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Rotationsft rn<f nnb Verlag der Fuldaer «. Leudruckerei in Fulda Ferufprecher Lr. g.

2. Erstes Blatt.

Fulda, Dienstaa den 3. Januar 1911.

38. Jahrgang.

X Ein Koalitionemsnisterinm.

Herr v. Jagemann, der frühere Vertreter Badens im Bundesrat und jetzige Prozessor in Heidel­berg, will das konftüutlonelle Leben bei uns zu Laude gesund machen durch ein Koalitions- ministerium.

! In der Deutschen Revue^ entwickelt er Gedanken über die innerpolitische Gährung, die zum Teil sehr richtig und beachtenswert find. Er empfiehlt, daß die Regierung möglichst enge Führung hatte .mit allen staatstreuen Parteien der Ordnung; denn sie muß auch an den Wechsel der Mehrheiten, zeitlich oder für einzige Sachgelegenheiten, denken/ Das stimmt, und es will uns scheinen, daß bis zum Jahre 1907 die Reichsregierung dieser Aufgabe nachgekommen sei. Eine gewisse Einseitigkeit, eine Verkleinerung der Tragfläche der Politik trat mit der Wendung zur Bütow'schen Blockpolitik ein. Herr v. Jagemann spricht über dieses Kunststück eine scharfe Verurteilung aus, wenn er sagt:Tie Hoffnung für schwerste Zeiten, daß alle, die nicht Gegner der Monarchie, der religiösen und wirt- schastlichen Ordnung sind, auch wirklich energisch den Schild über sie halten, ist nur dann fest ge­gründet, wenn nicht Parteien oder Lebenskreise sich zurückgestoßen oder auch nur wesentlich zurückgesetzt fühlen*.

Vielleicht hat Herr v. Jagematin bei diesen Worten nicht so sehr an den Versuch der Aus­schaltung des Zentrums gedacht, als vielmehr an die gegenwärtige Klage des Liberalismus über angebliche Zurücksetzung. Wir sagenangeb- liche", weil weder die Regierung selbst noch eine der positiven Parteien eine wirkliche Ausschal­tung des LiberaUsmus anstrebt. Im Gegenteil, man bewirbt sich ja von allen Seiten und bei jeder Gelegenheit so eifrig um die gefällige Mitarbeit der nationalliberalen Partei, daß vielfach schon von übereifrigem Nachlaufen und dadurch erzeugtem Nebermut gesprochen worden ist.

DieseSammlungspotttik" hat bisher noch nicht den erwünschten Erfolg gehabt. Nun meint Herr v. Jagemann, ein Erfolg werde erst eimreten können, wenn bei der tiefen gegenseitigen Verärgerung der zu sammelnden Fraktionen autoritative Per­sönlichkeiten daraus, die sie auch beim Wider­streben nachziehen, biszudenhöchstenAemtern herangeholt werden." Er will also nicht, wie der Reichskanzler, mit einer Arbeitsgemeinschaft im Reichstage anfangen, sondern ohne vorherigen Unterbau ein Koalitionsministerium aus den Führern der zu sammelnden Parteien bilden, und diese einzelnen Minister sollen jeden ihrer Parlei- genoffen auf die positive Seile hinüberziehen, sodaß sich eine Arbeitsmchrheit bildet.

Ja, hat denn nicht der Reichskanzler und Mi« nistcrprüsident schon einen gewissen Ansatz zu einem Koalitionsministerium vemacht, als er neben dem konservativen Herrn v. Dallwitz den mittelparteilichen §rhrn. v. Schorlemer und den liberalen Bürgermeister entze in das Ministerium berief? Offenbar bedeutet dieses Revirement ein Entgegenkommen gegen die nationalliberale Partei. Aber hat es etwas geholfen ? Vielleicht sagt Herr v. Jagemann, die Persönlichkeit des neuen Finanzministers sei nicht autoritativ genug? Wer ist denn autoritativ genug für beide Flügel der nationalliberalen Parket? Etwa Herr Basser­mann? Aber wie könnte Herr v. Bethmann Hollweg den in ein Koalitionsministerium der Parteien-Sammlung berufen, nachdem Herr Baffer- mann fortwährend die Ai sicht vertreteu hat, im Pmikte der Reichsfinanzreform müsse Buße getan und Besserung geleistet werden, und seine Partei könne erst mittun, wenn man volkstümliche, d. h. liberale Politik treiben wolle. Das wäre kein Sammlungsminister, sondern eine Sprengbombe im ' Ministerium. Die konservative Partei müßte in die Opposition gehen, wenn die liberale Politik dftser Art eingeleitet würde, und das Zentrum könnte auch

nicht mehr müarbeiten, obschon es den besten Willen zur Mitarbeit auch nach der Nichtberücksichtigung bei der letzten Auffrischung des Ministeriums unver­ändert bekundet hat.

Die jetzige Führung der nationalliberalen Partei will sich nicht als Glied der Arbeitsgemeinschaft sammeln lasten, sondern sie will in Anlehnung nach links das Wahlglück auss äußerste versuchen, um sich die ausschlaggebende, herrschende Stellung zu erringen. Dieser skrupellose Machthunger würde durch die Berufung des einen oder des andern liberalen Ministers nicht gestillt werden. Aus eine liberale Regierung ist es abgesehen, und deshalb auch auf die Beseitigung des Herrn v. Bethmann Hollweg.

N a ch den Wahlen wird vielleicht der rechte Flügel der nationalliberalen Partei heranzuziehen fem zur Arbeitsgemeinschaft, aber nur von einem über der Partei stehenden Ministerium. "*

Deutsches Reich.

** Berlin, 2. Jan. 1911. Der Krouprinz besichtigte in Mattra das Regiment des Kaisers, die Royal Dragoons.

-4- Für die Carnegie-Stiftung hat der Kaiser m einem eigenhändigen Schreiben seinen Dank ausgesprochen. Es heißt dartu:

In Ihrer Mittellung vom 22. September benach­richtigten Sie mich von Ihrem hochherzigen Entschluß, die Summe von I V« Millionen Dollar für Deutschland zu stiften, um das Unglück zu mildern, das fich im Bereich deS Deutschen Reiches und auf seinen Gewässern bei heldenmütigen Anstrengungen zur Rettung mensch­lichen Lebens ereignet, und das den Tod oder Invalidität der Lebensretter zur Folge hat. Dieser neue Beweis Ihrer weltbekannten Menschenfreundlichkeit und Groß­herzigkeit hat mich im höchsten Maße erfreut, und ich betrachte die gewählte Zweckbestimmung als besonders glücklich. Die Stiftung wird in hohem Maße dazu beitragen, daß in Zukunft die Ehrenpflicht der Mensch heit, für die Opfer heldenmütiger Selbstaufopferung zu sorgen, mehr erfüllt wird, als es bisher möglich war. Sie wird in edlen Menschen den Wunsch an- regen, Rettungstaten zu vollbringen, indem sie alle Sorge um die Zukunft ihrer Hinterbliebenen bannt. Ich betrachte eS als ein Herzensbedürfnis, Ihnen im Namen des deutschen Volkes den wärmsten Dank zu sagen, und zum dauernden Gedächnis Ihrer edlen Tat werde ich Ihren Namen mit der Stiftung verknüpfen.

Der Kaffer erklärt sich auf Wunsch Carnegies bereit, daS persönliche Protektorat über die Stiftung zu übernehmen und ein Kuratorium zu ihrer Ver­waltung zu ernennen.

+ Der Zentrumsabgeordnete AloiS Schmid, der Vertreter des Wahlkreises Jmmenftadt-Lindau, ist in der Neujahrsnacht nach kurzer Krankheit im Alter von 56 Jahren gestorben.

Abg. Schmid hat dem Reichstage seit 1893 an­gehört. Geboren am 2. Juni 1854 zu Zaumberg im Allgäu, besuchte er die Volksschule. Obwohl er keine akademische Bildung besaß, hat er sich als Schriftsteller in seiner Heimat sehr bekannt und beliebt gemacht durch seineSilber aus dem Allgäu", die in 5 Bänden erschienen sind. Parlamentarisch ist er in der Oeffeut- lichkeit weniger hervorgetreten, wegen seines liebens­würdigen Wesens hat er sich jedoch allseitige Achtung erworben.

Der Wahlkreis, der in den siebziger Jahren nationalliberal vertreten war und zwar durch den bekannten R«htSanwalt Dr. Völk aus Augsburg, der am Schluffe der SHstou 1879 zusammen mit dem Bankdirektor v. Schauß als Führer der sogen. Schäußlichen Völkerschaften", d. h. des rechten Flügels der nationalliberalen Frattion, aus dieser aus dieser auStrot, wurde 1887 vom Zentrum er­obert und mit Ausnahme der Septenatswahlen 1887, wo der Rationalltberale Keller gewähft wurde, behauptet. Schmid siegte im Jahre 1907 in der Stichwahl mit 13 836 Stimmen gegen den National- liberalen Bader, auf den 10831 Stimmen entfielen bei einer Wahlbeteiligung von 83,1 Prozent. Im

Sin gefährliches Geheimnis.

65] Roman in zwei Bänden von Charles Reade.

Mein lieber Mann", antwortete Monkion mH dein Ausdruck des Erstaunens,ich habe einen alten Freund besucht und will nun wieder nach Hause gehen. Hoffentlich bin ich nicht auf einen verbotenen Weg geraten? Man sagte mir doch, dies wäre der richtige Weg nach dem Dorfe "

DaS ist er auch", sagte der Aufseher; übrigens müßten Sie aus diesem Wege dem Menschen begegnet fein "

Nein, Sir", erwiderte Monkton,begegnet ist mir niemand, überhaupt habe ich niemand gesehen, außer einem Herrn, der dort durch das Wäldchen ging, als ich daran vorüber kam."

Wie war sein Aussehen, Sir?"

Ich habe ihn nicht genau betrachtet; er ging auch In großer Eile an mir vorbei."

Das ist er sicherlich gewesen", meinte der Auf­seher.War sein Gesicht auffallend blaß?"

Das habe ich nicht bemeckt; im Gegenteil, er schien vom raschen Gehen echauffiert zu sein."

Wie war sein Anzug, Sir?"

Wie viele junge Leute ihn jetzt tragen; alle« aus einem Stoff."

Hell oder dunkel?"

Hell, wenn ich nicht irre."

War es ein Tweedanzug?"

Ich glaube fast. Was hat er denn getan? irgend etwas Böses? Es kam mir vor, als ob er in Angst

iNach welcher Richtung ist er gegangen, Sir?"

Ich glaube, nach dem großen Hause zu."

LKommt!" rief der Aufseher, und MonktonS fal­scher Angabe folgend, liefen die Männer vor Eifer 'glühend davon.

L Leonhard Monkton verlor keinen Augenblick; er Mchte sich um zwanzig Jahre jünger und begab fich m der Gestalt eines alten Bekannte» nach der Schwarzbraunen Kuh", mietete da« einst* gBieet *

chen, das hier zu haben war, und fuhr mit Windeseile nach Derby. Von hier aus schickte er ein Btllet nach seiner ländlichen Wohnung mit der Nachricht, daß er durch plötzliche Geschäfte nach der Stadt gerufen sei, in acht Tagen jedoch zurückkehren würde. Natür­lich hatte er nicht die Absicht, sein Angestcht jemals wieder In der dortigen Gegend zu zeigen.

Indessen traten Ereignisse ein, welche sowohl seine wie Barüey'» Flucht vereitelten, gleichzeittg aber ihrem unheilvollm Bündnis ein Ende machten.

Hope wollte Barkley's Kohlengrube zum letzten Mal in Augenschein nehmen und ging dabei mit Gründlichkeit zu Wecke Lor einigen Monaten war seinem klugen Rate zufolge ein neuer Schacht eröffnet und hätte bereits im vollen Betrieb fein können, wäre nicht Bartley'S Geiz störend dazwischen getreten. Hope überzeugte sich jetzt, wieviel Fuß noch zu seiner Voll­endung fehlten, und schrieb dies für Backletz auf.

Dann begab er sich, alles einer genauen Prüfung unterziehend, nach dem andern Ende der Kohlengrube und erreichte eine Ack Halle, die um Vieles höher war als die angrenzenden Stollen Nach der einen Seite zogen sich dieselben wett unter der Erde fort; nach der anbern Seite war die Halle durch feste Wände geschloffen. Zwei der Stollen führten von hier aus mach dem alten Teil der Grube, dessen Bal­kenwerk der Meldung zufolge nachgeben sollte.

Die Halle war der Schauplatz emsiger Tätigkeit. Leere Kohlenkarren wurden fortgeschafft, volle heran- gefahren, und die Arbeiter tragen Grubenlampen, die wie Irrlichter schwankten und glühten. Jetzt läutete eine Glocke, und der Tell der Arbeiter, denen dies Signal gatt, begann die Jacken anzuziehen und das Erscheinen des Fahrstuhls zu erwarten, der sie in Abtellungen hinauffchaffen sollte. In diesem Augen­blicke bemerkte Hope zn feiner Ueberraschnug ein Ge­sicht, daS ihn an Sen Burnley erinnerte. Er trat näher, um zn sehen, ob er fich nicht irre, und fand daß es wirklich Ben Burnley war. Der Schuft hatte die Frechhett, sein Grubenlicht zu erheben, als ob er Hope bei seiner Prüfung lewchttn wolle.

»Habe ich Sie nicht entlassen?" fragte Hope. '

ersten Wahlgang erhielt er von 24 631 gütigen Stimmen 12013, während auf Bader (natl.) 10633 und auf den Sozialdemokraten Ischinger 1999 Stimmen entfielen. Die liberalen Blätter freuen sich bereits, mit Hilfe der Sozialdemokratie dem Zentrum das Mandat abnehmen zu können. Unsere Parteifreunde werden ihnen hoffentlich eine bittere Enttäuschung bereiten.

O Konservative und Nationalliberale. Die,Kreuz- jeitung' veröffentlicht an leitender Stelle als ein bedeutsames Stimmungsbild" eine Zuschrift eines Herrn v. Bülow, in der nach einem Rückblick auf die politische Entwicklung feit der Blockpolitik über die Sage in der nationalliberalen Partei und über die notwendige Stellungnahme der Konservativen zu den Nationalliberalen ausgeführt wird:

Man hat vielfach prophezeit, daß die National- liberalen auf die Dauer nicht tn sich geschloffen und einig bleiben könnten, und man muß tn der Tat mit dem Gedanken rechnen, daß die Partei, falls die jetzige Parteipolitik wettergeführi wird, einmal in zwei Hälften auseinanderfällt. Ich meine fast, daß Herr Baffer- mann schon längst dem Grobblock nut Haut und Haaren verschrieben wäre, wenn nicht immer noch vorn rechten Flügel der Partei her ein Halt ertönte. Und doch liegt nach allem der Gedanke ntcht fern, daß auch Herr Bafserrnann über kur, oder lang mit einem Ausein­anderfall rechnet. Sehr klug von ihm, wenn er durch eine doppelzüngige Politik möglichst lange den Riß ver­kleistert, um die Wahlhilfe des rechten Flügels nicht zu entbehren und um den Konservativen über das wahre Gesicht der Majorität des NattonalliberalismuS Sand in die Augen zu streuen. Dann wird eS den Konservativen schwer, die nationalliberale Partei eben­so rücksichtslos zu behandeln, wie sie bett Fortschritt einfach behandeln muß. Hiervon aber profitiert der Jungliberalismus; er reißt den rechten Flügel mit sich, je länger die Unklarheiten bleiben. Können wir nicht vor und bei den kommenden Wahlen dazu beitragen, eine Klärung innerhalb der nationalliberalen Reihen zu schaffen? Es ist ein gewaltiger Unterschied, ob wir einen Rechtsnationalliberalen unterstützen oder einen Jungliberalen. Letzterer steht in Kampfesart und praktischer politischer Betätigung beim Fortschritt und im Großblock! Ersterer gehört noch zur alten Mittelpartei und ist bündnisfähig. Ich meine auch, wir werden gezwungen werden, zwischen rechts und linkS scharf zu scheiden, und können einen Rechtsnationalkiberalen nur unterstützen, falls er sich von Bafserrnann und dem JungltberaliSmus offiziell loSsagt. AuderS kräftigen wir doch nur den Jungliberalismus, schaden damtt uns selbst und schädigen die nationale Sache, denn daS Vorgehen des Grobblocks ist nicht national, sondern nur demagogisch und wird es wohl noch bis nach den Wahlen bleiben. Dann ist aber der irre­parable Schaden da. DaS Haustein der rechten, der standhaften Nationalliberalen, flaut immer mehr ab und versinkt zur Bedeutungslosigkeit, die wir fördern helfen, da wir nicht rechtzeitig selbst rücksichtslose Klar­heit forderten. Wir müssen handeln, die Regierung handelt nicht. Sie läßt die Sache laufen bis zum Tage von PhUippi, an dem das rote Gold des Amerikanis­mus die nationale Würde Deutschlands begräbt. Die Regierung will Liberalismus und Fortschrttt zur Regierungsfähigkeil ergeben und merkt nicht siehe Block, daß sie selbst dadurch zur Regierungsunfähig­keit erzogen wird. RI arbeit überall kann heute nur helfen. Regierung und Volk muß klar erkennen, welches Gesicht die Parteien haben, und keine törichte Scheu vor unbegrünDeten Borwürfen darf uns verhindern, den Grundsatz festzustellen, daß jede Partei, die heimlich oder offen der Sozialdemokratie die Wege ebnet, wie diese selbst zu bewerten ift'

Die sehr beachtenswerten Darlegungen deS Herr« v. Bülow decken sich im Großen und Ganzen durch­aus mit den von unS vertretenen Anschauungen.

----- Männerfiolz und Ordensfräcke. Der ,Pfälz. Kur." schreibt: »Als der frühere Reichs- tagsprästdent Graf Stolberg von einem konser- vativen Abgeordneten einmal gefragt wurde, warum er denn ftelS zu seinen Abendenim Frack" einlade, während man früher doch immer im Gchrock" erschienen sei, antwortete er mit dem ihm eigenen Lachen:

Frellich, mein Junge!" antwortete Ben,aber der Herr hat mich wieder genommen."

MU diesen Worten reichte er ihm das Blatt mit Bartlch'S Befehl und Unterschrift.

Hope biß sich auf die LippenBarüey wird eS bereuen", sagte er ruhig; dann aber, als Burnley fortgegangen war, rief er zwei in der Nähe beschäftigte ©rubäileute heran.

Habt ein scharfes Auge auf den Menschen", sagte er,solange et sich in der Mine befindet, ist Euer Leben in Gefahr."

Burnley lehnte sich in stech« 'Haltung an einen KoPenkarren, gab übrigens aber den ihn beobachten­den Männern keinen Anlaß zum Verdacht. Gleich darauf erschien der wackere Grubenarbeiter, der Hop« zum Besuch der Kohlengrube veranlaßt hatte, und forderte ihn auf, das Balkenwerk sogleich zu besich­tigen.

Hope fragte, ob in der Nähe desselben Arbeiter beschäftigt wären; der Mann erwiderte, daß e» nicht der FM sei.

Um s» besser", sagte Hope;ich will nur noch einen Blick auf daS Grubenwasser werfen und komme dann gleich, um das Balkenwerk zu untersuchen."

Unglücklicherweise wurde Burnley durch dieS Ge­spräch genau unterrichtet, was er zu tun hatte. Schon war durch seine Hand eine Dynamitpatrone nebst einer etwa fünf Minuten brennenden Lunte in dem gefahrdrohenden Holzweck versteckt; nachdem er HopeS Worte belauscht hatte, schlich er fort, zündete die Lunte an und kam eilig zuruckgelmffen, sich auS der Grube zu retten, während Hope in der totbckngenden Falle Ntrückblieb.

Jetzt aber kam Grace im Fahrstuhl an, erblickte den Vater und rief, auf chn zulauseud:

Papa, lieber Papa!"

Du hier, mein Kind?"

Man will Dich ums Leben bringen. Ein Mann, der Burnley heißt, will den alten Tell der Grub« durch eine Explosion zerstören, während Du gerade dort bist."

Weil die Freisinnigen ihre Orden so furchtbar gerne fpajteren tragen, und das geht nur im Frack.»

Diese wahre Geschichte paßt brillant zu dem illustrierten" Reisegepäck deS frei unntgen Oftaften. lahrerS Dernburg, der auf jeden Rohrplatten, koffer und jede Hutschachtel sich mit großen Lettern malen ließ:Exzellenz Dernburg".

+ Terrorismus der freie« Gewerkschaften. Der engere soziale Ausschuß des Landesverbandes evan­gelischer Arbeitervereine veröffentlicht nachfolgende, von chm soeben gefaßte Resolution:

»Der Landesverband evangelischer Arbeitervereine nn Königreich Sachsen lenkt die Aufmerksamkeit aller bürgerlichen Kreise auf die Takiache, daß neuerdings die sozialdemokratischen Gewerkschaften dadurch ihre Macht zu vergrößern bestrebt sind, daß sie Tarifver­träge mit Arbeitgeberverbänden abschließen, kraft welcher nicht sozialdemokratisch organisierte Arbetter von der Beschästtgung in den Betrieben der Vertrags« schüeßenden Unternehmer ausgeschlossen werden. Muß eS schon wundernehmen, baß Arbeiterorgani­sationen derartige Verträge vorzulegen den Mut haben, so ist unsere Entrüstung darüber noch viel größer, daß Arbeitgeberorganisationen um des lieben Friedens willen vor der gewerkschaftlich organisierten Sozial« bemofratie die Waffen strecken, obwohl sie von der politifd) organisierten Sozialdemokratie nach wie vor aufs heftigste bekämpft werden. Wir richten die ernste Bitte an die Unternehmer, allen Versuchen von sozial- demokratischer Seite, ihnen solche Tarife aufzudrängen, mit größter Entschiedenheit zu begegnen und hegen die bestimmte Erwartung, daß alle Streife des Bürgertums - ganz gleich, welcher Parteirichtung sie angehören, die nicht sozialdemokratischen iHrbetferorgan ifationen in ihrem Kampfe um die Entwickelungsfreihett unter­stützen möchten."

Diese Resolukion ist zurzeü insofern von beson­derem Jntereffe, als in Rörha infolge eines solchen Tarifvertrags, wie er oben gekennzeichnet wurde, ein schwerer Konflikt im Kürschnergewerbe auS- gebrochen ist.

-T- Regelung des Kalistrettes auf diplomatischem Wege. Rach einer Meldung deS New-DockerSun" aus Washington hat Staatssekretär Knox durch Ver­mittlung des amerckanischen Botschafters in Veckin Hill eine Note an die deutsche Regierung gerichtet, worin der Wunsch der Vereinigten Staaten ausgedrückt wird, den Kalistrett auf diplomatischem Wege zu re­geln i

)( Die Bekämpfung des Schmutzes i» Wort uud Bild ist eine Aufgabe, welcher sich auch die Be­hörden mit einem Eifer aunehmen, der uns mit Genugtuung erfüllen kann. Die Ueberwachung deS Handels mit unzüchtigen Schriften, Abbildungen und Darstellungen vom Auslande her sollte nach Anordnung des Justizministers vom 1. Januar ds. IS. ab nur noch durch die Staatsanwatt« schast beim Landgericht L, Berlin, wahrgenommen werden. Hierzu hat der Minister deS Innern jetzig bestimmt, daß alle Polizetverwaltungen vom 1. Januar ab alle von ihnen auf diesem Ge­biete gemachten Beobachtungen und Feststellungen unverzüglich dem Polizeipräsidenten in Berlin mit«; zuteilen haben. Von diesem werden seine eigene» Beobachtungen und die bei ihrn eingelaufenen An­zeigen der Polizeiverwaltungen an die Staats­anwaltschaft Berlin I weitergegeben werden, sofern ein Anhalt zum Einschreiten vorliegt. Im übrigen verweist der Minister auf seine früheren Erlasse uud fordert die Regierungen auf, die Polizeiver« wattungen ihres Bezirks mit entsprechender An­weisung zu versehen und dabei zugleich hervorzu­heben, daß zur wirksamen Unterstützung der Staats«' anwattschaft auf diesem Gebiete eine möglichst um-' gehende Benachrichtigung des Berliner Polizeipräfi« deuten in jedem einzelnen Falle unerläßlich ist. '

Ausland.

* Das Befinden des Kaiser» Kran, Joseph ist sehr gut und gibt nicht zu den allermindestens

Eine Explofionl" schrie Hope entsetzt.Der einen werden fünfgig andere folgen. Zieht die Glocke, Hierher, Leute! Die Grube ist in Gefahr!" .

Die Arbeiter kamen her beigelaufen.

Ben Burnley will die Grube sprengen!"

Ein Schrei der SBut brach lo6, der sich im näch» sten Augenblick in emen Schreckeu-schrei verwandelte,' be n ent ferne Explosion wurde hörkchr Hope nahm feine 3 achter in die Arme und trug sie in estre Art Höhle.

Nicht, Leute, an daS andere Ende der Mine!" rief er den Arbeitern zu.

Eine lautere Explosion wurde hörbar. Bumley stürzte herbei, vor den Folgen seiner Missetat ent­fliehend, aber Hope packte ihn und hielt Aja fest.

Nicht von der Stelle!" herrschte er ihn an.Tot oder lebendig. Sie find der Letzte, der die Grube ver­läßt.

Burnley rang wütend, fich frei $u machen, aber Hope warf ihn zu seinen Füßen nieder. In demsel­ben Moment erfolgte eine dritte, stärkere Explosion; die eine Settenwand der Halle stürzte ein; die Erde schien in ihren Grundfesten zu beben. Auch der Fahrschacht stürzte ein und verschüttete eine Anzahl armer Grnbenleute, welche sich auf diesem Wege zu retten gehofft hatten. Für den Moment waren nur diejenigm in Sicherhett, die sich, yope8 Weisung folgend, nach einem andern Teil des Bergwerks ge­flüchtet hatten, und als der erstickende Dampf und Staub sich verzogen, stand Hope bleich wie der Tod, aber fest wie Eisen inmitten der Trüimnerstätte; der Mörder lag zu seinen Füßen, und die arme Grace kauerte zitternd in ihrer Steinnifche. Was diese Drei zu erwarten hatten, war entweder schneller Tod durch Ersticken in KohlengaS, ober langsames Verschmach­ten, ober Rettung von außen her. Diese war jedoch durch den Umftanb erschwert, baß bis letzt mir der eine Fahrschacht existierte, den ein Berg von Scheck und Gestein »«schloß.

(Fortsetzung folgt)