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6.

Fulda, Montag den 9. Januar 1911.

38. Jahrgang.

StaatsangehSrigkeitSgesetz auS. Die Fülle der Ar- bett, die der Reichstag noch in dieser Session erledigen soll, ist fast beängstigend groß. Wir dürfen aber von dem hatten Zwang zur Arbeit vielleicht eine raschere, von dm parteipolitischen Extravaganzen befreite Er­ledigung der gesetzgeberischen Arbeitm erwarten, und dieser Erfolg würde in Wahrheit freudig zu begrüßm sein. Wmn kürzlich verschiedme Blätter und Korre- spondenzen etwas flau zu machen versuchtm und speziell der sozialpolitischen Gesetzgebung einen Miß­erfolg prophezeiten, so lassen wir unS dadurch nicht aus der Fafftrng bringm. Wenn die Mehrheit des Reichstage» und die Regierung dm ernsten Willen habm, die noch der Erledigung harrmden Aufgaben zu lösm, so wird ihr Bemühen nicht aussichtslos sein. Und der Reichstag wird seiner letzten Tagung leinen besseren Abschluß und keine schönere Krönung gebm können al» dadurch, daß er die ihm vorgelegten wich­tigen Gesetzentwürfe in guter und zweckmäßiger Ge- staltung zur Verabschiedung bringt.

y. Das Slrbeitsprograurm der Par­lamente.

Der preußische Landtag tritt am Dienstag zu seiner neuen Tagung zusammen und wird gleich am ersten Tage mit der Vorlegung des StaatshaushaltS- eiats in die wichtigste der ihm obliegendm Aufgabm eingeführt werden Mit gesetzgeberischen Aufgabm von größerer Bedeutung soll er in bleiern Jahre an­scheinend nicht beschäftigt »erben. _®afc bie Wahl­rechtsreform, die Neuregelung deS Stmersystems unb die Verwaltungsreform vorerst zum Teil noch nicht zur Entscheidung reif sind, zum Teil aus anderen Gründen noch nicht zur Verhandlung kommm sollm, konnte bereits fett längerer Zeit als sicher angmom- tntn werben. ES wird versichert, daß die Regiemng sich bei der Entscheidung über die dem Landtage vor­zulegenden Entwürfe von der Rücksicht auf die bevor- stehmden ReichstagSwahlm leitm laflm und alles Vermeiden wolle, was dem Streit der Parteien neue Iiahrung geben könnte. Aus diesem Grunde soll z. B., »le von einer Seite behauptet wird, auch die Vor­lage über.bie Zulassung der Feuerbestattung, die an­geblich bereits vollständig ausgearbeitet ist, in dieser Session nicht zur Beratung gestellt werden. Die an» Heren Vorlagen, die bereits angekündigt oder mit Sicherheit zu erwarten sind: Zweckverbandsgesetz, No­velle zur Rheinischen Landgemeindeorbnung, der Ent­wurf eins Gesetzes über die Wegeordnung in Ost- breußen, über das Wiederaufnahmeverfahrm bei Dis- ziplinarverurteilungm, eine Novelle über die Schul­pflicht der Taubstummm, bie ländlichen Fortbildungs­schulen und vielleicht noch einige andere mehr, werben IW einzelnen gewiß manche größeren oder geringeren Schwierigkeiten bringm, aber zur Ausnutzung für bie parteipolitischen Kämpfe im großen und gangen wenig Material bieten. Um so mehr ist dies aber von den Etatsberatungen zu erwarten. Von hakatistischer Seite ist bereite die Aufrüstung bet Polenfrage speziell der Frage des Enteignungsgesetzes angekündtgt. Liberale ynb Sozialdemckaten versprechen sich von der Er- örterung der letzten großen Pn^esse — Moabit, Mieltschin, Fall Maltzahn-Becker — großen Nutzen für ihre Zwecke. Ob sie auf ihre Rechnung kommm Werden, bleibt abzuwartm. Zu erwähnen ist endlich noch, daß man dem ersten Auftreten der neuen Mi­nister v Dallwitz, Lentze und v. Schorlemer — der letztere ist allerdings ja schon im Reichstage zu Wort gekommen, aber noch nicht über die kritischen Fragen seines Ressorts — mit einer gewissen Spannung ent- g-He>islcht. Die Tagung des Landtags wird zu einem guten Teile unter dem Zeichen der Vorbereitungen zum Reichstagswahlkampf stehen und verdimt des­halb unter dem parteipolitischen Gesichtswinkel auf­merksame Beachtung.

Tas Arbeitspwgramm des Reichstags, der am Dienstag ben wichtigsten — unb auch zeitlich aus­gedehntesten Abschnitt seiner letzten Tagung — da Ostern in diesem Jahre ziemlich spät fällt, ist mit einer rmuniechrochenm dreimonatigen Verhandlung-dauer zu rechn« — beginnt, ist in der Hauptsache bekannt. Bald nach Wiederbeginn der Sitzungen wird der Reichstag die Beratung über das Zuwachs st eu- ergcsetz zu Ende führen. Wie die „Nordd. Allg Zig." hört, besteht die Absicht, mit der zweitm Lesung des Entwurfs etwa am 16. Januar zu beginnen Dadurch wird die unentbehrliche Grundlage für die weitere Beratung des Etats geschossen. Die Zm- Wach-b euer bubet einen entscheidenden Bestandteil bet Einnahmen, welche erforderlich sind, um bei Hinzu- tritt der Hecresverstärkung und der verbessertm Ve- temnenversortzung das Gleichgewicht des Etats zu erzielen. Au dem wichtigsten Grundsatz ihres Finanz» Prvoramms, keine neue Ausgabe ohne gleichzeitige Deckung einzustellm, werb«, so schreibt das offiziöse Blatt, die verbündeten Siegle» runden unbedingt festhalten.

den weiter angekünd-.gten Borlagm stehen nur noch das Gesetz über die Privatversickerung und das

Deutsches Reich.

*♦ Berlin, 8. Jan. 1911. Der Kolonial- sekretär wird, wie die ,Deuische Tageszeitung meldet, im Frühjahr Südwestafrika bereifen.

* DaS preußische Staatsministerium hat sich am Freitag in einer mehrere Stunden währenden Sitzung mit dem Gesetzentwurf beschäftigt, der die Schaffung von Zweckverbänden für die Gemeinden der preußischen Monarchie vorsieht.

0 Die Abschaffung der preußischen Vertretung beim Vatikan fordert der antiultramontane Reichs- verband. Wie Graf HocnSbroech in einem Vor­trage in der Berliner Ortsgruppe des Verbandes mitteilte, gedenkt der Verband eine Eingabe an bie beiden Häuser des preußischen Landtags zu richten, in der die Abschaffung der preußischen Vertretung beim Vatikan verlangt werden foll. Einen Erfolg werden die Herren natürlich damit nicht haben.

+ Die internationale Preßverschwöiung gegen Deutschland. Seitdem der Reichskanzler über das Ergebnis der Potsdamer Begegnung im Reichstage amtlich berichtet hat, vergeht kein Tag, ohne daß in einem französischen oder englischen Blatt irgend­eine Verdrehung, Verhetzung oder Lüge über die deutsch-russischen Beziehungen erscheint. So brachte am Samstag dir ,Times' den „Wortlaut des deutsch-russischen Abkommens". Da die feindliche Stellung der ,$tme§' zu Deutschland sattsam be­kannt ist, durste man der ganzen Meldung von vornherein großes Mißtrauen entgegenbringen. Wie berechtigt dieses war, ergibt folgende Auskunft, die der,Post' von amtlicher Stelle übet die Veröffent­lichung der ,Times' gegeben worden ist:

„Die ganze Meldung ist erfunden. Ein Wort­laut des deutsch-russischen Abkommens kann überhaupt nicht veröffentlicht werden, weder in Petersburg noch in Berlin, weil er zurzeit noch gar nicht vorliegt. Die Verhandlungen zwischen Petersburg und Berlin schweben noch. Was darüber zurzeit neröffenllicht werden kann, hat der Reichskanzler seinerzeit im Reichslage mit« geteilt.-'

[] lieber ben „Fall" der deutsch-französischen Fa­milie be Wenbel liegt eine Menge von Nachrichten vor, die die unklare Geschichte leider nicht viel klarer machen. Amtlich wird deutscherseits be- stritten, daß den drei Gebrüdern — es handelt sich um drei Gebrüder be Wendel, die außer dem neu­lich definitiv nach Frankreich ausgewanderten Reichs- tagsabg. Charles de Wendel ihren Wohnsitz defini­tiv in Frankreich genommen haben — die Aufent- Haltserlaubnis für Einwanderer verweigert worden sei. Sie hätten sie nicht wieder nachgesucht, so heißt es, nachdem sie am 1. Januar abgelaufen sei. Auch in Paris erfährt die Sache lebhafte Teil- nähme. Das ,Par:s Journal' will gehört haben, daß die angebliche Verweigerung für die fran­zösischen Mitglieder der Familie de Wendel auf

einen Familienzwist mit dem Reichstagsabg. Charles be Wenbel zurückzuführen sei.

-t- Der Vorstand deS Verbundes deutscher Beamten»Vereine hat, wie die Blätter melden, mit Rücksicht auf die bevorstehende Revision des preußischen Einkommensteuer-Gesetzes sich mit einer Eingabe an den Finanzminister gewandt, um eine Beeinträchtigung des Kommunalsteuer-Pri- vilegs zu beseitigen, welches durch die Recht­sprechung des Oberverwallungs-Gerichies entstan- den ist. Fast alle Gemeinden in Preußen haben bet der Heranziehung der öffentlichen Beamten, her Geistlichen und Lehrer sich diesen Rechts­grundsatz des OberverwaltungS-Gerichies ungeeignet. Danach werden die Abzüge für Hypothekenzinsen nicht nur auf daS Einkommen aus Grundbesitz, sondern verhältnismäßig auch auf die fonstigen Einkommen - Quellen verteilt. Diese Maßregel trifft naturgemäß in besonderem Grade den Beamten mit verschuldetem Grund­vermögen, also gerade den wirtschaftlich Schwäche- ren. Im preußischen Einkommensteuer« Gesetze werden die Schulden zinsen nicht als Werbungs- kosten, sondern als Anleihe-Kapital zur Erweite­rung des Vermögens betrachtet; sie bilden also eine Passivquelle für sich und sind von dem ge­samten Roheinkommen in Abzug zu bringen. Tat- sächlich wird nun durch die Anwendung der Recht­sprechung bet Oberverwaltung^ - Gerichtes das Steuerprivileg der Beamten ganz ober teilweise ausgehoben. Aus biesem Grunbe hat bet Mr- ranb deutscher Beamten-Vereine für das künftige Einkommensteuer-Gesetz einen entsprechenden Zu- satz beantragt, welcher den Umfang der Werbungs- kosten genau bestimmen soll.

-i- Die Reichspost gegen Marconi. Die deutsche Reichspost hat an die groß 'n deutschen Schiffahrts- Unten das Ersuchen gerichtet, die Verträge mit Marconi zu lösen und künftig das deutsche System Telefunken einzuführen, da nur auf diese Weise ein sicheres Funktionieren des deutschen posta­lischen Telesunkendienstes zu erreichen ist. Der Norddeutsche Lloyd und die Hamburg-Amerika-Linie werden infolgedessen thre in diesem Jahre ablaufen­den Vertrage mit Marconi nicht mehr erneuern. Die anderen deutschen Schiffahrtslinien werden die Verträge gleichfalls nicht mehr erneuern, soweit sie den deutschen Postdienst mit zu versehen haben, was bekanntlich bet allen größeren Linien der Fall ist.

cP Darmstadt, 7. Jan. 1911. Das Hin- scheihen des hessischen Gesandien und BundesratS- bevollmächtigten Freiherrn v. (Sagern scheint eine Aenderung auch in der Besetzung der hefli- scheu Ministerien zur Folge zu haben. Die Regierung hat zunächst den seitherigen stellver- tretenden Bundesratsbevollmächtigten Geh. Staats­rat Krug von Nidda interemistisch mit der Lei­tung der Gesandtschaftsgeschäste betraut unb dem- selben einen vortragenben Rat aus bem Ministe­rium bes Innern beigegeben. Bei bem hohen Alter bes Herrn von Krug ist eS als ausge­schloffen zu betrachten, baß bieser bei ber end- gilligen Besetzung des Berliner Postens in Frage kommt. Als Nachfolger bes Herrn von Eagern, der in seiner kurzen B rliner Wirksamkeit sich eine einflußreiche Stellung im Bundesrat erworben hatte, wirb zunächst berFmanzministerDr. Bra u n genannt.

cf München, 8. Jan. 1911. Der ®eie- giertentag ber bayerischen Zentrums- p art ei beschäftigte sich am zweiten Tage seiner Verhanblungen ausschließlich mit wirlschastlichen Anträgen. Alle Rebner traten für bie Bei­

behaltung ber bisherigen Wirtichasts- unb Schutz- Zollpolitik im Sinne ber letzten Reichskanzlerrehe ein. In einer Entschließung wurden bie Zentrums- Mitglieder mit Recht scharf vor den Bestre­bungen des Hansabundes gewarnt. DaS ReichSratSmitglied, Frhr. v. Soden, betonte, daß bie nächsten Retchstagswahlen im Zeichen der Handelsverträge geführt werden würden und sprach Freiherrn von Pechmann für feine Kenn­zeichnung deS Hansabundes Worte ber Anerken­nung aus. Mit einem Hoch auf das Zentrum wurde bann bie Tagung geschloffen.

Ausland.

* Bom französischen Kulturkampf. Das Lyoner Diözesanblatt veröffentlicht einen von zwei Erzbischöfen unb elf Bischöfen unterzeichneten Erlaß, burch ben vier repu­blikanische Blätter von Lyon unb St. Etienne alS ber katholischen Religion unb ber Moral schädlich und gefährlich erklärt unb ber Verkauf, der Kauf unb bie Lektüre dieser Blätter als eine schwere Sünde bezeichnet werden. — Liberale Organe haben bie Stirn, ben burchauS gerecht­fertigten Erlaß ber französischen Bischöfe alS „klerikale Unverschämtheit" zu bezeichnen. — Der Pfarrer von EtampeS, Abbö Couriot, bet währenb einer Leichenfeier ber Familie bes Ver­storbenen von der Kanzel herab vorgeworfen hatte, daß sie bei der Sammlung für ben Kultuspfennig nur 50 Centimes hergegeben habe, ist vom Bischof von Versailles versetzt worben. Außerdem hat bie Staatsanwaltschaft gegen Couriot eine Untersuchung eingeleitet.

** Die französtscheu Staatsbahue«. Aus Anlaß des Eiseubahnunfalles in Rambouillet ersuchte bet konservative Deputierte Augerand, der eine In­terpellation über die Zustände bei ben (Staats- bahnen angekündtgt hat, den Obmann deS Budget- ausschuffes, die Beratung des StaatSbahnbudgetS sofort nach Zusammentritt der Kammer auf di« Tagesordnung zu fetzen, da die ununterbrochen« Reihe der Katastropheu, die seit mehr als sechs Wochen auf dem Staatsbahnnetze eine blutige Sput hinterließen, die Kammer mit Besorgnis erfülle« müßten.

jf Attentat auf König Alfon»? Eine bedenklich« Nachricht bringt der offizielle Draht aus Spanien. Nach einer amtlichen Meldung au? Malaga fiel, als der König bas Palais bes Gouverneurs betreten hatte, einRevolver zur Erbe, ber einer Zivil­person angehörte, unb entlub sich mit lautem Knall. Der Umstehenden bemächtigte sich eine leicht« Panik. Zwei Personen wurden verletzt. — Daß hier die Wahrheit verschwiegen wird, verrät schon die ungeschickte Fassung der amtlichen Nachricht. Zu denken gibt auch folgendes offiziöse Dementi: Das auswärts verbreitete Gerücht, der Eisenbahn­zug mit dem auf der Reise nach Melilla befindlichen Gefolge be? Königs sei entgleist, ist salfch. Am Samstag ist König Alfons in Melilla eingetroffen.

** Der Ausstand der belgische» Bergarbeiter auf dem linken Maasufer ist fast allgemein; es befinden fich 15000 Bergarbeiter im Ausstand. Während aus Mons und Charleroi bereits eine erhebliche Abnahme der Zahl der Ausständigen gemeldet wird, ist der Ausstand im Becken von Lüttich noch etwas angewachsen.

*• Monaco, dessen Regent bekanntlich sein« Apanage aus den Einkünften der Spielhölle von Monte Carlo bezieht, soll nun auch eine — Ver­fassung erhalten. Die Untertanen des Fürsten Albert haben neulich ein Revolutiönchrn gemacht mit bem Ergebnis, daß ihnen jetzt die Einführung

Em gefährliches Geheimnis.

69j ;Moöan in zwei Bänden von Charles Rea de.

,FDHo! * rief Monkton, indem er Bariley einen bssbusten Mick zu warf. „Das ist das Gefasel eines Menschen, ber seinen Kumpan an gibt, um die eigene Haut zu saloirren. Ader nun passen Sie mal auf, Alterchen, unb fragen sich selbst, ehe Sie mich zur Rvch-cuschuft ziehen, wer das meiste Interesse an dem Geschäft gehabt Hat? Sie habe:: damit einen gefähr­lichen Feind zum Schweige« gebracht; was habe ich dabei geroonnen? Vor allen Dingen werden Sic ble­chen, lieber Herr, werden zahlen, was Sie versprochen habe:,. Tun Sie das nicht, ehe Sic gegen mich aus- sagen, so können Sie sich daraus verlassen, daß Sie sich damit selbst eine Grube graben, von ber ich mich schon fern halten werbe."

„Sie sind ebenso bumm wie schlecht", erwiderte Bentley. „Als ob mir an alledem etwas gelegen wert!" Wenn Hove und meine liebe Mach tot ge­funden werben, fo werde ich genau angeben, wie sie ums Leben grfentroen sind unb bann von eigner Hand zu sterben wissen."

Monkton antwortete nicht; er sah Bartley starr an und konnte sich einer mrbehaglichen Empfindung nicht erwehren.

.Em Fahrschackt ist nur ein engte Ding", fuhr Bartley, mit -ich selber sprechend, fort. „Warum soll­ten sie lebendig begraben bleiben? Wir wollen zu ihnen bringen, ehe sie verschmacht«:. — Sie können gewiß noch gerettet werden."

»Tor, der Sie find! Die Gereiteten Würden uns anfiaaen."

.Was liegt daran? Wenn ich morgen auf der An­klagebank fitzen müßte, ich würde sie wenn ich cs fömrie, noch beute abend befielen."

„Um nächste Woche am Galgen zu baumeln ober Ihr Leber: im Zuchthaus« zu bemdigen."

„Dos muß ich auf mich nehmen", antwortete Bartley verpveiflungSvoll; „ich will, soviel an mit ist, mein Verbrechen wieder gut machen. Kein;

Strafe der Welt kann ben Qualen gleichkommen, die ich jetzt erdulde und die ich Ihnen verdanke, elender Schuft!" Dann trat er plötzlich näher an ihn heran und stieß, die Augen rollend wie ein Wahnsinniger oder ein böser Kettenhund, zwischen den Zähnen her­vor: „Da Ihnen das Leben guter Menschen so wenig gilt, ist Ihnen vielleicht an dem eignen auch nichts gelegen."

.Bitte seht!" tief Monkton, „das ist benn doch etwas anderes."

„Was ... Ihr elendes Dasein sollte einen Wert haben?"

.Ich schätze dasselbe höher als olles Gold der Erde", antwortete Monkton.

„Warum fetzen Sie es denn -aufs Spiel?"

„Entschuldigen Sie, lieber Herr, das tue ich eben nicht. Was ich aufs Spiel setze, find nur meine Hel­fershelfer, nie mein eigener Kopf Ben Burnley Ist bet Beweis bafüt."

„Sie haben auch ihn In Gefahr gebracht", sagte Sattlet), der ihn mit immer unheimlicherem Ausdmck anftarrte.

.Bitte, Wie meinen Sie das?" fragte Monkton, bet sich einigermaßen beängstigt fühlte. Dies war nicht ber Bartley, den et bisher gekannt hatte.

Bartley ergriff den Feuerhaken und begann im Kamin das Feuer zu schüren, sah dies aber nicht an, sondern blickte unverwandt auf Monkton, während seine Augen immer drohender rollten. Auch Moickton hielt den Blick fest auf ihn gerichtet und seine Hand suchte die Türklinke.

„iWe ich das meine?" wiederholte Sattlet). „Das will ich Ihnen sagen: Sie bringen sich in Gefahr, indem Sie fich hierher wagen und den Elenden ver­höhnen, reizen und in weitere Versuchung fuhren, dessen Seele Sie bereits zu Grunde gerichtet haben. Denn Sie find es gewesen, der mich dazu getrieben hat, ben besten Mann unb bete reizendste Mädchen in ganz England umS Leben zu bringen, während es ringsumher Schlangen unb Molche in Menge gibt, die zu Vertilgen ein gutes Werk wäre. Ich will Sie lehren, waS es Heißt, wie ein Natt zu einem Wahn-

finnigen zu kommen und ihn noch tvahnstnniget zu machen. — Sishet war ich ein Schuft — Sie haben mich zu blutigen Verbrechen angestachelt. Um so schlimmer für Sie selbst. Jene habe ich gemordet — Sie will ich richten!" Mit diesen Worten stürzte er wie ein Panther auf Monkton zu.

Dieser riß die Tür auf, um zu fliehen, aber der Haken fiel nieder, ehe Monkton vollständig draußen war, unb zwar mit solcher Gewalt, daß das Eisen wie ein Schwert in das Holz der Tüt einschnitt, den Meiler beschädigte, während Monkton, obwohl er kaum den vierten TeU von der ersten Gewalt des Schlages empfing, mit Händen und Knieen auf ben Fußboden der Halle fiel und für einen Moment wie betäubt wat Dann aber raffte er sich, von Furcht getrieben, wieder auf, schwankte zut Haustür hinaus, die zu seinem Glucke offen stand, und versteckte fich in ein kleines in der Nähe gelegenes Gebüsch. Hier kauerte er sich schweigend nieder und wartete, indeß das Blut an ihm niederfloß, auf einen günstigen Augenblick, um sich vollends in Sicherheit zu bringen.

Die zitternde Schlange hatte übrigens nichts mehr zu fürchten. BarÜey verfolgte ihn nicht weiter als bis an die Schwelle seines Zimmers. Monkton hatte ihn zu diesem Wutanfall aufgestachelt; sobald der Schutte verschwunden war, sank Bartley in sein dumpfes Grübeln zurück.

* *

Die Erklärung, die Walter so plötzlich vor den vier Anwesenden abgegeben hatte, versetzte sie für einen Augenblick in starres Staunen. Julia faßte sich zuerst.

„Das hätten wir erraten können", sagte sie, „denn Mary Bartley Wäre eines unanständigen Benehmens nicht fähig. Sie ist die personifizierte Klugheit unb Tugend; der Mann, mit dem sie an jenem See war, konnte nur ihr Gatte sein— folglich fein anderer als Walter, dm sie schon lange liebt."

Diener und Haushälterin blickten voll Angst auf ihren Herrn, wie er die überraschende Kunde aufneh­men würde. Aber der Oberst stand fest wie an der Spitze seiner Schwadronen lm feindlichen Feuer. Er

war nicht ber Mann dazu, Irgend eine Position auf- zugeben.

„Das erste, was wir zu tun haben, ist, sie zu ret­ten", sagte er; „dann sollen mein Ha»:S und mein« Arme der Gattin meines Sohnes geöffnet sein"

„Gott segne Sie, lieber Vater!" rief Walter mit gebrochener Stimme, „und Gott segne auch Sie, liebt Cousine! Zum Reden ist jetzt aber keine Zeit." Da­mit eilte er von bannen.

„Liebe Milton", sagte der Oberst, zu der Haus­hälterin gewendet, „mein Sohn wird natürlich nicht hierher zurückkommen, bis bas Werk getan ist, und würde mithin- keinen Augenblick ruhen, wenn wir ihm nicht in der Nähe der Kohlengmbe ein Lager schaffen. Lassen Sie den Break anspannen, fahren Sie nach der „Schwarz-braunen Kuh" und tun Sie dort für ihn, was Sie irgend können."

„SoFeich, Sir; ich will auch seine eigenen Decken und Kiffen mitnehmen; der Wirtin ist nicht zu trauen, sie schwatzt zu viel. DaS Beste ist, ich bleibe gleich für ein paar Tage dort; vielleicht kann ich den jun­gen Herrn dazu bringen, einen Bissen von dem, waS ich ihm zubereitr, zu effen und sich ein bischen nlebet- zulegen. Fremde Leute hätten schwerlich so viel Ge­walt über ihn." _

„Sie sind eine treue Seele", sagte der Oberst bei­nahe rauh, denn er wollte fich nicht von seiner Em­pfindung überwältigen taffen. „Auch Du bist das, John — in solchen Zeiten lernt man seine rechten Freunde kennen; das aber weckt Euch beide, heulen und flennen dürst Ihr nicht, ich verbiete es Euch aufs Strengste." Er hatte das in barschem Tone gesagt; dann fügte er mit mildem Ernst hinzu: „Wer weiß, mancher Mimische Tag geht ruhig zu Ende. Viel­leicht bringt dies Unglück einem friedlosen Hause Heil und Frieden zurück."

* *

Oberst Clisford hatte seinen Sohn richtig beurteilt. Walter stellte sich an die Spitze einer Arbeiterabtei­lung, war Tag und Nacht, selbst Hand anlegend, auf dem Platze und gönnte sich täglich kaum zwei Stunden der Ruhe, und auch das nur mit Widerstreben

(Fortsetzung folgt)