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Zuldaer Leitung

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ist nachweislich der Wert der von uns abgelehnten zweifelhaften Anzeigen

Unsere verehrlichen Leser mögen hieraus ersehen, dass sie den Anzeigen in der „Ful aer Zeitung“ volles Vertrauen entgegenbringen dürfen.

M 289.

Dienstag 17. Dezember 1912.

mit Das läßt sich leicht tragen und kann eine ganze Menge in -id) aufnehmen. Große Sachen läßt man sich am besten ins Haus schicken. Hat man mehrere Pakete, die man öfter aus der Hand legen muß, so wendet man, um nichts zu vergessen und zu verlieren, am besten die Zählmethode an, d. h. man zäatt ein­fach die Pakete. Schließlich sei man auch insofern rücksichtsvoll, al? man nicht alles anfaßt, denn sehr viele Sachen leiden dadurch und werben unansehnlich.

--- Weihuachtsurlaub. Der Weihnachtsurlaub beim hiesigen Regiment und überhaupt beim Militär nimmt in diesem Jahre am 21. Dezember seinen Anfang. D.r Urlaub wird längstens bis zum 3. Januar erteilt.

S Vom Rhönturufest. Nach den jetzt erschienenen Statistiken steht das diesjährige Rhönturnfest mit der Zahl seiner Teilnehmer an der Spitze der deut­schen Bergfeste. Es war von annähernd 1OOO aktiven Turnern besucht.

(*) Miidchenschutz im AuSfanbe. Ter Minister für Handel unü Gewerbe hat in einer Verfügung vom 20. November 1911 darauf hingeimesen, daß die Kaiser­lichen Konsularbehörden in Frankreich in weitgehendem Umfange mit Vermiti-lungsanirägen deutscher Erziehe­rinnen, Kindersräulein und weiblicher Dienstboten be­lästigt werden, die sich durch ungerechte Behandlung ihrer französischen Dienstherrschaft beschwert fühlen. Zur Aufklärung über die Lage der jungen Mädchen in Frank­reich wird nunmehr vom Herrn Minister nck-n dem .Noladressenbüchlein des Internationalen Verb 8 der Freundinnen junger Mädchen" auch der vom, auani» lchen Mädchenschutzve.em" herausgegebene, im beionde- ren für katholische deutsche Mädchen bestimmte „Führer" empfohlen. Veriragsformulaie in beiden Sprachen können beim Landraisamte, ober bei der Polizeidwekiion oder beim Magistrate emgrsehen und bezogen werden.

Hlms Kel'd

Roman von Fritz Ewald.

tenhaufe zugchen. Der Bau des Wasserkraftwerkes wird begonnen werden, sobald noch inertere Energie­mengen von den Abnehmern (Kreisen, Städten ufw.) gebraucht oder verlangt werden. Von dein Bedarf an Kraft wird es abhängcn, ob mit dem Ban sehr bald oder erst nach Verlauf einiger Jahre begonnen werden kann. Die zuständigen Stellen der -Staats- regierung nehmen an, daß durch den Bau der neuen Staustufe als bewegliches Wehr eine erhebliche Ver­besserung der Hochwasierverhättnisse bei Münden em- treten wird. .

* Kassel, 16. Dez. 1912. Die im Arbeügeber- schutzverband organisierten Schreiner meist er- bcschlosscn, mit Rücksicht auf die allgemeinen Teue- rungSverbältnisse den Preis für Lohnarbeiten vom 1. Januar 1914 ab mit 90 Psg. zu berechnen. Ferne, wurde beschlossen, dem Vorsitzenden der Preußischen Handwerkskammern, Landtagsabg. Nahardt sowie der Zentrale des Hansabundes mitzuteilen, daß der Verband die reichsgesetzliche Regelung des V e r d t n- gungswesens wünsche, da sich bte mtrnftertel* len Verordnungen alS unzulänglich erwiesen hatten. — Einem Kaufmann wurden, als er für einig, Augenblicke sein Kontor verlassen hatte aus einer unverschlossenen Tischschublade S ch m u ck s a chen im Werte von 750 Mark entwendet, bte ihm von seiner Braut zum Aufheben gegeben worben waren. Als Täter wurde ein Freund des Betreffenden er­mittelt, der die Schmucksachen bereits versetzt hatte. — Sie Frühjahrsrenen des knrhessischen Reitervereins 1913 werden 'fallen. Dafür soll im Herbst kommenden Jahres ein Preisreiten mit Ge- länderttt veranstaltet werd.u.

* Sandersbausen, 14. Dez. 1912. Ein unheim­liches Gespenst treibt seit etwa 14 ^.agen nächtli­cherweile in den Dorsstraßen, namentlich aber auf der Straße nach Bettenhausen, sein Unwesen. Bor alten Weibern und Männern, namentlich aber vor Liebespärchen, taucht plötzlich wie aus dem Boden herauSgewachsen eine weiße Gestalt auf und erschreckt sie durch schauerliches Stöhnen. . Rede und Antwort steht es niei aridem und verschwindet so unerklärlich, tote es gekommen, wieder in der Dunkelheit. Viel­leicht, daß eine Portion gebrannte Asche den ruhe- losen „Geist" erlöste!

* Eschweqe, 16. Dez. 1912. Die Stadtverordneten . beschlossen die Ausnahme eine? Kapitals von 100 000 Mark bei der Landeskredttkasse. Dieses fott unter* halb eines Jahres aus *er bewilligten neuen Anleihe von 366 000 Mk, die wegen der jetzigen Geldknapp­heit erst späte, ausgebracht werden soll, zuruckgezahck toer*e®ötii«gtn, 16. Dez. 1912. Auf einer vereisten abschüssigen Chausseestrecke zwischen dem Sodderich und Waake ist ein Postomnibus gestürzt Der Postillon wurde vom Bock herabgeschleudert und erlitt durch den auf ihn fallenden Omnibus erhebliche Quetschungen und Knochenbrüche. Die Passagiere erlitten nur leichtere Verletzungen und Hautabschur-

?Iu$ dem llachbargemete.

«f Schloß Adolphscck, 16. Dez. 1912. In dem auS.wSebnten Jagdrevier der landgiäflichenWaldungen treiben seit langer Zeit Wilderer ihr Unwesen. Endlich ist es dem Wildmeister gelungen, einen der­selben auf frischer Tat zu stellen, als dieser gerade ein Häs lein erlegt hatte. Gutwillig gab er sein Ge­wehr ab und verriet auch noch seine beiden Helfers­helfer, so daß alle drei ihre Bestrafung zu erwarten haken.

* Hünfeld, 16. Dez. 1912. Die gestern Mittag hier abgrhallene Sitzung des landwirtschaft­lichen Kreisverelns war sehr gut besucht. Der VeriamMlung ging eine Besprechung der Züchter- Verewigung des Kreises Hünfeld voraus, in welcher befchlossen wurde, die Züchtervereinigung weiter be­stehen zu lasten und d e Reinzuchlbullen in Großen­bach, Großentaft und Rasdorf zur Aufstellung zu bringen

* Brückenau (Rhön), 16. Dez. 1912. Beim Holz­fällen kam der Holzarbeiter Scheidt aus Roßbach un­ter eine schwere Fickte und erlitt lebensgefähArche Verletzungen.

* Hammelburg, 16. Dez 1912. Hier hat sich eine Zwangsinüung für das Schnnedehandwerk, die Stadt und den Bezirk Hammelburg umfassend, ge­bildet; sie besteht aus 56 selbständigen Handwerkern.

D. Hochwaldhanjrn (Oberueffcn), 16. Dez. 1912. Der Schiklub Hochwa ldha - f en hielt am 15. ds. Mts. im Hotel zum Felsenmecr feine diesjährig' Generalversammlung ab. Mit Rücksicht daraus, daß dem Verein Mitglieder aus dem östlichen Vogelsberg und darüber hinaus an gehören, sowie mit Rücksicht auf seinen Zweck, zur Hebung des Schisportes in der hiesigen Gegend ohne örtliche Beschränkung beizu- tiagen, wurde bet Name des Vereins verändert in: „Erster Vogelsberger Schiklub tSttz Hochwaldhauscn)". Nach Erledigung der Vorstandswahl wurde eine Reihe neuer Mitglieder ausgenommen. Ferner wurde eme Mitgliederversammlung für Milte Januar an­beraumt und der Beichluß gefaßt, regelmäßige Fahrten zu unternehmen, und zwar zunächst von Hochwald­hausen, Grebenhain und Hartmannshain aus. ES wäre zu wünschen, daß der Verein, der sich auch die Hebung des Touristenverkehrs im östlichen Vogels­berg angelegen jein lasten will, träitige Förderung durch den Beitritt zahlreicher neuer Mitglieder erführe.

• HerSfeld, 13. Dezember 1912. Bei der Vieh, zäh Inng wurden in der Stadt Hersfeld gezählt: Gehöfte überhaupt 988, mit V-ehstand 417, vteh« haltenden Haushaltungen 454, Pferde 324 326), Rindvieh 235 (198), Schafe 265 (212), Schweine 676 (630). Die eingeklammerten Zahlen sind bte der ^äöluna von 1911. Ziegen 237 (217), Federvieh 2654 (2377), Bienenstöcke 178 (121). Die einge« klammerten Zahlen sind die der letzten Zählung von 1907.

• Seligenstadt, 14. Dez. E Bei Verschick- bewegungen im hiesigen Bahnhof blieb der Wagcn- wärtergehUfe Beck von Würzburg mit seinem Mantel am Ausfahrtfignal hängen und stü^tt dabei vom Wagen ab. Hierdurch erlitt er Verletzungen am Kopfe und einen rechtsseitigen Rippenbruch.

* Hanau, 14. Dez. 1912. Zwei 13jährige Diebe versuchten gestern in ber Bürstenbinderei Grünewald einen Einbruch wurden aber von dem Inhaber des Geschäfts, nachdem sie die Kaste bereits mittels Brecheisen geöffnet hatten, ertappt. Sein berbetge- rufenen Schutzmann brannten die Bürschchen nach der Festnahme wieder durch. — Bei dem gejtngen Prüfungstermin in dem Konkurse über bas yer» mögen des Buchhändlers Altmannsperger hat sich er­geben, daß nahezu eine halbe Million Mk. Forde­rungen angenielbet sind. Die Aktiven werden auf etwa 16 000 Mk. geschätzt.

* Hemau, 16. Dez. 1912. Die schon seit einigen Jahren dividendenlos gebliebene Aktiengesellschaft Hof bierbrauer ei Hanau hat im ^"gelaufe­nen Geschäftsjahre einen Bruttogewinn ton :8079,60 Mark (i. V. 42 012,34 Mk.) erzielt, für Uebetschrei- buitqen sind 44196,40 Mk zur Verwendung gekom- meit (i. V. 39 542,80 Mk.), sodaß sich em Verl s von 36116,80 Mk. (i. V. Ueberschuß 2463,54 Mk ) ergeben hat. Von diesem Verlust werden 16 258,01 Mark auf das neue Reservekonto übernommen, 19 858,79 Mk. auf das neue Betriebsiahr vorge­tragen.

* Frankfurt, 14. Dez. 1912. Seit etwa drei Jah­ren si.webt vor dem hiesigen Landgericht ein Pro­zeß zwischen dem Flieger 581 6 r io t und der deut­schen Flugplatzgesellschaft zu Berlin Wegen Er Ho­norarforderung Blsriots, die dieser jur ferne Teil­nahme an einer Flugveranstaltung tn 3obanm8tal am 26. und 27. September 1909 geltend machte. Tas Gericht kam gestern zu der Entscheidung daß die Flugplatzgesellschaft zur Zahlung von 20 000 Mk. nebst Zinsen für den zweiten Flugtag verurteilt toerbe sofern Blsriot ben Eid leiste, an bett betben Flugtagen je einen Flug von zwei Minuten Dauer ausgeführt 'und babei die Abslnglinie an der Tribüne überflogen zu haben. Schwöre dagegen BlSriot diesen Eid nicht, bann halle er bie bereits für ben ersten Flugtag erhaltenen 20 000 Mk. zurnckzuzahlen tote auch bann die Schadenersatzklage ber Gesellschaft cm, 40 000 Mk. für grundsätzlich berechtigt zu erklären sei — Der Prozeß mag juristisch nicht? Hervorstechen­des bieten, flugtechnisch ist er insofern bemerken - wert als er einmal wieder recht scharf bte unge­heure Entwicklung bes Flugwesens in­nerhalb eines ganz kurzen Zeitraums au^ weist. Vor drei Jahren begnügte man sich danach mit so bescheidenen Leistungen, wie es öin Zwemnnu» tenflua und das lieberfliegen einer Abfluglinie dar­stellen. selbst einem französischen Flieger gegenüber, dem man ein Tageshonorar von 20 000 Mk zubil- ligte. — Aus Paris wird gemeldet, daß sich dort etn Deserteur des 63. Artillerie-Regiments au5 Frank- furt Joachim Korber, ber am 28. November zusmn- men mit einem Leutnant fein Regiment verlassen halle, zur Aufnahme in die Fremdenlegion ge- meldet halle. Der Leutnant sei wegen eines Streits mH seinem Hauptmann fahnenflüchtig geworden. Diese Meldung ist, soweit sie bie Fahnenflucht eine? Offiziers unb ben Streit mit dem Hauptmann be­trifft, vollständig erfunden. Richtig ist nur, daß ent Kanonier namen? Boos im vorigen Monat durch-

2. Blatt

Drei bet Xulbcer Scticnenictrei in Stilb».

„Wozu ist alles hier so festlich geschmückt", Ruth sah fragend zu dem Verlobten auf, „hat jemand hier von Euch Geburtstag?"

Er lachte, „das ist alles für Dich, Kieme, Du siehst, tote freundlich Du hier empfangen wirst und wie un­begründet Deine Angst ist "

Fa, mehr als unbegründet war ihre Angst vor den'vornehmen Schwiegereltern gewesen — unb m ihren kühnsten Träumen hatte si; sich solchen Emp- fang nicht vorgestellt. Sie, bie me Mutter- unb Schwesternliebe kennen gelernt hatte, sie suhlte ihren beglückenden Zauber zum erstenmal im Danhofsschen Hause. Irgendeiner von ber Familie hielt sie fast immer im Arm unb verbannte balb ihre ängstliche Schüchternheit. Die Eltern hießen sie in warmen Worten in ber Familie willkommen, unb überall grüßten kleine Liebeszeichen, sie M erfreuen. So war chr unb Leos Stuhl umkranzt, Myrtengrun schmückte den Tisch, ein Strauß von Myrten und Rosen lag auf ihrem Platz, unb daneben, tnt Halbkreis aufge- baut, Leos sämtliche Photographien, vom ersten Le-

„®a§ war ein sinniger Gedanke", lobte sich Herta, „und ich sehe, er hat Eindruck gemacht."

Ruth wußte gar nicht, wem sie zuerst danken sollte, Üe schaute nur immer von einem zum anderen und dachte- „ist es denn möglich, daß man so glücklich sein kann, gibt es wolkenloses Glück?"

Fhre Frage war nicht unberechtigt, schon ber nächste Tag führte dunkles Wettergewölk herauf.

Mz Leo am anderen Morgen vom Dienst heim- 7am fand er Ellinor in Hellen Tränen, — vor ihr lag einer jener anonymen Briefe in Maschinenschrift, in welcher ber ungenannte Freund sich verpflichtet fühlte, ihr mitzuteilen, daß Colmani sich nie für sie interessiert, sie nie geliebt Halle, daß sie ba8 Opfer •hter Laune, daS Produkt ber Wette um einen .Korb Älkomvaaner geworden. Sür die Ricktiakeit keiner

Lokales.

Fulda, 17 ; .'12.

# Ernannt wurden bie Referendare Gößmann- Hanau und Hartung-Kaffel zu Gerichtsasiefforen.

* Verliehen wurde den Amtsgerichtsräten Dr. Abt z Bieber (Kr. Gelnhausen) unb Dr. Schumann zu Hersfeld der Role Adlerorden 4. Klaffe, dem Proviantamtsinspektor Beyer zu Hanau der Kronen» orden 4. Klaffe und dem Lehrer Apel zu M rburg ber Adler der Inhaber des Hausordens von Hohen- zollern.

-- Für Heimarbeiter. Wie wir hören, hat die Regierung zur Unterstützung bedürftiger Heimalbeiter im Gewcrbe-JnfpektionLbezirk Fulda 1000 Mark bewilligt.

-r- Unfall. Gellern mittag gegen 20, Uhr scheuten vor dem Sckloß die Pferde eines Kutschwagens. Ems der Pferde geriet mit einem Bein über bie Wagen­deichsel, so daß biete brach. Der Kmicher vermochte ber Tiere nickt Herr zu werden. Das Gefährt piallte gegen daS Wafferbaffin vor dem Hotel zum Kur­fürsten und riß eine Anzahl Steine von dem Brunnen loS Jmolge deS scharfen Anpralls stürzte cer Kutscker vom Sitz und fiel zum Glück in die weiche Erde des naben Blumenbeetes. Die Pferde tonnten in der Sck loßstraße angtbalten werden. Außer dem Brunnen ist auch der Wagen stark beschädigt.

::: Hochwasser Infolge der gestern meberge- gangen en Regemnaffen, verbunden mit der Schnee- fchmelze in den Rhönbergen führt die Fulda aber­mals HoÄwaffer und bat die angrenzenden Niede­rungen teilweise überschwemmt.

(*) TarlebnSschwindel. Unter ber Ueberschrikt .Schutz gegen Darlehnsschwindel' erscheinen seit einiger Zeit tn Zeitungen Anzeigen, in denen „Selbst- geber" oder Banken Darlehen in jeder Höhe gegen Verp ändung von Möbeln mw. anbieten. Ta diese Anzeigen zum Teil von Tarlehnsschwindtern selbst ouS, eben, die gar nicht in der Lage sind, Darlehen zu vermitteln, und denen es lediglich um die im voraus zu entrichtenden Antrags- und lonfligen hohen Gebühren zu tun ist, so darf man auf ber Hut fein. Es empfiehlt sich, vor Einreichung von Darlehns­anträgen oder vor Hebern ahme von Vertretungen tn jedem Falle erst bei der Polizei anzmragen, ob man es mit einem zuverlässigen Geschäft zu tun hat oder nickt.

mo. Wnhnachiseiukaufe. Viele Millionen werden alljährlich aus Anlaß des lieben Weihnachtssestes umgefetzt, unb selbst ber Aermste läßt es nicht an einigen kleinen Einkäufen für feine Kinder fehlen. Namentlich in ber letzten Woche vor bem Fest herrscht überall in t en Säben ein Verkehr, ber ganz erstaunlich ist. Seinen Höhepunkt erreicht er stets nachmittags unb währt bann bis in bie Abendstunden hinein. Etn bequemes Einkäufen hat man bann wahrscheinlich nicht: überall muß man lange warten, bie Bebienung muß rasch von statten gehen, man verliert dies und jenes, verrechnet sich auch wohl beim Zahlen, kann nicht mehr richtig auswählen unb nicht mehr gut einkaufen, kurz: man hat selbst eine Menge Nachteile, unb die Geichäftsinhaber kommen gleichfalls aus dem Verdruß nicht heraus. Man besorge daher seine Einkäufe fo rechtzeitig wie möglich und auch möglichst am Vormittag: bann ist bie F.eude, andern eine Freude zu machen, ungleich schöner, denn man hat zu allem Zeit, unb bie Bedienung wirb eine auimert« saniere fein. Wer viel kleine Einkäufe zu bewegen hat, macht es am besten wie bte Leute vom Lande: er nimmt sich eine Reisetasche, ein Handlöffercken

* Bon der Ollertoeser, 13. Dez. 1912. In der letzten Zeit ist in ben Oberweserorten öfters bt< Streitfrage erörtert worben, ob, nachdem bas Ber- koppelungsverfahren in saft allen Orten durchgeführt 'ist, bie Anlieger an öffentlichen Ver­kehrswegen noch zu bulben brauchen, daß bte am Rande der öffentlichen Verkehrswege stehenden Bäume den Ertrag ihres Eigentums durch Heber» schattung, durch Nahrungsentziehung schädigen. Es sind darüber zwischen den Einzelbesitzern und den Gemeinden dem Provinzial, oder Bezirksverband, denen die öffentlichen Verkehrswege gehören, Prozesse entstanden, meist aber zuungunsten ber letzteren ent­schieden worden. Bei dem Verkoppelungsverfahren wird nämlich bei der Bonitierung darauf Rücksicht genommen, ob an ben bei ben Grundstücken borbei» führenden Wegen Bäume angepflcmzt sind ober nicht unb das betreffende Grundstück geringer als sein eigentlicher Wert ist, eingeschätzt. Auch haben bie Eigentümer dadurch, daß sie bei ber Verteilung bet Koppeln Einspruch wegen ber Belastung durch bte Straßenlläume nicht erhoben haben, sich stillschwei­gend mit den bestehenden Verhältnissen einverstanden erklärt.

* Vom Westerwald, 14. Dez. 1912. Die von nnS gleich mit Fragezeichen versehene Nachricht, daß bei Bölsberg drei fremdländische Offiziere,^ die über bet Uniform Nonnenkteidet getragen hätten, beim Spionieren abgefafjt worden seien, bat sich natürlich als unrichtig herausaestellt. Es wäre interessant, zu wissen, was eigentlich auf dem Wester­wald auktioniert werden sollte. Bei den heutigen etwas aufgeregten Zetten scheint indes das Publikum stellenweise alles, auch das handgreiflich Unwahrschein­lichste, zu glauben.

Gerade und offen sah ihn ber junge Offizier an „Das verspreche ich Dir, Vater, mein Herz ist völlig frei unb ich habe ba5 feste Bestreben, Ruth ihre große Liebe lebenslang zu vergelten und sie, soweit es in meiner Macht steht, glücklich zu machen."

„Dann helfe Dir Gott", erwiderte der alle Herr sehr schlicht, „sie verdient es."

Run kam für Leo noch eine schwere Ausgabe, Ellinor die Wahrheit zu überbringen. Sie würde nicht zusammenbrechen unter der nichtswürdigen Handlungsweise des ungeliebten Mannes, aber ihr Frauenstolz mußte sich aufbäumen geAei' bic ihr an­getane Schmach. , ■

Ellinor faß ganz gegen ihre Gevöhrt) K ptatenloä in der Sosaecke ihres Zimmers und iah fc*<’ fragenden weit geöffneten Augen ihm bet feinem Eintritt ent­gegen. ' •

Er konnte den schmerzlichen Blick dieser reinen Mädchenaugen kaum ertragen. Zweimal durchmaß er wortlos mit Riesenschritten das Zimmer, stellte sich an das Fenster, trommelte an bte Schecken, fuhr sich bann mit zwei Fingern in ben Halskragen, als sei er ihm plötzlich zu eng geworben unb stieß die Worte heraus: „Ellinor, es ist wahr."

Sie sagte nichts, sie bedeckte nur das Gesicht mit beiden Händen.

Mit einem Satze war Leo neben ihr. »Eiimor, meine Ellinor, diese Stunde des gekränkten Stolzes, ich kann sie Dir nicht nehmen, nicht verringern, aber ich werde sie rächen'. Ich bin schuld an dem Elend dieser Monate, ich habe jetzt das Recht unb bte Pflicht, ^ä^rgttf?chr^Hand, riß ihr förmlich den Ver- lobungsring vom Finger und warf ihn m weitem Bogen auf den Tisch, sodaß er htnabglttt und der kleine, goldene Reif klingend zu seinen Fußen rollte — „Du bist frei, Ellinor, völlig frei", rtef er, „und mit "jenem Lumpen rechne ich ab."

Seife zog er bie Tur tn das Schloß, letzt sollte sie allein bleiben,

(Fortsetzung folgt.)

Mitteilungen könne sich ber Schreiber verbürgen, | außerdem^stünbe ben Zeugnisaussagen mehrerer Ossi- ’ ziere nichts im Wege.

Leos maßloser Zorn kannte keine Grenzen, — er raste, tobte unb erging sich in Schmähungen aller Art gegen Colmani. Ellinor wehrte in ihrer milden Art seinem Ungestüm.

„Leo verurteile ihn nicht ungehört, auf eine ano­nyme Anschuldigung hin, — sieh erst, tote er sich recht­fertigt, inwieweit er schuldig ist."

„Der Halunke lügt ja doch",, murmelte er zwischen den Zähnen, „ich werde auf anderem Wege bte Wahr­heit zu erforschen suchen, gib mir ben Wisch her, wir wollen sehen, wer recht hat."

Er stürzte mehr als er ging die Treppe hinun­ter und trat heiß unb atemlos in das Zimmer deS Adjutanten, Herrn von Haldern, dessen vornehme Ge-' sinnung in jeder Lebenslage er kannte.

„Entschuldigen Sie diesen Ueberfall", sagte er hastig, „aber Sie sehen mir vielleicht meine Erre­gung an, ich komme als Kamerad und Offizier zu ^hnen, um Ihre Hilfe zu erbitten. — Wollen Sie die Liebenswürdigkeit haben, diesen Brief zu lesen und mir dann auf Ehrenwort zu sagen, was Ihnen über diese Angelegenheit, welche mich auf das nächste an­geht, bekannt ist."

Haldern ließ das Blatt, nachdem er es durchgele­sen, sinken, und sah tiefernst aus.

„Wenn Sie mich auf mein Ehrenwort und als Kamerad fragen, ob die Anschuldigung auf Wahrheit beruht, so kann ich nicht anders, als Ihnen mit „Ja antworten."

Seo atmete schwer. „Also doch. — Sie waren Augenzeuge?"

„Ja, — als völlig Unbeteiligter.

„Davon bin ich fest überzeugt."

„Aber Dcmhoff", bat ber Adjutant, bem tief em- horten Kameraden bte Hand auf d-n Arm legend, „ich habe die Sache zum großen Teil als wenig rit- ter ' Scherz aufgefaßt, — neh'"en Sie dieselbe nü,. .. gischer als nötig ist>

9C0*nSom’®lain, 14. Dez. 1912. Wie schnell der Fischreicktum im Main unb in feinen Neben­flüssen infolge ber Verunreinigung der Gewässer ab« nimmt, beweisen die Ergebnisse eines Preisangelns des Angelklubs zu Nied in ber Nidda. In sieben Stunden fischten 11 Herren zusammen 38 Fiscke tm Gewicht« von 9,5 Pfund. Vor 40 Jahren angelte ein einziger Fischer in knapp drei Stunden bei einiger Gewandtheit 20—30 Pfund Fische, worunter oft bi8 8 Pfund Bar'che waren, und in einem einzigen Zuge bis 200 Weißfische zu erbeuten, war keine Seltenheit.

* Kassel, 14. Dez. 1912. Bekanntlich soll die Summe, welche zur Erbauung ber großen hessisch- südhannoverschen-walbeckischen Elektrizitäts­werke erforberlich ist, demnächst vomLandiage angeforbert werben. Es hanbelt sich babei um 9 Millionen, von beiten jedoch 4V2 Millionen vor- läufig nicht gebraucht werden. Zu dieser Vorlage wird nun aus Berlin mitgeteilt, daß die „Gesetzes- Vorlage über die Ausnutzung ber Wasserkräfte im oberen Ouellenqebiet ber Weser" im Ministerium ber öffentlichen Artzeiten fertig gestellt worben ist unb jetzt dem Finanzminister vorliegt. Voraussichtlich wird die Vorlage in den nächsten Tagen dem Abgeordne-

„Sie ist nur ber letzte Stein zu einem Bau, ben ich schon in Händen halte.' Und ich darf, wenn ich Ihrer Unterstützung benötige, auch in anderer Hinsicht auf Sie rechnen?"

„Zu jeder Zeit stehe ich zu Ihrer Verfügung." — Die Hände ber beibett Offiziere schlossen sich mit festem Druck zusammen, bann trennten sie sich wort­los.

Eine halbe Stunde spater stand Seo vor seinem Schwiegervater-

„Papa, ich schäme mich, daß ich heute schon als Bittender vor Dich hintreten muß, aber bie Notwen, bigkeit zwingt mich bazu; kannst Du mir kurze Zeit Gehör schenken?" 1

Der alte, weißhaarige Herr sah ihn mit seinen gütigen Augen an.

„Sprich ohne Scheu, mein Sohn, für jedes Ver­trauen, das Du mir schenkst, baute ich Dir."

Dann hörte er mit gesenktem Kops Leos Geständ­nis an, die in nichts bie Mängel seiner HandlungS- weise beschönigte, unb legte ihm, alS et geenbet, bie Hanb auf bie Schulter.

„Armer Seo, waS hast Du durchgemacht, wärst Du doch gleich zu mir gekommen, an jenem anderen Morgen nach bem Ball, ich hätte Dir bedingungslos geholfen. Verzeih' mir, ich bin augenblicklich noch ganz benommen, mein alter Kopf faßt nicht fo viel Schlechtigkeit auf einmal " — Mit langsamen Schrit- ten ging er zu bem Geldfchrank.

„Hier hast Du das Geld, und laß es Dir ein für allemal gesagt sein, Dein Vater hat immer ein offe­nes Ohr unb eine offene Hand für Dich."

Milde wehrte er jeden Dank ab.

„Ich bin in Deiner Schuld, denn Du hast meinem Kinde gegeben, was ich ihm nicht geben, nicht er­kaufen konnte, — das Glück. Und, welches auch im­mer bie Motive gewesen fein mögen, bie Euch zu- sanimeng-führt haben, — suche vor allem nie bie 3er- tranensseligkeit ihres reinen Herzens zu täuschen, nimm ihr nickt ben Glauben an Dich unb bleibe ibr treu.