MaerW Zeitung
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38. Iadr-ian-z
Fulda, Montag den 2. Januar 1911.
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Serant». Sedaltemr «artSckNtt«,
Bartley flüchtete indessen voll tödlicher Angst nach seürein eigenen Haus« und begann das Notwendigste zusannuenKupacken, um die Gegend zu verlassen. Monk- ton zog sich in den Schutz des Kieferwäldchens zurück, um von diesem ziemlich durchsichtigen Versteck aus die Vorgänge an der Kohlengrube zu beobachten und für den "Fall, daß Hope unverletzt zum Vorschein kommen sollte, sofort Fersengeld zu geben. Als er aber drei oder vier Männer von der Mine auf sich zukommen sah, geriet er in Angst und zog sich in ein angrenzendes Gebüsch zurück Es war so dicht, daß es für den Augenblick einen sicheren Schlupfwinkel abgab; aber er überzeugte sich schnell, daß es zu wenig Umfang hatte, um unbemerkt daraus fortschleichen zu können. Sein scharfer Verstand sagte ihm, daß aller Wahr-
* Berlin, I. Jan. 1911. Der Kaiser ernannte die Generalobersten Graf v. Schliffen, v. Bock und
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Unheil.
Die Verbündeten sahen Grace leicht wie ein Reh über einen Zaun springen und dem Eingang der Kohlengrube zueilen. Dort fand eine hastige Unter- lebung zwischen ihr und den Anwesenden statt, worauf eurige der Leute auf Hopes Wohnhaus zuliefen.
Was dazu Vermilaffung gegeben, war folgendes:
Atemlos war Grace bei der Kohlengrube angelangt und hatte g-veten, sie sofort einfahren zu laffen.
.Bedauere, Miß, das könnte nur mit besonderer Erlaubnis Mr. Hopes geschehen', antwortete der Aufseher.
ihr ab. ,
.Lassen Sie mich augenblicklich hinunter', fuhr Grace fort Es ist im Werk, die Mine in die Lust zu sprengen, um meinen geliebten Vater zu töten."
„Die Mine in die Lust zu sprengen", wiederholte der Mann erschreckt. „Wie soll das geschehen? . . . Wer will das tun, — Holla! schnell den Fahrstuhl bereit machen!"
„Ein gewisser Burnley, aber er ist durch einen Fremden dazu erkauft. Lassen Sie mich einfahren, um meinen Vater zu warnen; Sie aber müssen eilen, den Fremden fchzuhalten. Verkennen können Sie chn nicht. Er trägt einen ganzen Anzug von Hellem Tweed, hat sehr schwarze Augenbrauen, ein leichenblasses Gesicht und einen dicken goldenen Ring am kleinen Finger der rechten Hand. Sie werden ihn in der Nähe meines Vaterhauses finden; aber weder Sie noch ich Dürfen einen Augenblick verlieren."
Der Aufseher ries noch drei andere Männer herbei, mit denen er dem Hvpe'fchen Hause zulief, während Grace in die Kohlengrube einftchr.
scheinlichkcit nach Grace die Grubenleute auf ihn gehetzt und denselben eine genaue Beschreibung seines Aussehens gegeben Hobe. Er geriet in tödlich« Angst, war aber daraus vorbereitet, ähnlichen Gefahren zu begegnen. Das erste, was er tat, war, seinen Anzug, den er für solche Fälle eingerichtet hatte, umzuwenden. Er war aus der einen Seite von Hellem Tweed, aus der anderen von leichtem, schwarzen Wol- lenstofi, sodaß dies Wenden eine vollständige Verwand- hing bewerkstelligte. Dann ersetzte er sein farbiges Halstuch durch ein schwarzes, zog einen kleinen Handspiegel eine Hafenvfote und was sonst erforderlich war, aus der Tasche, bräunte fein Gesicht, setzte eine bewunderungswürdige graue Perrücke auf, fügte die paffenden Bärte hinzu, gab seinen Augenbrauen das nötige Grau und hinkte als schwacher, alter Mann au« dem Gebüsch hervor. Plötzlich fiel sein Blick auf den goldenen Ring.
„Oho,", sagte er zu sich selbst, „das Mädchen ist klug und scharfsichtig genug, um in aller Unruhe auch solche Kleinigkeiten zu beachten." Dabei zog er den Ring vom Finger ab und war im Begriff, ihn in die Tasche zu stecken, aber dann kam ihm ein besserer Rat und er wcas das Schmuckstück in den Sumpf. Dann ging er dem Dorfe zu. Die Verfolger hatten inzwischen rings um das Haus nach chm gesucht und ihn natürlich nicht gefunden, nun aber sah ihn einer der Man- ner in geringer Entfernung über die Wiese gehen; sie rannten ihm nach und riefen:
„Holla! Sie dal"
Er ging langsam weiter und schien sie nicht zu beachten, bis sie ihn, immer nachlaufend, in der Nähe anschrieen; nun blieb er stehen, sah sich um und zog, wie um besser sehen zu können, eine große Brille au« der Tasche und setzte sie quf. Durch diesen neuen Kunstgriff wurde seine Verkleidung erst eine vollständige, während er durchaus natürlich erschien, daß ein so alter Wann seine« Augen zu Hülfe kam, um besser sehen zu können, was vorging.
Mas haben Sie hier zu schaffen?" fragte einer der Arbeiter.
(Fortsetzung folgt.)
3. parzeller in Fulda. wochenbeilag«: „llllustrie
Ein gefährliches Geheimnis. 1 64] Roman in zwei Bänden von Charles Rcade.
Unglücklicherweise hatte Monkton Hopes Werkzeugkasten auf einem Fensterbrett stehen sehen und sofort einen langen Nagel schräg durch den Fuß der Tür getrieben, sodaß sie unbeweglich feststand. Mit leisen Schritten wendete sich Grace dem Fenster zu; eben legte sie die Hand aus das Brett, um sich hinaufzuschwingen und von dort aus als geübte Turnerin mit kühnem Sprung die Fahrstraße zu erreichen; aber auch hier kam ihr der wachsame Verfolger zuvor; er erhob den Hammer, als ob er beabsichtige, ihr die Hand zu zerschmettern, obwohl er möglicherweise davor zurückgeschreckt wäre. Aber sie war ein Weib und wich vor der drohenden Bewegung zurück. Sogleich swloß er die äußeren Läden — um das Fenster kümmerte er sich nicht — und begann auch diese zu verna- aeln. Damit war die Falle geschloffen; er konnte sich Zeit nehmen, und mit natürlichem Rückschläge ging seine Stimmung von Furcht in Lustigkeit über.
„Schönen Tank, Mr Hope, für das Zurhandstehen Ihrer Werkzeuge", sagte er zu dem begleitende» „rat- fat" seines Hammers. „So, kleiner Vogel, da bist Du sicher im Käfig! (rai-tat-tat). Glaubtest Du wirklich (rat.tat), zwei Männer würden fich^(rat-tat-tat) von einem Frauenzimmer besiegen laffen?"
Nachdem er sich in dieser Weise feiner Gefangenen versichert hatte, trat er mit gerechtem Stolz zurück, sein Werk zu bewundern. Auf diese Weise konnte er auch die eine Giebelseite des Hauses, das er in den beiden Hauptseiten sicher verschlossen hatte, übersehen und erblickte Grace, die sich aus dem Fenster ihres Schlafzimmers niederließ. Sie hatte zwei rote Vorhänge mit einem sogenannten Fischerknoten zusammen- aebunden, das eine Ende derselben an die Bettstelle oder auf sonst eine Weise befestigt und ließ sich nun an diesem improvisierten Kletterseile mit eben so viel Anmut und Sicherheit nieder, als ob sie eine Mar- mortrestpe henmterstiege. Monktou schwang sich ungestüm üb« die Planke; seine Fingerspitzen erreichten die sckwebmde Gestalt; sie aber stieß sich mtt den Fer-
Botschaftern vor.
* Die leitenden Staatsmänner des Dreibundes haben zum Jahreswechsel Glückwünsche ausgetauscht. Aus Rom, 31. Dez., wird berichtet:
Reichskanzler von Bethmann-Hollweg und Minister des Aeußeren Graf v. Aehrenthal Haden dem Minister des Aeußeren Marquis di San Giuliano telegraphisch ihre herzlichen Glückwünsche zum Jahreswechsel übersandt und ihn gebeten, mich dem StSuigt tljit -'Ji*} -? zu übermitteln. Marymö
di San Giuliano hat ihnen darauf s«iu<> Wünsche in gleich herzlichen Worten ausgedrückt, ihnen *«« Dank des Königs ausgBorvchen und st« gebeten, auch iljten Herrschern seine Wünsche zu übermitteln.
Auch untereinander haben der Reichstanz-er v. Bethmann-Hollweg und der Minister Graf v. Aehrenthal Neusahrswünsche ausgetauscht. Der russisch« Minister Ssasanow beglückwünschte telegraphisch den Reichskanzler zum Jahreswechsel. Dieser antwortete mtt einer Dankdepesche. Das russische Neujahr ist bekanntlich erst in zwei Wochen.
)( Mit den Fleifchpresien beschäftigt sich wiederum der „Rückblick", eine Art wöchentlicher amtlicher Kundgebung znr Politik, in der ,Nordd. Allgcm. Zlz/. Da wird gegenüber der verlogenen Flrischnotmache auf die 'Lage der Tatsache verwiesen, daß die deutsche Landwirtschaft in der Lage ist, 95 Proz., also den überwiegend größten Teil des Fleischbedarfs zu decken, und daß die Aufhebung der jetzigen Einfuhrbestimmnngen, abgesehen von der Gefährdung des deutschen Viehstandes, die inländische Produktion nur hemmen würde. Das Blatt fährt dann fort: „ ,, v
„Die meisten Grenzen finb geöffnet. Ans Rußland dürfen wöchentlich 2500 Stück Schweine geliefert werden, vollzählig wird die Zahl niemals ansgenutzt. Oesterreich- Ungarn'kann Rindvieh ohne Einschränkung liefern, und 80000 Stück Schweine. Auch diese Zahl wird nicht eingehalten. Oesterreich leidet selbst unter einer Fleischteuerung. Aus Dänemark kann Rindvieh unter bestimmten Vorsichtsmaßregeln eingesührt werden. Die Einfuhr fiischen Fleisches kann fast aus allen Ländern erfolgen. ______________________
Dann folgt ein Hinweis auf einige volkswirtschaftliche Wahrheiten, die eigentlich längst Gemeingut aller vernünftigen Leute geworden sein sollten, deren Verbreitung aber an der Unwahrhaftigkeit der liberalen und sozialistischen Hetzpresfe ihre Grenze findet:
„Ungewöhnliche Steigerung der Vieh- und namentlich der Fleischpreise ist eine sich öfters wiederholende volkswirtschaftliche Erscheinung; hohe rind niedrige Preise wechseln seit einiger Zeit ständig ab. Die Viehzählungen aber beweisen, daß die Zunahme in den einzelnen Viehgattungen mit der Zunahme der Bevölkerung gleichen Schritt hält. Die Schweinehaltung hat im Verhältnis zur Bevölkerung bedeutend stärker zugenommen. Nicht zu übersehen ist auch, daß die Fleischqualität besser geworden ist, und das auch die Schlachtprozente steigen. Sowohl die höheren Preise aus den Jahren 1905/6 als auch dir jetzigen sind eine Folge ungünstiger Ernten. 1904 und 1909 waren für dir Landwirtschaft wenig günstig. Der geringere Ernteertrag macht es unmöglich, den Bieh- bestand in alter Stärke beizubehalten, er mußte zum Teil verringert werden. Er verringert ferner aber auch die Einnahmen. Da nun die Ausgaben in den schlechten Jahren immer höher sind als in den guten Jahren, wird der Landwirt nun gezwungen, durch Verkauf von Vieh die Wirtschaftsunkosten zu decken. Nun aber ist der Landwirt nicht in der Lage, einen verringerten Viehbestand im Laufe einiger Zett oder Wochen wieder auf eine normale Höhe zu bringen. Das dauert Monate. Abgesehen von einer anormalen Preisgestaltung nach schlechten Erntejahren werden die Vieh- und Fleifchpreise immer eine steigende Tendenz zeigen. Diese macht sich nicht allein in Deutschland bemerkbar, sondern für alle europäischen Länder. Sauptursache ist zunächst die Steigerung der roduktionskosten. Parallel mit der Steigerung der direkten Bettiebskosten geht die Zunahme der kommunalen und sozialpolttischen Lasten. Landgemeinden mit 400 bis 500 Prozent Zuschlag zu den Staatssteuern sind nichts Seltenes. Die Beiträge zur Unfall« und Invalidenversicherung, zur Haftpflichtversicherung mehrer sich von Jahr zu Jahr. Dieses alles trägt mit bei zur Vermehrung der Produktionskosten, ferner wirkt der steigende Wohlstand der Bevölkerung ebenfalls preissteigernd. Heute werden nicht allein größere Mengen Fleisch verbraucht, sondern auch hinsichtlich der Qualität größere Anforderungen gestellt. Die Erzeugung besserer Qualitäten muß steigende Preisbewegung nach sich ziehen."
* Der Ankunfts-Stempel in Bayern. Das baneriftf Verkehrs - Ministerium hat gegen das einstimmige gegenteilige Gutachten sämtlicher if?m unterstellten Oder - Postbirektionen die Wieder- ein fuhr-»« $ des Ankunft- - Stempels für Einschreibebriefe unb 1. 2»-»uuc 1911
ab an geordnet.
* Karlsruhe, 31. Dez. 1910. Die amtlich« .Karlsruher Zeitung', die unter dem unmittelbaren Einflüsse des Ministers Frhrn. v. Bodmann steht, brachte einen Weihnachtsartikel, der nichts geringeres darstellt, als eine Mahnung an die bürgerlichen Parteien, sich mit der Sozialdemokratie zu vertragen. Es heißt da u. a.:
„Aus dem gemeinschastlichen Arbeiten der Parteien, aus der gegenseitigen Toleranz ergibt sich die Möglichkeit, auch solche Parteien zur Mitarbeit am Staate zu erziehen, die ihm grundsätzlich sein» sind . . . Bon Reichsfeinden kann in dem Sinne, m dem das Wort bei seinem Aufkommen verstanden wurde, nicht mehr die Rede fein; auch die extremsten Parteien sind so sehr mit dem Reiche verwachsen, daß sie sich von ihm nicht mehr lösen können. Daß bei der Sozialdemokratie die große Mehrheit des Vorstände« und der Wählermaffe überzeugte Gegner des monarchistischen Staates sind und ihn am liebsten umstürzen möchten, ändert an dieser Tatsache, die eben stärker ist, als alle Umstnrzgelüste, gar nichts. Der Reichsgedauke hat sich, eben bereits so stark erwiesen, daß selbst die Partei,' die das Bestehende nach ihren eigenen Wünschen von Grund aus umändern möchte, ihm, wenn auch widerwillig, sein Recht zugesteht."
Also: es lebe der Großblock unter dem Pro- teftorate der badischen Regierung!
z Die Friedensglocken zu Neujahr.
Sie werden recht schwungvoll geläutet von den Offiziösen, sowohl in Berlin als in Wien.
An beiden Stellen hebt man hervor, daß der Dreibund seine Festigkeit und seine Wirksam- kett als Friedens st ütze im abgelausenen Jahre auf besonders erfreuliche Weise erwiesen habe. Zugleich wird festgestellt, daß die Beziehungen der Dreibundstaaten zu den anderen Großmächten in mehr als einer Richtung besser geworden seien. In Wien glaubt man sogar von einer „Friedens- sicher heit" sprechen zu können.
Auch der vorsichtige Beobachter wird anerkennen müssen, daß im Laufe des Jahres günstige Er- schcinungen auf dem hochpolitischen Gebiete em- getreten sind. Die Annäherung Italien- an Oesterreich und das verbündete Deutsche Reich ist seit langen Jahren nicht mit solcher Deutlichkeit. be- kündet worden, als 1910 unter der Munsterschaft be§ Marchese di San Giulano. Man gewann den Eindruck, daß seine Aussprache mit dem Grasen Achenthal über die üblichen allgemeinen Redewen- düngen hinaus gegangen sind und über d,e kritischen Fragen'faßbare Abmachungen herbeigesührt haben.
Ob Italien nun auf die Dauer zu den unbedingt sicheren Kantonisten im Dreibund gehören wird, muß man natürlich dahingestellt sein laffen. Se'en wir zufrieden, wenn es für die Gegenwart eine bedeutend größere „pupillarifche Sicherheit" bietet, als zu Zeiten der Algeciraskonferenz. Auch für die nächste Zukunft darf man das befte hoffen, weil jetzt die V e r füh r u n g zu bedenklichen „Exlra- touren" längst nicht mehr so stark an Italien herantritt. Frankreich, das früher die „Schwester- Nation" so gern von Deutschland abziehen rodHte, hat sich inzwischen friedlicher und freundlicher zu Deutschland gestelll. Rußland hat sich im letzten Jahre sowohl mit Oesterreich als mit Deutschland wieder auf guten Fuß gestellt, sodaß eine Wiederholung der sonderbaren Bogenfahrt nach Racconigi kaum in Aussicht steht. Und die englische Politik, die stüher nicht bloß an Italien, sondern sogar an Oesterreich als deutschfeindlicher Versucher heran- trat, hat auf die Hechtrolle im europäischen Karpfenteich allem Anschein nach verzichtet, ja sogar mit einem deutschen Auswärtigen Amte eine fortlaufende „vertrauensvolle Aussprache" eingerichtet.
Offenbar haben zur Beruhigung Europa's zwei Personenwechsel erheblich beigetragen: Der Tod des Königs Eduard VII. von England und der Rücktritt des verbitterten russischen Ministers Iswolsky.
Für uns Deutsche ergibt sich aus der Besseiung der hochpolitischen Lage die Erkenntnis, daß Fürst Bülow, dessen Gewandtheit von seinen Freunden ost sehr hoch gepriesen wurde, auch für die auswärtige Politik ebenso gut entbehrlich 'st, wie für die innere. Seit seinem Rücktritt ist zweifellos das Ansehen und die Tatkraft der deutschen Diplomatie gestiegen. Herr v. Bethmann- Hollweg hat sich in das ihm bisher fremde Ressort überraschend schnell emgearbeitet und bietet eine viel größere Gewahr sür zielbewußte Stetigkeit, als der schillernd-geistreiche Morlkünstler Bülow. Ter neue Staatsiekretär des Auswärtigen, Herr v. Kiderien-Wächter, hat sich bisher ans dem schwicngen Possen durchmrs bewährt.
Die auswärtige Politik bewegt sich immer in Wellenlinien ihrem Ziel zu, ans horizontalen Umwegen und über Hügel und Täler hinweg. Wenn sie nur im allgemeinen vorwärts kommt, so muß man froh und öanlbar fein, ohne über jedes Auf und Ab griesgrämig zu richten. Und im ver- stoffenen Jahre sind wir wirklich etwas vorwärts gekommen. Möge die Fortsetzung folgen.
—-deutsches Reich.
+ Der Kampf aller gegen alle, das scheint die Signatur deS neuen Jahres zu sein, in dem ein Wahlkampf ausgefochten werden wird, wie wir ihn in Deutschland wohl noch nie gesehen haben. . , , _
Zentrum und Konservative auf der einen Serie, die Sozialdemokratie auf der anderen Seite haben beretts ihre festen Kampfplätze eingenommen. Die Freisinnigen haben sich auf die linke Seite geschlagen, und nur die Natron«Iliberalen stehen noch unentschlossen da, nach welcher Sette sie Anschluß suchen sollen. Um diese Unentschlossenheit zu ver- bergen, erklären sie den Wahlkamps nach allen Seiten. In einer SNvesterbetrachtung schreibt der national-liberale Führer Bassermann über die nächsten Wahlen:
„Schwerer Kampf steht uns bevor. In jedem Wahlkreis zunächst als Gegner em Sozialdemokrat, der die Gunst der durch den schwarz-blauen Block für ihn geschaffene« Lage nützen will. In einigen Dutzend anderen wird der Sozialdemokrat mehr oder weniger unbestritten in die Stichwahl kommen. Als Gegner treffen wir zum zweiten in den Zentrumsrevieren den Zentruwsmann, thm vielfach verbündet der Bündler und der Konfervative oder umgekehrt em Bündler oder Konservativer vom Zenttum unterstützt. Da die Einigung mit der Fortschrittlichen Volkspartei in manchen Provinzen nicht zustande zu kommen scheint, muß damit gerechnet werden, daß sich da und dort liberale gegenseitig aus den Stichwahlen ausschalten.
Recht betrübt sind über die Kampfansage des Herrn Bassermann die Links'liberalen. Das /Berliner Tageblatt klagt:
Man hatte bisher noch immer mit der Möglichkeit gerechnet, daß zwischen den liberalen Parteien eine wahltaktische Verständigung erzielt werden würde Wenn aber auch Herr Bassermann mit einem Kampf gegen den Freisinn rechnet, so wird wohl das Verhängnis nicht mehr anszuhalten fein."
Die Reichspartei, die doch den Nationalliberalen in manchen Beziehungen nahesteht, ist über das Einbrechen der Nationalliberalen in ihre Wahlkreise unwillig. Ingrimmig schreibt die „Post":
Die nationalliberale Partei scheint es darauf anzulegen, für die bevorstehende Reichstagswahlen den Kampf aller gegen alle zu verkünden. Sie führt fort, überall den Besitzstand der anderen bürgerlichen Parteien durch Aufhellung von Gegenkandidaten zu bekämpfen . . . Die Reichspartei wird, wenn sie auch auf diesen gänzlich unvermuteten und heimtückischen Angriff nicht vorbereitet war, ihre Wahttreije zu verteidigen wissen. Mag auch der goldene Esel des Hanjabundes auf und ab die Lande traben, mögen auch amerikanische Gepflogenheiten für die Wahlen in Aussicht gestellt werden, die Anhänglichkeit der Wähler an die Persönlichkeiten, denen sie vor 4 Jahren ihr Vertrauen geschenkt haben, wird nicht so leicht zu erschüttern sein ... Es wird nichts helfe-,, als gleiches mit gleichem zu vergelten und mit einem Einbruch in die so zahlreichen, schwer bedrohten Wahlkreise zu drohen, in denen die konservativen Stimmen den Ausschlag geben. Wenn letztere sich der Stimmabgabe enthalten, dann liegen eine große Zahl der festesten Stützen des Herrn Bassermann platt auf dem Rücken, und sein Fästnleiu wird nur sehr schwach im neuen Reichstage vertreten sein.
Das glauben auch wir. Wenn Herr Basset mann mit seiner Partei im neuen Jahre den Kampf nach allen Seite« hin aufnehmen will, dann wird er bet seiner nächsten Siivesterbetrachlung wahrscheinlich nicht „neues Leben" für seine Partei zu buchen haben, sondern von einem „Zug des Todes" fchrei- ven lönnen. D-e Nationalliberaleu sind von jeher die Partei gewesen, die nur ans den Krücken anderer ins Parlament gehumpelt ist.
Polach und Freiherr« v. d. Goltz zu General- feIdmarschällen und verlieh den Generalobersten 0. Lindequist und v. Pleffm den Rang emes Gene- ralfeldmarschalls. _
** Neujahrsseier im Berliner Schlösse. Anläßlich des Neujahrstages begann gestern um 8 Uhr vor dem königlichen Schloß in Berlin das große Wecken. Das Kaiserpaar traf aus dem Neuen Palais um 9»/e Uhr im Schloß ein, vom Publikum herzlichst begrüßt. Die Anfahrt der Prinzen und Prinzessinnen, Fürst- lichkeiten, Generäle und Würdenträger, der Anmarsch der Galawache vom Garde du CorpS usw. bot ein wechselvolles Bild. In der Schwarzen Adler- f(immer nahmen die Majestäten die Glückwünsche des Königshauses, im Kopitelsaal diejenigen der Hofstaaten entgegen. Um 10 Uhr begann in der Schloßkavelle der feierliche Gottesdienst, zu dem sich auch der Reichskanzler, die Bevollmächtigen zum Bundesrat, die Generalfeldwarfchälle, die Minister, die Staatssekretäre, die Präsidien des Reichstag?, der Landtage usw. eingefunden hatten. Rach dem Gottesdienste begaben sich die Majestäten in feierlichem Zuge nach dem Weißen Saal zur Entgegennahme der Gratulationsdefilier-Cour. Danach empfing der Kaiser die Botschafter, das Staats- ministermm, die kommandierenden Generale und die Admirale. Um 11»/, Uhr begab sich der Kaiser, gefolgt von den Prinzen Eitel Friedrich, August Wilhelm, Oskar und Joachim zu Fuß nach dem Zeughause, vom Publikum stürmisch begrüßt. Im Zeughaus wurde die feierliche Nagelung und Weihe der Standarte des Jägerregiments zu Pferde Nr. 6 vorgenommen. Nach der Paroleausgabe nahm der Kaiser militärische Meldungen entgegen. An der Frühstückstasel bei ben Majestäten im Schloß nahmen teil: Herzog Albrecht von Würtem« berg, Prinz Rupprecht von Bayern, Prinz Heinrich, die kaiserlicke Familie mit Umgebungen und Gefolgen. Am Nachmittag fuhr der Kaiser bei den
Jen von der Mauer ab und schnellte sich von ihm weg, „Ich bin seine Tochter, Sir , sagte sie^ „er hat in ein mindestens um 10 Fuß entferntes Tulpenbeet. mich heute von Mr. Bartley zuruckgesordert.
„In den Gatten!" schrie Moutton Battlcy zu, wäh- j Bei diesen Worten nahm der Mann den Hut vor reiid" er selbst, ohne einen Augenblick zu verlieren, über die Planken zurücksprang, um die Fliehende mit Batt- leys Hülfe in dieser neuen Falle aufznfangen. Grace aber eilte ohne Zaudern der Hecke zu; sie blieb nicht nach Frauenatt zögernd davor stehen — sich durchzu- winden, würde nicht möglich gewesen sein —, sondern nahm sie mit dem Impetus eures Rassepserdes in Angriff rmd sprang hindurch, als ob sie von Löschpapier gewesen wäre. Die Lücke, die sie zurückließ, war merkwürdig eng, und nur wenige schmale Strei- feu ihres Kleides blieben an den Zweigen hangen. Und bann eilte sie quer über die Wiese hin mit einer Schnelligkeit, der sich weder Bartley noch Monkton gewachsen fühlten, waren sie doch beide über die Hohe >c3 Lebens hinaus. Verwundert sahen sie sich gegenseitig an, bann flog ihr Blick über den Garten, aus dem ihre Beute wie durch Zauberei verschwunden war, über den roten Vorhang, der wie eine leuchtende Fahne zwischen den grünen Schlingpflanzen hin und her wehte, um endlich an der fliehenden Gestalt hängen zu bleiben, deren im Winde flatterndes Haar, von der Sonne beschienen, goldig glänzte. Da flog sie hin, der Kohlengrube zu, um William Hobe zu retten und die übettistetcn Bundes genoffen der verdienten Strafe