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2. Blutt.

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*:* Zuldaer Leitung.

Zradtoeror-netcn-verjam alung.

Fulda. 21. De,. 1912.

An der gestrigen Sitzung der Stadtvcrordnetenver» sarnmlung nahmen 22 Mitglieder des Kollegiums teil. Der Magistrat war durch die Herren Beigeordneten Halbleid und Arnd vertreten. Auch die Herren Stadt­rat Kramer und Stodtprobawr Wohlgemuth wohnten einem Teil der Verhandlungen bei. Den Vorsitz führte der stellvertretende Stadtverordnetenvorsteher Rang.

Vor Eintritt in die Verhandlungen nimmt die Ver­sammlung Kenntnis von einer Einladung deS Elek­trizitätswerks zu dessen offizieller Inbetriebnahme am Freitag den 28. Dez., nachmittags 3 Uhr. Sodann erhält das Wort Stv'. Reith zu einer Bemerkung: Vor ungefähr 10 Wochen hat eine Stadtverordnetenver- sanimlung über die Erhöhung der Löhne der städti­schen Arbeiter beraten. Damals wurde die An- gelegenheit dem Magistrat zur weiteren Beratung über­wiesen und man hat gehofft, daß sie bis zum 1. Januar 1913 geregelt wäre. Bis jetzt ist aber noch nichts von ihr bekannt geworden. Meiner Meinung nach wäre eS die beste Weihnachtsgabe für die städtischen Arbeiter gewesen, wenn man ihnen eine Lohnerhöhung von 15 bis 20 Pt. gewährt hätte.

1 .Rechnungsprüfungen: a) Kasernenkrsse: Die Rechnung verzeichnet eine Einnahme von 176 610,71 Ml. und eine Ausgabe von 173 693,63 Mk., sodah ein Ueberschuh von 2916,08 Mk. verbleibt, der auf neue Rech­nung oorgetragen wird, b) Schlachthofkasse: Die Gesamteinnahmen betragen 97 873,69 Mk., denen 99 206,49 Mk. Ausgaben gegenüberstehen, sodatz eine Ueberzahlung von 1332,80 Mk. auf neue Rechnung vor­zutragen ist. Die Schlachtungen in 1911 sind bedeutend hinter dem Voranschlag zurückgeblieben, sodatz gegen daS Elatsjahr 1910 2769 Mk. weniger eingenommen wurden. Es wurden allein 380 Stück Grotzvieh weniger geschlach­tet als im Vorjahre. Die Gesamtschuldenlast beträgt 667 889 Mk. Stv. S u n k e I bemerkt dazu, datz die Rech- nungsablage für das laufende Etatsjahr wegen deS stärkeren Rückganges an Schlachtungen sich noch ungün- stiger gestalten werde. Sodann bemängelt er die hohen Kosten, welche die maschinellen Anlagen für die Beschaf­fung von Licht und Wasser im Schlachthof veranlassen. Zudem ist das Wasser im Schlachthof sehr trüb und setzt stark ab. Bei den guten Wasserverhältnissen unseres städtischen Wasserwerkes sollte man dazu übergehen, das nötige Wasser von diesem gegen Entrichtung einer festen Pauschalsumme $u beziehen. Beig. Arnd: Was Herr Sunkel aniegt, ist bereits in der Rechnungskommission erwogen und dem Magistrat zur Beratung vorgelegt worden. Auch er ist der Meinung, datz es besser ist, das Wasser aus der städtischen Wasserleitung zu ent­nehmen. Die Angelegenheit wird noch näher geprüft und demnächst die Stadtverordnetenversammlung be­schäftigen. Stv. Fritz regt im Anschlüsse daran an, der Magistrat möchte es sich angelegen sein lassen, der Ursache für die enormen Unterschiede in den Fleisch­preisen bei Konsumenten und Behörden auf den Grund zu gehen. Stv. Sunkel erklärt, datz für die Beur­teilung des unlängst gezeitigten Ergebnisses bei der Aus­schreibung von Fleischlieferung an die Militärbehörde nicht die gesamte Metzgerinnung in Frage kommen könne. Auch hier gehe cs, wie so oft bei Submissionen in andern Gewerben. Es sei durchaus nicht anzuneh- men, datz die Angebote sich immer mit dem reellen Werte deckten. Demgegenüber betonte Stv. Reith, datz es doch Metzger gebe, die das Fleisch tatsächlich um 14 Pf. bil­liger abgaben. Stv. Jestädt bedauert die Auswüchse derartiger Submissionen. Im übrigen sei es nicht an- >ders möglich, als datz die jeweilige Preishöhe der Oua- lität der Ware entspreche. Stv. Dux fragt an, waS der Magistrat zu tun gedenke, um die Spannung zwischen Vieh- und Fleischpreisen auszugleichen. Beig. Arnd: Die Erfahrungen, die wir mit dem Fleischbezug gemacht haben, sind trauriger Natur. Die nach Hamburg ent- sandte Kommission hat dasjenige Vieh ausgesucht, waS für die hiesigen Verhältnisse am geeignetsten erschien. Als das Vieh hier ankam, hatte es bedeutend mehr an Gewicht eingebützt, als vorher veranschlagt worden war, sodatz die Stadt 4 Pf. auf das Pfund zulegen mutzte und an die 1000 Mk. für diesen einmaligen Bezug ein» büßte. Das Vieh, welches dort billiger verkauft wurde, war auch entsprechend minderwertiger. Und so werden auch diejenigen Metzger, die billigeres Fleisch liefern, weniger gutes Material haben. Im übrigen wird der Preisunterschied bei Submissionen größeren Stils auch zum großen Teil in den bequemen Lieferungsbedingun­gen begründet sein. Die Fleischteuerung wird auch wie- der aufhören, sobald mehr Vieh vorhanden sein wird. Stv. Fritz: Ich habe nicht gewollt, daß der Magistrat in das Metzgergewerbe eingreifen solle, sondern nur, daß er sich mit der Angelegenheit wegen ihrer Wichtigkeit für die Volksernährung beschäftigen müsse. Eine Klarlegung der Sache habe ich in den Worten der Vorredner nicht finden können. Tatsache ist, datz für das Militär gutes Fleisch geliefert werden muh. Stv. Sunkel versucht eine Erklärung für Submissionsauswüchse zu geben und erklärt, daß gutes Fleisch im Ladenverkauf nicht billiger geliefert werden könne. Auch sei es unmöglich, daß die Schweinepreise jemals wieder auf einen so nied- rigen Stand kämen, wie vor 4—5 Jahren. Stv. Ei- ck e n s ch e i d t spricht seine Verwunderung darüber aus, daß der einmalige Bezug von fremdem Vieh der Stadt so viel Unkosten verursacht habe. Beig. Arnd erklärt, datz die hohen Reisespesen (700 Mk.) einen be-

*#* Die Wiege Des heutigen Weih­nachtsfestes.

So genau wir durch die Evangelisten Matthäus und Lukas unterrichtet sind über den Ort u n d die Begleitumstände der Geburt Christi, so sicher wir wissen, datz Christus geboren wurde zu Bethlehem bei Jerusalem, zur Zeit als in Bethlehem und im ganzen Judenlande die durch den römischen Statthalter Chrinus ausgeschriebene Volkszählung stattfand, so genau wir die Ereignisse kennen, die der Geburt Christi unmittelbar n a ch f o l g t e n: die Erscheinung der Engel bei den Hirten, die Huldigung der Hirten "bei der Krippe, die Beschneidung des Kin­des am 8. Tage nach ferner Geburt, die Darstellung im Tempel am 40. Tage nach der Geburt, die An­betung der Weisen aus dem Morgenlande, die Flucht der hl. Familie vor Herodes usw. So genau wir das alles wissen, so wenig wissen wir das I a h r und den T a g der Geburt des Welterlosers. Bei gar manchen grotzen Männern der Vorzeit sind wir in derselben Ungewißheit: so wissen wir z. B. auch nicht, wann Alexander d. Gr. und Karl d. Gr. geboren sind. Die genaue Bestimmung des Geburtsjahres und -tages wurde eben in der älteren Zeit für nicht so wichtig ocbalten, wichtiger erschien es, die Taten eines Mannes aufzuzeichnen und der Nachwelt zu überliefern.

?!uv dieser Ungewißheit über den Tag der Geburt des Herrn erklärt es sich denn auch, daß die alte Kirche kein eigenes Geburtsfest des Herrn kannte, sondern die Geburt Christi im Orient am 6. Ja­nuar zugleich mit dem Gedächtnis noch an andere Tbeovhcmien, Gottesoffenbarungen Christi, beging, nämlich an der Offenbarung der Gottheit Christi vor der ganzen Welt bei der Geburt, vor den Juden bei der Taufe im Jordan, wo der himmlische Vater in Gegenwart des Täufers und zahlreichen Volkes den Heiland als seinen Sohn bekannte, und durch das Wunder zu Kana, wo der Herr zum ersten Mal seine göttliche Macht bewies, sowie an die Offen­barung seiner Gottheit vor den Heiden bei der

tracktlicken Anteil daran hätten. Dabei seien die Un­kosten, die durch den Ankauf von Schweinen entstanden seien, gar nicht miteinberechnet, da dieser Kauf lediglich ein Privatunternehmen gewesen sei. Stv. Fritz: Wenn die Viehpreise hier dauernd so hoch stehen bleiben, so hat der Magistrat die Einführung von fremdem Vieh im Auge zu behalten, damit die Lieferanten der Um- gegend nicht allein die Preise diktieren können. Beig. Arnd: Der Ankauf und die Einführung von Vieh aus Deutschland bai nach den gemachten Erfahrungen wenig Wert und die Einfuhr ausländischen Fleisches wird von der Regierung mangels eines Gleisanschlusses an den Schlachthof nicht gestattet.

T arauf wird die Debatte über diesen Gegenstand ab- georteten.

c) Spar- und Vorschuhkasse: Im Etatsjahr waren 11 540 Sparkassenbücher int Umlauf. Das Ein­lageguthaben bezifferte sich auf 9 517 787 Mk., die aus- geliehenen Kapitalien auf 9 441 389 Mk. Der Kassen­bestand in Höhe von 133 011,41 Mk. und Einnahmerück- ttände von 6983,24 Mk. sind auf neue Rechnung vorzu­tragen.

dl Stadtsaalkasse: Die Einnahmen betrugen 16 371,02 Mk., die Ausgaben 16 298,90 Mk., sodatz sich ein Ueberschuh von 72,12 Mk. ergibt, der mit 42 Mk. Einnahmerest auf neue Rechnung vorgetragen wird. Der Saa' ist im Etatsjahr 1911 viel weniger in Anspruch ge­nommen worden, alS früher. Stv. Fritz beantragt, den Stadtsaal an da? Elektrizitätswerk anzuschließcn. Dte Versammlung beschlieht demgemäh.

e) Wasserwerkskasse: Die Einnahmen be­tragen 232 190,28 Mk., die Ausgaben 221 560,80 Mk. Gegenüber den Vorjahren ist ein dauernd steigender Ber- brauch an Wasser zu verzeichnen. Der Kassenbestand beträgt 10 629,36 Mk., wozu ein Einnahmerest von 3500 Mk. kommt. Stv. Simm er: Die Anlegung des zweiten Rohrstranges bedeutet insofern einen Erfolg, als die bis dahin unversorgte Oberstadt, besonders die Kasernements, dadurch mit Wasser versehen werden. Ich beantrage daher, 5000 Mk. des Ucberschusses, der zur Abschreibung für die Stollenquelle und für NotstandS- arbeiten am Bassin am Frauenberg vorgesehen war, zur Anschaffung von neuen Wassermessern zu verwenden. Die Versammlung beschlieht demgemäh.

Ten jeweiligen Prüfungskommissionen wurde Ent­lastung erteilt ,

2. Beschlutz des Bezirksausschusses zu der Hunde­steuerordnung. Stv. Wohlge«nuth: Die seinerzeit beschlossene Hundesteuerordnung hat die Genehmigung der Königl. Regierung gefunden mit Ausnahme deS § 6, in dem es heiht: „Auf Antrag kann die Hunde­steuer ermäßigt werden." Der Bezirksausschuß wünscht die Fassung: „Die Hundesteuer ist auf Antrag zu er­mäßigen."

Dir Versanartlung erklärt sich mit dieser Aenderung einverstanden.

8. Wahl zweier Stadtverordneten und zweier Bürger als Mitglieder der Einquartierungskommission: Stv. Singer: Für die nach § 1 des Statuts der Einquar­tierungsordnung notwendige Wahl schlage ich die Stadt- verordneten Keil und Wohlgemuth sowie die Bürger Robert Berta und PiuS Kramer vor. Die Vorgeschlage­nen werden durch Akklamation gewählt.

4. Herrichtung der Sparkassenräume. Stv. Adam: Aus den bisherigen drei Räumen soll ein einziger gro­ßer Raum geschaffen werden. Die Kosten für den Um­bau sind auf 1300 Mk. abgeschätzt Außerdem sind für die Ausstattung des Raumes mit passenden Möbeln 1000 Mk. vorgesehen. Die Baukommission schlägt vor, den vorliegenden Plan für den Umbau zu genehmigen. Stv. Sunkel: Die Räume der Sparkasse sind zwar etwas eng, jedoch vor nicht langer Zeit noch unter Auf. Wendung erheblicher Geldmittel geschaffen worden. Ich sehe nicht ein, weshalb man jetzt schon wieder Verände­rungen vornehmen soll. Beig. Arnd: Ich verweise auf ähnliche Bauten in anderen Städten, die meistens prunk­voll eingerichtet sind. Demgegenüber steht unser Spar- kassengebäude arg weit zurück. Es muh hier unbedingt etwas geschehen, da das Lokal absolut nicht den Ver­hältnissen der Neuzeit entspricht. Stv. Fritz spricht sich im Sinne des Stv. Sunkel aus und glaubt, es ge- nüge, wenn nur die vordere Wand in dem Raume be- feitigt wird. Stv. Adam erwidert, daß nach dem Kosten- Voranschlag dadurch nur ein unbedeutender Betrag ge­frort würde. Der Antrag des Magistrats wird darauf angenommen.

5.N icderlegung der Häuser Löherstraße 9 und 1t. Stv. Kircher: Die Stadtverordnetenversammlung hat sich schon mehrfach mit dieser Angelegenheit beschäftigt. Auf Grund einer Eingabe, die fast von sämltichen An- wohnern der Löherstrahe unterzeichnet ist, stellt der Magistrat erneut den Antrag auf Abbruch der beiden Häuser. Die Einsender begründen ihr Gesuch eingehend damit, daß die infolge des Abbruchs der beiden Häuser entstehende Verbindung von Löherstrahe und Truchsetz- strahe eine notwendige Verbesserung in den starken Ver­kehrsverhältnissen schaffe und die Geschäftsverhältnisse der Anwohner der Löherstrahe, die jetzt darniederlägen, zu heben imstande sei. Anstelle der beiden Häuser soll dem Magistratsantrage gemäh ein Fußweg gebaut wer­den. Stv. Sunkel: Der Abbruch der beiden Häuser wird die erwarteten Vorteile für den Verkehr nicht brin­gen. Zudem sind die Kosten, die den Bewohnern der Hinterhäuser für die Herrichtung ihrer Häuser ent­stehen, nicht gering, und ich glaube daher, daß mit der Bewilligung der Vorlage manchem nicht gedient ist.

Anbetung der Weisen aus dem Morgenlande. So hielt man es int Orient; im Okzident scheint man in der ältesten Zeit selbst nicht einmal dieses Epi- phanicfest gekannt zu haben.

Als man — zuerst in der römischen und dann in der orientalischen Kirche — begann, die Geburt deS Herrn durch ein eigenes Fe st am 25. De­zember auszuzeichnen, geschah es — wenigstens in Rom — nicht deshalb, weil man mittlerweile in Erfahrung gebracht hätte, daß der Heiland wirklich am 25. Dezember geboren sei, sondern es waren ganz andere Gründe für diese Anordnung maßgebend. In keiner Weise wollte und will die Kirche durch die Feier des Geburtssestes Christi am 25. Dezember es als Glaubenssatz aussprechen, daß der Herr wirk­lich am 25. Dezember zur Welt gekommen sei, son- dern sie will nur das Ereignis selber, das uns aus der Winternacht der Sünde den Frühling der Gnade in Christus cntgegenführte, gebührend begehen.

Doch treten wir der Frage näher: Wann und wo wurde das Geburtsfest des Herrn zum ersten Mal am 25. Dezember gefeiert? Antwort: in R o m und zwar spätestens in der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts. Von Rom auS ver­breitete sich das Fest in allen anderen christlichen Kirchen; keine hat es,vor der römischen Kirche ge­feiert, alle haben cs erst durch die römische Kirche feiern gelernt. In Konstantinopel am 25. Dezember 379 oder 380 unter dem hl. Bischof Gregor von Na- zianz, in Kappadozien gegen 380, in Antiochien am 25. Dezember 386, in Aegpptien tritt das Weih- nachtsfcst zum ersten Male auf zwischen 418 bis 432, in Jerusalem unter Bischof Juvenal (425—458), wenn nicht noch später, in Mesopotamien und Ar- meinen zumteil erst im 14. Jahrhundert. In Rom aber ist im Jahre 354 Weihnachten schon ein her­kömmliches und eingebürgertes Fest. Für diese Tat- fachen führen wir zwei geschichtliche Zeugen an, deren Glaubwürdigkeit über allen Zweifel erhaben ist, näm­lich: 1. Das Chronographen» ein im Jahre 354 obgcfaßtcs Schriftstück, das au 3 alten offiziellen Quellen eine Zusammenstellung von chronologischen,

Allerdings sind die VerkehrSverhältnisse in der Löher- siraße schlecht und eS ist ja auch schon ost genug übet Mittel und Wege zu ihrer Besserung beraten worden. Wenn indes die Anwohner selbst den Abbruch bean­tragen, sollte man ihnen zustimmen. Beig. Arnd: Ich mutz betonen, daß eS niemals dem Magistrat eingefallen isi, darauf hinzuarbeiten, daß die Löherstratze dem Ver­kehr entzogen werde. Stv. Adam spricht sich gegen den Abdruck der beiden Häuser auS, weil damit eine Verunstaltung des Straßenbildes verbunden fei. Stv. Jestädt: Die Löherstraße ist gewissermaßen zum Aschenbrödel herabgesunken und wir würden nur einen Akt der Gerechtigkeit erfüllen, wenn wir dem Wunsche der Anwohner entgegenkommen. Ich bitte um Annahme deS Magistratsbeschlusses. Stv. Sim­met spricht sich gleichfalls in diesem Sinne au6. Wenn hier eine Straße gebaut würde, müßte Leben und Ent- Wicklung eintreten. Beig. Arnd: AuS fast sämtlichen Worten, die heute abend in dieser Angelegenheit hier gesprochen wurden, geht hervor, datz die Löherstratze unter der Ungunst der Verhältnisse zu leiden hat. Der Ma­gistrat hält eS für nötig, daß die Verhältnisse energisch geprüft werden. Und übrigens werden doch die An­wohner der Löherstrahe selbst wissen, waS ihnen not tut Auch ich bitte, dem Anträge des Magistrats beizustim- men. Stv. Fritz: Ich schließe mich den Worten meines Vorredners an. Bis jetzt ist eS Sitte gewesen, datz wir den Wünschen der Burger nach Möglichkeit nachgekom- men find. Wenn man eine Verunzierung deS Straßen, bilds dagegen inS Feld führt, so ist daS bedeutungslos, wir haben uns in mehreren Fällen hier in der Stadt an derartige Bilder gewöhnt. Da der Erlös aus dem Abbruchsmaterial sicher gering fein wird, so ist seitens der Stadt dafür Sorge zu tragen, daß ein ordnungs­mäßiger Weg angelegt wird. Stv. Erckenfcheidt: Ich stimme dem Anträge zu. ES mutz aber auf jeden Fall ein Kostenanschlag vorgelegt werden, bevor hier etwas unternommen wird. Beig. Arnd: Solange der Antrag des Magistrats nicht angenommen ist, erübrigt es sich, Kostenanschläge ausarbeiten zu lassen und vorzu- legen. Stv. Adam hat nichts gegen die Wünsche der Antragsteller einzuwenden, gibt aber zu bedenken, daß die Anwohner der beiden Häuser die durch das Abreitzen entstehenden Koiten zu tragen haben. Stv. Sunkel: Ick habe geglaubt, daß für die Anwohner so hohe Kosten entstehen würden, datz eS sie späterhin gereuen könnte, den Antrag gestellt zu haben. Im Grunde bin auch ich dafür, datz ihrem Wunsche nachgegeben werde. Stv. Reith: Zwei Gründe haben mich früher veraniatzt, gegen den Abbruch der Häuser zu stimmen: die hohen Kosten und die Frage, wozu da» übrigbleibende Grund­stück verwendet werden soll. Ich schlietze mich nunmehr auch dem Wunsche der Antragsteller an.

Der Antrag wird darauf angenommen.

6. Eine Freigabe-Nrkunde wird genehmigt.

Mit Rücksicht auf die umfangreiche Tagesordnung und auf die Nähe deS Weihnachtsfestes wurden vier Punkte betreffs Fluchtlinienplanentwürfe vertagt. Gleichfalls wurde die Ersatzwahl für die ausscheidenden Herren Magistratsmitglieder Kramer, Neitzert und Reinhardt verschoben. Dann folgte geheime Sitzung.

Schlutz der öffentlichen Sitzung 10,20 Uhr.

totales.

Fulda, 24. Dez. 1912.

** Nmillche Bekanntmachungen in der Fuldaer Zeitung. Der Herr Justizminister hat unter dem 16. Oktober d. I. verfügt, daß vom 1. Januar 1913 ab alle Bekanntmachungen des königl. Amtsgerichts Fulda auch in der „Fuldaer Zeitung" — dem meistverbreiteten Blatt im Amtsgerichtsbezirk Fulda — veröffentlicht werden.

# Verliehen wurde dem Rechtsanwalt Wolff in Marburg der Charakter als Justizrat, dem Post­direktor Schacht in Hersfeld der Rang der Räte 4. Klasse und dem Bahnhofsvorsteher a. D. Stie­gel zu Kassel der Kronenorden 4. Klaffe.

V Tom. Beim Bischöflich n Amte morgen am hohen Weihnachtsfest« singt der Chor Pal estrinaS Messe ,l»t« confessor“ (mit Ausnahme des Credo, daS aus der JosephS-Mrss« von Griesbacher genom­men wird). Bekanntlich hat Palestrina sein« Messen nur für gemischten Chor geschrieben. Die genannt« Messe ist vor kurzem von einem italienischen Kom­ponisten für Männerchor arrangiert worden. ES ist dies bis jetzt die erste Messe des großen Meister», die in allen ihren Teilen den Mannerchören in der ganzen msprünglichen Gestalt geschenkt worden ist. — Bei der Bischöflichen Vesper, die morgen nach­mittag um 3 Uhr beginnt, singt der Chor »Falsi bor- doni“ von verschiedenen Komponisten

4- DaS Orgelgebläse im Dom. Nachdem in der Tomkuche Dte elektrische Beleuchtung eingerichtet worden ist, soll jetzt auch der elektrische Antrieb deS Orgelge­bläses nngerich et werden, und zwar mittelst zweier Luftschleudermaschinen, welche direkt an den Elektro­motor angebant sind. Diese Neuemrichtung gewährt die Vorzüge gleichmäßiger Luftzufuhr und der Unab­hängigkeit des Organisten von dem Bälgetreter.

historischen, kalendarischen Notizen bietet, bereit Kenntnis für Leute höheren Standes, besonders für Beamte, von Wert sein konnte. Dieser Kalender ist allerdings insofern ein unzuverlässiger Zeuge, alS er, den Geburtstag des Herrn auf den 25. Dezember an­setzend, behauptet, dieses Datum aus alten offiziellen Quellen geschöpft zu haben; der erwähnte Kalender ist aber insofern ein durchaus zuverlässiger Zeuge, als er uns zu verstehen gibt, daß zu seiner Zeit — also im Jahre 354 — zu Rom, wo der Kalender ber» faßt worden ist, als der Geburtstag des Herrn allge­mein der 25. Dezember galt.

Das stimmt auch mit dem überein, was uns 2. der hl. Ambrosius (333—397) in fefnem an seine Schwester Marzelliüa gerichteten Buche De Virsini« bus. erzählt. Hier schreibt der hl. Bischof, an seine Schwester sich wendend, die in Rom in der Peters- kirche auS der Hand deS PapsteS LiberiuS den jung- ftäulichen Schleier nahm und ewige Jungfraufchaft gelobte:

du die Gelübde der Jungfräulichkeit in St. Peter besiegeltest, am Geburtstage des Erlösers — an welchem Tage hätte das paffender geschehen kön- nen, als an dem, an dem die Jungfrau Nachkom­menschaft erhielt (denn auch in dir als einer gelob­ten Jungfrau erhält sie jetzt wieder Nachkommen­schaft, geistige wie damals leibliche) — und im Bei­sein mehrerer Dienerinnen Gottes, die sich um deine Gesellschaft stritten, da sagte er (nämlich Papst Li­berins): „Eine trefflich« Vermählung, meine Tochter, hast du begehrt. Du siebst, welche Maffe Volkes zum Gebu-tstage deines Bräutigams zusammengestromt ist, wie niemand ungenährt von bannen geht: dieser ist cs ja, ber, zur Hochzeit geladen. Waffer in Wein verwandelte; er (ber solche Macht über bie Elemente hat) wird auch dir das echte Geheimnis ber Jung­fräulichkeit gewähren (dich keusch bewahren), die du bisher den niedrigen Elementen der Natur (ber Be- gierlichkeit) unterworfen wärest. Dieser ist es, ber mit fünf Broten unb zwei Fischen in be- Wüste 4000 Menschen sättigte. Er hätte noch mehrere sättigen können, wenn noch mehrere bagewesen wären. Er j

JVs 295.

Dienstag 2$. Dezember 1912-

§ tzingeliefert in das Amtsgerichtsgefängnis wurden gestern durch die Polizeibehörde sechs B ttler. C8 werden ihnen mehrere in den letzten Tagen verüble Diebttäble zur Last gelegt.

§ Der Aevolverattentäter Müller, der am »Or­ienten Sonntag auf dem Bahnhot Fulda nach dem Schuhmann Crost schoß, einige Tage später tn Gers­feld auf vier junge Leute und in Altenfeld aut den Poltzeidiener feuerte, befindet sich feit einigen Tagen im hiesigen Amtsgerichtsgefängnis. Er „berechnt* dort die zuletzt vom Zigeuner Ernst Ebender beietzi« doppelt sickere Zelle. Er ist inzwischen auch Photo« graphiert worden, ein Bild ging an das Pottzetprä- stdium in Berlin, daS feftstellen soll, ob sich dasfelde Bild auch tm fogenannten Verbrecheralbum befindet. Zwecks Feststellung seiner Vorstrafen usw. wurden Ermittelungen bei seiner angeblichen Heunatbehörd« angestellt. Eine Beteittgung an dem Oderbimdacher Knchenraube streitet M. entichieden ad. Emge,landen hat er zwar vor dem hiesigen Untersuchungsrichter, daß er schon u. a. mehrere Jahre Zuchthaus ver­büßt hat. — Heute vormittag "tourben ber Portier vom hiesigen Bahnhof unb ein Bahnsteigschaffner bem Tä- ter gegenübergestellt. Auch sie bestätigen bestimmt, baß es berselbe ist, bei auf den Schutzmann Crost ge- schossen hatte.

S» Fuldaer Märkte. Im Jahre 1913 werben hier folgende Märkte abgebalten: 4 Krammärkte von f« zweitägiger Dauer, 2 Rindviehmärkte, 7 Viehmärkt«, 4 Vieh« unb Schafmärkte und 1 Bullen- und Jung­viehmarkt. Auf die einzelnen Monate verteilen sich die Märkte rote folgt: Januar: 80. R'ndvtedmarkt; Februar: 13. Viehmarkt, 25. Krammarkt; März: 6. Viehmarkt, 27. Vieh« und Schafmarkt. (Der für den 5. März in den Marktverzeichnissen angekündigte Pferdemarkt wird nicht mehr abgehalten.) April: 17. Viehmaikt; Mai: 8. Viehmärkt, 28. Krammarkt; Juni: 19. Vieh- und Schafmarkt; Juli: 10. Vieh­markt; August: 7. Viehmärkt, 19. Kram markt; September: 4. Vieh» und Schafmarkt, 17. Bullen« und Jungviehmarkt, 25. Viehmärkt; Oktober: 30. Vieh- unb Schafmarkt; November: 4. Rrammartt, 27. Rindviebmarkt. Die Fuldaer Viehmärkte hatten seither eine stetig steigende Frequenz auszuweisen, oft waren über tausend Tiere aufgetrieben. Die wenigen im verflossenen Jahre gestatteten Märkte hatten unter den Tierseuchen zu leiden. Jedenfalls werben sich die Märkte wieder zu den bedeutendsten im Reg.-Bgz. Kassel emporschwingen.

v Baustelle der LaudwirischaftSkauimer. Nachdem der Vorstand der Landwirtschaftstammer die be­stehende Baustelle durch Beschluß zu einer ständigen Einrichtung erhoben hatte, um sie möglichst weiten Kreisen der Landwirtschaft zugänglich zu machen, ist auch die Vollversammlung einstimmig diesem Beschluß beigetreten.

t Elektrischer Licht in unseren Kirchen. Außer dem Dome unb oer Kirche auf dem Frauenberg wird auch die altehrwürdige MickaelSkirche wahrend der Christ« mette um 4 Uhr am Morgen des ersten Weihnachts­feiertages zum etfitnmale mit elektrischem Licht festlich beleuchtet werden.

Der Postdienst an dm WeihnachtStagm. Am ersten Weihnachtstage, 25. Dezember findet in Fulda eine Brief« unb Paketbestellung statt, im übrigen ruht die Bestellung. Schalterdienst wird wie an Sonn­tagen abgebalten. Am zweiten Weihüachtstage, 26. Dezember, findet in Fulda eine Brief- und Geld­bestellung statt, Pakete werden dagegen nicht aus- getragen. Schalterdienst wird rote an Sonntagen abgehalten. — Im Landbestellbezirk wird am ersten Weihnachtstage nicht bestellt, am zweiten Fest« tage werden sämtliche Niederlassungen begangen.

** Die Entwertung der Wechselstempelmarken darf nicht, wie es vielfach geschieht, mit Tintenstift erfol­gen, sondern mutz der Sicherheit halber mit Tinte vollzogen werden. Die „Nordd. Allg. Ztg." bringt diese Notwendigkeit in einer längeren amtlichen Note in Erinnerung.

O Was man über bem Weihnachtsfest nicht ver­gessen soll. Die Vorbereitungen zum Wethnachtsiest« und ber während der Feiertage in den meisten Fa­milien herrschende Trubel lenken oft die Gedanken von Ängelegenheiten ab, die deshalb vielfach ver­gessen werden, denen man aber gerade, um sich vor Unzuträglichteiten zu bewahren, doppelte Aufmerk­samkeit schenken lohte. So fei darauf hingewieien, daß das Gesetz über die Angestellten-Versiche« rung am 1. Januar n. I. in Kratt tritt, und daß es sich empfiehlt, bie Beschaffung der erforderlichen Karten rechtzeitig vorzunehmen. Inder I n valid «n- und Hinterbliedenen-Versicherung erlischt das Recht aus den geklebten Kartenmarken, sobald während zweier Jahre nach dem auf bet QuittungS- karte angegebenen Ausstellungstage weniger als 20

hat endlich zu deiner Vermählung noch mehrere ge­laden, aber es wird ihnen nicht Gerstenbrot, sondern ein Leib vom Himmel gereicht."

Es fragt sich nun erstens, in welchem Jahre diese Einkleidung stattfand. Antwort: Auf alle Fälle fand sie durch Papst Liberins statt, der von 352 bis 366 regierte, unb zwar in ber Peterskirche zu Rom. In welchem Regierungsjahre beS LiberiuS, barüber sagt Ambrosius nichts; aber aus anderen Zeugnissen kann man schließen, daß dte Einkleidung der Marzellina in den zweiten Teil deS Pontifikates des Papstes Li- beriuS fiel, wahrscheinlich zwischen 357—366, denn von Ende 355—357 lebte LiberiuS nicht in Rom, sondern in der Verbannung zu Beroea. Vor dem Jahre 355, also zwischen 352—355, aber hat sie kaum stattgefunden, denn zu dieser Zeit hatte bes hl. Am- brosius Schwester Marzellina kaum schon ba§. zur Einkleidung vom 3. Konzil zu Karthago vorgeschrie­bene Alter von 25 Jahren.

So ist also däS Jahr der Einkleidung zwischen 357— 366 einzusetzen. Aber, fragen wir uns zwei­tens, an welchem Tage war bas? Am „Geburts- fefte bes Herrn". Aber wann wurde dieses Geburts­fest des Herrn damals gefeiert? Antwort: Am 25. Dezember, denn dafür, daß Epiphanie (6. Januar) als das „Geburtsfest des Herrn" gegolten habe, da­für liegt weder für Rom noch für den Orient ein Beleg vor: Epiphanie war ganz allgemein das Fest der Theophanien, der Gottesoffenbarungen. Wenn also in Rom um diese Zeit ein eigenes Geburtsfest deS Herrn gefeiert wurde, so war es ein vom 6. Ja­nuar verschiedenes Fest, lind da, wie wir aus dem Chronographen wissen, um dieselbe Zeit in Rom die Ueberzeugung bestand, daß Christus am 25. De­zember geboren (et so wurde dieses Geburtsfest des Herrn ganz selbstverständlich am 25. Dezember zu Rom gefeiert.

Denn aber Liberins in seiner erwähnten Rede an Marzellina an die Brotvermehrung und an das Wun­der zu Kana erinnert, so sagt er damit nicht, diese Ereignisse seien an dem betreffenden Tage der Ein­kleidung gefeiert worden, was allerdings auf Epi-