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3 Kä.?’Ä« Woche-»-!,ag«: „Illustrierte Soimtagrzettung"

Zeitung

Monatsbellage: „Zllldaer Geschichtsblätter"

K«zelge«: vl« ei» fpattige petifteüe oder deren Bonm 15 psg. LeNameudtepetitzeU« Pf ft-, bei wieder» (Ölungen wird entfpt.

Babati gewährt.

Botafton«6rn6nnl vertag der Lnldaer 2d flenfiruderei In $nlbe Lernsprecher llr. 9.

Fulda, Mittwoch den 11. Januar 1911.

Erstes Blatt.

38. Jahrgang.

Herrenhaus.

Das Herrenhaus trat ebenfalls am Dienstag mittag zu seiner ersten Sitzung zusammen. Das bisherige Präsidium wurde wiedergewählt. Nächste Sitzung Mittwoch. .

Abg. Dr. Hahn: DaS will ich selbstverständlich nicht. Ich will nur geig», wie sich die Nationallibe» taten unter dem Drucke der freisinnigen Freunschaft sich immer mehr der Pflicht entziehen, dem Staate die notwendigen Steuern zu bewilligen. (Lebhafter Beifall rechts und im Zenlr., lärmender Widerspruch links.)

Mittwoch: Weiterberatung.

Preußischer Landtag,

Eröffnung deS Landtage».

Der Landtag wurde am Dienstag mittag in der üblichen Weise mit der Verlesung der Thronrede im weißen Saale des Berliner Schlaffes eröffnet. Der Eröffnung ging für die katholifchen Abgeordneten ein Gottesdienst in der St. Hedrvigskirche, für die evangelischen ein solcher tat Dom voraus. Zu der Eröffnung hatten sich zahlreiche Abgeordnete der ver- scdiedenen Parteien etagefunben. Die Thronrede wurde nicht vom Kaiser, sondern vom Ministerpräsidenten v. Bethm ann»Hollweg verlesen. Sie wurde ohne besondere Beifallskundgebungen entgegengenommen, nur an der Stelle, welche die Vereinfachung der Rechnungs­prüfung durch die Oberrechnungskammer und die weitere Ausgestaltung des Fortbildungsschulwesens betrifft, wurden einzelne Bravorufe laut. Nach der Verlesung der Thronrede erklärte der Ministerprändent den Landtag für eröffnet. Mit einem Hoch auf den Kaiser schloß die Feier.

Abgeordnetenhaus.

Sitzung vom 10. Januar 1911.

Der Präsident der vorigen Session v. Kröcher er­öffnet die Sitzung um IV« Uhr mit einem Hoch auf den König.

Darauf bringt der Finanzminister den

Staatshaushaltsetat ein.

Finanzminister Dr. Lentze: Zum erstenmale habe ich die Ehre, vor diesem hohen Hause zu erscheinen, und vor Ihnen den Etat zu vertreten. Diese Ausgabe wird mir dadurch leicht, daß meta Herr Amtsvorgänger mir die preußischen Finanzen in gutem Zustande über­geben hat, sodaß ich nur die Aufgabe habe, sie in diesem Zustande zu erhalten und weiter zu bauen. Hierzu werden auch Sie mir Ihre Unterstützung nicht versagen. Die Besserung, in der die preußischen Sin anzen seit Jahren begriffen ist, hat fortgedauert, o kann der Rechnungsabschluß des Jahres 1909 günstiger werden, als man im Voranschläge vorgesehen hatte. Auch vom laufenden Jahre ist zu hoffen, daß es ein germgeres Defizit bringen wird, als im Vor­anschlag vorgesehen war. Der neue Etat für "1911 schließt mit einem Fehlbeträge von lediglich 29 Millionen ab. Wäre jetzt noch, wie früher, die Inanspruchnahme der Eisenbahnüberschüffe für all­gemeine Staatszwecke beschränkt, so würde d-r neue Etat überhaupt kein Defizit mehr aufweisen. (Beifall., An dem Prinzip der Sparsamkeit halten wir auch weiterhin energisch fest. Im allgemeinen kann die wirtschaftliche Lag« als befriedigend gelten. Die letzte Ernte war besser als der Durch- fchnitt der letzten Jahre. Das Syndikatswesen hat sich immer weiter ausgebildet. Der Kampf aller gegen alle ist proklamiert worden. Im Interesse der Industrie und der Arbeiter muß auf diesem Gebiete eine Regelung erfolgen. Sonst werden durch den rücksichtslosen Konkurrenzkampf gerade die kleinen Existenzen zerrieben. Dadurch aber werden der Staat und die Finanzen des Staates erschüttert. Der Finanzminister bespricht bann die einzelnen Etats und schließt: Hoffen wir, daß sich durch festes Zusammen­gehen deS Landtages mit der Regierung der Erfolg in Bälde etaftellen wird, daß auch die letzten Schatten von unserer Finanzwirtschaft schwinden. (Lebh. Beifall.)

SamStag: Wahl deS Präsidiums; Etatsberatung.

Deutscher Reich.

□ Die Thronrede, welche bei der Eröffnung des preußischen Landtages durch den Ministerpräsidenten o. Bethmann-Hoüweg in Vertretung des Kaisers verlesen wurde, hat keinerlei lleberraschungen gebracht. Höchstens könnte an dadurch einigermaßen überrascht sein, daß die Thronreoe womöglich in noch nüchternem, trockenerem und geschäftsmäßigerem Tone gehalten ist, als man das bisher gewohnt war. Was wir auS der Thron- rede erfahren, erweckt kein besonderes sensationelles Interesse. Da» Jntereffantefte ist eigentlich das, was in der Thronrede nicht gesagt. Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß dieses Schweigen über Dinge, von denen man doch gern etwa» gehört hätte, heftige «nd leidenschaftliche Debatten hervor- rufen wird. Namentlich die Parteien der Linken werden Wettern und fluchen. Nachdem Herr von Bethmann-Hollweg öffentlich die Erklärung abgegeben batte, daß seiner Meinung nach der Kaiser sein Wort in Bezug aus die preußische Wahlreform eingelöst habe, tonnte man ahnen, daß die Regierung nicht daran denkt, in dieser Session wieder eine Wahl- reform einzubringen. Das wird ihr aber schwer übe! genommen. Wenigstens etwas wie ein kleines Hoffnungszeichen hätte man doch gern vernommen, aber auch vom EnteiguungSgesetz und deffeu Handhabung ist in der Thronrede nicht Erwähnung getan. Da» Gesetz ist dis heute noch nicht ange­wendet worden. Und diese Unterlassungssünde die beunruhigt die Alldeutschen und die Hakatisteu in einer solchen Weise, daß sie wenigstens die Ver- ficherung von der Regierung hören möchten, sie werde nun endlich zu Taten schreiten. Auch diese Hoffnung wird durch die Thronrede nicht erfüllt und auch die begeisterten Freunde der Feuerbe­stattung, welche mit aller Gewalt die gesetzliche Freigebung der Feuerbestattung oder sagen wir richtiger der Leichenverdrrnnung in Preußen herbei- führen möchten, finden ihre Sehnsucht nicht befriedigt. Obwohl Herr von Dallwitz, der Minister deS Innern, der Leichewoechreuinnig freundlich gegenüber steht, muß

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Deutscher Reichstag.

Sitzung vom 10. Januar 1910.

c>n dem nur mäßig besetzten Hause war als Regie- '-rüngsverlreter Staatssekretär Wermut erschienen. X Präsident Graf Schwerin-Löwitz ei öffnet bte Sitzung mft einem Neu;ahrsgruß und fährt wrt: In der Rächt «um 24. Dezember ist unter allverehrter laugfah- ’iaer Präsident Se. Exz. Graf Balleitrem -verstorben. Er gehörte zwar nicht mehr dem gegen- wärtigen Reichstage an; aber bet den außerordentlich großen Verdiensten, die er sich wählend feiner lang- jährigen Amtsführung um die Fimrung unterer Ge- schäfte erworben hat,u td bei der allgem. Beliebtheit, deren er sich erfreute, auf Grund feiner strengen Unpartei­lichkeit und feiner mit köstlichem Humor gepaarten unveraleichlichenLiebenswürdigkeit, habe ich mit erlaubt, ben Angehörigen nach Dem Tode des Dahinge!chiedenen die Anteilnahme des Hauses telegraphitch auszusprechen. cLebh. Bravo!) Da ich selber durch Krankheit per- Hindert war, so hat der zweite Vneprasident am Grade des Grafen Ballenrem im Namen des Reichstages einen Kranz niedergelegt. Der Präsident macht werter Mitteilung von dem Ableben der Mitglieder Hirsch- berg (Zentr.) und Sckmidt (Zentr.) Dte Mitglieder des Hauses erheben sich zu Ehren der Berftordenen von ihren Plätzen.

Erster Gegenstand der Tagesordnung ist dteInter > pellation Ablaß (Bp.) detr.

Aufhebung deS ZÜndholzsteuergesetzeS.

Auf dem Tisch deS Hauses liegt eine große Kol­lektion von Zündwaren, die von den Abgeordneten eifrig besichtigt und zum Teil auch probiert werden.

Abg. Enders (Bp.) begründet die Interpellation. Er verwahrt sich besonders dagegen, daß ferne Fraktion die Interpellation aus parieitattischen Beweggründen eingebracht habe. Im ganzen Volke sei man über die Steuer erbittert, und daher muffe man bte Steuer abschaffen. Wie Ersatz für die dadurch ausfallenden Einkünfte geschaffen werden solle, darauf komme es gar nicht an, die Frage können wir uns schenken. (Große Heiterkeit rechts und im Zentrum). Für den Ersatz mäffen Sie (nach rechts) sorgen! (Heiletkeit rechts; Beifall links.)

Staatssekretär Wermuth weist auf die Nnsinnig- fei t hin, die darin liegen würde, eine ©teuer, die eben erst etageführt ist und die sich noch gar nicht : ein gelebt, noch gar leine Schonzeit gehabt hat, wieder auszuheben. Nnd dan-t vor allem auch würde die Regierung doch nicht von bet Frage absehen tönneu, wie Ersatz zu schaffen fei. Die Unmfriebenbeit bet Bevölkerung mit dieser Steuer ist tum Teil auf bte große Ausdehnung zurückzuführen. mit der diese Steuer dem Volke, nämlich jedem Einzelnen zu Gernäte ge» R wurde. Jetzt bemühte sich ein jecer, auch selbst

raven Hausfrauen sind dabei beteiligt, dem Steuer- fislus ein Schnippchen zu schlage t. Mfjettt) Und das alles, trotzdem augenblicklich die Belastung durch die Steuer nur 23 Pfennig auf ben Kops bet Be­völkerung beträgt, während sie deifpielsweiie in Frank­reich pro Kopf 66 Pfennig ausmacht. Nach alledem können wir an eine Aufhebung der Steuer gar nicht denken. Nicht angängig ist auch die leichte Art, mit der von verschiedenen Seiten die schlechte Lage der Zündholzindustrie auf Rechnung der neuen Steuer gesetzt worden ist. Jedenfalls könnte man unter keinen Umständen auf vorübergehende Erscheinun­gen in einer Industrie hin keine dauernde Entschließun­gen treffen.

Abg. Graf Oppersdorf (Ztr.): Mit Recht hat der Herr Staatssekretär wie für jedes Gesetz, so auch für das Zündwarenfteuergefetz eine gewisse Schonzeit ge­fordert, vor Ablauf deren man kein endgültiges Urteil abgeben könne. Wie notwendig das gerade in diesem Falle ist, ergibt sich schon aus dem Hinweis, daß noch eben vor Einführung btt Steuer eine Voreinfuhr von 65000 Doppelwaggons ftattgefunben hat. Man weiß ja überhaupt nicht, ob biete Masse schon auf­gebraucht ist. Also die Interpellation ist auf jeden Fall außerordentlich verfrüht. Zur Steuer selbst möchte ich zunächst darauf hinweifen, daß wir zu ihrer Ein­führung erst geschritten find, als schon alle umliegenden europäischen Kulturstaaten sie längst hatten. Da erst kamen bei uns die Liberalen «Hört, hört!) mit der Forderung des Zündholzmonopols. Auch die Linke war damals noch für eine Zündholzsteuer. Sie ist also wenigstens ein Adoptivkind der Linken. (Heiterkeit im Zentrum. Widerspruch links.) Redner fuhrt weiterhin eine ganze Reihe früherer links« liberaler Stimmen an, die für bte Zündholzsteuer laut geworden seien. Die Linke solle also lieber nicht die Zündholzsteuer als ein Lieblingskind der Reform- Majorität brandmarken. Wenn heute bte Zündholz- Industrie sich in einer gewiffen Notlage befindet, so ist das in erster Linie die Folge einer Uutertassungssfinde, nämlich des zu weiten Htnausichiebens der Einführung der Steuer, die eine, so enorme Voreinfuhr ermöglichte. Die Schuld hierfür trifft ben ganzen Reichstag, der hie Reform immer weiter hinausfchob. Bemerkenswert ist, daß auch einige Behörde», so die Eisenbahnbirek­tionen, die Steuerpolemik mitgemacht haben. (Hört, hört!) Den Gründen, die der Herr Staatssekretär gegen die Aufhebung der Steuer angeführt hat, stim­men wir ganz zu. Wir glauben aber auch, daß eine solche Aufhebung große kommerzielle Schwierigkeiten Nach sich ziehen würde, daß sie beispielsweise kredtt- schädigend wirken wurde. (Sehr richtig! rech» und ,im Zentrum.) Tatsächlich sind ja auch die Fabri­kanten gegen die «nshebung. Eta Fabrikant fhat sogar hmzugesügt, daß den Freisinnigen kein Aus- strag erteilt worden fei, die Aufhebung der Steuer zu fordern. (Hört, hört! ün Zentrum.) Die Frage nach i6et Besteuerung der Ersatzmittel batte ich für erwägenswert, die Kommission wird sie eingehend

3”1 übrigen haben meine Freunde «.TV daß das Zündholzsteuergesetz möglichst I?" be durchgeführt wirb. (Beifall im Zentrum.)

Os"*" (ntlb.) teilt nicht den freifmnigen fcte blft*ta««nfbebung der Steuer, will aber ™ 5 ^" Mchstände eingehend geprüft wisse».

iR>"i hhntiinDie schlimme Lage der &fnbr^ n«b fdren Grund erstens in der Bor-

drittens in 4nIh^nQlUtreni ^»erzeuge und endlich

'N dem Zusammenbruch deS Syndikats. Die Budaet- ^ommisnon wird sich nut dieser schlimmen Lage m>ch Htäher befaflen müffen. Jedenfalls kann aber von einer Aufhebung der Steuer keine Rede fein. Redner weist £?n,V6e^aaS unch, daß die Ltaksliberaken früher stet» der Zündhölzer eingetreten ftab, LnÄche.^ * etne 6tdU «'S ehe«

ent ^rof Schwerin: Herr Abgeordneter, ich annebmen, bafe Sie nicht die Absicht baben,

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er die Pioniere derselben in Preußen im Stiche taffen. Nun haben die Herrschaften ja freie Bahn zu schnei­digen Interpellationen, woran es in der kommenden Landtagssession gewiß nicht fehlen wird. Im gan­zen macht bte Thronrede ben Eindruck, als ob die Regierung keine Neigung hätte, den Landtag mit großen und wichtigen Vorlagen allzusehr zu über­bürden. Nnd was im preußischen Landtage geschehen wird, das ivird sich abspielen im Hinblick auf die vor der Tür stehenden Reichstagswahlen. Man darf also nur auf eine kurze Landtagssession rechnen.

** Berlin, 11. Jan. 1911. Die konstituierende Sitzung des Inneren Komitees der Kaiser- Wilhelm - Stiftung fand heute um 11 Uhr unter dem Vorsitz des Kultusministers statt. — Der Bundesrat hat dem Entwurf eines Gesetzes für Elsaß-Lolhringen über Abänderung des Spar­kassengesetzes vom 14. Juli 1895 und der Vor­tage, betr. Aendeiungen der Zündwarenkontingen- tierungsordnung, die Zustimmung erteilt.

Im preußischen Abgeordnetenhause, wo sich gestern die Mitglieder zu der ersten Sitzung nach der Sommerpaufe sehr zahlreich etagefunben hatten, nahm sofort der neue Finanzminister, der frühere Oberbürgermeister von Magdeburg, Herr Lentze, das Wort, um den Staatshaushalt einzubringen. Während er sich erhebt, um die Finanzlage zu schil­dern, schweigt oas Stimmengewirr int Saale, und aller Augen sind auf ihn gerichtet. Das Schweigen dauert noch einen Moment an. Aber Herr Lentze versteht es nicht, sich die Aufmerksamkeit dauernd zu sichern, denn sein Organ ist zu schwach, als daß es den diesmal ausnahmsweise dicht besetzten Saal beherrschen könnte. Und so schlägt bald die Bran­dung des Stimmengewirrs zusammen und über den neuen Finamminister hinweg, sodaß man, wentgstens auf der Journalistentrtbüne, von dem neuen Mann nur hie und da einen Brocken zu verstehen bekommt.

)( Der preußische Staatshaushaltsetat für 1911 schließt mit 4,085000000 Mk. ab und überschreitet zum ersten Male die vierte Milliarde. Von ben Ausgaben entfallen 214000253 Mk., gleich 5,2 Proz. der Gesamtausgaben, auf das Extraordi- nartum, gegen 205147804 Mk., gleich 5,2 Proz. der Gesamtausgaben im Etat für 1910. Zur Her­stellung des Gleichgewichts sind unter dem Etat der allgemeinen Finanzverwaltung 29 000000 Mk. als außerordentliche Einnahme eingestellt, die im Wege der Anleihe zu beschaffen ist. Im Etat für 1910 war diese außerordentliche Einnahme auf 92800000 Mk. bemeffen. Die Erhöhung des Wohnungsgeld- zuschuffes nach Maßgabe des Gesetzes vom 25. Juni 1910 erfordert für 1911 einen Mehraufwand von 4779932 Mk. Davon für Beamte der Eisenbahn­verwaltung 2 210000 Mk. An Pensionen für Zi­vilbeamte sind 87 500 000 Mk. veranschlagt, gegen 1910 10000000 Mk. Der Anteil der Eisenbahn­verwaltung belauft sich auf 43992000 Mk. Die Staatsschuld beläuft sich auf 9531 196 Mk., gegen 1910 109906407 Mk.

(*) Im neuen Eisenbahnanleihe-Gesetz wer­den u. a. gefordert werden bte Herstellung eines dritten Geleises auf der Strecke Bebra-Hönebach, die Herstellung des zweiten Geleises auf den Strecken Sterbfritz-Jossa, Niedernhausen-Eschhofen und Friedrichsdorf i. T.-Friedberg (Hessen), die Herstellung des zweiten Geleises auf der Strecke Hameln-Pyrmont, die Einrichtung elektrischer Zug­förderung auf den Flachland-Bahnstrecken Niagde- burg-Halle a. S. und auf der Gebirgsstrecke Lau- ban-Dittmar-Königszelt.

(*) Obertaudesgerichtsrat Dr. Spahn, der erste Vizepräsident des Reichstages, ist an einer leichten Blutvergiftung erkrankt und muß auf Anordnung des Arztes dis zum 16. d. Mts. das Bett hüten

--- Rationalliberale gegen Freikonservative. Die Nationalliberalen haben von 1898—1906 das Reichs­tagsmandat für den 17. hannoverschen Wahlkreis Harburg-Rotenburg innegehabt. 1907 ver­zichteten sie zugunsten der Freikonservativen auf eine eigene Kandidatur. Der freikouservative Abgeord­nete Varenhorst wurde in der Stichwahl geaen den Sozialdemokraten gewählt. Jetzt sind die Freikon­servativen empört, daß die Nationalliberalen wieder einen eigenen Kandidaten, den Ziegeleibesitzer Dr. Schmidt auf Honsfeld, für die nächste Wahlen ausgestellt haben.

□ Das Metzer Krawallkonzert, bei dem es zu einem Zusammenstoß der reichsländischen Sportsvereini- gung „Lorraine sportive* mit der Polizei kam, scheint sehr ernste Folgen haben zu sollen. Rach den amtlichen Meldungen sollen die Straßenkrawalle ernster gewesen sein, als bisher bekannt wurde. So wurde ein Hauptmann, der in Zivil die Straße entlang ging und Über die antideutsche Kundgebung empört war, und das wahrscheinlich drastischer als es der Maffe gefiel, zum Ausdruck brachte, von den fanatischen Lothringern mißhandelt. Die Musiker schlugen ans die Polizei mit ihren Instrumenten ein. Diese wehrte die Angriffe ab und befolgten die Order, keine Handgreiflichkestm zu begehen. Ursprünglich nahmen an dem Zuge nur 2000 Per­sonen test. Als der Zug auf dem Domplatz ankam, war er schon bedenklich gewachsen. Von dort ging eS zum Ney-Denkmal. Jetzt glaubte sich die Menge stark genug, gegen die Hauptwache vordringen und die Verhafteten befreien zu können. Da erst wurde mit der Waffe gegen die Exzedenten etageschritten. In der Bevölkerung werden die Krawalle scharf vermteitt.

<P Mainz, 10. Jan. 1911. Gestern tagte dahier baS Zentralkomitee für bte General» v er sammln n gen der Katholiken Deutsch- lau d S unter dem Vorsitze des Herrn Grafen M Droste, um mit dem Vorstand des Lokalkomstees über die diesjährige Katholikenversammlung Beratungen zu pflegen. ES wurde beschtaffen, die diesjährige Generalversammlung der Katholiken Deutschlands vom 6.—10. August abzuhalten. Dieser Termin erscheint als der zweckmäßigste, ba tat anderen Falle manche Schwierigkeiten M überwinden waren. Am

Abend fand unter dem Vorsitz des Herrn Justizrats Dr. Schmitt eine überaus zahlreich besuchte Ver­sammlung der Mitglieder des Lokalkomitees im gro­ßen Saale des Frankfurter Hofes statt, an welcher die anwesenden Mitglieder des Zentralkomitees, u. a. Graf Droste, Fürst Löwenstein, Justizrat Reisert- Augsburg, teilnahmen, lieber 400 Personen waren erschienen, vor allem Bischof Dr. Kirstein, dem die Versammlung eine begeisterte Kundgebung bereitete. Justizrat Dr. Schmitt legte die seitherigen Maßnah- n.en zur Vorbereitung des Katholikentages näher bar. Der Redner gab als Vorsitzender des Lokalkomitees und im Namen der katholischen Bürgerschaft das Ver­sprechen, daß die Katholiken von Mainz alles aufbie­ten werden, um den Katholikentag glanzvoll und wür­dig zu gestalten Der Vorsitzende des Zentralkomitees Graf D r o st e gab seiner Freude über den zahlreichen Besuch der Versammlung Ausdruck, in welchem er eine Gewähr für das glückliche Gelingen des Katho­likentages erblicke. Der verehrte Redner gab sodann den einzelnen Kommiffionen wertvolle praktische Winke im Bezug auf die Vorarbeiten. Bischof Dr. Kir­stein sprach seine große Freude darüber aus, daß das katholische Deutschland in dem Jahr, wo die Mainzer Katholiken den hundertjährigen Geburtstag ihres unvergeßlichen großen Bischofs Frhr. von Kettler begehen, in seiner Bischofsstab! ihre Heer­schau abzuhalten sich bereit gefunbcn haben. Mainz wisse diese hohe Ehre wohl zu schätzen. In herrlichen Worten feierte der Bischof sodann das Andenken Kett- lers, jenes GeisteSriefen, der über 27 Jahre die Main­zer Kirche vorblldliq geleitet and dem katholischen Deutschland in schwerer Zeit ein großer Vorkämpfer und Führer war. Die Diebe klang in einen warmen Appell an die Mainzer Katholiken auS, die Erinne- rfrngsfeier an Kettler und den Katholikentag in wür­diger Weife vorzubereiten. Hierauf ergriff der Vor­sitzende des Lokalkomitees der Augsburger Katholiken- Versammlung, Justizrat Reifert, das Wort, um in humorvoller Rede die Grüße der Augsburger Katho­liken zu entbieten und an- Hand der gewonnenen Er- fahrungen manche guten Ratschläge für die SBorbe- reitung des Mainzer Katholikentages zu geben. TS herrschte begeisterte Stimmung und man trennte sich mit der festen Absicht, alles aufzubieten, um den Gästen in den Tagen vom 6.—10. August den Aufenthalt ta der altehrwürdigen und gastlichen Rheinstadt so ange­nehm wie möglich zu machen. Mit Befriedigung nahm man noch zum Schluffe von der Mitteilung beS Herrn Bischofs davon Kenntnis, daß Se. Eminenz Kardinal Fischer von Köln feinen Besuch gleichfalls in Aussicht gestellt hat.

ReichStagSwahlvorbereitunge«.

* Aschaffenburg, 10, Jan. 1911. Der Reichs­tagsabgeordnete für Aschaffenburg, Benefiziat Gerstenberger, wurde gestern im „Karlshos" einstimmig wiederum als Reichstagskandidat auf« gestellt.

Ausland.

** Kaiser Franz Joseph ist als vollständig genesen zu betrachten. Er unternahm bereits Spaziergänge im Rammeigatte« deS Schönbrunner Schlosses.

*♦ Zum Präsidenten der französische« Kammer wurde gestern mit 270 Stimmen Brisson gewählt. — Im gestrigen Ministerrat teilte der Minister des Aeußern Pichon seinen Kollegen die Grund­lage der Rede mit, die er bei der Beratung deS Budgets des Auswärtigen AmteS in der Kammer halten wird. Der Minister wird u. a. bei Be­sprechung der politischen Lage auf die guten Be­ziehungen Hinweisen, welche Frankreich mit den übrigen Mächten unterhält, welche außer de» Beziehungen zu dem verbündeten Rußland und dem befreundeten England den Hauptgegenstand seiner Rede bilden werden. Der Minister wird alSdann die Befürchtungen widerlegen, die m den letzten Tagen durch die deutsch-russische Annähe­rung wegen der Bagdadbahn verursacht worden sind.

t Zn ganz besonderen Geldnöte« befindet sich in diesem Festjahre die Stadt Rom: sie hat mehr als 200 Mill. Fr. Schulden, und wenn nicht wieder, zum so und so vielten Male, Staa.shilse kommt, steht das Haupt der Welt vor dem Bankerott. DaS scheint indeflen die Stadtväterschaft nicht anzufechten, denn sicherem Vernehmen nach beabsichtigt der Bürgermeister Nathan demnächst vom Gemeinderat für sich felbst e ne Repräsentationsentschädigung für dieses Festjahr von 60 Tausend Fr. und für die Stadtrate eine solche von je 10000 Fr. zu ver- .angen. Den Wählermassen des liberalen Blocks soll allerdings diese Forderung des Bürgermeisters allzu wenig demokratisch vorkommen.

** Freche Verleumdung der Jesuiten. Der Ziollgouverneur von Lissabon erklärte einigen Journalisten, er habe fest längerer Zeit Kenntnis von der gegen das neue Regime und die Leiter der portugiesischen Regierung gerichteten Bewegung, die von im AuSlande befindlichen Persönl chkeiten deS alten Regimes mit dem Jesuiten Cabral an der Spitze ausgehe. Die provisorische Regierung beklage die neuhdjen Ereignisse, da sie im Aus­lande zu tendenziösen Angriffen gegen die Regie­rung Anlaß geben könnten. — Es muß offenbar schlecht um die Sache der portugiesischen Republi­kaner stehen, daß man dafür nicht ander- als durch die Verleumdung der Jesuiten Stimmung machen kann.

** Portugiesische Sorgen. Die wegen des Angriffs Liffaooner Republikaner auf drei monarchistische Zeitungen veranstaltete Unter­suchung hat ergeben, daß an den Kundgebungen etwa 40 Personen beteiligt waren, die in den Geschäftsräume« des Liberal, des ,Correio da Manha" und deS,Diario Jllustradkri Verwüstungen angerichtet haben. Die Schuldigen wurden ver- haftet. Die vymblikanisch« glätter find «st