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Zeitung

«Tuldaer

Hafer

155 (— 1 )

173 ( — )

165 ( )

168 (-}- 2 )

Mat 206.00

Rheinhessens 800—850 Mk. Pro Stück. Tas sind also 70 Psg. pro Liter und dabei handelt eS sich um nicht auSgebaute, hefige Weine. Es könnte nur_ eine Erklämng für das merkwürdige Ansinnen des Stadt- krankenhauseS geben und wäre es die, daß die leiten­den Kreise keine Zeitung lesen, sonst müßten sie reif- en, daß man zu 70—75 Pfg. heute nicht mehr liefen!

kann.

• Ein seltener Mann ist der Oberbürgermeister Mentzel in Glelreitz O.-Schl., den die Stadwer- ordneten vor kurzem mit großer Stimmenmehrheit zum Stadtobcrhaupt wählten und in Würdigung seiner Verdienste das Gehalt um 1500 Mark erhöhten. Er hat auf diese Gehaltserhöhung im Hin­blick auf die Finanzlage der Stadt verzichtet.

Danzig

Berlin

Frankfurt München

Mlwoch den 25. Ianuar 19U.

58 Jahrgang.

Märkte.

kurzer Getreide-Wochenbericht Der Preisberichlsstelle des deutschen Landwirtschaft­rats vom 17. bis 23. Ianuar 1911.

Argentinien kam in der letzten Woche mit stärkerem Angebot heraus und hat seine Forderungen um mehrere Mark ermäßigt. Auch Rußland war sichtlich verkaufslustiger, ohne aber sonderliches Entgegenkom­men zu zeigen. Zeitweise gaben zu der schwächeren Tendenz, die sich in der Berichtswoche auf dem Welt­märkte bemerkbar machte, mäßige Kursrückgänge in Amerika Veranlassung Die Nachrichten über die Win­tersaaten in den Vereinigten Staaten lauten nicht ein­heitlich: während verschiedentlich Befürchtungen ge­äußert werden, glaubt das Fachblatt Cincinnati Price Current die Situation weniger ernst beurteilen zu kön- nen. In Rußland sind die Saaten, nachdem in der letzten Woche starke Schneemengen niedergegangen sind, jetzt gegen Frostgefahr geschützt. In Deutsch­land sind die Felder zum größten Teil wieder schnee­frei, sodaß bei stärkerem Frost Gefahr für die Saaten besteht. Infolge der schwächeren Haltung des Aus­landes machte sich auch auf den deutschen Märkten eine Beruhigung bemerkbar, die indes weniger in den Preisen, als in verminderter Unternehmungslust zu­tage trat. Stellenweise hatten die gestiegenen Preis« etwas mehr Weizenangebot heraus gelockt, doch stell- ten sich die Forderungen für neue Abschlüsse zu hoch. Immerhin bleiben feine Qualitäten zur Deckung früherer Verkäufe von Exporteuren gesucht. In aus­ländischer Ware wurde auf Grund ermäßigter Forde­rungen wieder manches unternommen und daraufhin verschiedentlich Lieferung abgegeben, im übrigen ver­halten sich Abgeber im Lieferungsgeschäft bei der be­stehenden Disparität ziemlich reserviert, sodaß di« Preise nur 1% verloren. Für Roggen war die Ten­denz durchschnittlich fester, da vom Inland« wenig an­geboten wird, während sowohl seitens des Konsum» als auch seitens des Exports Nachfrage vorlag. Be­sonderes Interesse zeigte sich für trockene Qualitäten, und da solche spärlich am Markte sind, griff man wie­der mehrfach auf Russenroggen zurück. Im Liefo- rungsgeschäst standen mit derartigen Erwerbungen zu­sammenhängende Abgaben Deckungen gegen Export­verkäufe gegenüber: die Preise stellen sich gegenüber letzter Woche um 1%—1% Mk. niedriger. Hafer ist vom Inland nur zu hohen Preisen erhältlich, aber die Händler klagen, daß sie im Konsum nicht entsprechend verkaufen können. Rußland offerierte zeitweise willi­ger, hielt aber zum Schluß wieder mehr zurück Das gleiche gilt von russischer Gerste. Mais war trotz un­günstiger argentinischer Ernteausfichten vernachlässigt.

ES stellten sich die Preise für inländisches Getreide am letzten Markttage in Mark pro 1000 Kilogr. je nach Qualität, wobei das Mehr l-j-s brzw. Weniger (—) gegenüber der Vorwoche in Klammern () beigefügt ist löte folgt:

Weltmarktpreise: Weizen: Berlin

( 1.75 ), Budapest April 192.85 (-}- 2.50), Paris Ian.

222.35 (— 2.40) Livervoot März 159.80 ( 0.00 ) Chicago

Aus Gberheffen u- Hess. Aemtern.

* Frankarberg, 24. Ian. 191L Am Samstag abend stürzte der Apotheker Waldschmidt infolge der Glätte hin und brach ein Bein. Er wurde durch die SanULtSkolonne in die Klinik nach Marburg überführt.

* ZimmeeSrode, 24. Ian. 1911 Die Arbeiten an der Neubaustrecke Zimmersrode-Gemünden haben in den letzten Monaten, wie die .Hess Landesztg.* schreibt, einen rapiden Fortgang genommen. Der Oberbau ist soweit fertig gestellt, daß die täglich ver­kehrenden ArbeMzüge schon bis Jesberg fahren kön­nen. Sämtliche Brücken, Durchlässe, Böschungen sind vollständig fertiggestrllt, ebenso auch di« Stationsge­bäude von Gilsa, Jesberg und Densberg im Rohbau. Es ist beabsichtigt, die Teilstrecke Zimmersrode-Dens- berg am 1. Mat d. I. dem Verkehr zu übergeben.

♦ Ungedanken, 22. Jan. 1911. Anstelle des bis­herigen Bürgermeisters Herrn Martin wurde zum Bürgermeister Gutsbesitzer Ferdinand Freit- hof gewählt.

* Jesberg, 22. Jan. 1911. Die hiesig« Staats- Domäne, die einen Besitz von 211 Hektar gleich 744 Morgen aufzuweisen hat, bringt ein Pacht- erlös von 8557 Mk., 96 Mk. mehr als in der vorhergehenden Pachtperiode. Pro Morgen macht das ca. 11,50 Mk.

♦ Neustadt (M.-W.-B.), 24. Jan. 1911. In der Strafsache gegen dir drei hiesigen Burschen.

2. Blatt. -

Druck und Verlag der Zuldaer Aetiendruckerei in Hulda

Mai 152.75 (- 3.65). Rogge»: Berlin Mai 156.50 l— 1.50). Hafer: Berlin Mai 154.75 (— 1.25) Mk. per 1000 Kilogramm.

Freiwilliger bei der Großherzoglich hessischen Division mit Ein von ihm auch mit Skizzen v ersehe­ne» Tagebuch verlor er zu feinem großen Be­dauern in einem Wintergefecht. Das Buch, das sei­nen Namen und Wohnort enthielt, jemals wieder zu bekommen, hielt er für ausgeschlossen, und doch kam vor einigen Wochen unter seiner Adresse in seinem HeimatSorte ein Brief aus Frankreich an. In bie- ’em Briefe teilte ihm ein französischer Offizier mit, daß er sein Tagebuch in der Hinterlassenschaft seines Va­ters gefunden hab«. Der Inhalt des Buches habe ihn o interessiert, daß er darum bitte, ihn verwerten zu dürfen. Gern wurde diese Bitte gewährt, zugleich aber auch darum gebeten, das Buch nach Gebrauch zurückzugeben. Vor einigen Tagen kam nun nicht nur das Buch, sondern auch ein kleines, französisch ge­drucktes Buch zurück, welches die Notizen und Skizzen des Tagebuches enthielt.

* Offenbach, 23. Jan. 1911. Die Jahres- rechnung des Bürgermeisters Dr. Duilo für 1909 schließt nach langen Jahren wieder einmal mit einem außerordentlich günstigen Er­gebnis ab. Die Betriebsrechnung von 19u9 hat sich gegen 1908 um mehr, als 300 <00 Mk. verbessert. — Um die ausgeschriebene Sielle deS technischen Beigeordneten der Stadt Offen- bach, die bisher Beigeordneter Walter mit einem Gehalt von 10000 Mark inne hatte, haben sich nicht weniger als 110 Bewerber gemeldet. Der neue Beigeordnetenposten wurde mit einem Anfangsgehalt von 8000 Mk. ausgeschrieben. — Der Bauausschuß hat in seiner gestrigen Sitzung die Errichtung einer neuen Volksschule in der Bachstraße beschlossen. Es ist ein Kosten- auswand von 620000 Mark vorgesehen.

* Wiesbaden, 22. Jan. 1911. Auf Ansuchen der Landwirtschaftskammer hat die Regierung eine Polizeioerordnung für den Regierungsbezirk erlassen, um der Ausbreitung der Maul- und Klauenseuche zu wehren. Danach unterliegt alles in den Regierungsbezirk eingesührte Klauen­vieh einer anitstierärzilichen Untersuchung. Weiter ist die Landwirtschastskammer um eine genaue Kontrolle der Hausierer und die Quarantäne- Verhängung beim Landwirtschaftsminister vor- stellig geworden.

• L Ufr. 23. Jan. 1911. Seit Freitag früh ist der Gerichtsvollzieher Hoeffle ver- sch wundern. Er entfernte sich an die>em Tage unter dem Borgeben, eine Dienstreise zu unter­nehmen und kehrte nicht wieder zurück. Da dienst­liche Versehmngen vorliegen sollen, wird vermutet, daß der Beamte flüchtig gegangen ist.

welche am 4. Januar nachts zwei Handwerker überfallen und mißha« delt hatten, sand am 21. Januar eine Lokal-Besichtigung statt. Der seinerzeit mißhandelte Handwerker ist in- zwischen aus der Klinik in Marburg entlassen, und auch 6er seiner Barschast beraubte Hand- werter hatte sich wieder ein gefunden. Im An- chluß an die Besichiigang des Tatortes wurden die Zeugenvernehmungen rrn hiesigen Amtsgerichte fortgesetzt.

* Fritzlar, 22. Jan. 19t 1. Die gestrige Ver- ammlung des landwirtschaftlichen Streik- Vereins Fritzlar erneute sich eines zahlreichen Besuches. Zwei Vereine und eine Einzelperson wurden neu ausgenommen. Direktor Schmidt- Breitenau sprach über: .Die Rindvlebhaltung, ins­besondere Zucht auf Leistung.* Es find 50 Jahre her, seit die ersten An'änge zur Verbesserung der Viehzucht im hessischen Vaterlands gemacht wurden. -Man begann damit, durch Kreuzung die Zucht zu verbessern; namentlich war es das Schweizer nut dem Simmenthaler Vieh. Man erzielte Erfolge, war jedoch nicht vollständig zufrieden. Dies ist bet den Simmenthalern nicht der Raffe, sondern einer falschen Zuchtrichtung zuzuschreiben. Am der Leistung ver Butten beruht auch die Milchleistung. Die schönen Bullen sind diejenigen, die immer die ersten Preise bekommen. Ein schöner Bulle kann nun zwar gut sein, aber die guten Bullen sind selten schön. Ter Unterschied in der Milchleistung ist un- glaublich. Richt ein einziger Bauer ist in der Lage, am Schluß des Jahres zu sagen, diese oder jene ist die beste Milchkuh. Solange das aber nicht feit« steht, tappen wir im Dunkeln herum und verkaufen vielleicht die Tiere, die uns am wertvollsten sind. Wie können wir diese Leistu. g nun feststellen? Diese kann nur nachgere esen werden durch Einführung der Kontrollvereine. Die Kontrollvereine sind fett 12 Jahren in Dänemark eingeführt worden und sollten dies auch in Hessen fern, wo bisher kein einziger besteht. In letzter Zeit will Fulda einen Versuch machen. Als Ersatz für die Kontrollvereive gibt es aber ein anderes Mittel, das vielleicht ebenso gut ist, es ist das sogen. Probern«, ken. Die Zeil, die hierzu nötig ist, beträgt 10 bis 15 Minuten täglich. Es empfiehlt sich die Anschaffung von Kontrollbüchern und -eimetn. Reicher Beifall lohnte den interessanten Vortrag. In der sich anschließen­den Diskussion wurde bemerkt, daß der Rindvieh- bestand immer mehr zurückgehe aus dem Grunde, weil man sich mehr der Schweinezucht zugewendet habe, und das komme daher, weil für die Milch zu wenig gezahlt werde. Direktor Rehbock trat für die Kontrollvereine ein. In Fritzlar würde man gerne bereit fein, solche einzurichten, wenn nur genug Kühe vorhanden wären. Man wolle sich darum an die umliegenden Dörfer zur Mitbeteiligung wenden. Di« Kosten seien wirklich nickt so hoch, zumal seilens des Staates bedeutende Mittel hierfür in Aussicht gestellt feien.

Weizen Roggen

205 1 — 1 ) 147 s ) 200 ( — 2 ) 149 ( — >/») 2061/t( — 1 ) 161V.( -4-1’/.) 226 ( -f- 1 ) 170 ( + 4 )

vermischtes.

** Lobens- und nachahmenswert. 17 3373,65 Mark hat der Verband mittlerer Reichs-Po st­und Telegraphenbeamten durch die Neu- jahrs-Glückwunsch-Enthebungsliste bei seinen Mitglie­dern gesammelt. Das Geld wird im Monat Dezem­ber d. I. an bedürftige Witwen und Waisen ehe­maliger Verbandsangehöriger als Weihnachtsspende verteilt. Schon seit mehreren Jahren übt der Ver­band diese schöne Christenpflicht der Nächstenliebe in treuer pietätvoller Erinnerung an di« Angehörigen verstorbener Kollegen.

* Unvernünftige Forderungen eines Kranken­hauses. DaS Stadtkrankenhaus in Darmstadt fordert durch ein Zirkular vom Januar Offerte für zirka 2200 Liter Weißwein und 1100 Liter Rotwein. Für den Weißwein will das Krankenhaus 70—75 Pfg. und für den Rotwein 90 Pfg. pro Liter anlegen. Es ist, sagt dazu die Deutsche Weinztg. (Rr. 6), außerordent­lich zu beklagen, daß die Verwaltung eines städtischen Krankenhauses Offerten für Weine ihrer Kranken wünscht, die zu diesem Preise mindestens von frag­würdiger Güte sind, wenn es überhaupt noch einen Weinhändl« gibt, bet zu 70—75 Pfg. pro Liter liefert Die 1910 kosten in den allergeringsten Orten

Aus dem Nachbargebiete.

* Großentaft, 22. Jan. 1911. In schöner und «baulicher Wege feierte Der hiesige kathol. Geiellen- letctn am Feste des hl. Sebastianus sein 15 Sttttungs- »ft unter ireudiger Teilnahme der ganzen Plärret, v' P Fridolin, Prior am Frauenberg, war fetommen, um in mehrtägigen entsprechenden reib itß en Borträgen die Mitglieder auf die General- kommumon vorzuvereiten. Bei der Nachmittags- inöacbt hielt der Diözesanprases Herr Plärrer fflsert eine Auiprache, in der er, anknüpfenv an bas ruhmvolle Benptel des hl. Sebastianus des Verteidigers der Küche-, die Mitglieder zur offenen freudigen Betätigung des Glaubens in der ßeimat und in der Fremde aufforderte. Rach der Andacht bewegte sich der Festzug durch die sahnen- oeidimiidten Straßen nach dem Bereinslokal, woselbst ein erhebender Festakt stattfand, eer seitherige Präses, Herr Kaplan Braun <jetzt in Zella), entoot allen, besonders dem Herrn Diözesanprases ttnö den Herren Geistlichen, einen freudigen Will­komm grüß, worauf noch von der Bühne aus eme smmge Begrüßung des Diözesanpräses bur* bie Vertreter der einzelnen Handwerke erfolgte. Rach rearmen Dankesworte r sprach dieser über die Be- bent.mg und die Ausgaben der kath. Gesellenvereine in öer heutigen Zeit, wobei er den bieügen blühenden sRerein als Muster besonders jfir alle ländlichen Gc cilcnoereine hinstellte. Weitere Ansprachen hielten 6err P. Fridolin, Herr Plärrer Huber, der hoch­verdiente Gründer und Förderer des Vereins, Herr Kaplan oüber in Bockenheim, £)crc Pfarrer Gnau von Oberufhausen und Herr Kaplan Braun von Eiterfeld, die Grüße und Glück­wünsche ihrer Vereine überbrachten. Zahlreiche telegraphische und briefliche Glückwünsche und Be- grüßnngen waren auch von alten Atttgliedern ein« getroffen, die sich jetzt im Industriegebiete ein Heim ncarünbet haben. Emen würdigen Schliw der Feier bildete das am Abend von den Mitgliedern ganz vorzüglich zur Darstellung gebrachte lehrreiche reit- gjöse Schau,piel .Eustachius'. Auch der „Froh­sinn und Scherz" kam noch in einigen kleinen humo­ristischen Stückchen, die geradezu rneisterhatt gegeben wurden, zu feinem Recht. Am andern Morgen versammelten sich die Mitglieder wieder im Gottes- Hause, um einem vom Herrn Diözesanpräses für die verstorbenen Mitglieder zelebrierten feierlichen Requiem beizuwohnen. Die ganze von echt Kolping'fchen religiösem Geist durchzogene Feier Hai bei allen Teilnehmern di« Ueberzeugung befestigt, daß auch die ländlichen Gefellenverein« noch sehr zeitgemäß sind und sich keineswegs — wie man hier und da hören kann — „überlebt* haben. Möchten nur überall da, wo besonders die Jugend zahlreich abroanbert, auch auf dem Lande folche Vereine im Anschluß an den Verband der kathol. Gesellenverelne entstehen, dann würde man auch nicht mehr fo viel Klagen darüber hören, daß die Jugend sich dem katholischen Vereins leb en fernhält und für die katholische Sache verloren geht.

* Gießen, 24. Jan. 1911. In Bad Nauheim sand eine Besprechung des Provinzial-Ausschusses nut Vertretern der Staatsregierung statt, in der ein Ettioerfländnis über di«Anlage einer lieber» lauv-Zenlrale bet Wolfersheim erzielt wurde. Der Staat benutzt die dort gewonnenen Braun- kohlen zur Erzeugung des elektrischen Stromes und gibt ihn an die Provinz ab, die ihn ihrer­seits an die Gemeinden liefert. Dadurch wird es möglich, einen noch größeren Teil der Provinz Oberhefsen mit Elektrizität zu versorgen, al« es bei dem bei Lißberg vorgesehenen Werke möglich gewesen wäre. Das Lißberger Werk wird einst» nKilfu nicht gebaut.

* Frankfurt a. M., 24. Jan. 1911. Der „Volks- Verein für das katholische Deutschland* hat am 1. Jan. ein „Mitteldeutsches VolksverelnSse- Ir et ar tat* mit den, Sitz in Frankfurt errichtet Die Leitung dieser Institution ist dem Arbeitersekre­tär Gotthardt, der das katholische Arbeitersekretariat hier feit seiner Gründung leitete, übertragen wor­den. Die Leitung des katholischen Arbeiterfekretariats und des Volltzbüros hat Arbeitersekretär Fahrenbach übernommen. — Ein Angestellter eines hiesigen In­stituts machte den Feldzug 1870/71 al» Einjährig-

Ein gefährlicher Geheimnis.

81] Roman in zwei Bänden von Charles Read«.

Infolge dieses Briefes wurde ein ausführlicher Vertrag aufgesetzt und aus gearbeitet, und Bartley hatte geschrieben, er werde nach Clifford Hall kommen, um denselben zu unterzeichnen und vor Zeugen zu be­stätigen.

Geg:n neun Uhr abends erschien noch einer der Geheimpolizisten, um dem Obersten eine Mitteilung zu machen. Sein Gefährte hatte einen berüchtigten Gauner, der bereits unter einer Reih« »on Namen aufgetreten, der Polizei aber als ein gewisser Mark Waddi, bekannt war, in der „Schwarzbraunen Kuh* entdeckt. Derselbe hatte sich durch seine Unterhaltung«’ gäbe in dem Wirtshause sehr beliebt gemacht, hielt ich aber sicherlich nicht zum Vergnügen dort auf, son­dern verfolgte wahrscheinlich di« Absicht, für die «ine ober andere Diebesbande eine Gelegenheit auSzukund- schasten. Man hatte bemerkt, daß er heute mit einem Geistlichen einige hastig« Worte gewechselt, und da er ferne Bekannten sonst nicht gerade unter der Geist- Hcnfeit besaß, so ließ sich vermuten, daß dieser Herr iu seinen Sviehgesellen gehöre

„Welch kluges Geschöpf sie ist!* rief der Oberst.

„Wie meinen Sie, Sir?* fragte der Polizist, der ”en Ausruf nicht verstand.

„Nichts, nichts!* ries der alte Herr. „Aber ich erwarte morgen mittag zwölf Uhr ben Besuch eine» zweifelhaften Geistlichen. Halten St« sich nut für ben Fall, daß ich Ihnen ein Zeichen zu gebot hätte, Um «m* Alt auf dem Festplatze auf *

Während also Monkton seine Batterien auffuhr, rßfteten sich feine Opfer zur Gegenwehr, obwohl sie das nur im Allg-meinen konnten, denn sie sahen ihren «Seg nicht so klar vor sich, wie ihr Fetnd ihn sah.

Oberst Clifford'» großes Empfangszimmer war etn Mächtiger Raum von 50 Fuß Läng« und SO Fuß Xirfe. Mehrere Glastüren führten von hier auf ein« "reite Terrasse hinaus, von welcher ab wiederum drei widrig« ftontrne Treppen, bereit mittler« breiter war w8 di« zu beiden Seiten, auf den großen Grasplatz

hinabgtngen. Mit dem Innern de» Hauses stand dies große Zimmer durch zwei Flügeltüren und zwei mit schweren Portieren versehenen Seitentüren in Verbindung, welche zu zwei anstoßenden kleineren Gemächern führten.

Gegen zwölf Uhr am nächsten Tage erschien die­ser Raum mit der blumengeschmückten Terrasse und der Aussicht auf bl« weißen Zelte und die wehenden, von bet Sonn« beschienenen bunten Flaggen drau­ßen, al» könne et nur zum Schauplatz für Lust und Freude bestimmt sein, und etn heretntretender Frem­der hätte schwerlich geahnt, daß et so bange Sorgen umschloß, und demnächst einen tlefreutgen Sünder und einen unverbesserlichen Schurken innerhalb seiner vier Wände bergen sollte.

Der Erste, welcher ankam, war Bartley mit sei­nen Zeugen. Oberst Clifford nahm ihn sehr gütig und freundlich «ff und bat thn, einstweilen in einen der Nebmräume zu treten.

Man bedurfte eine» zweiten Zeugen, nach welchem John Baker sofort ging, und Bartley und der Oberst hatten sich eben niedergelassen, um bot Vertrag noch­mals durchzulesen, als etn Diener eine Karte herein- brachte. Darauf stand: „Reverend Alleyn Meredith*, und darunter von Frauen Hand mit Bleistift geschrie­ben: „Mrs. Waller Clifford.*

„Führen Sie die Leute sogleich herein*, befahl der Oö«st, indem er In den Salon trat.

In diesem Augenblick öffnete sich eine Spalt« btt schon «wähnten schweren Gardinen gegenüber, und Grace, dl« den Wagen hatte Vorfahren hören, fragte:

„Sind Ile schon bat'

„Ja*, entgegnete der Oberst ernst. „Wollen 6te hier bleiben unb sie empfangen?*

„Stets, »in!* rief Grace entsetzt. „Ich will sie nur durch die Gardinen sehen, in die ich mir zu dem Zweck« «bi kleine» Loch gemacht hab«.* Damit verschwand st« wird« hinter dem Vorhänge.

Der Dien« öffnete die Tür unb herein trat da Geistliche, «ff dessen Arm sich eine dunkelhaarige, noch Nme? fehl schön«, xinfach aber gut Meidet«

Frau stützte, dle, obwohl erregt, doch nicht fassungs­los «schien

„Bitte, setzen Sie sich*, sagte der Oberst, und fuhr dann nach einer kleinen Pause fort:

„Sie haben sich also am 11. Juni 1861 mit einem Herrn Namens Walter Clifford verheiratet?*

„Ja, Sir.*

„Daff ich fragen, wie lange Sie nachher mit ihm gelebt haben?*

Die Dame verbarg ihr Gesicht in den Händen. Die Frage überraschte sie. und sie suchte Zeit zu gewinnen, um sich die Antwort zu überlegen.

Monkton kam ihr geschickt zu Hülfe. „Atme Frau, arme Frau!* murmelte er.

„Er verließ mich schon am nächsten Tage und ich habe ihn seitdem nicht wiedergesehen*, gab sie zur Antwott.

Hi« mischte sich Monkton abermals ein. Er glaubte bemerkt zu haben, daß die Gardine sich be­wegte.

„Berzeihen Sie*, rief er, „ich glaube, wir werden belauscht!* Damit eilte er behende an den Vorhang und steckte den Kopf hindurch. Aber da» Zimmer war leer; denn Grace, welche nicht nur durch da» Erscheinen der Dame, sondern auch durch ihre ver­führerische Schönheit und ihr achtbares Aussehen überrafdjrt war, hatte die Taktik sofort geändert. Sie wat zu Ihrem Vater geeilt, um feinen Rat etnzuholen, und sich von Ihm unterrichten zu lassen, während sie früh« die Absicht gehabt hatte, Ihn in seinem gegen­wärtigen Schwächezustande ganz aus dem Spiele zu lassen. Der Rat und Befehl, den sie non ihm em­pfing, ging dahin, sogleich auf ihren Posten zurückzu­kehren und ben Mann, nicht bte Frau zu beobachten

Während Ihr« Abwesenheit war ein and«« Geist­licher an die Fenstertüt gekommen, hatte hereingeblickt und sich, da « bemerke, daß der Oberst nicht allew war, wieder zurückgezogen. Dieser bescheidene geist­liche Herr war im gewöhnlichen Leben geheim« Poli­zist. Gr hatte in einem selben Moment bemerk, daß es Waddy's Spießgeselle war, auf ben « sein Augen­merk zu richten hatte.- ab« da di« Polizei ihre eige­nen Wege zu gehen pstytt. fo übernahm « dix Wache

nach der Sette des Grasplatzes zu nicht selbst, son­dern beauftragte Jim Davies, mit dem er Bekannt­schaft gemacht hatte, ein Auge auf die Ausgänge nach der Terrasse zu haben, da ein Galgenvogel Im Hause sei. Er selbst ging bann um das Gebäude hemm nach dem Hauptportale, welches der Mann, dem er auf­lauerte, jedenfalls passieren mußte, denn wenn er auch jetzt noch nicht das mindeste Recht hatte, den Geistlichen da drinnen zu verhaften, so bereitete « sich doch für dm Fall darauf vor, daß der Oberst, b« ja eine obrigkeitliche Person war. Ihm einen Wink dazu gäbe.

Aber wir haben das Verhör, welchem Oberst Clif­ford seine Gäste unterwarf, unterbrochen.

„Mr kommen Sie auf den Gedanken, daß jener verräterische Walter Clifford mit meinem Sohne iden­tisch sein könnte?* fragte d« alte Herr.

„Da» weiß ich wirklich nicht recht*, rief die Dame, indem sie sich mit allen Zeichen des Schmerzes in dem Zimm« umsah; „ja, ich fangt an zu hoffen, daß es nicht Ihr Sohn gewesen sein kann. Er wat etn groß«, schlanker, junger Mann, fast so groß wl« Sie selbst, seht hübsch, mit braunen Augen, und schien eines Betruges ganz unfähig."

„Haben Sie vielleicht Bttefe von ihm?*

„Ich befaß seht viele, habe aber nicht alle aufge­hoben.* , .

„Ab« Sie besitzen doch vielleicht noch einen? fuhr der Oberst In strengem Tone fort.

„Gewiß. Sir, einige zwanzig werde ich wohl noch haben!* rief Lucie, setzte indessen sogleich mit anschei­nend« Einfalt hinzu: „Wozu könnten sie aber nutzen?*

„Wie können Sie so fragen?* sagte Monkton, „Oberst Clifford hat ganz Recht, wenn er die Brief« zu sehen verlangt, denn er würde ja seines Sohne» Handschrift erkennen, unb gibt Ihnen dadurch Gele­genheit, die Wahrheit Ihrer Aussagen zu beweisen, Ich muß Ihnen aufrichtig gestehen, daß, wenn Sft die Briefe, die Sie Ihrer Angabe nach besitzen, nicht vorzetgm ,lch bereuen würde, mich Ihrer Sache an­genommen Lu haben* (Fortsetzung folgt.)