>
2. Blatt
9rn<f fer ‘‘B’fcctr 2 cntncrri <rtf in ‘‘n'ba.
*:* Zuldaer Leitung.
Jtz Tie Uttfal:Versicherung nach den Bestimmrmgeu der Reichcversiche- rungSorönun^.
Tie Unfallversicherung nach den Bestimmungen ,er Reichsversicherungsordnung tritt am 1. Januar 1913 in Kraft; sie hat den Kreis der versicherungs- oflichtigen Betriebe bedeutend erweitert und neu oder erst in vollem Umfange eine Reihe von Betrieben and Tätig'eften der Versicherungspjlicht unterstellt. Zur Aufklärung und Belehrung der beteiligten Kreise, Arbeitgeber und Arbeitnehmer aller Branchen des geschäftlichen Lebens und der Land- und Forstwirtschaft, beginnen wir heute mit gemeinverständlichen Abhandlungen über die Unfallversicherung nach den Deftimmnngcn der Reichsoersichwungsordnung — Die Perufsgenossenfchaftcn — Biitgliedschaft. Aufbringung der Mittel — Ter Unfallversicherung neu uu.erstellte Betriebe — Untfang der Unfallversicherung — Betriebsunfall — Leistungen der Unfallversicherung.
Mit Rücksicht auf die Wichtigkeit der Bestimmungen empfehlen wir die Abhandlungen auszuschneiden und auszuhcben.
I. Tie Berufsgenosfcnfchaftcn.
Tie Unfallversicherung nach der Reichsversiche» rungsvrdnnng will die Arbeiter gewisser, mit blonderen Gefahren verkniipfter Betriebe oder Tätigkeiten I und die Angehörigen dieser Arbeiter um der Gefahr- । lichkeit des Betriebs und der Tätigkeiten willen gegen i dir wirtschaftlichen Nachteile dieser Betriebsgefahrcn sichern; sic geht davon aus, daß die Beschäftigung in bestimmten Betrieben eine besondere Unfallgcfahr bedingt, und daß für Unfälle, die sich in diesen Betrieben ereignen — Betriebsunfälle —, der durch den Unfall Berichte oder feine Hinterbliebenen eine Entschädigung iKrankenbehmidlung, Kranken- > Un- jaMrente) erhalten.
Tie Un allversicherung umfaßt
1. die Gewerbe-Unfallversicherung,
2. die landwirtschaftliche Unfallversicheru..g,
3. die See- Unfallversicherung.
Dir Bau-Unfallversicherung, für die bisher das Dau-UnfaUverficherlingsgesetz bestimmend war, ist mit der Gewerbe-Unfallversicherung verschmolzen.
Tie Unfallversicherung erfolgt durch Berufs- genosfen schäften, welche unter Aussicht d-S Reichs von den Arbeitgebern verwaltet werden, die auch die gesamten Kosten dieser Versicherung all 'in tragen. Tic Berufsgenossenschaften umfassen die U n ternehmer der Versicherungspflichtigen Betriebe oder Tätigkeiten.
Unternehmer ist derjenige, für dessen Rechnung der Betrieb geht, und bei nicht gewerbsmäßigem Halten von Reittieren oder Fahrzeugen, wer das Reittier oder Fahrzeug hält.
Halter eines Fahrzeugs oder Reittiers ist, wer nicht nur vorübergehend die Instandhaltung des j Fahrzeugs oder die Wartung und Pflege des Reittiers für eigene Rechnung übernommen hat.
Die Unternehmer werden nach Berufszweigen znsammengefatzt zu Vcreinigun- ‘ gen, welche die ihnen durch die Unfallversicherung > auferlegten Entschädigungspflichten entsprechend beit gesetzlichen Bestimmungen zu erfüllen haben. Diesen für die Hauptgruppen gleichartiger oder verwandter Berufe gebildeten Vereinigungen gab man Form und Namen der Genossenschaft, daher stammt die Bezeichnung „Berussaenossenschaft".
Zur Zeit bestehen 66 gewerbliche und 48 l a n d w i r t f cba f t I i ch e Berufsgenossrn- schäften und die Sce-Bcrufsgenossenschaft. Das Reich, die Bundesstaaten und Gemeindeverbände sind für einzelne bestimmte Betriebe (Post-, Telegraphen-, Marine- und Heeresverwaltung, Betrieb der Eisenbahn en, Binnenschiffahrt, Bauarbeiten) nicht in die berufsgcnosscnschaftliche Organisation einbezogen; sic treten für diese Betriebe an Stelle der Genossenschaften, und werden Rechte und Pflichten der Genossen- schaftsorgane durch Ausführungsbehörden wahrge- ttommen.
Die Berufsgenossensckaftcn erstrecken sich auf bestimmte örtliche Bezirke ober bas ganze Reich. Weitaus in diesen meisten Gewerben umfaßt eine Be. rufsgcnossrnschaft sämtliche BerufSgenossen des ganzen Reichs, z. B die Steinbruchs-Berufsgenossen, schäft, die Fuhrwerks-Berufsgenossenschaft, die Brauerei- und Mälzerei- Berufsgenossenschaft, die Berufs- geiwsienschäft der chemischen Industrie u. a„ nur bi* Textilindustrie, die Eisen- und Stahlindustrie, die Holzindustrie, das Baugewerbe und die Landwirtschaft sind je in mehrere, nur Teile des Reichs um fassende Berufsgenossenschaften gegliedert. So gibt es eine schlesische, eine nordwestliche Eisen- und Stahl-
Hluis Het'd.
.17] Roman von Fritz Ewald.
„Tas wird eine der anständigsten Hochzeiten, die man seit Jahren in der Stadt gehabt hat", jubelte Illa, in die Hände klatschend, „es tut mir ordentlich leid, daß ich nicht selbst „brautschauen" gehen kann; nur ein ganz dunkler Punkt ist leider bei der ganzen Sache", klagte sie, den Mund wie ein Kind zum Weinen verziehend, „was machen wir nur mit dem unglückseligen Karsten, entloben können wir ihn doch nicht, er verdirbt mir die ganze Hochzeit. Wenn ich den Mann mit den mangelnden gesellschaftlichen Formen und den groben Händen all den vornehmen Verwandten als meinen Schwager vorstellen soll, das überlebe ich nicht."
„Ra, dann lassen wir den Mann in Eisen einfach weg, mein Engel", entschied Hühnenheim.
„Ja, aber Isolde?"
„Bitte, zerbrich Dir über diesen Fall nicht den Kopf, — wenn Ihr Friedrich nicht einlabet, ist für mich bie Sache damit völlig entschieden —"
Isolde war unbemerkt eingetreten und hatte die letzten Worte gehört, — „ich werde wohl auch noch darüber hinwegkommrn, Deiner Hochzeit fernzublei- ben", — setzte sie halb »rotzig hinzu.
„Isolde, laß doch mal vernünftig mit Dir reden", hat Illa, „sieh mal, wir Haden uns doch früher so gut vertragen —"
„Ja früher" — Isolde betonte das letzte Wort und 'ah mit starren Augen znrn Fenster hinaus,
„Tu mußt doch so objektiv sein, einzusehen, daß e3 nickt gelft, — wenn", fing Illa von neuem an.
„Wenn cs für Tich nicht geht, für mich geht cS erst recht nicht." — Isolde warf bie Tür hinter sich m und eilte, Hut und Handschuhe nehmend, hinaus mS Freie. .
Sie Natur war eS, welche sie immer noch am beft-n beruhigte, wenn :S gar zu wild in ihr tobte, Denn die widersprechendsten Gefühle in ihr kämpften, und ihre Kraft zu erlahmen drohte. Und was das schlimmste nwr, sie fühlte, daß ihre körperliche Kraft
Berufsgenossenschaft, eine schlesische, eine rheinisch- westfälische Tertil-Berufsgenossenschaft. Tas erflä't sich daraus, daß Schlesien und Rheinland-Westfalen eine hochentwickelte und ausgedehnte Textil- und Eisenindustrie haben. Tie landwirtschaftlichen Be- rufSgenossenschaften werden nach örtlichen Bezirken gebildet. In Preußen ;. B. bilden durchweg die Unternehmer jeder P'ovinz eine Berufsgenossenschaft und bildet feder Kreis eine Sektion.
Zwischen den Berufsgenofsenschaf- t e n bestehen viele Unterschiede. Es gibt Berufsgenossenschaften mit nur einigen hundert Mitgliedern und solche mit vielen Tausenden von Mitgliedern. ES gibt Berufsgenossenschaften mit starker und solche mit geringer Unfallgefahr.
Tie Berufsgenosienschasten umfassen innerhalb ihres Bezirkes alle B'triebe der Gewerbs- ober Be- tricbszw->e, für die sie errichtet sind.
Weil die Kosten der Unfallversicherung allein von den Arbeitgebern getragen werden, so sind in der inneren Verwaltung der Berufsgenosienschaften bie Arbeiter nicht beteiligt
Organe der Beruf soenostenschaften sind die Genossenschaftsversammlung, welche aus den Mitglied-"n oder auch, wenn die Satzung solches bestimmt, au ■ gewählten Vertretern, bei der landwirtschaftlichen Versicherung stets ans Vertretern besteht, und der Borstand. Ist die Berufsgenossen- schast in Sektionen (U wrbezirkch was fast durchweg der Fall ist, eingeteilt, ober sind besondere Vertrauensmänner als örtliche Draane der Genossenschaft eingesetzt worden, so sind Organe der Beruss- genosienschast auch die Sektionsv rrsamm- lung, der Sektionsvorftand, die Bei- trauens männer.
lieber die Bildung von Sektionen, über die Bc- ftrguisse und Aufgaben derselben und über ihr Verhältnis xur Bemifsgenosicnschaft trifft die Satzung näher* Bestimmung.
Zusammensetzung. Rechte und Pflichten des Vorstandes werden durch die Satzung der Berufsgenos- seiftckgft bestimmt
Gewählt wirb ber Vorstand von der Genossen- schaftsversammlung nach den Grundsätzen ber Ver- hältniswahl aus den Mstglirdcrn der Genossenschaft ober ben ‘jJHtgliebern gleichstehenben Personen bevollmächtigte Betriebsleiter, gesetzliche Vertreter der GenossenschaftsmitgliebeB.
Die Dorsrandsmftglieber verwalten ihr Amt unentgeltlich al« Ehrenamt.
Die Berufsgenossenschaften regeln ihre innere Verwaltung und ihre Geschäftsordnung burch eine Satzung, welche bie Genossenschaftsversammlung beschließt.
Die Satzung muß bestimmen über 1. Namen, Sitz und Bezirk ber Genossenschaft. 2. Zusammensetzung, Rechte unb Pflichten des Vorstandes, 3. Form ber Willenserklärungen des Vorstandes sowie feiner Unterschrift für die Berufsgenossenschaft, Art der Beschlußfassung des Vorstandes und seine Vertretung nach außen, 4. Berufung der Genossen- schaftsversammlung und Art ihrer Beschlußfassung, 5. Stimmrecht der Mitglieder und Prüfung ihrer Vollmachten, 6. Höhe der Sätze für entgangenen Arbeitsverdienst und für Reisekosten, die den Vertretern ber Versicherten zu gewähren sinb, 7. Vertretung der Genossenschaft gegenüber dem Vorstand, 8. Verfahren der Genossenschaftsorgane beim Einschätzen der Betriebe in bie Klassen bes Gefahrtarifs, 9. Verfahren bei Betriebsveranderungen und bei Wechsel ber Person bes Unternehmers, 10. Folgen von Be- triebSciustellung ober von Wechsel ber Person des Unternehmers, besonders Sicherstellung seiner Beiträge, wenn er den Betrieb einstellt, 11. Aufstellung, Prüfung und Abnahme ber IahreSrechnung, 12. Handhabung des Erlasses von Vorschriften zur Unfallverhütung und zur Ueberwachimg der Betriebe, 13. Art ber Bekanntmachungen, 14. Aenberung der Satzung.
Tie Satzung kann bestimmen, daß 1. bie Ge- nossrnschaftsversammlung aus Vertretern zusammengesetzt wird, 2 die Genossenschaft in örtliche Sektionen eingeteitt wird, 3. besondere Vertrauensmänner als örtliche Organe der Genossenschaft eingesetzt werden.
Bestimmt die Satzung solches, so hat sie zugleich zu bestimmen über Wahl ber Vertreter, Sitz und Be- zirk ber Sektionen, Zusammensetzung und Berufung ber Sektionsversammlungen unb Art ihrer Beschlußfassung, Zusammensetzung, Rechte und Pflichten ber Sektionsvorstänbe, Wahl, Bezirke, Rechte unb Pflichten ber Vertrauensmänner unb ihrer Stellvertreter.
Die Genossenschastsversammlung kann bie Ab- armzung ber Bezirke unb bie Wahl ber Vertrauensmänner unb ihrer Stellvertreter bem Genossenschasttz- ober ScktionSvorstanbe, die Wahl ber ScktionSvor- ftänbe den Sektion-Versammlungen übertragen.
nicht mehr ausreichen wollte, den bauernden seelischen Erregungen standzuhalten, sie war ihnen nicht ge* wachsen. In diesem Zustand kam sie sich oft gren» z*nlos elend unb unglücklich vor, nur in Friedrichs Nähe wich dieser Bann vor ihr, und war sic zuweilen wieder die alte, bei ihm hatte sie die Empfindung, daß er der einzige Mensch war, der sich ihrer annahm. In seiner Gesellschaft wurde sie ruhig, erstarkt* ihr Mut und ihre Lebensfreudigkeit, die längst von ihr gewichen war unb nun einer ernsten Auffassung von ber Schwere des Daseins Platz gemacht batte.
Friedrich betrat ihr elterliches Haus sch: selten, und kam nur als flüchtiger Gast. — Aber in der Abendstunde holte er sie meist zu einem Spaziergang ab; sie kam ihm bann schon ftn Garten entgegen, und freute sich den ganzen Tag auf dieses Zusammen- fein. Sie übersah mehr und mehr die kleinen Formfehler, welche sie im Anfang ftn Verkehr mit ihm so oft gestört hatten; von Kindheit an zu sehr an Den „Lack" der ersten Gesellschaft gewöhnt, batte sie das Fehlen desselben in Friedrichs Wesen fühlbarer gekränkt, als sie es selbst für möglich gehalten. Aber jetzt war sie an feine ungeschminkte Redeweise längst gewöhnt unb wußte, „genau wie er rs sagt, so meint er es auch", man braucht bei ihm nicht, wie bei ben anderen, mühsam die Liebenswürdigkeit von der Echtheit unterscheiden zu lernen. Er klappte zwar nie beim Kommen die Hacken zusammen, — sandte ihr nicht tägliche Blumengrüße, küßte ihr nie die Hand, fragte sie nicht um Erlaubnis, wenn er sich eine Zigarre anjünbete, stand nicht auf, wenn sie stand, — alles Kleinigkeiten, die sie vermißte, und welche Detlef im Verkehr mit Illa nie außer acht ließ, und dennoch hätte sie nicht mit der Schwester tauschen mögen, sie fühlte, das beste Teil in ihr war untrenn» bar mit Friedrich verbunden.
Wenn es ihr gar zu einsam in ihrem Stübchen wurde, bann lief sie wohl mal, wie einst, in ber Däm- merstunbe zu Ellinor, aber meist kam sie noch trau- reger, als sie gegangen, von dort zurück. Das stille, ernste Mädchen, welches ein unausgesprochenes schweres Leid mit sich herumzutragen schien, war nicht die geignete Persönlichkeit, sie selber auftuheitern;
Bei der landwirtschaftlichen Unfall- Versicherung kann die Landesgesetzgebung die Verfassung und Verwaltung der Berufsgenossenschaf, ten abweichend regeln, auch abweichend bte Organe bezeichnen, welche di* Genossenschaften verwalten und die Rechte und Pflichten wahrnehmen, die das Gesetz den Vorständen überträgt. Auch kann die KeimsienschaftSversammlung für eine bestimmte Zeit ! die VorstandSgeschäfte u. a. ganz oder teilweise an I Organe der Selbstverwaltung übertragen. Von diesen Befugnissen ist vielfach Gebrauch gemacht worden.
Um über sein Verhältnis zur Berufsgenosien- schaft, seine Vllickten und Rechte eingehend sich zu vergewissern, ist jedem Mitglied einer Benifsgcnos- senschast dringend zu empfehlen, daß es sich vom Verstand eine SaMm-i her Gennsicnschaft neben läßt, unb mit dem Inhalte ber Satzung sich genau vertraut macht.
Lokale«.
Fulda, 6. De, 1912
(♦) P rlo-alftn. Znm Kreisestfiffenxarft für die Kreise Marburg und Kirchbai wurde der Arft Dr. Toellner aus Vallendar mannt. — Die Ger chts- referenbare Waldhaufen unk» Stuck wurden au Ger ch'Sasscssoren ernannt — Lokomotivhefter Brack« bahn in Fulda wurde zum Lokomotivführer ernannt.
Verseht wurden Obersekretär Rathmann non Darnfttadt nach Fiiloa, K'scnbabnvraknkant 6a’n er non Jolla na* Salzschlirf, Nürnberg von Salrsch’irf nach Frankfurt.
§ Ernst Eb-nder wird vorerst nicht nach Fulda xn« rücktran'portiert, sondern blecht auf Anordnun» des Un'ertiiebnnasrichters in Fulda dis auf weiteres im Mainzer Ge’änaniffe
(*) Eine Stadtv*rordnetensitznna mit solgender Tages- ordnnnn wird am Montan, den 9. Teiemhrr 1912, od,n^S 71» Uhr llanfinden i 1. Recknunasvrü'unaen: al Ka'ernenkasie (Dr Schufteft bs Waifenbauskaste (Ragp); e) FriedHotskall-' (Rapp); d) Stadt ckloßkaffe iKavvle) Stadtsaalkaste (Dr. Schultes; ks Wasier- werkskasse sDr. Schufte); g) Sparkasse (5maer); h» S" lochtbofskasie (Sinaerh 2. KenntniSna' me ft-es Mgaistratsbeschlustes betr. Lö''ckung zurückoe. xohlter Hyvotbeken lDr. Schulte). 3. Freigabeurkunde (Sinacr). 4. Anderweite Fcitsetzuna des Zmsfutzes für Bürasckaftsbarlehen (Sinacr). 5. Formelle Zu« ftimmuna xu einem Veräiißerungspenrag (Dux». In aebeiirer Sitzung werden folgende Punkte beraten: 6. Leauna einer Rohrleitung der Kaliwerke Neuhof durch städtische Wege und Grundstücke (Weber). 7. Ausfall einer Kanalisations! ypotdek und U'ber- nähme derselben auf die Stadtkaste (Reil). 8. Umgestaltung des Ve. träges mit dem FiskuS betr. Ver« mi tung und Uebernadme der Kaserne (1. Sauer, 2. Singer). 9. Herstellung von Decken in den Ställen des Ra'ernementS auf Ro'ten der Stadt (Mahr).
Ferufprech - Anschlüste. Unter Nr. 542 ist die Firma O*far Hambach, Korb- und Bürsten war en. Lieftw?i Nr. 2'4, und unter Nr. 543 Andreas Kalb, PeterSvergerstrotze Nr. 22, anoefchlosien morde".
AnS dem Reiche des Geheimnisvollen bot gestern obenb im Stadtsaale ber bekannte Suggestenr, Herr A. Simon, ben zahlreich erschienenen Gasten in Wort unb Tat viel Interessantes. In seinen einleitenden Worten verbreitete sich Herr Simon über Erscheinung unb Wesen ber Suggestion unb Hypnose unb stickte sie unter Einbeziehung von Vorfällen des alltäglichen Lebens auf psvchologifcher Grundlag* als etwas durchaus Natürliches zu erklären, indem er gleichzeitig über die Schwindelmanöver in den sog. Spiritiftengemeinden informierte. Auch betonte er, daß c$ ausgeschlossen sei, pmanb etwas zu suggerieren, was feinem moralischen Empfinden widerstreite. Ucbcrhaupt könne niemand suggeriert werden, es sei denn, daß er die individuelle Anlage dazu besitze. Die bem'rkenswerten Erperimenfe, welche er dann mit der Wünschelrute, sowie in Autosuggestion und Telepathie an Tarnen und Herren darbot, wirkten ge- rabczu verblüffend unb fanden den ungeteilten Beifall aller Gäste. Herr Simon wird noch am Samstag und Sonntag hier zwei weitere Erperimentalvorträge halten, deren Besuch wir nur empfahlen können.
D Internationale Darmmbereitunqsgesellfchaft m. b. H. Tas Fabrikgebäude der genannten Gesellschaft, mit dessen Ban im Frühjahr begonnen wurde, ist nunm-chr bis auf die innere Ausstattung fertigstem. Hinter bem städtischen Schlachthof erhebt sich da? stattlicke Gebäude, das nach dem Plane des Herrn Architekten Adam-Fulda durch Herrn Maurermeister Rommel erbaut wurde. Es ist ein massiver Bau, der, von einem Eisenbetongerüst sie empfand nur den Kummer der anderen mit, welche sie wie eine Schwester liebte; und obgleich sie zu jeder Stunde dorthin kommen konnte, ohne zu stören, — denn Eolmani war auf Monate abkommandiert, — betrübte sie es, daß Ellinor nie, auch nur mit einem Wort zu ihr von den eigenen Sorgen sprach. Allerdings hatte dieselbe in ihrer schwermütigen Art stets eii? offenes Ohr für alles, was man ihr klagte; sie war auch die einzige, welche ihrer Verlobung das richtige Verständnis entgegenbrachte, ihr immer wieder Friedrich? Vorzüge in hellstem Lichte zeigte, unb ihm in reizender Weife entgegenkam, als sie eines nachmittags gemütlich bei Tanhosfs zum Tee ringe» laden waren; sie war so ganz anders als alle bie anderen, aber Isolde seufzte: „sie ist auch anders er. zogen worden."
"Vergebens grübelte sie, warum gerade dieses Mäd- chen, welckcs in jeder Hinsicht mit übertriebenem Eifer die Karstensche Verbindung nur zu loben ver- stand, einen Eolmani heiraten mußte? Es blieb ein Rätsel und würde wohl nie gelöst werden. Und die- ses Rätsel warf feinen düsteren Schatten auf daS ganxe, einst so heitere, glückliche Danhofffche HauS.
Häufiger ging auch Isolde die Stufen des Hinter- Hauses zu der alten Frau hinan. Erst war eS zö- gernb, zagend, mit Herzkopsen geschehen, besonders wenn Friedrich nicht zugegen war, denn die Besuche waren nicht immer leicht gewesen, sie war getadelt, abaekanzelt worden, ohne Milde. Sie hatte umlernen müssen, vollständig umlernen; Lebensauffassungen, die sie mühsam in zweiunbzwanxig Jahren in sich aufgenommen hafte, unter ernsten Ermahnungen wurden sie ihr Stück für Stück vernichtet. Oft war sie mit Tränen fortgegangen, aber dennoch bald wie- bergefommen, weil sie unbewußt fühlte, daß Friedrichs Mutter auf dem abgeklärten Boden ber Wahrheit stand, und daß sie es gut mit ihr meinte trotz alledem — und sie nickt nur mMte, um sie zu tadeln, sonder um sie zu ändern Das kleine Zimmer war ihr sckon ganz vertrant geworden, ebenso wie die dick'-öuchire Porzellankaffeekanne und der übrige altvät-rllcke an «halt — nur vor der Schwiegermutter selbst hatte sie noch eine unüberwindbare Scheu,
J» 280.
Freitag 6. Dezember 1912.
durchzogen, fast gar keine Balken enthält. Von allen vier Seiten strömt durch große Fenster das Tageslicht in die einzelnen Arbeitsräume ein, deren Einrichtung in jeb’t Beziehung modern tst. Eine Zen- tralheizungsanlage verschafft bie nötige Därme, Be- lenchtung und Kraftbetrieb werben auf elektrischem Wege vermittelt. Einzelne Maschinen sinb bereits aufgestellt, sodaß der Betrieb vor kurzem ausgenommen werden konnte, lieber vierzig Personen finden zur Zeit daselbst Beschäftigung, obschon der Betrieb noch nicht in vollem Umfange aufgenommen ist. Erfreulich ist diese Vermehrung der Arbeitsgelegenheit namentlich für den Winter. ' Die einzelnen Arbeitsräume des dreistöckigen Gebäudes sind durch einen jfchrstuhl miteinander verbunden, der das Material m die einzelnen Abteilungen befördert.
FlitzbnMport. Der Fuldaer Fußball« verein bat nm kommenden Sonnlaa nacbm 1 «3 Uhr aut feinem Sportplätze „'«n der Bleiche' fein letztes Verbandss >iel in der 1 Sette. Der bc,sticke Kroft meifter der Sellien 1911/12 Betern für Beweaung-wtele (Stefan hebt der 1. Mannschaft mit der gleichen Beses Vereins gegenüber. Auf ein intetefsames Treffen dürfte, da eS ein Wiederholungsspiel ift, zu schließen lein. — Ilm 1 Uhr geht schon ein Spiel der Schüler des Letzter- femtnnrS Fulda gegen diejenigen des 2ei)ter|emtnat5 Schlüchtern am leiben Platze voraus. ----—--
Aus dem Nachbaraediete.
* Burghaun, 5. Dez. 1912. Dem Förster S ck u p- pelius xu Grüsielbach in vom 1. Januar nächsten Jahres ab die Forstet stelle Kleinalmerode übertragen worden. — Dte Försterstelle Treischfeld, O >er« fötnetei Burghaun, wird am 1. Januar 1913 eingezogen.
♦ Neukirchen (Rr. Hünfeld), 5. Dez. 1912. Die Diaul- und Klauenseuche, die fett einigen Wocken in unterem Orte berriebte, ist erloicken.
♦ Ans dem $ogel;b?rfl 5. Tez. 1912. Im Gegen- 'atz ,g den Pelzpret'en, die man tn den ästen be-ahlt, stehen diejenigen auf dem Lande Wa rend man in ersteren 80 Plg. für den Balg eines Feldbetten bezahlt, geben die Käufer in den Orten nur 20 P g. Sehr hock im Werte sind Die Fucksbälge gestiegen; die Pelzbä 61er bezahlen das Stück mit 12 Mark. Vor zwei Jahren erhielt man für einen solchen 3 Mark.
Flieden, 5 Dez. 1912. Am Montag war 2. und 3 Verkaufstermm des von den dctden Dar- lehn-taffen Flieden und Rückers an ekauften Auttz'fchen Anwe'ens, der Leid em üb le in Rückers. Dw Riühle mit Wohnhaus, nebst 26 Morgen Acker- und Wiesen- land, wurde für ztrca 18 000 Mk. an Herrn Karl Herbert in Keutzelbuch, Gern. Rückers, verkauft. Die Summe von 5900 Mk. als Bcandenftchädigung tüt die unlängst abgebrannten Oekononuegebäude werden an den Käufer ausbezahlt, fo daß die Rauffumme nur noch rund 12000 Rtk. beträgt. Der Rett des Gutes wurde parxeUicrt vc>kauft zu cineni Durch» schntttspreis von 380 bis 400 Mk. pro Morgen. Im> gamen wurden rund 33 000 Äftk erzielt; Zuschlag wurde Vorbehalten. Ta der Ankaufspreis 26000 Mk. detrua, verbleibt den Darlehnskassen ein Reingewinn von nicht ganx 7000 Mk. Von dieser Summe be- kommt laut Vertrag ber frühere Besitzer W. Anlh die Hälfte, die andere Hälfte fällt den beiden Kassen zu gleichen Teilen zu. Hier hat sich ro eher einmal die Zweckmäßuxkeft der Dabrlehnskassen gezeigt, indem sie den Grundbesitz vor Wucherhänden schützte. Die Rückerser Kasse wird es ihrer Fftedener Särncster Kaste Dank wissen, daß sie, weil allein zu klein und schwach, von ihr unterstützt wurde. Hätten bie Kasten schon vor Jahren bei dem großen Gute Lappenstetn, Gern RückerS, so gehandelt, dann hätten beide Gemeinden große Summen gewonnen und das Feld wäre m hiesige lanöbungrige Arbeiter- ober ähnliche Kreise gekommen. Nach oberflächlicher Berechnung bat der damalige Käuter, em gewißer Katz aus Schlüchtern, mehr als 60000 Mk. gewonnen. Hoffentlich arbeiten künftig beide Kasten in ähnliche!, Fällen wieder io. — Ttze Geflügelzüchtern statt. Ft ma Best, pachtete das ehemalige Ortniann'sch^ Anw.sen auf bem Eisentüppel, jetzt dem Bankier Sichel von Scklüchiern gebörg, zum jährlichen P ichlpreise von 600 Mark, um daraus eine (Sefliigclmä|terci zu errichten.
* Hofgeismar, 5. Dez. 1912. Im Kreise Hofgets- mar haben tm Jahre 1912 bie 51 Gemeinden und Gntsbezirke des Kreises |ür 37 604,88 Ri. O b ft verkauft. Da die Gemeinde - Obsternte höchstens bte Hülste ber Gefamternte beträgt, so wird der Werl des im Oberwesergebiet in 1912 geernteten Obstes mit 40 0<0 Mark nicht zu hoch emgetchätzt fern.
• Kassel, 5. Dez. 1912. In der vorletzten Nacht wurde tn einem Weinrestaurant ein Einbruchs- biebftabl verübt. Der Täter batte im Laden mit«
eine Angst vor deren Unzufriedenheit mit ihrer Person, bie dem Bewußtsein entsprang, daß sie ihr in keiner Weise genügte. Mit Schrecken dachte sie noch an ihre ersten Kochversuche in der niedrigen Küche, unter den Augen der Schwiegermutter und der mürrischen Magd, und an die Blicke, mit denen beide ihrer Ungeschicklichkeit gefolgt waren — welche eine verbrühte Hand, ein verdorbenes Gericht und einen zerschlagenen Topf als Resultat erzielte. Sie hatte sich gründlich geschämt und geärgert, aber nicht, wie Frau "Karsten erwartet, die Flinte ins Korn ge- worsen, sondern immer um Geduld unb um Anleitung gebeten, und mit vieler Mühe sich einige Kennt, niste erworben, welche sie dann glücklich, wie ein Kind, das in der Schule etwas gelernt hat, Friedrich hersagte, wenn er aus der Fabrik heraufkam. — Tas waren kurze Lichtblicke in den vielen, vielen Stunden voll düsterer Schatten.---
Die Sonne eines Septembertages war im Verglühen. als Isolde wieder einmal zu kurzem Besuch zur Schwiegermutter ging. Es war schwül gewesen von früh an, sie hatte den Tag über wieder viel Aufregungen daheim gehabt, und noch fast nichts genossen, sie konnte in letzter Zeit nicht mehr viel essen, so wenig, wie sie zu schlafen vermochte.
Sie saß mit Friedrich auf dem breiten Sofa, die Mutter, wie gewöhnlich, auf dem erhöhten Fensterplatz am Nähtisch, — sie erzählte gerade aus ihrer beschndenen Jugendzeit, mit wie wenig Mitteln sie ihren Ehestand angefangen, und wie einfach alles damals gewesen wäre — Es wurde Isolde schwer, ihren Berichten zu folgen, vor ihren Augen flimmerte es so seltsam, es war ihr, als ob bie einzelnen Gegen- stände im Zimmer in Bewegung gerieten und durcheinander fielen. — Tie alte Fran unterbrach sich plötzlich mitten im Satz, schob bie Brille in die Hohe und sah sckarf zu ihr hinüber.
„Sagen Sie mal, Kind, ist Ihnen schlecht?" Sie sehen zum Erbarmen au5, — es fällt mir schon seit einiger Lest auf, — kommen Sie doch mal her, cb c5 an der Beleuchtung liegt."
(Fortsetzung folgt)