Fuldaer Zeitung
O. vlatt.
orud btt kulbarr Xtittntmcerd fw tulba.
und
als im Sommer. Die schlechten Wege, der Schnee
das Eis stellen schlimmere Fallstricke, und bei der
sodatz man
*
so verweich, er den Aus.
Ueberanstrei'guirg in der rauhen Luft zieht man leicht schwere Erkältungen, Lungenleiden usw.
Der Körper kommt in Hitze und Schweiß, werden matt und schlaff. Wenn nun ein
acht gelassen wird. T«r vernünftige Sport soll den Körper erfrischen und stählen, aber ihn nicht abrackern und schwächen. Die unsinnige Eitelkeit macht eben aus dem Vergnügen eine Oual, aus der Hebung einen Ruin der Körperkräfte. Eine wahre Teufelserfindung ist der „Rekord", der auf die Sportjünger wirft, wie ein rotes Tuch auf den dummen Stier, und aus dem munteren Spiel eine schleichende Selbstmörderei macht. All diese Uebertreibungen in der Geschwindigkeit des Laufens oder Fahren-, in der Bergkraxelei ufw. »er. den natürlich in der rauhen Jahreszeit noch gefährlicher
ft en einen geschützten Daum auf. — Für die Lunge und die dahinführenden Luftwege bedeutet der Wechsel $toi« schon warmer Jnnenluft und kalter Autzenluft eine Kraftprobe. Die Natur hat unS aber ein sehr einfaches und wirksames Schutzmittel gegeben: die Nase, di«
überhaupt diel wertvoller ist, als die meisten Menschen glauben. Mach den Mund zu und atme durch die Nase. Dann hast du einen Vorwärmer für die kalte Atemluft und zugleich einen Filter für die unreine Luft.
Das Wort „Erkältung" führt vielfach zu Aber,
teile ein. Das uns aus der Stubenhockerei heraus- reißt, ist zu loben. Es braucht aber liicht ein regel, rechter Sport zu feilt. Schon ein Spaziergang durch die winterliche Natur ist eine heilfame Erfrischung. Und wer gar sich die Schlittschuhe anschnallt, der hat Genuß und Erquickung, auch wenn er keine Kurven beschreiben und keine Windhundtoureu machen kann.
Die wichtigsten Vorsichtsmaßregeln sind: warme Füße, genügend- Bewegung zur Vermeidung des Frö- stelns. Atmen durch die Nase. Dagegen wird leider viel, fach gesündigt. ES ist eine vielbespöt.elte Torheit, wenn Leute mit zarten GcsellschaftSschuhen auf einen Glet- scher steigen wollen. Nicht klüger ist eS, wenn man in die aufgeweiStcn Herbstwege oder in den Winterschnee hineinwandert ohne wasserdichtes Schuhzeug. Da müs. sen auch die gefallsüchtigen Damen und die eleganten Stutzer ihre Eitelkeit hin.iansetzen, um sich vor Schnu- pfen oder noch schlimmerem zu bewahren. Ferner ist Vorsicht geboten, wenn man sich bei rauher Witterung hinsetzt. In der Ruhe tritt eine schnelle Abkühlung des Körpers ein, die um so empfindlicher wird, je mehr der vorangegangene Marsch den Blutlauf beschleunigt und den Körper erhitzt hat. ES gilt da dieselbe Regel, wie bei den Kneippschcn Güssen: die Gegenwirkung gegen die andringendc Kälte darf nicht unterbrochen werden; ein Frösteln, ,d. h. die Erschlaffung des Wider- standcS, ist vom Hebel. Wer in der kalten Luft ein Unbehagen fühlt, der bewege sich, und zwar so kräftig und so lange, bis er sick> wieder belxV'ch fühlt. Kuw AuS-
Außerdem mutz man nicht bloß Sweater» und sonstige Schutzfteider zum Winierspor: mitnehmen, sondern vor allem auch die Vernunft und die Selbstbeherrschung.
Unter dieser Voraussetzung ist es gewiß gut, wenn wir uns im Winter zeitweilig vom Ofen und der dumpfen Stube trennen, und ein kühle» Luftbad nehmen. Jeder fühlt cs ja unmittelbar am eigenen Leibe, wie wohl einem ein Gang an einem Frosttage tut. Die frische Luft regt den BluMmlauf und den ganzen Stoffwechsel kräftig an, was sich namentlich in dem gesteigerten Appetit bei der Rückkehr bekundet. Wenn man dazu noch den Wintersonnenschein genießen konnte, so ist da» Behagen vollständig. Der Winter ist wirk- lich nicht die tote Jahreszeit, wie ihn oft oberflächliche Lewe einschätzen. Ruch im Baum und den sonstigen Winterhärten Pflanzen steht da- Leben keineswegs gänzlich still. Gerade in den schärfsten Frostmonaten Januar und Februar werden dort die Sommertriebe und Hcrbstfrüchte schon mit Fleiß und Kraft vorbereitet. Auch für un» Menschen bringt der Winter mehr Wohl als Weh. Dir sehen, daß in den gemäßigten Zonen, wo auf den warmen Sommer ein kalter Winter mit Schnee und Ei» und rauhen Winden folgt, die Menschen mehr Arbeitskraft und Lebenslust haben, als in den tropischen Gegenden, wo man keinen rechtschas- feneii Winter kennt, sondern nur eine Periode von lauwarmen Regengüssen. Die Wohltaten unstreS er' "•
X Krieg und Geschäft.
Di: Gefahr eines mitteleuropäischen Krieges scheint augenblicklich glücklich überwunden zu sein.
sich zu.
JV9 281.
Samstag 7. Dezember 1412-
Kaffee Hag, der eoffem- freie Bohnenkaffee, ist gleich ausgiebig und im Geschmack und Aroma ebenso gehaltvoll vrie guter coffeinhaltigev Kaffee.
Unpolitische Zeitlaufe.
». Berlin, 5. Dezember 1912.
(Nachdruck verboten.)
Der Wintersport, — er schreitet fort. Immer «ehr sucht man der sogen, schlechten Jahreszeit die gute Gelegenheit zu erfrischenden Leibesübungen ab- zugewinnen. Wo früher bte verschneite und vereiste Welt wie ein Totenkirchhof oder wenigstens wie ein stiller Schlafzimmer auSsah, da herrscht jetzt muntere» Leben und Treiben von Rodlern, Skiläufern, Winter- bergkraxlern, Schlittschuhläufern usw. Mit dem Win- terschlaf ist e» vorbei. Der moderne Mensch will die hergebrachte Ruhepause nicht mehr gelten lassen. Für die Arbeit im Winter sorgt die Fabrik- und Büro- wirtschaft eigentlich hinlänglich, viel mehr al» der früher allein maßgebende landwirtschaftliche Betrieb. Aber die Brotarbelt genügt nicht mehr. Der Mensch will auch in einer brotlosen Kunst tätig fein. Er treibt Sport unter Aufwand von Schweiß und Geld. Der Sommer ist zu kurz für dieses mühselige und kostspie- lige Vergnügen, alfo wird die Natur in ihrem Winterschlafe durch da» Kribbeln der menschlichen Ameisen gestört.
Ist der Wintersport gut oder schlecht? DaS kommt darauf an. wie er betrieben wird. Die frischfröhliche Bewegung in freier Lust ist gewiß gut und gesund; die Ueberanstrengung ist ungesund, und die Vergeudung von Zeit, Kraft und Geld ist für das Fortkommen und für das häusliche Glück im Winter natürlich ebenso schädlich, als im Sommer. Wer im Sommer sich dem EportluxuS ober den Vergnügungsreisen allzu eifrig hingegeben hat, für den wäre eine körperliche und wirtschaftliche Erholung im Winter sehr angebracht, und zwar eine Erholung in der soliden Berufsarbeit, die ein gewissenhafter Mensch nicht „langweilig" finden darf. Wer dagegen im Sommer fleißig in der Arbeit und mäßig im Sport geblieben ist, der darf sich auch im Winter Erholung und Bewegung in frischer Lust gönnen. Alle» mit Maß! DaS ist die goldene Regel, die I ’^er bei dem mode, ^portbetriebe fo oft außer
lichter Körper in kalte Luft kommt, so kann gleich nicht schaffen, die Erkältung ist da. Die Wohn, und ArbeitSräume müflen erwärmt sein, sodaß mau nicht fröstelt; aber sie dürfen keinen Backofen bilden. Vor allem muß für ausreichende Lüftung auch hn Win. ter gesorgt werden. Die Lüftung ist wahrlich lein» Verschwendung von Wärme. Ist die Luft in der Stube rein, so kommt man mit weniger Wärme auS, als bei einer stickigen Luft. Je schlechter bte Zimmerluft ist, desto mehr wird der Ofen tu Anspruch genommen. Auch im Kampfe gegen die Kälte muß die brave Hausfrau die Hauptsache leisten, ebenso tote im Kampfe gegen die Teuerung. Wohl der Familie, wenn die Mutter da» Heizen. daS Lüsten, daS Kleiderversorgen, da? Kochen gelernt hat. Und auch daS Reinmachen, das bei dem Kohlenstaub und dem Winterschmutz noch wichtiger ist,
glauben und Mißgriffen. Man glaubt, die Erkältung zu bekämpfen, wenn man sich die Kälte vom Leibe hält und für möglichst viel Wärme sorgt. Daher werden die Stuben Überheizt oder die Kleidung zu dick gemacht. " die Gewebe
Literarisches.
Deutsche Literaturgeschichte von Dr. Karl Storck. 6. und 7. vermehrte und verbesserte Auflage. 15.—20. Tausend. Stuttgart, Muthsche Verlagshandlung. Preis fein gebunden 6,— Mk.
Die Storcksche Literaturgeschichte liegt diesmal gleich in einer Doppelauflage vor, ein erfreulicher Beweis für die rasche Verbreitung und Beliebtheit dieses trefflichen Buches. Besondere Hervorhebung verdient die staunens, werte Belesenheit des Verfassers, fein seines poetisches Verständnis, fein gründliches, bestimmter, dabei stets maßvolle» Urteil. Dies zeigt sich auch darin, daß unsere katholischen Dichter und deren Werke ausgiebig und gerecht gewürdigt sind. DaS ist ein Vorzug, den andere Literaturgeschichten meist nicht besitzen. In der vorliegenden Auflage ist unser zeitgenössisches Schrifttum, d. h. die Periode von 1885—1912 völlig neu bearbeitet worden. Aus diese Weife gewinnt der Leser einen sicheren Führer durch das Labyrinth unserer modernen Literatur, wie er besonders bei der heutigen Uebcrpro- duktion besonders nottut Die Storcksche Literaturge- schichte mit ihrer schönen, ansprechenden Darstellung ist auch in besonderem Maße dazu angetan, die studie- rende Jugend zu fesseln und zu begeistern. Die ge. diegene Ausstattung, schöner Druck und prächtiger Ein- band, machen dem Verlag alle Ehre.
Gotterdienstordnung.
Katholischer Gottesdienst.
Sonntag, 8. De,. (2. Adoentfonntag.) stuft»«. Dom. Vi6, 6 und 7 Uhr HI. Mess n, 7.7 Uhr hl. Messe und Kommunion der chriftenlehrpst. Jungfrauen in ver Marienkapelle, 8 Uhr Pfarramt und Predigt, ' -10 Udr Kalhedralamt und Predigt. 11 Uhr Christenlehre, Uhr hl. Messe und Predigt, ' ,2 Uhr Andacht und Christen, lehre, 4 Uhr Predigt und Andacht, 7 Uhr Predigt und Hert'Martä.Bruderfchaft - Stadtpfarrkirche. 7.6 Uhr hl. Messe, 6 Uhr hl. Messe und Kommunion der MU- «lieber des Müttervereins, 7«7 und 8 Uhr öl. Messe und Predigt, >10 Uhr Ami und Predigt, 11 und 1 Uhr Christenlehre, 2 Uhr Predigt und Andacht für len Mütterverein, 3 Uhr Bruderschaft^ von der Todesangst des Herrn. — MichaelSkirche. Während de» bl. AdventSzeit wird jeden Morgen, mit Ausnahme der Sonntage und Montage, um 7 Uhr ein oroiteamt
gehalten. — Pfarrkirche zum heiligen Geiste, iti Uhr Austeilung der bl Kommunion, 7 Uhr Frühmesse, 8 Uhr Hochamt mit Predigt, 7,5 Uhr Christenlehre, 5 Uhr Andacht mit Segen. — Sodali.Lt 7,10 Uhr. — Jungfrauen - Sodalität. Nachm 7,3 Uhr Mutterhaus. - Frauenberg. Fest der unbefleckten Empfängnis Mariä, Titularfest des Franziskanerordens. Ab- laßlag für alle Gläubigen.' Hb Messen von 5 biS 7 Uhr, ’8 Uhr BruderfchajlSmesse mit kurzer Predigt und Generalkommunion der BruderfchaflSmttaliever, 0 Uhr Festpredigt, darauf feiert. Levitenamt mit Aussetzung Nachm. 2 Uhr Predtgt, Andacht und Umoang rür di« Marianifche Bruderschaft. <Während der Oktav sindet jeden Nachmittag um 7,5 Uhr ei ie Andacht mit fakram. Segen zu Ehren der unbesteckten Empfängnis ftatt.f
Kassel-Alt. »> Pfarrkirche zur heiligen Elisabeth kFriedrichSplah 16): 6 und 7 Unr heilige Meilen mit Austeilung der heftigen Kommunton, 8 Uhr Militärgottesdienst 'auch lür Zivilpersonen, 91, Uhr Hocham- mit Predigt, 11 Ubr Kinderpoltesdienst mit Ansprache. Nachm. 27, Uhr Andacht. - Werktags 67«, 77, und 8 Uhr bett. Messen. — Gelegenben ,ur fti. Beicht vor Sonn- und Festtagen nachm. von 5 bis 7 und 7«/« bis 8', Uhr, an diesen selbst non 6 Uhr moroenS an. — b) Pfarrkirche zur hl. Familie > ftölnilctir Eiratze 6h , nahe b tm ftativlbahuhol : 7 Uhr hell. Messe, 8 Ubr heilige Messe und Kommunton der Jungfrauen-Kongrcgalion, 1,10 liturg. Hochamt nut Predigt,' 11 Ubr hl. Messe mit Predigt; nachm. 4 Uhr Ber. sammlung her Jungfrauen-Kongregation; abends 6 Uhr Andacht. — An den Wochentagen l10 und 7« Uhr bl. Messen. — Gelegenheit zu beichten: Bor Sonn» und Festtagen von nachm. 1,5 bis 7 Ubr, an diesen leibst von R'/, Ubr morgens an — Kassel-Wehl« Heiden. Pfarrkirche St. Marien l.'lto'entrauzkirche am Nenmarkt : 7,8 Uhr Frühmesse, 7.10 Uhr Hochamt mit Predigt. 11 Uhr heil. Messe mit Predigt;^itach. mittags 2 Uhr Christenlehre und Andacht mit Begen. - An den Werktagen 77. und 77. Uhr hl. Messen. — Gelegenhett zu beichten vor Sonn, und Festtagen nachm. von 4‘ i—6", Uhr, an diesen 'elbst moraen« 7',7 Ubt. — »asset. Rothenditmold. Jasephskirche Best, mariche Straße 82) 8 Uhr Ftühmeue, LU -ihr Hochamt mit Predigt, daraus Chrruenlehre. NachmrtlagS 2 Uhr EegenSanvachl. — Gelegen:,eri zu heuyteu: Bor Sonn- und Feiertaoen nachm. 5 Uhr, an dielen ielbfl ;tüt) 7 Uhr. - Werktags 7*. Uhr heil Meue. — Kalfrl-Bettenhaufen. 9 Uhr Hochamt uns Predigt; nachmittags 2 Uhr Christenlehre uno Andacht.
Eilenach. 7 Uhr Frühmesse, 97, Uhr Hochamt mit Predigt und Christenlehre, nachm. 2 Uhr SsgeusanvaLt.
EvangrMkher vlotteSdienst.
Sonntag, 8. Dezember. Fulda. Vormittags 7,10 Unr Pfarrer Theiß auS Burghaun; 11 Ui)r Km der» goliesdienst; abends 6 Uhr Pfarrer Reich. — Landes- kirchliche Gemeinschaft. Abends 8 Uhr (Buttlarur. 17)
als in der sonnigen Jahreszeit.
Der Winter ist ein rauher Mann, aber ein braver Mann, von dem wir viel Gute? und Schönes habe« können, wenn wir ihn nur richtig zu nehmen wissen Ein Nikolaus, der neben der Nute auch einen Ha bensack mitbriiigk.
LourdeS-Heilungen 1112 bringt aus Grund des Pro. tokolls des Aerzlebureaus die neueste Auflage des Buch« lems: „Lourdes im Glanze seiner Wunder , 176 Seiten, illustriert; zu beziehen gegen Einlendung von 30 Pfa in Marken bei Alfred Hoppe, penf. Pfarrer, Wien III'i, Ungargasse 88. Eet derselben Adresse gegen Einsendung von 35 Psg. daS teidnuulhterte Büchlein: „Triurnvh der Eucharistie". Betör Bächlein zusammen franko gegen Einsendung von 60 zssg. in Marken an obige Adresse.
Eine allgemeine Beruhigung beginnt sich nach der Kriegsfurcht der letzten Woche durchzusetzen, Ja diesem Moment, wo daS Aufwerfen der Frage nicht mehr eine Steigerung der Erregung hirvorrust, ist eS angebracht, sich einmal zu vergegenwärtigen, wie tief der Ausbruch eines Krieges in dre Rechtsverhältnisse des GeschästSlcbens emgreifen wurde. Der Kammergerichtsanwalt Dr. Franz Hoemger hat die privatrechtlichen Wirkungen des Krieges tm Konfektionär in ziemlich umfassender Weise zusammengestellt
Zunächst muß betont werden, daß alle Verträge, welcher Art sie auch fern mögen, im Kriege voll wirksam bleiben. Nur wenn dem Schuldner seine Leistung durch den Krieg unmöglich wtrd, dann gilt dies als höhere Gewalt und befreit ihn von seiner Verpflichtung, ohne daß er Schadenersatz zu leisten hat. Demnach bleibt z. B. ein Kaufvertrag an sich wirksam; har aber der Verkäufer Waren zu lie- fern, deren Befchaffung durch die kriegerischen Eretg- niffe unmöglich wird, fo wird er von der Lieferungsfrist befreit, ohne schadensersatzpflichtig zu werden. Nach den gleichen Gesichtspunkten gestalten auä die Anstellungsverträge des kaufmännischen und gewerblichen Personals. Der Angestellte, der zur Fahne einberufcn wird, wird seiner Dienstverpflich- jungen ledig. Er verliert natürlich auch den An- fprnch aus fein Gehalt von dem Augenblick der Einstellung seiner Tätigkeit an.
Sehr belangreich sind die Wirkungen des Krieges auf schwebende Prozesse. Die Zwilprozeß- ordnunq bestimmt, daß, wenn infolge eines Krieges die Tätigkeit der Gerichte aufhort, da? Verfahren für die Dauer dieses Zustandes als unterbrochen gilt. Aber auch wenn die Gerichtsvflege keine Stockung erfahrt, ist cs üblich, daß in Kriegszeiten durch Geietz em Stillstand der Prozeßverfahren zugunsten der tm Felde stehenden Personen angeordnet wir. Die Aussetzung aller Prozesse führte z. B. im Jahre 1870 zu einent Rückgang in der Zahl der Subhastattoum.
Die Mi e 1 s v e r h ä l t n i f f e werden im Kriegsfälle besonders durch die Q u a r t i e r p f l i ch t beeinflußt. Die Gemeinden sind verpflichtet, für bte Bedürfnisse der bewaffneten Macht Sorg: zu tragen. Diese wiederum legt die Quartierpflicht allen Inhabern quartierfähiger Räume, also auch Mietern, auf. Ein Kündigungsrecht oder ein Anspruch auf Ermaßt- gung des MietSzinseS steht b:m Mieter auf Grund von'Einquartierungen nicht zu.
Hinsichtlich der Steuern bestimmt das „Gesetz über die Heranziehung von Militarperfonen zu Abgaben", daß die Pflicht zur Zahlung von dtrekten Steuern, während der Zugehörigkeit zu einem t« Kriegsformation befindlichen Hecresteil vom Ersten des auf die Zugehörigkeit folgenden Monats an ruht. Endlich verdient noch bte Vorschrift be§ Bürgerlichen Gesetzbuches Erwähnung, baß, wer im Kriege stirbt ober als Kriegsgefangener verschollen ist, für tot erklärt werben kann, wenn seit bem ^liebens« schließ drei Jahre verstrichen sind
Diese Beispiele zeigen, baß bet Ausbruch etneS Krieges nicht nur die Militärpflichtigen selbst, son- dern' auch alle übrigen Gewerbetreibenden, bte tm Laube zurückbleiben, in schwerster Weise betreffen würben. Hoffentlich köirnen wir aber bie praktischen Erfahrungen zu ben theoretischen Erörterungen über die Folgen des Kriegsausbruches nicht machen.
sie von dritter Seite angegriffen würden und für unsere eigenen Interessen und für unsere Zukunft zu fechten. Zwei Tage lang währte die Debatte über die auswärtige Lage; mit besonderem Nachdruck wurde darin von den Rednern aller bürgerlichen Parteien unsere DundeSpflicht hrrvorgehoben.
Der zweite Landtagswahlgang in Württemberg hat der Linken neue Niederlagen gebracht, während die Stellung der Rechten weiter gefestigt wurde. DaS Zentrum hat ebenso wie im Jahre 1906 leine 21 Bezirksmandate wieder. Die noch auSstshen- den Proporzwahlen dürften nach dem Stimmenzahlenverhältnis ähnlich ausfallen, wie beim letzten Wahlgang, sodaß die Rechte verstärkt, die Linke ge- schwächt in den Landtag einziehen wird.
Auf dem Balkan haben die Daffenstill- standSvcrhandlungen nun schließlich doch noch zu einem guten Ende geführt, isiur Griechenland scheint vorläufig noch weiter kämpfen zu wollen und es verlautet noch nichts, daß die Griechen des Kampfes müde wären. Der außerordentlich tapfere Widerstand AdrianopelS kam den Türken sehr zu statten. Die bulgarischen Unterhändler haben die Forderungen auf Uebergabe von Adrianopel fallen gelassen und verlangen nur, daß die dortige Bahnstation für bulgarische Transporte sreigegeben wird. Eine fernere Bedingung der Bulgaren ist die unverzügliche Aufhebung der Blockade der bulgarischen Häfen Santa und BuraaS am schwarzen Meere. Die türkischen Unterhändler haben diese Forderungen angenommen und darauf wurde der Waffenstillstand unterzeichnet.
Man geht wohl nicht fehl in der Annahme, daß eS den Serben und Montenegrinern lieber gewesen wäre, der Waffenstillstand wäre noch nicht so schnell zustande gekommen. Verglichen mit den Truppen der Bulgaren, die in dem Kriege mit ihrem Vorstoß gegen die türkische Houptarmee die Hauptatbett geleistet haben und dabei die schwersten Verluste erlitten, sind die 5.nippen der Serben und Montenegriner noch ungeschwächt, und eS ist begreiflich, wenn auch ihre Kanipfbegeisteruno noch nicht erloschen ist. Nun, nachdem sie sich mit einem Waffenstillstand einverstanden erflärt haben scheint sich ihr KriegSfieber nach einer anderen Richtung bin geltend zu machen. Aus Semlin wird gemeldet, daß jetzt schon bedenkliche Strettigkeiten zwischen den verbündeten Dalkan- ftaaten zu erwarten seien, weil Serbien und Mon. tenegco Skutari nicht aufgeben wollen und entschlossen seien, Teile des eroberten Gebietes in Albanien und dem Sandschack zu fordern. Doch darf man wohl annehmen, daß die Unstimmigkeiten, die zwischen bell Balkanbundstaateu herrschen, sich noch beilegen werden. /
Die Belgrader politischen Kreise beschäftigt ein angebliches militänsches Abkommen zwischen Oesterreich-Ungarn und Rumänien als Ergebnis der Bukarester Reise des Armee-Inspektors von Hötzendorf sehr lebhaft. Darnach soll im Falle eines Krieges mit Serbien, fo wi; f. Zeit Montenegro den Krieg gegen die Türket eröffnete, Ruma- men den ersten Angriff gegen Serbien unternehmen. Diese Nachricht scheint uns nicht recht glaublich, aber in den militärischen Kreisen Serbiens hat si: immerhin sehr unangenehm berührt, weil solchenfalls die serbische VerteivigungSfrout eine sehr beträchtliche Ausdehnung erfahren würde, noch dazu, da im Kriegsfälle Serbien auf die Hilfe Bulgariens nicht wird rechnen können, Weik König Ferdinand für einen solchen Fall bereits die vollste Neutralität Bulgariens Oestrereich-Ungarn zugesagt haben soll.
Rußland hatte in der letzten Zeit sehr viel; Angelegenheiten zu erledigen, die seine indirekte Teilnahme an dem Balkankriege einschränkte. Vor allem spielte da der Streit um die Mongolei eine Rolle. Tie gänzlich; Inanspruchnahme aller Interessen der Kulturwelt durch den Balkankrteg schien den russischen Gewalthabern einen willkommenen Deckmantel für die Eroberung der Mongolei zu bieten. Also ging man schärfer vor und suchte der chinesischen Mongolei einen russischen „Generalresidenten" aufzuzwingen. Die chinesische Regierung hat gegenüber diesem jedem Völkerrecht hohnsprechenden Verhalten der Russen so. fort entschiedene Maßnahmen angekündigt; obwohl fte die Schwächen ihrer Armee gegenüber den modernen Kulturarmeen sehr genau kennt, hält sie den Krieg für den einzigen Ausweg. So ist also alle Aussicht vorhanden, daß die KriegSkorresponbenten der großen Blätter nicht „arbeitslos" zu werden brauchen.
Wochen-Nllndschau.
[:] Fulda, 6. Dezember 1912.
Eine schwere Enttäuschung hat dem katholischen Deutschen Volk der Bundesrtasbeschluß zum Jesu i t e n g e s e tz bereitet. Dem Bundesrat lagen (in bayerischer und ein preußischer Antrag zur Auslegung des Begriffs der Ordenstätigkeit vor. Der vundesrat hat den bayerischen Antrag abgelehnt und Kn preußischen angenommen, wonach den Jesuiten «ur das Lesen stiller Messen, die Primizmesse und das Spenden der Sterbesakramente, sowie wissenschaftliche Vorträge nicht religiöser Natur erlaubt sind. Die deutschen Katholiken empfinden diesen Bundes- ratsbrschluß mit Recht als eine Brüskierung und er- heben flammenden Protest gegen bte Mißachtung und Geringschätzung deS katholischen Volksteils, bte in liefern Beschlüsse zum Ausdruck kommen. Haben bie Kutschen Katholiken vorher in Taufenben von Pro- itftoerfomtnlungcn bte Aufhebung beS ganzen Je- uitengesetzes verlangt, so werben sie jetzt erst recht mit allem Nachbruck für ben Fall dieses schmachvol- len Ausnahmegesetzes sich emsetzen. Das katholische Volk ist sich dabei bewußt, daß es bei den Vertretern seiner Interessen in den ^Parlamenten einen starken Rückhalt hat. In der 'Mittwochsitzung deS Reichstags gab namens der Zentrumsfraktion der Abg. Dr. Spahn eine Erklärung ab, die mit voller Deutlich- keit und Entschiedenheit auS der Erneuerung der Iesurtenverfolgung die politischen Folgerungen zieht. Statt den Wünschen und den religiösen Bedürfnissen des katholischen Volkes irgend ein Entgegenkommen zu zeigen, hat der Bundesrat, wie die Erklärung zutreffend feststellt, die in dem Ausnahmegesetz liegenden Eingriffe in di; bürgerliche und kirchliche Freiheit verschärft. Daher erklärte die Zentrumsfraktion: „Unter diesen Umständen können tott zu Reichskanzler und Bundesrat das Vertrauen nicht haben, daß bie Bedürfnisse der Katholiken im deutsch:» Reiche bei ihnen eine gerechte Behandlung finden; wir werden unser Verhalten dementsprechend einricht m." Der Reichskanzler versuchte in seiner Antwort die Haltung des BundeSrats damit zu entschuldigen, daß das evangelische VolkSempfinden sich von jeher gegen die Tätigkeit ber Jesuiten heftig gewehrt habe. Wir meinen jedoch, daß der Reichskanzler mit demselben Recht auch den Stimmen, die aus dem katholischen Dolksteil die Wiederkehr der Jesuiten fordern, Beachtung hätte schenken müssen.
Im Reichstag gab eS bedeutsame Tage. Ueber die Besetzung d:s Präsidiums war es unter den bürgerlichen Parteien zu keiner Einigung gekommen und darum galt die Wiederwahl des bisherigen Präsidenten Dr. Kämpf als sicher. Mit den Stimmen der Sozialdemokraten, der Fortschrittler und der Nationalliberalen wurde Abg. Kämpf wieder auf oen Präsidrntenstuhl erhoben, während die Konservativen einen eigenen Kandidaten wählten und das Zentrum und die Polen weiße Zettel abaaben. Eine sichere Mehrheit hat das neue Präsidium nicht hinter sich. Nachdem das HauS sich einen Präsidenten gegeben hatte, trat es in die Debatte über die Teuerung und die Negierungsmaßnahmen zur Linderung derselben ein. Wie bereits im Preußischen Abgeordnetenhause erklärte auch hier der Reichskanzler, daß die Abschaffung unserer Mirtschaftspoltttk eine undurchführbare Forderung sei, ganz abgesehen davon, daß dadurch der augenblickliche Preisstand nicht beeinflußt werden könnte.' Der Reichskanzler widerlegte auch die Behauptung, daß unsere Landwirtschaft das Volk nicht mit dem nötigen Fleischqumrtum versehen könne. An bvr Preissteigerung bet uns fei bie Tatsache zu brachten, daß der Weg vom Produzenten zum Konsumenten sich laug dehnt und int Laufe der Zetten noch mehr Verlängert hat. Noch einmal betonte der Kanzler, daß von der preußischen landwirtschaftlichen Verwaltung zur Behebung der Fleischteuerung alles geschehen sei, was ohne Gefährdung unserer Bestände und unserer Produktion zur Beseitigung und Erleichterung der Teuerung geschehen könnte. In erster Lesung erledigte da? Haus auch noch das Kinder- saugflaschengesetz und das Postscheckgesetz. Der Beginn dieser Woche brachte alsbann dem Reichstag einen großen Tag. Der Reichskanzler und der Staatssekretär des Auswärtigen berichteten dem Hause über di? auswärtige Politik. Es war eine vorsichtige, wohl abgewogene Rebe, in ber ber Reichskanzler in Diplomatensprache über unsere auswärtige Politik sich erging. Sie war getragen von hoffnungS- freubigen Optimismus, entbehrte aber auch nicht ernster Hinweise auf bie noch immer nicht geschwun- den: Möglichkeit der Enlstehimg eines internationalen Konflikts. Eine besondere Betonung erfuhr in der Kanzl:rrede unsere Bereitschaft und Bereitwilligkeit, unseren Bundesgenossen zur Seite zu treten, wenn
schenden Winters sollen wir natürlich nach Kräften ein- I ruhen während eine» Winterganges sucht man am Be- zuhcimsen suchen. Daher hinaus in die kühle Luft und - »— «.r*;;«.<■•» e»ür hie Pimmr und
den weißen Schnee, soweit e8 die Körperkräfte und die Zeit gestatten. Früher, als die Menschen noch fast samt.
lich auf dem Lande lebten, brauchte man daS gar nicht gu sagen; sie kamen durch ihre ländliche Arbeit von selbst zu dem kalten Luftbad. Aber jetzt sitzt die Mehrzahl bet Menschen in den Städten und ist auf die Arbeit in geschlossenen Räumen angewiesen. Wenn wir nun auch noch die Erholung ausschließlich in Der. sinmnlungSsälen, Wirtshäusern, Tanzlokalen und dergleichen Einpferchungen suchen, dann verscherzen wir die Vorteile deS Winter» und heimsen nur seine Nach.