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z. Blatt.

Druck der zuldaer XctienBntcttei m Salbe.

.«• Fuldaer Zeitung.

2Ius dem Nackbaraeblete.

„/' Pilgerzell, 16. De». 1912. In der am Sonntag hier veranstalteten Arbeiterversammlung für die P'arrei Florenbe'g sprach Herr Redakteur Franken­berg von Aschaffenburg im Sinne des Deleaier'en- tages über die unbedingte Notwendigkeit des Zu­sammengehens der katbol. Arbeitern-reine und der christlichen Gewerkschaften aus religiösen, wirtschaft- lieben und politischen Gründen. Dem Lortrage schloß sich eine reae Diskussion an.

* Hanau, 16. Dez. 1912. Unter der Mannschaft des 1. Bataillons des hier garnisonierenden Eisen- bahn-Ncgiments Nr. 3 #ift eine Influenza-Epi­demie ausgebrochen, die eine ziemlich starke Aus- dehnuna genommen hat.

* Oberlahnstein, 17. Dez. 1912. Der Milchhändler Adler, der Milchkannen an einen Zug bringen wollte, übersab beim Ueberschreiten der Gleise die Einfahrt eines Znaes, wurde üb er fahren und aetötet.

bm Aschaffenburg, 17. Dez. 1912. Wie liberale kreise über die religiöse Ueberzeugunq anderer den­ken, zeigte ein Vorfall, der sich kürzlich in einer Zen­trumsversammlung in Großosthei m bei Aschaf­fenburg ereignete. Als der betr. Referent auf die Teuerungshetze der Gegner zu sprechen kam und als Ursache der vorigjährigen Teuerung die anhaltende Dürre bezeichnete, rief der' sunaliberale Redakteur Matthes von der „Aschaffenb. Zig." dazwischen: „3i.e haben eben nicht genug gebetet!" Diese freche Verhöhnung läßt wieder einmal die Reliawns« frei,ndlichkeit der Liberalen in denkbar bestem Lichte erscheinen. Armselige Heuchler!

Nicht nur stiller, sonder« auch offener Kulturkampf,

das ist die Signatur der Lage, wie sie sich heute für ben Katholiken darstellt. Man suche uns nicht mit schönen Reden zu kommen und uns sagen zu wollen, kein Mensch tue ja dem Katholizismus etwas und wie dies alles heißt; die Tatsachen, nur die reinen, nackten Tatsachen wollen wir sprechen laffen, und die reden eine ganz verzweifelt deutliche Spra- ch e, Diese Sprache lautet: Mit einem Achselzucken geht man über die Wünsche von 24 Millionen Ka­tholiken zur Tagesordnung über; gegen Einrichtun- gen der katholischen Kirche und gegen diese allein im ganzen deutschen Reiche läßt man ein A u s n a h m e- gesetz härtester Art bestehen. Ist das kein Kulturkampf'? Und weiter! Alles darf öffent­lich und frei reden, allüberall. Sozialdemokraten, Freidenker, Anarchisten, sie dürfen ungeschoren die schwersten Angriffe gegen Staat und Kirche, gegen öie göttliche und die weltliche Autorität richten. Kein Mensch hindert sie daran. Aber — wenn der Jesu­itenpater C o h a u s z religiöse Vorträge hält, wenn er sich auf die Schanze stellt und selbstlos den Kampf auf nimmt gegen diese Feinde göttlicher und mensch­licher Ordnung, nicht zuletzt im Interesse des Staa­tes, dann kommt die Polizei und dann werden oiese Vorträge verboten! Katholisches Volk, merke auf diese Zeichen der Zeit; sie wollen beachtet sein. Rüste Dich, Du stehst allein. Baue Deine Organisationen aus! Vergiß nicht die katho­lische Presse! Die „Fuldaer Zeitung" ist die bedeutendste täglich erschemende Zeitung Kurhessens und der benachbarten thüringischen und hessischen Bezirke. Sie steht in jeder Beziehung auf der Höhe der Zeit. 9teu eintretende Abonnenten erhalten die bis zum 1. Januar erscheinenden Nummern gratis und franko.

Ein neunmal Kuger möchte nun leicht auf den Gedanken kommen, allen ihm von der Verjährung drohenden Fährnissen durch eine Abmachung mit dem Schuldner zu begegnen. Indessen wäre solchen Schlauköpfen damit nicht gedient. Denn das Gesetz bestimmt ausdrücklich: „die Verjährung kann durch Rechtsgeschäfte weder ausgeschloffen noch erschwert werden." L.

rt Verjährt.

Unsere Ansprüche sind dem Laub ter Bäume ver­gleichbar. Im Spätherbst, wenn das Laub sich färbt und zu welken beginnt, vermag auch der leiseste Luft- Hauch die Blätter von den Zweigen zu rütreln, um sie in endloser Fülle der Verwesung zu weihen. Und wenn wir unsere Ansprüche überreif werden lassen, fegt sie das Jahresende wie Spreu im Winde hinfort und läßt uns nichts als die Trauer nm ein unwieder, dringlich verlorenes Gut. Um dessentwillen ist schon viel mit dem Recht unserer Tage gehadert worden. Man schalt es unvernünftig, unleugbar erwiesene gute Ansprüche gegen die Mitwelt lediglich dem Ab­lauf einer bestimmten Zeitperiode opfern zu wollen. Warum soll jemand, der mir für Warenlieferungen 1000 Mark schuldet, schließlich unter dem Schutze des Rechts hohnlachend auf zwei inzwischen versessene Jahre Hinweisen und sich nun aller Pflichten gegen mich ledig sprechen dürfen?

Ein Problem, das zu eines jeden Zufriedenheit nimmermehr lösbar erscheint. Mir sei hier aus all dem Für und Wider nur der Hinweis erlaubt, daß sich bekanntlich alle Menschen ohne Ausnahme selbst gegen die dümmst ersonnenen, plump erlogenen Ansprüche verantworten müssen, wollen sie nicht der Gemein­heit ihrer Gegner zum Opfer fallen. Dazu ein drasti- schcs Beispiel: Herr Kommerzienrat $., ein schwer­reicher Mann untadligen Rufs, wird von einem e-< prefferischen Dienstmädchen auf Zahlung von 250 Mark verklagt. Die freche Schwindlerin macht dazu geltend, X. fei, während sie — vor elf Jahren — bei ihm diente, stets den Lohn schuldig geblieben und immer vergeblich gemahnt worden. Obschon nun alle Umstände schreiend auf die Unwahrheit solchen Vor­bringens Hinweisen, kommt der Richter doch nicht um ein zur Zahlung der geforderten 250 Mark verur­teilendes Erkenntnis, wenn es der Beklagte ver­schmäht, in eigener Person oder durch einen Bevoll­mächtigten an Gerichtsstelle seine Sache zu vertreten.

Klar ist es andererseits, daß die Entstehungsge- schichte solch erdichteter Forderungen mit Vorliebe in eine weit zurückliegende Vergangenheit datiert wird, weil die Betrüger das grelle Licht der Gegenwart doch als gefährlich scheuen und ihnen die wahrheits­verdunkelnde Macht der Zeit für ihre Manöver bar« um vortcilverheißender erscheint. Auch ein zart-

entwickeltes Ehrgefühl wird es hier einem Beklagten nicht verübeln, wenn er angesichts seiner felsenfesten Ueberzeugung von der absoluten Unwahrheit des geg­nerischen Vorbringens vor Gericht einfach erklärt: „Ich laffe mich auf Verhandlungen nicht erst ein, sondern mache geltend, daß ja des Klägers Ansprüche längst verjährt sind." Verschiedene Vereinigungen zum Schutze von Handel und Gewerbe vor unlauteren Elementen führen nun Listen über die Personen, die sich vor Gericht mit der Verjährung verteidigen. Wird dabei aber nicht mit großer Sorgfalt zu Werke ge­gangen, dann kann bei solcher Listenführung recht leicht der Unschuldige mit dem Schuldigen vor der Mitwelt in den' Verdacht ordinärer Gesinnung kom­men.

Viel umstritten ist weiter die Frage, ob das neue Bürgerliche Recht mit der Bestimmung der Verjäh­rungsfristen das Richtige getroffen hat. Auch hierin mag jede Ansicht ein Körnlein Wahrheit bergen. Sehen wir uns statt der Beteiligung an solch un­fruchtbarem Streit aber lieber ein wenig im Gesetze um. Angenommen, ich habe einem Bekannten zum Besuche feiner in Paris lebenden Braut 400 Mark geliehen. Wann ist das Geld der Verjährung ver­fallen? „In dreißig Jahren", denn: „Die regel­mäßige Verjährung beträgt dreißig Jahre." In Praxi seht die Sache freilich gewaltig anders au5. Lesen wir nämlich im Gesetz unter den Ausnahmen nach, so finden wir, daß die meisten Ansprüche aus Geschäften des täglichen Letens bereits nach zwei oder — wenn die Leistung für des Schuldners Ge­werbebetrieb erfolgte — nach vier Jahren verjährt > sind. Zum Erempel: Die Firma Rüper u. Co. verkaufte mir am 3. Februar 1910 für meinen Haus­halt einen köstlichen Persertepvich für 1400 Mark. Die Mahnbriefe der Firma wandern sämtlich in mei­nen Papierkorb und ich harre gespannt des Mo­ments, wo die Zeit die Schuld statt meiner abgetra­gen bat. Wie lange muß ich warten? Ganz einfad): der Verjährungslauf beginnt bekanntlich mit Schluß des Jahres, zu dem der Anspruch entstanden ist. Ta ich das Geschäft 1910 abschloß, läuft die Verjährung von Silvester 1910 an, und da weiter die Ansprüche der Kaufleute für Lieferung von Waren in zwei Jahren verjähren, bin ich Silvester 1912 frei und die Firma hat das Nachsehen.

,Aber", höre ich entrüstet rufen, „Sie geben doch selber zu, währenddessen mehrmals Rechnungen be­kommen zu haben." Freilich, doch das macht nichts. Einfache Mahnungen, Einschreibebriefe, Postaufträge und dergleichen vermögen nimmermehr die Verjäh- rung zu unterbrechen. Dazu bedarf's schon eines stärkeren Geschützes. Nennenswert ist hier in erster Linie die Erhebung der Klage, die Zustellung eines Zahlungsbefehls und die Anmeldung des Anfpruchs im Konkurs.

Sinn und Willen deS Gesetzes muffen im übrigen mit logischer Notwendigkeit zu dem Ergebnis führen, daß auch jedes Anerkenntnis des Schuldners dem Gläubiger zustatten kommt, weil es die Verjährung, unterbricht. Natürlich, denn mit dem Moment, zu dem der Schuldner erklärt: „ich erkenne an", ver­zichtet er gleichzeitig auf den Einwurf, die verdunkeln­de Macht der Zeit habe die Sache aus seinem Ge- dächtnis verwischt. Den Beweis solcher Erinnerung aber brauchen selbstredend nicht immer des Schuld­ners Worte zu erbringen. Auch seine Taten können vielmehr darauf Hinweisen, daß er sich seiner Schuld recht wohl bewußt ist. So betontet er fein Bewußt­sein von der Existenz unseres Anspruches z. B. auch damit, daß er Abschlagszahlungen leistet; denn kein vernünftiger Mensch trägt eine Schuld in Raten ob, die seines Wissens gar nicht besteht. Darum biHigen wir das Gesetz, wenn es die Verjährung auch dadu.ch als unterbrochen ansieht, daß „der Verpflichtete dem Berechtigten gegenüber den Anspruch durch Abschlags- zablung, Zinszahlung, Sicherheitsleistung ober in andere. Weise anerkennt."

Hiermit ist uns ein gangbarer Weg eröffnet, geht unsere Absicht dahin, daß sich bei der Behandlung unseres Schuldners wohlweise Vorsicht mit Milde paaren soll. Tenn wenn wir nicht wollen, brauchen wir die durch Zeitablauf gefährdeten Forderungen nicht einzuklagen; sind wir doch sattsam gesichert, so­bald uns der Schuldner vor Jahreswende seine An­erkennung des Bestehens der Schuld tonbgibt. An­dererseits aber rettet uns nicht einmal ein gegen unseren Gläubiger erstrittenes Urteil für alle Ewig- feit. Denn selbst ein rechtskräftig festgestellter An­spruch verjährt, wenn auch erst nach dreißig Jahren. Immerhin läßt es diese Weisheit doch vielleicht hier und dort ratsam erscheinen, das Schubfach der alten Dokumente einmal aufmziehen und die gerichtlichen Erkenntnifse zeitlicher Reihenfolge nach zu sortieren, dem Münsterland: Der Dieckhoff. Besonders eif­rig hat der Verlag die westfälische Tialektliteratur ge­pflegt und namentlich alle Werke Augustin Wibbelts herauSgegeben. Wibbelts Bücher find bei allen West- falcn so beliebt, daß fie einer Empfehlung gar nicht mehr bedürfen. Wir können uns daher auf die Mit­teilung beschränken, daß Wibbelt soeben wieder einen neuen Band herausgibt: Dat beerte Gebott (2,60 Mark, geb. 3,60 Mk.). Es ist wiederum eine Erzählung aus dem Münsterlande, und zwar diesmal eine Geschichte von tiefernster Tragik, in der Wibbelt sick, vielleicht noch mehr als in seinen früheren Werken als Erzähler be­währt, der geradezu monumentale Typen aus dem Volks- leben zu gestalten weiß. Wohl noch nie ist das alte Problem des Kampfes zwischen den Eltern und den Kindern um Erbe und Heirat mit so gewaltiger Wucht in niederdeutscher Sprache behandelt worden wie in diesem ergreifenden Buche. Zu Weihnachten wird man­chem Westfalen auch der im vergangenen Frühjahr er- schienene Gedichtband von Augustin Wibbelt: Pastra- ote" Gaoren erwünscht sein (2 Mk., geb. 3 Mk.). Dieser Pastoren-Garten enthält so viel reizende Beete und Blumen, daß man sich gerade im Winter herzhaft daran erfreuen kann.

In andere Teile deS deutschen Sprachgebiets führen uns die prächtigen Böhmerwaidgeschichten von Johann Peter: Es war im Böhmerwold und Granit und Gneis (jeder Band 3 Mk., geb. 4 Mk.)., die einen feinen Kenner der Böhmerwaldbewohner, einen Erzähler voll echtem Naturgefühl und voll frischen Humor verraten.

Wer ein rein humoristisches Buch mit einer überaus reichen Auswahl in Prosa wie in Versen wünscht, der greife zu dem beliebten Buche von Tomy Kellen: Alter unb neuer Humor des deutschen Volkes (kartoniert 3,60 Mark, geb. 4 Mk.). Hier ist das Beste vereinigt, was der deutsche Volkshumor an Schwänken, Schnurren und spassigen Geschichten hervorgebracht hat und was witzige Dichter an scherzhaften Erzählungen erfunden haben.

Nachdem Tony Kellen im bongen Jahre sein vorzüg­liches Werk Die Dichtkunst herauSgegeben hat, erscheint dieses Jahr die vierte verbesserte Auslage des bekannten Werkes „Der Roman" (4 Mk., geb 5 Mk.). Aus dem bescheidenen Büchlein von Heinrich Keiter ist im Laufe der Jahre ein umfangreicher Band geworden, da Kellen cs verstanden hat. alles, was den Roman betrifft, in einer überaus interessanten und anregenden Art zu behandeln. Das Buch eignet sich namentlich als Geschenk für Ge­bildete.

vermischtes.

♦ Förster unb Wilderer. Wie schon gemeldet, hat der Forster der Prvmschen Verwaltung bei D ü r e n, der sich erst seit kurzer Zeit in Stellung befand, zwei Wilderer die er auf der Kaninchenjagd überraschte, erschaffen'. Die behördliche Aufnahme des Tatbestan­des bat nun ergeben, daß der Förster nicht aus 9lot* wehr gehandelt hat. Es gebt daraus hervor, daß ter eine der Getöteten mit den Händen in der Tasche vor dem Eingang zu einer Kaninchenwohnung und der zweite Wilderer noch mit dem Netz in den Honten aufgefunden mürbe. Andere Wilderer, die dem Tun ihrer Kameraden zusahen, baten den Förster, als sie die beiden tot niedersallen sahen, um Gnate.

j Ein schlecht angebrachter „Stobenteuulk" hat in Freiburg L B. große Entrüstung hervorgerufen. Mitglieder ber Burschenschaft „Frankonia" veranstal­teten einen Ilmzug in vier Wagen, die im Hinblick auf die zurzeit unter den Katholiken herrschende Er­regung wegen des Verbots der Vortrage des Jesuiten- poterS Cohausz eine Verhöhnung der Katholiken dar­stellen sollten. Im ersten Wagen war einer ber Stu- deuten mit einem dem Chorhemd ähnlichen weißen Ueberzuge angetan, im zweitnächsten Wagen saß ein Student mit einer bischöflichen Mitra auf dem Kopf, die beiden anderen Wagen stellten die Begleitung dar. In der Friedrichstraße brachten Paffanten den Aufzug zum Halten unb veranlaßten die Polizei ein­zuschreiten. Eine mehr als hundertköpfige Menschen­menge nahm gegen die ©tobenten eine brohenbe Hal­tung ein, bis bem Unfug ein Ende gemacht wurde.

» Schreckensszene in einer russischen Kaserne. In der Kaserne der reitenden Artilleriebrigade in Pe­tersburg brach ein Brand aus, ber schnell ge­löscht wurde. Als ein ber Brandstiftung verdächtiger Unteroffizier verhaftet werben sollte, e r s ch o ß er den Stabskapitän Kologriwow, verwundete einen Mili- tärschreiber unb versuchte bann, sich selbst zu er­schießen.

• Ei» schreckliches Verbrechen entdeckt. In einer kleinen Ortschaft in der Nähe von Varese in Italien hatte ein Kaufmann seine Frau bei einer deutschen Le- bensbersicherungsgesellschaft für die Summe von 20 000 Franken versichert. Dor etwa vier Wochen verreiste der Ehegatte nach Tripolis. Kaum war er dort angelangt, als er die Nachricht erhielt, daß feine Frau plötzlich ge- storben fei. Der Mann berichtete zurück, daß eS ihm nicht möglich fei, zu dem festgesetzten Leichenbegängnis zurückzukommen. Zugleich machte er dem in der Schweiz lebenden Vertreter der Versicherungsgesellschaft Mittei.

In 8. verbesserter und vermehrter Auflage erscheint ein Werk, das von Anfang an allseitige Anerkennung gefunden hat: Dos goldene Anstandsbuch. Ein Weg- weiser für die gute Lebensart von I. von Eltz (4 Mark, gebunden 6 Mark). Ergänzt wird eS durch ein Werk desselben Verfassers: Lebens- und AnstandSftagen. Altes und neues über die Kunst zu leben, über Liebe und Ehe, die geselligen Sitten, besondere AnstandSftagen ufw. (4 Mark, geb. 5 Mark).

In weiten Kreisen des katholischen Volkes hat sich das Werk des Pfarrers W. Kraneburg: Christliches Familienleben (5 Mk.) bereits eingebürgert. Es ist ein praktischer Wegweiser für christliche Brautleute und Ehe- leute, Eltern und Kinder und ist von geistlicher Seite als ein Werk aus der Praxis und für die Praxis warm empfohlen worden.

Nazareth von Dr. Augustin Wibbelt (1,60 Mark, Prachtband mit' Goldschnitt 3 Mk.) ist zwar in erster Linie eine Festgabe für die erste heilige Kommunion, aber eS ist auch zugleich ein Prlgerbuch fürs Leben und eS eignet sich deshalb auch sehr gut als WeihnachtS. geschenk für die aus der Schule entlassene Jugend.

Don BelehrungS- und Erbauungsbüchern seien er­wähnt: Schwester Theresia vom Kinde Jesu von Gabriele von Frenh-Gemmingen (2,40 Mk., geb. 3 Mk.) und Vom Teufel zu Gott, Geschichte meiner Bekehrung von Adolphe Rette (1,60 Mk., geb. 2,20 Mk.), zwei Bücher, bereit Lektüre wahrhaft erhebend wirkt.

Eine vortreffliche Jugendjchrift bietet uns Maria Batzer: Ter Puppenspieler und andere lustige Kinder­geschichten (geb. 1,50 Mk.). Das hübsche Buch hat 20 reizende Einschaltbilder, und zwar sind diese sämtlich nach dem Leben photographisch ausgenommen. Durch diese originelle Illustrierung wird der Reiz deS Buches noch wesentlich erhöht. Erinnert fei auch an die sinnigen Gedichte für die junge Welt Wilde Blumen von Augustin Wibbelt (einfache Ausgabe 1,50 Mk., Pracht­ausgabe 4 Mk.), und Kinderland, Gedichte von Karl Engelhard (geb. 2,50 Mk.), die beide zu den Kinder­büchern im besten Sinne des Wortes zu rechnen sind.

Näher und näher rückt die liebe Weihnachtszeit unb mit ihr die Cual der Wahl wegen geeigneter Gefchenks- objelte. Sicher hat jedermann das Bestreben, mit seinen Gaben eine wirkliche dauernde Freude zu bereiten, aber wie oft wird da vorbei gewählt und ein Gegenstand er- worben, der als „Neuheit" enkpfohlen wurde, mit dem

Bom Weihnachtsbücherttsch.

IV.

Von den diesjährigen Neuheiten deS BerkagS von Fredebeul & So en eit in Essen verdient in erster' Linie daS Buch des Fuldaer Franziskanerbruders Donatus Pfannmüller: Durchs Land der Toren er- wähnt zu werden (4 Mark, geb. 5 Mark). Der Der- fasfer hat stch schon einen vorteilhaften Namen durch seine Erzählungen aus der Zeit Christi: AIS der Hei- land kam und Die Erstlinge der Wüste gemacht, und durch sein neues Buch, das, wie der Untertitel besagt, Ernstes und Heiteres aus dem Leben eines FranziS- kanerbruders bringt, wird er sich sicher zahlreiche neue Freunae errverwn

Gerade zu Weihnachten wird man außer den Büchern Pfannmüllers gern auch den Roman aus der letzten Feil vor Christus: Der Siern des Meeres von Viktor Schedlbaur zu Geschenkzwecken verwenden (2,50 Mark, geb. 3,50 Mark).

Lege"denerzählungen aus ter Zeit Christi enthält das hübsche Bändchen von M. Homscheid: Folge mir nach (1 Mk.. geb. 1,50 Mk.).

Jassy Tcrrund ist als Erzählerin schon längst bekannt und beliebt, sie bringt einen Band Erzählungen: Mit Gott und gutem Wind (3 Mk., geb. 4 Mk.). Der Spruch, der der ersten Erzählung und dem ganzen Bande als Titel dient, ist für die Dichterin charak­teristisch. So wie der Seemann sich mit diesem Wunsche dem Meere anvertraut, so geht auch Jassy Torrund ,ver­trauensvoll durchs Leben. Sie beobachtet die Menschen in glücklichen Zeiten wie in den Widerwärtigkeiten deS Schicksals, aber sie wird nie Pessimistin, sie betrachtet den Kampf im Leben als eine Notwendigkeit, aber sie verliert nie ihre feste Ueberzeugung noch ihren sonnig- ernsten Humor. Sie verrät eine feine Kenntnis ber Seelen, ob sie nun ihre Stoffe aus bem behäbigen bürgerlichen Familienleben wählt, ober' ein schlichtes Sondergeschick herausgreift.

Freiin von Späitgen, ebenfalls eine hervorragende Erzählerin, bringt dieses Jahr einen neuen Novellen­band: Farvenspiele (2 Mk., geb. 3 Mk. .

Aus Westfalen hat der Verlag bereits eine stattliche Anzahl von Romanen und Novellen veröffenllicht, so den Spökenkieker von L. Nasal (H. Kiesekamp), S i e - tenjans Söhne und andere Erzählungen von Emu Frank, sowie von demselben Verfasser ben Roman aus

290.

Mittwoch 18. Dezember 1912.

lung von bem Ereignis und verlangte die Ausbezahlung der Versicherungssumme. Der Inspektor verlangte arzt. liche Feststellung ber Todesursache ober aber bte Odduk- Hort ber Leiche. Das Begehren wurde dem Ehemann telegraphisch übermittelt, welcher aber kein Arztzeugnis besaß und die Bewilligung der Sektion verweigerte. Hier- auf hinterlegte der Inspektor die 20000 Mk. ber den Behörden und verlangte auf gerichtlichem Wege bte Oeff- nung ber Leiche. Als ber Sarg geöffnet wurde, lag die Leiche auf dem Bauche, die Hände waren im Gesicht ein» gekrallt, ein Beweis, daß die Frau im Zustand des Starr­krampfes beerdigt wurde. Die Sektion ergab, daß sie ver­giftet worden und im Grabe wieder erwacht war. Die Be­hörden ordneten die Verhaftung des behandelnden Arztes an, doch dieser hatte Bereits das Weite gesucht. Auf te- legtaphischem Wege wurde auch die Verhaftung des Ehe­manns in Tripolis angeordnet, der beim Erscheinen der Polizei einen vergeblichen Selbstmordversuch machte. Daraufhin wurden die 20 000 Fr. aus der Versicherung den Waifenbehörden zu Händen der vier unmündigen Kinder ber Verstorbenen übergeben.

Literarisches.

Stille Straßen. Ein Buch von kleinen Leuten uni großen Dingen von Paul Keller. Berlin» München-Wien. Allgemeine Verlags-Gesellschaft m. b. H. Preis 2,50, eleg. geb. Mk. 3,-—.

Was ist bas wieder eine tounberliebe, köstliche Weih­nachtsgabe, dieses neue Paul Keller-Buch! Ein langer, vielfarbig schillernder, ernsthafter und zugleich lustiger Reigen kleiner Geschichten, auS dessen ftischherzig und sicher gezeichneter Wirklichkeitswelt das rote Märchen- golb leuchtet, und auf die herab die Sterne der Romantik ftmkeln! Mitten drin ein szenisches Stimmungsbild von unsäglicher Innigkeit und Zartheit, — ein stilles, todesbangeS Spiel in ber Bauernstube, bei dem das ge­brochene Herz des armen Bärbels, die Großmutter, ber Hunb, bie Katze, eine Wachtel, eine alte Fliege, bet Kachelofen, die Wanduhr und der Briefträger beteiligt sind. Ein Stückchen feinster Meisterkunst! Auch dieses Buck ist, wie die meisten Bücher des erfolgreichen schlesi­schen Erzählers, für Menschen bestimmt, bie jung sind unb in ihren Greisentagen noch jung bleiben. Die kleinen Leute, von denen der Untertitel des Buche? redet, sind kleine, simple Menschen, die ihm auf stillen Lebensstraßen begegneten; die großen Dinge aber sind ber Himmel und die schaffende Natur. Das sagt er in einer kurzen Einleitung, und er sagt weiter, daß er in Stunden himmlischer Gnade, wenn er am Dichtwerk sei, oft auf stillen Straßen gehe, die in blauen Traum­lichtern liegen, und daß ihn diese Straßen zurückführen in die Kindheit, wo er immer den Himmel und der Natur am nächsten war. Wer mit ihm dorthin gelangen will, zurück in die verlorenen Wunderlande, nach denen aus dem rauhen Lärm des Tags und aus nächtiger Einsamkeit die Sehnsucht hindeutet, der schließe sich ihm an. Es gibt keinen besseren Führer als diesen starken, eigenherrlichen und jugendseligen Dichter. P. B.

vor uns liegt der illustrierte Katalog, den der B. Kühlensche Kunstverlag, M.Gladbach, all­jährlich zur Weihnachtszeit versendet. „Führer durch bie christliche Kunst" nennt er sich, und will dem christlichen Volke mit Rat und Tat zur Seite stehen, um bie reli­giöse Kunst auch im geringsten Hause heimisch zu machen. Er zeigt, wie der Verlag B. Kühlen die modernen Re- Produktionstechniken benutzt, um für billige Preise die Meisterwerke religiöser Kunst im Volke zu verbreiten.

Der Hebung des Kunstsinnes im Volke dient auch die Pflege der Herausgabe von H e'i l i g e n b i l b e rn, kleineren unb größeren Formats, die der Verlag sich angelegen sein läßt. Bekanntlich vermittelt das Bild- chen, welches das Kind in der Schule erhält, diesem die reffen Eindrücke, die es überhaupt von der Kunst be­kommt, und darin eben liegt die große Macht, der echten christlichen Kunst die Wege ins Volk zu ebnen. Eines ber markantesten Reichen unserer Zeit sind die An­sicht-. unb Glückwunschkarten. Durch fünft« lerifche Postkarten unb zweckbienliche Glückwunschkarten, insbesondere durch Reproduktionen von Kunstwerken er­strebt der Verlag eine Hebung des Niveaus der Ansichts­karten. Hinweisen möchten wir schließlich auch noch auf bte Abreißkalender für die katholische Familie (60 Pfg.) unb die christlichen Wochenkalender (45 Pfg.).

Reklamen- unb Anzeigenteil.

JISL SnAlteF

jRff A f «Hk ist man empfindlich. Rasch > V—/, ist eine Erkältung da, und die

■H / Stimme ist öfter belegt und

/MWAgg heiser als frei. Das lästige Gefühl der belegten Stimme vergeht, sobald man ein paar Wyb e r t - Tablett e n zu sich nimmt, die immer zur Hand sein müssen und in allen Apotheken 1 Mark pro Schachtel kosten. Bei Erkältung lindern sie den Hustenreiz und bringen den Katarrh schnell zum Schwinden.

aber der Empfänger ganz und garnichtS anfangen kann-' Man wird eS mir daher vielleicht Dank wissen, wenn ich auf ein Geschenk Hinweise, das sicher allseitig gern angenommen wtrd und das keinerlei Mode unterworfen ist, sondern oft Generationen hindurch Friede, Freude unb Sonnenschein im trauten Heim verbreitet. Ich meine gute Wandbilder. Nun wirb mir gewiß zuge» rufen: „Ja, daS ist nichts für unS, daS ist für bie Reichen. Gute Bilder sind bekanntlich auch teuer!"; Verzeihen Sie, baS ist ein leider weit verbreiteter Irr­tum, der im Mittelstände und STrbeiterlreifen noch immer recht stark verbreitet ist und sie nur selten an ein gutes Kunstwerk als Geschenk denken läßt. Es gibt Hunderte von farbenfrohen Steinkunstgmälden, alles Originale bedeutender zeitgenössischer Künstler, Bilder von künstlerischem Wert und künstlerischer Wirkung, bie zu für jedermann erschwinglichen Preisen (1,— Mk. bis 6,— Mk. pro Blatt je nach Größe) zu haben sind unb alles das bieten, was man von einem guten Wandbilds" für daS deutsche Haus verlangen kann. Ein kleines Prachtwerkchen „Die farbige Künstlerlithvgraphie unb ihre Bedeutung für die künstlerische Kultur" mit in­teressantem Texte und über 200 farbigen Bildern (8t’ Voigtländers Verlag, Leipzig, Preis 40 Pfg). bietet für; jeden Kauflustigen leichte Auswahl und macht selbst bie- sonst mühselige Arbeit zu einem Genüsse. Wer sich! dieses durch eine Buch- und Kunsthandlung oder beim Verlage bestellt, wird sich und anderen mit seinen Ge- fdienten Freude bereiten.

Schloß Meersburg. Annette von Droste'S Dichterheim) von Thekla Schneider. Mit einem Titelbild," 14 Textabbildungen und einer Handschristprobe. Stuttgart, Muth'sche Verlagshanblung. Original« pappband. Preis 2,40 Mk. j

Die Jahre, die Annette von Droste auf dem hoch über dem Bodensee aufragenden Schlosse Meersburg ber. brachte, waren die schönste Zeit ihres ErdenwallenS. Hier sind ihre schönsten Gedichte entstanden, und am Ufer des Sees ruht ihre irdische Hülle. Es war deshalb eine reizvolle Aufgabe, den dreimaligen Aufenthalt im Sü­den, als den stimmungsvollsten Ausschnitt aus dem Lebensbilde der großen Dichterin eingehend zu schildern. Die- ist der feinsinnigen Verfasserin in schönster Weise gelungen. Wir lernen die edle Persönlichkeit der Dich, terin näher kennen und dadurch werden wir auch mit ihren unvergleichlichen Gedichten vertrauter, von denen manche herrliche Probe in die Erzählung verwoben ist.;