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Fulda, Samstaq den 14. Januar 1911

38. Jahrqanq

Erstes Blatt

J<9 11.

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in seinen Worten dekundel, wird Herr JamcstS an die Erfüllung dieses Wunsches wohl noch lange warten müssen. Frankreich ist wohl zur Geduld erzogen worden, aber noch nicht zum rückhaltlosen Verzicht anf das. was vor 40 Jahren durch seine

bet Friedens keine reine nicht alle Einwohner von

Gebrauch der litauischen, masurischen und wen discheu Sprache in öffentlichen Versammlungen vor." — Die Herren hätten viel besser getan, vor drei Jahren ihren Einfluß bei den ihnen nahestehenden Parteien dahm geltend zu machen, daß der § 12 des Vereinsgesetzes feinen Charakter als Ausnahmegesetz gegen die Polen offenkundig aufgedrückt erhielt. Vielleicht würde man sich gescheut haben, das offenkundige Unrecht zu be« gehen.

11. Stuttgart, 13. Jan. 1911. Der Land- ag wurde heute mit einer Thronrede eröffnet. Die Regierung gibt darin ihrer Befriedigung lber die Ergebnisse der ersten Tagung Ausdruck, vnstatiert den ungestörten Fortgang der gedeih- lchen Entwickelung des Landes und übergibt dann dem Landlage fein Arbeits-Programm für die neue Tagung.

Aur dem Nachbargebiete.

♦ Heesfeld, 13. Jan. 1911. Die Arbeiten zum Bau der Eisenbahn HerSfeld-Heimbold-» Kausen find setzt zur Ansschreiduna aelnngt. De»

i verantw. Redakteur yd Ar

s.v.: A. wetzler;

w-ch-«b°ll-g-:„IllustrierteSomttagszeitllng"

Erklärung, wonach die Autnahme m die Fraktion erfolgt ist, nachdem Pro'. Spahn bezüglich seiner beanstandeten llterariichen Produktionen, die er als „unhaltbar" preisaab, befriedigendeErklärungen abgegeben halte. Am 15. Dez. 1910 erschien nun im .Elsässer' in Straßburg ein „Interview mit Prof. Spahn". Dieser Artikel, mit dem sich die gegnerische Preffe eingehend beschäftigt, stellt die Vorgänge in einer Weise dar, die den Widerspruch der Fraktion hervorgerufen hat. Die Zentrumsfraktion hat nun in einer gestern abgehobenen Sitzung mit Bezug auf den Artikel des,Esiäffer' erklärt, daß sie „mißver­ständlichen Auffassungen gegenüber an ihrer Erklärung vom 9. Dezember 1910 fest­halte."

--- Dementi. Ein Teil der Preffe beschäftigt sich mit einem sensationellen Artikel der modernistisch« tatholikenfeindtichen Zeitschrift .Das neue Jahr­hundert' über die angebliche Einwirkung des Reichs­kanzlers in Rom bei den Verhandlungen des Kardinals Fischer und der Abgg. Spahn und Pieper mit der Kurie über die Gewerkschaften in Deutschland. Der Anstel trägt den Stempel der Unwahrheit an der Stirn. Die.Nordd. AUg. Ztg/ stellt fest, dag der Artikel, soweit er die Hal­tung des Reichskanzlers und des preußischen Ge- landlen beim Vatikan betrifft, jeglicher Grund« luge entbehrt.

* Vom .vielseitigen" Herrn Baffermann werden immer schönere Geschichten bekannt. In seiner Etatsrebe im Reicksiage sagte er:

„Tiefe Trauer über diese unselige Entwicklung der konservatwen Partei erfüllt treue evangelische Herzen, dre mN Schmerz der Umgarnung der Konservativen durch das kluge und skrupellose Zentrum zusehen muffen."

Als er aber 1903 daS Karlsruher Reichstags« Mandat erobern wollte, da sprach er vom Zentrum ganz anders, trotz der Opposition aus dem eigenen Lager. Namentlich ein Apotheker war es, der dem Abg. Baffermann von Versammlung zu Versamm­lung nachreiste und in jeder an ihn die Frage stellte, ob er an seiner guten Meinung über das Zentrum fe ft hielte und das geschloffene Kom­promiß aufrecht erhalte, oder ob er feine Meinung geändert hätte. Wenn dies nicht der Fall wäre, könnte der größere Teil der Nalionalliberalen nicht für ihn stimmen. Die Artwort Basfermanns hier­auf war stets ein verlegenes Schweigen oder ein Loblied aus das Zentrum. Dazu sagt nun die Kreuzztg.": „Denselben Abg. Baffermann, ber 1903 die .treuen evangelischen Herzen" seines Heimat­landes um eines (seines) Riandates wegen ohne Schinerzempfindung mit dem „klugen und skrupellosen" Zenirnm verbrüdern und verbünden woll e, eben diesen selben Abg. Baffermann im Jahre 1911 als einen über das „Bündnis" zwischen Konserva.wen und Zentrum von tiefem Schmerz erfüllten und um das W hl und Äeche der deutsch-evangelischen Be« vötterung und des Deutschen Reiches schwer be« kümmerten Stan« zu sehen, ist wirklich rührend."

4- Die Fortschrittliche Volkspartei des Ab- geor-netenhau>es hat noch eine Reihe weiterer Anträge emgebracht; sie fordern Beschränkung der Familien - Fideikommisse, Quotisierung der Einkommensteuer, Neuregelung des gesamten Beam­tenrechtes, 'Vorlegung eines Mmisterverantworl- lichkeits - Gesetzes, Entfernung der Landräte und Bürgermeister aus den Einkommensteuer - Em« tchätzungs - Kommissionen und Erweiterung des Wahlrechles zu den Kreis- und Provinztal-Land- tagen.

* Der Bund der Landwirte wird feine diesjährige Genrralvertamm'ung am 20. Februar :m Sport­palast n Berlin abhalten. Wie die .Deutsche Tageszeitung" mitteilt, hat man sich entschlossen, die Generalversammlung nicht mehr im Zirkus Busch, sondern im Sportpalast stattfinden zu taffen, weil der ZirkuS die großen Masten der Teilnehmer nicht zu taffen vermochte. Der Sportpalast bietet bedeutend mehr Raum.

4- Zwei Anträge zum ReichsversicherungS- gesetze sind im preußtichen Abgeordnelenhaute eingebracht worden. Sie betreffen beide den § 12 des neuen VereinSgesehes, wonach die Der- Handlungen in öffentlichen Versammlungen in deutscher Sprache zu führen sind. Durch die Landesgesetzgebung können allerdings Ausnahmen gestattet werden. Der Abgeordnete Gaigalat (Litauer) beantragt nun mit Unterstützung von 15 konservativen Abgeordneten ,chaß eine Bor« tage eingebracht werde, durch die der unbeschränkte gebrauch der litauischen Sprache in öffent- lichen Versammlungen iandesgesetzlich gewähr­leistet wird. Ferner liegt ein von den Mit- gliedern der nationalliberalen Fraktion unter­stützten Antrag Sckwabach auf unbeschränkten

Aur Mrche und Schule.

* Paris, 14. Jan. 1911. Erzbischof Amette hat an alle Pfarrer seines Sprengels ein Schreiben gerichtet, in dem er sie über die Ge­fahren und Wirkungen deS Malthusianis­mus ausklärt und sie auffordert, überall, im Beichtstuhl, auf der Kanzel und in Privat­gesprächen das Uebel bekämpfen. Nach Schilde­rung der Lage in Frankreich, und besonders in Paris, zählt er die Hauptursachen der Entvölke­rung auf und bezeichnet die Mittel zur Be­kämpfung deS Hebeta unter Angabe von Schriften, in denen nähere Aufklärung zu finden ist.

sj Bei den Domänen, die im Jahre 1910 pacht- frei geworden sind, stieg nach ber bem Landtag zugegangenen Nachweisung ber durchschnittliche Pachtzins für den Hektar auf 48,9 Mark gegen 43,9 Mark in der letzten und 40,9 Mark in der vorletzten Pachtperiode. Bei den hn Jahre 1911 pachttrei werdenden Domänen hat sich der durch­schnittliche Pachtzins auf 49 Mark erhöht gegen 43 Mark in der letzten und 41,8 Mark in der vor­letzten Pachtperiode. — Die Sozialdemokratie und ber Freisinn werden sagen, daS sei eine weitere Folge der Zollgesetzgebung, während die .Deutsche Tageszeitung' sicher sagen wird, es sei auf die ge­stiegene Intensität des landwirtschaftlichen Betriebes zurückzu'ühren.

[| „Interview mit Prof. Spahn." Der ReichStagsabgeorvnete für Warburg^Höxter, Prof. Dr. Spahn, war bekanntlich am 9. Dezember o. Js. in die ZenlrumSsraktion aufgenommen worben. Die Fraktion veröffentlichte damals eine

Erscheint täglich mit

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eigene Schuld verloren gegangen ist. Ja, Herr Jaurös selbst glaubt dem Revanchebedürfnis seiner Landsleute ei» Hintertürchen offen halten zu müssen, indem er unter Hinweis auf Elsaß-Lothringen sagt, man solle darauf bedacht sein, durch die Diplomatie, und nicht mit den Waffen die Erfüllung der Rechts« forbetungen durchzusetzen, die gewaltsam unterdrückt wurden. Deutschland will und kann sich auch durch die „Diplomatie" nichts entreißen laflen von seinem wohlerworbenen Besitz. Wenn überhaupt solche diplomatische Versuche in Aussicht stehen, jo ist das ein neuer Anlaß für Deutschland, sich stark zu halten.

Es freut uns, wenn die Friedenssicherheit sich < lebeffert hat. Aber wir vergessen nicht, daß unser Friede nur durch die Wehrfähigkeit Deutschlands gesichert ist.

Deutsches Reich.

** SBerfin, 13.Jan. 1911. Das Kaiserpaar >at sich gestern von Berlin nach dem Neuen Palais in Potsdam begeben. — Der Pekinger Bericht­erstatter der ,Daily Mail' meldet übet die Vor- ! Weitungen für den Empfang des deutschen Kt on« prinzen in Peking, daß im Kaiser!. Palaste mit einem Kostenaufwande von über einer halben Million die Gemächer neu eingerichtet werden. Alles fei in chinesischem Stil gehalten, doch fehlen nicht die Bequemlichkeiten westeu opäischer Kultur.

AnS bem Reichstage. Daß die Sch'ldbürger ein Haus gebaut hatten, ohne zu roiffen, daß dre Fenster vergefien waren, ist bekannt; daß tm Reichs­tag mancher Abgeordnete abstimml, ohne zu wissen, worüber er abstimmt, ist auch bekannt, denn bei den vielen sich emanber ablösenden Materien kann nicht lebet Abgeordnete in allen Fragen Bescheid roiffen, aber, daß ganze Parteien sich an einer Abstimmung beteiligen, ohne zu wissen, was ber Gegen stand der Abstimmung ist, das gehört, Gott fei Dank, doch zu den Seltenheiten deS Parlamentärsichen Lebens. Aber es kommt vor, und es ist am Donners! ag noch im Reichstag vorgekommen. Es würde aber vielleicht kein Hahn darnach gekräht haben, wenn es sich nicht um eine juristische Angelegenheit ge­handelt hätte. Bei solchen Gesetzentwürfen bat der sozialdemokratische Abg. Stadthagen, der bei duftigen Anlässen im Vergleich zu früheren Jahren ferne Redelust bedeutend erngeschrünlt hat und in­folge dessen bedeutend gesunder aussteht als früher, ein wachsames Auge, und so entging es seiner ju­ristischen Findigkeit nicht, daß ihm die Annahme des Beleidigungsparagraphen die Gelegenheit bot einen Privatlieblingsgedanken in das Gesetz hm« einzulancieren. Er erschien daher gestern mit einem unftffulbtgen Gesicht auf bet Tribüne und stellte einen entsprechenden Antrag. Darob große Verwunderung im Zentrum und aus der Rechten. Man bedeutet den Sozialdemokraten: Kinder, daS geht nicht! Die Belerdiqungsgeschichte ist gestern erledigt worden, daher könnt ihr heute mcht noch mit einem Antrag dazu kommen! Wieso? sagt Stadthagen, und Müller«Meiningen springt ihm aus Wahlverwandtschaft bei und räsonniert, der Antrag sei zulässig, man habe gestern von dem Beginn derBeratung über den Beleidigungsparagraphen nichts gewußt, man fei überrumpelt worden, man habe daher garmcht gewußt, worüber man abgestimmt habe und das sei unzulässig und das ntüffe wieder gut gemacht werden und daS sei ein gutes Recht der Minderheit nsw. Aus der Rechten zeigt sich Geneigthett, den An­trag Stadthagen zur Diskussion mzulafien, aber man stellt die Bedingung, daß die Linke hübsch darum bittet und nicht auf ein Recht pocht, wo ihr ein solches nicht zufleht. Ader ein Stadthagen, ein Müller «Meinst.gen als Bittsteller gegenüber ber Rechten — das gibt es nicht und so endete der Zwischenfall damit, daß man Stad Hagen und feinen Antrag nach Hause schickte. Böse Zungen behaupten, die Linke hätte ganz gut gewußt, worüber sie am Donnerstag abgestimmt habe, daS Ganze sei nur ein Trick gewesen, den Antrag Stadthagen zur Distussion zu bringen. Das kann schon fein. Auf jeden Fall ist die Linke so oder so heremgefallen. Hierauf wurde die Beratung des Strafgesetz­buches fortgesetzt. Lange Zeit nahm die Debatte über den Schutz der Kinder gegen Mißhandlung tn Anspruch. Schließlich einigte man sich auf einen Kompromißantrag Faßbender (Ztr.), bet den bis­herigen Schutz wesentirch erhöht.

-T- Steuerermäßigung durch das Kinder- Privileg und durch die Berücksichtigung beem. ttächtigter Leistungsfähigkeit. Durch die neuen Bestimmungen vom Jahre 1909 mußten um 23 Millionen geringere Einschätzungen vorne« nornmen werden gegenüber einer geringeren Ern- schätzung von 12Vi Millionen Mark nach >en allen Bestimmungen. Von dieser Wohltat Haden 2,600,000 Steuerpflichtige Genuß gehabt gegen vorher 2,1 Millionen Steuerpflichtige.

)( Mit den Orts- und Betriebskrankenkaffe« hat man sich am Freitag in der Reichstagskommission für die ReichSversichewngSordnung beschäftigt. Von sei- ten der Wirtschaftlichen Vereinigung wurde die Ein­richtung besonderer Ortskrankenkassen für Kaufleute und Privatbeamte verlangt. Die Enffcheidung dar­über wurde noch zurückgestellt. Dann kam man zur Frage der Betriebskrankenkaffen. Die Sozialdemo­kratie bekämpfte die Betriebskrankenkaffen zum Schutze der Arbeiter vor schwindelhaften Arbeitgebern; even­tuell sollten diese eine Kaution stellen. Nach längerer Aussprache wurde schließlich beschloffm, die Errich- tung einer Betriebskankenkaffe von der dauernden Be­schäftigung von mindesten» 150 VerficherungSpflich- ttgen, bei landwirtschaftlichen oder Binnenschiffahrt»- betrieben von mindesten» 50 BerficherungSpflichtigen abhängig zu machen. Die Regierungsvorlage hatte eine Mindeft^rhl von 50 VersicherungSpflichtigen ge­fordert und fakultativ eine Herabsetzung von 250 und im Binnenschiffahrtsbetrieb auf 50 zulaffen wollen.

Die Friedenshymne des fran­zösischen Ministers des Auswärtigen. Deu Schminktopf nehmen die hochpolitischen Minister natürlich mit, wenn sie die iRebnertribüne besteigen; eine tendenziöse, rein objektive Darstellung der Dinge bars man von ihnen nicht erwarten, weil sie von Berus nicht Geschichtsschreiber, sonvern Geschichtsmacher sind. Herr Puhon, der immer noch Minister des Auswärtigen in Frankreich ist, ha '-un diesmal -die Schön,ärderei und die Ten« tk. credtsamkeit auf eine bisher unerreichte Höhe getrieben. Herr Pichon wollte beruhigend wirken, und zu diesem Zwecke hat er die Weltlage so rosig geschildert, daß die gutgläubigen Zuhörer Glauben müssen, das tausendjährige Reich des ewigen Friedens sei jetzt angebrochen. Diese Rede war em unerschöpflicher Springbrunnen von Höflichketten, Liebenswürdigkeiten und Shmpathteerklarungen, der nach allen Seiten hin aufs reichlichste feine Rotdion« gaben sprudeln ließ. Sie war nicht die prosaische Verkündigung, sondern bte dithyrambische Verherr­lichung ber Friedlichkeit, die sich von bem Mittel­punkt alles Guten und Schönen, dem hochedlen Frankreich, in die ganze umliegende Rullurroelt »er« breitet hat.

totales.

Fulda, den 14 Januar 1911. , -2- Der Garverbrauch der Stadt Fulda ist für baS neue Rechnungsjahr auf 1364 000 cbm angesetzt und zwar LeuchtgaS 486500 cbm zu 21 Pfg. =»', 102165Mk., sür Heiz-, Koch« und Kraftzwecke 490000 cbm zu 14 Pfg. = 68600Mk., für Auto- matenga» 16000cbm zu 18 Pfg. — 2880 Mk., für Straßenbeleuchtung 260000 cbm zu 13 Pfg. — 33 800 Mk. Bei dem letzten Posten wirb wegen be» frühzeitigeren Löschens sämtlicher Abenblalernen (um 10 Uhr statt früher um 11 Uhr) eine Summe von 5460 Mk. erspart. Der Selbstoerbrauch des Gas­werks ist mit 33500 cbm und der Verlust mit 78000 cbm eingesetzt. Von dem Gesamtleucht- und Heizgasverbrauch entfallen auf Private ungefähr 473 200 cbm Leucht« und 476 570 cbm Heizgas, auf die gesamten städtischen Büros 5000 cbm Leuchtgas, für die Direktorroohnung des Gaswerks 3000 cbm Gas, auf das Büro und die Hoflaternen deS Gas­werks 2300 cbm, auf den Betrieb des Gaswerk- 27 500 cbm, auf die Meisterwohnuna des Gaswerk- 700 cbm, auf die städtischen Schulen und die Turn­halle 3550 cbm Leucht« und 120 cbm Heizgas, auf bte Übrigen städtischen Anstalten, wie Hl. Geisthofpital mit Kirche, Waisenhaus, Leichenhaus, Kläranlage, Schlachthof und öffenlltche Bedürfnr-- anftalten 4750 cbm Leuchtgas und 13310 cbm Heiz« gas. — Für das Jahr 1911 find zur Ausführung vorgesehen: ein neuer Hauptrohrstrang an der Tränke (Kostenpunkt 770 Mk.), desgleichen am Lichlweg (680 Mk.), desgleichen in der Rhön« straße (550 Mk.), ferner drei neue Laternen in der Johannisftraße (400 Akk.) und drei Oellaternen an der Bretterhalle (100 Mk ).

(*) Sehr kalt war e» in der vergangenen Nacht. DaS Thermometer zeigte —12'f» ®raö an.

♦ Die Preußische Zentral-Bodenkredtt-Aktteugefell. schast zu '-Berlin erläßt tn unserer heutigen Nummer eine Bekanntmachung über ihre „unverlosbaren 4°/oigen Zentral-Pfandbriefe vom Jahre 1910", die tm Gesamtbeträge von 60000000 Mark sowohl an ber Berliner Börse, wie auch an allen großen deutschen Börsenplätzen, an welchen die Pfandbriefe der ßenannten Gesellschaft eingeführt wurden, zum Hansel zugelafieu find und settdem regelmäßig iwtieti werben.

Herr Pichon wollte beruhigen, und der Um­stand, daß seine Landsleute einer Beruhigung be« dürftig waren, läßt uns etn wenig hinter die Äultffen dieses lieblichen Friedensthcaters blicken. Viele Franzosen und Engländer, auch eine Anzahl Russen, sind lebhaft erregt worden durch bte Tatsache, daß Rußland und Deutschland sich in Potsdam friedlich und sreundltch verständigt haben. Gegen diese Ad« schleisung aller Gegensätze hat sich in zahlreichen Blättern Widersprach erhoben, und es ist sogar ein deutlich sichtbares Ränke, ptel in Gang gekommen, bas bie Annäherung zu vereiteln suchte. üS gibt also doch noch Leute, die an der Vervollkommnung ‘ ‘ ‘ Freude haben, und längst

. ______ Frankreich, England und

Rußland legen der Triple entente ihrer Staaten »en ausschließlichen Friedenscharakter bei, von dem Herr Pichon so schön zn fingen und zu sagen weiß. \ In der nachfolgenden Debatte in der französischen Deputiertenkammer hat der Soztaltstenführer Janrös, der manchmal sehr offenherzig reden kann, auf den schwachen Punkt in der Pichon'ichen Logll hmge- roiesen. Wenn das ftanzöfifch-rnfitsche Bündnis von Anfang an d s heute nur von Friedensliebe getragen war, und wenn auch die Entente Frankreichs und England nicht bie geringste aggressive Spitze gegen trgenö ktne Macht gehabt hat, — nun, dann muß Frankreich doch auf eine Wiedereroberung von Elsaß« Lothringen verzichtet haben! Dann könnte e» also auch mit Deutschland unmittelbar einen Freund­schaftsbund bilden. Herr Janrtzs empstehtt eine birette und loyale Annäherung an Deutschland, die die Bedingung für den Weltfrieden sei.

2lu$Ianö.

** Heber den ReligionS - Unterricht in den talienischen Schulen hegt ein interessanter Aus­weis vor. Nach dem,Annuario ©tatiftifo' rourbe von Den befragten 5( 0 Gemeinden des König­reiches für alle Kinder der Religtons «Unterricht in 4 Gemeinden (Treviso, Neapel, Vicenza und Caltaniffeta auf Sizilien), für fast alle Ktuder in 4 Gemeinden verlangt, darunter in Venedig und Novara. In Turin erhalten 97'/, der dortigen Kinder Reiig ons - Unterricht, in Modena 93%, in Mailand 84 «/„ in Como 73% und in dem vom Bürgermeister Nathan glorreich regierten Rom — 24’/,! — ES ist gewiß bemerkenswert. Saß der Prozentsatz in den ehemals österreichi­schen Ländern ungemein hoch im Verhältnis zu anderen ist.

♦* Das neue rumänische Kabinett. Der Ministev» Vräfident (Sarp entwickelte vor dem Exekutivkomitee ber konservativen Partei fein Programm. Da­nach beabsichtigt die Regierung, Unfall-, Kranken- und MterSversichemngsgesetze zugunsten bet Handwerker und Arbeiter zu schaffen, Steuern auf Landgüter unter sechs Hektar aufzuheben, die Zölle und Eisen­bahntarife herabzusetzen, die Armee zu verstärken unb VerwaltunkKreformen einzuführen

Deutscher Reichstag.

Sitzung vorn 13. Januar 1911.

Fortsetzung der zweiten Beratung bet

Strafgesetznovelle.

Zunächst entspmnt sich eine längere Geschäflsord« auneedcbatte darüber, ob ein von w.pawemokralucher Seile gestellter Amrag zu», Beleidigung-Paragraphen noch zuläifi« ist, trotzsem über Den Paragraphen geitern Sion endgültig abgetttmmt ist. Die ßulanigfett des ntra'es wird gegen bie Stimmen ber eogalbemo» tratet^ des Freisinns und ber StationaUtberalen ver« "^ Darauf wird bie Beratung beim folqenben Artikel (Mißhandlung) soilgetttzt. Die Novelle fteüt bte grausame Behandlung jugendlicher und altersgebrech- sicher Personen seueus ihter Pstegepstichtigen unter Strafe, etn Kommissionszuiatz auch die Zulassung der grausamen Behandlung durch brüte Personen.

Abg. Faschender (Ztr.) begründet einen Korn« promißantrag aller bürgerlichen Parteien, ber eine andere Fassung des Paragrapyen bringt, und daS jugendliche Silier im Sinne des Paragraphen bts zum 16. Lebensjahre sichernreckend settftellt, |ur bewnders schwere Fälle Zuchthaus cts zu ö Faüren, bet gewöhn« hettsmäßigen Mtsthandlungen Gefängnis mcht unter 6 Monaten vo> sieht. .... „ .

Adg. Stadthagen tSoj.) begründet einen Antrag Albrecht (Soz.h der den Kommilstonszuiatz wieder streichen will, unb wendet sich dann gegen den Antrag Faßbender unter Hinweis auf Mieiitchin.

Tie Abgg. Heintze tnl.) und Kölle wtrtsch. Bag.) treten für den Aog. Faßbender ein, während Müller- Meiningen (Bp.) ibn für bedentlich hält, und er bem Adg. Dziembowski sPoie) nicht wett genug geht.

Staatsielretär Dr. Lisco: Im allgemeinen schemt mir ber Kompromtßantrag chaßbender besser, als bte Kommisstonssassung, nur möchte tch bte Jngenvatters- grenje lieber aus 14 als auf 18 Jahre test geletzt wissen und ferner würde tch bitten, von bet Einbeziehung ber Zuchthausstrafe abzusehen. . m v

Abg. Gröber /Ztr.): Ich möchte mein Bedauern darüber auesprechen, daß bas wichtige Äapttel_ des Jugendschutzes hier vor so schwach besetztem Hause verhandelt wird. Was den Kompromtßantrag angeht, so entspringt der letzte Ablatz dem guten Herzen des Abg. Faßbender, der vielletcht am liebiten bte Todes­strafe statuiert hätte. tHetterletl.) Ich metnestetl» halte auch die Zuchthausstrafe für zu hart, und möchte Ste überhaupt bitten, es bet dem Komimssionsbefchluffe zu belassen. ,

Nach weiterer Debatte darüber, ob man bei diesem Paragraphen von „grauiamer" oder von „roher und boshafter" Behandlung sprechen solle, sivird ber Kompromrßantrag Fast, b en b er angenommen, sedoch mit einigen Aenderungen: statt „grausam" wird gesagt: „rohe oder boshasle" Behandlung, lern er wird das Jugendschutz- alter auf 18 Jahre festgesetzt und ber Passus betr. die Zuchthausstrafe gestrichen.

Samstag: Weiterberatung.

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