnVta
Unpolitische Zettlöuse.
(N.) Berlin, 26. Januar 1911.
(Nachdruck verboten.)
Die Mannesmörder in von Nürnberg ist zu 4^ Jahren Gefängnis verurteilt worden. Eine gnädige Strafe für bie Bluttat, die einem braven Professor das Leben raubte! Aber es haben sich Stimmen erhoben, die das Urteil schelten, der armen Frau Mörderin soll Unrecht geschehen sein, weil sie hysterisch, geistes- ober wenigstens seelenkrank und also nicht zurechnungsfähig fei.
Wer so redet, sollte sich lieber mal auf Hysterie untersuchen lassen. Glücklicherweise waren die Geschworenen von Nürnberg gesund genug, um sich nicht mit der modernen Zeitkrankheit ins Bockshorn jagen zu lassen.
Gegen bie Frau v. Schönebeck aus Allenstein, bie einen Liebhaber zur Ermordung ihres lästigen Matten angestiftet haben sollte, konnte die Verhandlung nicht zu Ende geführt werden, weil die nervöse Frau verhandlungsunfähig wurde. Ja, das Anstiften läßt sich nicht so einfach und kurz Nachweisen, wie bie eigene Tat. In bem Nürnberger Fall der Frau Helberich war über ben Tatbestand gar kein 'Zweifel. Am hellen Tage hatte sie vom Treppenabsatz herab den auf der Treppe befindlichen Ehemann nie- bergeschoffen. Sie versuchte auch keineswegs die Tat $u leugnen; sie gab nur Bewußtlosigkeit an, obschon sie nachher mit voller Besinnung gesagt hatte: So mußte es kommen! Ob sie gereizt worden war durch angebliche Schimpfworte ober vorhergegangene Mißhandlungen, hatte keine wesentliche Bedeutung mehr, nachdem bie Staatsanwaltschaft nur auf Totschlag, nicht auf überlegten Mord, die Anklage richtete. Mildernde Umstände wollte man ja von vornherein gelten lassen. Also hätte die Sache eigentlich in ein oder zwei Stunden erledigt werden können. Doch in heutiger Zeit macht man nicht kurzen, sondern langen, langen, langen Prozeß. Umständlichkeit hält man für Gründlichkeit. Sachverständige werden reihenweise aufeebnten. Die Verteidiger wollen zeigen, was sie können. So werden diese Scnsationsprozesft „aus- fgereckt wie Gummi", und gewisse Zeitungen bringen Tag für Tag lange Spalten, damit alle Welt sich
auf das schwerste geschädigt, inbefn es einer zum Schutze । der belgischen Neutralität herbeieilenden Macht unmöglich gemacht werde, von der See aus durch die Schelde mit einer Flotte zu Hilft zu kommen Eine politische Bedeutung gewann die Kampagne, als der französische Minister des Neußern, Pichon, auf eine Anfrage in der Kammer erklärte, der Plan Hollands habe in Belgien lebhaften Widerstand wachgerufen, und wenn die Befestigung Vlissingens ernstlich in Frage kommen sollte, sei er bereit, mit Holland und ben Garantiemächten Verhandlungen zur Sicherstel-
tn ui »» puh«............... ■ , lur.g Belgiens einzulciten. Es ist nun interessant
renb einer Fraktionsbesprechung im Abgeordneten- f^ustellen, daß man in Belgien von einer Beunruhr- Ke traf. Die polnische Fraktion versiert mit ihm gung wegen der geplanten Befestigung Vsifftngens ihren angesehensten und bedeutendsten Führer. Der nicht das geringste merkt, nur die den Interessen
l ____kl.«:.» ainTfnmpni.iriers der seit nahezu I Frankreichs zur Verfügung stehende Presse macht in
gntrüftungSrummel. In Belgien ist man ehrlich genug zuzugeben, daß Holland, wenn es seinen Seehafen befestigen will, nur in seinem guten Rechte ist und nur in feinem eigenen Interesse handelt. Deutschland hat wirklich kein Interesse an der Sache. Wer Interesse an ihr hat, da» ist lediglich England, und so darf man die Stellungnahme Pichons ruhig und ohne böswillige Unterstellung als einen Liebesdienst iman nur ,»»»» .............. ,1-------- - , j gegenüber England nennen und entsprechend be-
Lon Posen-Gnesen v. Stablewski, Schulter an Schul- werten.
ter udt den Führern des Zentrums M bie Rechte Die Unruhen, die unter den Winzern ber Eham- ber Kirche die schweren Kämpfe der 70er Jahre im pagne ausgebrochen sind, haben nicht einen so be- Aboeordnetenhauft und zeitweilig auch im Reichstage drohlichen Charakter getragen, wie die der Wein- mitaefochten Hai bauern Südfrankreichs im Sommer 1907. Immerhin
Im M 0 abiter Kraw allpr0z eß sind eine jst es zu argen Ausschreitungen gekommen, und die Sln-abl Teilnehmer an den Krawallen wegen schweren I Ordnung konnte nur durch ein stackes militärisches Aufruhrs' bezw. ferneren Landfriedensbruchs vemr- Aufgebot wtederhergestellt werden.
teilt worden Die Anträge ber Staatsanwaltschaft Die portugiesischen Machthaber die find abq-schwächt worben durch einzelne Freisprechun-1 ihrem Lande angeblich die Freiheit bringen wollten, tun und dirnch mildere Strafabmeffungen, aber ge- geraten in eine immer ärgere Willkürherrschaft hinein, weitert sind beidemal bie Versuche der Verteidigung, Wie zur Entschuldigung gefügt werden muß, aller- mittclS der „Entrüstung" über polizeiliche Ausschrei- I dtngs aus bitterster Not, da sie ihre Herrlichkeit auf tun0en die Richter zur Verneinung der Schuldfragen anderem Wege nicht zu erhalten vermögen. Aus die- ipegen Aufruhrs Landfriedensbruches und Widersinn-1 (er Rücksicht haben sie auch dem Entwurf des Wahl- bes gegen bie Staatsgewalt zu bewegen. Einer ber gefttzes eine Form gegeben, die nur als ein Hohn auf Verteidiger richtete die unumwundene Aufforderung I ein republikanisches Regime bezeichnet werden kann, ar bie Geschworenen, sie möchten ihrer „Entrüstung" Alle die Bevölkerungskreise, auf deren Unterstützung über das Voroehen der Polizeibeamten dadurch Aus» I sie nicht rechnen können, werden vom Wahlrecht ausdruck geben daß sie die Schnldfraoen einfach der- geschlossen, dazu kommt, daß dte Wählerlisten von den ncinten Unter solchen Umständen fällt es mit dop- Parteigenossen der Regierung selbstherrlich ausgestellt heiter Schwere ins Gewicht, daß die Geschworenen werden. Ein Wunder wird es bann nicht sein, wenn »ier Angeklagte wegen schweren Aufruhrs und Land-1 bte neugewählte Kammer die Revolutionsminister befriedens bruchs einen wegen einfachen Aufruhrs schul-1 [tätigt, aber eine Vertretung des portugiesischen Völlig gesprochen haben. Ebenso steht die Urteilsbe- kes wird das ehrenwerte Kollegium sich ehrlicherweise arünbung in schroffem Gegensatz zu ben Behauptun- nicht nennen können.
wn und Hoffnungen ber Sozialdemokratie und ihrer I In der Türkei steht das uinerposisische Bild V'm des genossen Es wurde darin erschöpfend die I «och genau so aus, wie den ganzen Winter hindurch. Sach- und Rechtslage wie folgt klargestellt: Die Po- I Hie und da sind Anzeichen einer weitergehenden Mlß- lizei hat mit Ruhe und Besonnenheit zunächst ihres I ft immun g wahrnehmbar; aber bie Regierung wird der Amtes gewaltet in ber Hoffnung, dadurch auch bie Sache jedesmal Herr. Weniger befriedigend sieht das Masse zur Ruhe und Besonnenheit zu bringen. Diese Bild aus, das Arabien bietet. Dort spielt das eng- Hoffnung hat sich als trügerisch erwiesen, sodaß ber I lische Quertreibertum gegenwärtig seine letzten Waffengebrauch freigegeben werben mußte. Hierbei I Trümpfe aus. Gelingt es jetzt nicht, bie dort im >zn- ' sind Ausschreitungen einzelner Beamten vorgekommen, nern wohnenden und ihrer eigenen Ansicht nach unab- für die aber bie Verwaltung als solche nicht verant» hängigen Häuptlinge zum Abfalle von der Türkei zu wörtlich zu machen ist." Das ist eine ganz vortreff- bringen, dann dürfte Arabien dauernd türkischer Be- siche Darstellung! Die Polizei hat in der Tat an I sitz bleiben, während bei einer Unabhängigkeit der ben ersten Tagen sehr viel Nachsicht und Geduld ge-1 Häuptlinge sehr wahrscheinlich schnellstens eine Verhallt, vielleicht sogar zu viel, da sie auf die Selbstbe-1 gswaltigung der einzelnen Stämme durch England Kimmung des Publikums rechnete. Als nun aber erfolgen würde. England möchte ja Arabien und dazu tws frivole Treiben der Ruhestörer nicht bloß an- I noch Südpersien gar zu gern in seinen Besitz bringen, lauerte, sondern sich fortwährend verschlimmerte, die Ium eine Landverllindung zwischen Indien und Egyp- wörtlichen und tätlichen Angriffe auf die SBcam* 1 ten herzustellen. Die Türkei hat in richtiger Erkennt- immer ärger wurden, da sind mehrere Schutzleute ner- I nis ber Tatsache, daß sie bie Aufgebote der Truppen oöy geworden und haben bei dem Gebrauch der Waffe I nicht nach der Stärke der gerade anfrüyrerIschen nicht überall die Selbstbeherrschung zu bewahren ver- Häuptlinge bemessen dürfe, ein größeres Truppenkon- modit. Die Ausschreitungen sind bedauerlich, aber sie lingent in die Gegend der am meisten bedrohten Stadt werden verständlich, wenn man bedenkt, daß bie Leute | Sana geworfen und wird^damit ben ektglischen Hoff- tagdang gequält worben waren durch eine übernrü- " '' " *" ~ r -1-
tige Menge, die sich einen Spaß daraus machte, die Polizisten bis aufs Blut zu ärgern und zu reizen.
Nachdem das Thema der Potsdamer Entrevue
Pubertät zusammenhängen. _
Aus all diesen Gründen — und man könnte fit noch um ein beträchtliches vermehren — geht hervor, 'gewöhnlich, daß die Zeit sich immer demokratisch« ge- stalle- aber wenn man genau zusieht, so ist der Klassen- und Raffenstolz noch in üppigster Blüte. Ein herabgesunkener Sprößling aus sogen, besserer Fa> milie dünkt sich immer noch erhaben über einen aup gestiegenen Sprößling aus einem niederen Hause.
Bezeichnend ist ferner, daß die nervöse, unbefriedigte Frau sich ans ihrer unglückseligen Häuslichkeit hinaus in die'moderne Frauenbewegung stürzte, und natürlich in die freigeistig-radikale Richtung, wobei fle unter ben Emanzipierten die Extremste war. Sie ver- mochte sich sogar zur Vorsitzenden in dem Nürnberger Frauenverein aufzuschwingen.
Ein sehr ernster Punkt ist das Hineinspielrn bet Ehescheidung. Der katholischen Kirche tulrb ja oft zum Vorwurf gemacht, daß sie die Wiederver- heiratung von getrennten Eheleuten unbedingt ausschließe. Man sagt, die unglücklichen Personen, die in einer unhaltbaren Ehe geraten seien, müßten doch Gelegenheit haben, durch eine vollständige Scheidung und Wiederverheiratung aus der Irrung herauszukommen und sich ein neuer Lebensglück zu begründen. Tatsächlich machen ja auch gerade nervöse, leidenschaftliche Leute vielfach Gebrauch von ber Möglichkeit, durch eine Scheidung das Eheglück zu korrigieren unb cs mit einem andern ober einer anderen aufs neue zu versuchen. Aber bie Erfahrung lehrt es nur zu oft, das bie zweite Ehe nickt besser gerät als bie erste, und der verlassene Teil keinen Grund hat, den Nachfolger zu beneiden. Das ist auch in der Regel wohl zu begreifen. Wenn Eheleute sich scheiden lassen, so hegt ber Verdacht vor, namentlich beim Vorhandensein ton Kindern, daß entweder beide Teile oder wenigstens der eine sich in einer Verfassung befindet, die 3« einem guten häuslichen Leben nicht geeignet ist. Es ist wahrlich kein Vorteil für die Beteiligten oder für bie Gesamtheit, wenn immer solchen ungeeigneten Per- fonen bie Möglichkeit gegeben ist, noch einmal ober gar zum dritten Mal einen Gatten ober eine Gattin unglücklich zu machen.
Das beste Heilmittel gegen alle persönlichen Schwächen unb alle sogenannten Krankheiten ber Zeit ist unb bleibt das Festhalten am Christentum mit seinen rechten Geboten unb seinen bewährten Heilsmitteln. — Je aufgeklärt«, besto verkehrter und desto unglücklicher.
er ver tyruje un « h 1 i-1 ij u ,i n - l i s s izu bringen, nicht aussichtslos sein. Den alten Kamps.
§ zu leroanbt. Es wird behauptet, Deutschland gepflogenheiten dieser Unruherepubliken wurde bas race Holland uuju wr Lau- zwar nicht entsprechen, aber vielleicht hat die Art unb
düng englischer Truppen an der niederländischen Küste Weise, wie Onkel Sam dort unten in Südamerika zu schützen unb habe damit bie Neutralität Belgiens I als Herr auszutreten beliebt, ihre Wirkung nicht ver- et« r f _____Fi- Sk!aA einiH- 11ttri (Jirfutho