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Zeitung

»Tuldaer

zu.

Reklamen, und Anzeigenteil.

Aus -em Nachbargebiete.

) I ( Salmünster, 10. Jan. 1911. Der Bauer Sott’ Hard Mink von Hausen bei Salmünster ist mit seiner Familie spurlos verschwunden. Derselbe stammt aus der Marburger Gegend und ist der dntte Besitzer des Joseph Auhl schen Gutes seit 4 Jahren und ist iy2 Jahre hier. Viele Geschäftsleute und Handwerker' haben mit chren Forderungen das Nach­sehen. Man nimmt an, daß er wieder nach Amerika geflüchtet ist, weil er schon zwei mal dort war.

vermischtes.

♦ Nach einem Scheunenbrande

Interesse gewann, als hier zum ersten Male das neue 210 Tonnen-Projekt zur Kanalisierung der Lahn in der Oefsentlichkeit ausführlich dargelegt wurde. Generaldirektor Kaiser-Wetzlar erstattete Be­richt über den Stand der Lahnkanalisierungsftage. Die über 100 Kilometer lange Strecke von Gießen bis zur Lahnnckndung kann, so führte er aus, gegenwärtig wir von Schiffen bis zu 175 Tonnen befahren werden was man durch die Anlage von ca. 20 Wehren aus genannter Strecke erreicht hat. Im Laufe der Iah« wurde ein Projekt au8 gearbeitet, welches für diese Strecke einen Verkehr von 300 Tonnenschiffen eröffnen wollte. Das Projekt wurde von einem Negierungs­beamten geprüft und die Kosten wurden auf 30 Millio- neu Mark festgesetzt. Da die Regierung sich diesem Programm gegenüber nicht gerade entgegenkommend zeigte, arbeitete Herr Direktor Bansa-Limburg ein Projekt für 210 Tonnenschiffe aus, das einen Kosten- aufwand von nur 11 bis 12 Millionen erfordern soll. Ueber dieses neue Projckt hielt dann Herr Direktor Bwlsa einen ausführlichen Vortrag. Die Versamm­lung stimmte dem Projekte einstimmig

JV5 9.

VErsiag U. Januar 1-11

38 layrqang.

in dem Orte Zscherben bei Müschel fand man bei den Auf­räumungsarbeiten in der Asche drei verkohlte Leichen. Aller Wahrscheinlichkeit nach ist der Brand durch drei Handwecksburschen verursacht worden, die in der Scheune übernachtet hab« und in den Flammen

umgekommen sind.

* Ein Opfer seiner Fallschirmexperimcntr ist ein Breslauer Handwerker geworden. Der Schnei- dermeister Franke, der im Sommer 1910 mit seiner selbsterfundenen Fallschirmpelerine auf dem Flugplatz Wilhelrnsruh von einer zwanzig Meter hohen Leiter einen Absprung unternommen hatte und infolge Ver­sagens der Erfindung abgestürzt war, ist jetzt feinen Verletzungen erlegen. An demselben Tage wie der Vater verstarb auch fetn einjähriges Töchterchen.

♦* Durch eine Lawine wurden im Kienthal (Berner Oberland) vier Arbeiter, die dock mit Holz- sägen beschäftigt waren, über einen Felsen hinunter- gerissen. Einer von den vier Verschütteten ist schwer verwundet. Die drei anderen wurden als Leichen ge­borgen.

♦ Ein mysteriöser Mord wurde in Kattowitz begangen. Am Förderschacht der Grube wurde die Leiche eines Galiziers gefunden, welcher der Kopf fehlte.

* Auf einer Eisscholle sind bei A st r a ch a n 85 Fischer mit 38 Pferden in daS Kaspische Meer hinauSgetrieben worden. AuS Baku ist elr Rettungsdampfer abgegangen.

künstlich hervorgerufenen und wachgehaltenen gereiz­ten Stimmung heraus tn Angriff zu nehmen? Da­gilt in gleicher Weise für die ostmärkischen wie für die reichsländischen Angelegenheiten. Die Mahnung zur Bermmst und Kaltblütigkeit ist um so notwen- biger, als man sich doch ernstlich verhehl« kann, daß die beklagten »Mißstände' zu einem guten Teil doch auf unser eigenes Konto kommen, zu einem großen Teil gerade durch die — gelinde gesagt — unglück­liche kolonisatocksche Wirksamkeit der preußischen Re- gierungspraxiS hervorgerufm sind. Und ob gerade die reich-ländische Regiemng berechtigten Grund hat, sich über die Vorgänge in Metz zu entrüsten, da sie in demselben Augenblick, wo sie die Festveranstaltung des Lothckngischen Vereins verbietet, die sozialdemo­kratischen Massenkundgebungen, die wahrhaftig nicht in geringerem Maße »staatsgefährlich' sind, gestattet, erscheint unS mehr att zwetfckhaft.

Ausland.

♦* Ein „würdiger" Bolkstribun ist der spanische radikale Republikaner Lerroux. In seiner jüngst in Bilbao gehaltenen Rede sah er sich gezwungen, sich gegen die Feinde im eigenen Lager verteidigen zu muffen. Diese waren zahlreich erschienen und riefen ihm schon bei der ersten Phrase „Republikanische Mrt- bürgerl' zu: Mitbürger und Beschwindeltei' AlS Lerroux mit seiner Lärmstimme die Zwischenmfe zu Mckönen suchte, drängten sich Gruppen nach der Red- rtfttribüne vor und riefen: „Wo sind die 800 Pese­tas Streikunterstützung, die in Barcelona für BiScaya gesammelt waren und die wir nie erhalten habm?' Lerroux konnte nicht weiter redm. Noch größere Ueberraschung folgte, als die Mittellung eintraf, er habe seine Reise durch die baskischm Provinzm auf­gegeben. Die „Epoca" befaßt sich mit den Worten Lerroux', daß er erschaffen werde wie Ferrer, wenn Maura anS Ruder gelänge und schreibt diesbezüglich: „Vielleicht besorgm die betrogenen Freunde des Herrn Lerroux ihm so rasch ein freiwilliges Exil im Aus­lande, daß sich der Nachfolger Canalejas mit den re­volutionären Umtrieben des Herrn Lerroux gar nicht mein zu befassen hat'. Allgemein herrscht der Ein­druck vor, daß auch die neueste „Enthüllung" Lerroux und seiner Populacktät nicht schadm wird.

** Wozu sich amerikanischer Chauvinismus ver­steigt. Um den ameckkanischm Schiffsverkehr gegen ein ausländisches Monopol zu schützen hat das Mit­glied des Repräsentantenhauses Humphrey im Reprä­sentantenhause einen Gesetzentwurf eingebracht, nach welchem Schiffe, die Linien irgend einer auslän­dischen Schiffahrtsvereinigung angehören, durch Geldstrafm von ameritan. Häsen ausgeschlossen werden solleni — Das Repräsentantenhaus wird natürlich diesen Antrag nicht annehmen, aber daß er überhaupt gestellt werden konnte, ist bezeichnend für die Geistesverfassung gewisser Bankers.

* Wiesbaden, 9. Jan. 1911. Zu der gemeldeten SuSpmdierung be8 Bürgermeisters Rossel In Dotzheim erfahren wir, daß diese auf die Unter- chlagung einer amtlichen Urkunde zurückzuführen ist. Der Bürgermeister, dem von einem Polizeisergeantm eine Anzeige wegen Widerstand vorgelegt wurde, so» diese nicht roeitergegeben, sondern die betreffenden Person« wegm groben Unfugs in kleine Geldstrafe» genommm habm.

* Limburg (Lahn), 9. Jan. 1911. Gestern fand hier die ordentliche Hauptversammlung des Lahn- l'anat«5Betein8 statt, die besonders dadurch an

volkswirtschaftliches und Soziales.

»I« Soziale Studmtenburse. Das „Sekretariat so­zialer Studentenarbeit', M.Gladbach, schreibt unS:

MU dem 1. Januar 1911 ist in M.-Gladbach im Anschluß an unser Sekretariat eine „soziale Stuöenlen« bucke" eingerichtet worden. Dieselbe hat dm Zweck, Studierende und jüngere Gebildete, die einm Monat oder länger am Sekretariat Mitarbeiten wollen, um sich in dessen Bureauardetten, Organisationsbeftrebungen, Literatur, Agilationsmethoven und damit die ganze wzialstudenlische Bewegung einzuschulen, für die Zeit ihres Aufenthalts hier unentgeltlich Rott und Logis zur Verfügung zu stellen. Ein Komitee führender Katho- liten erläßt zur Fundierung und Förderung der ge- nannten Burse einen Aufruf, der um Zuwendung sowohl einzelner Beträge (60 Mark reichen für den Aufenthalt eines emzeluen einen Monat lang) wie eigentlicher Kapitalien, wie auch direkter Naturalien bittet. Wir geben die Gründung der Burse heute be­kannt, einmal, um Studrerende und jüngere Gebildete auf diese neue zweckmäßige Möglichkeit, die Ferienzeit oder Wartezeiten vor desinittver Anstellung sowie Ur­laubszeit ohne Kostenaufwand zu verbringen, aufmerk­sam zu machen, bann aber auch um alle biejenigen, denen die Schaffung eines regsamen Nachwuchses in den gebildeten Schichten für unser Bereinsleben am Herzen lie t, die Unterstützung der neuen Einrichtung naheznlegen. Ausrufe zur persönlichen Agitation für die Kurse versendet das Sekretatriat in beliebiger An­zahl an Interessenten.

2. Blatt.

Mb Verlag bet Julbaer Sttieubtutod hi Wba

Deutsches Reich.

[] Er wollte dm Krieg mit dem Zmtrum. Das steht nach den Mitteilungen des Grafen Ballestrem über die Reichstagsauflösung durch den Fürsten Bülow fest. Da- wird jetzt auch noch in der .Deutsch« Tageszeitung' und von einem früherm konservativm Abgeordneten bestätigt. In der letzten Sitzung de» datnalS aufgelösten Reichstages am 13. Dezember 1906 erfuhr der betreffende Abgeordnete während der Ermittelung des Ergebnisses der nammt- lichm Abstimmung au8 guter Quelle, daß das Zen. trum beabsichtige, Einleitung und Ueberschrtst der Vorlage anzunehmen, damit sie zur dcktlen Lesung ge­bracht werdm könne, und bis zu dieser Zeit mit dem Reichskanzler zu verhandeln. Der konservative Ab- geordnete teilte das dem Fürsten Bülow mit, worauf dieser kurz sagte: „Jetzt ist es zu spät". Er war also vermutlich schon vorher zur Auflösung entschlossen gewesen. — Es lag dem Fürsten Bülow also nicht daran, in der Kolonial-Sache seinen Willen durchzusetzm, er suchte nur einen Vorwand, um den Reichstag aufzulösen.

— Der neue Monisten Kalender. Als die flan- zöfische Revolution auf ihrem Höhepunkt angelangt war, schuf sie sich ihren eigenen neuen Kalender, gleich­sam als Siegessäule zum Gedächtnis, daß sie das ge­samte Geistesleben der Nation sich unterworfen, alles früher Dagewesene siegreich überwunden habe. Wie wenig jedoch diese „Epoche machende' Aenderung Be­stand und Dauer hatte, ist bekannt. Trotzdem reizt das Beispiel zur Nachahmung. So stack sühlt sich bereits das Bekennertum des Monismus in Deutschland, daß man es wagte, mit einem „Monistischen Taschenka­lender 1911" hervorzutreten. Zwar wird jetzt noch die hergebrachte Jahreseinteilung im großen beibe­halten, aber radikale Aenderungen für die Zukunft sind in Aussicht gestellt. Schon jetzt wird nicht nur mit neuen Monatsnamen aufgewartet, sondern auch mit neuen „Helligennamen" wie Mignon und Götz, Thus­nelda und Fritjof, Diana und Franklin, alles au8 Vorliebe für echte deutsche Namen. Wichtigere Aen­derungen bleiben abzuwarten, wie, daß künftig jedes Vierteljahr nur einen Sonntag und zwei Festtage mit sich bringen soll. Aufsätze zur theoretischen Belehrung und Sßrofiamata zur Erweckung von monistischer Be- acifferunfl begleiten wie üblich das eigentliche Kalen­darium, so z. B. das Postulat: „Völlige Trennung vo« Kirche und Schule, völlige Trennung von Kirche und Politik, völlige Trennung von Kirche und Staat'. Unfreiwillige Geistreichigkeiten gehen den Kampfes- rufen zur Seite, zuweilen geeignet, dem geneigten Le­ser Vergnügen zu bereiten.

* Karlsruhe, 11. Jan. 1911. Antimilitä­rische Flugschriften sind in Baden, im Elsaß mü> in der Pfalz auf bisher unaufgeklärte Weise in sämtliche Züge, welche Welhnachtsurlauber zurückbe­förderten, eingeschmuggelt worden. Die Soldaten wurden darin aufgefordert, bei der Parade an Kat- ferSgeburtttag den Gehorsam zu verweigem und die „Herrschaft des Hauses Hohenzollem von sich abzu- fchMeln'. Als die Militärbehörden von dem Flug­blatt Kenntnis bekamen, fanden natückich sofort um= fassende Untersuchungen der ankommenden Urlauber und Spindrevisionen statt, die auch in einigen Regi­mentern in Baden und im Elsaß einige Exemplare jatagt förderten. Gleichzeitig wurde eine lebhafte Un- tersüchung nach dem Verfasser und den Verbreitern im geheimen durchgeführt, die auch zur Beschlagnahme

+ Die Metzer Stratzenvemonstra- tioncrr.

Die Gegner der reichsländischen VeffaffungSresorm reiben sich vergnügt die Hönde: die bedauerlichen Ausschreitungen, bereu Schauplatz am Sonntag die Hauptstadt Deutsch-Lothringens war, sollen ihren Widerstand gegen die Verleihung größerer Rechte an bie elsaß-lothringische Bevölkerung als berechtigt er­weisen Die nationalliberale Presse, bie au8 Partei- taktischen Gründen gegen die Verfassungsreform nicht aut ein treten kann, versteht es indessen meisterhaft, den offen auftretenden Gegnern die Waffen zu schärfen. Die „Kölnische Zeitung' spricht von einer »sympto­matischen Kundgebung" und widmet ihr folgende Be­urteilung:

„Einen ungeeigneteren Zeitpunkt für eine Kund­gebung als ben" gegenwärtigen hätten sich die an vieler Ausschreitung beteiligten Mlaß-Lothrmger wirklich mchl auswählen können. Zweifellos wir» diele Revolution politischer Kinder bei der Beratung der eisaß- tothringischen Bersaffungsvorlage im Reichstag ein vernehmliches Echo finden, und wenn bet der Gelegenheit schaffe Worte gegen die Berechtigungen fallen werden, die man im Begriff ist dem Reich-Iande zu verleihen, so kann man das nur begreiflich staden. Es gehört eine Lammsgeduld d-m, immer und immer wieder diese monoton aus Bte Maneiüaffe abgeütmmten Fälle aus dem Reichsland hmzuuehmen und dabei den Glauben an die Loyalität der großen Masse seiner Be­völkerung zu bewahren oder die Bezeugungen emzeluer Führer über die politische Reffe und den llugeu real« politischen «Sinn der Eltaß-Lothringei für etwas anderes als schöne Phrasen zu halten."

In ähnlicher Tendenz äußert sich bie „National» zeitung":

„Es scheint, als ob die franiönsch gesinnten Loth­ringer unmittelbar nach der Ankündigung der netten reichsiändischen Verfassung Ali-Deulfchtand vor Augen führen wollten, wie wenig ihnen daran gelegen tst, in engerer Verbindung zum Reiche zu stehen. Der Reichs­kanzler erklärte im vorigen Jahr im Reichstage, daß die Gewährung einer Verfassung auch von den Eliaß- Lothringern selbst abhänge, miofern sie sich in loyaler Weise als Reichsongehönge fühlen uns betätigen. Niemand wird es nun einfallen, die einmal gegebene Zusage rückgängig zu machen, weil raoanlustige Franzosensreunde in Metz ihre Unreife durch eine Kundgebung dokumentiert haben, die nur bew.-rft, was wir nicht bestreiten können: daS Vorhandensein einer antideutschen Gesinnung, die in den Vereinen „Souvenir sianyais", „Lorrame sportive" u. a. ihre Pflegestütte besitzt.'

Die Ausschreitungen, welche die Teilnehmer an der Festvenmstalttmg des „Lorraine sportive' sich ha­ben zuschulden kommen lassen, verdienen gewiß schärfste Mißbilligung. Aber man soll die „Affäre' auch nicht übertreiben. Von dem Verbot der Festver- anftaltimg scheinen die Teilnehmer nichts gewußt zu haben, sodaß sie sich in ihrem guten Rechte glaubten, als sie in den Saal ehtbrangen. An ben Ausschrei­tungen waren vornehmlich junge Burschen beteiligt. Als „politisches Moment" in der ganzen Angelegen­heit bleibt also eigentlich nur das übrig, daß bte Marseillaise gesungen Vive la France=3tufe ausge­stoßen wurden. Diese protestlerischen Kunbgebungen waren natürlich nicht zulässig. Aber rechtfertigen sie wirklich ben Sturm, bet nun in bet sogen nationalen Presse entfacht wird?

(5-111 angesehener konservatives Blatt oeröftentiicht in den letzten Tagen einen sehr bemerkenswerten Ar­tikel, in welchem darüber das Bedauern ausgespro­chen wurde, bah bie öffentlichen Erörterungen über unsere Tagespolitik zurzeit unter einem auffälligen Range! an Sachlichkeit und unter einer bebauet- «"ich en Nervosität leiden. Wir müssen unS hüten, bei jeder Affäre „Nerven zu kriegen' — lautete bie wahlberechtigte Mahnung. Voraussichtlich wirb sie wr-ig fruchten, »mb zwar deshalb, well hinter bet zur Schau getragenen Nervosität allzu viel Mache steckt. Das gilt vor allem von der Behandlung du sogen, nationalen Fragen: Ist cs wicklich notwendig, sich Über die „Fälle" in der Ostmark und im Reichs­land derart aufzuregen, wie so viele Leute e- immer­fort tun, bah sie aus her Auflegung gar nicht mehr herauskommen? Soll bemt wicklich ber Bestand des mächtigen deutschen Reiches im mindesten davon be- rnhrt werden lönneir daß ein paar junge tempera­mentvolle Burschen Mer Wut über irgend eine ihnen unancr nehme Sache in „staatsgefährlichen' Rufen und Liedern knnbgeben? Und ist es richtig, bie schwie­rigen und ernsten politischen Aufgaben aus einer

solcher Flugblätter bet einer Zivilperson führte, wie die „Karlsmher Zeitung' halbamtlich meldet. Nach­dem die Angelegenheit in bie Oeffentlichkett gekommen ist, wäre eine Veröffentlichung beS Untersuchungser­gebnisses dringend zu wünschen.

„Bewährt seit Jahrzehnten

und als vortrefflich anerkannt von ben Berzlen aller Herren Ländert' — gewiß deutliche Beweis« für bie offenkundige Wirkung von Scotts Emulsion. Nach allen zehrenden Krankheiten, die mit einer Gewichtsabnahme und Abmagerung verbunden sind, gebraucht man Scotts Emulsion als überaus leicht verdauliches, wohlbekömmliches und die Eßlust an« regendes Kräftigungsmittel.

Äeetti Emulsion wird von un» au*1d>lt*ftltd* tm noBe« wer« lauft und «war nie leie »ich Lewtchr oder SRaB. sondern nur tu versiegelten Qrlgtnotslaschen tn »arten mit unterer Schutz, matte (Aucher mit dem Do-Ich). Scott u. Boro ne, ®. m. d. ©. tftanffurt tu M.

Seftaubtetle: Setnfter Medtrtnat-vedertrar tbO,1, prima •leien» M.o, untetp6c4phortglaurer »alt M u»:erpü>«»6o-tfl; «Utes Natron s.0, pu'a Tragant 1,0, tetnfter arab. (Stimmt rat», tft. den«», sr« er m,o, Alkohol tl,o. Hierzu aromatische ■enafton mit Kirnt . onvel. -nr '»n'iltbertaiH te ' trott en.

Die drei

23.

Todesgefahren.

waren unter den Trümmern

6 in gefährlicher Geheimnis.

72] : ornan in irrt Bänden von Charles Read«.

ein!" rief Barkley dagegen, „sie sind nicht ver­loren, das kann unb darf nicht sein. Einer der Män­ner ist zum Bewußtsein gekommen, ich habe ihm Port­wein und Brandy gegeben, ben wollen wir fragen* Damit zog er den jungen Mann in eines ber Zelte. Da saß ber einst so stacke Jim Davies, jetzt mit Kissen gestützt, aber mit einem Glase voll Brandy und Portwein in ben Händen.

„Guter Freund', sagte ober oielmchr schrie Bart- ley, „tagen Sie mir, wo Hope und Mach zu finden sind, die ich — o Gott! o Gott!"

„Muster', antwortete Jim mit schwacher Stimme, „ich '.etanb mich in der Halle mit Mr. Hope und der jungen Dame als die erste Explosion kam. Viele »o« uns rannten an dem alten Schacht vochei unb retteten sich; Andere Mieden von ben einstürzenben Wänden nieder geworfen, aber Mr. Hope habe ich nicht unter ihnen gesehen. Ist er dabei gewesen, so liegt er un­ter den Trümmern des Schachtes begraben. Aber das glaube ich nicht. Ich bin ber Meinung, daß et mit seiner »Tochter unb dem etenben Schuft, ber bas Un­heil an gerichtet hat, noch jetzt, lebendig ober tot, in der Halle steckt'

Mehr konnte der Mann nicht sagen; die Wirftmg '»es Getränke- auf feinen erschöpften Körper und leeren Magen war so stack; daß er in eine Art Betäubung fleffiel. Nun aber brachte Bartley mit zitternden Hän- |kn einen Plan des Kohlenweckes herbei und zeigte 1'3alter, nach welcher Richtung bie zweite Abteilung ber Rettun^mannfchaften mit ihren Arbeiten vorge- bvringen war.

stürzte und die Ausgänge berfeiben verschloß, wurde niemand von den hier Anwesenden zu Tode getroffen. Dampf und Rauch waren jedoch so efftickend, daß eS unmöglich schien, darin zu leben.

Dieser Dampf war jedoch leichter als bie Lust; er stieg langsam nach oben, und att er sich mehr und mehr verzog, wurden drei Gfftalten sichtbar.

Grace Hope hatte sich, um dem erstickenden Dampfe zu entgehen, mit glücklichem Instinkt zu Boden ge- woffen Auch Hope, ber Ben Burnley am Kragm gepackt hatte, war mit demselben hingefallen, hielt ihn aber trotzdem noch immer fest. Die- waren die Drei, die in bet Halle dem Tode entgehen durst« unb nun für ihr Leben kämpfen mußten.

Sobalb Hope wieder sprechen konnte, hob et sein Grubenlicht, daS ihm enffallen war, in bte Höhe unb rief: „Grace, mein Kind, wo bist Du?' Sie kam sofort W ihm; er nahm sie in bte Arme unb dankte Gott für ihre Erhaltung. Dann gab er Burnley einen Fußtritt und befahl ihm, sich nach ber rechten Sette ber Halle zu begeben. »Dort werben Sie bleiben', sagte er, »unb über Ihre Tat nachdenken, während Ihre Opfer sich an dieser Seite aufhalten unb sich zu trösten suchen, btt eS guten Menschen gelingt, Ihr Bubenstück wieber gut zu machen.'

Burnley kroch, sich nleberfauemb, fort wie ein ge­prügelter Hund und waff sich tn bitterer Verzweiflung In eine Ecke.

„Lieber Vater', sagte Grace, »wir find jetzt einer großm Gffahr entgangen, aber werden wir daS Ta­geslicht jemals wlebeffehen?'

„Gewiß, mein Kindl Verlasse Dich darauf, man wird die größten Anstrengungen machen, uns zu Hilfe zu kommen. Unsere Grubenarbeiter haben mancherlei Fehler, aber ihre Mitmenschen umkommen zu lassen, ist nicht ihre Art. Wenn dergleichen in Frage kommt, sind diese rauhen Männer mit allen ihren Untugenden die größten Helden ber Welt. Was Du und ich zuerst zu tun haben, ist nun aber, uns nach Lebensmitteln, Grnbenlichtern unb Wertzeugen umzusehen. Wenn nicht giftige Gase irgendwo zum AuSbruch gckommen sind, ist unsere Rettung nur eine Frage der Zett.

Sieben Grubenleute ______ _______

des eingostürzten Stollens begraben; aber obwohl auch eine Masse von Kohle und Erdreich von ber nach ber Explosion julieaenbqt bettenwarch jn die Halle

sie noch, zuwell« sind sie tot ober liegen im Sterben. O, ich werde wahnsinnigl Ich werde wahnsinnig!'

Wie ein Verrückter lief er umher und gab bie zweckmäßigsten Befehle mit dem Ton und Aussehen eine- Geffte-kranken. Rach Veckauf einer Minute hatte er den Fahrstuhl für Walter, so wie 20 frlsch- angezündete Grubenlichter In Bereitschaft setzen las­sen, und von neuen Arbeitskräften begleitet, kehrte bet junge Mann zu seiner Ausgabe zurück. Sobald er den Fahrstuhl verlassen hatte, rief er ungestüm:

„Laßt da- gut fein, Leute, unb folgt meinem Bei- spick!'

Mtt diesen Worten schlug er feine hochgeschwun­gene Spitzart in ber von Bartley bezeichneten Rich­tung seitwärts ein, und zwar so tief, daß er sie nur mit Anstrengung wieder los machen konnte.

„Richt so, junger Herr!' rief ihm einer ber Gru­benleute zu, der ihn in» Hetz geschloffen hatte; „bie Kohlenschicht müssen Sie in Angriff nehmen.'

Walter bemerkte mm, daß sich durch da» Erdreich eine schmale Kohlenader hinzog; er hieb darauf los, aber anstatt, wie er gesollt hätte, von oben nach un­ten zu schlag«, führte er einen so mächtigen hotizon- talrn Streich, daß die Kohle erklang wie eine Kii> chmSocke, während die Axt aus Walter'» Hand«, bie plötzlich wie gelähmt waren, zu Bodm fick.

Der ®rubenarbettet, ber ihn berat« hatte, sah, daß er für ben Augenblick nichts mehr tun konnte unb trat an seine Stelle.

Jn demselben Augenblick begab sich jedoch etwas so Unerwartete», Ergreffmde», daß die abgehärtet« (Srubentarte wie erschreckte Weiber auffchriem und dann in einem laut« „Ah!' ihr« männlich« Her- zm Lust machten.

„Sehen Sie', sagte er, „die Leute sind noch etwa »wanzig Fuß vom Grunde entfernt, die Halle abe? ist dveiundzwanzig Fuß hoch; Hope hat sie gemessen. Folgen Sie meinem Rat, hören Sie auf, nach unten tu grab« und versuchen Sie, statt dessm seitwärts nach »er Halle durchzubrechen. Nachts in mein« Träum« sehe ich die Beiden dort eingeschlossen; zuweilen leben.

Du hast eine schwere Aufgabe vor Dir, mein arme» Kind; aber erhalte Dich nur am Leben, bann wird alles gut werd«.'

Diese tapferen Worte tröstet« Grace und erreich- ten somit ihr« Zweck. Sie begleitete b« Vater ben ein« Stoll« entlang, der nach dem Zusammensturz zugänglich geblieben war, unb e» fanb sich, daß er nach einem neuen Arbeitsplätze führte. Ehe sie noch ölde Schritte gegangen warm, entdeckte Hope ein Grubenlicht, das der beim ersten Alarm der Halle au- eilende Arbeiter weggeworfen hatte Hope löschte bte Lampe und sagte, sie Grace übergebend:

„Das ist für vierundzwanzig Stunden Licht, mein Kind. Was ich aber am dringendsten zu ftnben wünsche, ist Proviant. Es muß dergleichen hier zu- rückgelaffm sein.'

„Ich glaube, lieber Vater', antwortete Grave, „daß ich geseh« habe, wie einer ber Grubenleute beim erst« Warnungsruf einen Brodbeutel in einen leer« Kohlenkarrr« geworfen hat.'

„Zurück denn, zurück, liebes Kind, ehe der Schurke ihn findet!' rtef Hope.

Mit dies« Wort« lief er ihr voraus und fand Bm Bumleh in der Nähe des Starren» Bei Hopes Annäherung kroch der Bösewicht aber gleich bei Sette, und jener fand einen wahren Schatz an ber von Grace bezeichneten Stelle, nämlich ein Dutzend neuer Säcke, ein« schweren Hammer, ein Körbchen mit Nä- geln, einen Tops voll Tee und einm Beutel mit einem ganz« Brote und mehreren Brofftücken. Da er Streich- hötzer in der Tasche hatte, verlöschte er seine Lampe, um ben Brotbeutel zu verstecken; bann zündete er sie wieber an und befestigte sie mtt einem Nagel an bet Wand der Halle.

»So', sagte er zu Burnley, „bie mag uns beiben leuchten; wenn sie ausgeht, müssm Sie Ihr ©ruben- licht hinhängen.'

„Soll geschehen!' gab Burnley bemülig zur Ant­wort.

(Fortsetzung folgt.)