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vrrantw. Redatteur l.v.r A. wrtzler;

ÄäÄs"«- w-ch-obella-e:„IllustrierteSonntagszeitung"

Zeitung

MonatrbeUage: „8uldaer Geschichtrblätter"

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Rotati»»,druckund Verlag du Luldau RL veudnukuet in Luid« Zernsprechu Ur.

Erstes Blatt

Fulda, Mittwoch den 4. Januar 1911.

M 3.

38. Jahrganc;.

veutlcher Reich.

** Berlin, 3. Jan. 1911. Das Kaiser- paar ist am Dienstag von Berlin nach dem Neuen Palais bei Potsdam zurückgekehrt. — Unter dem Vorsitz des Prinzen Heinrich bildete sich gestern in Berlin ein A beitsa sschuß für die antarktische Expedition des Oberleut, nants Filchner. — Dem Gouverneur von Samoa Dr. Sols ist eine außergewöhnliche Ehrung ruteil geworden, indem ihm vom Kalter der per« sönliche Rang als Rat 1. Klaffe verliehen wurde.

** Der Reichstag nimmt, wie bekannt, am Diens­tag, den 10. Januar b. I. seine Arbeiten wieder auf An erster Stelle steht auf der Tagesordnung dieser Sitzung die Interpellation der Fortschritt­lichen Volkspartei, betreffend Aufhebung des Zündwaren-Steuergesetzes. Wie die ,Nmrt- deutsche Allg. Zig/ mitteilt, wird die Interpellation sofort beantwortet werden.

Eine Unverschämtheit sondergleichen ist dir Art und Weise, wie die liberale Presse immusort zu den internen Angelegenheiten der katholischen Kirche ihren geschmacklosen Senf zuzugeben pflegt. Das ,Berl. Ta geb!/ maßt sich jetzt sogar schon an, als Inter­pret der katholischen Dogmatik aufzutreten und dem Oberhaupt der Kirche mangelnde Kenntnisse in der heiligen Schrift vorzuhalten. Mögen die liberalen Blätter sich doch um ihre eigenen Angelegenheiten kümmern und vor der eigenen Tür bleiben, wo sie genügend Treck zu kehren haben. Aus unserem Hause sind sie höflichst hinausgebeten. Das Gleiche kann sich auch der .Reichsbote' merken, der cs für seines Amtes hält, das deutsche Geistesleben von dem „neuen und schwersten Schlage von Rom" schützen zu müssen, der in der Forderung des Antt- modernisteneides von allen katholischen Priestern, auch von denen Deutschlands, bestehen soll. Der ,Reichsbote" möge sich um die Zu stände in der evangelischen Kirche bemühen, wo wahrhaftig der Arbeit genug vorhanden ist. Wir verbitten uns wiederholt mit aller Entschiedenheit, daß protestan- .ische und jüdische Redakteure sich zu Zensoren über innerkrrchliche Angelegenheiten der demschen Katho­liken auswerserr. Vermerkt zu werden verdient auch, daß das fanatische Hetzblatt bereits wieder soweit gekomnien ist, die katholische Kirche und das Zentrum für st aatsge jährlicher zu erklären als die Sozialde- inokratie. Ein erfreulicher Jahresanfang! Wenn jetzt auch die konservativen Blätter in die Rvmhetze einst rannen wollen, dann kann es ja recht schon werden in dem neuen Jahre. Das fehlte gerade noch, daß die Reichstagswahlen ganz in dem Zeichen der konfessionellen Hetze stehen sollen. — Aber viel- leicht muß es noch em gut Teil sch immer werden, !he die bitterste Not die Hetzer zur Vernunft zurück- oriugt. Mag das deutsche Vaterland darüber ver­bluten, wenn nur der fanatische Romhaß seine Be- jriedignng findet.

) Eine i weitere Reform des Telephonwesens plant Herr Staatssekretär Krälke. Alle Ferniprech- teilvehmer sollen eine Legitimation erhalten, die sie zur uukutgelllichen Benutzung aller öffentlichen Fernsprecher innerhalb des Anschlußnetzes be­rechtigen wird. Es kommen jur diesen Zweck allerdings nicht die hier und da ausgestellten Telephonautomalen in Frage, sondern die für den Fernverkehr vorbehaltenen Fernsprechzellen, zu deuen der Schlüffe! am Schalter ausbewahrt wird, von wo er gegen Vorzeigung der Legiti- mationskarte in Empfang genommen rverden kann. Die Benutzung der Legitüuationskarte ist freilich so umständlich, daß die Post nicht viel dabei zu riskieren hat.

[] Die Organisation der Polen zieht in West­deutschland immer weitere Kreise. Wie der ,Wiarus Polsli' freudestrahlend meldet, ist in Bochum ein

Verein der polnischen kaufmännischen Jugend für den rheinisch-westfälischen Jndustriebezirk begründet worden. Er entfaltet bereits eine lebhaft« Tätig­keit, um alle kaufmännischen jungen Leute des Rbein« und RuhrgebieteS unter seine Fittiche zu bringen. Auch polnische Gesangvereine sind auf Veranlaffung einiger Landsleute in den Gemeinden Freisenbruch und Brambauer begründet worden.

0 Die Lösung der Aerztesrage in der Reichsver« stcherungSkommifston ist, wie der.Tag' mitteilt, auf der Grundlage als gestchert anzusehen, daß die in der Vorlage vorgesehenen Vertrauensaus­schüsse als solche überhaupt in Fortfall kommen sollen. Lediglich ihre Funktion, als Einigungs­amt zu wirken, soll erhalten bleiben, indem mau ste einer selbständigen Stelle überträgt. Bei dieser Lösung bliebe es also beiden Parteien überlasten, auf dem Wege freier Vereinbarung zu einem Ver- tragsverhättnis zu gelangen. Es wiftde lediglich eine Instanz geschaffen, deren Entscheidung die Parteien anrufen können, wenn eine Verständigung nicht zu erzielen ist. Nun kann aber einem solchen Einigungsamt die Befugnis zu bindender Entschei­dung nicht gegeben werden, und so bleibt die Mög­lichkeit bestehen, daß ein Vertrag zwischen einer Kasse und den Aerzten nicht zustande kommt. Um in solchen Fällen unter allen Umständen eine ord­nungsmäßige ärztliche Versorgung der Kassenmit- «lieber sicherzustellen, sollen Kasten, die trotz ihrer Bereitwilligkeit, sich dem Spruch des Einigungs- amtes zu unterwerfen, durch die Ablehnung der Aerzte zu einem Vertragsabschluß nicht gelangen können, berechtigt sein, statt ärztlicher Versorgung die erforderliche Krankenpflege durch erhöhtes Krankengeld zu gewähren, mit dem sich der Ver­sicherte die Krankenpflege selbst zu beschaffen hat. Man nimmt an, daß diese Lösung auch im Plenum bes Reichstags eine Mehrheit finben wirb. Soweit bie Mitteilungen des Berliner Blattes, die wir im Augenblicke nachzuprüsen nicht in der Laae sind.

* Saubere Zustände im sozialdemokratischen Ter- tilarbeiterverband. Ein Herr Jean Metz, lange Zeit führendes Mitglied im sozialdemokratischen Textilar­beiteroerband in Mühlhausen i. E. und zuletzt Re­dakteur der sozialdemokratischen „Mühlhauser Volks­zeitung", erläßt im „Mühlhauser Tageblatt" folgende Erklämng:

„Ich erkläre hiermit meinen Austritt aus der sozialdemokratischen Organisation. Einer Organisation, in der Denunzianten unter dem Sieget der Ber- schwiegenheil deS Vorstandes ihr Unwesen treiben kL::n<-n, -andererfett» vegangeae Schw und

sonstige Dinge auf Kosten der Mitglieder verdeckt werden, habe ich keine Lust, weiter anzugehören. I. Metz."

In dieser roten Musterorganisation scheint es recht nett zugegangen zu sein!

— Vom Ausbau der sozialdemokratischen Presse. Mit dem Beginn des neuen Jahres ist in Düsseldorf eine Westdeutsche Abteilung des sozialdemokratischen Preffebüros eingerichtet worden. Als Leiter ist der bisherige leitende Redakteur der „Essener Arbeiterzei­tung", Limbertz, bestimmt. Redakteur Pokorny von der „Bergarbeiterzeiümg" tritt auch zum Redaktions­stabe der neuen Abteilung über. Diese neue Einrich­tung zeigt, welche Sorgfalt die sozialdemokratische Partei auf den Ausbau der Parteipreffe verwendet. Zu den Kosten des Pressebüros leistet die Parteikaffe im laufenden Jahre einen Zuschuß von 10000 Mack.

-f- Wehe, daß du die Wahrheit sprachst! Der sozialdemokratische Reichstagsabg. Dr. Südekum balt sich zurzeit in den Vereinigten Staaten von Amerika auf, um bie dortigen kommunalen Ver- hältniffe zu studieren. Seinen ersten Vortrag hat er in der „Germanistischen Gesellschaft" in New- Aork gehalten. Damit hat er den Zorn der sozial« demokratischen Zionswächter erregt. Die Leipziger Volkseitung" schreibt, Genoffe Südekum habe eine prächtige Gelegenheit gehabt, vor einer nicht­sozialistischen Hörerschaft bie Grundsätze der Sozial­demokratie auseinanderzusetzen; von dieser Gelegen­

heit habe er keinen Gebrauch gemacht. Auch das Rew-Dorker Sozialistenblatt ist mit Südekum nicht zufrieden; es wirst ihm vor, daß er ein glänzen­des Bild deS Fortschrittes der deutschen Kommunalverwaltung gezeigt und des unendlichen Segens gedacht habe, den die deutsche Arbeitergesetz- gebung in weite Kreise trage. — Der arme Südekum! Für feine Pflichtvergessenheit müßte er eigentlich cum infamia aus der Partei exkludiert werden.

** Kleie und Mehl. Sinnen kurzem wird dem Bundesrat eine Vorlage zugehen, in welcher die Be­stimmungen über die zolltechnische Unter­scheidung zwischen Kleie und Mehl neu geregelt werden. Die Vorlage geht, der „Rb.-W. Ztg." zu­folge, davon aus, daß elneffeits der .Kleiehandel nicht mit unnötigen Hemmnissen und Weiterungen zu be­lasten ist, anderseits aber auch Vockehr dagegen ge= troffen werden muß, daß nicht Kleie zur zollfreien Einfuhr gelangt, welche Mehl in hohen Prozentsätzen enthält.

* Stuttgart, 3. Jan. 1911. Der Volksverein für das katholische Deutschland hat seine Mitglieder- zahl in Württemberg seit der Errichtung eines Lan­dessekretariats stark vermehrt. Nach dem auf der Ge- schDsfübreckonferenz in Ulm am 30. Dezember v. I. erstatteten Bericht wurden in den letzten Jahren 46 neue Ortsgruppen mit 2779 Mitgliedern gegründet, während die übrigen Ortsgruppen um 2200 Mitglie­der zunahmen, so daß der jetzige Mitgliederstand auf 35 000 angewachsen ist.

Ausland.

* Der österreichische Thronfolger über Ungarn. Erzherzog Franz Ferdinand hat zum ersten Male in Budapest bei Eröffnung der Delegationen den Kaiser öertreten. Bei dieser Gelegenheit hat der Thronfol­ger Aeußenmgen getan, die in Ungarn und darüber hinaus nachhaltigen Eindruck hervorriefen. Die Aeußerungen sind dazu angetan, den Standpunkt des fünftigen Herrschers der ungarischen Politik gegen­über präzis klarzulegen. Am eindrucksvollsten wa­ren folgende Auslassungen:

„Jeder gute Patriot muh mit Bedauern bemerkt haben, daß der gute Ruf Ungarns in Europa einigermaßen geschwächt ist. Dieser gute Ruf muß restituiert werden, was nur so aeschehen kann, wen» die ungarische Nation einen Beweis für ihre voll­ständige politische Reife gehen wird. Das europäische Gewicht Ungarns wird »öllständig restituiert fein, wenn Ungarn Bei Groß.nachtstellung geben wird, was ihr gebührt. Seine Verdienste in dieser Hinsicht wird jedermann anerkennen."

Der Thronfolger hat hier deutlich ausgesprochen, was die Stimmung und das Urteil der ganzen poli­tischen Welt ist: Ungarn hat infolge seiner gewalt­tätigen Wahlpolitik den Nationalitäten gegenüber, in­folge feiner gewaltsamen Unterdrückung derselben, in­folge des Anleiheversuches im Auslande mit Um- gefHntg Oesterreichs, infolge der von den Regiemngs- kreisen absichtlich genährten Unterbindung des Ge­mein samkeitsgefühls mit Oesterreich von seinem alten Ansehen unendlich viel eingebüßt. Der ungarische Nationalstolz hat sich über alle diese Momente hin­weggesetzt; er hat aber damit erreicht, daß die Ungarn in ganz Europa in einen schlechten Ruf geraten sind Erzherzog Ferdinand hat ein berechtigtes und wohl­wollendes Jntereffe an der Hebung dieses gesunkenen Renommees.

** Der französische Arbeiterverband beschloß, auf die vollständige Befreiung Durands zu drin­gen und beaustragte den Zentralstteikausschuß, eine allgemeine Bewegung der organisierten Arbeiter ein­zuleiten.

♦* Ausbau der türkischen Marine. Wie die Blätter melden, hat das Marineministerium bet englischen Werften 10 Kanonenboote bestellt, von denen acht für den Persischen Golf und zwei für die albanische Küste bestimmt sind. Demnächst soll

auch die Ausschreibung einer Offerte für den Bau von 80 kleineren Kanonenbooten erfolgen, die der Ueberwachung der Küsten des Roten Meeres dienen sollen.

8 Ei» politischer Skandal ist in den Vereinigten Staaten Nordamerikas ans Tageslicht gekommen. Im Staate Ohio sind nahezu 120 Mann angeklagt worden, ihre Stimme bei der letzten Wahl verkauft zu Haden und voraussichtlich wird sich die Zahl demnächst auf 2000 belaufen. Die aufblühenbe Stabt Jefferson ist politisch absolut ausgelöfcht worben, da ein jeder Wähler im Stadtkreise wegen Verkaufs seiner Stimme verurteilt ist und für die nächsten fünf Jahre das Wahlrecht verliert. Diese Leute dürfen weder in staatlichen, noch in städtischen Wahlen ihr Stimmrecht ausüben und die Frage der Besetzung der städtischen Aemter während dieser Periode ist ziemlich ernst und sehr verzwickt. In Amerika liegt ein Prädenzfall hierfür vor, aber man ist der Meinung, daß der Staatsgouverneur die städtischen Beamten ernennen wird. Verschiedene andere Städte sind in fast derselben Lage. Die politische Moral ist stets gefährdet, wo der Geldsack seine Verführungskünste spielen taffen kann.

** Zn Honduras will der frühere Präsident Bo- nilla seinen Nachfolger, den gegenwärtigen Präsi­denten Davila, mit Waffengewalt vertreiben.' Es wiederholt sich hier derselbe Prozeß wie in Nicaragua. Davila hatte ebenso wie Präsident Madriz den Plan, fein Vaterland von dem nord- amerikanischen Einfluß zu befreien. Nordamerika hat jetzt für seinen Abgang gesorgt, um seinen Ein­fluß weiterhin zu sichern. — Manuel Bonilla ist mit seinem Kanonenboot „Horniß" in Honduras gelandet und hat sich zum Präsidenten bet Republik ausrufen lassen.

-)(- Aus dem Wahlkreise Marburg- Kirchhairr-Frankerrberg.

Alleudorf (Kr. Kirchhain), 3. Januar 1911. Am 2. Jan. hielt Herr v. Ge rlach hier eine politische Versammlung ab, die sehr stark besucht war. Er beklagte sich zunächst über Verweigerung der Säle in anderen katholischen Ortschaften, daS er an­scheinend auf das Konto der Zentrumspartei setzen wollte. Indessen wurde konstatiert, daß die Ver« trauensmännerversammlung in Kirchhain sich dahin ausgesprochen hat, die Wirte möchten ruhig ihre Säle allen Parteien zur Verfügung stellen. Den in der .Hessischen LandeSzeitung' veröffentlichen Weihnachtsartikel »Der Heiland des Hirten", den die.Fuldaer Zeitung^ entsprechend würdigte, suchte Herr Gerlach mit der nichtssagenden Bemerkung adzutun, solche religiöse Fragen gehörten nicht in politische Zeitungen oder Versammlungen. Zur politischen Lage übergehend richtete er in bekannter liberaler Weise heftige Angriffe gegen die Finanz­reform und tadelte besonders heftig das Zentrum wegen Bewilligung der indirekten Steuern, der Zurückweisung der Erbschaftssteuer, der Weinsteuer usw. Ob das von Herrn Gerlach entwickelte Steuerprogramm geeignet gewesen wäre, die finanzielle Not des deutschen Reiches zu lindern, darf wohl -tack bezweifelt werden. Leider vergaß der Redner zu sagen, daß bei der Bewilligung von Steuern auch der Bundesrat ein Wort mitzureden habe, daß nach der Verfassung die Vermögenssteuer den Ein­zelstaaten vorbehalten sei, daß in anderen liberal« regierten Ländern auf den Kopf der Bevölkerung' mehr Steuern kommen als in Deutschland. Nachdem er noch dem Zentrum Verrat am Volke wegen seiner Haltung m der preußischen Wahl­reform vorgeworfen hatte, bekannte er sich für Trennung von Staat und Kirche, Freihandel, Ab­schaffung der Getreidezölle, aber nicht der Viehzölle. ' In der sich daran anschließenden Diskussion recht­fertigte Herr Pfarrer Gruß das Verhalten des Zentrums in der Finanzreform. Ohne indirekte

Lin gefährlicher Geheimnis.

66] Roman in zwei Bänden von Charles Reade.

21.

Lebendig begraben.

Sv laut die Explosionen im Innern der Mine ge­wesen waren, nach außen drang von denselben nur ein dumpfer Schall Aber dies dumpfe Getön und eine plotzlich^über der Einfahrt aufschließende Flamme teilrei! die Schreckenskunde von dem, was geschehen war, jedem Grubenarbeiter und jedem Weibe eines solchen mit. Der Jammerschrei eines ganzen Dorfes stieg zum Himmel auf.

Wie ein Lauffeuer verbreitete sich die Unglücksbot- schast und sand auch den Weg nach Elifford Hall, während der Aufseher selbst zu Mr. Backley eilte, ihm die unheilvolle Nachricht zu bringen.

Schweigend, mit starrem Blick und zitternden Gliedern hocke Backley die erste Mitteilung an, und der Aussetzer fuhr, feine Stimme dämpfend, fort: „Das Schlimmste ist, Sir, daß die Sache nicht von ungefähr geschehen fein soll. Man hat Grund, zu glau­ben, daß Ben Burnley das Unheil angeftiftet, um andere ins Verderben zu bringen. Mr. Hope und Miß Hope, die früher Miß Backley war, fhtb Beide unten." Dann fügte er mit zitternden Lippen hinzu: »Wenn sie nicht zerschmettert oder erstickt sind, wird es schwer halten, sie zu retten. Die Kohlengrube ist ctn Jin ’jiger Trümmerhaufen '

Jetzt stieß Backley einen wilden Schrei aus und stürzte so ungestüm fort, daß er nicht einmal feinen Hut mitnahm. Der Auffeher aber, der mehr Selbst­beherrschung hatte, fand einen solchen in der Haus­flur und nahm ihn mit.

Barlley stürzte nach der Kohlengrube und fand hier schon eine Anzahl kräftiger Männer in dem ein­gestürzten Schacht, mit Spitzhacken und andern Weck­zeugen eifrig bemüht, Schutt und Trümmer zu durch­brechen. Es war eine mühselige Ausgabe, da immer mrr menige in dem engen Raume arbeiten konnten. Backley telegraphiecke nach Derby, um eine stacke

Lokomobile und erfahrene Ingenieure kommen zu lassen, und stellte eine Abteilung feiner Leute an, den zweiten, noch unvollendeten Fahrschacht vollends zu durchbrechen, um vielleicht auf diesem Wege den Ver- unglücktm zu Hilfe zu kommen. Alles, was er an­ordnete, war gut und zweckmäßig, sein Benehmen aber das eines Wahnsinnigen. Keiner feiner Unter­gebenen hatte ihm bisher so viel Mitgefühl zugettaut, und mehr als eine der jammernden Frauen rief ihm ein tröstendes Wock zu. Er antwortete nicht, schien kaum zu hören und ging die ganze Nacht händerin­gend an der Kohlengrube hin und wieder. Segen Morgen wurde er endlich halb mit Gewalt nach Haus gebracht.

In Oberst Elifford erwies sich die Menschenliebe stärker als alle Vorurteile. Auch er begab sich nach der Unglücksstätte, um zu sehen, was er etwa für die Verschütteten zu tun vermöchte. Er suchte den Auf­seher und ersichr von ihm, welche Maßregeln Backley getreffen hatte, und meinte, daß es so am besten wäre und daß geteilte Arbeit am sichersten zum Ziele führen würde. «Ich aber", fügte er hinzu, „bin ein alter Soldat und weiß au8 Erfahrung, daß die Leute sich nicht gut schlagen können, wenn sie nicht gut ge­nährt sind . . . und was sie hier zu tun haben, ist auch eine Schlacht. Wo sollen die Leute, die aus der Umgegend zu Hllfe kommen, untergebracht werden?"

„Sie können in den Häusern der siebenrmdvlerzlg Grubenarbeiter schlafen, die vermißt werden."

„Meinen Sie", aniwockcke der Oberst; „da find ja doch die Wckber und Kinder. Rein, ich werde Schlcfzelte und Küchenzelte herschicken und Vorräte, um ein ganzes Bataillon zu füttern. — Siebemmb- vierzig Leben!" fügte et mitleidsvoll hinzu.

„Ja, Sir — und was für Leben!" sagte der Auffeher. „Mr. Hope und Dtiß Mary Backley — aber so heißt sie nicht mehr; sie soll Mr. Hope's Tochter sein."

„Nun, was hat sie berat mit dem Unglück zu tun?" „Sie ist leibet auch mit da unten, Sir," „Das verhüte der Himmel!" rief bet Oberst. „Dies gute, eble Geschöpf tot ober in Todesgefahr!"

„Das ist sie, Sir, und zwar" — der Mann dämpfte seine Stimme — „durch schändliche Bosheit dlchin gebracht. Ihnen, Sir, darf die Sache nicht verschwie­gen bleiben; sind Sie doch unsere höchste Magistrats­person", fügte er hinzu, als er das Erschrecken und die Auflegung des Obersten sah. „Die junge Dame kam zu mir an die Kohlengrube und sagte, daß sie Mt. Hope's Tochter sei."

„Das ist sie."

„Und bann sagte sie, daß ihr Vater durch eine Explosion im alten Teil der Grube, den er eben be­sichtigen wollte, ums Leben gebracht werden folle. Ein gewisser Ben Burnley, ein Schurke, den Mr. Hope aus der 9(rbeit geschickt und sich damit zum Feinde ge­macht hatte, wollte die Schändlichkeit ausführen. Aber er war auch noch durch Geld dazu ongefeueri. Ein Mensch, den sie uns genau beschrieb — schwarze Augenbrauen, leichenblasses Gesicht und ein Anzug von hellem Tweed —, hätte das getan. Wit hofften, daß sie sich geirrt haben möchte, ober daß sie noch im Stande fein würde, Mr. Hope zur rechten Zeit zu warum. Run hat flch's leider gezeigt, daß sie recht gehört und daß sie nicht mehr Zeit gehabt, Mr. Hope zu toamen. Der Anschlag ist zur Ausführung ge­bracht worden — bet finsterste Plan, der jemals im Finstern erbacht werden konnte."

Oberst Elifford stöhnte laut auf; bann sagte er: „Sie müssen sich vor aßen Dingen dieses Ben Burn- leh's versichern, damit es ihm nicht gelingt, zu ml- weichen."

„Das soll er wohl bleiben lassen", antwortete der Aufseher. „Er ist auch mit in der Grube verschüttet, was. doch einen Keinen Trost gibt. Und wenn er wirklich herauskäme, würde ihm nicht viel Gutes be­vorstehen. Aus bet einen Seite ba8 Gesetz, auf bet anbem Richter Lynch."

„Die Hauptaufgabe", fiel der Oberst "ein, „ist na­türlich, baS Beben aller Anbern zu retten. Gott wolle un« und ihnen dazu helfen!"

Daraus begab er sich nach der Eismbahnstation, um telegraphisch bei einigen großen Kaufleuten in Derby den «tätigen Proviant an frischem und gesal­zenem Fleisch, sowie allem, was sonst erforderlich

war, zu bestellen. Auch einige neue Zelte ließ et kommen, um den Vorrat, bet irgendwo in Elifford Hall aufgestapelt lag, zu ergänzen. Auch Messer und Gabeln, Teller, Schüsseln, Krüge, Ttinkgefaße, kurz alles, was zm Verpflegung dienen konnte, ließ er schicken. Dann fragte er nach Walter, erfuhr ober nur, daß derselbe auf einem seiner Jagdpferde anS- geritien sei und dem alten Safer den Bescheid zurück- gelassen habe, er würde vor acht Uhr abends nicht wieder da fein.

„John", sagte bet Oberst mit tiefem Emst, „was hier vorgegangen Ist, berühck mich schmerzlich, aber ich fürchte, daß Walter noch viel Häcker bavon betrof­fen wird. Sorge, baß ihm niemanb von dem Unfall Nachricht gibt, bis ich ihn gesprochen habe."

Walter Elifford war nach dem See-Hotel geritten, um sich nach dem Armbanbe zu erkundigen, und er­fuhr von der Wirtin, daß diese gerade heute ihren Mann damit fockgeschickt habe.

„Wie dumm!" sagte Walter, „er wird gar nicht wissen, wem er das Ding aushändigcn soll."

„Machen Sie sich darüber keine Sorge, Sir", gab sie zur Antwort. „Mein Sam wird das Armband gewiß nicht an den Unrichtigen ausliefern, das ver­sichere ich Sie."

„Wie tonnen Sie bas?" fragte Walter. „Wem soll er berat, Ihrer Meinung nach, bas Armband bringen?"

„Der jungen Dame natürlich, die mit Ihnen hier war."

„Aber wie zum Kuckuck, soll er sie denn finden? Er weiß ja gar nicht, wie sie heißt. Hätten Sie das Ding doch mhig aufgehoben, bis ich kam, es zurück zu verlangen."

„Damit hätten Sie nicht so lange wacken sollen, Stt."

„Sie haben Recht — und zu ändern ist nichts mehr", antwortete der Junge Mann. „Ich werde mein Pferd füttern und so schnell als möglich zurückkehrm."

(Fortsetzung folgt)