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M 2.

Dienstag den 5. Januar 191b

58. Jahrgang.

* fuldatr M Zeitung «

z. Blatt.

Druck und Verlag der Zuldarr Actlrndrnckerri in rul-a

Kleines Feuilleton

ging die Ladung los und riß ihm die rechte Hand ab. Auch im Gesicht hat Messing schwere Verletzungen er­litten. Sein Augenlicht soll verloren sein.

Aus Rirche und Schule.

• Limburg, 1. Ian. 1911. In diesem Iabr? werden ihr goldenes Jubiläum feiern können: die Herrn Pfarrer Volke in Dillenburg im März und Pfarrer Haas in Großholbach im August. Das silberne Ju bi lä um werden feiern können: die Herren Pfarrer Führer in Niedererbach, Lauser in Hahn, Schmidt in Villmar, Schrei­ber in Höchst, Weidenfeller in Oberliesenbach und Frühmeffereioerwalter K o h l h a a s inMünster.

dienst zu verschaffen. Und am Ende verbleibt vielen jungen Leuten und ganzen Familien kein anderer Ausweg, als sich in der Fremde ein Auskommen zu suchen. Die Landflucht unserer Rhöner ist keines­wegs leichtfertig, wie man oft behaupten hört, denn der Gebirgsbewohner im allgemeinen und der Rhöner im besonderen, hängt mit großer Liebe cm seiner natur­schönen Heimat. Beantworten wir aber einmal die Frage: was sollen die übrigen Kinder der Landwirte anfangen, wenn das väterliche Gut an eines der Ge­schwister übergegangen ist und in vielen Füllen kaum ben neuen Besitzer und die alten Auszüger zu ernähren hn Stande ist? Was will der junge Mann, der der Lehre entwachsen ist, machen, wenn ihn der Meister mangels hinreichender Arbeit als Geselle nicht weiter beschäftigen kann? Wo sollen Gelegenheitsarbeiter und Taglöhner hinlänglichen Perdienst hernehmen, iuenn die nur kurze Zeit währenden Erntearbeiten vorüber sind und dann selbst kleine Bauersleute noch genügend Zeit zum taglohnen haben? Was fangen die Bauhand­werker an, wenn fast garnichts oder nur wenig gebaut wird? Es bleibt nur die Antwort, sie müssen hin­aus in die Welt. Die Holzarbeiter haben nur einen kärglichen Verdienst. Wie in Gersfeld, so ist es leider auch auf unseren liächsten Ortschaften. Viele kleine Hüttner vermochten den mühsamen Daseinskampf auf ihren Anwesen nicht weiterzukämpfen und suchten ihr

Amt Geisa und Umgebung.

♦ Spahl bei Geisa, 1. Jan. 1911. Gestern sand hier zum dritten Male Bürgermeiste r-W a h l statt. Das Ergebnis derselben war, daß der seitherige Bürgermeister K ö 11 mit 75 Stimmen wiedergewählt wurde, während der Gegenkandidat Landwirt Spiegel 58 Stimmen erhielt.

♦ Vacha, 2. Jan. 1911. Die freie Maler-In­nung zu Vacha hatte an den Vorstand der Hand­werkskammer ein Gesuch um Uebernahme der R et) i- sionskoslen für den Beauftragten gerichtet Das Gesuch wurde in der letzten Vorstandssitzung abge-

Heil in der Ansieblung in Posen. Diese Abwanderer, deren Zahl ein ganzes Dörfchen aus­macht, haben den Varerlös aus ihrem Besitz mit fort­genommen, die Schulden und Lasten aber sind zurück­geblieben. Angestellte, die nach vieljähriger Tienst- zett in Pension gehen, ziehen von hier in die Nach­barstädte. Es bleibt nur die einzige Möglichkeit, die Ab­nahme der Bevölkerung aufzuhalten, wenn durch Schaf­fung industrieller Unternehmungen regel­mäßiger Verdienst ermöglicht wird. Das sollten sich die maßgebenden Persönlichkeiten, denen es um das Wohl der Einwohner ernstlich zu tun, zu Herzen neh­men. Die leere Ausrede, es mangele hier an Arbeits­kräften, sollte unterbleiben, beim Viele blieben gerne in der Heimat, und Viele, die die Not zum Wegzug trieb, kehrten gerne wieder zurück, wenn sie eine Existenz hier finden könnten. Wer hier Rat und Hilfe durch industrielle Anlagen schafft, der ist ein wahrer Wohltäter. Nur wenn Landwirt­schaft, Industrie und Touristik, wie in Thüringen, im Harz usw., Hand in Hand arbeiten, ist den Bewoh­nern unserer Gegend zu helfen. Sollten nicht die Naturschätze wie Holz, Steine, Moor usw. nutzbarer gemacht werden können? In vielen Orten errichten Zigarren- und Uhrenfabriken Filialen, hier ist nichts von alledem. Unsere Nachbarstadt Tann hat dagegen eine Möbelfabrik, ferner eine Zigarrenfabrik, wettere Unternehmungen dürsten dort bald folgen. Auch die neue Bahn Tann-Geisa bringt Vorteile. Dadurch hält sich nicht nur die Bevölkerung auf ihrer seitherigen Höhe, sondern sie ist erfreulicherweise schon um 71 Personen gestiegen. Tann liefert uns einen sicheren Beweis, daß ein großer Touristenverkehr allein, so angenehm er uns ist, nicht die einzige Rettung sein kann. Hoffen wir, daß auch unserer Stadt und dem engeren Bezirk sich in Zukunft Gelegenheit bietet, sich zu vergrößern und einen wirklichen Aufschwung her­beizuführen. Mögen die Vertreter der Stadt und alle maßgebenden und einflußreichen Persönlichkeiten dabei Mitwirken. Die Einwohnerschaft wird ihnen von Her­zen dankbar dafür fein.

* Gießen, 31. Dez. 1910. Die amtliche Nach­prüfung des Volkszählungsergebnisses vom 1. Dezember ergab für Gießen eine ortsanwesende Einwohnerschaft von 31044. Beider letzten Volks­zählung (1905) waren es 29149, bei der Berufs­zählung zwei Jahre später 30 223. Familien waren es 5519. Bewohnte Häuser sind 2240 vorhanden, unbewohnte Wohnhäuser 116. Der ganze Kreis Gießen weist eine Einwohnerzahl von 93945 auf gegen 88476 im Jahre 1905.

* Frankfurt a. M., 31. Dez. 1910. Eire lieber» sicht über den städtischen Vermögensstand am 1. April 1910 zeigt, daß die städtischen Betriebe mL 137V» Millionen, die Straßenneubaukaffe mit 191/» Millionen, die Spezialkasse für städtischen Grundbesitz mit 13702 Millionen, die Erbbau- darlehnskaffe mit 5 Mttliouen und die Hauptver­waltung mit 176 Millionen zu Buch stehen. Das sind zusammen 4751/» Millionen Mark Vermögen, denen 288'/, Millionen Mark Schulden gegenüber« stehen. Das schuldenfreie Vermögen der Stadt beträgt nahezu 187 Millionen, 8 Millionen mehr als im Vorjahre. Ein Anhang des Etats enthalt eine Zusammenstellung der städtischen Stiftungen. Danach bestehen 7 Stiftungen für Stipendien, 10 für Kunst und Wissenschaft, 22 für Armen» und Wohltätigkeitszwecke, 19 für Krankenzwecke, 14 für Kinder» und Jugendfürsorge und 6 für sonstige Zwecke. Die Gesamteinnahmm dieser Stiftungen betragen 380000 Mk., ihr Kapitalbestand 8,7 Mill. Mk. und 60000 Kronen österreichischer Währung.

* Friedberg, 1. Jan. 1911. Im allgemeinen war man der Meinung, daß sofort nach Neujahr mit den Erdarbeiten unseres reuen Bahnhofes der Anfang gemacht würde, ffkun wird es doch wohl etwas länger dauern. Die Submission vom 2. Dezember v. Js. ist aufgehoben worden. Damals betrug der Unterschied zwischen dem niedrigsten und dem höchsten Angebot der Banfirmen nahezu eine Million Mark. Nun sind die Arbeiten erneut aus­geschrieben worden, und der Angebotstermin ist am 10. Januar.

♦ Bon der Werra, 31. Dez. 1910. Dem Direktor der Wiengefellfchast B. Polack in Woltershausen und einem Herrn A. Dziuk in Berlin wurde für ein Luftschiff ein Patent erteilt. Die Aktiengesell­schaft Polack, die sich bisher in der Hauptsache mit der gabrffation von Gummiwarm und der Hansschlauch- weberei befaßt, will sich jetzt mit dem Bau von Luft- schiffen beschäftigen

♦ Weimar, 1. Jan. 1911. Hier hat sich ein Kon. fortium gebildet, das Lisztmuseum in Weimar in ein deutsches T 0 n s e tz er ar ch iv umzuwandeln. Zu diesem Zwecke sollen alle Andmkm an die großen Tondichter gesammelt und in dem Lisztmuseum ver­wahrt werden. Auch die in der Reutervilla in Eisenach uutergebrachtm Weimarer Erinnerungen sollen zu diesem ZwÄ erworbm toerben.

lehnt.

= Dermbach, 2. Jan. 1911. Ter Großherzog hat die im Warnen des Bezirks anläßlich des Jahreswechsels dargebrachten Glückwünsche durch folgendes Telegramm erwidert: „Danke herzlich für die im Namen des 4. Verwaltungsbezirks nur ausgesprochenen Glückwünsche. Wilhelm Ernst."

* Buttlar, 2. Jan. 1911. Die Gewerkschaft Butt­lar beabsichtigt in der Flur Buttlar eine Chl 0 rka- liumfabrik zu errichten, deren Endlaugen mittelst einer Rohrleitung in die Ulster eingeleitet werden sol­len. Die Vorlagen können während der Geschästs- ftunben an der Dienststelle des Großherzoglichen Herrn Bezirksdircktors in Dermbach sowie beim Gememde- vorstcmd in Buttlar eingesehen werben. Etwaige Ein- toenbungen gegen das Unternehmen sind binnen 14 Tagen beim Großherzoglichen Herrn Bezirksdireftor at^ubringen.

* Kaltennordheim, 2. Jan. 1911. Herr Rektor Rabich hier ist mit Ende des vergangenen Jahres nach über 40jähriger Dienstzeit in den wohlverdientm Ruhestand getreten.

* Aus Thüringen, 2. Jan. 1911. Das Staats­ministerium setzt den Beginn der Schonzeit für Hasen, Aue», Birk- und Fasanenhennen, Hasel­wild ° und Wachteln auf Mittwoch, ben 18. Januar 1911, fest.

* Stadtlengsfeld, 1. Jan. 1911. Der hiesige Geflügel-und Kaninchen zücht «Verein ver- anstaltete heute im Saale der „Schützenburg" seine elfte Geflügel» und Kaninchen-Ausstellung, die sich eines recht guten Besuches seitens hiesiger rote auswärtiger Züchter und Liebhaber zu erfreuen hatte.

♦ Weinheim a. d. B., 1. Jan. 1911 Der 20fähr. Jakob Bleffing von hier wollte in der Neujahrs- nacht ein mit Pulver gefülltes Wasserlei- tungsrohr zum Explodieren bringen. Da die Explosion zu lange auf sich w arten ließ, wollte er nachsehen, wo es fehlte. In demselbm Augmblick

volkswirtschaftliches und Soziales.

□ Die Christlich-Sozialen haben ihre Berliner Zeitung „Das Reichs nicht dauernd halten können. Anscheinend aus Arbeiterkreisen wird jetzt die Grün­dung eines neuen Blattes „Der Morgen" kräftig be­trieben. Es heißt, es sollten 7000 Abonnenten gesam­melt werden, damit die neue Tageszeitung ins Leben treten könne. Von anderer Seite wftd der Auffas­sung Ausdruck gegeben, das „Volk" in Siegen genüge für die Christlich-Sozialen im Reiche durchaus. Von anderer Seite wird zum Bezüge des „Reichsboten", in den bekanntlich das Reich aufgegangen ist, aufge­fordert. — Die Leute, die da jetzt für die neue Zei­tung agitieren, fühlen sehr richtig, daß die Existenz der Partei dasselbe ist wie die Existenz einer Partei­zeitung. Wollen die Christlich-Sozialen in Berlin Boden behalten, dann müssen sie eine Zeitung, ein Volksblatt haben. „Das Reich" war kein Volksblatt, es war ein zum Teil zu hochstehendes, zum Teil zu theoretisches, in seiner ganzen Aufmachung jedenfalls nichts weniger als volkstümliches Blatt, mit dem man natürlich der großkapitalistischen Mache der Berliner Annoncenblätter nicht entgegeutreten konnte Ein christlich-soziales Blatt würde in Berlin eines Tages voran kommen können, aber dann müßte es von einem Mann geleitet werden, der das Volk versteht, mit dem Volke suhlt und der sich von dem Bedürfnis frei weiß, dem Volke tagaus tagein seine Meinung aufzureden. Eine solche Persönlichkeit aber fehlt den Herren durchaus. Daher wird es auch wohl mit dem „Mor­gen" nichts werden.

Aus dem Rachbargebiete.

X Gersfeld, 1. Jan. 1911. Man schreibt uns: Die abnehmende Bevölkerungsziffer der Stadt Gersfeld, wie sie in der letzten Nummer dieses Blattes mitgeteilt wurde, ist der sicherste Beweis dafür, daß der vermeintliche Ausschwung der Stadt mir scheinbar ist, über den man sich nicht todter Hinwegtäu­schen lassen sollte. Obwohl jährlich tausende von Fremden aus allen Gegenden hierherkommen, sich hier erholen und an der Naturschönheit unserer kuppenrei­chen Rhön erfreuen, hat dieser sich nur auf einige Mo­nate erstreckende Fremdenverkehr einen Stillstand und eine Abnahme der Einwohner bis jetzt nicht oufzuhalten vermocht. Die gehobene Viehzucht, Molkerei, Elektrizi- tätsanlage, Wasserleittmg und fonftige Verbesserungen, Verschönerungen, hygienische Einrichtungen usw. sind erwiesenermaßen nicht im Stande, der hiesigen Be­völkerung einen auskömmlichen, regelmäßigen Ver-

unb landesherrlichen Bevollmächtigten beim Domkapitel in Fulda bestellt. Gegen Ende des Jahres 1832 wurde er von der Staat Fulda zum Landtagsabgeordnrten gewählt. Nach Auflösung auch dieser Ständeversammlung wurde er wieder gewählt, doch wurde ihm von der Staatsregierung der Eintritt versagt. 1836 erschien er in Kassel als Unterhändler in Angelegenheit der Rotenburger Quart, die damals als ein Gegenstand des Landesinteresses zu lebhaften Debatten in der Ständekammer führte. Er erhielt mit dem Prädikat eines Sraatsrates die Stellung ais Vorstand der Landeskreditkafse. Doch lange blieb er nicht in derselben, er kehrte nach Fulda zurück, kaufte sich daselbst eins der von Buttlar'schen Häuser (jetzt Eigentum des Herrn Rentner Th. Arud, Bonifatiusplatz 7) und richtete sich darin bequem ein. In den letzten Jahren litt Eggena, der sich von Jugend an keiner dauerhaften Gesundheit er­freut hatte, an Melancholie. Er, der Protestant, schreibt F. Zwenger im .Hessenland' (Jahrg. 1890, S. 344', suchte und fand m seinen Stelenschmerzen Trost und Erhebung bei dem milde gesinnten, hu­manen Bischof Johann Leonard Pfaff, mit dem er zur Zeit der Errichtung des Fuldaer Bis­tums in den zwanziger Jahren als Regierungs- Kommissar so manchen Strauß auf kanonischem Gebiete zu bestehen hatte. — Allgemeine Bestürzung erregte es, als sich die Nachricht verbreitete, das Eggena am Morgen des 18. Dezember 1840 außer seinem Bett in einem entfernteren Zimmer entseelt aufgefunden worden fei. Angenommen wurde, daß er, von Beängstigungen getrieben, um den im untern Stock schlafenden Bedienten zu schellen, aus dem Bett geeilt und, von einem Stickfluffe befallen, niedergestürzt und eine Beute der strengen Kälte geworden sei. Unvergessen soll besonders auch nicht bleiben die eifrige Unterstützung, welche der Re­gierungsdirektor Eggena dem Bischof Johann Leonard zuteil werden ließ, als dieser im Jahre 1834 die barmherzigen Schwestern nach Fulda von Straßburg berief. Auch das rasche Zustandekommen der Ver­fassung vom 5. Januar 1831 wurde besonders seiner vermittelnde« Tätigkeit zugeschrieben. ±

*♦ Ans den französischen Strafkolonien. Auf An­trag des Kriegsmimsters wurde gegen einen gewissen Aulin, Sekretär deS „Vereins ehemaliger Militär« sträflmge" die strafgerichtliche Verfolgung eingeleitet, weil er in einem durch Maueranschlag verbreiteten Aufruf die Aufseher der a.rikanifchen Straikolonien alS Mörder bezeichnet batte. Der gemäßigte republikanische Deputierte Lef.s teilte dem Kriegs- Minister mit, er werde ihn über mehrere Fälle von Selbstverstümmelung interpellieren, die jüngst unter den auf der Insel Seiembre untergebrachten Soldaten der Straffompagme vorgekommen seien.

** Dir Königin von Italien ist am Silvesterabend auf der Treppe des Palais )o unglücklich gestürzt, daß ihr ganzes Körpergewicht auf den linken Arm fiel. Der Arm ist stark gequetscht worden und wurde von Dr. Bastianelli gedient.

Aus Oberhessen u. d. heft. Aemtem.

** Marburg, 2. Jan. 1911. Die Abwälzung der Kanalgebühren auf die Mieter hat Bestrebungen zur Bildung eines Mietervereins zur Folge gehabt. — Im Sommer v. I. schlug in der Hof reite eines Landwirts im nahen I n h e i b e während eines schweren Gewit­ters der B l i tz ein. Die Hausbewohner, unter ihnen der Besitzer, verspürten während dieses Geschehnisses Zuckungen im ganzen Körper. Seit dem Blitzschlag ist der Besitzer des Anwesens, der srüher von heftigem Rheumatismus geplagt war, völlig von diesem liebel befreit. (Gut freilich, aber doch auch nicht ganz ungefährlich erscheint uns das Mittel.) — Auf der N 0 delbahn am Frauenberg sind gestern zwei Studenten durch Umkippen des Rodelschlittens v e r u n g lü ck t. Während der eine einen Oberschen­kelbruch und verschiedene Kopfverletzungen davontrug, erlitt der andere verschiedene Quetschungm und innere Verletzungen.

A Aus dem Kreise Marburg, 2. Jan. 1911. In Münchhausen brannten in der Sylvester- nacht die Gebäulichkeiten des Landwirts Berg- Höfer nieder. ES wird Brandstiftung vermutet. — Bei einer Treibjagd in Allna wurde einem Jäger ein Auge cmsgeschoffen.

(*) Frankenberg, 2. Jan. 1911 Dem landwirt­schaftlichen Kreisverein Frankenberg ist zu der gele­gentlich einer Kreistierschau und lcxndwirt- schaftlichen Ausstellung am 20. Juli 1911 beabsichtigten Verlosung von Rindern und land- wirtschafllichm Gerätschaften die Genehmig.mg erteilt worden. — Mit dem L Januar ist bei d r hiesigen Sparkasse die tägliche Verzinsung in Kraft getreten. Diese sehr erwünschte Neueinrichtung hat für die Einleger den Vorteil, daß die als Spareinla­gen zur Spackasse gebrachten Gelder von dem auf die Einzahlung folgenden Tage cm verzinst werden.

°) (- Riederklcin, 2. Jan 1911. Am zweiten Weih­nachtsabend und Neujahr veranstaltete der hiesige Jünglingsverein im Gruß'schen Saale die Aufführung des religiösm Schauspiels „Mexius, der verborgene Edelstein". Die Darsteller hatten sich mit Verständnis in ihre Rollen eingearbeitet und er­ledigten sich ihrer Aufgabe in lobenswerter Weise. Die muftergiltig hergestellte Bühne und die von Markwitz Duisburg gelieferten Kostüme verfehlten ihre Wirkung nicht. Ein lustiger Studenten streich „Der Bauer als König Herodes", rief wahre Lachsalven hervor, haupt­sächlich wohl deshalb, weil er in oberhessischer Mund­art, gewürzt mit lokalen Anspielungen, aufgeführt wurde. Als Zugabe folgten noch einige gut vorgetra­gene Duetts.

--- Momberg, 2. Jan. 1911. Hier fand am Neujahrstage eine zahlreich besuchte Volksver­einsversammlung statt. Herr Kuratus Wie­gand hielt einen hochinteressanten und sehr Ichrrcichen Lichtbildervortrc-g über W'ndthorst's Leben und schilderte im Anschluß daran dessen Verdienste um die katholisch« Kirche. Nach einem Hoch auf Windt- horst dankte Herr Bürgermeister Groß für den schönen Vortrag im Namen der Versammlung. Die Versammlung schloß mit dem schönen Lied: „Für Wahrhett, Freiheit und Recht!"

♦ Gilserberg, 1. Jan. 1911. In dem benachbarten Itzenhain machte heute der 84 Jähre alte Aus­züger Dippel seinem Leden ein Ende, indem er stch m seinem Schlafzimmer erhängte. Die Tat soll in einem Anfalle von Schwermut begangen worden fern.

* Erdhaufen, 1. Jan. 1911. Heute morgen fand man die Leiche des Mühl bursch en der nahen Kurzmühle aus dem in der Nahe vorbeiführenden Bahndamm der Strecke Niedeiwalgem-Herbom. Der­selbe ist wahrscheinlich unter ben Zug gekommen und fand hier fein beklagenswertes Ende. Der Kopf war völlig zermalmt, ein Arm lag einige Meter davon.

♦ Dorndorf, 1. Jan. 1911. Gestern verunglückte der Arbetter Hahn von Zella in der chem. Fabrik,

Karl Eggena.

Am 18. Dezember 1840 starb zu Fulda in 'einem Wohnhause am Bonifatiusplatz Ecke Friedrich­straße einer der ausgezeichnetsten kurhesuschen Staats- veamten eines plötzlichen Todes. Es war der Re- tzierungsdirektor Dr. Karl Michael Eggena.

Nach dem „Neuen NÄrologe der Deutschen", (Jahrg. 1840, war er geboren zu Saffet am 19. Aug. 1789. Mit 18 Jahren hatte er bereits fein aka­demisches Studium vollendet und die juristische Doktorwürde erworben. Nachdem er zur west« gtischen Zeit sich auf Anraten des Justizministers itr.bon nach Frankreich begeben hatte, um sich in 'der französischen Sprache zu vervollkommnen und das öffentliche Verfahren der französischen Gerichts- Höfe kennen zu lernen, widmete er sich, nach Kassel zurückgekehrt, 1811 der Advokatur und gab eine 'Zeitschrift für «euere Rechtswissenschaft und Ge­schäftskunde" heraus. Vom Kurfürsten Wilhelm L wurde er zum Archivar bei der Landesregierung er­nannt. Die Zunftordnung vom 5. März 1816, die nach Aushebung der westfälischen Geroerbesrei- heit in Hessen eingeführt wurde, war fein Werk. Nach dem Regierungsantritt des Kurfürsten Wil­helm II., 1821, konnte Eggena als Mitglied der Organisationskommisston seine ausgebreiteten Rennt» "Miffe und reichen Talente «och besser entwickeln.

Als Generalsekretär de? Ministeriums hatte er sich eine genaue Kenntnis des Landes erworben und diese verstand er in den damaligen politischen Kämpfen zur Erlangung der Verfassung zu ver« Srrten. Er wurde zum Regierungs-Kommissar bei m ersten, aus verfassungsmäßigen Wahlen hervor« 'gegangenen kurhesstschen Landtage ernannt. Z« dieser 'Stelle war er wie kein anderer in Kurhessen geeignet. Zum Ministerialrat befördert «nd zum Vorstand veS Ministeriums dcS Innern ernannt, verblieb Dr aber nur wenige Monate auf diesem Posten; schon im Mai 1832 schied er auS dem Ministerium. An Seine Stelle trat der Minister Hasseupflug. Dggen» wurde für den nach Kassel berufene« Frhn. v. Hanstein zum Direktor der Regierung

Deutsches Reich.

** Für die Todesstrafe. Auf dem letzten Deut­schen Juristentage in Danzig war die Frage aufgeworfen worden, ob im künftigen deutschen Strafgesetzbuch die Todesstrafe abzuschaffm sei. Es wurden in der Lagespresse auch Stimmen laut, die die Abschaffung der Todesstrafe forderten. Nun hat die Deutsche Jurssten-Zeitung eine Rundftage über dieses Thema veranstaltet und eine Anzahl Stimmen zugunsten der Todesstrafe gesammelt. Unter äußeren haben sich Paul Heyse, der frühere Dernburg, Crist Haeckel, der Philosoph Wilh. Wundt, der Nationalökoncm v. Schmoller und Professor Erich Schmidt sehr enischieden für die Beibehaltung der Todesstrafe ausgesprochen.

)( Eine sozialdemokratische Riesenorganisa« tion soll am 1. Januar irre Arbeit aufnehmen. Es ist drr „Deutsche Bauarbeiterverband", der durch die Verschmelzung der bisher selbständigen Organisationen: „Zeniralverband der Maurer Deutschlands", „Verband der baugewerblichen Hilfsarbeiter" und „Verband der .Isolierer und Sieinholzleger Deutschlands" entstanden ist. Der Maurerverband zählt etwa 180003, der Verband baugewerblicher Hilfsarbeiter rund 60000 und der Verband der Isolierer 800 Mitglieder. — Der christliche Bauarbeileruerband halte von An­fang an in richtiger Erkenntnis, daß alle diese Bauarbeiterzruppen zusammengehören, eine Tren­nung vermieden.

* Vernichtung des Mittelstandes. Der sozialdemokratische „Konsum-, Bau- und Spar­verein Produktion" in Hamburg zählte am Schluffe des ersten Halbjahres 1910 über 46500 Mitglieder, sein Umsatz wird in dem zu Ende gehenden Jahre über 12 Millionen Mark de- tragen. Er beschäftigte in seinen Betriebs- und Verkaufsstätten über 800 Angestellte und Arbetter. Die Grimdstücke, die er besitzt, stellen einen Wert von über 5 Millionen Mark dar. Er besitzt und betreibt u. a. Zigarrenfabriken, eine Seifenfabrik und eine Papierwarenfabrik. AuS diesen Zahlen geht mit erschreckender Deutlichkeit hervor, wie an der Vernichtung des Mittelstandes gearbeitet wird.

Reichstagswahlvorbrreitnngm.

+ Der Kamps um Schwabach. Zwischen den Nationalliberalen unb den Litauern des Kreises Memel-Heydekrug ist im Jahre 1908 ein Ab­kommen geschlossen worden, wonach bei den nächsten Reichstagkroahlen die Litauer einen Kandidaten auf» stellen sollen, den die Nationalliberalen mitzuwählen sich verpflichteten, nachdem bei der letzten Wahl die Nationalliberalen den Kandidaten gestellt hatten, Nämlich den Abg. Schwabach. Nunmehr wird von den Nationalliberalen mit allem Hochdrücke daran 'gearbeitet, daß die Litauer ihrerseits den national­liberalen Abgeordneten Schwabach wieder Vorschlägen. Einige litauische Kreise sind dazu geneigt, andere wollen davon nichts wissen. Es ist schon zu heftigen Kämpfen, zu Ausschließungen aus Vereinen usw. gekommen. Die nationalliberale Press« Ostpreußens fingt das hohe Lied der Verdienste des Herrn Schwabach in allen Tonarten. Heute veröffentlicht die .Königsberger Allgemeine Zeitung' einen band- wurmlangen Leitartikel, in dem u. a. der Ausspruch eines Litauers erwähnt wird: „Ich lasse mein Leben für Schwabach." Die «Deutsche Tages« Mitung' spottet: Alle Hochachtung vor der Opfer« Willigkeit des biederen Litauers! Wenn das nicht hilft, so ist alle Mühe vergebens!

Ausland.

*1' Das neue österreichische Kabinett. Man hofft, baß die Bildung des neuen Ministeriums bis Mitte Januar vollzogen sein wird. Wie die ,R Fr. Pr.' meldet, wird dieses ein definitives - sein und ein Mittelding zwischen einem parlamentarische« und /inem Beamtenministerium.

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