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Z. 0lütt.

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<* Zuldaer Leitung. *$*

JVr 281.

Samstag 1. vezemder 1412.

rh D^s Briefgeheimnis.

So oft ich vom Briefgeheimnis höre, erhebt sich daS em nenig zerknitterte, stumpfsinnige Gesicht der kleinen, dicken Frau Benedix aus dem Meere der nm pfiffigem Blinzeln an und weck! fünf ein Stück fröhlicher Erinnerung an sorglose Tage Frau Bencdix, „Benedixn" gerufen, war meine Logiswirtin im ersten StudienfemesteT. Sie verforgte miet) zusammen mit zwei Kameraden so gm und so schlecht, wie -s einem jungen Studenten just voiiiiöien ist. der die Studierstubenlust noch nicht in großen Mengen vcrtrögi Mil einem recht stück- sich entwickelten Erwerbssinn verband unsere Her­bergsmutter eine hübsche Dosis Humor samt einer er­klecklichen Portion Schcmllen. Zu ihren Eigenheiten gehörte vor allem ihre ttefinnerel.leberzeug.ing von der dem Menschen von Gesetzeswegen oujer.egten Pflicht ,ur Lektüre sämtlicher Postkarten. Brachte Frau Br- nedir die Post ins Zimmer, so legte sie den Weg von der !tur zum Schreibtisch mit zögerndem Schritt zu­rück, ab und zu stehen bleibend und eifrig bemüht, sich 'unterdes den Inhalt der unverschlossenen Bries« schäfte» citöglichst fest etnzuprägen. Man sieht, es lag kein Arg in diesem Dislretionsmangel. Eines Ta­ges aber erwartete ich die Post selbst mit einiger Un­geduld und bat deshalb angesichts der stockenden Be­st) t dec ung, niich die Karten diesmal zuerst lesen zu lassen. Ta tarn ich ober schleckt an. „Postkarten darf man lesen, das ist erlaubt," polterte Frau Benedix. „Das müßten Sie doch eigentlich auch wissen, cs e doch extra im Gesetze," fügte sie noch hinzu, um

il mein? geringe Lernbegier bloßzustellen. Ich habe damals nicht imGesetzc nachgeblättert und darum auch nicht zu widersprechen gewagt. Und auch heute muß ich nun bekennen: Ja, Postkarten darf man allerdings lesen: es siebt zwar nicht ausdrücklich im Gesetz, aber es ist auch nirgends verboten. Selbst Briefe ;u lesen ist vom Gesetze nicht verpönt. Lasten wir also — ein Fall, der ja im Leben recht oft vor« kommt — versehentlich einen Bries liegen, und er wird hinterher von neugierigen Augen entdeckt und gelesen, so verheißt uns das Gesetz keinerlei Rechts- schütz gegen derartig fatale Späher. Aber wenn je» manb den Inhalt an uns gerichteter Briese, den er durch hoimsiche Lektüre erlangte, obendrein noch aus- plaudott, ist e; dann wenigstens strafbar? Rein, lei­der gewöhnlich mich nicht. Wo bleibt denn da über­haupt der Schutz des Briefgeheimnisses? Ja, einen eigentlichen Briesgehcimnisschutz kennt unser Straf- recht gar nicht Rur die B r i e s h ü l l e soll unver­letzlich sein; so wollte es der Gesetzgeber. Ist der Brief aber einmal offen, so vermag unser gegenwär- siges Recht einer Lektüre hinter unserem Rücken kei­nen strafrechtlich zu ahndenden Makel aufzudrücken. Allein das vorsätzliche und unbefugte Erbrechen der Hülle verschlossener Briefe oder anderer verschlossener Urkunden ist gesetzlich verpönt. Haben wir uns gegen diese Vorschrift vergangen, dann droht uns eine Geldstrafe bis zu dreihundert Mark, ja sogar Ge­fängnis bis zu drei Monaten. Und das unter allen Umständen. Unsere Verteidigung, daß ja absolut kein Geheimnis in dem Briefe stand ober baß wir len Brief Weber lesen wollten noch gelesen haben, hilft uns keinen Deut. „Du wirst bestraft, denn du hast die Hülle erbrochen, obschon du wußtest, daß du dazu kein Recht hattest", müßte der Richter den unbefug­ten Eröffne™ von Schriftstücken entgegenhalten. £)b also der geöffnete Brief die allerintimsten Familien- anqelegenbeiten enthielt oder nur die altbekannte Tat- sache, daß der vorige Sommer verregnet ist, bleibt sich gleich: erbricht jemand den Briefverschluß, so ist er in beiden Fällen rettungslos dem Gesetze verfallen.

Und wenn nun jemand sich dadurch vom Brief- knhalte Kenntnis verschafft, daß er durch das Kuvert hindnrckleucktet oder daß er einen Schreibtisch öffnet, in dem er den bereits offenen Brief anfbewahrt weiß? Nun, die Antwort kann jetzt nicht mehr zweifelhaft fein Da der Missetäter beidemal nicht nötig hatte, den Umschlaa zu verletzen, und nur eine solche Ver­letzung bedroht ist, darf er nach der Lehr vom soge­nannten Briefgeheimnis nicht bestraft werden. Ta man ioeiter nur zusammengefasiete Briefe nicht zu erbrechen braucht, um zu ihrem Inhalte zu gelangen, bedeutet auch das Anseinanderfasien keine ftrafbare Tätigkeit. Vielmehr verlangt das Ge' tz einen Ver­schluß der Schriftstücke mit Gummi, Oblaten, Schnü­ren oder in anderer zweckmäßiger Form.

Der ganze Umfang des uns gesetzlich verbrieften Schutzes ist nach alledem, wie wir sehen, so gering, daß immer wieder nur persönliche Wachsamkeit als wirisames Mittel gegen Neugier und Klcüschsttcht empfahlen werden kann. i .

Fl ms Geld.

18] Roman von Fritz Ewald.

Isolde stand ganz gehorsam auf und ging einige Schritte, aber die Füße versagten ihr bald den Dienst, und sie wäre zu Boden gesunken, hätte nicht Friedrich, sogleich aufspringend, sie gestützt und umsangen. Wie ein Kind nahm er sie in die Arme und legte sie sorg­sam auf das Sofa. Isolde wußte nicht, wie lange sie so, von einer Ohnmacht umfangen, gelegen, doch als sie die Augen wieder anfschlug, — fühlte sie sich von Friedrichs sorgender Liebe und der tatkräftigen Hilfe seiner Mutter umgeben; — sie brachten ihr Erfrischungen aller An und die Schwiegermutter ent­schied energisch:

„So geht das nicht meiter, Sie müssen mal fort, Kind, — Sie sind mit den Nerven ganz herunter^ Sie müssen in widere Lust."

„Das läset sich nicht e'möglichen, all; Verwandten, zu denen ick reifen konnre, kommen zu Illas Hochzeit zu uns hierher", sagte Isolde und schüttelte den Kopf.

„Acy was, bei Verwandten ist auch keine Er­holung, da niuß man sich der Hausordnung einfügen unb kann nicht für sich sorgen", verwies die alte fjrau, — „Sie müßten in ein Sanatorium gehen."

,,^a;u fehlt meinen Eltern jetit das Geld Illas Hoch-eit kostet zu viel", sagte Isolde ehrlich. —

„Ihr Vater soll sem Geld ruhig behalten, wenn die Braut meines Lohnes eine Erholung braucht, fo ift dos meine Lache. Und zwar hätte ich gern, baß Sie halb reifen, ist es Ihnen recht?"

„Abgesehen vom Abschieb von Friedrich, sehr" nickte Isolde.

„Tie Trennung vertieft nock die Liebe, sie schabet Euch nid)./', tröstete die Mutter, — wollen wir sagen heute über acht Tage? — ich weiß ein ausge­zeichnetes Sanatorium für Erholungsbedürftige im Taunus, dorthin werde ich noch heute schreiben und Sie aui sechs Wochen anmelden."

Isolde trat auf sie zu, ihr herzlich zu danken, — ober sie wehrte lebhaft ab:

Lokales.

Fulda, 7. Dez 1912

(*) Peclonalim. Tie Verwaltung bet Postdirektor« ftefie in Neudamm ist dem Postimpektor Fritsche in Fulda übertragen. — Reqierungkrat Tr. Mackensen- Wiesb den ist zum Mitglied des der Reaierung in Wi sbaden ungegliederten Obeiversicherungsamtes ernannt worden. — Die Amtsrichter Beyer m Sebent« lengsield, Willmeroth und Sckloß'kein in Frankfurt und £> off mann in Hofgeismar wurden zu Amts» genchlsrä'en. loroie die 'Mitglieder der Landroirtfcha'ts« kammer für den Regierungsbezirk Raffel: Gutsbesitzer Tinning in Dörnbaoen, Gutsbesitzer 8och tn Bruder« diebacher of, Gemeinde San temelbolb und Ritierguts» päckter Flügge in Winterbüren zu Oelonormeräten ernannt.

(*) Verliehe» wurde dem Generalleutnant z. D. HanS v. Schack Kastel, der Stern zum Roten 91 ölet« otoen zweiter Rlaff« nut Eichenlaub, dem Bahnbois« vorsieher stieget«Raffel, der Ktonenorden 4. Riaffe und dem Oberbahnmeister Ruge»Kastel der Charakter als Rechnunasrai.

-T- DaS Luitschiff »Schütte-Lanz* überflog gestern in später Abendstunde, etwa 11 55 Uhr, unsere S>ad. DaS Publikum, welches >ch um diele Zect auf dem Heimweg befand, wurde durch das plötzlich auftret enDe starke Surren brr Propeller überraicki und auimerk« fam gemacht. Das Schiff beroegie sich in schneller Fahrt und war i der Dunkelheit bei einem schwachen Lrchlrestrx der Straßenbeleuchtung nur undeutlich zu erkennen. ES war gestern abend S1.« Uhr in Man n« beim zu einer Dauerabnadnieiahrl autgefttegen und beabsichtigte, 16 Stunden lang m der Luit zu bleiben. Das Ziel der Fahrt ist Berlin Führer des Luft« fchiffes wir Luftschiffkapi an Honold; als Vertreter derAbnahmekommilsion befand sich Hauptmann v. Sinar an Bord. Wir gemeldet wird, paisierle das Schiff kurz nach 2 U r Gviha. Es ist nicht auSgeichloffen, daß daS Schiff nach glücklich abgefchloffeurr Fahrt ständig tn Berlin bleibt

§ Arbeits-Zubilare. Der Dörfischler Wilhelm Rtalemann von hier und der Gießer Adam Stock aus Petersberg konnten aeftern auf eine SSjahrtgr Tätigleit in der Eifenbahn-Hauptwerkstätte zurück- bl-cken. Seitens der Direktion und der Ardei.S« loDegen wurden den Jul ilcrren Geschenke überreicht.

)»( Zur Wahl der Brisiiherunqsvertreter für den Bescklußausschuß des VersicherungsawteS Fulda (§57, Absatz 2 der Reichsversickerungsordnung) war für gestern rin Termin im Landratsamle anberaumt worden. Es wurden gewählt von seilen der Arbeit­geber: Maurermeister Haut»mm als Vertreter und Metzzermeister Sun fei alS Stellvertreter, von festen der Arbeitnehmer Weber Ferdinand Witzel als Vertreter und Werkmeister Paul Moos müller als Stellvertreter.

+ Elrktrizitälswerk. Nachdem die Transformatoren­station am Luckenberg sertigaestellf ist, werden von dort auS in den nächsten Tagen de anliegenden Straßen Luckenberg, P'andhcntt flraße, Seoetiberg, Teile der Kanalstroße rc. mit Eleltrizstäi versorgt werden; ebenso sollen noch dis Weihnackren die Lon etrückenstraße, der Horaserweg, ein Teil der Leiprigerstraße, Adalbertstra-e, Buttlarstra'ie, Iloseph- straße, Parkstraße, die Rtesigerstraße sowie das Villen­viertel am Frauenberg an das Elektrizitätswerk an- geschloffen werden. Hierfür wird einstweiten eine p ovlsorische $ran$formatotenftation erricklet. Ter Bau hierfür wird Ecke Parkstraße«Rlestgerstraße, un­mittelbar an den städtischen Anlagen erricktet. — Zurzeit beziehen, wie wir töten, rund 450 Ronsu- menten Strom vom Elektrizitätswerk, und wöchent­lich werden etwa 80—35 Anfchlüffe fertig gestellt. Auch eine Reihe von Gronbetneben, z. B. die Stanz« und Emaillierwerke F. C. Bellinger, Mechanische Weberei Val. Mehler, Maschinentabrik P. Reil, die Internationale Da moerwertungs«Gesellschaft, die Fuldaer Aktiendruckerei, die Rino-Theater rc beziehen vom Elektrizitätswerk Kraft und zum Teil auch Licht. — Sobald der Bahnhof mit einem Verbrauch von mehr als l/* Mill. Kilowattstunden angeschlofsen fern wird — der Vertrag ist soweit getätigt — wird eine dritte Maschine von gleichfalls 500 Pferdekräste aufoefteßt werden.

§ Guterzugunfall. In der Nackt zum Donnerstag löste sich aut freier Strecke zwischen Ncesig und ötzenhof ein Teil des Turchgangs-Güterzuas 6896 infolge Zerreißen» der Zugv-rbindung hinter Dem 7. Wagen vom Zuge ab. D>e Trennung wurde recht« zeitig bemerkt und lot ort telephonisch nach Bahnhof Fulda gemeldet. Da der Zug in seiner Fahrrichtung sich auf abtdjüffigem Gelände bewege, wurde von dem Autsichtsp.nonal das vordere Zugteil, um einen Zusammenstoß im Bahnhof zu vermeiden, m ein Rebengeleise umgeleitet, während das nachrollende

„Ta gibt es nichts zu danken, ist meine Pflicht und meine Freude. Wir wollen Gott danken, wenn Sie wieder mit frischen Backen und Hellen Augen zu uns zurückkehren."

Tie Reifevorbereitungen wurden getroffen, und acht Tage später führte der Frühling Isolde dem fernen Erholungsziel entgegen. Der Abschied war ihr merkwürdig schwer geworden, so froh sie einer» seits war, Illas Hochzeit auf dieser Weise zu cnt- gehen, waS man auch daheim als beste Losung ansah, — fo traurig war es ihr doch, an diesem Tage förm­lich verbannt zu fern. Dann litt sie auch unter der Trennung von Friedrich, der ihr nicht einmal als Trost zur Seite stehen konnte, und fürchtete sich vor den fremden Menschen, den unbekannten Verhältnis­sen, — si- war ja noch nie allein gereift.

Sie weinte die ganze erste Zeit im Kupee, und versuchte sich dann mit einem Buch, das ihr Fried­rich an die Bahn gebracht hatte, zu zerstreuen. Aber es wollt- nicht gehen, es war zwar ein heiteres Buch, aber es handelte nur von glücklichen Menschen, und von denen wollte sie jetzt nichts wisien. Sie sah zum Fenster hinaus und bemühte sich zu schlafen, aber das Geräusch der Räder störte sie, — immer weiter rollten sie, fort von der Heimat, sie allem entsührend; — ihr war, als sei es für immer. —

Im Sanatorium fand sie sehr freundliche Auf­nahme, bekam ein prachwolles, nach dem Garten ge­legenes Zimmer mit großem Balkon, und der leitende Arzt, ein wohlkonservierier Fünfziger, kam ihr mit fast väterlicher Freiindlickkeit entgegen. Er führte sie gleich zu sei -er sehr liebenswürdigen Frau, und diese machte sie mit einigen jungen Mädchen bekannt

„Möchten Sie sich Wohl hier fühlen", sagte bri Professor, ihre beiden Hände in die feinen nehmend, „ich hoffe, daß eS mir gelingen wird, Sie wieder frischer und Wohler zu machen, — wir müllen mit großer Geduld und Vorsicht an das Werk gehen, denn Sie sind sehr zart."

„Das bin ich eigentlich nie gewesen", widersprach Isolde, „ich kann mich nicht entsinnen, daß mein elterliches Haus je ein Arzt betreten hat, — „das

gt »fiere Zugieil vor dem Uebergang der Leip,wer» »raße zum Sieben gebracht und Dann von einer Ma­schine m den Bahnhof einge'übrt wurde. Die be­schädigten Wagen wurden ausrangiert und in die (Sifenbahnbauptroerfftätre befördert.

• Das kaufende Publikum machen wir nochmals darauf aufmerksam, daß die Verkaufszeit laut Verfügung des Regierungspräsidenten wie folgt ge­regelt ist: Der Gewerbebetrieb in offenen Verkaufs­stellen an den zwei letzten Sonntagen vor Weihnach­ten, am 15. und 22. Dezember d. I., ist bis 8 Uhr abends für die Dauer von 10 Stunden freizugeben. Am dritten Sonntage vor Weihnachten, am 8. D e» zember d. I., also morgen, ist in allen Zweigen des Handelsgewerbes die Beschäftigung von Gehilfen, Lehrlingen und Arbeitern, sowie Der Gewerbebetrieb in offenen Verkaufsstellen bis 7 Uhr abends zulässig. Auch an diesem Tage ist' die Befchäftiaungszeit für 10 Stunden freigeacben. Die für den Hauptgottesdienst festgesetzte Pause muß innegehalten werden. Wäh- rend des übrigen Gottesdienstes dürfen an den ge­nannten drei Tagen die Geschäfte geöffnet fein.

ö Zniolge Der Glätte sind bereits venchiedene erwachsene Personen ,u Fall gekommen. Meist lief die Sache platt ob, nur tn einem Falle mußte ein älterer geistlicher Herr für den Heimweg einen Wagen nehmen. Es fei an biefer Stelle nochmals auf Die Streupflicht bei eintrelender Glätte ans merk­sam aemacht.

--- Landarmenpflege. Im Etatsjahre 1911 betrugen die Au«Wendungen des Bezicksverbandes Raffel unter Dem Titel „Erfatzlei untren an 'MrmenDetbänbe* 68526,67 Mark (gegen 75 965,60 Mark im Vorjahre). Weiler betrugen De Rouen Der Verpflegung: a) Landarmer in den Landkiankenhäuiern und den Drei Irrenanstalten Des Berirksverbandes 65 175,88 Mark 67 042 66 Marti; b) tianDa-mcr in Den Pr vat- anflalten 19 749,43 Mark (>8314 >7 Markst c> Orts­armer in her Landesbeilanstalt au 'Marburg 50 604,51 vlark (4«623,63 Mark);,d> Ortsarmer rn Den Privat« anftalten 258 063,73 Mark, welchen eine Einnahme aus Zahlungen von Runen und Gemein Den in Höbe von 196 336,88 Mark genenübersteht, so Daß eine Reinan gäbe von 61 726,85 Mark verbleibt gegen 61 519,27 Mark im Voriahr. Die Kosten bet Ver­pflegung Landarmer in Der SanDarmenanttalt zu Breitenau betrugen 7606,40 Mark (7738,05 'Mark). Von den unter das Gefey vom 11. Juli 1891 fallen­den Per'omn wurden in Prioatanstalten verpflegt und m Der Idiotenanstalt zu Treyia 298 (311>, in Dem Anloniusheim zu FuiDa 56 (56) in Der JosepHsanstalt zu Hadamar 3 (1>, im Hessischen SiechenbauS zu Hofgeismar 6 (6', im Blindenheim zu Frankfurt 1 (1), im L»o da-Siechenhau s zu Fulda 1 (—). Die Gewmtausgab'n Des Land- armenverbandes ergaben für 1911 — 273 389,74 Mark (279 204,18 'Mark). Von Den 273 389,74 Mark ent- fallen auf Landarme 161 058,38 Mart (169 061,28 'Mark) und auf Ottsarme 112 331,36 Mark 110 142,90 Mark. Die geringeren Ausgaben für Landarme, Die in Der Hauptsache Die offene Armenpflege betreffen, stnD zweifellos auf Die Wrrftamkeit Der im hiesigen Benrk errichteten 5 Wa> derarbeitsstätten zurück« jufübren Am Grund des § 36 De# ÄusfübrungS« Gesetzes zum Unterftützungswoansitzresetze rourDen im laufe Des Berichtsjahres an 21 OrtsarmenoerbänDe wegen Ueberbütöung mit Armenlasten zusammen 2553,33 'Mark Beihilfen gezahlt gegen 3603,29 Mark tn 1910.

s Zum Schankgefäßegesetz Nach Artikel I Nr. 8 Abs. 2 Des Gefetzes wegen Aenderung Des Schank- gefäßgesctzeS vo n 24. Juli 1909 ist Der Gebrauch non Schankgefäßen für Bier mit einem MindestabstanD von einem Zentimeter nur bis zum 1. Oktober 1913 statthaft. Demnächst muß der Abstand Des Füllstrrchs von Dem oberen Rande Der Schankgefäße für Bier zwilchen 2—4 Zentimeter betragen. Ans Jntercffententreifen sind widerho.t Anwagen gestellt rootben, oo eS gestattet sei, Schankgesäße mit einem Abstand von einem Zentimeter auch noch nach Dem 1. Oktober 1913 zu verwenden, wenn oie alten Füllstriche und Bezeichnungen Durch- Iirichen und Die Schankgefäße mit Den n uen vorschriftmäßigen Füllftrichen und Den Damit über« einfttmmenDen Bczeichnunaen versehen seien. An, Diese Anfragen ist vom Reichsamt Des Innern die Antwort erteilt rootben, daß Die Schankgefäße an sich nur einen Füllstnch und eine Bezeichnung Des Soll« Inhalts haben Dürfen, doch leien Füllstriche und Be­zeichnungen, Die tn Hali barer unD jeden Zweifel ausfd ließender Weife durchstrichen seien, neben Dem maßgebenden Füllstrich und Der Damit übereinftimmen» Den Bezeichnung nicht zu beinftnnDen.

Q Tie Verladung eines schweren Tampfma- schinenlessels vor Dem Fadrikg ebaude Der Fuldaer Stanz- und Emaillierwerke F. C. Bellinger erregte

wirD auch wieder von selbst gut", pflegte meine Mut­ter zu sagen, und so war es auch."

Der Professor sah vor sich nieDer. „Ob es Die richtige Theorie ist, wollen wir Dahingestellt sein las- sen, — jeDeiisalls find sich aber sehr viele unserer vornehmen jungen Mädchen nicht klar über Die Wi- DerstanDsfähigkeit ihrer Gesundheit; was werden Denn auch schließlich für Ansprüche an dieselbe gestellt, — ein paar Bälle und Gesellschaften und ein bischen Sport zum Zeitvertreib, das hält man schon aus, wenn man jung ist und Spaß daran findet, — aber wenn nachher das ernste Leben mit seinen Anforde­rungen, seien es seelische oder körperliche, herantritt, dann zeigt es sich tr|t, wie schwach es um besagte Widerstandskraft bestellt ist. Aber", setzte er wie tröstend hinzu, „wir werden es schon mit vereinten Kräften schaffen, daß Sie mit dickeren röteren Bäck­chen zu Ihrem Herrn Bräutigam zurückkehren kön­nen. Vor allem, viel frische Lust und Ruhe für Körper und Grift."

Doch Das war leichter gesagt als getan; die gute, frische Luft genoß Isolde zwar in reichem Maße, sie war den ganzen Tag über im Freien, — aber Die Ruhe, die ließ sich nicht so leicht erringen. Sie hatte noch immer das Gefühl, als ob jeder Nerv in ihr in dauernder Bewegung wäre, und dieser Zustand fortgesetzter Erregung ließ sie auch nachts keinen Schlummer findrn. Die fremde Umgebung beun- nihigte sie, das Alleinsein wurde ihr von Tag zu Tag schwerer, die Sehnsucht nach bekannten Men- lchen immer großer, jede Kleinigkeit war imstande, sie in die lebhafteste Unruhe zu Versätzen, und statt frischer, wurde sie immer elender und betrübter. Der Verkehr mit den jungen Mädchen, auf welchen sie sich anfangs gefreut hatte, brachte ihr auch keine Be- srirdigung, — es waren zwar gleichfalls junge Bräute darunter, und Der Profellor ba"e gehofft, daß die übereinstimmenden Interessen sie fammen« führen würden, und ihre Plätze bei den Mahlzeften nebeneinander bestimmt, aber es waren alles Bräute in Illas Art, die so viel durcheinander schwatzten, daß ihr oft Der Kopf davon weh tat Wohl war jeber

gestern die allgemeine Aufmerksamkeit Der Vorüber­gehenden. Der kolossale Kessel. Der das ansehnliche Gewicht von 450 Zentnern haben soll, wurde mittels Winden auf einen eigens von Magdeburg hierher ge­brachten Wagen geloben, um bann dorthin beförben zu werden. Der Dampsbetrieb soll in dem Werl zum Teil durch elektrische Kraft ersetzt werden.

Ein SBunberront Brr Technik. (Scove il i mert» famleit erxegt leit einigen Tagen eine Untöeila Uhr, Dh im Scbuulenfter Des Uhren» und Gotdroarenge ckäites von Jos Hä übler, Marktür. 27, aucgetiellt tu. Diese Ptägfionsuhr ift das Erie- gnis einer -ad)(neben Ubren« tabnf und nur tn zwei Exemplaien uorhanben DaS erste Exemplar wurde von Dem verstorbenen König von Siam käuflich erworben. Die Uhr zeigt Die Tageszeiten in Stunden und Minuten, rote jede einfache Unr. Die Stunden und Bteriel'iunden gibt bte Ufir bö bar von selbst an Dur-tz Schlagen auf 3 Toniedern u. repetiert dncch leiten Druck aut einen Hebel: Stunden, VterteUiunden und Minuten. Die Uhr iei<tt ferner: Wochentag, Dalum, Monat, fowte Den Stand des Mondes m Der Dalunneij-er fpiingi selbsttätig weiter, ein Etnstellen ist leibst tm Echattja>-r nicht nötig. Die Doppelchionographenieiger können, ieber für sich oder zuiammen tn Bewegung ge­setzt. ungehalten und rotedet auf Null geteilt werden. Die Uhr ist mit Wecker versehen. Der innere Mechanis­mus beliebt aus 8 Werken mit 76 Rädern, 2 > Trieben, 205 Staythebeln mit fledern, die in 60 Steinen, 40 Metallagern, 75 Anrtchtesttllen zrouchen 24 Plasten und Brücken gelagert find und con 308 Schiauben imaimnen« gehalten weiden. Die Uhr hat eia Brnttogero cht von 6(i0 (Stamm, netto in t8 tr. (Solo 401 Gramm und reptäientierl e nen Wert von 12(00 M ar k.

= Ptomenadenkon,eri. Vach längerer 'tiau'e ft'bet am Sonntag vormittag */»ll Utjr tm Schlovganen wieder ein Promenadentonzert DeS T>ompetertorvs Des fle d- aittllerte Aegimems statt. Dte Besucher D:eier beliebten Ronteite seien detonderS aus einen neuen, von einem flitldaer komponierten Manch, aut den (Siperanto« Manch von Atchard Mater ausmetkiam gemacht, den da« Trompeterko.ps hier mm emenrnnle iptelen roiio. 'llufiet dreier Kompofitron kommen noch foiaenbr Siucke zum iBorlrage: Ouvertüre .Viktor ®manuei* von St( ng, flantaüe a. d Op. .Cavalleria tfiufttcana“ von Maccagnt, Liebestanz, Jnte>mezzo au« .Madame Shcrrtz" von Hoivhna. Carmen^-Watzer von Strauß.

□ Ter Weihna ' iS-MSrchenabend, welcher morgen abenb im Btirgerbereinssaake stattsindei, verspricht als durchaus künstlerische Deranstaltung einen hohen Ge- nutz In reicher Abwechselung werden Dorträge und Lieder den Hörer mit dem Zauber unserer deutschen Märchenwelt umgeben, dazu wird eine reizende Bühnen- ausschwückung daS Auge erfreuen. Der Besuch des Abends fet deshalb Trotz und Klein aufs wärmste emp­fohlen.

Amt @d|a und Umgebung.

♦ Vacha, 6. Dez. 1912. Gelegentlich Des Umbaues im Kemuatenhose wurDe wieder ein unterirdi­scher Gang ausgeschlossen. Der Gang, vielmehr Das Gewölbe, ist etwa 35 Meter lang, 2 Meter hoch und 3 'Meter breit In Dem Gange wurden auch zwei alte irdene Gesäße gefunden, Die in Der Kemnate aus­gestellt sinD.

* Dermbach, 6. Dez. 1912. Der GemeinDe- rat beschloß, die Wahl eines Bürgermeisterstellver- treterS aus 6 Jahre auszuschreiben. Dem Bürger- meister-Stellverireter soll für Die Zeit seiner Vertre­tung das Gehalt des Bürgermeisters gewährt werden.

’» Buttlar, 6 Dez. 1912. Hier herrscht große Er­regung darüber, daß sich die Gemeinde eine Schulden­last von 70000 Mk. ausgehalst hat und die Steuern verdoppelt werden müssen. Unsere Haupteinnahme, quelle, der frühere schöne Waldreichtum, ist zum Teil Verloren gegangen. Waldmotten, Die sogenannte Lionne, hat den Kiefernbestand stark geschädigt und die Einnahme geschwächt. Infolgedessen soll dieser 240 Acker große Wald („Möllendorf"), um sich vor toei­teren Schaden zu schützen, aufgeteilt werden. Hätte man früher vor 2Ö Jahren daraus geachtet, welchen Nutzen hatte man jetzt geerntet.

* Stadtlengsfeld, 6. Dez. 1912. Als gestern nach, mittag unfere Kario 1 post, welche nur mit einer Passantin besetzt, unterhalb Der Schützenburg anqe. langt war, kam Der Wagen Durch Glatteis insRutschen und lag, ehe der Postillon sichs versah, im Chaussee« graben. Führer und Passantin kamen glücklicherweise mit Dem Schrecken Davon.

♦ Dorndorf, 6. Dez. 1912. Heute morgen war in Den Scheunen des Barbiers Schlotzhauer und des Lokomotivführers Deichmüller Feuer ausgebrochen, das mit rasender Schnelligkeit um sich griff. An den Löschungsarbeiten beteiligten sich auch die Feuerweh. reu von den Nackbargemeinden.

* Kiefelbach, 6. Dez. 1912. Vorgestern wurde dir Leiche eines Einwohners von hier, Die seit Der Kir- mes vermißt wurDe, in einem Strohhaufen aufgefun­den. Ob Selbstmord vorliegt, konnte noch nicht fest, gestellt werden.

von den anwefenden Gästen, nett und freundlich zu ihr, aber es gab keinen, Dem sie sich gern angeschlos­sen hätte, so wanderte sie denn am liebsten einsam in den Wald, allein mit ihren Gedanken und einem Buch.

Wieder -einmal saß sie am Spätnachmittag auf ihrem Lieblingsplätzchen, einer Bank, unter Tannen versteckt, von wo sie Den Waldweg überblicken konnte, ohne selbst gesehen zu werden. Sie hatte Papier und Bleistift mitgenommen, und wollte an Friedrich schreiben, von dem sie fast täglich lange, liebevolle Briefe erhielt; eben tm Begriff, sich mit ihm in geistige Verbindung zu fetzen, sah sie auf und ge­nährte einen hockwewachscnen jungen Herrn, welcher langsam den Waldweg entlang schritt; — Den Hut hielt er in Der Hand, der Wind spielt; in dem vollen, blonden Haar, der Blick war zur Erde gerichtet, er schien in tiefe Gedanken versunken. Isolde wartete, bis er ganz dicht an ihren Platz herangekommen war, dann trat si» aus ihrem Versteck hervor, ihm gerade entgegen.

„Guten Abend, Herr Ellern."

Er blieb stehen, blickte wie erstaunt auf, und dann ging ein freudiges Erkennen über seine Züge.

„Fräulein von Winningen, Sie hier? Welch über rasckeudes Zufamm entreffen."

Sie erzählte von ihrem Aufenthalt im Sanato­rium, und er bat um d'e Erlaubnis, sich zu ihr auf die Bank setzen zu dürfen.

Und da saßen sie nebeneinander, stundenlang beide beglückt über das unerwartete Wiedersehen, jeder in dem anderen ein Stückchen Heimat grüß"nd Isolde muß ihm immerfort erzählen, von ihrer Ver [obttng, von Illa, von manchen Bekannten.

Fritz Ellerns Augen rttb+en unverwcmdt auf ihrem lieblichen, bleichen Gesicht, — dann fragte er ziemlich unvermittelt:

„Sagen Sie mal, gnädiges Fräulein, waren Sie etwa krank? Sie sind so sehr viel schlanker und blas­ser geworden, ich erkannte Sie im ersten Augenblick kaum."

(Fortsetzung folgt)