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Donnerstag 19. Januar Ml- 58 Zadrom,?.
* Tuldaer W Leitung
2. Vlatt.
vr»a imb Verlag der $ulbatr Ictlenbritderei ht Selb«
Deutsches Reich.
♦ Das neue deutsch« Rieseugeschütz, das in aller Stille auf den Kruppschen Werten entftanben ist, »ebt wie die „Weser-Ztg." schreibt, in seiner Leistungsfähigkeit noch ganz bedeutend über die des 30,5 Zentimetergeschützes hinaus, das auf den Lmien- schiffen bet ^Helgoland'-Klaffe zum ersten Male ‘iur Einführung gelangte. Es ist zweifellos auch den schwersten Kalibern überlegen, die neuerdings iu fremden Marinen zur Anwendung gelangen. Das neue Geschütz durchschlägt nack Angaben der ttjnuo Krupp Stahlpanzer von 1079 dezw. 1170 kezw. 1258 Millimetern. Das Rohr besitzt eine Länge von 15,125 bezw. 16,9 bezw. 18,675 Metern unb ein Gewicht von 66700 bezw. 75200 bezw. 83 700 Kilogramm. Das für die drei verschiedenen JaliberiLngen gleichmäßig 620 Kilogramm wiegende Geschoß wird von einer Ladung von 195 bezw. 224 öezw. 255 Kilogramm geschleudert. Die Mündungs- geschwindigkeit stellt sich auf 840 bezw. 889 bezw. *35 Meter.
+ Di« Vorsurcht und der Entscheidungskampf. St .Vorwärts* schreibt den Liberale» folgendes
! Stammbuch:
„K in Zweifel, daS Vorgehen der Liberalen in Ostpreußen ist insofern zu begrüben, als es dazu beiträgt, den Bann der Kontervativen, der wie em Alp auf das politische imb wirtschaftliche Leben der Provinz lastet, p» brechen, politisch« istengestaltungen zu schaffen Mld das politische Leden reger zu gestalleii. Dadurch ist auch für die sozialdnuokraiilche Saat der Ipröde Boom empfänglicher werden. Denn das wüten die Liberalen sich nicht verhehlen: bei endgültige EnoscheldungSkampf HRtb ebenso wie im Weuen zwischen Zentrum und Sozialdemokratie, auch im Osten zw,scheu Sozial- deinokraten und Konservativen ausgesochien werden."
-4- Mal so, mal so, ivie's trefft! In London hat der sozialdemokr. Reichst agsabg. Dr. Südekum sich einem Vertreter der,Daity News» gegenüber folgendermaßen ausgesprochen:
„Ich bin sicher, daß der Arbeiter, sowohl der Industrie- als auch der Landarbeiler, bei uns (in Deutschland) besser daran ist als der englische. Die Behandlung des Arbeiters versteden wir in Deutsch- land entschieden bester. Der deutsche Jl>ouftriearbeiler ist ei-.: glücklicher Mann im Vergleich mit seinem englischen Kameraden. Unsere Landarbeiter haben mehr Vergnügen und mehr Behagen am Leben als oer eng» lifche.*
\\n Deutschland reden diese Herren das Gegenteil, Uier schüren sie stets bi« Unmsriedenheit.
* Rußland — das Ideal des Evangelischen Buudes. Dic Forderung des russischen Rtrnistcrs des Innern, Mniisterpräfident Stolypin, an die katholischen Bii.l öfe des Landes, daß alle päpstlichen Ertaste zuerst nach Petersburg an die Mimstmalabteilung für „fremde Kulte* gesandt und von dieser an die Bischöfe weilergegeben werden, Hal die »Tägliche Rundschau' mu unbändiger Freude erfüllt. Das Organ des Evangelischen Bundes leitet diese Mitteilungen nämlich mit der Bemerkung ein: „Es bestätigt sich und bleibt dabei: Rußlan» beschämt die übrig« Well". Wir meinen dagegen, daß die TLa'ich« Run dschau viel mehr Anlaß habe, sich selbst zu schämen, wenn sie die russische Gewalt« hcrrichast und Knebelung der katholischen Kirche als ihr .ideal oder als das Ideal des (Lvangelsschcn Bundes hinstellt.
X Kastel, 17. Ian. 1911. Unter dem Titel „91 a- : io n Illiberale Partei u R ff b’e nächsten Reichstagswahle n" hat soeben Herr Professor S u ;! f c T, Oberlehrer am hiesigen Kgl. Wilhelms- chm'Mst!!,!! und ehemaliges langjähriges Vorstands- initglied des Kasseler nationalliberalen Wahlvereins, eine kleine Schrift erscheinen losten, die durch die Be- gläudmig ber darin enthaltenen Forderungen für weitere Kreise von Interesse ist. Damit syieder die na» tiona'iiberale Partei wie in den 70er Jahren zur auoichio.gqebend«n Mittelpartei würde, rat Herr Sankel aüfter der scharfen Abgrenzung nach rechts und links zu einem energischen Angriff auf das derno- kratiiche Reichstagswahlrecht und zu einem zicii.nuchiei! Kamps gegen die „Herrschsucht der Or- tnebenin Kirche und Schule. Weiter verlangt er, tiiB bic Rotionalliberalen im Reichstag konserva- i i v e und im Landtag, wo es sich um Kulturaufga- bcn handele, l i be r a! e Politik treiben sollen. Die Keriaaer qenwcdene politische Bedeutung der natio- nalliberaken Partei führt Prof. Sunkel des weiteren
auf ben Mangel einer Weltanschauung hin. Währmd die Konservativen und das Zentrum die Vertreter der orthodox-christlichen und die Sozialde- mokratm die der materialistischen Weltanschauung wären, seien ste ohne idealistische, religiöse Grundlage. Für dm Liberalismus sei der Kampf gegen jede orthodoxe Herrschsucht und gegen die Versöhnung von (Stauben und Wissen, überhaupt ein offener, ehrlicher Kulturkampf ebenso unerläß'ich al- das begeisterte Eintretm für ben Modernismus. Mit diesen Ausführungen, welche Herr Prof. Sunkel auch toiebedjolt in Versammlungen brachte, hat er seiner Partei im allgemeinen und dem hiesigen nationalliberalen Wahlverein im befonberen große Schwierigkeiten bereitet, denn solche Herzenswünsche plaudert man nicht aus. Namentlich seine Ansichten über das Reichstagswahlrecht sind den Nationalliberalen arg ins Kontor geschlagen. Hofsm sie doch stark, mit der zugesagten Hilfe der Fortschrittlichen Volkspartei, die ihrerseits wieder mit der Sozialdemokratie liebäugelt, ben fettfferigen Inhaber des Mandats von Kassel-Melsungm, ben „schwarz-blauen" Amtsgerichtsrat Sattmann, aus dem Sattel zu hebm und das Mandat für sich zu gewinnen. Darum hinaus mit einem solchen unbequemen Parteimitglied«. So wurde denn auch vor nicht zu langer Zett Prof. Sunkel aus der Liste der Rationalliberalen gestrichen.
Ausland.
** Der neue Statthalter von Böhmen. Franz Graf von Thun und Hohenstein, der frühere österreichische Ministerpräsident, ist bekanntlich wieder dazu berufen worden, im politischen Leben seines Vaterlandes eine große Rolle zu spielen. Da die Ausgleichsverhandlungen zwischen Deutschen und Tschechen im böhmischen Landtag gescheidert sind, trat der Statthalter von Böhmen Graf Coudenhove von seinem Posten zurück und Graf Thun ist als „Leiter der Statt- Halterei' an die Spitz« der böhmischen Landes- regierung getreten, um im besonderen kaiserlichen Auftrag die Einigung zwischen den beiden Nationen d«S Landes durchzusühren. Der hervorragende konservative Staatsmann, dem diese Aufgabe zusällt, steht im 64. Lebensj hre.
*♦ Der französische Smat hat mit 137 gegen 122 Stimmen das Gesetz über die Einschränkung der Schankstälten angenommen.
** Spanische Finanzen. Die Rechnung des Staatshaushalts für 1910 schließt mit einem Neberschuß von 4361164 Pesetas ab, da die Einnahmen um 105 Mill, höher gewesen sin's als im Jahre 1909.
" Angst vor Spionage in ben Vereinigten Staaten. Der Justizausschuß des Repräsentantenhauses beschloß, die Annahme der Hobsonbiil zu empfehlen, welche schwere Strafen aus Spionage setzt. Tas bisherige Gesetz kennt nur Spionage in Kriegszetten.
21 u$ dem Nachbargebiere.
r) Schlitz, 18. Jan. 1911. Am ll. Januar sand in der Turnhalle dahier eine Versammlung der Mitglieder sämtlicher Festausschüsse des diesjährigen Gauturnfestes statt. Vorbehaltlich ber Genehmigung des Gauzuschusses wurde das diesjährige Ganlnrnfest aus Sonntag den 9. Juli festgeleg». Seine Eilaucht der Graf von Schlitz Hal das Protektorat übernommen, während der Großh. Bürger meister Zensier von Schlitz zum t. Festpräsidenten und der Großh Oberamts- richlrr Geh. Justizrat Wahl von Schlitz zum 2. Feflpräsiden en ernannt wurde.
11 Somborn, 17. Jan. 1910. Am nächsten Sonntag, 22. Januar, nachw. 3 Uhr findet im Saale des Gast. Hauses „Zum Freigericht" eine öffentliche Ärbeiterversammlung statt, in weicher als Hauptreferenlin Frl. Tr. I ml e, au8 Gladbach, sprechen wird. Cs rruß bestimmt erwartet werden, daß nicht nur die in de» einzeli en christlichen Ge- werkschaslsverbanden bereits Organisierten dies« B«r- sammlimg ansnahnlstos besuchen, sondern daß auch die vielen, hier und auswärts beschäftigten, noch nicht organiflcrltn Arbeiter und Arbeiterinnen dieser Vkrsammiung größtes Interesse entgegenbringen.
* tzaua«, 16. Jan. 1911. Der gestrige erste BezirkSunterrichtskuriuS nahm einen vielversprechenden Anfang. Obwohl zwei Orte (Groß- und Klein-Steinheim) fehlten, hatten sich 80 Teil- nehmet eingefunden. An das Referat des Herrn Frede über den sozialen Ausbau des deutschen Volkes, mit einer Fülle von Belehrung und praktischen Anregungen, schloß 'ch eine rege Diskussion. Läßt das Interesse nicht nach, so wird für unsere Sache sehr viel gewonnen werden.
* Diez, 17. Jan. 1911. Der Wirteverein hat eine Eingabe an die Stadtverordneten gemacht, in der um Auihebung der erst von P/t Jahren ein» geführten kommunalen Wein- und Blersteuer ersucht wird.
* Dillenburg, 18. Jan. 1911. Für den Umbau des Gymnasiums sind in den Staatshaushaltsetat 90000 Mark eingestellt worden.
* Homburg v. d. H., 16. Jan. 1911. AuS dem Nachlasse der hier verstorbenen Frau v. Soden- stern ist der Stadt ein Vermächtnis von 20000 Mark zugefallen.
♦ Wiesbaden, 16. Jan. 1911. Die Stadtverordneten-Versammlung erklärte sich damit einverstanden, daß von einer Neuverpachtung des Kurhauses abgesehen werden kann, wenn der feitherige Pächter statt 6er seitherigen Pacht summe von 53000 Mark jetzt 90 000 Mark Pacht bezahle. — Dem Pächter des Ratskellers wurde ein Nachlaß der Pachtlumme um 2000 Mark (bisher 22000 Mark) gewährt, jedoch unter dem Vorbehalt, daß das Arrangement mit dem Gläubigerausschuß auch wirklich zustande kommt. Der Pachtvertrag lauft bis Ende dieses Jahres.
Amt Geisa und Umgebung.
? Geisa, 17. Jan. 1911. Das 1. Stiftungsfest des hiesigen ch ri stltchen Arbeitervereins, das cm Sonntag im Saale des Gasthofes „Zum Stern* stattfand, erfreute sich eines starken Besuches und nahin einen wohlgelungenen Verlaus. Nach der gemeinschaftlichen hl. Kommunion nahm gegen 6 Uhr der Lichtbildervortrag über das Leben Jesu Christi seinen Anfang, einige Chöre, Deklamationen und Musikstücke begleiteten den Vortrag. Die Begnißungsan- fvrache hielt der Vorsitzende, Herr Kaplan Sehn. — Zur Feier von Kaisers Geburtstag veranstaltete am vorgestrigen Sonntag der Eisenbahnverein Geisa eine größere Festlichkeit im Gasthof „Zur Linde". — Die Gruppe Geisa des Großh K ri e g e r. und Militärvereins bunbe« hielt am Sonntag nachmittag in ber „Krone" eine Vorstandssitzung ab zwecks Neuwahl des Gruppenführers. Man iam zu keinem mdgültigen Resultat.
(*) Vacha, 18. Jan. 1911. Die Termine für die hier noch in diesem Jahre stattfindenden Märkte find folgende: 13. Februar, 25. September Kram-, Rindvieh-und Schweinemärkte; 20. März, 12. Jun>, 24. Ju i Strom», Vieh- und Schweinemärkte; 28 August, 6. November und 18. Dezember Strom« und Schweinemärkte; 21. Oktober Obstmarkt. — Mit dem 1. Aprild.Js. gelangt die hiesige Bahnhofswirtschaft zur Neuverpachtung.
? Bremen (Nhön), 17. Jan. 1911. Großes Leid hat die Familie Hahn hier getroffen. Ihr Sohn, der letzten Herbst seiner Militärpflicht genügt und bann im hiesigen Kalibohrwerk Arbeit genommen hatte, wurde heute mittag arg verunglückt ins Haris gebracht. Das Bohrgetriebe hatte ihn gesüßt r.nb ihm einen Arm und beide Beine am Oberschenkel gebrochen. Es war ergreifend, den braven jungen Menschen in großen Schmerzen so hilflos auf ber Tragbahre liegen zu sehen. Möge es der Kunst der Aerzte gelingen, ihn zur Freude seiner bekümmerten Eltern ivieber völlig herzustellen.
* Dermbach, 17. Jan. 1911. Von hier wird der .Nhön-Zkg/ geschrieben: Entgegen einer Behauptung, daß das Bahnprojekt Wenigentaft-Term- ba ch-Wern shansen n cht die Unterstützung weiterer Kreise findet, sei mitgeteilt, day das fast uralte Projekt von Anfang an weit über das Weich- b'lb Wenigentaft-Wernshau en hinaus befürwortet und unterstützt wurde und noch wird. Ich will mich für heute nur darauf beschränken, daß u. a. gewichtigen Knndgebnn zen ein Brief des Vorsitzenden vom Verkehrsverein für den Fuldaer Kreis vom 27. Dez. 1910 vorliegt, nach welchem derselbe sehr
bedauert, von der Dermbacher Versammlung zu spät erfahren zu Haden, die Wiederaufnahme des Projekte- Wenigentaft-Wernsdausen aber beglückwünscht und die Bitte auSspricht, zu späteren Versammlungen eingeladen zu werben. Ein Vergleich zwischen den Versammlungen der Oechseltalinteressenten und der Dermbacher Versammlung beweist, daß das Jnleressen- gebiet der letzteren ein bedeutend weiteres ist.
* Dermbach, 18. Jan. 1911. Ter Schulvorstand beschloß in seiner letzten Sitzung, sämtliche vorliegenden Angebote zum Bau der neuen Schule abzulehnen und eine nochmalige Aus« schreib» >g der Arbeiten erfolgen zu lassen. Wie verlautet, ist dieser Beschluß darauf zurückz» ühren, daß nach dem eigentlichen Schlußtermin noch eine ganze Anzahl Nachgebote gemacht worden waren und bei ben Offerten keine genügend« Klarheit herrscht«. — Eme Versammlung von Beamten auf der Feldabahn beschloß hier am Sonntag bei der Elsenbahndlrektion in Erfurt um die Genehmigung zur Gründung eines Eisenbahner-Vereins nachzusuchen und wählte einen provisorischen Vorstand.
* Motzlar (Rhön), 17. Jan. 1911. Der zwanzigjährige Stuckarbeiter Kircher fuhr mit einem Handschlitten in ben nahen Roßberq, um Holz zu sammeln; babei traf ihn ein herab stürzender A st dermaßen auf ben Kopf, daß ihm die Schädelbecke eingebrückt wurde und der Tob schon nach einigen Stunden eintrat
* Kaltennordheim, 18. Jan. 1911. Schon seit längerer Zeit schweben Verhandlungen behufs Berkaus beS Braunkohlen - Bergwerks Grube „Karl August". Die Verhandlungen sollen jetzt mit einem Potsdamer Herrn soweit gediehen fein, daß der Ankauf zum Presse von zirka 60,006 Jf> devorsteht.
* Wohlmuthhausen (Rhön), 18. Jan. 1911. In der Nackt zum Sonntag wurde bei dem Kaufmann Wagner in dem benachbarten Orte Helmers- Hausen eingebrochen. Dem Diebe siel ein Teil der Ladenkasse zur Beute.
* Aus Thüringen, 17. Jan. 1911. Um auch ben Gemeinden des Großherzogtums bei der Herstellung chauffierter oder chausseeähnlicher Gemeindewege nach Möglichkeit staatliche Beihilfe gewähren zu können und so die Gemeinden anzuspornen, der Erhaltung der Gemendestraben größere Aufmerksamkeit zuzuwenden, hat die Staatsregierung beim demnächst zusammentretenden Landtag beantragt, ihr zur Ermöglichung des Unterstützungswerkes 20000 Mk. zur Verfügung zu stellen, da die bereits im Jahre 1906 bewilligten 50000 Mk. für diese Zwecke fast aulgebraucht find. — Laut Großherzog« sicher Verordnung erhalten die Schüler sämtlicher Gymnasien des Großherzogtums mtt Rücksicht auf das gegenwärtige längere Schuljahr 8Tagefrüher Osterferien als sonst.
* Diedorf, 18. Jan. 1911. Zur festlichen Begehung des Stiftungsfestes hatten sich am Sonntag zahlreiche Mitglieder und Freunde des Landwirtschaftlichen Vereins Dermbach in unserem Orte ein Stelldichein gegeben. Der Verein besitzt sowohl in Dermbach als auch hier und den umliegenden Orten zahlreiche Mitgliever; die Versammlungen und die Jahrestagsfeiern finden abwechselnd in verschiedenen Orten statt. Die Herren Oekono- mieiat Dobenecker wurden als Vorfitzender, Bürgermeister a. D. Pfaff als dessen S-ellvertreter und Renlirr Schnepf als Kassierer wiedergewählt.
* Völkershausen, 18, Jan. 1911. Im Laufe Lieser Woche werven die drei neuen Kirchen- gl öden hierher gebracht und nächsten Sonntag zum ersteuinale von der evangelifckeu Kirche läuten. — Der Ba» einer dritten Schule ist beschlossene Sache; er soll im Frühjahr begonnen werden. — Die Umbauarbeiten deS ehemaligen Schwestern« Hanfes schreiten rüstig vorwärts. Vorairssichtlich wird das darin zu errichtende Sanatorium im Frühjahr ds. IS. eröffnet werden.
Aus Gberhefien «. d. hesi. Aemtern.
A Marburg, 18. Jan. 1911. Eine öffentliche Bürgerversarnrnlung beschäftigte sich gestern abenb im Restaurant Lederer mit dem jüngst von den
(in gefährliches Geheimnis.
77| Vornan m zwei Bünden von Charle? A cadc.
Nach einigem Hin- und Herreden kamen Vater imb Tochter überein, daß es unumgänglich nötig sei, dein Oberst alles zu sagen und bann fein Haus zu verlassen, um ihn für eine Weile zum alleinige» Herrn der Lage und be» Geheimnisses zu machen.
Hope wünschte die Eröffnungen zu übernehmen, um feiner Tochter die Qual zu ersparen. Sie ging gern und dankbar darauf ein.
Es war ber erste Impuls der Frau, ben Mami handelnd austreten zu lassen; aber nach und nach stellte sich ihr die Sache in einem anderen Lichte bar. Dies- Eröffnungen dursten nicht einem Manne vom arrderen gemacht werde», sondern erforberten bie sanft ttre, beschwichtigende Hand eines Weibes. Außerdem hatte sie bereits «ntbetft, daß der Oberst sie hoch- achtetc und bah seine Zuneigung zu ihr immer zunahm, genug, sie erkannte, baß, wenn die Härte beS Schlages geint(bert werben konnte, bies nur burch st« möglich war.
Hope machte zwar geltend, baß sie sich bamit eine furchtbare Prüfung auferlege, bie er Ihr zu ersparen Vermochte, gab aber endlich, wenn auch gegen seine «ebeczeugung, ihren Bitten nach.
. sie fleh darüber verstau bi gt, galt es nur noch, vtan auszuführen; aber nun gewann bas weib- ltche Element In Grace wiederum bie Oberhanb, unb ki ungenügenden Soroänben verschob ste
6it Mitteilung von einem Tag« zum andern.
E üblich saht« ste ben Entschluß, sich am nächsten Morgen an John Baker zu wenden, ber ihr eine Un- terreduug unter vier Augen bei bem Obersten auS- itunen sollte, aber kaum hatte sie sich baS oorgenom-
J»hn Baker an Hope s Tür Sopste unb ein Biflet von dem Obersten brachte, worin dieser Grace um einen Besuch in seinem Studierzimmer bat.
.Ja. Mr. Baker, ich werde sogleich kommen", entgegnete Grace.
Aber sobald der alte Mann das Zimmer verlassen, begann sie ihre bisherige feige Unentschlossenheit zu
beklagen unb ihren Vater um Verzeihung zu bitten, baß ste ihm bie Sache aus ber Hand genommen habe. „Du hättest sie nicht um einen Tag aufgeschoben", sagte sie. „Run steh, was ich durch meine Feigheit ongerichtet habe."
Hop- erklärt«, nicht zu wissen, was sie meinte.
„Wir, Du weißt es nicht?" rief Grace. „Irgend ein Anderer hat ihm gesagt, was er nur von mir hätte hören dürfen. Es wirb berselbe Mann gewesen sein, der zu mir kam, um mich zu warnen. Was soll ich nun tun, », was soll id‘ tun?"
„Du gehst zu weit, Grace. Stell« Dir die Dinge nicht noch schwerer und schlimmer vor als sie sind. Begib Dich gleich zu Oberst Etissord unb Tu wirst sehen, baß Deine Befürchtungen sich nicht betätigen."
Grace schüttelte ben Kopf. Die Erfahrung hatte sie gelehrt, ihrem Instinkte, wie man jenen feineren Sinn zu nennen pflegt, besten Folgerungen sich nicht immer klar nachweisen lassen, zu vertrauen. Dann begab str sich hmtmter zu bem Obersten.
„Liebe Grace, ich glaube, ich bekomme wieder einmal einen meiner Podagra-Anfälle", begann er. *
„Ich hoff«, baß Sie sich täuschen. Es ist ja Rot unb Krankheit genug im Hause", erwiderte Grace.
„Ra, es geht ja jeden Tag ein wenig besser, das ist ein Trost", fuhr der Obesst fort. „Was ich sagen wollte, ist nur, daß unsere Kranken mich ^anz unb gar aus Ihrem Herzen verbrängen, unb zwar, weil Sie ein echtes Weib unb eine Zierde Ihres Geschlechtes sind. Aber ich möchte doch etwas mehr von Ihnen haben. Run, Alles zu seiner Zett. Ich hatte Sie auch eigentlich nicht zu mir oitten lassen, um Ihnen bas zu sagen, sonbern über eine geschäftliche Sache mit Ihnen zu sprechen. Setzen Sie sich, liebes SHnb'
Grace fetzte sich in ber höchsten Spannung nieder, obgleich st« nichts daran in ihrem Aeußeren verriet, unb Oberst Elissord fuhr fort:
„Sie können glauben, baß mich fett langer Zett nichts so tief im innersten Herzen ergriffen hat, als bl« Gefahr, in ber Sie unb mein armer Sohn schwebten, obgleich ich auch ben übrigen betroffenen Teil
nahme schulbig bin, Var allem ben armen Witwen, beten Männer 3um Opfer gefallen fmb unb bie zu mir um Rache schreien gegen ben Menschen, welcher Burnley bestochen; denn ich bin nicht nur Vater, sondern auch Magistratsperson unb man bass solche Pflichten nicht hintansetzen. Ich habe beshalb bie Entoecknngspolizet aufgeboten unb fünfhunbert Pfunb für bie Ergreifung des Nichtswürdigen aus- gesetzt. Ein gewisser Jim Davies hat ihn mir genau beschrieben, unb ich werde das Signalement sowohl durch Maueranschläge wie in ben Zeitungen veröffentlichen. Nun höre ich aber, daß Davies seine Kenntnis nur aus zweiter Hanb, unb zwar von Ihnen hat, unb eine Beschreibung, bie nicht auf bem Augenschein beruht, entbehrt gewöhnlich ber Genauigkeit. In meiner Eigenschaft als Magistratsperson begnügte ich mich nie damit, von Jack zu hören, was Jill gesagt hat. wenn ich Jill's selbst habhaft werben kann. Sie, liebes Kind, fmb in diesem Falle Jill, und ich bitte Sie, Jacks Beschreibung entweder zu bestätigen ober AU berichtigen unb zu ergänzen. Das Beste wirb sein, Sie beschreiben mir selber ben Mann, ehe ich Ihnen vorlese, was ich hier über ihn niebergeschrie- ben habe."
„Gern", gab Grace mtt erleichtertem Hetzen zur Antwort. „Der Mann nwchte nicht älter als vierzig Jahre fein, wat schlank und hatte sehr knochige, magere Finger. Am kleinen Finger ber linken Hand trug er einen ungewöhnlich großen goldenen Ring. Seine Kleidung bestand aus einem sehr knappen, einfarbigen Sonimer-Anzuge und um den Hals trug et ein gewöhnliches rotgemustertes Tuch. Sein Gesicht hatte etwas LeichenattlgeS unb feine Lippen waren sehr bünn. Das Auffallendste aber waren seine Augen unb Augenbrauen. Die ersten fuhren ruhelos umher unb bie Brauen waren kohlschwarz unb von ganz ungewöhnlicher Form, webet gerabe, wie z. B bie Julia's, noch bogenförmig, wie bie Walter's, b. h. sie waten zwar gebogen, aber nut nach einer Seite. Jede Braue begann nämlich hoch oben an ber Schläfe und zog sich bann schief nach ber Nasenwurzel hinab. Wenn Sie mit einen Bleistift geben wollen, will ich Ihnen bie Form aufzeichnen.'
Grace erhielt ben Bleistift und hatte die seltsamen ■ Augenbrauen im Moment unb mit großer Sicherheit aufs Papier geworsen.
„Das sinb bie Brauen eines Mephisto", rief ber Oberst.
„So ist es. Sie kamen auch mir gar nicht menschlich vor", entgegnete Grace.
„Und doch kann man sie in jedem Striminalge- füngniffe finden. Aber", fuhr der Oberst fort, „wann war es Ihnen möglich, sich die Züge des Schurken so genau einzuprägen?"
„Als ich mit ihm rang, weil er mich von der Rettung meine- Vaters zurückhalten wollte."
„Wie, der Hallunke legte Hand an Sic«"
„Ja, er unb Mr. Bartleh. Aber dieser Mensch icat ber Rädelsführer Unb als ich so mit ihm rang
„Prägten sich Ihnen feine Züge ein. Gut. Ich sehe, bie andere Beschreibung sst feinen Pfifferling wert. Ich muß Ihre Angaben nieberschreiben unb sie sogleich bet Detektivpolizei Mitteilen. Ihre Beschreibung wirb ohne Zweifel zur Entdeckung be» Missetäters führen. Was den goldenen Ring und ben Anzug von Sommerstoff betrifft, so sinb ste na» türiieb längst verschwnnben, wenn meine Plakate erscheine 1, auch bas Gesicht kann gemalt gewesen fein, ober bie Augen und bie Augenbrauen betraten ihn, sie sinb bie eines Galgenvogels. Ich besuche häufig Gerichtsvethanblungen, unb habe diese Eigentümlich- kett dort oft beobachtet. Zeichnen Sie mir die Augenbrauen, ich werbe sie in Derby photographieren lassen und meine Polizisten foffen sie nach allen Gefängnissen schickm. So wollen wir ihn bald haben.'
Plötzlich verstummte der Oberst inmitten seiner triumphierenden Rede, unb fuhr erst nach einigen Augenblicken fort: „Aber was fügten Sie ba van Bartleh? Er kann bei bem Bubenstück nicht beteiligt gewesen sein Im Gegenteil, er hat Tag unb Nacht gearbeitet, um Sie unb Hope zu retten. Sie Beide verdanken ihm ihr Leben.'
.Wirklich?" (Forts, folgt.)