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Zeitung

2. Blatt.

nl Verlag btt Selbe« Actiendruckerei i* Salb«

yp Häckels endgültiges Eingeständnis der Bildersälichung.

„Snndakion" heißt die neueste Broschüre Häckels. Man ist stark versucht, „Skaudalion" darauf zu rei­men. Mtt großem Tropetenstoß hat der „Knie Frank­furter Verlag" die Reklame eingeleitet. In einem Aufruf zu einer Häckelspende hat er geschrieben: „Sein (Heckels) Austritt aus der Kirche und die Hiebe, die er in seiner neuesten Schrift gegen seine Feinde austeilt, wird alle reaftionären Instinkte, wird das ganz Rudel seiner Feinde aufs neue gegen ihn auf den Plan rufen."

Tiefe Weissagung — das können wir jetzt nach Durchsicht des Machwerks sagen — wird nicht in Er­füllung gehen. Wohl zeigt fich Häckel hier wieder als der unübertreffliche Meister im Schimpfen, als welcher d« alte Polterer bekannt ist. Das nimmt niemand ernst und den von Häckel Beschimpften ge­reicht das Toben des wilden Mannes nur zur Ehre; denn es ist der deutliche Beweis, daß ihre Hiebe, die sie Heim Häckel haben zuteil werden lasten, „sitzen". Eine ganz andere Wirkung aber wird diese Broschüre haben. Sie öffnet jedem, der noch denft, — was allerdings bei den fogenaiuüen Freidenkern und eigentlichen Lesern der Sachen aus dem „Reuen Frankfurter Verlag" nicht der Fall ist —, die Augen über Häckels „wiffenschaftliches" Arbeiten und seine Nachhilfe, mit denen er unbequeme Tatsachen seinen Zwecken dienstbar macht.

Die Broschüre soll eine Widerlegung der gegen Hackel erhobenen Anklagen des Fälschens von Zeichnungen sein! Daß er, um Beweise für seine Aufftellungen zu bekommen, einfach dem Leser etwas vorgezeichnet als in der Natur wirklich vorhan­den, während es nur in Häckels Phantasie existierte! Wer sich solche Anklagen machen lassen muß, hat allerdings Grund, sich zu verteidigen und die Ankla­gen als jeder Unterlage entbehrend nachzuweisen. Aber ach! eine solche Verteidigung! Zwar versichert Häckel seine Leser, „es würde ein dickes Buch geben, wollte man alle diese „Irrtümer" untersuchen, richtig­stellen und widerlegen" (S. 16), aber von diesem dicken Buch bringt er gar nichts. Ja wirklich: auf den 55 Seiten der Broschüre findet sich nichts, wirklich gar nichts, was einer Nechtferti- gung ohne Widerlegung auch auf Sternendistanz ähnlich sähe! Um diese jämmerliche Hohlheit zu ver­bergen, schimpft Häckel die seine Gegner „Jesuiten". Offenbar kennt er seine Pappenheimer und weih, daß ihnen, wenn man das Wort „Jesuit" nur anklingt, aller Verstand zum Kuckuck geht und nur wilder Zorn Platz greift, bei dem man darm die Schwäche der Häckelschen Ausflüchte nicht wehr sicht.

Häckel entrüstet sich wieder einmal über den an­geblichen Jesuitengrundsatz, daß der Zweck die Mit- tel heilige. Offenbar weih Häckel nicht, wie das Verhalten eines Mannes ist, der nach solchem Grund­satz handelt So wollen wir ihm ein Beispiel vor Augen stellen, an dem er das genau studieren kann. Unter dem Datum 25. November 1910 hat ein Mann in Jena in einer Zuschrift an das famose „Freie Wort" Gründe für feinen Austritt aus der Kirche aufgezählk, und da liest man:

9. „Nachdem ich so seit mehr alä 50 Jahren aus reinster Ueberiettgung von den Glaubenslehren des Christentums mich innerlich ab gelöst hakte, wäre es nun folgerichtig gewesen, dieser Erkenntnis auch äußerlich durch Austritt ans der evangelischen Kirche angemessenen Ausdruck zu geben; ich unter- lies- diesen letzten Schritt lediglich ans ”6 cf ri d, f auf meine Familie und auf liebe Freunde, denen ich dadurch schweren Kummer und ,ruch 2 chad eir zugesügt haben würde."

, Dieses Schreiben mit feinem Bekenntnis zu dem Sah, daß der Zweck das Mittel heilige, trägt die Unterschrift — Ernst Häckel. Da ist jedes weitere Wort überflüssig.

Und nun, was hat Häckel auf den Borwurf der Rasführung seiner Leser durch gefälschte Bilder zu erwidern? Wie schon gesagt, n i ch t sI Um zweierlei hat es sich in jenen Anklagen gedreht, um Fälschung der Zeichnung eines „Sandalm"keims und um Fäl­schung von Embry-onmbildern. Auf diese Anklagen kommt Hücke! auf nur ganz ivenigen Seiten zu fpre- chen und er bekennt, „Veränderungen" bor­gen e m m tu zu haben, aber zu dem Zweck des bes­sern Verständnisses! Mau beachte, daß es nach Häckel, wenn er über Jesuiten schimpft, eine scheußliche ---9'

Ci« gefährliches Geheimnis.

G71 ■ Hernan in zwei Bänden von Charles Read«.

Er sagte hch aber,, daß er erst spät nach Haus konmren würde, und schickte darum ein Telegramm <m Mary Barney, das nut die Worte enthielt: „Gast- ''ürt mit Armband zu Ihnen unterwegs", und mit dem Namen der Wirtin unterzeichnet war. Er fürch- tete, mehr zu lagen, obwohl er auf der andern Seite ffeine junge Frau gern zur Vorsicht ermahnt hätte Aber er verließ sich auf ihre natürliche Klugheit stieg so bald als möglich wieder zu Pferde und ritt nach HmlS. Dennoch kam er mit genauer Not zu der üb­lichen Cstenszeit zurück und eilte, da der Oberft auf pünkilichkcit hielt, ohne Aufenthalt in sein Schlaf- jmnncr, fich eilig umzukleiden.

John Baker erschien mit seltsam befangener Miene. , Dielle würde mich jetzt nicht um=

heben. Mr. Walter" sagte er.

„Warum denn nicht?" fragte Walter „Willst Du etwa, daß ich zu spät zum Esten komme?"

„Nein, Sir", antwortete der alte Diener. „Aber Herr Oberst wünscht Sie sofort im Wohnzimmer Ui sprechen."

Walter war jedoch durch alles, was er heute er- k&t hatte, feines Vaters Unfreundlichkeit gegen War!? und ihn selbst, seinen hastigen Ritt usw., erregt

Geärgert. „Nein!" brach er hastig los, „ich werde licht hmuntergeaen; ich habe es satt, gescholten und |e|d)j,i:iieiftert zu werden und mein geliebtes Mädchen • Und nun soll ich auch noch

eine -traspredigt anhoren! Du magst sagen, ich fühle mich nicht wohl, und brmgft mir mein Esten hierher."

„9? em, Mr. Walter, das dürfen Sie nicht ver­langen", gab der alte Mann in ernstem Tone zur Antwort. „Sie brauchen nicht zu fürchten, Sir, daß man Sie ausschelten oder das Kind, das Sie lieben, ^leidigen will — das ist für immer aus und vorbei. Seit e?ie hier vom Siasshose weggeritten sind, haben sich allerhand wichtige Dinge zugetragen, und darum rate ich Ihnen, so schnell als möglich zum Herrn

Moral ist, nach dem Sah zu handeln, der Zweck hei­ligt das Mittel!! Solche „Verbefferungen" vorge­nommen zu haben, gibt Häckel zu bet der Zeich. tuing eines Sandalion nach dem Grafen Spee:

„Ich habe die zufällige Asymmetrie (Ungleichheit) beider KörperdSlsten ausgeglichen und den störenden Nest des mrhSngenden DotlerfackeS sowie den Bauch, fltel und das Bruchstück der unten anhängenden Zottenhaut, die gar keine Bedeutung für die bleibende Rörpersorm besitzen, weggelaffen" (S. 43) . . . . „Wie mtt dem Sanbaiton, so verhält es fich auch mit den anderen EmdryouenbUdern, die ich „gewiffenslos" ge* lälichr Haden soll; fie sind Schemata oder Diagramme, tn denen die absichtliche Lerbeffetung deS unzureichen. den Originalbild- lediglich dazu dienen soll, da- schwierige Berständnis des Objekts dem Leser zu er« leichtern" (S. 45).

Das ist alles, was Häckel zur Sache zu sagen weiß! Jetzt gibt er zu, schematische Zeichnungen vorgelegt zu haben. Solche Zeichnungen finden sich auch in den Lehrbüchern anderer, aber bann sind diese so ehrlich, das auch dem Leser zu sagen. DaS aber hat Häckel stets Unterlasten! Das ist ihm sofort ent­gegengehalten worden, als er mit dieser windigen Ausrede zuerst kam. (Vgl. „Frankfutter Zeitung" Nr. 26 1909.) Und auch jetzt muß er sich sagen lasten:

„Schematisteren, ändern und konstruieren ist erlaubt tüt den, der sagt, was er tut Aber es geht nicht an. Dem Laien, der nicht weiß, waS er vor sich hat, solche Bilder ohne eine Bemerkung vorzusetzen, die ihn darüber auttlärt, rote sie zustande gekommen. Daß die Forde­rung erfüllt werde, muß festgehalten werden.....

Zusammen saftend roh 6 getagt werden müssen. Diese Broichüre enthalte weder 'Argumente noch Tot­lachen, die einen neuen Gesichtspunkt für Beurteilung Der Angelegenheit eröffneten. Vielleicht wäre sie bester nngeschttedeu geblieben. Denn bringt sie auf der «men Seite ihrem Berfaffer schwerlich Nutzen, so scheint fie doch geeignet, die Gegner zu neuen Angriffen zu reizen." (Teichmann in der .Franks. Zig/ Nr. 348.1

Damit könnten wir von dem Fälscher Häckel Ab­schied nehmen, wenn nicht noch seine Broschüre wegen ihres anderen Inhalts den Widerspruch herausfor- dette. Häckel fälscht nämlich nicht nur Bilder, son­dern auch Ideen und Lehren anderer Natursorscher. Seite 17 redtt er Wiede einmal von dem alten Un­sinn, das Christentum habe das alte geozentrische Weltsystem angenommen, d. h. die Vorstellung, daß die Sonne sich um die Erde drehe, dann aber fähtt er fort: Die drei großen Astronomen (Koperniius, Galilei, Newton) errichteten auf dem untrüglichen Fundamente der Mathematik den festen physikalischen Ban unserer modernen monistischen Weltan­schauung" . . Wai rlick, schlimmer kann man mit der Wahrheil nicht umspringen, als wenn man Männer, die rückhaltlos ihr christliches Glaubens­bekenntnis ausgesprochen haben, zu--Monisten

machen w U.

Diese Fälschung ist Bei Häckel übrigens gar nicht neu! Im Jahre 1907 hatte er seine Schrift heraus­gegeben: „Das Menschenproblem und die Herren­tiere von Linnö", in der er den großen Naturforscher für seine Affenabstammungslehre in Anspruch nahm, denselben Linus, der dem Mmschen zurust: „er soll bedenken, daß er von Gott geschaffen sei, daß er von ihm in den Erdball eingeführt sei, als in den Lehr- faal des Allmächtigen, um mit seiner Vernunft die Welt zu bettachten, damit er aus dem Werke den all­mächtigen Schöpfer, den allwissenden, unmdlich ewigen Gott erkenne"!!

Ebenso fühtt Häckel in dieser Broschüre den Em­bryologen Karl Emst v. Baer als Helfer an, und wer sich einmal über Baer orientiert hat, weiß, daß jener es sich allen Emstes verbitten würde, von einem Häckel als Bundesgenossen hmgestellt zu werden!

Seite 35 nennt Häckel die Namen His und Keibel als Männer, die besonders Gewicht auf peinlichste Genauigkeit der Abbildungen legen. Der Kenner der Namm lacht über diese Att und Weise, wie hier Männer erwähnt werden, die in den allerschärfsten Motten gegen Häckel sich ausgesprochen haben. Ist es doch der erstgenannte His gewesen, der im Jahre 1875 Häckel als Fälscher entlarvt hat und damals schtteb:

„Es beibt das Verfahren von Professor Häckel ein leichlserttges Spiel mit Tatsachen, gefährlicher noch als das früher gerügte Spiel mit Worten. . . Ich fefbft bin im Glauben ausgewachsen, daß unter allen Qualifi­kationen eines Naturforschers Zuverläsfigkeit uni) u->be- dingte Achtung vor der tatsächlichen' Wahrheit die einzige ifl, welche nicht entbehrt werden kann. Mögen

..................... ■im mim isa

daher auch andere in Herrn Häckel den tätigen und rückstchtSloten Parteiführer verehren, nach meinem Urteil hat er durch die Art seiner Kampfführung selbst auf daS Recht verzichtet, im Kreis, ernsthafter Forscher als Ebenbürtiger mitzuzählen."

Nicht minder scharf hat der an zwetter Stelle ge­nannte Selbe, Professor in Freiburg i B., da» Todesurteil über Hackel gesprochen. Er schtteb sei­nerzeit in der „Deutschen medizinischen Wvchen- schrist" über die Angriffe von Dr. Braß auf Häckel:

„Nach dem eben Ausgeführten ist als festgestellt zu betrachten, daß Häckel tn vielen Fällen Embryonen entweder frei erfunden ober Abbildungen anderer Autoren wesentlich adgeändert rotebergegeben hat, und zwar nicht nur bann, roenn es galt, Lücken durch Hypothesen auszufüllen, und auch ohne anzugeben, daß es sich um Schemata und hypothetische Formen handelt. Weiter ist feftzustellen, daß in unfern guten Hand- und Lehrbüchern so nicht verfahren wird und daß ein solches Bersahren als durchaus unroifienschajtlich zu bezeichnen ist. Mindestens für ebenso unzulässig hatte ich eS, in populären Darstellungen solche Bilder zu geben. Braß hat also feine Borwürie gegen die Häckelschen Ernbryonenbilder im wesentlichen zu Recht erhoben. „Fälschungen", wie Braß es tut, möchte ich fie nicht nennen, weil Häckel zweifellos tn gutem Glauben ge­handelt hat. Die Phaniafie und der Fanatismus des Religionsgründeis läßt ihn die Dinge so sehen, wie er fie darstellt." (Vgl. Teudt. Im Interesse der Wissen­schaft. S. 45. Schrine-w erlag des Keplerbundes.)

So hat denn Häckel seine wissenschaftliche Lauf­bahn so beschlossen, wie er sie begonnen hat: mtt einem Bankrott tn den Kreisen aller misten Forscher.

Deutsches Reich.

* Eine deutliche Absage an die National» liberalen. Slaatsminister a. D. v. Köller erklärte auf dem pommerschen konfervaliven Parteitage: „Wenn eS der alle National» liberalismus noch wäre, nicht der von Baffermann bis Bebel, dann wünschte ich ihm bei den nächsten Wahlen recht viele Sitze. Aber wo er bloß Füll r für die Linke ist, Fuller für die Sozialdemokratie, kann ich in der Stich­wahl einemNationalliberalen die Stimme nicht geben."

)( Die Arbeitskammervorlage scheint nun doch zustande zu lommen; es hat sich bereits ein gangbarer Weg hiersür gefunden, um die Ar-eitersekret äre in die Kammern gelangen zu laffen.

Ausland.

♦* Absichten der französischen Freimaurerloge. Wie wir nach dem ,<$cloir' mitteilten, beabsichtigt die Großloge der Freimaurer vorn schottischen R tus, daS frühere Kloster des aufgelösten Oblatenordens anzutaufen, um dieses in ein freimaurerischen Zwecken dienendes Haus umzuwandeln. Das Kloster, das über eine Million Francs gekostet hat, wurde bekanntlich für ungefähr 230000 Francs feilgeboten. Diese Absichten der Loge sind nicht nett Schon vor Jahren hat sie ähnliche Absichten auch auf die Kirchen ausgesprochen und bereits An­sichtskarten verbreitet, auf denen sich an den hervor­ragendsten Kirchen Theaterzettel und andere auf die neue Bestimmung der Kirchen nach frei- maurerischem Willen hinweisende Plakate angebracht waren. — Diese Dinge beweisen, daß der heilige Vater durchaus das richtige traf, als er die Bil­dung von Kultusgemeinschaften verbot. Sie hätten nur dazu dienen sollen, den Freimaurern das ®e« schält zu erleichtern.

*■* Die Rente für die Köiiigin-Mutter von Portugal. Das Mmisdtatck veröffentlicht einen Regierungs- etlay, oep her Ztaatsverlrag zwischen Italien und Portugal über die Rente der Königin-Mutter Maria Pia erst nach dem Zusammentritt des portugiesischen Parlaments abgeschlossen werden kann. Einstweilen tollen der Königin-Mutter monatlich zwei Kontos Rers (9071,40 Mark) gezahlt werden.

** Russische Spitzbübereien und kein Ende. Bisher waren Betrügereien und Diebstähle nur im wirt­schaftlichen Ressort des Marinewesens konstatiert, jetzt sind auch aktive Marineoffiziere unter

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Oberst hinunterzugehen und sich alles erzählen zu taf­fen. Soviel darf ich aber wohl uerraten, daß Ihre Liebste nicht Mary Battley heißt, sondern die Toch­ter des Mr. Hope Ist."

„Wie wäre das möglich?" rief Walter in höchstem Erstaunen.

„Es Ist nicht daran zu zweifeln, Sir", antwortete der Alte; „ich glaube auch, daß es herausgekommen Ist, wie es mit Ihnen und der jungen Dame steht Das schadet aber gar nichts, denn der Herr Oberst hat jetzt, wie Sie sich leicht vorstellen können, eine ganz andere Ansicht von der Sache. Er schwärmt geradezu für Miß Mary. Wie das zugegangen ist, weiß ich nicht zu sagen, denn ich bin nicht dabei gewesen, Sir, aber als ich den Herm Oberst ankleidete, sagte er zu mir: John, fie Ist das großherzigste Mädchen in Eng­land, eine Ehre ihres Geschlechtes ... von dem Blute Battleh's Ist auch nicht ein Tropfen in ihr."

„Wirklich, hat er das herausgefunden," rief Wal­ter. „Wenn es so steht, will ich mich mit Windeseile zu ihm verfügen, der liebe alte Junge! Das also Isis, was er mir sagen wollte?"

„Nein, das nicht", antwortete John Baker mit großem Ernst.

„Nicht, was denn?" fragte Walter.

„Etwas sehr Trauriges."

„Trauriges!" wiederholte Walter erstaunt.

„Ja, mein armer junger Herr", sagte Becker teil- nahmvoll „Es ist so traurig, daß Ihr Herr Vater weder mir, noch einem anderen Menschen erlauben will, es Ihnen mttzutellen — er selbst will Ihnen dabei mit seiner väterlichen Liebe zur Seite stehen. Ich kenne meinen Herrn; seit bet Kerl, der Battley, hierher gekommen ist, hat er sich von seiner schlimmsten Seite gezeigt; von jetzt an werden wir ihn wieder von der besten sehen. Gehen Sie zu ihm, liebet Mr. Walter; verlieren Sie keine Zeit mehr mit dem alten John . . . gehen Sie zu Ihrem Vater, bet Ihr bester Freund tft."

Walter Clifford warf noch einen Blick voll ängst­lichen Erstaunens auf den alten Diener, dann ging er in das Wohnzimmer hinunter. Sein Vater stand

dott mn Kam in feuer und kam mit aus gestreckten Hän­den auf ihn zu.

„Mein lieber Sohn!" sagte er.

„Lieber Vater", flüsterte Walter, „was ist ge­schehen?"

„Hast Du noch nichts gehött?"

„Nur Gutes, lieber Vater! Daß Sie jetzt mit meiner Wahl einverstanden sind."

„Aha, das hat Dir John verraten "

„Ja, Sir."

„Und hat er Dir sonst nichts gesagt?"

„Rein, Sir; nur darauf hingewiesen, daß mich ein Unglück bedroht und daß mein Vater herzlich Anteil daran nimmt"

„Das tut er", antwortete der Oberst. „Wollte Gott, Ich hätte die Wahrheit früher erfahren. Das junge Mädchen ist nicht Battley 8, sondern Hope's Tochter; ihre Vorzüge stehen ihr auf dem Gesicht ge­schrieben; sie ist edel, aufopfernd, gerecht und mutig; sicherlich kann sie auch ihren Aufenthalt im See-Hotel in-Gesellschaft eines Mannes in befriedigender Weise erflären. Alles, was dies junge Wesen sagt, kami man unbedingt glauben. Das Isfts also nicht, was mich Deinetwegen ängstigt, vielmehr ist alles Den- artige vergleichsweise von untergeordneter Bedeu­tung; denn wer weiß, ob wir Ihr süße» Angesicht je­mals wieder sehen, Ihre Stimme jemals wieder hören."

„Vater!" fiel Walter zitternd ein, „Sie erfüllen mich mit Entsetzen . . . Dies Versagen Ihrer Stim­me, die ich noch niemals beben hörte ... Es muß etwas Schreckliches geschehen sein .... sagen Sie mir, was es Ist ... . ohne Umschweife."

„Lieber Walter", antwortete der alte Mann, „steh fest und verzweifle nicht — noch ist Hoffnung vor­handen "

„Dank für das Wort, lieber Vater! Aber nun sagen Sie mir alles."

„So höre denn, Walter! In der Kohlengrube hat eine Explosion stattgefunden--eine sehr 6er-

derbliche Exvlosion. Der Fahrschacht ist eingestürzt, so daß vorläufig jede Verbindung mtt dem Innern der Grube unterbrochen ist und bie darin Verschüt­teten in Lebensgefahr schweben. Alle, die mit dem

Anklage gestellt worden, darunter Baron Rhodin, der Kommandeur de» Rietet» „Askold", der 200000 Mk. verichlendert haben soll. Welter ist gegen 11 Kommandeure von Mmenbooten rote Mtli- tärtranSportschrffen ein gerichtliche» Strafverfahren emgeleitet (Einige der Beschuldigten, die wegen ihrer Trunksucht eine große Schuldenlast besaßen, ließen große Posten Zucker für die Marine durch einen Kommissär verschreiben und verkauften sie darauf an Chinesen. 200000 Mk. wurden daran verdient. Der Kommandeur des Transportschiffes „Solgin*, KuSminkararoajero, hat 15000 Alk. ein, gesteckt, die für die Expedition Rjabuschinski auf Kamtschatka angewiesen waren; er ist ebenfalls gerichtlich belangt. Der genannte Herr war wieder­holt aufgefordert worden, seinen Posten zu verlassen und ihn einem jüngeren Kollegen zu übergeben; er ignorierte aber den Befehl, höchst charakteristisch für die dortige Disziplin. — Der Gouverneur von Wladiwostok, General Schigalowski, wurde wegen Unterschlagung von zwei Millionen Rubel verhaftet.

[] Nene Eiserrbah «Projekte in der Borderrhön.

Man schreibt unS:

Das Kali, der Lebensnerv für die wirtfchastliche Entwickelung der Vorberrhön, streckt überall seine „Fühlhörner" burch bie schützenbe Erbrinbe unb ber­langt, trotz allen Bremsversuchen bes Kalishndikates, troff eines Kaligesetzes zum Schutze der wertvollen Bodenschätze, energisch nach neuen Verkehrs­wegen, um sich ber Allgemeinheit dienstbar zu nur chen. Das weitmaschige Sieb der Kaliwerke in der Vorderrhön wird durch die Niederbringung neuer Schächte immer enger. So hat in der letzten Zett die Gewerkschaft Helligenmühle in der Nähe von Ohchsen mit einer neuen Schachtanlage begonnen. Ebenso die Gewerkschaft Butllar. Beiden Unterneh­men fehlt jedoch noch der unbedingt erforderliche Bahn­anschluß.

Die Gewerkschaften planen deshalb die Herstel­lung einer gemeinsamen Grubenbahn von Sech­sen nach Wenigentaft, im Anschluß an bie Strecke Vacha-Hünfeld. Diese günstige Gelegenheit, die Er­schließung neuer Verkehrswege, hoffen nun die in ber Nähe liegenben Orte, möglichst nutzbringend für sich zu verwerten. Die Bewohner des Oechsegrundes er­warten bestimmt, daß die Bahn nur durch ihre Flu­ren geht. Vacha, sowie Völkershausen machen die größten Anstrengungen zur Verwirklichung des letz­ten Projektes und scheuen selbst durch Bereitstellung von bedeutendm Barmitteln vor pefuniären Opfern nicht zurück.

Aus ber anberen Seite regt sich Dermbach unb beansprucht, als Sitz ber oberen Verwaltungsämter des bärtigen Bezirkes endlich aus seinem Dornrös­chenschlaf geweckt zu werden, zudem es bis jetzt immer noch nicht gelungen Ist, die nun fett Jahren leerstehen­den Fabrikräume eines dortigen Wettes wieder neu zu beleben und bie Industrie festen Fuß fassen zu lassen.

Man hat deshalb in Dermbach das alte Projekt Wernshausen - Roßdorf - Dermbach- Äetsa-Hünfeld wieder aufgegriffen, jedoch mit der Abänderung, daß die Einmündung ber Bahn westlich, nicht über Geisa in Hünfelb erfolgt, fonbem mit Rücksicht auf bie Kaliwerke Heillgenmühle unb Buttlar in Wenigentaft enbet.

Zur Verwirklichung dieses Projektes hatte man am 27. Dezember v. I. in Dermbach eine Ver­sammlung aller interessierten Gemeinden einbe­rufen, welche sehr gut besucht war. Herr Bürgermei­ster Sommerburg referierte über das ins Auge gefaßte Projekt und betonte, daß es selbstverständlich Dermbach sei, welches sich die größter! Vorteile Don ber Bahn verspräche. Er führte ferner aus, daß eS ihm auch gelungen sei, eine Eisenbahnbaufirma für das Projekt zu interessieren. Auch wolle die Firma die Finanzierung des ganzen Unternehmens als Privatbahn in die Hand nehmen. Zur Bedingung wurde natiirlich gemacht, daß die in Frage kommen- ben Orte durch ihren Vettehr bie Rentabilität nach­weisen und eventuell noch eine angemessene Verzin- sung des Anlagekapiials garantieren.

Kohlenwerke vertraut find, gebm die Versicherung, daß nur ein geringer Teil der unten befindlichen Ar­beiter durch bie Explosion selbst zu Schaden gekom­men sein dürste; aber sie fügen hinzu, baß sich bei solchen Unfällen giftige Gase zu entwickeln pflegen, baß bie Verschütteten somit ber breifachen Todesge­fahr des Erstickens, ber Blutvergiftung unb bes Ver­schmachtens ausgesetzt stnb.

„Das ist jammervoll", antroortete Walter, „unb ist ein schweres Unglück für Barlley sowohl, wie für die armen Grubenleute, nicht aber für das Wesen, daS ich liebe unb baS Sie schätzen gelernt haben."

„Lieber Sohn", begann ber Oberst noch ernster als bisher, „bas Unglück ist durch Frevlerhand her­beigeführt."

„Ist es möglich?"

„Man glaubt, daß irgend ein Geschäftskonkurrent ober rin persönlicher Feind William Hope's einen Schütten dazu bestochen hat, den Tell ber Wette, ben Hope eben besichtigte, mit Dynamit zu sprengen."

„Gerechter Himmel!" rief Walter, „kann es Witt­lich solche Schütten geben? Armer, guter Mr. Hope! Wer hätte gedacht, baß er auch nur einen Feind be­säße!"

„Ach, bas ist noch nicht alles", fuhr ber Oberst fort. „Seine Tochter scheint e8 mit angehört zu haben, baß ber eine Schutte den andern zu dieser Niederträchtigkeit eckaufte; sie eilte sofort nach ber Kohlengrube, schickte ein paar Arbetter auf bie Fährt« bes teuflischen Anstifters unb fuhr in das Bergwett ein, um ben Vater zu retten "

Walter stöhnte laut auf mb zitterte an allen ©liebem.

„Man hat sie settbem nicht mehr gesehen", fügte ber Oberst hinzu, indem er für einen Augenblick ben Kopf auf bie Brust sinken ließ; bann, indes Walter abermals ausstöhnte, flüsterte er: „Sie kam zu spät, ben Vater zu retten, aber früh genug, um fein Los zu teilen."

Walter sank in bee nächsten Stuhl unb eine töd­liche Blässe verbreitet« sich über des jungen Manne» Wangen, Stirn und Lippen.

(Fortsetzung folgt)