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Erstes Blatt.
Fulda, Samstag den 7. Januar 1911.
38. Jahrgang.
fr Prei e und Strasprozctzreform.
Kurz nach dem Wiederzusammentritt des Reichs- taaes im neuen Jahre wird auch die Strafprozeßrv- sonn im Plenum den Gegenstand eingehender Beratungen bilden. Es ist nur natürlich, daß im Hinblick darauf eine ganze Reihe von Stimmen in Der Seffent- sichkeit auftaucht, die möglichst bessernd in die Beratungen ein greifen und ans die Beschlüsse hinwirken möchten Bei einem so schwierigen Werk, wo so Zahlreiche schwierige Entschlüsse von außerordentlicher Tragweite in Aussicht stehen, ist diese Rührigkeit nur anzuerkennen. Viele Vorschläge beziehen sich unter kmderm auch auf die Stellung der Presse innerhalb der Strafprozeßreform. Tie einen möchten der Presse die möglichste Freiheit der Berichterstattung und der Meinungsäußerungen gewahrt wisien, andere wiederum möchten dem gewissenlosen Unfug, der von einem leichtfertigen und radikalen Preßkofakentum zum Schaden für viele Kreise und Stände verübt wird, durch strengere Gesetzesbestimmungen einen Riegel vorschieben. Dazu gesellt sich die „K r eu zz e i tun g , s welche in einem beachtenswerten Artikel dafür ein- daß auch die Verleumdungen in der Presse mit ^möglichst hohen Strafen belegt werden. Gegen solche Beleidigungen, die ganze Klassen, Stände und Berufe treffen, müsse ein gerichtlicher Schutz in viel weiterem Umfange als bisher gewährt werden. Man kann diesem Vorschläge grundsätzlich durchaus zustimmen.
Die Verächtlichmachung ganzer Stände und Klassen in unserem Staats- und Wirtschaftsleben seitens einer skruppellosen radikalen Presse geht nachgerade ins Uferlose. Es ist mit Händen zu greifen, daß sie zum ^Klaffenhah gewissermaßen geradezu erzogm wird. 'Außerordentliches leisten bekanntlich auf diesem Gebiete auch die radikalen .Witzblätter", die ihre notorische Geistesarmut und Witzlongkeit durch die plumpsten und gröbsten Verächtlichmachungen ihrer Gegner bemänteln. Es ist tatsächlich oonnöten, der gehässigen und kränkenden Herabsetzung ganzer Stände, noch dazu solcher, die für unser staatliches und wirtschaftliches Leben von größter Bedeutung sind, möglichst ein Ende zu machen. Die „Hamburger Nachrichten" bezeichnen sehr richtig solche Ausfälle als keineswegs witzig, sondern gehässig und ordinär und jedenfalls schwer verletzend Wenn aber die „Hamburger Nachrichten" von den in Rede stehenden Ständen, lediglich das Offizierkorps, das Beamtentum und die Landwirtschaft nennen, so können wir uns damit nicht ganz eiiwerstanden erklären. Vor allem müssen doch wohl hier die Stände ins Auge gesoßt werden, deren Wirken für die Wohlfahrt des Volkes auf geistigem Gebiete das höchste Maß von Autorität beanspruchen kann und muß, das ist der geistliche Stand und der Stand der Lehrer und Erzieher. Alle die Karrikaturen, welche wir in den liberalen Witzblättern von Offizieren, Beamten und Agrariern gesehen haben, reichen in ihrer infernalischen Gehässigkeit und Gemeinheit nicht an dasjenige heran, was fie an Verhöhnung des Erzieherstandes insbesondere aber des Klerus und zwar vor allem des kacholischen Klerus zu bieten wagen. Sie verletzen dadurch andauernd auf das tiefste die heiligsten Empfindungen eines großen Telles der Bürgerschaft und jeder Mensch, soweit er noch eine Spur von Anstandsgefnhl besitzt, wendet sich mit Ekel davon ab. Wollen die „Hamburger Nachrichten" etwa dem radikalen Preßkofakentum den Freibrief für solche Scheußlichkeiten erhalten wissen? Es ist bezeichnend, daß der größte Tell der Presse hieran nicht zu denken scheint; denn diese übelste Seite der traurigen Sache wird von ihr nicht mit einer Silbe berührt.
Wenn wir eingangs gesagt haben, daß wir grundsätzlich mit Strafverschärfungen auf diesem Gebiete einverstanden find, wie fie übrigens in anderen Staaten, beispielsweise in England, schon lange bestehen, und sogar bis zu drakonischer Härte gesteigert find, so dürfen wir uns auch nicht vechehlen, daß solche Bestimmungen ein zweischneidiges Schwert sind, welches auf der einen Seite Segen, auf der anderen Seite aber auch viel Unheil herbeiführen kann. Es gibt eine Grenze, bis zu welcher man sich auch einen Scherz oder Witz ganz ruhig gefallen lassen kann, man soll da nicht allzu prüde und empfindlich sein. Die Grenze wird klar genug durch den guten Geschmack gezogen. Humor und Satire können walten vor allem, wenn fie sich wirtlich geistreich geben, aber sie dürfen nicht zu gemeinen Schmähungen und zur Aufwiegelung der Volks massen ausarten. Vor allem aber müßte nach dem Grundsätze gleiches Recht für alle, auch den $ertretem bet Presse ein gewisses Maß von Schutz zugebilligt werden. Wie leicht kommt es vor, daß eine Redaktion durch falsche Angaben ge- täuscht wird. Sie salviert sich und gewährt vollste .Genugtuung. Das genügt aber manchem angeblich Verleumdeten nicht, die, wie viele Fälle schon darge- jtan haben, durchaus keine Schädigung ihres An-
Een, dennoch aber auf ungeheuren Geldstra- bloß um auf diese Weise in ,'mfa n Gewinnsucht die irregeführte Presse materiell «ubeuten. Hierzu ließe sich noch sehr viel sagen. Ww resümieren uns dahin, daß die Gesetzgebung aus ^enben Gebiete sich von allen Einseitig- fern Nten «t ist es besser, daß man von Neuerungen überhaupt absieht.
Deutsches Reich, R9nV^rL^° Am 7. Januar 1861 wurde !£ Wilhelm IV. von Preußen in 2. 3ÄVVSSS beigesetzt.. Am langem Siechtum ge^ben^ Ä A
-in Erlaß seines «töten
mein Volk". Mit Wilhelms I "An
hat er Mitanreil an dem Verdienst der neuen Epoche. Was er damals, mit Recht, an§- ^schlug — die ihm angebotene deutsche Kaiserkrone *— hat fein Bruder ans der Hand der deutschen
Fürsten angenommen: es erstand bad neue deutsche Reich, lebenskräftiger dem» je. Deß find wir Gegenwartsmenscheu Zeugen, die wir die herrliche Entwicklung deS neugeeinten Deutschlands sehen, eine in der kurzen Zeitspanne eines halben Säku- Iums unerhörte Entwicklung! ,®ott gebe Dir Kraft zu Deinem schweren Amt!" war das Gebet der Königin Elisabeth am 2. Januar 1861; es ist herrlich erhört worden.
4* Die Verleihung zahlreicher OrdenSauSzeich- nungen an Offiziere und Mannschaften deS Berliner Polizeikorps veröffentlichst der ,RelchSanzeigeri.
— Zum SnteignungSgesetz schreibt die ,Nordd. Allg. Big.':
„Die .Neue Gesellschaftliche Korrespondenz' hat behauptet, es stehe nunmehr fest, daß in der Ostmarken. Politik daS Enteignungsoesetz nicht zur Anwendung gelangen werd'«. Diese Nachricht iS selbstverständlich salsch. Die Staatsregierung trifft leine allgemeine Entscheidung, durch die ein von ihr selbst herbe» geführtes Gesetz annulliert würde. Beschlüsse über spezielle Fälle, in denen die Anwendung deS EnteignungsrechtS in Frage kommt, stehen noch a u s."
Zt» dm Protesten gegen di» Wertzuwachssteuer bemerkt die .Kreuzzlg/:
Die Mehrheitsparteien deS Reichstags werden fich durch vereinzelte Opposition nicht von ihren Bemühungen abschrecken lassen, die Reichrsinanzreform, deren letztes ausgeschobeneS Stück die Wertzuwachs- steuer bildet, zu einem glücklichen Ende zu führen. So viele Bedenken im einzelnen bestehen mögen und auch von uns vorgebracht sind, so können diese doch die Einsicht in die Gerechtigkeit und Notwendigkeit einer solchen Besitzbesteuerung nicht erschüttern. Die angeblichen schweren wirtickastlichen Nachteile, die die Steuer mit sich bringen soll, werde» aller Wahrschein- lichkeik nach ebensowenig zur Wirtlichkeit werden, wie die Prophezeiungen über den Untergang der Brau- und der Tabakindustrie, von denen die letztere bereits jetzt wieder zu einer vollen Erholung gelangt ist und die erstere aus einen geradezu glänzenden Abschluß für das verflossene Jahr zurückblickt.
An die angeblich schweren wirtschaftlichen Nach- teile der Wertzuwachssteuer glauben auch wir nicht. Wie gerecht aber eine solche Steuer ist, ersteht man wieder aus einer Auskunft der Berliner Terrain* und Baugesellschaft. Aus irgend einer Ursache gingen die Kurse der Attien jener Gesellschaft stark zurück. DaS veranlaßt die Verwaltung, die M t* teilung in die Oeffentlichkeit zu bringen, daß die Gesellschaft im verflossenen Jahre für zirka acht Millionen Mark Terrain vertäust hab«, wobei em Nettoverdienst von 21/« Millionen Mark erzielt worden fei. Da sieht man, wie die Gnmdstückpreife und damit natürlich auch die Mieten in die Höhe getrieben werden. Nachher heißt es dann: Die hohen Arbeiterlöhne machen die Woh* nrmgen teurer! Also em Reingewinn von über 45 Prozent, da in kürzester Zeit mit 51/« Millionen Mark Ankaufspreis 21/* Millionen netto verdient worden sind.
* Freifahrt«Ordnung für die Eisenbahn- Beamten. Die amtliche ,Berl. Korresp.' schreibt: „Verschiedene Zeitungen teilen mit, daß vom 1. Januar 1911 ab die grundsätzlichen Bestimmungen der Freifahrt-Ordnung hinsichtlich der Benutzung der einzelnen Wagenklaffen durch die Eisenbahn-Beamten geändert werden sollen. Diese Mitteilung trifft, wie wir von zuständiger Seite hören, nicht zu. Derartige Aen- berungeit stehen nicht bevor.
X Schiedsgericht für daS Baugewerbe. Im Reichstag traten am Donnerstag die Delegierlen der Arbeitgeber- und Arbeitnehmerverbände zusammen, um unter Vorsitz des Geheimen Regie- rungSralS Wiedfeldt ans dem Reichsamt deS Innern die Konstituierung des zentralen Schiedsgerichts für daS Baugewerbe in die Wege zu leiten, dessen Bildung durch den im Sommer v. Js. abgeschlossenen Hauptvertrag vorgesehen worden war. Neben de« Delegierten bet Arbeitnehmer- und Arbeitgeberverbände fungieren all Unpa- teiischeOberregierungsrat Mayr (München) und MagistralSrat Wölbling (Berlin). — Dre Versammlung für die Bildung deS SchievSgerich- 1eS für daS Baugewerbe hat am Freitag nachmittag ihre Beratungen beendet. DaS Schiedsgericht ist nunmehr konstituiert und wird Ende deS Monates Gelegenheit haben, in einer eigenen Tagung gelegentliche Streitpunkte zu behandeln.
4~ Graf Pofadowsky hat an den Heraus- gebet bet Zeitschrift „Der Volksetzieher", Wüh. Schwaner, auf dessen Aufforderung, eine Reichs- tagskandidatur anzunehmen, ein Schreiben gerichtet, worin er sagt, daß feine eigenen Wünsche unter den gegenwärtige! Verhältnissen auf kern Mandat gerichtet seren und er jede Beteiligung cm einem Wahlselbzuge ablehnen müsse. „Wollen mich aber", so bemerkt Graf Posadowsky, „gewisse einflußreiche Gruppen al- Zählkandidaten auffteHen, um der Uebereinflimmimg ihrer eigenen llederzeugung mit meinen so oft erklärten politischen Ansichten Ausdruck zu geben, so habe ich dagegen keine Bedenken."
»*» Der Hausabnnd demaskiert sich. Die Breslauer Ortsgruppe des Hansabundes hat den freisinnige« Blättern In Breslau eine Erklärung zugehen lassen, in der bemcrft wird, der Mittelftauds- kaudidat Vogel (bekanntlich ein Zentrumsmann) fei bei der Breslauer Landtagsersatz vahl deshalb nicht vom Hansabuno unterstütz! worden, weil er die Aufforderung, die Richtlinien des Hansa- brmdes anzuerkenneu, «»beantwortet gelassen und die Hauptredner einer Versammlung für sei« Kandidatur den Hansabnud hab« angreifen lassen, oh«, Verwahrung dagegen einzulegen. Zu dieser Erklärung bemerkt die ,Schles. Morgenztg/:
»Zur Steuer der Wahrheit sei hierzu zunächst fest, gestellt, daß der Hansabund, der zunächst etgentitd) gar lehre Veranlassung harre, tu den Streit der Breslauer
Parteien bei der hiesigen Landtagsersatzwahl einzn- greifen, sondern der fernem Programm gemäß über den Parieren stehen will. selbst zugrbt. den Kandidaten der stersinnrgen Bolksvartei mit feinen Mitteln, d. h. also auch durch ferne pekunräre Beihilfe unterstützt zn haben. Es ist dies für die Beurteilung der freisinnigen Wahlagitation und Wavlerfolge wertvoll. Sodann sei daran erinnert, daß der Hanfabnnd fich vorgenommen, bei den Wahlen solche Kandidaten zu unterstützen und in das Parlament zu bringen, die dem erwerbstätigen Mittelstände, dem Kausmanns- und Handwerkerstände angehören. Dieser Borbedingung entsprach Herr Kaufmann Franz Bogel im vollsten Maße, nicht aber Herr Ehlers. Zur Charaktertsserung aber der jetzigen Veröffentlichung der Breslauer Ortsgruppe deS tansabundes sei mitgeteilt, daß deren Vorsitzender, err Fabrikbesitzer Deier, Herrn Kaufmann Vogel vor dessen Aufstellung als Kandidaten der rechtsstehenden Parteien mehrfach zum Beitritt in den Hansabund aufgefordrrl und ihm sogar einen Sitz st» Vorstand der hiesigen Ortsgruppe angeboten, ihn also in jeder Weise würdig gefunden hat, eine hervorragende Stellung im Haniabnnde zu bekleiden. Nach dielen Feststellungen bemrßt sich der Wert obiger Erklärung der hiesigen Ortsgruppe des HansabundeS. Es ist notwendig, dies zur Aufklärung der öffentlichen Meinung auszusprecheu."
Dre Breslauer Landtagswahl hat dem Hansabund Gelegenheit gegeben, ferne neutrale Maske zu lüften. Die vorstehende Erklärung deS Breslauer Blattes dokumentiert für jeden, der noch zu sehen vermag, daß es dem Hansabund weniger um den Schutz von Handel'und Gewerbe, als um die Wahrung der parteipolitischen Interessen der Liberalen zu tun ist.
-r- Der evangelisch« Bund. Die ^reuzzeitung» verzeichnet eine zustimmende Aeußerung der.Deutsch. Voltsztg/, des deutsch-hannoverischen Parteiorgans in Hannover, zu der von ihr eingelegten Verwahrung gegen die konfessionell« Verhetzung der Nationalliberalen und bemerkt dazu:
„Es gibt ernstlich zu denken, daß der Evangelische Bund gerade bet den bekenntnistreuen evangelischen Christen so vielfach Anstoß erregt, während er sich des schrankenlose» Beifalls der Liberalen erfreut."
Das haben wir immer betont, aber es ist erfreulich, daß man daS auch in evangelischen Kreisen immer mehr emsteht.
— Reichstags-Ersatzwahlen. Für die Reichl* tagS-Ersatzwahl m Kempten - Jmmenstadt stellten die Liberalen als Kandidaten den LandtagS-Abg. Dr. T h o m a-AugSburg und die Sozialdemokraten den Schreinermeister Götz er-Kempen auf. — Im Reichstags. Wahlkreise Frankfurt I • Arns- walde - Friedeberg beschloffen die Konservativen, den früheren Gouverneur von Deutsch-Südwestafrika, v. Schuckmann, den bekannten Gegner der Dernburg'schen Kolonial:Polttik, als Kanbi- baten aufzustellen. Gegenwärtig wird ber Wahlkreis von Herrn Bruhn (Deutsche Reformpartei) vertreten, der im Jahre 1907 mit 13,059 Stimmen von etwa 17,000 abgegebenen Stimmen gewählt wurde.
d* München, 5. Jan. 1911. Au dem gestern Im Gesellschaftshause abgehaltenen Parteitag der bayerischen AentrumSpartel waren die Delegierten aus allen Ständen und ans allen Landesteilen überaus zaUreich erschienen. Fast alle ReichS- und Landtagsabgeordneten der ZentrumSpartel, bar- unter auch ber Vorsitzende der ZentrumSfraftion deS deutschen Reichstages. Drf Frhr. v. HertllnK nahmen teil. Abg. Dr. v. Doller hob in feiner Eröffnungsansprache hervor: Unsere feste Zentrumsstellung fordert nnS auf, treu und standhaft zusammen» zuhallen, um unseren Turm zu schützen und um Wetter unsere Tätigkeit von da au« zu entfalten, nach unseren Grundsätzen zu handeln im Jntereff« unserer heftige» gemeinsamen religiösen Sache, unserer hl. Kirche, unsere« geliebt« Vaterlandes, de« wetteren deutschen und de« baverischen, unb im Interesse unse- reS Volkes ohne Ausnahme. Wir treten für alle ei». Die Mittel »nb Wege find je nach den ZeltverhM- niffen verschiebe«. Aber eine« müssen wir festhcftten: treu unb fch in ben Grundsätzen zu sein, Freihett ta zweifelhaften Dingen, gegenseitige Liebe unb Freund» schäft, gegenseitige milde Beurteilung deS Tuns und Lassens ber einzelnen unb Festigkeit im Zusmmuen- totrfen bei all unserer Tätigkeit. Hieraus begrünbete Dr. Lochbrunner die erste Resolution über die Stellung des Zentrums zu ben übrigen Parteien bei den kommenden Wahlen. Stu« ber Versammlung heraus sprachen zunächst bie Abg. Dr. Pichler unb Königbauer, bie in energischen Worten für bie Resolution eintraten unb namentlich darauf hinwiv- fen, daß bie Resolution keine Ausnahme zugunsten ber Saztalbemokratle unb bc« LinkSliberaliSmuS macht. Diese zu bekämpfen Ist bie Pflicht jedes ZentrumSmanneS. E» fand eine lebhafte Debatte statt. Da« Ergebnis war die einstimmige Annahme der Resolution, wonach bie Zentrums Partei beschließt, in der Regel dl jedem Wahlkreis einen eigenen Kandidaten aufzustellen. Im übrigen wird sie nach Tunlichkeit den Erfolg konser- vatwer, bcmernbündlerischer unb anderer rechtsgerichteter Kandidaturen gegenüber liberale» und sozialdemokratischen Kandidaturen zu fördern suche». Nationalliberalen Kandidaturen gegenüber bleibt nach Lage ber Dinge bie Stellungnahme von Fall zu Fall Vorbehalten Sozialdemokratisch« und linksliberale Kandidaturen find aufs entschiedenste zurückzuweisen. Gelgenleisiuug seifen« ber im Wahlkampf unterstützte» Partei wird vorausgesetzt. Sodtmn sanden »och drei Resolutionen Annahme, worin ber Parteitag ben Kampf gegen bie Sozialdemokratie als eine ber wichtigsten Aufgaben bet Gegenwart bejetdjnet unb fich, wie bie beiden Kammern des Landtages, gegen das Skreckrecht bet Eisenbahnbedienstete» ausspricht. I» ber Resolution über bie Schulfrage heißt eS: »Wir treten errtschleben für brekonfessloaelle Volksschule ein. Wir fordern ungefebmälerte Srhaldm« der geistlichen Ort«- und DistriktSaufficht über die Volksschulen. Wtr verlangen bie Erhaltung ber griff, lichen Orts aufsicht und deS Religionsunterrichts auch für bie Fortbildungsschulen."
Ausland.
*» Gegen das deutsche Kaligesetz. Des kalifornische Senator Flink ersuchte den Präsidenten Tast, den Martmalzoll gegen Deutschland zu proklamieren. Andere Kongreßmitglieder erklärte«, die Kalifrage im Kongreß zur Sprache bringen zu wollen, falls der Präsident bis dahin nicht vorgehe.
Aus Mrche und Schule.
* Limburg, 4. Jan. 1911. Durch Urkunde vom 29. ytooembet wurde der Priester Jofeph Raab auS Limburg aus dem Diözesanverbande zweck- Aufnahme unter den Klerus der Diözese Fulda entlassen.
Konzert deS Mannergesangvereins „Winfridia".
Y Fulda, 7. Jan. 1910.
Die Konzerte der Wmfridia erfreuen sich von jeher der größten Sympathie unserer Bürgerschaft DaS zeigte sich auch gestern wieder, denn trotz ben mannigfachen sonstigen Vereinsfestlichkeiten hatte die Wmftidia em vollbesetztes Haus. Das reich* hallige mit Sorgfalt zusammengeftellte Programm war ganz dazu angetan, die vortrefflichen Leistungen des GetangvereinS, der unter der zielbewußten Sei* lung seines Dirigenten, des Herrn Musikdirekor Leber, fich immer höhere Aufgaben stellt, ins rechte Licht zu setzen. Schon der Eröffnungschar: „ Sängergruß' von Georg v. Eichenfeld, der manch« Schwterigkeiten bietet, ließ die gute Schulung der Stimmen so recht zur Gellung kommen. Ein« durchaus einwandfteie Wiedergabe fanden die mufikalisch reizvolle« Chöre von Joh. Pache „Vergangen" und „Sickles Gedenken". Die vornehme, geschmackvolle Streichorchesterdeglellung erzielt« eine prächtige Klangwirkung. Bei den Männer» chören .Heidenröslein" von Hauptmann, dem feinsinnigen .Frühlrng im Winter" von Breining «nb Dem eigenartigen .altniederländischen Ständchen", erfreute besonder« daS zarte innige Piano und daS gute Erfasse« deS Volkstons. Bei allen Vorträgen wurden die vochcwdenen Schwierigkellen mit Sicherheit genommen. Die Art und Weise der Wiedergabe zeigte, daß die Sänger auch dem musikalschen Charakter der Komposition gerecht wurden. Man merkte an Allem die strafe Disziplin des Dirigenten und deffen geniale Interpretation. Besonders trat dieses bei der Schlußnummer recht deutlich hervor. Der imposante Chor „Gelöbnis" von Meyer-Olderl- leben mtt Orchesterbegleitung fand eine glänzend« Wiedergabe. Die schöne Zusammenwirkung bei Chors und Orchester-, der srifche, markige Klang der Stimmen und die feinfühlige Rüancierung, bi« deutliche, eine gute Schulung verratende Aussprache und daS geradezu mustergilttge Legato, vereinigten fich zn einer erstklassigen Leistung, zu der wir der wackeren Sängerschar und chrem ausgezeichneten Dirigenten gerne den vollsten Beifall spenden.
Auch die Solisten, die der Verein herangezogen hatte, trugen ihr gut Teil zum Gelingen deS genußreichen Abends bet Die Opernsängerin Fräulein Dich Fritz vom Etadttheater in Mühlhausen t <8. sang werft die im elegantesten Koloraturstil geschriebene Arie der Philine au8 „Mignon". Die Künstlerin «ahm die schwierigsten Verzierungen mtt spielender Leichtigkeit. Ihre glockenreinen Kopftöne, ihr langer Triller vom zarten Piano bis zum Fort« verrieten die dnrchgebftdete Koloratursängerin. Di« Lieder von Brahms, Hofmann, Frommer rc., bi« fi« bann fang, waren geschickt gewählt und gaben unS Proben ihres künstlerischen Könnens und Empfindens. Ihre umfangreiche Sopranstrmme besitzt einen angenehmen Timbre, chr Vortrag ist ansdruckS« und temperamentvoll und zeugt von musikalischer Intelligenz.
AIS eine Meisterin auf ihrem Instrument erwies sich die Cellistin, Fräulein Lotte Hegyesi aus Köln. Mtt einer klaren, schönen Bogenführung verbindet fich tiefempftmderres Spiel, vollendete Technik unb eine wunderbar klangreiche Ranttlene. Gleich bei der Sonate von Dlarcello gab sie eine Probe ihrer gereiften Kunst. Dan» folgte ein melodiöses Andante und ein feuriger CzardaS, bei dem sie, ebenf« rote bei dem Scherzo var» Goens, ihre große Fingerfertigkell zetg.e. Später fpielte sie noch von dem «iftreichen Samt Sains: „Le Cygne", ein« hübsch« Tonmalerei unb ein zierliches Menuett von
Die Klavierbegleitung hatte Fräulein Ilse Deeck«, Lehrerin an der Diustkfchut« des Herrn Direttor Leber übernommen. Sie führte Ihren Part mit weiche«, elastischem Anschlag und feinem Kunstempfinden, sich stets der Solistm aufs Innigste an# schließend, durch.
Untere Artilleriekapelle stellte bas Orchester, das feine Aufgabe mit bekannter Bravour löst«. Ganz besonders muffe« wir «och die Streicher her» vorheben, die bei ben beiden Männerchören von Pach« bte Begleitmusik feinfühlig und stimmungsvoll auSführre«. Rach dem Konzert fpielte bie Arlillerie- kavelle ejalt «nb mit wodttueuder Präzision ein« Anzahl erlesener Kompositionen, bie einen schöne« Abschftlß deS höchst genußreichen Abends bilderen.
Lokaler.
Fvlda, den 7. Januar 1911.
W Die kathol. Männergeschast M. N.
beging, allerLrabttwn gemäß, am gestrigen DreckönigS- tag ihr Sastungstest. 45 Jatzrr waren gestern fett der Grünomig deS M. 3. verstosse», nr.3 deshalb war es dm Mitgttedern Herzenssache, in erster Stute Gott bie