2. Blatt.
T>ru<f fer cu'6ier Iciucrnu mi m fn’bo.
c* Fuldaer Leitung.
M 279.
Donnerstag 5. Dezember 1912.
jj-j Mahnende Gläubiger.
D<em allweil feuchtfrohen ftub. med. Klappenburg brachte ein gar stattlicher Berg frisch nngelaufener Rechnungen nieder einmal die trübe Gewißheit, daß Einnahmen und Lebenswandel noch immer in keinem harmonischen Verhältnis zueinander standen. Resig- niert begann er das Anklagematerial zu sichten. Kein Zweifel, einiges mußte alsbald erledigt werden, sonst gab's eine Katastrophe. Tabei hatten die lautesten Schreier, wie so oft aus dieser Welt, auch hier Vas meiste Glück. Es gab aber unter der unerquicklichen Rechnungssammlung auch wirklich alle Ton- arten, vom leisen piano bis zum fortissimo hinauf. „Wenn Sie bis zum 30. d M nicht endgiltig die schon so ett eingemahnte Schuld beglichen haben, werde ich die Hilfe des Gerichts gegen Sie in Anspruch nehm en . . ." schrieb eine hestige Natur; „Euer Hochwohlgeboren wollen sich geneigt eft der kleinen noch rückständigen Schuld aus dem Jahre 1907 erinnern. Für eine gütige Begleichung derselben würde ich lebhaft dankbar sein", erklärte die sanfte Inhaberin eines Herrenmodesalons. Lächelnd wurde ihr kulanter Brief dem Papierkorb überwiesen: die Zeit für die Berücksichtigung der Höflichen lag leider noch in nebelweiter Ferne. Tenn der rege Verkehr mit d:r Gläubigerwest hatte den bedrängten Studiosen all» mählig feinhörig gemach- die Tonart der Mahnbriefe verriet ihm genau, wie hoch noch der Verlaß auf d'e Geduld der Mahner anzulchlagen war. „Ich würde Ihnen dankbar sein . . nein, das war >a überhaupt kein 'Mahnbrief. Muß man von einer richtige Mahnung doch unbedenklich verlangen, daß sie d-s Gläubigers ernsten Willen, sein Geld zu bekommen, zweifelsfrei zum Ausdntck bringt.
Ja, welchen 8 to e tf haben denn Mahnungen eigentlich überhaupt? Der Schuldner weiß doch meist von selbst gut genug, daß er fällige Schulden bat und sie bezahlen muß. Und den Lauf der Verjährung vermag einfache Mahnung ja bekanntlick auch nickt zu unterb-echen; hier;» bedarf's vielmehr des gröberen Geschüyes der Klageerhebung oder der Zustellung eines Zablungsbefebls. Ist da etwa der Mahnung etnziger Zweck, die Erfüllung seiner Pflicht dem Säumigen nochmals eindringlich ins Gedächtnis zu rufen? Keineswegs. Vielmehr erblühen dem Gläubiger aus der M a h n u n g von Rechtswegen Früchte, für die die bloße Fälligkeit bet Forderung keinen Boden schuf.
Zum Exempel: Ich gehe zum Schneider und faire einen Rock Tie Zahlung unterlaße ich. Zinsen für den an sich sofort zahlbaren Kaufschilling ist irr Schneider zu erbeben aber erst dann befugt, wenn er mich um Tilgung meiner Schuld erfolglos mahnte Auch für die Kosten des Rechtsstreits um den Schuldbetrag kann die erfolgte Mahnung unter Umständen zu des Gläubigers Gunsten von Bedeutung sein.
Tarum sckeint uns der Satz: „erst Mahnung bringt den Schuldner tn Verzug" in mannigfachster Hinstch, einvrägenswert. Unbedingt und zweifelsfrei ist dem Schuldner der Wille, unser Geld von ihm nunmehr zu erhalten, kundzugeben. Die höfliche Form tut der Wirksamkeit der Mahnung aber selbstredend keinen Abbruch.
Gesetzt nun den Fall, man schreibt uns von vorn- herein: „Ich zahle Ihnen das angeblich Schuldige keinesfalls." Sind wir auch hier verpflichtet, durch Uebersendung einer Mahnung kostbare Zeit nutzlos zu verschwenden? Die Antwort lautet: „Rein" Vieltmhi macht unbedingte Weigerung des Schuld- nerS unsere Mahnung überflüssig. Logischerweise ist'S auch dort nicht nötig, obendrein noch ausdrücklich zu mahnen wo die Zahlungspflicht des Schuldners von vornherein kalendermäßig für eine bestimmte Zeit festgesetzt war. Hier übernimmt der Kalendertag die Erfüllung der sonst dem Gläubiger diktierten Pflicht der Mahnung Kauft also der Handelsmann B. ein Pferd von C. und macht als äußersten Termin zur Regelung seiner ZahlnngSvflicht den 19. Mai 1918 aus. dann gerät er nach erfolglosem Fristablaus ohne weiteres in Verzug. Eine Mahnung wäre solchenfalls eine mitunter vielleicht heilsame, vom Gesetz indesien nickt verlangte Zugabe. Das wird man namentlich Überall bori zu beachten haben, wo nur schnelles Zugreifen bedrohte Gelder zu retten vermag.
Hin und wieder hören wir auck einen Disput über mahnende Gläubiger, die ihre Forderung zu unschicklicher Stunde ober am verkehrien Orte in em« pfehlende Erinnerung bringen Der Leser benke sich also etwa eine Feier, zu der ein energischer Mahner
vor versammeltem Publikum dem Jubilar seinen Wunsch nach dem schuldigen Gelbe zu Ohren bringt. Taktvoll ist solch ein Mahnverfahren gewißlich nicht, und zu einer Beleidigungsklage kann es unter Umständen auch genügend Material liefern. Daß in« besten die auf diesem Wege ergangene Mahnung wirkungslos wäre, wird nach meiner Meinung nicht anzunchmen sein. Erhält doch der Schuldner hier gerade in besonders nachdrücklicher Weise Kunde von seines Gläubigers Wunsch nach dem Schuldbetrag.
Lokales.
Fulda, 5. Dez 1912.
# V-rlfthen wurde dem 'orst- und landwirtichafl" lichen Arbeiter Benedikt Vagus zu Flteden ba§ Allgemeine Ehrenzeichen.
# Personalien. Zu Regierungsbaumeistern sind ernannt die Regierungsbauführer Hane aus Wiesbaden und Kirchhoff aus Frankfurt (Main).
L- Kinderkranrheiten, wie Masern, Unterleibslei- den, treten gegenwärtig in unserer Stadt ziemlich häufig auf, Sahen ober durchweg keinen bösartigen Charakter und sind wohl eine Folge der schlechten Wit- terungsverbältniste Man sorge doch in der kalten und feuchten Jahreszeit dafür, daß die Kinder stets trockene uno warme Fußkleidung haben.
a Prüfungstermine. Vom Provinzialfchulkolle. gium ist die Aufnahmeprüfung für das Lehrerseminar auf den 13. und 14. Mär; 1913 festge- setzt. Die schriftliche Entlasfungsprüfung beginnt am 10. Sept., die mündliche am 17. Sept.
4 Em Zimmerbraub entstand gestern nachmittag gegen 1 Ubr im 1. Stockwerk des Wohnhauses des Metzgermeisters und Gastwirts Ballmaier, Psand- hausstraße 1. Schon brannten Gardinen und Bett, in dem das 3jährige Söhnchen des Herrn Ballmaier schlief. als ein im Auto vorüberfahrender Herr den Brand bemerkte und in das Haus eilte, um das schlafende Kind zu retten. Der Brand, dessen Ent- stehnngsurfache unbekannt ist, wurde dann sofort gelöscht
§ Ein Schaukensterbranb entstand dieser Tage in einem hiesigen Zigarrengesckäft. Das Schaufenster war mittels Watte in eine Schneelandfchaft verwan- beit. Als man abends die Gasbeleuchtung anzün- bete, ergriff die Flamme sofort bie Watte und tm Nu stand das Schaufenster in hellen Flammen. Der Brand konnte bald gelöscht werden.
1—1 Fin Konzert <fir das SturmluS^enkmnl, da? biet errichtet werden so'I robb der Wännetaefannneretn Winirid ia am Sonntaa, den 19. Januar 1913 anläßlich seiner STjflhriaen Bestehens unter Lei'ung de» Rai. Muiltbirekiors (Sottfr. Leber tm Stantfaale veran. Halten. Z»r M irlung sind hervorragende Solisten bereits verpflichte-.
•+■ Gefchicktkvrrein. Im Bürgerverein tagte gestern abend- die diesjährige orden'licke Versammlung deS Geichich'SoereinS. In Vertretung deS Herrn Vorsitzenden, Oberbürgermeister Dr. Antoni, begrüßte Herr Prof. Dr. Leim back die Anwesenden. Die RrcknungSablegung fü*- daS verflossene VereinSjahr durch Herrn Ed. Schmitt zeiat an Entnahme 2098,81 Mark und an Ausgaben 1208.91 Mark, so daß dem Verein ein Bestand von 889.90 verbleibt. Der Voranschlag für das Vereinsfahr 1912'13 sieht eine Einnahme von 2034 40 Mark vor, denen voraussichtlich 1783 Mart Ausgaben gegenüb erstehen. Herr Prof. Dr. Leimbach gab sodann einen kurzen Ucbcrblid über Leben und Tätigkeit im Verein während deS Berichtsjahres. In der Zeit verlor der Verein nicht weniger als sieben Mitglieder u. a. auch durch den Tod den geschätzten Herrn Geh. Baurat Hoffmann, dem der Vorsitzende einen warmen Nachruf widmete. Vier neue Mitglieder traten dem Verein bei, der jetzt insgesamt 134 Tlttplieber aufroeift. Anstelle teS Vorstandsmitgliedes Geheimrat Hoffmann rouve Herr Bibliothekar Dr. Scherer gewählt. Der Verein steht zur Zeit mit 91 auswärtigen Vereinen in schriftlichem Verkehr. Von den Arbeiten des Verein- auf literarischem Gebiet ist neben den regel« wäßiaen Vorträgen zu erwähnen, daß auf seine Veranlassung hin demnächst eine Bibliographie der <5d.ri|ten Georg WttzelS von Dr. Richter erscheinen wird; ferner tst in den nächnjährigen Etat ein Betrag für eine Arbeit über dte Mundarten in der Rhön von Tr. Glöckner eingesetzt worden Dte Vorttandswahl erfolgte oiann auf Wunsch durch Atllamaiion und zeitigte Die Wiederwahl der bisherigen VorstandSmstglieder. Darauf nahm Herr Runnmakr Iller das Wort zu dem Vortrag:
Mms Kel.'d.
16j Roman von Fritz Ewald.
„Laß die Vergangenheit ruhen, Liebster", bat sie, „meine Gegenwart und meine Zukunft gehören Dir allein."
„Ich danke Dir", antwortete er innig, „ich- vertraue Dir ganz unbedingt."
Als Isolde das Elternhaus betrat, sah sie sämtliche Zimmer festlich erleuchtet, — in der Küche hantierten fremde Hilfen und alle waren in merk- würdiger Unruhe.
Ta trat ihr der Vater entgegen, fein Gesicht strahlte förmlich:
„Meine Tochter, ich habe Dir eine große, freudige Mitteilring zu machen, unser Haus hat ein seltenes Glück betroffen, Deine Schwester hat sich heute mit dem Grafen Detlef Hühnenheim verlobt."
Ta flog ihr auch schon mit offenen Armen Illa entgegen:
„Isolde, ich bin die glücklichst- Braut unter der Sonne — ich habe nicht geglaubt, daß das Leben so schön sein könnte."
Und hinter derselben stand mit strahlendem Gesichte Hühnenheim, ihren Glückwunsch zu empfangen.
y^Iuf gute Freundschaft, meine schöne Schwägerin", so sagte er, ihre Hand an die Lippen ziehend, „nicht wahr, ich darf doch gleich das brüderlich-. Du erbitten?"
Frau von Winningen rauschte in großer Toilette herein, sie weinte und lachte in einem Atem. — „was lagst Du zu der Uebcrrafd;ung, Isolde? Dir sind alle noch ganz benommen, es ist ein großes Glück für Illa, eine Partie so ganz nach unsrem Herzen wo alles stimmt. Und wie herzerfreuend solche junge Liebe ist." Die Worte enthielten eine Beimischung an Vorwürfen, die Isolde wohl verstand.
Illa und Detlef zogen wie ein paar ve-gnügte Kinder, sich an den Händen haltend, durch alle Stuben, stets auf der Suche nach einem Plätzchen des Alleinseins, — sie hatten nur Augen für einander und küßten sich höchst ungeniert vor den Augen der
übrigen Familienmitglieder. Ueberall hörte man ihr Lachen und Scherzen.
Wolf war in gehobenster Stimmung und kam sich sehr wichtig vor bei seiner Beschäftigung, den Champagner auf Eis stellen zu lasiert Als er an Isolde vorübr-schritt, kniff er die Augen halb zu: „Die Illa hals besser verstanden wie Tu, — famoses Mädel, hat ihr Glück gemacht, — hättest es auch so haben können. — aber wie man sich bettet, so schläft man."
Der Hofmarschall trat zu ihnen und sagte mit halb abgewandtem Gesicht- ,?Hicr ist auch noch einiges für Dich gekommen, Isolde", er deutet? auf zwei Depeschen und einen Brief auf einem Nebentischchen. — Sie trat heran und überflog den Inhalt, Vas eine der Telegramme war von dem Gesandtschafts- Vetter, mit dem sir besonders gut gestanden und enthielt die Worte:
„Bin sehr überrascht sende aber trotzdem beste Wüniche Manfred."
Das andere war vom Mqjoratsherrn '.nlsendK und lautete:
„Nur auf diesem Wege unsere Glückwünsche.
Vetter Edgar."
Sie zerknillte bi* Depeschen in der Hand und sab finster vor sich nieder — sie wußte, es würde das letzte Lebenszeichen sein, das sie von beiden *rhielt — und wußte ebenso genau, daß von diesen Seiten morgen herzliche, hocherfreute Briese für Illa ein- treffen würden. Fast mechanisch griff sie nach dem Schreiben der alten Pensionsfreundin, es begann:
„Soll ich kondolieren oder gratulieren? Ich war anfangs beim Lesen von der Nachricht Deiner Per- li'bung im Zweifel, ob ich mich verlesen ober Du - "
Weiter las Isolde nickst, sie ritz den Brief in lauter kleine Stücke und streute sie in das Kohlenbecken.
Tie Eindrücke dieses Tages waren so verschiedenartige, stürmten so gewaltig auf sie ein, daß sie Den klaren Blick für alles, was um sie herum geschah, verlor und cs nur wie im Traum erlebte. Sie hatte ihre Eltern noch nie so strahlend, so sorglos heiter gesehen, hatte Illa nie so schön gefunden, Wolf nie so liebenswürdig. Es war, als hatte die Sorge, welche so oft auf dieser Schwelle gestanden, ihr für immer mit heute den Rücken gekehrt -Man ließ das Glück
? .SanilätSrat Dr. Eduard Marliny und die Gründung des Bades Salz ich lirt." Der Redner führte etwa folgende Gedanken aus: Schon im Jahre 1278 werden die Quellen zu Saiz« ftbltrf erwähnt, bis zum Jabre 1816 je ock nur zur Gewinnung von Kochsalz ausgenützi. Da Ku.Hellen genügend ©obren be’afe, wurde das Saltwerk nieder- gelem und die Brunnen zugetchüttet. Am 15. Juni 1836 wurde bet Graf und Standesherr von Schbtz, gen. ertz, von der Oderberg- und Salzwerksdirektion zu Kaffe! mit den noch vorhandenen, aber verschütteten Soo'qiiellen belehnt. Im Jahre 1837 kaufte Goertz den Garten, in dem die Hauptgelle gelegen ist, für 250 Gulden. Um diese Zeit weilte in Schlitz bei feinem Bruder, der Apotheker daselbst war, Dr. med. Ed. Martiny aus Ilmenau. Er lernte den Grafen kennen, und dieser sah in ihm den geetaneten Mann für das junge Bad. Im Jahre 1837 trat er ihm alle seine Rechte und Besitzungen zu Salzichlirf ab. Am 11. Januar 1838 erhielt et dann von der Oberbera- und Salzdirektion die Belehnung. Als M. die Q ellen übernahm, waren es sumpfige Plätze. Im Juni 1839 wurde die Quelle deS Bo ufatiu§brunnen§ kunstmätzig gefaßt. Vor dem Brunnenhäuschen ist ein kleiner Promenadegatten. Einige wenige Badewannen sind auigestellt. Im Jahre 1839 erbaute M. auf der von der Gemeinde verknusten Dorn wiese ein BadehauS, in dessen Manwrde M. Wohnung nahm. Im Jahre 1850 wurde das Badehaus erwei ert. 1844 wurde der Rinr trbrunnen und 1845 der Tempelbrunnen gefaßt, 1853 wurde bann auch die Schwefelquelle entdeckt und 1858 gefaßt. TI. wurde durch den Kurfürsten, der ihn als Aus! än der betrachtete, in jeder erdenklichen Art uno Weife im Betriebe gehindert. Eine Aktiengesellschaft, die M. gründen wollte, kam nicht zustande. Im Iahte 1858 berechnete M. feine Un kosten mit 24773 Gulden 46 Jtr. Am 19. Mai 1860 übernahm der lurhelstsche Staat daS Bad für 20 000 Mark. Im folgenden Iahte wurde der Tempel- brunnen tiefer gegraben und 1865 der Park hinter dem Badehaufe angelegt Durch Annexion kam daS Bad 1866 an Preußen. Erst am 8. Februar 1868 bekam TI. vom Ministerium die Erlaubnis zum Praktizieren. Am 26. Juli 1873 wurde TL daS Bad für 12000 Taler übertragen. Eine Gründergesell- schast hatte M. aufgefordert, daS Bad auf seinen Namen von dem Staate zurückzukaufen, weil man hoffte, daß der Staat TI. einen billigeren Kaufpreis mache, um ihn lüt bie Verluste, die er durch die Maßnahmen des Kutsürsten erlitten hatte, zu ent« sckäd gen. Bald nach dem Ankauf ließ M. daS Bad auf den Namen der Gewerlfchaft überschreiben und nun wurde ihm am 1. Nov 1874 die Stelle al» Badearzt und technischer Leiter de» Bade» Salzschlirf gekündigt. Am '24. Sept. 1876 starb M im 67. L be Sjghre. — Für seinen bi» in» Kleinste gebenden lehrreichen Vortrag ernt-te der Redner ungeteilten Beifall. An der Versammlung nahmen auch einige Verwandte Manyni» te l.
j V. II. C. Am Montag wurde in der Monat». Versammlung u. a. auch das Wander-Programm des Vereins für das Jahr 1913 feftgelegt. Folgende Wanderungen wurden in Aussicht genommen: Januar: Fulda-S blitz; Februar: Milieburg-Kleinsaffen-Fohlen- weide-Langenb eher; März: Schlücktern-Kreffenbach- Uimbach-Teufelsl öhle-Lchlüchlern; April: Wallenrod- Meiches - Dirlammen - Frischborn»Lauterbach; Mai: Fulda - Harmbach - Femelsrnhe - Hell gkreuz - Giesel- Neuhof; Juni: Lauterbach «Allmenrod-Storndorf- Alteuburg-Alsfeld; Juli: Herbstein-Langenhain-tzohe- rodSkops - Hockwaldhauien (Hoherokwkopf • Fest be» ganzen V. H C.); August: AngerSbach-WillosS-Eifen- berg-Schsttz (Sttftungswanderung); September: ®er8« feld-Oberichausen-Fuldaquelle Wasserkuppe-Abtsroda- Thlfeburg; Oktober: Götzenhot - Steinau - Steinhaus« Roßkuppe-Tammersbach-Hünield; November: Fulda- Johaunesberg-Ausipann«Tiefengruben-Neuhof; Dezember: Fulda-Edelzell-Engelhelms-Adolfseck-Bronn« zell. Die Daten der einzelnen Wandertage werden stets einige Wochen vorher bekannt gegeben.
+ Oberheffische Eisenbahn. Das Reineinkommen der bei fi| dien Staatseifenbahn, soweit e» der Besteuerung durch die obgabeberecbtigten preußischen Gemeinden im Bereiche der oberbeifischen Eiienbahnen (Fulda, Großenlüder, Oberbimbach, Salzschlirf, Lieblos und Gelnhau'en) unterliegt, ist für da» Steuer» fahr 1912 auf 40443 Ttt. gegen 31795 Ml. im Vorjahre festg stellt worden.
Gegen die Maul- und Klauenseuche richtet sich ein Erlaß des Landwirtichastsminiflers von Schor- lemer, m dem er Die narbgeoteneten Behörden am*
Aus dem Nachbargebiele.
-0- Mackenzell, 4 Dez. 1912. Heute schied Sen: Pfarrer Gut beriet nach 14>ähriger, rastloser Tätig- fett von uns, um die Pfarrei Kämmerzell zu übernehmen. Tiit nie ermüdendem Eifer war derselbe bemüht, die ihm anvertrauten Seelen ihrem Schöpfer »umführen. Er ließ 1905 eine Mission und 1911 ein eucharistische» Triduum abhalten, worauf der Sakramentenempfang außerordentlich zugenommen bat Auch auf die Ausschmückung de» Gotteshauses war Herr Pfarrer ©albertet bedacht. So ließ er unsere Pfarrkirche stilgerecht restaurieren für die Filiale Nüst sammelte er einen ansehnlichen Bau- 'onds, sodaß dort in absehbarer Zeit eine würdige Kapelle errichtet werden kann. In Molzbach selbst wurde eine schöne Sakristei erbaut. Daher liefe e» sich die Plärrer nicht nehmen, ihrem scheidenden Pfarrer al» Zeichen der Liebe und Dankbarkeit recht sinnige Andenken zu überreichen. Möge ihm der Himmel alle» reichlich belohnen. .
V • Witzenhausen, 4. Dez. 1912. D.e Arbeiten zu der GeistertaIbabn Grofealmerode-Eichenberg werden wobt in Kürze beginnen. D>e erste Aus. schreibung für die Arbeiten ist dieser Tage erfolgt. Die Verhandlungen mit den Grundeigentümern zum Erwerb der nötigen Ländereien sind abgeschlossen. Bezahlt wurde je nach Lage und Bodenart 75 Pfg. bis 1 25 Mark für den Quadratmeter. — Als Abge- ordnete für den Kreistag sind die feitbengen Ver. tretet, Bürgermeister Wickseldt und Fabrikant Joseph, wiedergewählt worden. 1A
* ©erntet ote, 4. Dez. 1912. Der bereit» vor 10 Jahren gefaßte Plan der Erbauung einer Bahn rür da» Meißner-Borland ist jetzt wieder abgegriffen ""♦^efditoege, 4. Dez. 1912. Dir im Januar 1910 ins Leben gerufene „B o r t u r n er v e r e i n i g u ng Oberweier" hielt hier ihre 3. Zusammenkunft ab.
* Aus Thüringen, 3. Dez. 1912. Das Konkurs- verfahren wurde über das Vermögen des Bürgermet« sterS Scherfs in Kranichfeld eröffnet. Emen Steckbrief hat man noch immer nicht erlassen. — Französische Werber haben zwei junge Leute aus Friedrichroda für die Fremdenlegion angewor-
fordert, nunmehr mit allen Mitteln auf die völlige Unterdrückung btt Maul- und Klauenseuche hinzu- wirken. Hierzu erscheint in erster Linie die Abschlachtung der verseuchten Bestände bei Neuausbrüchen in sonst seuckensreien Gebieten geeignet, auch wenn dadurch größere Aufwendungen von Staatsmitteln not- wendig werden. Es hat fick gezeigt, daß bei Anwendunx der Tötung der Erfolg bisher stets ein günstiger ge< roeien ist. In allen Fällen, wo eine Tötung nicht am Platze ist, sollen bie oeterinärpolweili ten Sperr« maßregeln mit aller Sckärse durckgeführt werden.
-l. St. Nikolaus. Ein Freud en tag für die Kim derwelt ist der 6. Dezember, an dem der hl. Nikolaus, auf feinen Pilgerstab gestützt und mit vielerlei schönen Gaben bepackt, im Schutze der Nacht durch die Straßen wandert. In unserer Stadt findet heute nach altem Brauch? vor der Pfarrkirche der Nikolausmarkt statt, auf dem der freigebige Bischof von Myra seinen Bedarf für die Schenkungen ergänzt.
& Der Domplatz als Rodelplatz. An den beiden vergangenen Abenden konnte man beobachten, daß ver etwas abschüsiige Domplatz eifrig zum Rodeln benutzt wu-de. Daß dies einmal nickt im Jnlerrsie des öffentlichen Verkehr? und zum andern auch nicht der Wurde des Ortes entspricht, bedarf Wohl keines näheren Be- tocifzS.
§ Die ersten Fuhren Chrislbäume trafen heute früh bei den hiesigen Gärtnern ein. Die Preise sind diesmal höher als im Vorjahre.
f*i Mitteldeutscher ArbeitsnachweiS-Berband. Soeben ist der 5. I hreickerrckt deS Mitteldeutschen «rbel'Snach. weisverbandes, umsaffend die Provinz E>effen-N'flau, da« Mroßherzoatum Heffen, da? Fürstentum Walbeck und die Kreile Kreuznach und Wetzlar, erschienen Die Ar- beitSnachweise wurden fast überall organisatorisch weiter gebildet, und auch auf dem Lande entwickeln sich die von den Streifen geschaffenen KreiSarbeiiSna»weise in bester Weise. Der Bericht trägt reiches M rterial zu einer Reihe von Problemen, mit denen sich der Offent. liebe Arbeitsnachweis beschäftigt, bet, insbesondere über bie Beziehungen zwischen städtischem und ländlichem Ardettsmarkt, über die Saisonschwankungen bet einzelnen Gewerben vnv über die Lehrstellenvermittelunq. Bon besonderem Interesse ist auch die Darstellung der nicht- öffentlichen Arbeitsnachweise, sowie die Grgebntffe einer Erhebung über die gewerbsmäßigen Etellenvermutler in beiden Heffen.
und das junge Paar immer wieder in schäumendem Champagner leben, — aber keiner schien auch nur mit einem Gedanken sich daran zu erinnern, daß vor noch nicht 24 Stunden die ästest: Tochter dieses Hauses sich verlobt hatte, man wollte nicht daran erinnert fein, — man sah lächelnd darüber hinweg.
Isolde litt viel mehr als sie selbst geahnt hatte unter dieser Zurücksetzung, — vor ihren Ohren wurde das viele Lachen zu nervenschmerzendem Lärm, ihr war das Weinen nahe. Und es kam ihr so töricht vor, das übermütige Brautpaar, sie wußten gar nicht mehr, auf was sie eigentlich anstotzen sollten, und dann fiel ihr Blick auf die Ahnen an der Wand.
„Sieh, Illa", Detlef beutete mit der Hand hin- über, „den alten Herrschaften da drüben sind wir doch rigentlich zu großem Dank verpflichtet, wenn sie nicht immer ganz nczch Tradition geheiratet hätten, könnten wir fetzt nicht zusammenkommen, wir wollen ein Glas zum Dank auf sie leeren", — und sie hoben die Champagnerkelch-:, verneigten sich geg:n die schon halb verblaßten Bilder an der Wand, ließen die 24 Ahn-- leben vnb wollten sich ausschütt-n vor Lachrn.
Wenn Isolde geglaubt hatte, bie Nacht würbe ihr die heißersehnw Ruhe bringen, so irrte sie. Die kleine, vor Erregung fast fiebernbe Braut, schwatzte unaufhörlich auf sie ein.
„Du glaubst ja nicht, wie er mich liebt, Isolde", plapperte sie, er vergöttert mich, — auch seine Tante, die „den Kommiß" gibt, ist ganz weg in mein Bild. Wir wollen schon furchtbar bald heiraten, und gehen natürlich dann an die Riviera. Ich bekomm; »ine perfekte Köchin, ich darf mich um nichts in der Wiri- schast kümmern, ich soll nur schön immer elegant und für ihn parat sein. Detlefs Verwandle sind alle furcht« bar vornehm, noch viel vornehmer wie unsere; — Eltern hat er ja nicht mehr, aber Geschwister — tip-top! — Zu unserer Hochzeit kommen allein vierzehn Grasen, nur engste Familie. Ich bekomme einen Spitzenschi ner zur Trauung, der schon hundert Jahre in der Familie ist und in dem schon vier Prin- zeffinnen getraut sind. Mama gibt mir den alten Familienschmuck der Winningens, der eigentlich der ältesten Tochter zukommt, — aber Tu hast ihn Dir ja verscherzt und ich kann ihn als Gräfin auf allen Hofgesellschaften brauchen."
So ging es noch eine ganze Weile in derselben
Tonart fort, dann unterbrach sie sich plötzlich „ach, letzt mutz ich aber wirklich versuchen zu schlafen, ich habe nur noch drei Stunden Zeit, Detlef kommt schon zum ersten Frühstück, — er würde außer sich fein, wenn ia? blaß und übernächtig wäre."
Isolde faßte sich an den Kopf, ihre Schläfe häm- meiten, die Hände waren eiskalt. — Wirre Bilder des Trauerns, ängstigten sie bis zum Beginn deS Tages. Sie sah die groß; bauschige Famistenkaffee- kanne der Karstens in Lebensgröße auf sich zukommen, sie trug die Züge der Schwiegermutter, und wies sie zurück mit den Worten:
„Mach, daß Du fovtkommst. Du patzt nicht zu uns" — bann wollte sie heimkehren, aber an ber Tür standen Rolf unb Illa, sie hillten ben Familienschmuck in den Hänben, wehrten ihr den Eintritt und riefen: „Di gehörst nicht mehr zu uns, das hast Du Dir verscherzt." Als sie erwachte, war ihr Kissen feuckft von Tränen.------
10. Kapitel.
Der Flieder verblühte, — bie Rosen erglühten, — aus frühlingswarmen Tagen wurden fonnen- omckglühte Wochen.
Im Hause Winningen wurden mit vollem Eiset He Vorbereitungen zu' Illas Hochzeit getroffen, nur noch Wochen trennten sie von dem großen Ereignis, das gleich nach dem Manöver stattfinden sollte. Illa befand sich in standiaer Erregung und Hetze, weilte halbe Tage in den Geschäften stundenlang bei der Schneiderin, vertieft in Beratungen und Anproben, — denn die fürstliche Tante hatte als Hochzeitsangebinde eine ziemlich namhafte Summe zur Vervollständigung der jungen Häuslichkeit gesandt, — nun konnte alles so elegant wie möglich gewählt werden. Hühnenheim kam täglich und wurde nicht müde, für Illas Berichte stets das lebhafteste Interesse zu zeigen, — es wurde unausgesetzt gelacht und gescherzt; Illa trällerte und fang von fruhauf im Hanse umher, sie tat eigentlich nichts und war ihrer Meinung nach doch den ganzen Tag in dauernder, einiger Beschäftigung. — Schon war die Zeil gekommen, die Einladungen für bie Gäste zur Hochzeit ergehen zu lassen, das Brautpaar saß vrrtiest vor langen, weißen Listen, sie mit Trägern von aus- gewählten Tarnen oder Titeln zu füllen. (F. f.)
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