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Zeitung
2. Blatt.
vnick und Verlag der Zuldaer Lctiendinaer« in Selb«
veullches Reich.
(♦) Professor Spahn an seine Wähler. In der Oeffentlichkeit hatte der neue Abgeordnete für War- bura-Hörster, der Straßburger Universitätsprofeffor Dr. Spahn, sich bisher zu der Broschüre des Grafen Oppersdorfs noch nicht ausgesprochen. Seine Entgegnung war bislang nur den Mitgliedern der Fraktion, soweit sie in den einscheidenden Sitzungen anwesend waren unterbreitet worden. Nunmehr hat sich Prof. Spahn seinen Wählern in einer Volksversammlung in Brakel vorgestellt und auch zu seiner persönlichen Streitfrage Stellung genommen. Nach dem „2111g. Anz. für Brakel", dem dortigen Zentrumsblatte, führte Prof. Spahn aus:
Er habe in Den letzlen Wochen oft bedauert, daß ßol'ge seiner Annahme der Kandidatur der Unfriede Wahlkampfe soriwährend genährt würde. Er felbkt glaube alles getan zu haben, um den Herren jeden Anlaß zu nehmen. Er habe immer ertlart, daß ihm die Wahl willkommen gewesen sei für diesen Winter der elsässischen Beiiassilnqsvorlage wegen, und habe jiie einen Zweifel darüber gelassen, daß er sich um die wiederholte Ueberrragung des Mandats nicht bewerben werde. Auch das Wahlkretskomuee habe Vichts wider die Rewluuon vom Jult getan. Es hätte jtlfo Ruhe im Streue nach Der Wahl emtreten können. 5Der Bries der 14 Adgeoroneten und Die Brolchüre des ®rafen Oppersdorf hatte mit dem Wahllreile nichts »u tun Wenn sie, wie er (tHeDner) voraussetzt, sachlich gemeint waren. Io gehörte sich iure Erörterung m Der Fraktion; er hätte Don zeigen tönnen. Daß die Broschüre !um Teil entstellte ooer mrkoeraandene Ansichten von hm wiedergab, teils aber Aeußerungen aus weit ent» egener Zeit, wo er als junger Mann noch wie jeder 'andere junge Mann Die eine oder andere Ansicht gehegt, die er mit zunehmender Erfahrung berichtigt habe. Er sei immer überzeugter Katholik gewesen pnd habe auch, ehe er sich poltmch betätigte. Der Zentrumspartei immer nahe geftanDen. irr Hobe sch an der Schwelle des Mannesalters dann auch em- ; chlossen, praktisch politisch tätig zu sein, um als Gelehrter nicht einseitig zu werden und za viel zu kritisieren. Rur wer mitaibene, könne sich ein gerechtes ; Urteil bilden. Je länger er nun mitaibette, deno lieber arbeite er mit. Die fortwährende Verdächtigung, daß i er es nicht aufrichtig meine, gehe gegen ferne Ehre. ! Es werde aber auch Dem Wahlkreise damit nichts genutzt. Der brauche Ruhe unD begeiste.te Einhelligkeit."
Das genannte Zenimmsblatt schließt feine Bitt» Sm Beendigung der Wirren im Wahlkreise mit der ittenben Mahnung: „Seid einig!" Man wird um so eher einen Erfolg dieser Mahnung erwarten dürfen, als Herr Prof. Dr. Spahn es ja auch hier wieder ausgesprochen hat, daß er nur für diesen Winter wegen der elsässischen Verfassungsfrage im Reichstage sein wolle und daß er sich um die wiederholte Hebet* tragung des Mandats nicht bewerben werde.
(*) Der Etat der Generalordenskvmmission für J911 fordert 309000 Mark für Anschaffung und Un- terhaltung der Ordensinsignien, das sind 80 000 Mk. mehr, als im vorigen Etat ausgesetzt waren.
* Nene Wachdienstvorschriften zum Schutze der Berteidigungsanlagen werden nach einer Meldung der .Franks. Ztg." von der Heeresverwaltung ausgear- fritet. Anlaß hierzu soll die letzte Spionageangelegen- /leit sein. Die neuen Vorschriften beziehen sich sowohl Ms den Wachdienst der Festungen als auch für die Küstenbewachung und enthalten besondere Vorschriften für den Luftschiffverkehr. Luftschiffstationen bür» ifen nur außerhalb der Festungsanlagen angelegt werden. Das Festungsgelände soll durch weithin für den taffer sichtbare Merkmale kenntlich gemacht wer- Zum Schutz der Nordseeküste tritt .vährend der Nabezeit eine verschärfte Küstenbewachung In Kraft.
+ Das Komitee der Carnegie-Stiftung beschloß, nach Blättermelvungen, daß die Einweihung des FriedenSpalasteS im Haag 1913 stattfinden soll. Man will die Feier nach Mög- jichkeit mit der Er-ichtung anderer internationaler Institut« zulammenfallen lassen, namentlich $nil der Errichtung einer internationalen Völkerrechtshochschule, bet Einweihung eines (SebSuoeS .jür die internationalen Kongresse und der intet- ^Nationalen Landschastsausstellung. Mann beabsichtigt, die Etnwethung des Friedens Palastes zu "einem großen Fefttaae zu gestalten.
* Straßburg, 12. Jan. 1911. Der LandeSaus- schuß für Elsaß-Lothringen würbe auf ben 1. Februar einberufen.
<? MSmüen. 12. Jan. 1911. Daß nicht alle katholische Lehrer an bte Unfehlbarkeit des Lehret» er- einSvorstandeS glauben, beweist, baß int Banerischen Kurier bereit! der Mümbener Lehrer Robert P f a r t, der Mitglied des Bayerischen LehrervereinS ist, öffentlich Widerspruch erhoben bat gegen das Auftreten de» HauptauSschuffeS deS Bayerischen LehrervereinS und die Lehrer Adam Wolf, sowie Georg Straub im Be- zirkSantt Mühldorf, ebenfalls Mitglieder des Bayerischen Lehreroereins, erklären öffentlich, daß die B a» verische Sebrerzeitu ng der letzten Jahrgänge die Schranken der Parität durchbrochen habe. Der Erlaß der Bischöfe bestehe zu Recht und entspreche den wahren Verhältnissen. Die beiden Lehrer erklären, im Einvernehmen mit Gleichgesinnten dahin zu wirken, daß tn Zukunft Ausfälle gegen die Religion in bet Bayer. Lehrerzeitung unterbleiben. Zu bem Behuse laben sie zu einer Besprechung ein.
Ausland.
♦* Der rumänische Ministerpräsident Brationo hat bem Könige die Demission deS Kabinetts überreicht. Der König hat den konservativen Parteistihrer Peter Carp mit bet Bildung des Kabinetts betraut
• Dem dänischen Parlament ist ein Entwurf zugegangen, der allen über 25 Jahre alten Frau en auch das politische Wahlrecht zubilligt, nachdem sie das kommunale bereits besitzen.
t)olf$wirtfd)aftltd)es und Soziales.
O Köln, 12. Jan. 1911. Eine Landes- konserenz der Eisenbahnoberbauarbeiter der preußilch-hessischen Staatseisenbahn, die 9000 Köpfe zählen, land am Sonntag in Köln statt. Dieselbe war vom Elberielder Eisenbahner- verbände einberuitn. Es nahmen teil die Reichsund Landtaasabg. Giesberts-M.-Glndbach, Frank- Köln und Beyer-Dortmund, sowie Sekretär Bergmann als Vertreter des Geiamtverbandes der christlichen Gewertschaslen und em Vertreter der Königi. Eisenbahndirektion Köln. 56 Delegierte aus den verschiedensten Ditek lonsbezirken waren anwesend. Stellung wurde genommen zur Lohnfrage, Anrechnung der Hilssbeamtenzeit, Sicherung der Existenz, Arbeilerausschüffe, Urlaub, Freifahrt, Kranken- und Pensionskafsen und Wohl- sahrtseinrichlungen. Was von der Verwaltung bisher geschaffen, wurde von allen Rednern anerkannt. Dagegen wünichten die Vertreter aus Den meisten Direkiionsbezirien eine gleichmäßige Aufbesselunq der Löhne, da die zuletzt gewährte Lohnaufbefferung nur einzelnen Gruppen zugute gekommen sei. Den Schluß der Verhandlung biloete ein Referat des Berbandsiekretärs Gutsche über „die Stellung der Eisenbahnoberbauarbeiter zu Staat und Gesellschaft", worin betont wurde, daß die organisierten Eisenbahner neben den ihrer Standesarbeit sich als national gesinnte Staatsbürger im öffentlichen Leben zu betätigen haben, um der sozialdemokratischen Propaganda unter ben Slaatsarbeitern einen Damm entgegen ju setzen.
Aus dem Nachbargebiete.
♦ Bad Salzschlirf, 12. Jan. 1911. Nach einer Verfügung beS Regierungspräsidenten in Kassel soll die Landgemeinde Salzschlirf von jetzt an die amtliche Bezeichnung „Bad Salzschlirf" führen.
* Witzenhaufen, 10. Jan. 1911. Die Straftaten des hiesigen Stadtsekretärs Hartung, der sich in Untersuchungshaft in Kassel befindet, bestehen in dem Aussteller! von Wechseln mit Unterzeichnung hiesiger Geschäftsleute und Mitunterzeichnung des hiesigen Polizeiwachtmeisters Herbst, dessen Diew'tsiempel Hartung sogar dazu verwendet haben soll. Die Fälschung der Unterschriften soll so täuschend ähnlich gewesen sein, daß es den in Frage kommenden Personen schwer wurde, ihre Unterschrift abzustreiten. Die Höhe der dadurch von der Bank erlangten Gelder soll,
wie sich mit jedem Tag mehr herausstellt, sehr bedeutend fein.
* Oberwalluf, 11. Januar 1911. Auf der Rodelbahn vom Steinheimerhof zur Walluferstraße verunglückte ein Fräulein dadurch, daß es mit dem Kopfe gegen einen Baumstamm flog und besinnungslos liegen blieb. Ihr Zustand ist desoroniserregend.
* Kassel, 8. Jan. 1911. „Heimkehr", das drei- aktige Schauspiel des hiesigen Dichters Emil Jacobi, wurde bei der Erstaufführung am Stadttheater I In Mühlhausen i. E. mit lebhaftem Beifall aufgenommen. Auch die dortige Kritik äußert sich über das interessante Werk, das bekanntlich auf unserer Hos- bühne seine Uraufführung erlebte, außerordentlich anerkennend. Die „Mühlh. VolkSztg.", um nur ein Blatt herauszugreifen, rühmt die schwungvolle, bilderreiche Sprache und sagt, daß das Werk ttn Ausbau der Handlung und in der Zeichnung der Charakteure ein Talent verrate, das noch viel Gutes verspreche.
* Offenbach n. M., 11. Januar 1911. Der zum Beigeordneten in Neu-Jienburggewählte sozialdemokratische Geschäftsführer Bänkeit wurde vom Kreisamt nicht bestätigt, wert der Gewählte ein Mitglied der Sozialdemokratie sei. Der Kreisausschuß hat den Rekurs des Bankert heute verworfen und der Wahl die Bestätigung versagt. — Die hiesige Polizei verhaftete den Schuhmacher Funfch von hier, der in dem Schuhwarenlager von Augustin für 300 Mark Stiefel gestohlen hatte.
* Niederrad, 12. Jan. 1911. Der Mechaniker Rudolf Lau dau, der verdüchttg war, zum Nachteil der Spar- und Leihkofse unbefugt von hem Konto eines Zigarrenhandlers 13,300 Mark abgehoben zu haben, und in der vorigen Woche verhaftet wurde, ist von dem Untersuchungsrichter wieder aus der Haft entlassen worden. Es verdichtete sich das Belastungsmaterial gegen seine Ehefrau, die verhaftet worden ist. Es wird vermutet, daß sie mit einem ebenfalls verhafteten Bekannten die Manipulationen vorgenommen hat, die noch der Auftlärung bedürfen.. Im Gerichtsgefängnis hat dann die Frau einen Selbstmordversuch verübt. Es gelang ihr, unbemerkt ein Fläschchen Salzsäure in die Zelle mitzunehmen, wo sie den Inhalt trank. Die Lebensmüde würbe In das städtische Krankenhaus gebracht.
* Mühlhausen (Thür.), 12. Jan. 1911. Aus dem Karl Eouard-Schachte bei Menteroda war der Hauer Joseph Bede aus Urbach mit bem Anbringen von Sprenqschüssen befchättigt, als plötzlich einige Schüsse vo zeitig losgingen, die den Hauer schwer verletzten. Der Verunglückte erlag seinen Verletzungen. — Infolge einer Firnis-Explosion wurde bei dem Drogisten Mosig am 9. Januar der ganze Lagerraum durch Feuer zerstört. Der Brand, der ungefähr eine halbe Stunde dauerte, fand reiche Nahrung an den dort ausgestellten Vorräten an Chemikalien. Die Schweseidämpte erschwerten sehr das Vorgehen der Feuerwehr.
* Bingen, 12. Jan. 1911. Gestern wurde das bergwärts fahrende Güterboot «Marie" aus zollpflichtige Güter unteriucht. Es wurde eine Menge Tabak, Zigarren, ganze Säcke Streichhölzer u. a. m. in den Kajüten der Mannichast gefunden, die nicht verzollt waren, während die sonstige Ladung verzollt war. Der Steuermann, ein Matrose und der Schiffsjunge wurden verhaftet und in das Unterfuchungs-Gefängnis gebracht. Dem Kapitän war von dem Schmuggel nichts belannt.
vermischtes.
* Eine Scharlachepibemie wütet in bem westfälischen Städtchen Bocholt und fordert zahlreiche Opfer. In den letzten Tagen starben täglich 8 bis 10 Kinder. In einer Nachbarschaft starben innerhalb 14 Tagen 12 Kinder. Neben den Scharlacherkrankungen treten auch viele Erkrankungen von Kindern an Masern auf. Auch diese Krankheit tritt bösartig auf und rafft zahlreiche Kinder hinweg.
* Ei» Einjähriger namens Fischer hat sich tn Magdeburg erschossen. DaS Motiv der Tal tst unbekannt.
* Der flüchtige sozialdemokratische Stadtrat Wolf auS Kaiserslautern wurde in Hamburg verhaftet.
* Bom deutsch-brasilianischen Kabel. Der Kabeldampfer Stephan der Norddeutschen Seekabelwerke Nordenham ist in See gegangen, um die dritte letzte Teilstrecke, Monrovia—Pernambuco, der deutsch-brasilianischen Kabelverbtndung, 3460 Kilometer, zu le gen. Der Kabelbetrieb wird wahrscheinlich Ende März aufgenommen werden.
* Der langgesuchte Mädchenhändler Schneidet- mann, der zahllose junge Mädchen nach Südamerika verkauft hat, wurde auf galizischem Boden verhaftet.
* Zur Verhütung bet Pestverschteppung aus Sibirier ist auf der Station Zizikar der chwesftchen Ost« bahn eine fünftägige Quarantäne, verbunden mit einer Desinfizierung der Kleider unb des Gepäck« für nach ben Westen reisende Chinesen, eingefügil worben.
— Auf dem Marsch. „Rekrut Hammelbom, warn» fingen Sie nid) mit?" — Hammelbom: „Ich kam ntch fingen." — „Ra, bann machen Sie wenigsten! ben Schnabel uff unb zu; hier auf bem Pferd spazlo ten reiten unb nichts duhn, siebte beim Militär nicht'
— Widerlegt. „Die deutsche Sprache ist eigenb lich doch recht arm an Wörtern l" — „Na, da sollte» Sie mal meine Fran hören!"
— Darum. „Warum wurden denn in Euren Bureau die Schreibmaschinen wieder abgeschafft?' — „Weil der Bureauchef bei dem Geklapper nichi — schlafen kann."
£iterarifd)c$.
Philosophisches Jahrbuch berGötresgesellichasi. 24. Jahrgang. Heft 1.
Inhalt: Abhandlungen: 1.C ßimuiermaim. ÄmauldS Kritik Der Jdeenlehre Malebranches, 2. Joh. Hein, Humes Krauiallheorie; 3. Avals Trampe, Goethe und Spinoza; 4 Chr. Schreiber Alois v.Schmid. Re-enstonenund Referat« ’]. Jos. Douai 8. J., Summa Philosophiae Cbri stianae, von Chr. Schreibet; 2. Peiet '-liegt 8. J Stundendilder bet philosophischen Propädeutik, vo Chr. Schreibet; 3. C. Schneder, Die Grundgesetze der Deszendenztheorie, von C. Gutberlei; 4. H. Muckermann, Grundriß bet Biologie, von C Gul- betlet; 5. Karl Staab, Die (Sottesberoeije in bet katholischen deutschen Literatur, von Jos. Müller; 6. Bi. Frischeisen-Köhler, Moderne Philosophie, v. Ed. Hartmann. Zeits chriftenschau: ^.Philosophische Zeitschriften: 1. Zeitschrift tür Piycho- logie; 2. Psychologische Studien; 3. Archiv für Geschichte der Philosophie. Miszellen und Rach- tid)ten: 1. Zum fünfzigsten Todestage Schopenhauers; 2. Eine neue Klassifikation der Tute. Philosophischer Sprechsaal: Franz Lieber, Die psychische Energie unb ihr Umsatz.
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Ein gesahrliches Geheimnis.
73] Roman in zwei Bänden von Charles Read e.
An der Hope'schen Sette der Halle befanden sich lipei Kohlenkartten: der leere, von dem bereite die Rebe war, unb einer mit Kohlen gefüllt. Selbe stunden um einige Ellen von ber Wanb entfernt. Hope wenbete ben leeren Karrten so, baß er mit bem andern im rechten Winkel stand; dann nagelte er zwei Sääe zusammen unb befestigte sie mit bem einen Enbe an dem Kohlenkarren, mit dem andern an dem Schutthaufen, legte innerhalb des davon umschlossenen Rau- mtS mehrere Säcke zum Lager für Grace auf ben Boden, behielt zwei für sich selbst, zwei in Reserve unb warf die letzten beiben Ben Burnley zu.
„Ich gebt Ihnen zwei unb behalte zwei für mich", sagte et „Meine Tochter aber soll auch hier ihr eigenes Gemach haben, unb wenn Sie biefelbe belästigen, schlage ich Ihnen mit bem Hammer bie Hirnschale entzwei."
„Ich habe gar nicht die Absicht, sie zu belästigen", «ntnrortete Burnley. „Meine Schuld ist» nicht, daß sie sich hier befindet."
Ein dürsteres Schwelgen folgte und zwar ganz b« Lage bet Dinge angemessen. Das eine Gruben- lidjt dessen matter Schein an der Wand hinzttterte, Diente nur dazu, bie Dunkelheit doppelt fühlbar zu nmchen und alle Schrecknisse ber Umgebung ,u er- n\ ^-ünPJanl Wochen bie schweren Stunden vot- tcker. bereu Kommen unb Gehen nur butch Hope'» Taschenuhr bezeichnet würbe; denn in biesem lebe», digen Grabe waren sie Tag unb Nacht völlig gleich unb ber Sommer vom Winter nicht zu unterscheiben. s Die Schrecknisse des lebenbig Begrabenseins ht einem Bergwecke sind, unserer Ansicht nach, schon mehrmals besser beschrieben worben als jebe» andere Unheil, da» ben Menschen zu treffen vermag. Bedeutende Novellisten und Journalisten haben, von bie- (fer Aufgabe erfüllt, sich selbst übertroffen, unb ohne Jebe Ziererei sprechen wir es ans, baß wir bie tilge- Deinen, baS heißt allen berarttgen Unglück»fällen elgt»
nett Details ber Schreckensszene nicht zu schildern vermöchten. ohne hinter mehreren unserer schreibenden Zeitgenossen zurückzubleiben und ihren Schilderungen wertloses Material betzufügen. Das Charatteristische der hier zu beschreibenden Unglücks szene ist aber, unserer Ansicht nach, weniger ber Wechsel von Furcht unb Hoffnung ober das allmähliche Ermatten der Körper- krast in bem Kampfe mit Hunger unb Durst, als vielmehr ber Umftanb, daß hier der Mörder mit seinen Opfern demselben Unheil verfallen war. Als ein Tag nach dem andern verging und die erwartete Erlösung nicht kam, geriet der Haß, der naturgemäß zwischen dem Mörder und feinen Opfern herrschte, sogar hin unb ioiebet in Konflikt mit jener Art ton Kametab- schast, bie gemeinsames Leib zu schassen pflegt.
Zwölf Stunben etwa nachdem bie Katastrophe hereingebrochen war, bemerkte Burnley, daß Hope unb seine Tochter aßen unb ihre Lippen mit bem Tee benetzten, bem Hope aus seiner Felbflasche einen Löffel voll Branbh zugefügt hatte, um ihn vor bem Sauerwerden zu schützen.
„Haben Sie nicht mich einen Bissen für mich," fragte ber Bösewicht mit kläglicher Stimme.
Hope stieß einen Laut der Verachtung aus, warf ihm jedoch eine Brotkruste zu, wie er es für einen Hund getan haben würde.
Grace schien einen Augenblick zu zaudern; damt nahm sie ein kleineres Töpfchen, füllte dasselbe mit Tee unb trug es zu ihm hinüber.
„Nehmen Sie es hin", sagte sie, „unb Gott möge Ihnen verzeihen!"
Er faßte bas Töpfchen, indem er sie anftarrte.
„Ich bin nicht Schuld daran, daß Sie hier sind!" fing er an; sie aber hob abwehrend die Hand, wie um zu sagen: „Kein unnützes Gerede!"
Zwei ganze Tage waren verflossen. Der Proviant, so sparsam sie damit umgegangen, war verzehrt, Bum- ley's Lampe flackerte matt und völlige Dunkelheit war im Begriff, sich den übrigen SchtÄniffen zuzugesellen, in denen die Hoffnungen, mit denen diese armen Menschen Ihrer schweren Ausgabe «itgegengetreten wa- ren, mehr und mehr bahinstarben. Die Angst trieb
Hope ans seinem geduldigen Harren auf, er ergriff die erlöschenden Lampe, stocherte sie zu hellerem Bten. neu an unb ging ans Werk, ben nicht verschütteten Stollen noch einmal zu burchsuchen. Jetzt begnügte er sich nicht damit, den Teil desselben, in bem et aufrecht stehen konnte, in Augenschein zu nehmen, er kroch vielmehr auf allen Vieren, so weit er irgend kommen konnte, dem neuesten Arbeitsplätze zu Als er an das Ende gekommen war, stieß er einen Freudenschrei aus unb kehrte bald darauf völlig geschwärzt von Kohlenstaub zu seiner Tochter zurück. Aber seine Lampe brannte wieder hell und an seinem Halse hing eine Oelkanne.
„Mein armer Vater", sagte Grace, „ist das alles, waS Du entdeckt hast?"
„Du solltest Gott dafür danken", erwiderte Hope. „Noch hast Du nicht erfahren, wie es wäre, wenn wir zwei weitere Tage nicht nur ohne Lebensrnittel, sondern auch ohne Licht hier zubringen müßten."
Der folgende Tag war fürchterlich. Der Hunger begann in ihnen zu nagen und noch unerträglicher waren die Qualen des Durstes. Der Hunger peinigte sie stundenweise, hörte wieder auf und kam zurüch um abermals aufzuhören. Er ermattete sie, aber machte sie nicht wild unb toll wie bie unaufhörliche, zum Wahnsinn treibenbe Höllenqual des Durstes. Ben Bumleh litt am meisten darunter, und der Elende kam zu Hove, um Trost zu suchen.
„WaS tonn’» helfen, wenn wir hier zusammen- hocken, um innerlich vor Durst zu verbrennen? Besser ist es, wir setzen die Grube unter Wasser und trinken oder etfaufen — so halte ich's nicht aus!"
„Wie sollte ich das wohl anfangen?" fragte Hope.
„Das werden Sie wohl am besten wissen", antwortete Burnley. „Wie viele Tonnen Wasser haben Sie denn täglich aus dem großen Bassin auspumpen lassen."
„Unb wieviel Wasser wird jetzt im großen Bchäl- ter zusammengelaufen sein?"
Hope sah nach seiner Uhr unb erioibcrte: „Es wat, al» Sie bie Grube gesprengt haben, schon ziem
lich viel Wasser barin enthalten; jetzt mögen es an dreißig Tonnen sein."
„Gut", sagte Burnley, „so helfen Sie mir denn. Sie verstehen sich ja auf alle Dinge ber Welt! Helfen Sie mit, bie Umfassung des Bassins zu durchbrechen Sie ist nur dünn; das wissen Sie feCbft am besten."
Hope überlegte.
„Wenn wir die ganze Waffermaffe hereinließen, würde sie uns an ben Mauern unseres Gefängnisses zerschmettern ober uns ersäufen, ehe ihr Abfluß butch die verschütteten Stollen erfolgen könnte. Es ist ein Glück, baß wir keine Hacke besitzen, so komme» wir nicht in Gefahr, einen solchen Selbstmord zu begehen."
Diese Worte brachten Bumleh für den Rest des Tages zum Schweigen; er hielt sich trotzig abseits, hörte jedoch nicht auf,übet seinen Plan nachzugrübeln. Am Abend des folgenden Tages bat er Hove, fein Grnbenlichi anzuzünden unb ihn zu einer Besichtigung ber Reservoirwanb zu begleiten.
„Nicht ohne mich", flüsterte Grace; „ich habe gesehen, baß er Dich mit haßerfüllten Blicken betrachtet."
Sie gingen, unb Burnley machte Hope barauf aufmerksam, baß an gewissen Stellen tropfenweise Wasser burchsickerie; e» konnte weder die Kohlenadern noch die Lehmschichten dutchdtingm, ober e» zog sich durch bte dazwischen befindlichen schwärzlichen Erdlaget, aus beiten es in einzelnen Tropfen hervorquoll.
Hope erschrak; al? wiffenschasttich gebttbeter Mann sowohl wie aus Ersahmng wußte er, welche Exvlo- fioasktaft einem kleinen Wafietfaden innewohnt, btt durch ben Druck dabinterliegenbet Waffetinassen butch die Wände eines Reservoirs getrieben wird.
„Sie werden eS erleben, daß das Wasser sich Bahn bricht", ftohlockte Bumleh, „unb je schneller das geschieht, umso besser für mich . Ich habe kein Verlangen, lebendig aus der Grube herauszukommm. Sie haben die Leute gegen mich aufgehetzt, und diese würden mich, wenn ich ihnen in die Hände fiele, tn Stücke reißen."
Hope gab ihm keine direkte Antwort.
(Fortsetzung folgt.)