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38. Iahrqnn^

Fulda, Dienstag Den 24. Januar UH1

Erstes Blatt

jV3 19.

hat die Erste Kammer wen sehenen Arbeitervertreter In der Ausschuß der Ersten Kamm« ab; von der In­dustrie, d« Landwirtschaft und dem Handwerk will et nur se einen berufsmäßigen Vertret« statt d« bot» geschlagenen zwei aufnehmen. Die Zweite Kamm« hat die Bestünmunz verworfen, welche daS passive Wahlrecht der Beamten in ihrem eigenen Dienstbezirk anSschließt; die Erste Kammer beharrt auf dieser übrigens schon seich« bestandenen Bestimmung, deren Zweckmäßigkeit wohl auch auß« Frage steht. Die Zweite Kamm« Hai für den zweiten Wahlgang das romanische Verfahren verworfen, das in der Vorlage enthalten war und welches bekanntlich beliebige Ran» didaten im zweiten Wahlgang zuläßt; obwohl die Erste Kamm« dem romanischen Verfahren den Vor­zug gibt, stimmt sie im Jnt«esse einer Einigung ben- nod) dem anderen Hause darin zu, daß wie bei den Reichstagswahlen eine Stichwahl zwischen den beiden höchstbestimmten Kandidaten deS ersten Wahl­gangs entscheidet. Bei den Routeten des direkten Wahlrechts hat die Erste Kammer als Voraussetzung für das Wahlrecht die hessische StaatsangehSrigkeit seit drei Jahren und den dreijährigen Wohnfitz in Hessen, wie eS die Regierung vorgeschlagen, für zweckmäßig« erachtet; fie stimmt ab« auch hi« dem anbtten Hause bet, welches die Dau« der S t a a t s- angehörigkeit von drei auf ein Jahr ermäßigt hat; ebenfp ist sie damit einverstanden, daß das Pluralwahlrecht Eingang findet das nach den Beschlüssen d« Zweiten Kammer dem Wähler, der das 50. Lebensjahr erreicht hat, zwei Stimmen

einröumt Zwar hätte die Erste Kammer die Aus­dehnung des Pluralwahlrechtes auf Bildung und Be­ltz vorgezogen, fie will aber mich an dies« Frage das Gesetz nicht scheitern lassen. Das Frauenstimm­recht lehnt die Erste Kammer im Einklang mit der Volksvertretung ab. Einverstanden ist der Ausschuß gleichfalls mit d« Vermehrung der städtischen Man­date.

Die von der Ztveiten Kammer mit großer Mehr­heit angenommene neue Wahlkreiseintei­lung hat der Ausschuß der Ersten Kammer in seinen Beratungen mit einer gewissen Reserve behandelt; « hat nur einige Unstimmigkeiten beseitigt, welche in der Bildung zwei« oberhsssischer Wahlkreise in letzter Stunde durch Beschlüsse des anderen Hauses entstan­den sind und deren Beseitigung auf dem Wege der Bttständigung beider Häuf« als notwendig erscheint.

Die Beschlüsse des Gesetzgebungsausschufles der Ersten Kamm« bewiesen einen hohen Grad des Ent­gegenkommens und geben die Möglichkeit zu einer V«- tändigung und damit der alsbaldigen endgiltigen Verabschiedung des Reformwerks

katholische Geistlichkeit, die durch ein Flugblatt vor dem ,@enbboten' als vor einem relipionsfeindlichen Blatt gewarnt und tatsächlich zum Quartalsschluß etwa 400 Abbestellungen herbeigeführt hatte.

cf München, 23. Jan. 1911. Daß es unrichtig ist, wenn liberale Blätter behaupten, das Schreiben der Bischöfe in Sachen des bayerischen Lehrer­vereins sei durchaus wirkungslos gewesen, das beweist u. a. die Tatsache, daß durchaus nicht alle katholischen Lehrer mit dem Vorgehen der liberalen Leitung des Vereins einverstanden find, daß viele katholische Lehr« in Nürnberg, Fürth, Erlangen, Bamberg, München re. den bischöfl. Ordinariaten vollkommen recht geben, und daß die Gesamtheit der kath. Lehrerschaft in Fürth im gleichen Sinne wie das bifchöfliche Ordinariat an die Redaktion der »Bayerischen Lehrerzeitung* herangetreten ist. Allerdings hat sich bei dieser Gelegenheit auch wieder gezeigt, was man schon wußte, daß der Radikalis­mus bei den bayerischen Lehrern schon weit fort« 7- — Soeben hat übrigens eine größere Anzahl kath. Lehr« Nürnbergs dem Vorsitzenden des Bayerischen LehrnvereinS, Abg. Schubert, eine Erklärung übermittelt folgenden Inhalts:

** Berlin, 23. Jan. 1911. In einigen Zei­tungen wird berichtet, Prof. Ehrlich habe heute vor dem Kais« einen Vortrag über sein Heilmittel <gto!a 606 gehalten. Diele Mitteilung beruht ledig­lich auf eine Vermutung, die an die Tatsache ge­knüpft worden ist, daß die Mitglieder der Sailer« Wilhelm-Gesellschaft ans Anlaß der ersten Senats- sitznng vom Kaiser zur Tafel geladen waren.

c. MitielstandSantrag des Zentrums. Im Abgeordnetenhause haben die Zentrums­abgeordneten Trimdorn und Dr. Hitze mit Unter» stützung der Fraklion folgenden Antrag emge« dracht:

die Staatsregierung zu ersuchen, I. unter Fühlung­nahme mit Vertretern des KauimaunSstandes, insbe­sondere der Haiidelslammern, der Kausmannsgerichte, Dela-.Üisten-Berbänden, Handlungsgehilsen-Orgamsatio- nen, sowie unter Mitwirkung des Landesgewerbeamtes

von den Dingen in d« katholischen Kirche Württem­bergs haben sollte. Eine so genaue Kenntnis, wie sie die bestimmten Angaben d« Zeitung voraussetzen, könnte man nur im Ordinariat in Rottenburg haben. Von dort kommt jedoch die Nachricht, daß man von dem nichts wisse, was die „Neckarzeitung" schreibt. Daß die Nachricht schwindelhaft tft, ergibt sich außer­dem schon aus der Tatsache, daß die Professoren an staatlichen Hochschulen bekannllich den Modernisteneid gar nicht leisten müssen.

+ Tie badiiche Negierung und die Sozialdemo­kratie. Welch schonende Rücksichtnahme die Sozial- demokratle in Baden jettens her amtlichen.Karlsruher Zeitung' erfährt, dafür ist bezeichnend, daS amtliche Organ von emer bemerkenswerten Broschüre des konservativen Generalsekretärs Schmidt in Hesselberg, die unter dem Titel erschienen ist: »Groß­block oder bürgerlicher Block*, nur ganz kurz Notiz nimmt, ohne ein Wort dazu zu sagen. Die Bro­schüre nimmt in d« entschiedensten Weise Stellung gegen die Soziald motratie und die Großblockpolittk. Gegen bte Broschüre kann sich das amtliche Organ d« badischen Regierung begreiflicherroetfe nicht wen­den; für sie einzutreten, das paßt ihm aber wegen seiner bekannten schlecht v«hehlten Neigung für die Großblockpolittk gcnz und gar nicht. Von allen Fragen nimmt das Regierungsblatt Notiz, von solchen, die die Sozialdemokratie angehen, jedoch nur bann, wenn den .Genossen" in einer nicht allzu auffälligen Weise Lob gespendet werden kann. Kann man sich unter solchen Umständen wundern, wenn für die Großblockpolttik das Wohlwolle» der Regierung in Anspruch genommen und da durch in weiten Kressen der Bevölkerung eine nichl wieder gut zu machende verhängnisvolle Verwirrung hervorgerusen wird?

)( Eine süddeutsche Staatslotterie? Die Süd­deutschen wölken sich nicht »verpreußen* lassen. Preußen hat mit feiner Staatstotterie bekanntlich die thüringischen Staaten, dann Elsaß-Lothringen und Hessen in eine Lotteriegemeinschaft hineingezogen. Die Versuche, auch die süddeutschen Staaten dafür zu gewinnen, sind ab« fehtgeschlageu. Jetzt wird dazu gemeldet, daß die süddeutschen Regierungen Württemberg, Baden und Bayern in der Frage der Einführung ein« staatlichen Lotterie g e« meinsame Sache machen wollen. Die württem« bergische Regierung hat sich vor der Einbringung ihres Loit«ievorschlages bei den Regierungen der Nachbarstaalen informiert, wie man sich dort diesem Unternehmen gegenüber verhalte. Weder in Baden noch in Bayern steht man der Sache prinzipiell ablehnend gegenüber.

* Karlsruhe, 23. Jan. 1911. In dem Be­leidigungsprozeß von 39 katholischen Geistlichen des Psarrbezirks Ueberlingeu am Bodensee gegen den liberalen Itebertinger ,(Seeboten' wegen Be­leidigung hat das Oderlandesgericht Karlsruhe die Revision verworfen und das Erkenntnis der Kon­stanzer Straffammer (Verurteilung des Redakteurs Alt zu 50 Diark Geldstrafe nebst Kosten unter Ab­weisung der WicderUage des Redakteurs) bestätigt. Wie «innerlich, waren die Beleidigungen enthalten m mehreren Artikeln des ,Seeboten' gegen die

Di:' hessische Wahlrechtsreform in ver ersten hessischen Kammer.

<f> Darmstadt, 22. Jan. 1911.

Der Gesetzgebungsausschuß der Ersten Kammer hat durch den Gießener Univecsttätsprofessor Geh. Rat Dr. Schmidt einen eingehenden Bericht über die Wahl­rechtsvorlage erstattet.

Bekanntlich zerfällt die Regierungsvorlage in drei Gesetzentwürfe, von denen der erfte Verfassungs­änderungen vorschlägt, die nach den Erklärungen der Regierung als Voraussetzung für ihre Zustim­mung zur Einführung des direkten Wahlrechts gelten. D« Artikel 67 zunächst soll eine Fassung «halten, wo­nach die gesetzliche Mitwirkung der Ersten Kam­mer beim Finanzgesetz und beim Budget für die Folge mit einem seit vielen Jahrzehnten be­stehenden Gebrauch in Einklang gebracht und vessas- sungsrnäßig gesichert werden soll. D« Ausschuß der Erstem Karnnier schließt sich im allgemeinen in dieser Hinsicht den Beschlüssen des anderen Hauses an, will aber noch eine weitere Bestimmung ausgenommen wissen, welche die Verquickung großer Vorlagen mit dem Budget für die Folge unmöglich macht. Beson- d«s der frühere Finanzminister Dr. Gnauth hatte in den letzten Jahren wohl im Interesse einer rascheren Erledigung verschiedene größere Vorlagen im Staats­voranschlag eingebracht, was auch in der Zweiten Stamm« auf Widerstand stieß. Die Zweite Kammer wird wohl kaum diesem Zusatz zu dem Artikel 67 ihre Zustimmung verweigern.

' Bei dem Art 75 der Verfassung, der sich mit der Durch st immung v e r Kammern im Falle von Diff«enzeu zwischen beiden Häusem bezieht, wünscht die Erste Kammer eine Regelung dahin, daß «S zur Annahme des Gesetzesvorschlags der einfachen Mehrh eit der versammelten Mitglied« beider Kam» jnem bedarf, wenn die Annahme mit zwei Drittel

Deutsches Keich.

C. f Abg. Dr. v. Jazdzewski ist, wie wir gestern noch kmz mitkeiken koimien, gestern, Diontag, morgen plötzlich von einem Herz­schlag getroffen worven, bet sofort einen töbli ■ en Ausgang nahm. Der Tod erfolgte in dcm Augen­blick, als bet greife Parlamentarier bas Zimm« ferner Fraktion im Abgeorbneicnhause betrat, wo eine FratlwnSberatung statlfinden sollte. Im Ge­spräch mit dem Abg. Schröser-Neustadt sank er plötzlich m einen Stuhl meocr, der herbeieilende Abg. Pfarrer Kapitza konnte ihm eben noch bte Ab­solution erteilen. Die Leiche verblieb zunächst im Hanse und wurde dann in einem Krankenwagen nach dem St. Hedwigskrankcnhause gebracht, wo sie bis z« der llederführung in die Heimat des Ver­storbenen, Schroda, verbleiben wird.

Die Trauerbotschaft rief in allen Parteien, be­sonders auch in d« Zentrumssraklion innige An­teilnahme hervor, der Präsident v. Kröcher zu Be- gmn der Sitzung herzlichen Ausdruck verlieh. Der Verstorbene flauv bei allen seinen Kollegen im Ab­geordnetenhause in hohem Ansehen und genoß wegen fein« vornehmen Liebenswürdigkeit,allgemein Herz, liehe Sympathien. Er warb seit langen Jahren bet Führer d« polnischen Fraktion unb beten her­vorragendste parlamentarische Kraft. Als Wort­führer der Fraktion hat er bei allen wichtigeren Anlässen die Interessen der polnischen kalholifchen Bevölkerung mit Klugheit und Energie vertreten. Aus den Kreisen seiner Volksgenossen «fuhr er be» jvnders in den letzten Jahren heftige Angriffe, daß er allzu »gouvernemental* sei ufw.; eine gerechte Würdigung aber zwingt zu dem Anerkenntnis, daß er stets mit allem Ess« nnb mit größter Selbst- lostgteit die Sache ferner Volks« und Glaubens­genossen vertreten hat, und jedenfalls hat « sie mit größer« Klugheit und auch mit größerem Erfolge vertreten als feine Widersacher, die ja auch m der eigenen Fraktion nicht fehlten. Stets hat er mit Mut und Entschlossenheit die Sache des Rechtes wrteitngt, das Recht der polnischen Bevölknung, wie das Recht d« Kaiholikeu. Darin liegt die Zuversicht begründet, daß das, was er wollte und «strebte, auch zur Verwirklichung kommen wirb, wenn auch vielleicht noch manche Jahre darüber hmgeheu werben. Das Andenken des Verstorbenen wiro unvergessen bleiben.

Geboren 1838 zu Posen, studierte Ludwig von Jazdzewski nach Absolvierung des Marien-Gym« nafiums daselbst im katholischen Klerikal-Seminar und m München, promovierte 1860 zum Lizentiaten und 1861 zum Doktor der Theologie. Seine Reisen führten ihn 1859 bis 1866 durch alle Länder Europas. 1861 zum Priester in Guesen geweiht, wurde er im Jahre 1862 Religionslehrer an dem llrsuliucnstift ist Posen, Mansionar zu Punitz, dann

Religionslehrer an dem Gymnasium zu Krotoschin, leit Ende 1862 Domprebig« an der Kathedrale zu Warschau uno Professor an der dortigen geistlichen Akademie und am Metropolitan-Seminar. Diele Aemter legte er aber jchon 1863 wieder nieder, um apostolischer Missionar in England zu werden. Von Dort ging er 1865 längere Zeit nach Italien und Rom. Von Juni 1866 bis 1890 war er Probst in Zduiiy. Seine theologischen Schriften sind in Warschau, Paris unb Pofen gedruckt.

Im Jahre 1873wurde er m das Abgeordneten­haus gewählt, dem er srithel ununlnbrochen an- Sebörte. Er vertrat den Wahlkreis JarosschiN- 'ofchmin-Krotoschin-Pieschen. Mitqlied des Reichs­tages war er von 1872 dis 1873, von 1878 diS 1887 und von 1890 bis Dezember 1906 für den gleichen Wahlkreis.

Sein Eintritt in das Parlament fiel in die Zeit des Beginns des Kulturtamptes. In jenen Kämpfen bat er Schult« an Schulter mit den verewigten Führern des Zentrums und mit fernem Freunde Stablewski, damals Probst von Wrsschrn, dem späteren Erzbischof von Posen-Gnesen, in der vorderste» (Ählachtreihe gestanden. Nach der Be­endigung des Kulturkampfes wurde die Verteidigung der Rechte sein« von der preußischen Regierung unterdrückten polnischen Volksgenossen seine vor­nehmste Aufgabe. So hat er in einet nahezu 40- jährigen parlamentarischen Tätigkeit als Anwalt des Rechts unb der Schwachen sich unvergängliche Verdienste erworben, und sein Tod »in den Sielen" gab feinem Lebenswerke einen herrlichen Abschluß.

Preußischer Lanvtag.

Abgeordneteuhaus.

Sitzung vom 23. Januar 1911.

Vor Eintritt in die Tage-ordnung gibt der Präsi­dent v. Kröcher dem Hauie Kenntnis, daß der Abg. Dr. v. Jazdzewski kur, vor Beginn b« Sitzung tm Hause vom Schlaganfall bettofien und auf der Stelle verstorben fei. Durch die Nachricht tief er­schüttert, erhebt sich das Haus zur Ehrung ort Dahin» geschiedenen von feinen Sitzen.

Darauf erhält das Wort zu einer Erklärung außer­halb der Tagesordnung der

Abg. Stengel Ort.): Am 20. d. Mis. hat der Abg. Hoffmann den Präfidenten schwer belei­ht g t. Eine solche Belchimpsung bet Ehre drt Prüft- benten unb auch ber Ehre des HaufeS ist in den Parlamenten Deutschlands brSher noch nicht vor» gekommen. Da die Partei des Abg. Hoffman» bis­her keine Veranlassung genommen hat, daS Vorgehen desselben zu mißbilligen, ,o roetie ich tm Namen sämtlicher übrigen Parteien bisse Be­schimpfung aufs Nachorücklichste zurück.

Abg. Hirsch-Berlin (@o,J bittet ben Präsidenten, zu obiger Erklärung eine Erklärung seiner Freunde ab» geben zu dürfen.

Präsident v. Kröcher: Das darf ich nicht. Sie müssen mir erst vorher schriftlich den Inhalt Mitteilen. Das ist doch so üblich.

Abg. Hirsch (So,): Ich halte das getan, wenn ich gewußt hätte, daß heute von anderer Seile eine Er- ftärimg abgegeben wird. Ich kann Sah« nur erklären, daß wir uns Den Ausiührunen des Abg. Stengel nicht cmSchliehen können. (Lachen bei Den bürgerlichen Par­teien.)

Darauf wird in die Tagesordnung eingetreten, ätnige kleinere Vorlagen, sowie eine Reihe kleinerer Etats in zweiter Lesung werden ohne erhebliche De- baite erledigt. — Beim Etat der Wlün,Verwal­tung bemängelt Der

Abg. Dr. Arendt (freit.) die mün,technische Aus­führung des 25-Psennigstücks. Es sollten Versuche mit anderen Formen gemacht werden. Er wünscht eine Ausdehnung der Ausprägung von Denkmünzen.

Adg. Kirsch 'Zlr.) schließt sich Dem an.

Beim Etat der landwirtschasllichenBer- walkung wiro zum Tue! „Ministergehalt" zunächst eine Resolution der Kommission «örtert, die Milderung Der bei Der BelämpSung Der Maul- und Klauen­seuche sich ergebenden Härten toifcert, und anderseits die weitere strenge Bekämp'ung Der Seuche befürwortet.

Die Abag. Beck (ton|.), Viereck ssrk.l, Heine (ntld.) und Dr. Ehlers (Vp.) stimmen Der KommissionSrsso- lulion zu.

Landwirlschastsmimster v. Schorlemer-Lieser: Es fte'gt statistisch fest, daß wir in v»r UMämpiung der Maul- und Klauenseuche in Den letzten Jahren bedeu­tende Erfolge erzie l haben. Nennenswert graisiert ste nur mehr in Polen. Es ist zuzugeben, daß besonders die kleineren Landwirle durch Die scharfen Abwehr- maßnahmen schwer geschädigt worden sind. Doch darf ich dem enlgeqenhalten, daß die Regierung nach Mög- lichkcit bestrebt ist, die Lenke vor Schaven zu Schützen. Die ÜSegierung ist gern bereit, tn Den von Den Seuchen betnffenen EegeuDen nachzuprüsen, cb und inwieweit dadurch die Bauern in eine bedrängte Lage g-raten find. Wo eine Notlage festgestelll ist, wird die Negie­rung das erforderliche tun, Den Notstand zu beseitigen. (Lebst. Beifall.! „

Abg. Graf Spee (Ztr.): Der Resolution der Kom- miifion stimmen auch wir natürlich zu, rote rote ja auch schon im Jahre lut8 einen Antrag mit ähnlicher Tendenz eingebracht haben. Es freut mich. Daß auch die Fieisinnigen Der Resolution jultimmen und so zum Ausvruck dringen, daß es sich bet den Ausgaben zur Bekämpfung der Maul- und Klauenseuche um eine Verwendung staatlich« Mittel für allgemein nützliche Zwecke handelt.

Abg. Hoffmann (So,.) ist ebenfalls für Bekämpfung der Seuchen, will aber von Der 'Absperrung Der Grenzen nichls wissen.. , v

Damit ist die Debatte zu den Anträgen beendet und das Haus vertagt Sich-

Außerhalb der Tagesordnung verliest

Abg. Hirsch (Soz.) eine Erklärung Seiner Fraktion, daß feine Partei sich Der vom Abg. Stengel verlesenen Erklärung nicht anschließen tönne, vielmehr DaS Ver­halten des Abg.Holtmann durchaus billige lHö.i, hört!1, weil fie darin einen gebotenen Akt der Selbstverteidigung erblicke.

Dienstag: Fortsetzung der Etalsberakung.

b« Stimmen all« Mitglieder d« annehmenden Kam- m« erfolgte; anderenfalls sollen zur Annahme des Gesetze» zwei Drittel b« in gemeinsam« Sitzung ab­gegebenen Stimmen erforberlich fein. Gestrichen hat bie Erste Kammer bat weiteren Zusatz de» anbeten HaufeS, wonach e» einer Ablehnung gleich «achtet wird, wenn eine Gesetzesvorlage nicht durch Abstim­mung im Plmum erledigt wird.

An b« eigenüichen Wahlrechtsvarlage itg verändert. Ten Borge» der Ersten Kamm« lehnt

1. Sie könne dem HaupiauSfchuß des Bayerischen Lehrervereins keine Zuständigkeit hinsichtlich der Frage zugestehen, ob durch die im bischöfl. Erlaß angeführten Artikel der „Bay« Lehrer,eilnng" daS religiöse Gefühl ■ kalholtscher Lehrer verletzt worden tft od« nicht. 2. Eine Bevormundung, wie sie ber HaupiauSfchuß in dieser rein religiöse« Angelegenheit beliebe, fei mit aller Be­stimmtheit guiüd,uweifen. 3. DaS Ersuchen deS Epis­kopats, künftig alle Angriffe gegen Religion unb kirch­liche Autorität in der »Lehrerztg." zu unterlassen, sei voll und ganz zu billigen.

DaS Absenden ein« solchen Resolution an den Hauptausschub deS Bayr. Lehrervereins bedeutet eine mutige Tat, wenn man weiß, wie es dies« Hauptausschub gewöhnt ist, daß die Mitglieder deS Vereins seinen Anwessungen blind gehorchen.

Reichs tagSwahlvorberettungeu.

0 Hanau, 24. Jan. 1911. (Tel.) Die T t u t s ch- sozialen haben beschloffen, ün Wahlkreise Hanau« Gelnhausen-Orb einen eigenen Kandidaten aufzustellen. „ . . x

» Marburg, 23. Jan. 1911. Gegenüber den m einem großen Teil d« Presse auftauchenden Gerüchten üb« neue Kandidaturen erklärt daS Präsidium des Deutschen BauerndundeS, daß seine Stellung­nahme zu gunsten der Kandidatur des Pro'. B red t auf Gamd von Abmachungen mit der r ational» liberalen und freikonseroativeu Partei erfolgt ist. Er hält an diesen Verabredungen fest, da eine an« bete Stellungnahme illoyal sei» würde. — Wenn Dr. Böckel kandidinen sollte, wird er es nicht als Kandidat des Bauernbnndes, sondern selb« ständig tun.

* Homberg, 23. Jan. 191L Zu der Meldung, daß die Kandldalur des Bauerubündlers Hesterrnaun

in eine Prüfung der folgenden Fragen em,arteten: 1. Erscheinen Maßnahmen angängig und zweckdienlich, Die eine bessere Gewähr Dafür Schaffen, daß die im 8 76 Alss. 2 beS Haridelsgeletzduches Dem Lehrherrn bezüglich der Le hr lingsbtId nng aujeilefiten Pflichten erfüllt werden ? JnSdesondete a)ob es sich nicht -mpfiehlk, eine Ergänzung rer Gewerbeordnung dahm her- beizui ühren.daß beten §126a auch für dasHanDelsgewerbe für anwmdvar erklärt wird und zwar unter bef. Hervor­hebung der Verpflichtung DeS Lehrherrn, für den regel­mäßigen Bejuch der ForibiIDun gsf ch ule besorgt zn lein'? Ob nicht auch der § 126b der Gewerbe­ordnung auf DaS Handelsgeroerbe auszudehnen ist? b) Ob die Bestimmung deS § 128 in Verbindung mit § 1391 Der Gewerbeordnung eine genügende Handhabe dielet, um ber Leh rlingSzüchterei im Handels­gewerbe zu begegnen, oder ob nicht die Schaffung einer bezüglichen fachmännischen Aulsichlsinstanz vorgesehen ist? c) Ob es sich nicht empfiehlt, durch Gesetz die üluSbilDung kaufmännischer Lehrlinge nur solchen Personen Geschäftsinhaber oder Beauftragter desselben § 76 Abf. 2 H. G. G.) zu gestalten, welche enlweder selbst eine geordnele kaufmännische Lehre durchgemacht haben, oder fonft ihre Belästigung zur Lehrlingsaus­bildung in näher zu bestimmender Art nachweisen? d) Od es nicht zweckmäßig «icheiut, bet ber Handels­kammer Prüfun gsaUSschüsse einzurichten, welche dem Lehrling Dir Möglichkeit bieten, sich nach Beendigung der Lehre einer Prüfung in den eigentlich kaufmännischen Fächern und in der Warenkunde eines bestimmten Geschäftszweiges zu unter,te^en und sich ein bezügliches Zeugnis za verschaffen? 2. Ob auch für den Handeisstand ein Bedürfnis besteht, dem be­reits Selbständigen Kaufmann Gelegenheit zu bieten, in b esonderen Kursen nach Art der für das Handwerk eingerichteten Metsterkurse seine Fachbildung zu ergänzen? 3. Od nicht durch staatliche Maßnahmen ..... ...

auch Die weitere Errichtung paritätiseher Stel<. schritten ist. le nnach weise für kaufmännisches Personal unter Mitwirkung Der Handelskammern, der Geyilfenver- bänbe und ber Gemeinden, Sowie auf eine Verbindung ber Nachweise untereinander hingewirkt werden soll?

4. Wie den kaufmännftchen Angestellten eine Ver­tretung ihrer Standesinteressen ermöglicht werden soll? 5. Od besondere Maßnahmen angezeigt ericheinen, um die Tätigkeit des Landesgewerbeamtes auch ans die Förderung beS kleinen unb mittleren Kaufmannsstandes auszudehnen? II. Das Ergebnis d« (Srroäaunqen in einer Denkschrift niederzulegen.

* Fortschrittler und Sozialdemokraten. Die,Kreuz« -eitimg' kommt nach Erörterungen über die An- Näherung der fretfinnigen Agitationsmethoden an sozialdemokratischen Praktiken zu dem Schluffe: »Man sieht also: Fortschrittliche BolkSpartei und Sozialdemokratie gehören zusammen. Es ist nicht mehr bloß ein Getienntmarschteren und Bereinlschlagen biss« beiden Oppositionskolonnen, sondern ein gemeinsames Borgesten unter der roten Fahne. So entwickeln sich die Dinge genau, wie es Eugen Richier voransgesehen hatte, als er die Barth- Naumannsche Taktik, Die jetzt )ür feine alte Pari« maßgebend geworden ist, mit aller Macht bekämpfte. ®er Freisinn, der zwischen sich und der Sozialdemo­kratie die Grenzlinien verwitcht, ber mit seinem Tod­feinde paktiert, wird schließlich zu dessen Spielball. DaS werden wohl endlich auch die Nationalliberalen erkennen, die sich heute noch dazu dränge», durch un­natürliche Wahlbündnisse ihr Schicksal mit dem der Fortschrittlichen Bolkspartei zu vwtoppeln.

— Schwmdelnachrichleu üb« den Modernisteneid find zurzeit an b« Tagesordnung. So geht u. a. fol­gende Nachricht durch die Blätter:

»Der.Neckarzeitung' werden 12 katholische Geist­liche Württembergs genannt, die den »^o^ernisteiierd^ verweigerten, ferner vier Tübing« Professoren und zwei Repetenten am Tüving« Konvikt.

Die »Neckarzeitung" ist ein linksliberales, katho- likenfeindlicheS Blatt. Wir wüßten .virklich nicht, warum aaabe bieses Blatt eine besondere Kenntnis