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monatsbeuage: „5llldaer Sefchichtrbläüer"

38. Jahrgang

Fulda, Donnerstag den 12. Januar 1911

Erstes Blatt

9.

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Botatio«*6tu<fHn| Verlag der Lutdaer Bb ßenöntderti in Fulda Fernsprecher Ur. 9.

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w°ch-«b-llag-: „Illustrierte Sontdagsjtihing"

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0 Zum Fenster hinaus!

Der Reichstag hat seine Tätigkeit im neuen Jahre unter einem wenig günstigen Zeichen begonnen Der erste Sitzungstag nach den Weihnachtsferien ist wieder ein verlorener Tag, dem wahlagitatorischen Bedürf- Iriffe des Linksliberalismus haben die Regierung und die zur positiven Arbeit entschlossenen Parteien Zett ^md Kräfte opfern müssen, und — was schlimmer

Wir bedauern, daß schon so viel der aufgewandten Zeit und Arbeit nutzlos vertan worden ist, weil dadurch die Möglichkeit, die vielen dem Reichstage noch obliegenden Aufgaben zu lösen, im­mer mehr erschwert wird. Denn man kann ja leider nicht damit rechnen, daß die Fenstcrreden jetzt erledigt wären, bann würden wir ja schon zufrieden sein. Die Sozialdemokraten haben es bereits offen zugegeben, daß sie die gonge Tagung des Reichstags lediglich als bequeme und billige Agitationsgelegenheit an- srhen. Und in der liberalm wie in der sozialdemo­kratischen Presse ist doch auch schon mehr als einmal die Anregung ausgesprochen werden, daß der .schwarz-blaue Block" keinen anständigen Erfolg mehr erzielen dürfe. Den Herren, die bekanntlich am mei­sten von .Volksfteundlichkeit" triefen, ist es natürlich ganz egal, ob die Interessen des Volkes darunter lei- ben, wenn nur ihr niederes parteifanatisches Gelüsten befriedigt wird. Es ist nur gut, daß das Spiel der Herren nicht lange verborgen bleiben kann. Die Mehr heitsparteien find es dem Bolke und fich selber schul­dig, die dem Reichstage noch übertragenen Aufgaben möglich zur Durchführung zu bringen. Es find viele und schwierige Aufgaben, aber das darf nicht schrecken. Ein Reichstag, der die Finanzreform, ein Werk, wie es In gleicher Höhe noch von keinem Parlamente ver­langt wurde, zum glücklichen Ende gebracht hat, kann auch der bei den noch zur Verhandlung stehenden Ge­setzen bestehenden Schwierigkeiten Herr oerden. Und wenn Liberalismus und Sozialdemokratie neue Schwierigkeiten bereiten wollen, so werden sich wohl auch noch Mittel finden kaffen, diese zu besiegen.

von verschiedener Seit« konstatiert worden ist, ist gerade auf den Freisinn die erste Anregung zur Zündwarensteuer zurückzuführen. Eine solche □btietge schmerzt und es ist daher begreiflich, daß bte Interpellanten alles aufboten, um die Vater, schast anderen Leuten zuzuschieben. Aber nicht nur der Freisinn, sondern auch die Nationalliberalen haben bet der Interpellation einen Dämpfer erhal. ten. Ihre Parteisekretäre reisen im Lande umher und wettern über die Zündholzsteuer. Sind die Rationalliberalen dieser Steuer wirklich so abhold? Ta verdient es doch, im Lande weit und breit be­kannt zu werden, daß der nationalliberale Abg. Wachhorst de Wente im Reichstag erklärt hat, seine Freunde würden für die Zündwaren- steuer gewesen sein, wenn die Erbschaftssteuer bewilligt worden wäre. Das wurde gestern von einem Redner der Rechten im Reichstag fest­genagelt. Alan hat a so auf der Linken mit der Interpellation wenig Glück gehabt. Man hat ge- glaubt, Wadlschacher treiben zu können, mußte aber erleben, daß der Agitationsstvff für die Wahlen recht ordentlich befchnitten wurde. Die Frage, wie der Freisinn die 400 Millionen indirekten Steuern hätte auibringen wollen, hat er auch heute nicht beantwortet. Solange er diese Frage nicht beant» wollet hat, hat er keine Berechtigung, andere Par- leien wegen der indirekten Steuern anzuoreifen. Rach d r Interpellation ging das Haus zu Rech- nungssachen über, die aus früheren Jahren datieren. Bei diesem Gegenstand kehrt immer die Klage roi-ber, daß dem Reichstag vom Kolonialamt nicht frühzeitig Rechnung gelegt wird, und daß man sich in den Kolonien bei Bestreitung von Ausgaben keinen Deut um das Budgetrecht des Reichstages kümmert. Gestern waren es Noske von der So- zialdemokratie und Erzberger vom Zentrum, bie diese Klagen vorbrachten. Erfreulicherweise sagte der Staatssekretär des Reichskolonialamtes v. Lin- b e q u i ft Besserung zu. Er konnte die Verfehlungen um so eher zugestehen, als sie vor seiner Amts­führung liegen, er also persönlich an ihnen nicht beteiligt ist. Zum Schluß entspann sich eine Debatte zwischen Polen und Sozialdemokratie einerseits und dem Reichsschatzsekretär anderersests wegen der Be­reitstellung von Reichsmitleln zu einer Informations­reise in die östliche Anstedelungsgegend. Daneben hörte man immer wieder Klagen über Etatsüber- schreitnngen.

)( Ter Reichstag hat seinen Arbeitsplan bis Ostern aufgestellt. An elf Tagen (meist Samstage und Montage) soll die Sitzung ausfallen. Am 12. ds. Mts. beginnt die zweite Beratung der Novelle zum Strafgesetz, am 16. bie bes Wertzuwachs- gesetzes, am 19. bie ber Finan zgebührenordnurrg und des Rsichsbesteuerungsgesetzes. Vom 24. bis 26 Januar soll bie elsässisch-lothringische Verfassung beraten werben. Am 28. Januar soll bie zweite Beratung bei Strasprozcßnovelle und am 13. Fe­bruar die zweite Lesung bes Etats beginnen. Für letztere find 29 Tage, für bie britte Etalslesung 4 Tage in Aussicht genommen. Sollte biefe Zeit nicht ausreichen, so wirb einer ber Gesetzentwürfe erst nach ber Etatsberatung zur Diskussion gelangen.

-T- Späterer Beginn ber Abgeoibnetenhanssitzmrgen. Im Abg-eorbnetenhaus hielten gestern die Fraktionen Sitzungen ab. Es wurde bie Anregung ' des Präsidenten, die Plenarsitzungen erst um 1 Uhr nachmittags beginnen zu lasten, besprochen. Durch ; die beabsichtigte Neuregelung soll eine Entlastung der Kommiffionen emlreten, die ihre Beratungen ; nicht mehr am Abend, sondern am Vormittag . pflegen sollen. Die Plenarsitzungen sollen nach dem , Vorschläge des Präsidenten um 1 Uhr bis 6 Uhr , nan mittags ftatlfinden, sodaß den Abgeordneten : stets ein freier Abend gewährleistet würbe. Die Meinungen über diesen Vorschlag find noch sehr geteilt. Der Seniorenkonvent wird in den nächsten Tagen sich ebenfalls mit dieser Angelegenheit be­schästigen.

--- Eine Reihe Anträge sind dem Abgeorbneten- hause zugegangen; zunächst zwei Anträge der kon­servativen Partei. Der eine fordert, daß zum etrieb eines Wanderlagers eine besondere Erlaubnis erforderlich ist, und der andere, daß be<

Preußischer Landtag»

Herrenhaus.

Sitzung vom 11. Januar 191L

deutsches Heidi

*' Berlin, 12. Ian. 1911. An der bereits gestern gemeldeten Konstituierung der Kaiser- Wilhelm - Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften nahmen etwa 100 Personen, darunter 83 bisherige Stifter, teil. Die Ber- sanin lnng genehmigte den vorltegenden Satzungs- Entwurf. Nach den gefaßten Beschlüssen wlrd die Mitgliedschaft der Gesellschaft erworben durch einen Aufnahme«Beitrag von 20,000 Jt. Der jährliche Beitrag ist auf 10« 0 festgesetzt, kann aber fortfallen, falls der Ausnahme-Beitrag min­destens 40,000 X beträgt. An den Kailer wurde ein Huldigungs • Telegramm abgesandt. — Der Kronprinz, der vorgestern in Peschawar eingettoff en ist, unternahm geste n im Automobil einen Ausflug nach dem Khaibar - Paß und be­suchte da- an der afghan scheu Grenze gelegene Fort Landi. Auf der Rückfahrt besichtigte er eng­lische und eingeborene Grenztruppen.

Im Herrenhaus sand am Mittwoch zunächst Vereidigung von neu eingeiretenen Mugliedern statt. ES folgten geschäftliche Mitteilungen und bie Wahl von vier Milgliedern zur Mauikeikommission, womit die Tagesordnung erledigt war. Nächste Sitzung un­bestimmt.

AnS de» Reichstage. Es ist eine interessante Erscheinung, daß Personen, bie burch bie Bande der Freundschaft miteinander verbunden waren, fich, sobald diese Freundschaft in bie Brüche ge­gangen ist, wie Katz unb Hund gegenüberfteben. Das gilt nicht nur von ben einzelnen Individuen, sondern auch von ben politischen Parteien und kann in unserem Reichsparlament feit bem Ausstiegen des Bülow'fchen Blocks fast täglich beobachtet wer­ben. Verschmähte Liebe ist in ber Quälfucht erfin- derisch und der Freisinn besitzt eine gewisse Geschäfts­routine darin, Diittel auffmbig zu machen, durch die er seinen früheren Freund, die Rechte, und die mit ihr .verblodten" Parteien vor der Oeffentlich- keit diskreditieren zu tönnen glaubt Hierzu gehört die freiroifligeInterpellation bett. dieZündwaren- steuer. Gewiß die Preiserhöhung für die Streich­hölzer wird im Volke unangenehm empfunden, aber der Freisinn hat keine Urlache, pharisäerhaft den Unschuldigen zu spielen, denn, wie im Reichstag

ist — die Zett, die für die ehrliche Arbeit zur Der- ügung steht, wirb immer mehr verkürzt Heute soll ein zweiter kostbarer Tag vergeudet werden. Von den 20 Sitzung«tagen, welche ber Reichstag in der neuen Tagung bereits hinter sich hat, sind nicht weniger als 5y, Tage, also mehr als ein Viertel, eigentlich ver­trödelt worden: drei Tage Fleischnotdebatte, i/2 Tag Kaiserreden-Jnterpellation, ein Tag Zündhölzchen­steuerinterpellation, dazu kann aus der Etatsdebatte mindestens ein Tag hier in Anspruch genommen wer­den, da der „Religionsstreit" lediglich gewissen Par­teizwecken Mente, mit dem Reichshaushaltsetat da­gegen schlechthin gar keinen Zusammenhang besaß. Daß Fleischteuerung und Zündholzsteuer im Reichs­tage zur Besprechung gelangten, soll damit natürlich nicht als ungehörig bezeichnet werden, in der Etats­beratung und speziell auch in der Budgetkommission hätte sich reichlich Gelegenheit und zwar die passende Gelegenheit dazu geboten. Es ist auch nicht deshalb, daß wir dem Bedauern über die Herabwürdigung des Reichstag« zum Marktplatz für liberale unb sozial­demokratische „Volks"-Reden Ausdruck geben, weil, wie man nn« gern unterstellen wird, wir etwa Angst vor jenen furchtbaren Richtern hatten. — Bis jetzt hat bet all den Auseinandersetzungen über Finanz­reform und Enzyllika usw. usw. die trutzige Oppo­sition nicht mit dem größeren Geschick und Erfolg die Waffen geführt. Wenn wir nur unser Parteiinteresse im Auge hätten, dann könnte es uns schon recht sein, wenn Me Herren Liberalen und Sozialdemokraten noch recht oft die geheimsten Gedanken ihrer nnschul- Mgen Seelen zu offenbaren Gelegenheit erhielten. Wir fürchten keine Auseinandersetzung über die Reichs- finanzreform unb die Wirtschaftspolitik, wir erzittern nicht bei dem RevolulionSgetrampel der roten Schar der braven „Sanskülotten mit Bügelfalten", wie die „Erwählten des Proletariats" einmal mit treffender Ironie genannt worden find. Unb wenn die Herren Everling, Wiemer und Müller-Meiningen die Kultur- kampssttompete ansetzen, so klingt ihre Musik uns zwar nicht sonderlich angenehm in den Ohren, weil es chlechte Musik ist aber sie bilden doch zum Ratten- änger von Hameln nur insofern ein Gegenstück, als ie die Kinder nicht anlocken, sondern gerade dahin treiben, von wo sie fortgelockt werden sollten.

züglich ber Konsumvereine bem § 15 bes Einkommen­steuergesetzes vom 19. Juni 1906 folgende Bestimmung eingefügt werbe: »Als verteilte Divibenbe gilt bei Den im § 1, Rr. 5 bezeichneten nichtphysiscken Per­sonen jebe an ihre Mitglieber in "Form von Rabatten ober in sonstiger Art gewährte Rückvergütung." Die fortschrittliche Volkspartei hat ihren alten Antrag auf Einführung bes allgemeinen, gleichen, birekten unb geheimen Wahlrechts in Preußen, sowie Neueinteilung ber Wahlkreise erneut emgebracht. Ferner liegt noch folgende Interpellation vor: „Was gebentt bte königliche Staatsregierung zu tun, um ben in einseitigem Parteiinteresse ersol- genben Übergriffen von Lanbräien unb anderen Regierungsbeamten entgegenzuwirken, wie solche in bem gegen ben Rittergutsbesitzer Becker-Bart- mannshagen eingeleiteten Strafverfahren, sowie bei ber letzten Reichstagserfatzwaht inLabiau-Wehkau unb bei anbeien Vorkommnissen festgestellt worden ftnb?"

-i- Die Regierung und die Polenpolitik. Wie die ,Ratlib. Korrtt mitteilt, wirb bie nationallide- rale Partei jebensalls Veranlassung nehmen, währeub ber ersten Etatslesung bei ber Regierung anzu­fragen, ob bie Fortsetzung bes Ansiedelungswerkes gesichert ist unb ob genügenb Laub zur ftolonifation zur Verfügung steht, so baß eine Anwendung bes EnteignungsgefetzeS nicht in Frage kommen mürbe.

[] Abgeordneter Dr. Heim, der bayerische Bauernführer, wollte, wie es hieß, kein Manva wieder annehmen. Jetzt ist er im ReichStags- wahlkreise Neustadt an der Waldnaab wiederum einstimmig ausgestellt worden. Er erklärte jedoch, seine Annahme von der Entscheidung des ArzleS Über seine Gesundheit abhängig machen zu müsien.

für 1909.

Bei der Beratung der Nebersicht über die Etats- Überschreitungen und auheretaismäpigen Ausgaben im Jahre 1909 erlicht

Abg. Roste (Soz.), daß fich nutzlose Ausgaben tm Mililäretal befinden. Hinnchtlich der Pensionierung fei man gegen die Mannfchasien nicht fo freigebig wie gegen bie Offiziere. Weiler bemängelt er Eiaisüber- fchreiiangen im Auswärtigen Amt bei ber Versetzung von Diplomaten.

Generalmajor Wachtmeister weift diese Behauptung des Vorredners zurück.

Abg.Erzberger(Zentr.): JedeUeberschreitung eines Etats ift eigentlich eine Gesetzesverletzung und eine besonders fchlirnme dann, wenn der Reichstag Abstriche gemacht hat und die Verwaltung sich daran einfach nicht kehrt, lind das Auswärtige Amt hat den Reichstag ganz unverantwortlied brüskiert. Wenn der Reichstag einer Kommisflonsfestsetzung zustimmt, so muffen wir unbedingt erwarten, daß diese Bestimmung von der Regierung beachlet wird. Der Etat muß mit tunlicher Genauigkeit eingehalten werden. (Beifall im Zentium.)

"Abg. Noske ,Soz.) tadelt die Ausgaben für eine Informationsreise in die östlichen Ansiedelungs- gediele.

Abg. Seyda (Pole) legt ebenfalls entschieden Ver Währung dagegen ein, daß aus dem Dispositionsfonds des Reichskanzlers dreitausend Mark zu den Kosten einer Reise jüv- und westdeutscher Herren in das Ansiedlungsgebiet in Posen uns Westpreußen ausgeworfen sind. Wer solche Reifen, bie mehr ober weniger Vergnügungsreisen sind, machen will, feilte in die eigene Tasche greifen. (Beifall., »

Staatssekretär Wermuth: Im Aufiedlungsgebiet -oben in hohem Maße süddeutsche Bauern ein neues Heim gefunden; es bestand daher in SüddeutSchland ein nationalpolittsches Interesse, biefe neuen Verhält­nisse kennen zu lernen.

Damit ist bie Tagesordnung erledigt. Donnerstag: tztrasprozeßordnung.

Deutscher Reichstag.

Sitzung vom 11. Januar 1911.

Die Debatte über die Interpellation Ablaß (Bp.) bette .ud ÄK^e6mrg ber Zündwnrenftener '"’^-jlbg^Sdjöprlin (Soz.) führt aus, daß die Steuer, deren Vater niemand fern wolle, auigeuoben werden müsse, besonders auch mit Radnchl auf di« Arbeiter in der Zrindholzindustne, und polemurert dann gegen den Grafen Opper-vorj und den Abg. Dr. Hahn.

Aba^ Fri>r. v. Gamp (Rp.) eitlait irch bereit, über Die No.laae ver ZünoholzinDMirie mitzuberaten, rotU aber von einer Aushebung Der Steuer nichts wissen.

iSbg. Kulcrski (Pole) möchte Die Steuer am liebsten aufaeroben wissen, möchte aber, da das nicht angehe, wenigstens dir schlimmen Folgen nach Möglichtett ab»

Abgg. Latimnnn (Wirtsch. Vgg.) und Werner (Refp.) erklären sich gegen Aufhebung oer steuer.

Abg. Dr. Herrscher (Vp.): Wir rönnen nm Be- srirdiaung aus bte InterpeUation juradbhden. Wenn man von uns positive Burfchtäge verlangt, so geben wir der Rechten und dem Zentrum, bie ja bie Majo­rität haben. Den Vortritt, sie mögen die Suppe aus­essen, die sie eingebrockt haben. (Heul.)

Damit ist die JnierpeUation erledigt. Eine Reihe von Rechnungsfachen, darunter Die Allgemeine Rechnung über den Etat 1906 in erster Lesung weiden bebauelos nlebiat. Tie letztere geht an Die «uogetiommufwn.

Bei ber erft n Beratung über Die Rechnungen über ben Haushalt der Schutzgebiete für 1902/3 bemängelt bet Abg. Roske (Soz.) die Ungtnamgieir bte)er Auf- sielluiig. Tie Rechnung übet Stamemn bringt uns noch einmal den Fall P ultra m ec in feiner ganzen Schwere ins Gedächtnis. Herr v. Putttamer hak Die Gelder verpulvert, wofür, ist nicht felizusteUen. Jeden­falls hat et gegen den Willen bet Regierung für fich einen Gouveineurspataft erbaut. .

Abg. Görcke (nall.) sotdeti, daß wenigstens m Ftiedenszeuen mit bem Etat nicht fo umgefprungen werde, rote es biefe Rechnung zeigte.

Abg. Erzberger (Zenit.): Eme Prüfung nach acht Jahren hat eigenilich Urnen Zweck mehr. Das Bub« grttecht des Reichsiages wird duich das KouttoUtecht ergänzt. Es wird aber lUuiorifd) gemachi, wenn tue Kontrolle erst nach acht Iahten erfolgen tann. Das muß endlich einmal anders werden. Der Fall Pul 1- k a m e t ist wohl das stärkste, was an Budgetverietzung seit Bestehen des Reichstages vorgelommen rft. Die Regierung erklärte: Du Darfst nicht bauen! Herr v. Putttamer aber baute doch. Während der so über» «ns wichtige Straßenbau in der Kolonie verabsäumt Würbe, hat man Gelder für solche Bauten aufgewandt. Es liegt (in überaus schwerer Verflog gegen unfer Budgettecht vor. Wenn ber tatkräftige Koionialfekretär bie Beschleunigung der Rechnungslage in den Kolonien erreicht, vor allem einmal mit ber Vergangenheit gründlich ausräurnt, so werden wir ihm bantbar sein. ; Siolonialfetrelär v. Lindequist: Die Beschleunigung Ser Rechnungslage ift eingeleitet. Zugegeben ist, daß erhebliche staatstechlliche Ver,iöße ui Kamerun vorge- fomnun sind. Die Bausands wurden mehr als Pauich- sonds angefehen. Det Gouverneur ist infolgedessen erheblich roeitetgegangen, als er Durfte.

Abg. Tove (Bp.) macht das Fehlen des lonstituno- nellen Regimes für jene Mängel verantwortlich.

Llachdem der Abg. Görke (nall) Dem Abg. Erz­berger beigepflichtet, gehen Die Vorlagen an Die Rech- nungskommifiion, ebenjo die Uebeisicht für Klautfchau

* Welch maßlose Beschimpfungen der Kntho- ken sich ein „Publikationsorgan für amtltche Bekanntmachungen" erlauben darf, ersieht man aus Nr. 1 des in Golßen in der Niederlausitz erscheinenden Sladtblattes. In einem „Ter etzerijche Prinz" überschriebenen Artikel heißt es dort inbezug auf den hl. Stuhl: „Diesmal interessiert un8 besonders, daß auch ein deutscher Prinz dem Moloch zum Opfer fiel unb, wie o viele Nichlprinzen vor ihm, seine Ueberzeugung nit Füßen trat, als das Untier ihn zu ver- chlingen suchte." Wir müsien gestehen, so chreibt man der „Germania", eine rohere Be- chimpfung der katholischen Kirche ist uns noch nicht vor die Augen gekommen, sie dürfte kaum noch zu übertreffen fein! Welche Vorstellungen ich gewisse Leute von „Rom" machen, besagt olgender Sah: „Doch siehe da, bte Lauerer tanben hinter ber Tür unb rieben sich vor Ver« jnügen bie Hänbe, nun wieder einen Ketzer mehr in ihrem engmaschigen Netze zu haben." Dann gebt es über ben Prinzen Max her. „Prinz Max von Sachsen, ein Deutscher, der mit uns bte gleichen Vorfahren sein eigen nennt, bei benen jebes Wort blank wie ihrer Streitaxt Stahl war, er verleugnet sich." „Wir sind em­pört über biefen Ausgang", ruft bas Stabtblattl „Auf ber anberen Seite bebauet n wir bie nationale unb religiöse Knochenerweichung, bie eine Ueberzeugung hat, unb wenn eine da ist, ie sofort widerruft." Derartige Beschimpfungen ber katholisch n Kirche tichlen sich in ben Augen anstänbtger Leute selbst.

)( Keine Ausweisung. Die preußische Regierung von Elfaß-Lothrmgen legt anscheinend hohen Wert darauf, daß die liberalen Herren de Wendel, die Großindustriellen v. Hayingen, dem Reiche ver­bleiben. Wie Abdö Collin in der,Lorraine^ mit Namensmtterschrist mitieilt, hat die Regierung dem Herrn Humbert be Wendel durch den Kreisdirektor von Diebenhofen mttteilen lassen, baß tue Herren be Wenbel zurückkehren dürfen, da ihnen bie Er­laubnis zum Aufenthalt wie früher gewährt sei.

+ Die Reichstagsersatzwahl in Zmmenftabt anstelle bes verstorbenen Zenirumsabg. Aloys Schmid findet nach Blättermetdungen am 25. Februar statt.

Ausland.

♦♦ Französische Kämpfe an ber Elfenbeinküste. Der aus Westasrika zurückkehrenbe Dampfer „Europe", ber in Pauillae ben Kommandanten Maritz aus« schiffte, bringt bie Meldung von heftigen Gefechten an der Elfenbeinküste. Oberst Maritz leitete bie fünf Monate dauernde, durch bie Regenzeit erschwerte Kampagne, die mit völliger Unterwerfung der Agbas endete. Im Verlauf bei Kämpfe wurden der Sergeant Thollas und 12 Trratlleure gerötet, 50 Tirailleure unb 30 Träger verwundet. Leutnant Davergne und ein Unteroffizier erlagen bem Fieber.

** Der Papst empfing gestern in feiner Privatblbltolhek den Fürst unb die Fürstin Bülow aus Anlaß ihrer silbernen Hochzeit in besonderer Audienz.

* König Alfons besuchte in Melilla bas Truppenlager unb bie Kasernen. Dann wohnte er der Öffnung zweier Schulen bei sowie einer Sitzung der sandetskammer. Bei bietet Gelegenheit hielt Ministerpräsident CanalejaS eine Ansprache, worin er sagte, daß bie Regierung niemals ablassen werbe von hrem Werke, die Ziv'lisation auf diesem von spanischem Blute getränkten Boden zu verbreiten.

** Die portugiesischen Eisenbahnangestellten, denen bie Vermattung einen Teil ihrer Forde­rungen bewilligt hat, beschloffen, diese teilweisen Zugeständniffe abzulehnen und sind gestern in ben Alisstanb getreten. Der Verkehr der internationalen Züge soll jedoch, um internatio­nale Schwierigkeiten zu vermeiden, nicht verhin­dert werben.

♦ Ausweisung Francos? Der frühere vortugie» fische Minister Franco hat Portugal verlassen, um nach Biarritz zu reisen. Ein Vettreter der Regierung be­gleitete ihn bis zur Grenze. — Dem Anscheine nach handelt es sich hier um die Ausweisung des Mannes, dem man auf bem Wege ber ordentlichen Rechts­pflege nicht beikommen kann. Man schämt sich aber wie es scheint, die Tatsache ausdrücklich zuzugestehen.

** Türkische Okkupation persischen Gebiets. AuS Urmia meldet die „Petersburger Telegraphen-Agen- tur": Die Tucken habm in dem Bezirke von Enseli zwei Dorfschulen errichtet. Die Beoölkenmg weigert sich jedoch, ihre Kinder in diese Schulen zu schicken.

*♦ Der persische Konsul in New-Aork ver­öffentlicht einen Aufruf seiner Regierung an bie Völker umSchutz gegen bie englisch-russische Invasion.

** Um endlich Ruhe, auch gegenüber den nord- amerikanischen Quertteibereien zu haben, will der Präsident Porftrio Dia, die mexikanifche Armee reformieren. Wie dem Newyork Heroldjnti Newyork gemeldet wird, hat sich der Präsident Diaz roäijrenb der letzten revolutionären Bewegung von der Unzulänglichkeit der mexikanischen Truppen, sowie von ihrer mangckhasten Disziplin überzeugt Auf die von ihm dem Kriegsminister Dr. Goziom gemachtm Vochellungen hat dieser sein Portefeuille niedergelegt. — Die europäischen Waffensabrikea werden sich jetzt wohl auf gewaltige Aufträge aus Mexiko einrichtm müssen.

□ Kurhefferr im preußische« Etat 1811.

Im Eisenbahnetat sind außer den bereits mitgetellten ersten Raten u. a. noch eingestellt an weiteren Raten: Zur Erweiterung des Bahn-