entehrt tr-lich mit Ittsnalmt der Somn tob Stiötage. Mertel» Ehrlicher vezugrpret, »Ine »tingerlotjn unö PefteLgelö InMda so» Mich auswärts 1.5» Ott
Xveraitt». Bebatteur fLO.tÄ. w«8len
tat die Anzeigen: J. Varker tu Znlöa.
ulöaer
Zeitung
Mmakkllag«: „Zllldaer Seschlchtsblätter"
Anzeige«: Vie ei» fpalttge petitzeiie oder deren Sanin |5 pfg. Aeklmnen-teperttzetlr Pfg.. bei Wiederholungen mir» entfpt, Babati gewährt.
Ratationedrncknnd Verlag 6er Fuldaer Lk> ßentirntferef In FuldD Fernsprecher llr.«.
Fulda, Dienslaa den 17. Januar 1911.
Erstes Blatt.
M 13.
38. Jahrgang.
Preußischer Lauvtag»
Abgrordnetrnliaus.
Sitzung vom 16. Januar 1911.
Erster Gegenstand der Beratung ist die Wahl deS PrLfidium, und der Schriftführer. Die Wahl des Prästdeulen erfolgt durch Abgabe von Stimmzetteln. Die Sozialdemokraten Und während der Abstimmung nicht anwesend. Abgegeben wurden 306 Stimmzettel. Davon entfallen auf den Abg. von Kröchet 301. Abg. v- Kröchet ist somit gewählt und nimmt die Wahl dankend an. Durch Zuruf wird zum 1. Bttepräslbenten Abg. Porsch (Ztr.) und zum L Vizepräsiöenlen Adg. Krause (natl.) gewählt. Beide nehmen die Wahl an. Darauf nahm das Hau- die Wahl der Schriftführer hör. Es folgt die
Fortsetzung der EtatSberotnug.
Finanzminister Dr. Lentze: Der Befürchtung des Abg. v. Papenheim, daß im Etat der Steuerverwaltung die Steuereinkünste zu hoch eingeschätzt seien, muß ich Mgegeutreten. Die ftinauzverwaltung ist in der Lage. Beweise dafür behubrtngen. Auch der Behauptung des ülbg. Graf Prafchma muß ich entgegentteten, daß die vor zwei Jahren belchlosseuen Steuerzuschläge ein Provisorium darftellen. Es ist damals ausdrücklich festgestevi worden, daß die Zuschläge et« Provisorium
Deutscher Reichstag.
Sitzung vom 16. Januar 1911.
Zunächst werden Petitionen ohne Debatte erledigt. Alsdann beginnt das Haus
die -weite Lesung des ZawachSstenergesetze».
Der grundlegende § 1 bestimmt, daß beim Hebet- aatta eines Grundstücks an einen neuen Erwerber von dem Wertzuwachs, der ohne Zutun des Eigentümers entstanden ist, eine Abgabe iZuwachslteuer) erhoben werden soll. Steuerfreiheit tritt ein, wenn der Ber- äußerunaspreis, dezw. im Falle einer Teilveräußerung, der Wert des Gesamtgrunoitucks 20 000 Mk. bei bebauten und 5000 Mk. bei unbebauten Grundstücken nicht übersteigt. Doch soll die Steuerfreiheit an die weitere Voraussetzung geknüpft lein, daß der Ber- äußerer im letzten Jahre weder ein Einkommen von 2000 Mark gehabt noch den Grundstück-Handel gewerbsmäßig betreibt
Abg. Cuno >Vg.) beantragt reden Wertzuwachs der Besteuerung zu unterwerfen. — Abg. Dr. Arendt (Rp.) beantragt, nur den unverdienten Wertzuwachs betöefteue« rung zu unterwerten. — Abg. Dr. Marx (Zentr.), ferner die Abgg. Müller-Fulda iZentr.) und Dr. Zehnter (Zentr.) stellen einen Antrag, der die Steuerfieitieu ohne Rücksicht auf den Veiäuverungspreis lediglich Nach dem Werte des Gesamtgrundstückes : 20,000 dezw. 6000 Mk.) festgelegt wissen will. — Ein Antrag Pauly (Zentr.) will die HSchsteintommensgrenze, die die Voraussetzung für die Befreiung von der Steuer fein fall, von 2000 auf 3000 Mark erhöhen. — Em Antrag Albrecht (Soz.) fordert eine wesentliche Verschärfung der Steuer.
Abg. Graf Westarp flons.s: Meine poltttschen Freunde stimmen nicht nur dem grundlegenden §1 zu, sondern sie sind auch der Ansicht, daß die Kommlsflons- veschlüjfe durchaus annehmbar find. Was rrnS zu der Zustimmung bringt, ist der Ihnuanb, daß die Zuwachssteuer einen neuen und sruchtbringen- den Gedanken in unsere Finanzwirtschast bringt. Die Besteuerung des unverdienten Wertzuwachfes halten wir vor allen Dingen auch deswillen für begrüßenswert, weil ste dem Grundfatz der Lelstungsfähigkett in vollem Umfange Rechnung trägt.
ReichSfchatzsekretär Wermuth: Die mächtige Gegenströmung, die sich gegen die Zuwachsüeuer bemerkbar macht, wird zweifellos die Zuwachssteuer der wenigen Gemeinden, die sie eingeführt haben, zu Fall bringen, wenn ste nicht retchsgefetzlich stcvergestellt wird. Das Recht des Reiches auf die Zuwachssteuer steht fest, denn der Wertzuwachs ist nur durch das Reich entstanden. ES bittet sich h>er die Gelegenheit, neben den indirekten Steuern direkte zu schaffen. Die Folgen der Steuer werde« vielfach sehr schwarz S«schildert, aber gegenüber der Wirklichkeit schrumpfen e zu nichts zusammen.
Inzwischen ist ein Antrag v. Saviany titt-) eingegangen, int Antrag Marx kZtr.), Muller-Fulda (Ztt.) und Dr. Zehnter (Ztr.) dte Steuerfrethelts- g reit je unter den in diesem Anträge festgeftellten Modalitäten für bebaute Grundstücke auf 30000, für unbebaute auf 10000 Mark zu erhöhen.
Abg. Marx (ßentr.): Meine politischen Freunde sind grundsätzlich durchaus Anhänger und Freunde des Gedankens der Betreuerung des unverdienten Wertzuwachses. Mit Der Beschränkung auf den unverdienten Wertzuwachs beabsichtigen wir keineswegs nur den Schein zu erwecken, als ob etwas geschehen soll, sondern wir haben das ernstliche Bestreben, ein wirksames Steuergeletz zustande zu bringen. Wir sehen in der Steuer die Tendenz, den Umsatz unö den dabei erzielten Wertzuwachs zu befteuein. Wir stehen habet auf dem Standpunkte, daß Steuergesetze nicht bloß mit dem Rechen stifte gemacht «erden hülfen, sondern daß dabei auch Recht, Gerechtigkeit und Billigkeit berücksichtigt werden müssen. Die Vorlage bedarf daher noch einet gründlichen Prüfung. Unser erstes Bedenken richtet sich gegen die Rückbeziehung des Gesetzes auf das Ja ar 1885, weil dadurch vieler Familienbesitz außerordentlich belastet würde. Was die Stellung zu den Gemeinden an belangt, so halten wir es für geboten, ihnen eine gewisse prozentuale Beschränkung amzulegen. Außerordentlich strittig ist auch die von der Regierung vorgelchlagene rückwirkende Kraft des Gesetzes bis 1. April 1910. Wir würden es aus Gründen der Billigleit vorzleheu, dafür den 1. Oktober 1910 zu nehmen.
Reichsj chatzselretär Wermuth: Auch wir denken nicht daran, dieses Steuergeletz tedlgUch mit dem Rechenstift zu machen, bitten aber, doch auch den finanzpoliltschen Ziveck des Gesetzes nicht aus dem Äuge zu lassen. Ich fürchte, daß nach den vorgefchlagenen Ablchwächun» gen die Erträge dieses Skeuergeletzes nicht mehr aaS- reichen weiden, um in ausreichender Weife für die Veteranen zu sorgen.
Abg. GSHre (Soz.) begründet den Anlrag Albrecht und hebt hervor, daß sie auf die Wertziiwachssteuer den größten Weit legen. Unter keinen Umständen dürfe aber ein Pfennig aus den Erträgen dieses Gesetzes für den Militarismus aufgeroenöet werden.
Abg. Webet (natl.) erklärt namens seiner Partei, daß ste an dem Zustandekommen des Gesetzes ebenfalls mit allen Mitteln arbeiten we.de.
Nach weiterer unerheblicher Debatte vertagt sich das Hans.
Dienstag: Fortsetzung.
fein sollten btS zu der innerhalb dreier Jahre erfolgenden neuen Steuergesetzgebung. Wir können diese Zuschläge tatsächlich gar nicht entbehren.
Abg. Dr. v. JaSdzewSÜ (Pole) beschwert sich über die rigorose Handhabung des BeretnsgesetzeS und bedauert, ba6 der erzbischöfliche Stuhl in Gnefen-Posen noch immer Nicht besetzt sei.
Abg. Biewer (Fortschr. Bp.): Graf Prafchma hat ein konfessionelles Friedenslied ertönen lasten. Wir haben es schon oft erlebt, daß, wenn auf dem Zentrums- türm die Friedenssahne aufgezogen wird, gleichzeitig em Vorstoß in einseitig konfessioneller Richtung erfolgt. Wir wollen keinen Kulturkampf, wir wollen aber den Staat gegen die Uebergriffe der Kirche verteidigen. Die Erklärungen des Kultus Ministers über den Modernisteneid haben unS nicht betriebigt Wir verlangen, daß die Ansichten der Hochschullehrer im Einklang stehen mit den Borausletzungen, unter denen die freie Forschung der Wissenschaft betätigt werden kann. Wir werden uns energisch den Forderungen deS Zentrums widersetzen, auf dem Gebiet der Schule die Rechte des Staates zugunsten der Kirche zu kürzen. Ich möchte den Herrn Kultusminister fragen, was er tun wird, wenn ein Universitätslehrer, zur Leistung des Aiodernifteneides aufgefordert, diese Leistung verweigert, in welcher Weife er bann den Lehrer schützen wirb. Und wie wird sich die Regierung verhallen, wenn ein KreiSschulinspektor, zur Eidesleistung aufgefotbert, sich dessen weigert? (Sehr richtig! links.! Wie will die Regierung sich dazu stellen, wenn geistliche Lehrer staatlicher Anstalten wegen Verweigerung des Eides von ihrer geistlichen Behörde benrast werben? Soeben war in den Zeitungen zu lesen von dem Oberlehrer Michels in Oberlahnftein, der wegen Verweigerung des Eides vom Bischof zu Limburg gemaßregelt worden ist. (Hört, hört!» Der Kuttusminister sollte nicht nur ein Auge dafür haben, wie die kathol.-theol. Fakultäten zu ihrer Kirche stehen, sondern er sollte fein Augenmerk auch darauf richten, wie an den preußischen Fakultäten Wissenschaft getrieben wird. Friede zwischen Staat mid Kirche wird jedenfalls erst dann erreicht sein, wenn der Staat sich der Kirche ganz unterworfen hat. Was die in den Etat eingesetzte Million zur Förderung der Jugenberziehnng betrifft, Io können wir nicht wünschen, daß staatliche Mittel zur Schürrmg der konfessionellen Gegenfätze verwendet werden. Der Minister hätte Gelegenheit, Sparsamkeit zu üben, wenn alle preußischen Gefandtschasten beseitigt würden. Wir bitten den Finanzminister, die Einkommensteuerzufchläge nicht dauernd in Anspruch zu nehmen und treten nach wie vor für eine Quodisierung ber Einkommensteuer ein. In der Beranlagungskommisfion müßte anstelle des LandralS ein technisch gebildeter Steuerbeamter treten.
Kultusminister Trott zu Sol,: Meine Elktärung über die Stellung der Regierung zur Frage res MobernifteneideS ist nicht überall richtig verstauben worden. Ich habe getagt, bes -Stnut habe deshalb ein Interesse an dem Bestehenblei'oen der kathol. theol. Fakultäten, weil es für ihn einen Vorteil bedeute, daß die jungen Kleriker nicht nur in geistigen Anstalten, sondern an Universitäten für ihren zukünftigen Berus vorbereitet werben. Diese Fakultäten können aber den für den Staat wertvollen Zweck nur dann erreichen, wenn sie im Einklang stehen mit der Glaubenslehre der katholifchkn Kirche. Wenn wir also das Ziel und den Zweck der katool. theol. Fakultäten auch fernerhin erreichen wollen, so werden wir wie bisher die Professoren au” den Kreisen der katholischen Geistlichen nehmen müssen. Ich glaube, daß zurzeit fein Anlaß vorliegt, mit der Aufhebung der katholischen Fakultäten vorzugehen. Wer sich schon jetzt für die Aufhebung ausfpricht, der erwägt woh! nicht, baß er mit seiner Stellungnahme < eraöe die Interessen derjenigen Kreise innerhalb der kawolischen Kwche besorgen würde, die schon setzt es nicht gerne sehen, daß die jungen Kleriker auf unseren Universitäten ausgebildet werden und dir es verzögen, daß sie fern von aller Welt abgeschlossen ihren Beruf erlernen würden. Es ist durchaus erwünscht, daß das Grenzgebiet zwilchen Staat und Kirche mit Zurückhaltung und Vorsicht betreten wird, wenn man wünscht, daß das friedliche 3lebeneinanberivirt.il dieser beiden Mächte ohne Störung bleibe. Ich habe als aus dieser Er- wägmtg hervorgehend die Maßnahmen anfgefatzt, daß öte katholischen Tyeologteprosessoren den Eid nicht zu schwören haben, und habe als auS dieser Erwägung hervorgehend angesehen auch die weiteren, mir gewordenen Mitteilungen au8 kirchlichen Streifen, daß der Eid auch nicht gefordert werden solle von den dem geistlichen Stande angeuörenden Staatsbeamten. Wenn das jetzt doch geschehen sein sollte, und der Beamte den Eid abgelehnt haben würde, so wird es Sache des Staates sein, diesen Beamten zu schützen. (Lebh. Bravo rechts und links.) Auch ich habe in der Zeitung gelesen, daß tm Westen ein solcher Fall vorgekommen sei. Ich habe daraufhin sofort Bericht eingesorderi und muß mir meine weitere Stellungnahme bis zum Eintreffen dieses Berichts oorbebatten. Herr Dr. von Jazdzewski hat gemeint, daß für die Besetzung des erzbischSflichen Stuhles Gnesen-Posen genügend Bewerber vorhanden seien. Das ist die Ansicht des Herrn Dr. v. Jazdzew-ii, die un’rige aber nicht. Wir müssen bei der Besetzung dieser Stelle äußerst vorsichtig fern.
Minister des Innern v. Dallwitz verbreitet sich in längeren Ausführungen über die Berwaltungs- resorm. ES ist völlig« Umgestaltung des bureau« krattschen Verfahrens und der Form des inneren Vermal inngsbetnebeS geplant. Bor allem soll die Ver- anlwortlichkett der oberen und mittleren Beamten erhöht werden.
Abg. Ströbel (Soz.) richtet heftige Angriffe gegen sämtliche bürgerlichen Parteien des Hauses, besonders gegen da» Zentrum und die Konservativen. Die katholisch« Gristltchkeit hab« sich nicht um die soziale Frage gekümmert, nicht gegen die Barbarei des Krieges protestiert, sich nicht gegen die Bolksansbeukung gewendet usw. Zum Schluß ergeht «r sich des langen und breiten über bi« Moabiter Affäre und wirft dem Reichskanzler vor, daß durch die Verleihung von Orden an die Berliner Schutzleute dem Richter in der Moabiter Affäre em Wink mit dem Zaunpsahl gegeben worden sei.
Dienstag: Fortsetzung.
veittsches Reich.
*♦ Berlin, 16. Jan. 1911. Der Kaiser de- fichtigte am Montag daS für den Reichstag de- stimmte Dtemer'fche Gemälde, das die Landung deS Zeppelm'schen Lustkreuzers im Lindauer Hafen au» Anlaß der Fahrt der Mitglieder deS Bundes- rate» und deS Reichstages darsteüt. — Der Kronprinz ist in der alten „heiligen" Stadt
Delhi eingetroffen. Er wohnte, wie auS Abbo- tabad gemeldet wird, Manöoern deS 5. und 9. Gurkha - Regimentes bei, bie unter Mitwirkung einer Gebirgsbattene einen Angriff auf eine Stellung, deren Verteidigung von Wilden gedacht war, ausführten. — Admiral v. Fifchel, der Chef des Generalstabes der Manne, wird demnächst von seinem Posten zurücklrelen; über einen Nachfolger verlautet noch nichts. — Oberst von Estorfs, der Kommandeur Der Schutztruppe in Deutlch-Südivestaflika, wird, wie Der /Sag' hört, demnächst aus dem Äolomalbienfte auscheiden und in der Arime angestellt werden.
Aus dem Reichstage. Besteuerung des unverdienten Wertzuwachse». Ein zugkräftiges Schlagwort nicht bloß, fondern auch ein vernünftiger und ge under Gedanke. Aber etwas anderes ist es, rote der Abg. Marx (Zentrum) gestern ausführte, einen solchen Gedanken tn die Massen zu werfen, etwas anderes, ihn in eine einwandfreie, gesetzgeberische Form zu kleiden. Was ist unverdienter Wertzuwachs? Wie stellt man ihn fest? Wie hoch soll man ihn besteuern? Das sind Fragen, die in der öffentlichen Diskussion seit Jahren erörtert worden sind, mit denen dir Kommission in drei Lesungen sich wochenlang abgemüht hat, ohne daß es bisher gelungen wäre, eine befriedigende Lösung zu finden. Wie schwer dre Löiuug ist, beweist dir Unmasse von Abänverungsanträgen, die gestern zur zweiten Lesung des Wertzuroachsfteuergesetzes vorlagen, beweist auch nicht zum wenigsten der Verlauf der Debatte. Nicht als ob es zu einem scharfen Auseinanderplatzen der Meinungen gekommen wäre) aber in stundet.langen Reden vertiefen sich die Sachverständigen mit, man mochte fast sagen liebevoller Gründlichkeit, in all die zahllosen Fragen und Schwierigkeiten, die mit dem Problem der Wertzuroachssteuet innig zusammen hängen; vor allem ist cs die Frage, rote man auf der Grundlage des Veräußerungspreises eines Grundstückes durch Abrechnung von Aufwendungen und dergleichen auf der einen Seite und durch Hinzurechnung von Zuschlägen auf der anderen denavahren und wirklichen unverdienten Wertzuwachs ermitteln soll. Auch die Befürchtung, die namentlich der ilbg. Marx energisch unterstrich, daß durch die Steuer auch wohl erworbene Rechte speziell des tieinen Grundbesitzes geschädigt werden könnie», spielte in der Erörterung eine große Rolle. Demgegenüber warnte der Hüter der Retchsfincmzen^ Scbatzsekretär Wermuth, eindringlichst vor .Abschwächungen" der Vorlage in dieser Richtung, da sie sonst ihren finanzpolitischen Zweck verfehlen würde.
Im Abgeoröuetenljause halte der Vorfall boni Samstag den Volksvertretern das Gewiffen geschärft. Zu Beginn der gestrigen Sitzung wies der Saal eine glänzende Besetzung auf. Das Schauspiel will man offenbar nicht noch einmal dem Lande bieten, daß eine Handvoll Sozialdemokraten die Verhand- liing sprengt. Durch ihre Demonstration ist es übrigens der Sozialdemokratie nicht gelungen, Herrn v. Kröchcr auch nur den Schein einer Niederlage zu bereifen, denn derselbe wurde mit 301 von 306 Stimmen wiedergewählt, sodaß alle Parteien mit Ausnahme der Sozialdemokratie für die Wiederwahl gestimmt haben. Mit ihrem Widerspruch hat die Sozialdemokratie demnach lediglich ein ausdrückliches Vertrauensvotum für den Präsidenten provoziert. Die Wiederwahl des ersten Vizepräsidenten Dr. Porsch und des zweiten Vizepräsidenten Dr. Krause erfolgte ohne Widerspruch der Sozialdemokraten durch Akklamation. In der darauf fortgesetzten Etatsdebatte sprach der neue Finanzminister Lentze mit einer er- freulich deutlichen Stimme, sodaß die Herren auf der Jvurnalistentribüne ihre Verwünschungen von neulich zurücknehmen. Er nimmt das Ohr des Hauses nut für kurze Zeit in Anspruch, aber das, was er in diesen wenigen Minuten sagt, ist inhaltsschwer genug, beim er erklärt, daß nicht daran gedacht werden köime, das im vorigen Jahre geschaffene Steuerprivilegium wieder abzuschaffen. Im Gegenteil Die künftige Steuerreform wird dieses Provisorium dauernd machen und wir preußischen Staatsbürger erhalten von Herrn Lentze als Morgengabe das Vergnügen, die gegenwärtigen Steuerzufätze dauernd zahlen zu dürfen. Dm Beweis für feine fiskalische Qualifikation zum Finanzminister hat also der frühere Oberbürgermeister von Magdeburg in überzeugender Weise erbracht. Zentrum und Linke sind von den Worten des Finanzministers wenig erbaut und enttäuscht fuchen zahlreiche Abgeordnete draußen bei einer Zigarre Trost und Beruhigung. Inzwischen bringt Prälat Dr Jadzewski die Stagen der Polen vor die Ohren btt Regierung, aber diese Ohren find für solche Klagen taub. Jetzt erscheint Tr. 28 ie m er vom Freisinn. Er tritt im Abgeordnetenhaus noch patziger aus als im Reichstag, offenbar well er hier in kirchen- politischen Dingen den Abgeordneten Müller-Memm- gen nicht bei sich hat und so diese zwei freifinnigen Mannen in einet Person darzustellen für nötig erachtet. Hauptsächlich wettert er gegen den Modernisten- eid. Dabei eignete er sich die Hetzereien an, die die evangelisch-bündlerische „Tägl. Rundschau" zu dieser Frage verbrochen hatte Er veranlaßte damtt eine weitert Rede des Kulttisministers von Trott zu Solz zum Modernistmeide. Alles begab sich in die Nähe des Ministers und horchte mit gespannter Aufmerksamkeit. Das, was der Kultusminister gestern ausführte, stimmt nicht genau mit dem, was er am Samstag sagte, überein. Man hat den Eindruck, als ob er feine Auffassung in etwa verändert habe. Während er nämlich am Samstag keine Bedenken äußerte, erklärte er gestern, die Frage, ob die katholisch-theologischen Fakultätm auszuheben seien, sei vorläufig zu- rückzustellm, bis man die Wirkungen des Modemisten- cides Tenne. Bon kirchlicher Seite sei ihm gesagt worden, daß (Staatsbeamte den Modemisteneid nicht zu leisten brauchten „Sollte das doch der Fall sein, so werde ich meine Beamten zu schützen wifien." Lebhafte Demonstration, Beifall vonseiten der Linken folgte diesen Worten und wiederholte sich, als der M- ntfter erklärte, daß er tm Obetlahnsteiner Falle sofort
die Mm eingeforbert habe. Für kurze Zeit griff auch der Minister b. Dallwitz nochmals in die Diskussion ein und bann sprach der Sozialdemokrat Ströbel, der sich vorwiegend mit dem Zentrum und den Moabtter Kiawallm beschäftigte.
+ Ein parlameularifchts Diner für das Präsidium deS Reichstags und die Frakttonsvotsttzenden fand am Montag abend beim Reichskanzler statt. Hierzu hatten u. a. Ernladungin erhallen: der Präsident des Reichstags v. Schroerin-Löroitz, die beiden Vizepräsidenten Dr. Spahn und Schultz. Aus dem Zentrum waren die Abg. Herold, Fthr. v. Hertling, Dr. v. Savigny und Wellftein gela en.
■+■ Gegen bett RetchStagspräsidkiiten Grasen Schwerin- Löwitz haben die Natronalliberaten in Antlam-Deninnn den einheimischen Hofbesitzer Rudolf Kurth in Daberkow als Kandidaten aufgeleüt. Kurth wat früher Lehrer und wurde infolge eines Todesfalls in seiner Familie Landwirt. 1907 wurde Graf Schwerin mit 9312 gegen 4135 freisinnige und 1803 sozialdemokratische Stimmen gewählt. Tie ,Tägl. Rundschau', die bekanntlich „nicht" nationalliberal ist, bemerkt zu der Meldung: „Da man nicht weiß, wie viele seiner Neuntausend Nationalliberale waten, bleibt adzuwarlen, ob Graf Schwerin-Löwitz nicht sein eigenes Mandat gefährdet hat, als er ganz im Gegensatz zu der sonst auch von ihm beobachteten, mit der Siellung eines Reichstagepräsidenlen noch noiwendig verbundenen parteipolitischen Zurückhaltung die nationalliberale Partei in Bausch und 'Sogen in einer Weife angriff, wie man sie sonst nur bei den Klopffechtern der Parteien gewohnt ist." — Graf Schwerin hat, wie unsere Lefer sich erinnern werden, in seiner Anklamer Rede nur daS gesagt, was — abgesehen von den ^aüona (liberalen selbst — alle Well als richtig anertennt. Aber die Herten müffen doch einen Grund haben.
* Auch ein „Ausfluß idealen Strebens". An dem Wahlkampfe tn Labiau-Wehlau haben sich auch Sluventen zugunsten der Liberalen rotebtv eifrig beteiligt, namentlich am Tage der Wahl selbst. Die liberal- Presje hat daS als Ausfluß „idealen" Strebens hingestellt und behauptet, sie häiten besonders die Gesetzmäßigkeit der Wahl überwacht. Von jemandem, der die Voracmge aus eigener Beobachtung kennt, erhält die .Kreuzzig.' dagegen eine ganz ander- lautende Schilderung. Man lieft da:
„Bon einer „Ueberroadjung ber Gesetzmäßigkeit der Wahl" war keine Rede, schon deshalb nicht, weil die meisten Siubenien noch nicht rm wahlfähigen Alter und daher in den Wahllokalen nicht anfenlhaltsberechttgt waren. Das Tätigkeitsgebiet der Studenten lag auf der Straße unö in den Kneipen. Auf der Straße verrichteten sie die niederen Dienste ebenso wie die bezahlten Arbeiter; sie trugen Plakate und Wahl- zettel und bewältigten das Straßenpublikum dabei. In den Kneipen zechten sie mit den Wählern, zum Teil bis zu völliger Trunkenheit, und ganz allgemein wird behauptet, daß sie die Wähler dadei frei- gehalten hätten. Wer den Aufw ind erwägt, den bie Fahrt von Königsberg mit der Bahn und bann mit Fuhrwerk aus öte Dörfer, das Nachtquartier dort und öet Verbrauch an »«tränten verursachte und dazu erwägt, daß die Studenten offenbar zum Teil Söhne ganz unbemittelter Eltern waren, dem wird ein Zweitel kaum möglich fein, daß es nicht eigenes Geld war, das die Studenten |o reichlich verbrauchten. Ob dieses alles mit akademischer Sitte und Anstand vereinigt werden kann, ist Ansichtssache."
*♦ Hochschullehrertag und Modernisteneid Der Ausschuß des deutschen HochichnllehrertageS in Leipzig hat folgende Erklärung beschlossen:
Der in Le.pzlg versammelte Ausschuß des deutschktt Hvchschullehtetiages ist anläßlich der Vorbereitung von Satzungen für den Verein „Deulfcher Hochschullehter- lag" übereinstimmend zu Der Ansicht gelangt, daß Diejenigen Mi giieDer akademischer Lehrkörper, welche den Modernisteneis geleistet haben, nicht Mitglieder dieser Vereinigung fein können, weil sie damit Den Verzicht auf unabhängige Erkenntnis der Wahrheit und Betätigung ihrer wffsenfchasllichen Ueberzeugung ausgesprochen und so öen Anspruch auf die Ehrenstellung eine? unabhängigen Forschers verwirkt haben.
Man kann nur annehmen, daß diese Herren mit ihrer Erklärung ebenfalls Verzicht leisteten auf unabhängige Erkenntnis der Wahrheit. Denn einen Ausschluß von katholischen Universitätslehrern mit der Leistung des Modernisten« eides motivieren wollen, beweist eine Unkenntnis der katholischen Theologie, die uns sür Univer» sllätsprosefioren etwas bedenklich erscheint. Wir heben die Ehrlichkeit: Warum erklären dre Herren nicht einfach — denn darum handelt es sich —, gläubige Katholiken haben an der Universität überhaupt nichts zu schaffen?
AkichStasswahldorbereituugcn.
g Eschwtge, 16. Jan. 1911. Gestern nachmittag fand auf dem Bergfchlößchen in Niederhone eine sehr gut besuchte Verlrauensmännerversammlung öet rechtsstehenden Parteien des Wahlkreises Eschwege-Witzenhauftn-Schmalkalden statt. Die Ver- sammtung beschloß, als Kandidaten für die kommenden Reichslagswahlen den bisherigen Verirrter, Fr. Raab, wieder auszustellen.
Ausland.
♦♦ König Alfons von Spanien hat seine Marokko- reise beendet und ist ist Begleitung des Minister- präsiöemen und seines militätischen Gefolges nach Spanien zurückgekehrt.
• Rach Proklamierung der Republil waren bl« Gemeindebehörden oon Lissabon unb Oporto als die einzigen im Amte belassen worden mit Rücksicht auf ihr« republikanische Gesinnung. Vorgestern hat die Gemeindroertretung von Oporto kollektiv ihre Enüassung cmgereicht und mit dem Mangel an Vertrauen seitens des Regirrlingsvertreters in Oporto begründet. Der Gouverneur hat gleichfalls seine Entlassung eingereicht.