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üotationrbruckunl Verlag der Luldaer Ak- tiendruckeret in Fulda Fernsprecher Nr. 9.

23. Erstes Blatt.

Fulda, Samstag den 28. Januar 1911.

38. Jahrgang.

□ Das Schreiben des h. Balers an den Kardrual-Erzbischof von Köln, über das wir am Donnerstag berichteten, liegt jetzt in längeren Auszügen italienischer Blätter vor. Die ,@crniama* teilt daraus folgendes mit:

Zunächst drückt der Papst seine Freude darüber aus, daß die Bischöfe bedacht gewesen und, dem Ge­werkschaftsstreit ein Ende zu machen; über bie Frage selbst verbreitet sich das Schreiben in keiner Weise und enthält auch keinen Hinweis aus frühere Entscheidungen der kirchlichen Behörden oder Organe. Weiter sagt der Hl. Vater, es sei erfreulich, daß die Bischöfe' e nen gemeinsamen Hirtenbries erlassen wollten, um das Volk über das Dekret betr. Kinberkom- m u n i o n zu belehren. Aus dem päpstlichen Schreiben erfahren wir über das Alter, das für die erste Kommunion der Kinder in Deutschland in Betracht kommt, nichts näheres. Der Papst ermahnt die Bischöfe ferner, die Disziplinierung unbotmäßiger Pfarrer ohne Rücksicht auf äußere Schwierigkeiten durchzusetzen. Den Theoiogieprofessoren an den staatlichen Universi­täten, so heißt es in dem Schreiben weiter, sei zwar derA n ti- modernisteneid erlassen, aber wenn sie in der tSieOoige tätig sein wollten, müßten auch sie ihn leisten. ;$>ir Papst erwartet ferner, daß gerade jene, die vom l©it> fuspensiert sind, ihn vor allen andern schwören stmd selbst nötigenfalls dafür Unannehmlichkeiten erdulden iwerben; denn sie würden sich gewiß als des christ­lichen Lehramtes unwürdig vorkommen, wenn sie sich schämten, zu den Dienern des Heilandes zu gehören.

Inzwischen veröffentlicht auch die ,Voff. Ztg/ eine Uebersetzung des Schreibens unter der tendenziö­sen Ueberschrist „Fehdeansagung des Papstes an den Staat." Die koujervative,Kreuzztg/ über­nimmt den Wortlaut aus der ,Boff. Zig/ und scheint dabei auch von dem Geiste dieses sreisinnig- kulturkämpser schen Blattes et nas übernommen zu haben, denn sie begleitet das Schreiben mit einem überraschend scharfen Kommentar, der uns weder berechtigt noch zweckmäßig erscheinen will, auch wenn wir uns in den evangelisch - konservativen Standpunkt hineindenken. Das Blatt sagt u. a.;

Hiernach kann kein Zweifel sein, daß der Papst chie Absicht hat, einen Konflikt mit der preu­ßischen Staatsverwaltung herbeiMiihren. In dem Schreiben wird bie Auffassung des preußischen Kultusmimsters, baß der Papst die kalhol. Theologie« Professoren nicht zur Ablegung jenes Eides habe zwin­gen wollen, als falsch zurückgewieien. Die Veröffent­lichung des Schreibens unmittelbar nach jener Bede des preußischen Kultusministers kann nur als eine feindliche Gegendemonftraiion angesehen werben. Die Konsequenten lassen sich zurzeit noch nicht über» ! sehen. Man wird abwarten müssen, ob die Theotogre- ipro'essoren den Eid trotzdem verweigern und ob bann den jungen Klerikern der Besuch ihrer Bor» siesiingen „wtberraten“ wird. In diesem Falle wären die theologischen Fakultäten ihres Zivcckes beraubt und dem Untergange geweiht. Daß die angestellten Professoren oder Staatsbeamten in ihrer Stellung geschützt und durch die kirchlichen Maßregeln nicht berührt werden, tut habet nichts zur Sache. Alle Bemühungen des deutschen Klerus, im Frieden mit dem Staate zu leben und vom deutschen Geistesleben nicht ausgeschlossen zu werden, haben beim Papst nicht das germgfte Verständnis gefunden. Dem .Staate sind seine Entschließungen durch das Gesetz vor­geschrieben, und er wir» sie durchführen müssen, auch wenn dem religiösen Leben in Deutschland damit un­berechenbarer Schabet, gugefügt wird.

i Die Auffassung dcr,Kreuzztg?, der Papst habe die „Absicht, einen Konflikt mit der preußischen Staatsverwaltung herbeizuführen,* ist uns unverständlich. Wir erkennen vielmehr als Absicht des Papstes, die ihm anvertrante Kirche von der modernistischen Irrlehre znrückzuhalten, aber dabei einen Konflikt wegen der Theologie-Fakultälen an den staatlichen Hochschulen zu vermeiden. Das Zugeständnis im Interesse des Friedens, daß die Thcologieprofcfforen an den staatlichen Hoch­schulen zu der sonst vorgeschriebencn Eidesformel nicht angehalten werden sollen, wird in dem jüngsten

Ein gefährliches Geheimnis.

84] Roman tu zwei Bänden von Charles Reade.

Um uns mit diesem wunderbaren Abschnitt unse­rer Geschichte kurz zu fasten: Lewis Carruthers fllias Leonhard Monkton zog in ein stattliches Haus ein und nahm Besitz von 11,000 Acker welligem Wei­delandes und der Hälfte eines großen fischreichen Sees^ Die Aenderung seines Namens erklärte er mit -der Dankbarkeit, die er dem verstorbenen Carruthers für die ihm erzeugte Güte schuldete. Und in der Tat hatte er dazu guten Grund. Der alte Carruthers tont nämlich in der letzten Zeit seines Lebens so eigensinnig und störrisch geworden, daß er sich mit allen seinen Verwandten überworfen hatte und dem gesetzmäßigen Erben der Familiengüter auch alles .Privatvermögen vermachte, einzig und allein weil ce ihn nie gesehen. Dieses Privatvermögen war aber sehr bedeutend. Das Haus war mit Gemälden und Kunstwerken aller Art gefüllt, bei dem Bankier lag eine große Summe baren Geldes, für eine Menge zur ^Abfuhr bereitliegenden BmiholzeS stand die Zahlung Hoch aus, die Pächter hatten in der nächsten Zeit den Dachl zu zahlen und 2400 Schafe, die der alte Herr sauf eigene Hand gehalten, weideten, auf den Hügeln. Vo war denn, als der neue Eigentümer unter dem -Namen Carruthers Besitz nahni, niemand erstaunt, diele aber erbost. Lucie richtete eine Reihe von Zim­mern für den Kranken aufs beguemfte ein und ließ Niemand zu ihm. Waddn wurde mit einem ansehn­lichen Geschenk fortgeschickt und man durfte sich seines .Schweigens versichert halten. Auf Middleton's Rat wurde niemand von der Dienerschaft entlasten und der bisherige Familienndvok.it beibrhalten, mit einem Worte, die neue Herrschaft gab so wenig als mög­lich Anlaß zum Gerede

Rach einem oder zwei Monaten fing Monkton an, sich zu erholen und konnte,, in weiche Kissen gebettet, zuweilen ausfahren oder sich auf dem See rudern las- ;fen. Im fünften Monate feines Aufenthaltes begann er indessen über örtliche Schmerzen zu klagen, ohne .daß man über den Sitz des Nebels recht ins reine kam. Schließlich erklärte der ihn behandelnde Arzt die

Schreiben nicht aufgehoben, sondern bestätigt. Es wird nur hervorgehoben, daß diese Abstandnahme sich ausschließlich auf bie genannte Amtsstellung beziehen soll. Wenn der staatliche Lehrer zugleich em Priesteramt wahrnimmt als Prediger, Beichtvater, Pfründner oder geistlicher Richter, so soll er der allgemeinen Eidespflicht unterliegen. Nämlich wegen dieser p r i e st e r l i ch e n Funktionen. Tas Oberhaupt der Kirche überschreitet doch wahrlich seine Be.ug- ntsse nicht, wenn es die Voraussetzungen einer legi­timen priesterlichen Tätigkeit regelt. Damit greift der Papst ntcht einmal in das sogen. „Grenzgebiet* ein, geschweige denn in das wirklich staalliche Gebiet; denn das Priesteramt gehört zu den innersten der inner kirchlichen Angelegenheiten und geht den Staat nichts an. Soweit sich „Schwierigkeiten* denken lassen, sind sie persönlicher Natur. Der staal­liche Profeffor, der zugleich ein kirchliches Priester­amt inne hat, muß als Ausüber des letzteren Amtes den Eid leisten, oder er muß auf die priefteiamtliche Wirksamkeit verzichten, um nur Profeffor an der staatlichen Hochschule zu sein und als solcher den Dispens zu genießen.

Ebenso unrichtig wie bedauerlich ist ferner der Versuch der Ireuzzeitung', die Veröffentlichung des päpstlichen Schrerbens als eine „feindliche Gegendemonstration* gegen die jüngste Rede des preußischen Kultusministers hinzu stellen. Das päpstliche Schreiben ist vom 31. Dezember 1910 datiert, kann also nnmöglih ans eine Rede, die der preußische Kultusminister erst 14 Tage später hielt, antworten wollen. Natürlich war das Schreiben zur Veröffentlichung bestimmt, und diese Veröffentlichung wäre zur Sicherung der Klarheit und Ordnung zweifellos auch bann erfolgt, wenn der preußische Kultusminister sich auf feine erste, durchaus friedliche und freundliche Rede beschränkt und die zweite, überflüssigerweise mit dem „Schutz* von Widerspenstigen drohende Rede unter kiffen hätte. Wir haben die zweite Rede des Kultus- Ministers bedauert, aber wir haben im Interesse des Friedens von einer scharfen Ausbeutung ber- feiben abgesehen. Sonst hätte man mit mehr Recht als gegenüber dem päpstlichen Schreiben, gegenüber gewissen Wendungen des Kultusministers von „feinblicher Demonstration" ober „Konflcklsabficht* sprechen können.

Angesichts der liberalen Kulturkampftreibereien sollten alle Freunde des Friedens sich hüten vor allzu schroffen Worten und scharfen Teutnngcn, fondern vielmehr der Verständignirg und bem fried­lichen Ausgleich die Wege sorgsam offen hatten. Dann werden dir Gefahren für bie theologischen Hochschulsakultätrn, welche die ,Kreu;;tg/ an bie Wand mall, nicht eintreten, — geschweige denn die Schwierigkeiten für die kirchlichen Seminare, zu denen wir überhaupt keine Veranlassung haben. Möge man wenigstens auf der konservativen Seite kaltes Blut bewahren!

Deutsches Neich.

** Der Geburtstag des Kaisers wurde allenthalben in herkömmlicher Weise gefeiert.

In Berlin nahm die Feier um 8 Uhr mit dem großen Wecken ihren Anfang, das im Schloßhos be­gann und die Linden entlang bis zum Brandenbur­ger Tor und zurück seinen Weg nahm. Der Kaiser erschien an den Fenstern des Schlosses und wurde von der bereits in früher Morgenstunde zahlreich zu- fammengeftrömten Menschenmenge herzlich begrüßt. Hierauf nahm der Kaiser die Glückwünsche der kaiserlichen Familie, der Fürstlichkeiten und des enge­ren Hofes entgegen.

Um 10% Uhr begann ein feierlicher Gottes­dienst in der Schloßkapelle, an dem außer der kai-

Krankheit für ein inneres Gcfchwür, welches jeden­falls infolge der erlittenen Mißhandlungen entstanden war. Nach und nach wurde der Patient unfähig, feste Speisen zu sich zu nehmen. Er magerte zusehends ab, wurde gelb und sah wie ein Bild des Leidens aus. Wie gern hätte er jetzt sein schönes Haus, seine Bil­der, seine Schafheerden, feinen von Forellen wim­melnden See für den Magen eines zerlumpten irischen Bauern und dessen Schüssel Buttermilch mit Kartof­feln hmaegeben!

27.

Der Vorhang fällt.

Unerwartete Ereignisse haben uns bis jetzt ge­fesselt, und es ist Zeit, zu den achtungswerten Per­sönlichkeiten unserer Geschichte zurückzukehren, obgleich nm im Leben wie in: Roman die Erfahrung macht, daß das Interesse an den Menschen sich in dein Maße abschwächt, als der Verlauf ihres Lebens ein ruhi­gerer wird. Sorge und Not der guten Menschen in unserer Erzählung waren jetzt vorüber und wir überlassen es dem Leser, zu beurteilen, ob sie nicht mehr als genug Kümmernisse zu tragen gehabt halten.

Grace Clisford verlangte von dem Oberst wie von ihrem Vater das Versprechen, Walter nie zu sagen, daß er tut Verdacht einer Doppelheirat gtitcuiben hatte. „Mag man immerhin behaupten, daß auf keines Men­schen Charakter ganz zu bauen ist; ich hatte sicherlich kein Recht, mich in dem Glauben an Walter wan­kend machen zu lassen und an seiner Liebe und Ehre zu zweifeln!* rief sie. „Um meinet- und seinetwillen bitte ich Euch, ihm meine Schwäche nicht zu ver­raten. Vielleicht sage ich's ihm, wenn wir erst beide alte Leute sind, einmal selbst.*

So lautete die Bitte Graee Clifford's, und wir brauchen wohl nicht hinzuznsehen, daß man ihr nach­kam.

Walter wurde unter der Pflege seines jungen Weibes bald wieder gesund, und da das Haus sehr geräumig war, wurde es dem Oberst nicht schiv«, Sohn und Schwiegertochter zu bestimmen, ihr Da­heim bei ihm aufzubauen. Auch für Hope wurden zwei Zimmer eingerichtet und er kam und bewohnte sie, so oft es ihm zusagte; willkommen war er immer, ober er war kaum vierzig Jahre alt und ehrgeizig, und so

ferlichen Familie die anweKnden Fürstlichkeiten (u. a. der König von Sacksm, ter Großherzog von Sach- sen-Wermar und das Großherzogsvnar von Mecklen­burg-Schwerin), das diplomatische Korps, die Staats­minister mit dem ReichskaiHler an der Spitze, die Generalität, Admiralität, die Präsidien der Parla­mente usw. teilnahmen. Nach dem Gottesdienst nah­men die Majestätm im Weißen Saal vor den Stufen des Thrones Ausstellung, neben ihnen die Prinzen und sonstigen Fürstlichkeiten. Alsdann begann unter den Klängen der Musik, während im Lustgarten Salut geschossen wurde, die Gr a t u l a t i o n s d ef ilier- c o u r. Hinter dem diplomatischen Korps schritt der Reichskanzler, dem der Kaiser kräftig die Hand schüt­telte, ihm folgten Staatssekretär v. Kiderlen-Wächter und die Botschafter. Der Reichstag war Vertreten durch den Präsidenten Graf Schwerin-Löwitz und den Vizepräsidenten Schultz, das Herrenhaus durch Frei­herrn v. Landsberg, das Abgeordnetenhaus durch das ganze Präsidium. Nach der Cour nahm-der Kaiser die Glückwünsche des St a a ts m i n iste riu m s entgegen.

Nm 12 Uhr begab sich der Kaiser zu Fuß mit den Prinzen nach dem Zeughaus hinüber. Im Licht­hof war das Offizierkorps der Garnison uerfcmmelt und empfing den Kaiser mit dreifachem Hurra. Die Parole lautet wie immer: „Es lebe Seine Majestät der Kaiser und König*. Gegen 1 Uhr kehrte der Kaiser unter den Hockrufen de« Publikums nach dem Schlosse zurück, roo Frühstückstafel stattsand. Um 6% Uhr war Familientafel. Danach fand im Overnhanse Fesworstellnng statt. Gegeben wurden sechs Szenen aus dem zweiten Teile von Mo­zarts „Zauberflöte*.

Bei dem Festmahl des Reichstages brachte Präsident Graf Schwerin-Löwitz einen Trink­spruch aus, worin er an die vor 40 Jahren erfolgte Gründung des deutschen Kaiserreiches erinnerte. Ohne Ueberireibung könne man sagen, daß unser Volk, ja ganz Europa, den 40jährigen Frieden in erster Linie unserem Kaiser verdanke. Kaiser Wilhelm sei nicht nur ein Hort des Friedens, sondern nicht minder auch ein Mehrer des Reiches geworden. Die ruhige und ungestörte wirtschaftliche und soziale Politik Deutschlands lasse auch die innere Gesundung unseres ganzen Volkstums erhoffen.

Aus Anlaß des Kaisers Geburtstags wurde eine große Zahl von Persönlichkeiten mit Orden bedacht. Landwirtschaftsminister Frhr. v. Schorlemer, Staats­minister v. Dallwitz und Herzog von Arenbcrg-Nord- kirchen, der Zentrumsabgeordnete, der soeben auf die Wiederaufstellung als Kandidat verzichtete, erhielten den roten Adlerorden 1. Klasse mit Eichenlaub. Den Stern zum Kronenorden 2. Klaffe erhielt u. a. Fidei- kommißherr Graf Spee; Den Kronenorden 2. Klasse Kammerherr zu Inn- und Knhphausen, Graf v. Bo- delschwingh-Pletteüberg, Kammerherr Graf v. Hoens- broech auf Schloß Türnich.

Auch im AuSlande wurde von den deutschen Kolonien gefeiert. So wurde in Allahabad, wo der Kronprinz augenblickftch weilt, eine größere Feier veranstaltet.

* Beilin, 27. Jan. 1911. An maßgebender Stelle in Berlin ist nichts davon bekannt, daß der Kronprinz im Hinblick auf die in China, beson­ders in Peking, herrschende Pest seine Reiseroule aeänbert hat; doch wird mit Der Abänderung der Reise-Tisposiffonen in der Richtung gerechnet, daß der Kronprinz nicht rach Peking geht. Die Ankunft des beuljchen Kronprinzen in Kalkutta wird für beit 3 Februar erwartet.

)( Ein Handwerker im Herrenhause. Der Klempner- meister August Plate in Hannover, der Vorsitzende des deutschen Handwerkertages, ist ins preußische Herrenhaus berufen worden. — Hoffentlich erlebt

litt eS ihn nie lange in der Untätigkeit. Er fing an, Aussehen in drr Welt zu erregen und emporzn- kommen, während die jungen Leute, befriedigt in ihrem Glück, an der Scholle kleben blieben. Ms Eigentümer eines großen Grubenwerkes in der Lage, seine Erfindungen zur Ausführung zu bringen, als Mitglied zahlreicher gelehrter Gesellschaften und Mit­arbeiter an technischen Zeitschriften machte sich Hope bald einen Namen. Man zog ihn bei großen öffent­lichen Unternehmungen zu Nate und er gilt gegenwäc- tig als eine der großen Leuchten der Wissenschaft in seinem Vatertande. Sein besonderes Feld ist die Elektrizität und dir Verwendung der Nctturkrafte ans die Beleuchtung der Städte. Er eifert gegen jede, welche einen Strom besitzt, ohne elektrisches Licht durch denselben hervorbringen zu lassen, und geht noch wei­ter Er findet es lächerlich, daran zu zweifeln, daß die Wissenschaft dereinst imstande sein wird, die Tau­sende von Millionen Tonnen Seewassers, die sich all­täglich zweimal mit der steigenden Flut einundzwan­zig Fuß hoch erheben, der Menschheit dienstbar und nützlich zu machen Er Predigt, der große wissen­schaftliche Irrtum unserer Tage beruhe darin, daß man anstatt der billigen und unerschöpflichen Natur- kröfte, bie uns zur Hand liegen, teures Gas, kostspie­lige Dampfmaschinen und die Kohle verwende, von welcher nur ein beschränktet Vorrat vorhanden ist, und fleht Kapital und Wissenschaft an, ihre Bestrebungen nach dieser Seite hin zu lenken. Seme mannigfachen Projefte, . Ebbe und Flut zur Hervorbringimg von Arbeitskraft zu verwenden, werden der Welt jeden- salls noch in geeigneterer Form vorgelegt werden, als es in einem Romane möglich ist, und wenn sie gelin­gen, wird der Ruhm, den sie ihm ekntragen, der Schwierigkeit ihrer Ausführung entsprechen.

Auch gesellschafÜich ist Hope ein vielbegehrter Mann, und seine bedeutenden Kenntnisse, seine Nn- terhaltungsgcche und seine angenehme Erscheinung machen ihn an jedem Tische der Graffchast zum gern gesehenen Gast. Oft begleitet er das Klavierspiel sei­ner Tochter auf der Violine, und da es den Beiden darauf ankommt, schöne Musik zu spielen anstatt nur schwierige, so entzücken sie ihre Hörer, anstatt sie zur Verzweiflung zu bringen.

die Welt es noch, daß auch ein Arbeiter in das Herrenhaus berufen wird! Zu sagen hätte er bei dem ungeheuren Uebcrgewicht des adeligen Groß, grundbrsitzes dort freilich nichts, wie auch der jetzt berufene Handwerker dort keinen nennenswerten Einfluß ausüben wird; aber es würde doch zeigen, daß man in den maßgebenden Kreisen anjängt,'der Arbeiterfrage wie der Mitteistandsfrage Verständnis entgegenzubringen.

*♦ Gegen die Einfuhr von Bieh aus dein Auslände haben sich nunmehr sogar die — Vieh­händler erklärt. Es geschehen Zeichen und Wunder! Der Bund der Viehhändler Deutsch­lands erklärte auf einer Vers mmlung für den Bezirk Wiesbaden, die Grenzöffnufei kein Mit­tel, der Fleischnot dauernd abzuhelfen. Ein solches Mittel sei nur in der Stärkung der Inlands-Er­zeugung zu erblicken.

7= Weimar, 27. Jan. 1911. Die weimarische Regierung hat dem Landtage einen Gesetzentwurf über die Bekämpfung übertragbarer Krank­heiten unterbreitet, der, wie es in der beigegebenen Denkschrift heißt, ein „gemeinsames* Gesetz für alle Thüringer Staaten werden soll. Das Gesetz paßt sich in der Hauptsache dem im Jahre 1900 erlassenen Reichsgesetze über Bekämpfung gemein­gefährlicher Krankheiten an, enthält aber außerdem noch Vorschriften für jeden Fall des Auftretens von ähnlichen Krantheiten, über die das Reichrgesetz keine Bestimmungen enthält. Tiefes sieht nur Be­stimmungen über die Bekämpfung der vom Ausland eindringenden Krankheiten vor. Das thüringische Gesetz geht darüber hinaus und enthält noch Ver­haltungsvorschriften gegen einheimische Infektions­krankheiten, wie: Diphtherie, Genickstarre, Sinber« lähme, Kindbetifieber, Rückfallfieder, Körnerkrank­heiten, Scharlach, Ruhr, Typhus, Milzbrand u. a. m.'

Ausland.

** Zur Intervention des deutschen Aus­wärtigen Amtes bei den Machthabern in Lissabon wegen der Beraubung deutscher Missionare liefert ein Brief des Jesuiten« paters Hiller, der in Portugiesisch Unter- Sambesi als MifsionSleiter tätig ist, einen Bei­trag. Wir finden den Brief im neuesten Heft der „Karhol. Misstonen". P. Hiller schreibt:

Boroma scheint mit feinen zwei Filialen gerettet zu fein. Ich hatte ein Fußübel in Angonia, und der Doktor tief mich nach Tete. Unterwegs erhielt tch einen Brief von Boroma mit der Weisung: „Kehren Sie schnell zurück; alles verloren; in drei Tagen ist Boroma ausgeraubt und geschloffen. Wir werben alle forthin kommen auf englisches Gebiet." Allein anstatt cutückzukehren, machte ich einen Eilmarsch eine ganz« Nach! hinburch, um Boroma zu erreichen und zu retten; das göttliche Herz Jeju gab mir em sicheres Vertrauen, baß alles gut au-gehen werbe. Ich kam nach Boroma, unb nichts war verloren. Man wartete hier auf ein Telegramm von Portugal, um über uns mit Solbaten unb Kanonen herzujallen, als wären wir Räuber. Ge- setzlicher Eigentümer von Boroma bin ich selbst; ich erhielt einst bie 500 Hektar, auf welchem Boroma auf» gebaut ist. Nachdem ich bie ganze Sachlage erkannt, landlcn wir ein Telegramm an ben brutschen Konsul unb appellierten an bie deutsche Regierung selbst, ba wir fast alle Deutsche unb Oesterreicher sind; ebenso an ben portugiesischen Gouverneur, daß Boroma mein Eigentum und wir berrtfch« Untertanen seien, und das bie Berliner Koryerenz von 1885 Art. 6 unb bei Brüsseler Antifllavereikongreß ben Missionen aller Nationen in allen afrikanischen Besitzungen voller Schutz gewähre. Sofort tarn Antwort, baß uns vor bet deutschen Regierung voller Schutz gewährt werbet unb bie Berliner Konferenzbestimmungen negiert werben sollen. Dasselbe schrieb bei Konsul. Nun atmeten wii auf. Aber leider werben un8 alle Hwsgelber von bei

Bartley ist ein Mann mit schönem, filbertveißem Haar und Bart. Er zieht und kultiviert Frucht- fcäume und Blumen mit einer Sorgfalt und Liebe, die man eine väterliche nennen könnte. Diese Be­schäftigung und die Beobachtung der Natur haben den Ausdruck seines Gesichts völlig verändert. Es trägt jetzt den Stempel des Wohlwollens und der Güte, ja, um den Mund liegt selbst ein Zug von Schwäche. Einige rohe Leute der Gegend bezeichnen ihn als einen „Simpel*, aber das Wort ist zu stark. Seine Gedanken sind allerdings nicht ganz klar, aber er stu­diert alle über Obstbau und Blumenzucht erscheinen­den Schriften und befolgt die darin gegebenen Rat­schläge mit Glück und Geschick. Nur in einem Punkte, in allem, was Handel und Erwerb betrifft, ist er nicht mehr zurechnungsfähig Mag es ihm gelingen, die feinstrn Aepfel und Birnen in solcher Menge zu ziehen, daß sich die Zweige unter der Last der köst­lichen Früchte zur Erde beugen, mögen die herrlichsten Kitschen und riesigsten Nektarinen an feinen Sonnen« geländen reifen, sowie ganze Felder voll Erdbeeren, die zu groß sind, um sie auf einmal in ben Mund zu bringen — er läßt sie hängen, verderben und ver­faulen, wo sie wachsen; sie gehen ihn nun weiter nichts mehr an. Aber das ist mehr, als sein aller Freund Hope mit ansehen kann; er schlägt sich ins Mittel, schickt die Früchte zum Markt, füllt große Fäs­ser mit Aepfel- und Bknemnost und führt darüber Buch, bei alledem unterstützt durch Mrs. Caston, welche zu ihrem alten Herrn zurückgekehrt ist und ihn in milder, aber entschiedener Weise bemuttert.

Grace Clisford brachte es eine Weile nicht über sich, ihn zu besuchen. Vielleicht ist sie eine jener Frauennaluren, welche körperliche Mißhandlungm nicht zu überwinden vermögen, und er hatte sie miß­handelt, als sie ihrem Vater zu Hülfe eilen wollte. Vielleicht hatte sie aber mich andere Ursachen, denn wer ergründete eines Weibes Herz. Nur soviel ist gewiß, daß sie Sattlet) mehrere Monate nicht besuchte. As sie es aber endlich aus Zureden ihres Vaters tat, wurde ihr Zorn durch die Tränen des armen alten Mannes unb die Freudenbezeugungen, mit denen er sie empfing, sofort entwaffnet.

(Fortsetzung folgt.)