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Fuldaer Zeitlin

t v s tTToncrts-Beftage^ 's -

Zuldaer Seschichtsblätter

39. Zahrgang

Freitag uen 20» Veremver 1912.

trjtes Blatt

Ur. 292

Schon

durch das Zusi heilsame Ueberi

^rgewicht der friedlichen Möchte fle*

schert hat.

zu wollen, erklären wir offen, daß dieses Verhallen der badischen Regierung weder liberal noch klug, aber ganz und gar nicht gerecht ist. Wohin soll es kommen, wenn jeder Anlinalionalist und Antichrist Redefreiheit hat, der National» und Chrrfl aber einen Maulkorb be­kommt? DaS widerspricht der Auffaffung der über«

Erschein» MglM) mit AuwaW 6er Sonn* enb fkkrfegi Viertel, jährlicher Btiugsprtl» ohne Bringerlohn und Bestellgeld In julda Joele au,wärt» 1.30 Marit. — Hotatlonsörudi und vertag der 4 8 Zuldaer flctltnbrudtertl In Selbe. Zernsprrch« Nr. 9. s 3

Anstellung versagt. Denn es liegt doch Wohl auf der flachen Hand, daß, sobald man in dielen gesegneten Landen dem römischen Einfluß so leichtsinnig und weitgehend Tür und Tor geoffnÄ Bat in Balde Scharen von Jesuiten nachdrängen werden, lind was dann? Es ist einfach nr-bt auszudenken, jei’t ist es rein zum Katholischwerden! —■

Spötter, reit der Zehngebotr-Hoffmann, feine anti- chriftlicheu und anttnaiionalen Reden ballen darf, daß em fragwürdiger Voglherr oder sonst Leute im Namen der Wrffenschait und der Freiheit gegen jede Autoriiät, gegen (Sott und Regierung wettern dürfen, daß aber em unbescholtener, achtbarer Deulscher, nur weil er Katholik und Jesuit ist, seine Vorträge nicht halten darf. Ohne irgendwie auf das Jesuilengeletz eingehen zu wollen, erklären wir offen, daß dieses Verhallen

Die Beisetzung des Prinzregenten.

cf München, 19. Dez. 1912. Bei prächtigem Wei­te: nahm die Beisetzung des Prinzregenten Luitpold einen überaus würdigen und eindrucksvollen Verlauf. Trotz der ungeheuren Volksmengen vollzog sich alles tn musterhafter Ordnung. Zwanzig durch das Hof­gartentor rollende Automobile verkündeten auch den

Ausland.

** Die österreichische KriegSleistungSvorlage ist gestern vom Abgeordnetenhause nach 55stündiger Sitzungsdauer unter Ablehnung sämtlicher Anträge der Mindcrhcst in der Fassung des Ausschusses an­genommen worden. Darauf begannen die Ver­handlungen über Jmmunitätsangelcgenheiten.— Um 7 Uhr abends beendete das Abgeordnetenhaus seine 56stündige Sitzung, die am Dienstag vormittag 11 Uhr ihren Anfang genommen hatte. Tie dritte Le- sung des Kriegsleistungsgesetzes wird in der heute

wegen „Extratouren" __________ , ie Intimität bekundet sich' ja tatsächlich' gerade in dem kritischen Punkte der gegenwärtigen Weltlage. Italien will ein a l - banesisches Staatswesen an der östlichen Adriaküste schaffen, und Oesterreich will dasselbe. In ihrer gemeinsamen Adriapolitik unterstützen sich beide Mächte: dem Widerspruch gegen die serbischen Ansprüche auf Nordalbanien und einen Kriegshafen. Dieses positive und negative Zusammenarbeiten von Oesterreich und Italien ist von geradezu ent­scheidender Bedeutung. Dadurch ist vor oller Welt klargestellt, daß Rußland oder sonstige Gönner Serbiens auf den geschlossenen Widerstand der Treibundmöchte stoßen würden. Wäre Italiens Haltung irgendwie zweifelhaft, so könnten die Kriegs­treiber viel eher es auf eine Kraftprobe ankommen

seuchung" gewehrt Bremen, Lübeck, Lippe, R e u ß jung, und ält. Linie, Waldeck, Schwarz­burg - Sondershausen, Anhalt, Sachsen - K o - bürg, Sachsen -Gotha, Sachsen - Altenburg, Sachsen - Meiningen, Sachsen -Weimar und Mecklenburg-Strelitz. Dagegen haben sich in neuester Zeit Schaumburg-Lippe — Evangelische Bundesbrüder, fallt nicht in Ohnmacht! — einen ka­tholischen Oberlehrer, Braunschweig gar zwei katho- lifche und vier jüdische Oberlehrer und noch einen jüdischen Hilfslehrer und Mecklenburg-Schwerin — es ist nicht zu fassen! — drei lebendige katholische Oberlehrer 31tgelegt. Selbst Schwarzburg-Rudolstadt hat jedenfalls in einem Aufalle staatsmännischer Ver­blendung einem katholischen Hilfsl"hrer Zutritt zu seinen Landesgrenzen gewährt, welch unseliges Be- ginnen indes nock immer rückgängig zu machen ist, indem man dem armen Kerl von Hilfslehrer die feste

Poincarss, in die zweite oder gar dritte Reihe gedrängt; sogar England erscheint jetzt als bessere Stütze der Friedensbestrebungen. Das Haupt verdien st an der friedlichen Lösung der gegenwärtigen Krisis wird schließlich I t a l i e n beanspruchen dürfen, das durch die rechtzeitige Er­neuerung und Auffrischung des Dreibundes sowie durch das Zusammenarbeiten mit Oesterreich das

großen Mehrheit be8 deutschen Volkes, und was mehr ist, die Auffaffung von Gerechtigkeit und Tlaaisinieresse. Frank, Bebel, Hoffmann, Stadthagen, Scheidemann, fl» alle dürfen ihre gotteslästerlichen Reden ungehindert halten! — Heute lrtfft's den Jesuiten, wie bald kann ei den gläubigen Protestanten treffen! Undenibar ist beute gar nichts mehr. Kutz und gut, der Fall Cohausz ist vorläufig eme badische Dummheit ersten Ran­ges, die leicht schwere Folgen nach sich ziehen kann. Wir wollen «8 im Interesse Deutschlands nicht hoffen."

* .Klemmscheine' heißen bet den Sozialdemokraten die Unterschlagungs-Schuldscheine ungetreuer Sanieret In einer vom Verlage nationaler Schriften zu Esten a. R. herauSgegebrnen Broschüre: „455 Millionen Mark Arbeitergroschen' wird nun das Formular eines solchen Klemmscheins mitgeteilt. Es lautet:

Ich Endesunterzeichneter bekenne hiermit, 0I8 Kassierer der Verwaltungsstelle . . . deS in Stuttgart domizilierenden Metallardeiterverdandes den Betrag von . . . Mark, welchen ich von den BerbandSmitgliedern eingezogen habe, in meinem eigenen Nutzen verwendet, bezw. unterschlagen zu haben. Ich verpflichte mich, den obengenannten Betrag an den Bezirksleiter deS „Deutschen Metallarbeiterverbandes" in ... pünktlich zurückzuzahlen, widrigenfalls Strafanzeige erfolgen kann.

DaS Vorhandensein von Formularen für solche Zwecke zeugt, wie die ,Kreuzzettung' treffend bemerkt, für die Häufig leit der Verwendung von Verbandsgeldern im eigenen Nutzen. Wissen die Verbandskassierer, daß man so verhältnismäßig leickten Kaufs davonkommen kann, dann erliegen sie um io eher Versuchungen in Notfällen. Und den Führern ist das anscheinend gar nicht so unange­nehm, denn Leute, die sie jeden Tag vor den Straf­richter schleppen könnten, haben sie ganz in der Hand wie will nloie Werkieuge.

* Kreuznach, 19. Dez. 1912. Bei der heutigen Landtagsersatzwahl in Kreuznach-Simmein- Zell erhielten Pfarrer Derlei knationalltberal) 861 Rnebel lBund der Landwirte) 25 Stimmen.

* München, 19. Dez. 1912. Heute besuchte Reichs­kanzler v. B e t h m a n n - H 0 l l w e g , der zu den Beisetzungsfeierlichkeiten hier weilte, den Minister- präsidenten Frhrn. v. Hertling im Mini­sterium des Aeußern. — Im Amtsblatt des Kultus­ministeriums wird heute ein Erlaß an die Regie­rungspräsidenten veröffentlicht, der die Distrikts- Polizeibehörden auf die Bundesratsbekanntmachung über die O r d e n s 1 ä t i g k e i t der Jesuiten ver­weist.

Di« Reichstagsersatzwahl in Greiz.

W Greiz, 19. Dez. 1912. Bei der heutigen Reichs­tagsersatzwahl im Wahlkreise Reuß ä. L. erhielt Cohen (Soz.) 7869 Stimmen, Dr. ©tiefe» mann (natl.) 5273 Stimmen und Amtsgerichtsrat L a 11 m a n n (Wirtsch. Vergg.) 1460 Stimmen. Cohen ist somit gewählt.

Bei den Hauptwahlen im Januar war der in­zwischen verstorbene Sozialdemokrat Förster mit 8542 Stimmen gegen 3804 nationalliberale und 3319 freisinnige Stimmen gewählt worden. — Die Na­tionalliberalen batten große Hoffnungen auf die Wahl gesetzt. Sie werden durch den Ausgang sehr enttäuscht sein.

Die Proporzwahle« in Württemberg.

= Stuttgart, 20. Dez. 1912. Bei den Pro­porzwahlen in den vier Landesw ahlkreisen er­hielten gestern Zentrum 5 Sitze, Volkspartei 4, So­zialdemokratie 4, Konservative 3 und Deutsche Partei 1 Sitz. Die Deutsche Partei (nationalliberal) ver­liert im ersten Landeswahlkreis einen Sitz an das Zentrum. Gewählt sind vom Zentrum: Groß, Herb­ster, Spaeth, Weber und Laub.

Nachdem nunmehr die Landtagswahlen vollstän­dig abgeschlosten sind, besitzen hn neuen Landtag Zen­trum 26, Volkspartei 19, Konservative 20, National- liberale 10 und die Sozialdemokratie 17 Sitze. Die Linke verliert die Meh rheit. Rechte und Linke sind gleich stark.

Da» Scheitern deS sächsischen Schulgesetze».

]:[ Dresden, 19. Dez. 1912. Nachdem das Ver­einigungs-Verfahren für dieVolkSschul-Vorlage gestern gescheitert ist, blieben Heu e die beiden Kammern bei ihren Beschlüssen stehen. Danach war die Volks- schul-Vorlage auch formell begraben. DaS Gesetz scheiterte namentlich an der liberalen Ableh­nung einer bekenntnistreuen ReligionS - Unterrichtes und dem Verlangen nach Schulgeld-Freiheit. Beiden Kammern schloffen die Sitzung mit einem Hoch aus den König und das Vaterland. In der Zweiten Kam­mer erhoben sich auch bte sozialdemokratischen Ab­geordneten von ihren Plätzen.

Ein Stücklein „echter" Toleranz.

Wie sehr noch die Katholiken in unserem berühm­ten Jahrhundert der Toleranz nur als steuerzahlende, trotzdem aber als rechtlose Heloten behandelt werden, zeigt ganz deutlich die schon kürzlich mitgeteilte Notiz im Philologen-Blatt Nr. 41, wonach in einer Sitzung des Zentralausschusses hamburgischer Bürgervcreine ein Antrag: „Ter Zentralausschutz ersucht die Obcr- schulbehörde, bei der Besetzung von Obcrlehrerstellen an den höheren Staatsschulen Hamburgs weder katholische noch jüdische Bewerber bei genügender Orralifikation a u s z u s ch l i e ß e n" nach längerer und zum Teil erregter Besprechung mit 55 gegen 49 Stimmen in namentlicher Abstimmung angenommen touvbe.

Diese kleine Notiz spricht ganze Bände. Beweist sie doch klipp und klar, daß bis jetzt in einem deutschen Bundesstaat Katholiken undJub eit, weil min­derwertigere Bürger, als höhere Beamte, in biesem Falle also als Oberlehrer, nicht an ge­stellt werben bürsten. Man sollte so etwas nicht für möglich halten. Mer es ist wirklich so. Die sämtlichen Direktoren, Oberlehrer und Kanbibaten an ben höheren Lehranstalten Hamburgs, insgesamt 427, Sub evangelischen Glaubensbekenntnisses. Trotzbem efe Schulen neben ungefähr 10 000 Evangelischen auch von etwa 250—300 Katholiken unb 500 Juden besucht werden. Die Gerechtigkeit hätte es zwar ver­langt, daß auch einige Dutzend katholischer und jüdi­scher Oberlehrer angestellt worden wären. Doch so etwas wie Gerechtigkeit gab eS anscheinend in dem stockprotestantischen und liberal regierten Hamburg nicht, bis sich eben der Zentralausschuß der Bürger­vereine zu d« obigen Enffchließung, allerdings auch nur mit geringer Stimmenmehrheit und nach hartem Kampfe mit den verbohrten Gegnern anffchwang. Wir bezweifeln übrigens auch jetzt noch sehr stark, daß die Resolutton des Zentralansschuffes. die selbst­verständlich nicht um der Katholiken willen gefaßt worden fft, so sehr viel an dem bestehenden Zustande ändern wird, wenigsten? was die Katholiken anlangt. Vielleicht entschließt sich die hamburgische Regierung dazu, einige jüdisch- Oberlehrer anzustellen, und da­mit ist dann die Sache zur Zufriedenheit aller ge­regelt.

Im übrigen bilden die braven Hamburger mtt ihrer gesetzlich feftaeleaten Ausschließung der Katho­liken von den Oberlehrerstellen nicht die einzige Aus­nahme. Auch eine Reihe anderer überwiegend pro­testantischer Staaten erstrahlen in ebenso hellem RubmeSalanz konfessioneller Unduldsamkeit. So ha­ben mit Erfolg die Kollegien ihrer höheren Schulen katholikenrein erhalten und sich mannhaft und wacker gegen „das tonrito* Joch und ultramontane Ver­

XontursfStlfii wirb brr btwl..—.. ....... ............. ..— __

klagen een iorbmingen M Sulba. flnrdgen-flnnabmr bis 10 Uhr eemlttags. s e örtfeerr fligelgm erbitten wir uns tags vorher. ~ *

Fernerstehenden die pünktlich erfolgte Ankunft deS Kaffers. Mit dem Glockenschlag elf konnte sich der Leichenzug von bet Allerheiligen-Hofkirche in Bewe­gung setzen. Geführt würbe ber Zug vom Stadtkom­mandanten mit den ausgerückten Truppen, dem Ka­dettenkorps mtt Fackeln, den in München ansässigen kc/.holischen Orden, Bruderschaften, Korporattonen, Studenten, ber Hochgeistlichkeit usw. Dann kamen, wie beim Begräbnis eines bayerischen Königs, bie „Gugelmänner". Die 25 Gugelmänner, mit ben über ben Kopf geschlagenen Gugeln, einer Art Ka­puze, tragen brennenbe Doppelkerzen unb gehen vor dem Erzbischof her. Ihm folgten bie übrigen baye- rischen Bischöfe, sobann bie Leibärzte des Prinzre­genten, der Geheime Hoffekretär v. Pflug, nach diesem kam der Wagen mit der Leiche des Prinzregenten, voran der Zeremonien- und Oberzeremonienmeister. Der Magen war bespannt mit acht Pferden. Unmit­telbar hinter dem Leichenwagen wurde das Leibpserd des Regenten geführt, das schon seit Jahren das Gnadenbrot bekam. Hinter dem Kreuzesträger sch'itt Prinzregent Ludwig, zu seiner Rechten ber Kaiser mtt bem Marschallstab unb den Insignien des Hubertus- ordens, zu seiner Linken der König von Sachsen, beide in den Uniformen ihrer bayerischen Regimenter. Es folgten die Angehörigen des Königshauses, Erzher­zog Franz Ferdinand von Oesterreich als Vertreter des Kaisers Franz Joseph, hinter diesem die übrigen Fürstlichkeiten. Ihnen schlossen sich an die Abordnun­gen der freien Reichsstädte Hamburg, Bremen und Lübeck, die Vertreter von Rumänien unb Kuba; bann ber Reichskanzler, Vertreter bes Dunbesrates unb des Reichstages, Vertreter der beiden Kammern des Landtages, darunter auch die sozialdemokratischen Mttalieber in corpore.

Die Einsegnung der Leiche in ber Theatinerkirche unb Beisei,ung dc? Sarges in ber Gruft vollzog sich bei beschränkten Raumverhältnissen sozusagen im klei­nen Kreise. Der Ministerpräsibent v. Hertling wal­tete seines Amtes als Stanbesbeamter bes königlichen Hauses. Der Kaiser begab sich nach der Trauerfeier zur Preußischen Gesandtschaft. Nachmittags fand im Barbarösiasaal der Residenz Tafel zu 112 Gedecken statt, au ber ber Kaiser, ber Prinzregent, bie anwesen­den Fürstlichkeiten, ber Reichskanzler, Ministerpräsi- deut Frbr. v. Hertling u. a. teilnahmen. Um 6*4 Uhr reiste ber Kaiser mit seinen Söhnen nach Pots- bam. Abenbs fanb in ber preußischen Gesandtschaft zu Ehren des Reichskanzlers ein Souper statt.

♦ Berlin, 19. Dez. 1912. In ber Hebwigskirche in Berlin wurde für den verstorbenen Vrinzregenten ein feierliches Requiem zelebriert. Sämtliche zur­zeit in Berlin anwesenden Botschafter unb Gesandten mit ihren Zivil- unb Militärattachees und Botschasts- räten waren erschienen. Der Kaiser hatte den Prin­zen Friedrich Leopold mit seiner Vertretung betraut. Man sah ferner unter anderen den Vertreter des Reichskanzlers von Bethmann Hollweg, Staatssekre­tär bes Auswärtigen von Kiberlen-Waechter, die Chefs des Marine- unb Militärkabinetts, Generalfelb- marschall Frhr. von ber Goltz, den kommandierenden General bes Garbekorps, v. Loewenfelb, ben Reichs­schatzsekretär Kühn u. a.

Wieder eine Ministerrede.

Nach bem Ruffen Kokowzow ergriff ber Ita­liener diSanGiulanodas Wort. Schon unsere kurze Inhaltsangabe in ben Letzten Nachrichten bes gestrigen Blattes läßt erkennen, baß die Rede des Italieners klarer und kräftiger ist. Kokowzow kam hei ber Erwähnung des Dreiverbandes über die her­gebrachten allgemeinen Redewendungen nicht hinaus, ^iulano aber'hielt eine Lobrede auf den Drei- u n d, die Hand und Fuß hatte, d. h. sich auf greif- )are Tatsachen stützte und. für die realpolitischen Auf- gaben der Gegenwart die prattische Nutzanwendung tog.

Di» Sicherheit der Zukunft, so führte er u. a. noch aus, tft em wesentlicher Faktor de« gegenkitiatn Ver­trauens, einer wirksamen Eintracht uns henluben und srnchibaren Immunität Aus diesen durch Oie Er­fahrung von meckig Jahren erprobten Tatsachen ergibt sich das gleiche Interesse der drei Mächte, den Dreibund zu erneuern. Auf dieser letten Grunslage, sowie aus ber Basis der italienisch )>terreichtich-ungarüchen Ab- kommen von 1897 und 1 00, bte stets vollkommen der altuellen Lage Italiens und Oesterreich - Ungarns ent sprachen - die gegenseitigen Beztthungen ,wachen beiden an dem Gleichgewicht und der Freiheit in der Adria am meisten interessierten Mächten sind deute sehr intim und herzlich — konnten die funoamentalen timten einer Lölung des albanischen Problems gesunden weiden. So, wie der Dreibunovertrag redigiert ist, gewädrleiuet er alle unsere Jntereffen und sorgt in voll- lommener Werse für untere Sicherheit. Und die Er­fahrung beweist, daß jede der drei verbündeten Mächte, um sich an den Geist des Vortraaes zu halten, immer versucht hat und immer versuchen wird, mit den anderen Großmächten herzliche Beziehungen zu unter« halten und mögliche Ursachen einer Reibung zu e n 11 e r n e n.

Zur Auffrischung bet Friedenshoffnungen kann offenbar bie italienische Rede viel mehr beitragen, als die russische. Immerhin hat auch die letztere weithin eine günstige Wirkung geäußert. Nicht nut in Wien, sondern auch m London und Paris beeilt man sich, aus den Worten CokowzowS möglichst viel Honig zu saugen. Seme Auslaffungen über den geschichtlichen Beruf Rußlands als Vormacht des SlaoeniumS uno der Orthodoxie betrachtet man als Beruhigungsputver für die Panslavisten, die ^All- Russen' ; dagegen findet man die Rtchlschnur der riiffiichen Regietungspolitik in den Bemerkungen über die Verständigung der Großmächte wegen der ftruttgen Interessen. Insbesondere findet man es tn London beruhigend, daß Cokowzow ausdrücklich das Ans pielen der einen Mächtegruppe gegen bte andere abge ehnt hat. In dieser Beziehung könnte nun auf den ersten Blick das Loblied deS italienu »en 'Ministers auf den Dretbu.ib als eine Verschärfung d«s Gegensatzes unter den Mächtegruppen ersche.nen. Aber Giuliano hat einen solchen Vorwurf oorgebeugt. Denn nach der Schilderung der Jntttn'ät, die jetzt im Dreibund herrschte, betonte er die treundlichen Beziehungen zu Rußland, den Fortbestand der Mittel« meerabt >mmen mit Frankreich und England, das Zmanin enardeiten der drei Mtttelmeermächte tn Nordafrtka, und so stellt er Italien ziemlich deutlich als em Verbindungsglied zwischen den beiden

großen 9.llärbteorupven bin.

Eine solche Zwischengliedstellung hat Italien schon früher eingenommen unb sie hat gelegentlich zu Zwei­deutigkeiten unb Aergernissen geführt. Augenblicklich aber liegt kein Grund zum Mißtrauen unb Verdacht vor. Italien ist jetzt so voll unb ganz Mitglied des Dreibundes geworben, baß man wegen „Extratouren" nicht besorgt zu sein braucht. Die Intimität bekundet

ü S TDodien-Benage:' ~ *

Illustrierte Sonntagsxelhing

ventsches Keich.

; Berlin, 19. Dez. 1912. Ein froheS Ereignis im Hohenzollernhaufe steht bevor. Der Kaffer hat bestimmt, daS mit der Abhaltung kirchlicher Für­bitten für eine glückliche Entbindung der Frau Prinzeisin August Wilhelm bereits am nächsten Somitao begonnen werde.

(*) Der Preußisch - Süddeutsch» Lotterieverlrag ist nach Biättermeldunpen in Bayern bereits vollzogen worden. Er gleicht ben Verträgen, die Preußen bereits mit Württemberg und Baden abgeschlosten bat. Die aut Bayern entfallenden Lose sind nach dort vor einioer Zeit versandt worden, sodaß die erste Preußisch-Süddeutsche Kloffenlotterie unter Teilnahme Bayeins im Jahre 1913 (1. Ziehung am 13. und 14. Januar) stattfinben kann. Em Anschluß anderer Bundesstaaten, wie z. B. Sachsens ober Hamburgs, an die Preußisch-Süddeutsche Klaffenlotterie ist nicht zu erwarten.

(*) Ter Deuffche Kanzle ibeamtenbunb ist beim Reichsantt des Innern vorstellig geworden mit ber Bitte, anorbnen zu wollen, daß bei ber amtlichen Veröffentlichung von Personalveränderungen „bie Kanzleibeamten fortan entweder neben ben Büro­beamten ober für sich besonders, keineswegs jedoch weiter neben ben Unterbeamten, werden. Der Staats­sekretär bes Innern hat, nach Berliner Blättern, biesem Wunsch burch die Anordnung entsprochen, daß in amtlichen Veröffentlichungen über den Personal­bestand fortan die, Kanzleibeamten für sich hesonbers und nicht neben ben Unterbeamten zu nennen sinb.

+ Dumme Mache. Die demokratische Berliner Volkszeitung will von „einem angeblich eingeweihten UHranwntanen" folgendes erfahren haben:

„Die vertraulichen Sonbietungm mit den benach­barten befreundeten Parteien im Reichstag und Preußi­schen Landtag haben ergeben, daß die Stellung deS fünften Reichskanzlers sich viel schwächer herausgestevt hat, als angenommen wurde. Darüber gehen die Herren v. Heydebrandt und der Lase, Dr. Derlei und Eamp mit unseren Führern einig. Für die Zentrumspartei al8 Vertreterin des katholischen BolkeS in Deutschland ist es E!> r e n p fli ch t, mit diesem Reichs­kanzler, der sich schon vor zwanzig Jahren als Mitglied der Freikonlervatwen Fraktion als Jefuitenfetnd gab, endgültig zu brecken."

Angenommen, nicht zugestanben, baß bas bemo­kratische Organ biese Aeußerung aus bem Munde eines „Nltramontanen" gehört hat, so darf sie sich versichert halten, baß berselbe nicht eingeweiht war. Zwischen ben Konservativen unb ben Führern bes Zentrums haben, wie auch bie Deutsche Tageszeitung bestätigt, in letzter Zeit keine Sonbierungen unb Be­sprechungen ftättgefunben, am wenigsten über bie Stärke ober bie Schwäche ber Stellung bes Reichs­kanzlers.

)( Tie Stellung der bayerische» Sozialdemokratie zur Monarchie. Es ist allgemein ausgesallen, daß sich bie Sozialdemokraten in Bayern nicht nur an Der Beisetzung de« verstorbenen Prinzregenten be­teiligt haben, sondern auch deschloffen haben, der Vereidigung deS neuen Prinzregenten beizuredhnen. Vom Standpunkte der sozialdemokratischen Radikalen machen sich die bayerischen .Genoffen' durch diese höfischen Zugeständnisse eine» schweren Verstoße- gegen bie Parteiprmzipien schuldig. Man darf des­halb gespannt darauf fein, ob diz Berliner Ober­genossen gegen Bayern mobilisieren, ob« ob sie in diesem Falle ein Ange, zudrücken werden.

• „Badische Musterdummheiten' nennt ein pro­testantisches Blatt, das in Barmen erscheinende christlich-soziale Organ „Die Arbeit', daS Vorgehen ber baltischen Regierung gegen ben Jesuitenpater Cohausz. Das Blatt schreibt:

„Auf dem Aachener Katholikentage sprach ber geist­reiche Jesuit CohauSz-Köln, ein geborener Deutscher, gut christlich und gut deutfch! Die patriotische Rede fanb den lebhaften Beifall bet nationalen Presse, soweit sie sich gegenüber dem Zentrum ober gar einem Jesuiten den klaren Berstand bewahrt hat. Dieser selbe Deutsche sprach vom 2.-6. Dezember in Freiburg vor 3000 diS 4000 Hörern über: „®ott, Mensch, Eottmensch, Des Gottmenschen Werk, De» Gottmenschen Liebe", also alle- religions-philojophische Themata. Da wurde diesem Manne urplötzlich von der badischen Regierung das Reden verboten! Zur selben Zett aber redet ein Atheist, ein Freigeist, m der dümmsten, frechsten und plumpsten Werfe gegen Gott, EhrrstnS, Kirche und Autorität! Verbieten r Unsinn, GristeSfreiheit ist eine Ehrenforderung der Liberalen. Zur selben Zeit aber redet ein Sozialdemokrat gegen bie Regierung, predigt ganz offen Revolution, Abschaffung der Monarchie, Christentum und Autorität für einen kapitalistischen Schwindel! Verbieten 7 Unsinn! Rede- imD Gedankenfreiheit ... Es ist eine beschämende Aatfaie, da« in Deutschland wohl ein frecher

lassen.

Wenn Italien fetzt eine so klare und entschloffene Haltung einnimmt, so handelt es picht nur aus reiner Nächstenliebe oder sonstigen idealen Trieben, sondern in der richtigen Erkenntnis seiner eigenen Lebens- bedmgunaen und seiner weltpolitischen Jntereffen. Wir wollen aber doch der italienischen Regierung dankbar fein für den wertvollen Dienst, den sie ttn gegenwärtigen Augenblick dem europäischen Frieden leistet.

Als bo- drei Jahren die Krisis wegen der bos- Nischen Einverleibung friedlich gelöst wurde, hatte das Hauptverdienst daran lie französische Regie­rung, die Herrn Iswolskys Kriegstreibereien ver­eitelte. Jetzt ist Frankreich, trotz der anfänglichen Geschäftigkeit r