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recht zu beugen, entheben. Auch in den Augen derjenigen, die nicht in jahrelanger Geschäftstätigkeit etiaaten haben, mit w.lcher Peinlichkeit unv mit welcher über allen Heinen Sonderin eiesien erhabenen Bundestreue Bayern zum Reiche fleht. Beifall.» Was hat denn nun der Bundes» tat auf den Antrag Bayerns beschlossen- Doch nicht daS Jesuitengesetz! Das deil.ht feit 40 Jahren. Ja, ich würde die Erregung in katholischen Kreisen verliehen, wenn wir jetzt neuerdings den Orden der Geiellschast Jesu vom deutschen Reiche ausgeschlossenHälen. Das ist aber nicht der Fall. Der Äunbesratsbeichluß vom 28. November kodifiziert lediglich die Praxis, nach bet ein bestehender Reichsgesetz ausgesührt roor.en ist. Der Herr Abg. Spahn hat das bestritten. Er sieht in dem Bundesratsbeichluß eine Verschlimmerung des be­stehenden ZustandeS (Sehr richtig! im Z nirum) und er bat zum Beweise dessen eine Reihe von Details hier vorgesührt. Ich muß es einem meiner Herren Mit» arbeitet überlassen, auf die'e Details zu antworten. Bei der Handhabung des Geietzes bat man. sich, namentlich in der letzten »seit, von »eher Nachschnüffelei, von jeder Schikane ferngehalten. Die bestehende Handhabung des Geietzes zu ändern, ist nicht Zweck und Absicht des setzigen Bundesratkbeschlusies. Wenn Sie, meine Herren vom Zenirnm, aus der Behandlung der Jesuitensrage durch den Bunderrat, die. wie ich wiederhole, eine Neue ung nicht gebracht hat, den Sch utz ziehen — so lautet Ihre Erklärung —, daß die Beoütimsse der kaiholischen Be­völkerung überhaupt vom Bundesrat nicht gerecht behandel werdensollen, n>ennSitbe§baib,roieSie es tun,dknr Bundes- lat und nur das Vertrauen tündiqen und wenn Sie darnach Ihr gesamtes politisches Verhalten em richten wollen — ja, m H., was betfit das anders, als daß S e die Jeiuitenstage zum Eckitem ihres politische» Programms machen. Meine Herren! Daß Sie (zum Zentrum) als Mitglieder einer Kirche die Beseitigung des I es u it e n ge» etzes hetbeif ebnen, roer will Ihnen das verübeln Ab r neben den 24 Millionen Kat otiken leben 40 Millionen Evangelische — beide Söhne eines Volkes und in allen Schickungen des iwnonakn Lebens auf Gedeih und Verderb ,u,ammenae»chmieoet. iSehr richtig! b. 0.911) Eine geicbid.tlrctje Tallacke ist es, daß sich da? evangeliiche Volksempsindeii von »eher gegen d re Tätigkeit der Jesuiten heuig gekehrt bat. Das tft eine Talsache, die Sie nicht wegleugnen können. Eine streitbare Tüchtigkeit, die die Jesuiten in vergangenen Ze ten aut allen Ge­bieten, in Kirche, in Politik, in Schule entfallet haben, ihr internationaler G'iara ter, ihr Widttitrebcu gegen die B Id ung des modernen Siaaisgeb inlens hauen oe.i Orden w ed.ri.olt Nicht nur mit den- Piote Zanten, sow de.n auch in rein katholischen Ländern nut den Staats- regi-rungen in Widerfpiuch gebracht (Sehr richtig! b. d Nail.) - und da können Sie sich nicht wundern, wenn in evangelischen Kreisen bet der Frage der Zulalsung oder Nich tzulass ung der Je» uiter vielleicht unbewußt, aber doch immer wieder die Erinnerung an die Zeiten nach zittert, in denen fanatischer Glaubenshaß unser Vater land rerrtß. Möge uns das Geschick vor der Wieder­kehr solcher Zeiten bewahren. Deshalb muß ich mein' warnende Summe erbeben, wenn setzt dem tattiolischen Teil Deutschlands der Br- idesratsbeschluß als die Wieder- er Öffnung des Kulturkamrss dargestellt wird. Dieienigen, die das tun, laden eine schwere Ve>aniwortung auf sich, die sie weder mit dem Inhalt des Bundesraisbeschlusses noch mit dem Hergang, der zu feiner Fassung geführt hat, vertreten können. (Bestall b. P. Natl)

Abg. Gras Westarp (t): Die Erklärung des Reich?- kanzlers, daß die bisherigen Bestimmungen und die Handhabung des JesuiteugeietzeS nicht verschärft werden sollen, ist erfreulich. Die Auslegung des Bundesrats steht im Einklang mit der Au leguni, die man seit 40 Jahren dem § 1 des Jesuuengeietz s gegeben bat. — Der Etat b'etei em Bild eines guten fiuan teUen Fortichriites, die Folge der auch von uns 1909 be­schlossenen Reicksfinanzreform. Unser.Anleihenbedarf hat sich immer mehr verringert. Die Börte hat fick in der letzten Zeit der Kriegsbereitschast nicht g wachten gejeigt. Wenn die Heeres- und Piarineverwallung glaubt, daß sie die Zeppelin-Lustschiffe für ihre Zw cke ge­brauchen können, dann müssen mir die zu eriüaticitöen Vorlagen bewilligen. Für weitere Steuern muffen wir unsere Stellungnahme uns voibehalten. Der Ernst 6er Stunde verlangt Ruhe und B e f onn en h er I; Nervosi­tät im Wirltchastlichen ist nicht angebracht. (Beif. rechts.)

Donnerstag: Weiterberalung. Außerdem Petroleum­monopol, Interpellation wegen Koafttionssreiheil und Wagenmangel.

Prentzischer Lauvtag.

Sitzung vom 4. D^ember 1912.

Auf der Tagesordnung steht zunächst die Inter­pellation der Abgg. Wallenborn und Genossen über den Notstand der rheinischen Winzer.

Abg. Wallenborn (Ztr.): Die Fröste Anfang Oktober haben dem ohnehin schwer geplagten Winzerstand eine schwere Schädigung gebracht. Im Bezirk des Trierischen Bauernvereins beziffert sich nach angestellten Ermitt. lungen der Schaden auf 18 Millionen Mark. Diese Schätzung ist aber wahrscheinlich noch zu gering, denn der größte Teil des Rheines, der Nahe, die Mosel unter­halb Cochem unb die Ahr sind hier nicht mit inbegriffen. In der Hauptsache werden kleinere und mittlere Wein­bauer davon betroffen. Der Herr Landwirtschaftsmini­ster hat früher Staatshilfe in Aussicht gestellt, aber wir bitten um Maßnahmen durch Gewährung niedrig ver­zinslichen Notstandsdarlehn, oder steuerliche Erleich­terungen oder entgegenkommendes Zusammenarbeiten der preußischen Zentralgenossenschaftskasse mit den vor­handenen Genossenschaften verschiebener Art. Es muh im § 7 Verschnitt- und Einfuhrfrage anders geregelt werden, trenn nicht der gesamte deutsche Winzerstand zugrunde gehen soll. (Zustimmung.)

Landwirtschaftsminister Frhr. v. Schorlemr: Trotz der günstigen Aussichten im Oktober richtete der Frost bedeutenden Schaden an. An eine Abänderung des Weingesetzes von 1909 oder Erlaß eines Notgesetzes den- ken wir nicht, zumal der Wein sich nicht mehr im Keller der Winzer, sondern in den Händen der Weinhändl"- befindet. .Den Schaden des Jahres 1912 können bis Winzer aus eigener Kraft wettmachen.

Abg. Heckeuroth (kons.) hätte eine weniger ablehnende Haltung der Regierung gewünscht.

Abg. Dahlem (Ztr.) bedauert ebenfalls die ab- lehnende Haltung deS Ministers gegenüber dem tat­sächlich vorhandenen Notstände und erklärt sich gegen eine Aenderung des Weingesetzes von 1909, besonders der §§ 3 und 7.

Abg. Engelsman» (natl.) ist gleichfalls gegen Aen- berung des Weingesetzes.

Abg. Dr. Krüger (Vp.) ist gegen die Interpellation.

Abg. v. Kloben (fonf.f fordert Erhöhten Zoll für aus. ländischen Wein zum Schutze der Winzer.

39. Jahrgang

Donnerstag den 5. Dezember 1912

Nr. 279

Liehungslisten der preußisch-süddeutschen Klaffen-Eotttrie. — Salbjährlich Toschenfahrplan.

r. :: wochen-Deilage: ~ ~

Illustrierte Sonntagszeitung

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Fuldaer Seschichtsblütter

erscheint tägsich mH Ausnahme der Sonn- und Seleifage. CTertel- iährllcher Bezugspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Hulda sowie auswärts 1.50 Mark. - Rotationsbru* und Verlag der L z Zuldier flctienöruckerei in Zulda. Zemlprecher Nr. 9- - -

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deutscher Reichstag.

Sitzung vom Mittwoch, 4. D e aber.

Tm Bundecraistifche Slaaisielrelär ftühn TIrpttz. Präsident ftämof eröffnet die Sitzung um 1.20 Uhr.

Tie erste Lesung deS Etat» wird fortgesetzt. Ausaeichloffen von der Debatte sind die Fragen des PeiroleumemonopolS, der KoallttonSsrei- heit der StaatSatbiiter und DeS Wagenm ingelS, die in beionDeten Vorlagen bezw. als Jnlerpellationen vethan- dell werden tollen.

ReicksichatzfeiretSr Kühn gibt ein Gesamtbild über die allgemeine finanzielle tiaqe, das lehr günstig lautet und leib’t für das Jahr 1912 auf einen bett ächt- liehen lieber schuß rechnen läßt, llnsere Industrie zeigt einen solchen unerwarteien Aufstieg, daß von einer Hochkonjunttur im wahr len Sinne des Worte? ge­sprochen werden kann. Sticht zu be urchten ift, öae un­sere Anleihen im nächsten Jahre, wie in der Preise ei- örtert wurde, den Betrag von 5 Milliarden erreichen werden. Seinerzeit ist einmütig beschlossen roorcen, die Rerchsfinanzreiorm mit einer Retchsbeutz neuer ab» zu'chiieuen. Ich möchte mich noch nicht darüber aus« lassen, welche Form sie amiehmen w.rd.ov tue einer Besitz'teuer oder einer Erbsch ifisiteuer Am M nisier- tisch erfcheinen Delbrück und Trott zu Solz.l Ich he e die Ht sinung, daß es cem feeigen und dem zu­künftigen Staatssekretär mit Unterstützung des Reichs­tages gelingen wird, an den Grundlätzen der Finanzpolitik sestzuhalten. Wenn das oer Fall sein wird, werden die tünfligen Etats bei Ausschaltung der Anleihen noiwendig noch loltbet fein als bet gegen­wärtige. Es ist mögli gewesen die festen Grundlagen uni eres Etatswesens auch für die nächste Zukunft auf­recht zu erhalten, und wir haben das getan trotz der neuen Siu "gaben für unsere Wehrmacht. Einschrän­kung des Bedarfs, Zurückstellung aller Aus- gaben, für die leine Deckung vorhanden ist, das muß allzeit uni er Ziel fern. Sehr richtig!) Es ist fetzt ein Jahrzehnt veistossen, seitdem für uns eine Periode der Zufchußanlelhen begann. Hetzen wir auf alle Wetze, daß derartige Zustände nur noch der Geschichte anaevörev

Abg. Frank-Mannheim (Sog.): Besonders stolz kann der Staatssekretär auf seine großen Ueberschufse nicht fein. Die breiten Massen der Besitzlosen haben tue Lasten zu tragen. Wir haben Bedenken, uns der Be- sitzsteuer zu freuen, wenn etwa wieder Bestimmungen getroffen werden, durch die die breiten Massen aber- malS belastet werden. (Der Reichskanzler erscheint im Saale, i Wir sind noch immer mitten in der schul- denwirtschaft. Für sanitäre Zwecke werden wenige tau- send, für Heer unb Marine aber Millionen eingesetzt. Für soziale Zwecke ist so gut wie nichts im Etat zu fin- den. Das deutsche Proletariat gilt in der ganzen Welt als musterhaft, trotzdem aber wird das Koalitionsrecht oer Arbeiter und Angestellten beschränkt und das Ver­eins- und Bersammlungsrecht mißachtet. Wenn die Sozialdemokratie in der Arbeiterfürsorge vorgeht, so wird sie von der Regierung nickt unterstützt, sondern in ihrer Selbsthilfe vielmehr behindert. (Unruhe.) DaS Zentrum, das gegen die Friedensdemonstrationen der Sozialdemokraten sich so ins Zeug legt, hat selbst De- monstrakioncn zugunsten der Jesuiten veranstaltet. Die Entscheidung des Bundesrates in der Jesuiten- frage war eine erfreuliche Erscheinung, sie ist eine Niederlage des Ministeriums Hertling, weil es nicht an­geht, ein Reichsgesetz durch eine bayerische Verordnung llusorisch zu machen. NamenS meiner Partei kann ich erklären, daß wir keine Angst vor den Jesuiten haben und nach wie vor für die Aufhebung 'deS Restes des Jesuitengesetzes sind, obwohl auf Katholiken­tagen und in den Eingaben der Kirchenfürsten die Je- fuiten empfohlen werden als bestes Mittel gegen die Sozialdemokratie. Ja, wir sind sogar förmlich ungedul- big auf die Jesuiten! (Heiterkeit.) Wann kommt denn Ihr Antrag, wann kommt Ihre Interpellation? (Heiter­keit bei ben Sog.) Es ist in der Zentrumspresse viel davon geredet worden, daß eS nunmehr Zeit sei, ene-. gisch gegen die Regierung Opposition zu machen. Ein Teil der Zentrumspresse hat sich schon zu reckt heftigen Tönen emporgesckwungen. Tie Augsburger Postzeitung schreibt, in Deutschland regiere nicht die staatsmännische Klugheit, fonbern der Evangelische Bund unter dem Protektorat einer hohen Dame, bie ihren Unterricht über den Katholizismus in Mecklenburg genossen habe, und die auch nach ihrer Uebersiedelung in die Hauptstadt keine Gelegenheit gefunden habe, ihre Auffassung über Katholizismus und katholisches Wesen zu korrigieren. Wir haben so viele verantwortliche Staatsmänner: ba ist es wirklich ein starke? Stück, baß man sich für seine Angriffe eine nickt verantwortliche Frau herausgesucht. Ich glaube, so scharfe Angriffe wurden gegen politi­sierende Damen des Hohengollernhauses nicht mehr ge­richtet feit Bismarck. Also, für das Zentrum ist das Morgenrot ber Opposition aufgegangen. Die Herren vom Zentrum sind aber seit 1909 derartig als Siegte« rungStruppe einerergiert, daß sie, auch wenn sie wollten, gar nickt mehr fähig sind, als Freischärler ber Oppo­sition aufzutreten. Im vorigen Jahre fühlte fick baS Zentrum schwer verletzt durch Aeußerungen deS Herrn von Heerinaen und waS kam schließlich dabei heraus? Eine Militärvorlage. (Heiterkeit bei den Sog.), und schließlich stimmte daS Zentrum seelenruhig für daS Gehalt deS KrieasministerS unb be? Reichskanzlers, ber für all diese Dinge die Verantwortung trägt. Wir werden für die Aufhebung deS Jesuitengesetzes stimmen. Tie Gefahr für die politische Entwicklung in Deutsch- land rnb nickt die Jesuiten — wir haben deren schon gen: im Lande — sondern ber K'erikaliSmus als poli­tische Erscheinung. Wir nehmen für uns in Anspruch, baß wir ben KlerikalismuS wirklich bekämpfen, aber nicht mit Polizeigesetzen, sondern durch eine ehrliche, konse­quente, demokratische Politik. (Beifall bei ben Sog.)

Abg. Dr. Svalm (Ztr.): DaS Interesse an ben Zah­len des Etats tritt für uns hinter die Frage deS Er­lasses des Bundesrats vom 28. Nov. gum

Jesuitengesetz.

Abg. Frank meinte, wir könnten überhaupt nicht Oppo- sition macken, und führte gum Beweise dafür an, daß wir trotz ber Tuellfraae den SeereSetat bewilligt hätten. Tie D u e 11 f r a g e ist jedoch noch nickt erledigt. (Sehr richtig! im Ztr.) Der Kriegminister hat damals eine Aenderung der Kabinettsorber zu ungunsten ber Duel­lanten in Aussicht gestellt. BfS jetzt ist biefe Kabinetts­orber nickt ergangen. A' er wir waren ber Ansicht, daß eS richtiger sei, wenn es gelänge, mit Hilfe des Kriegsministers eine Besserung ber Zustände herbeizu­führen, als fruchtlose Demonstrationen zu machen. Der Dbg. Frank war ber Ansicht, es handle sich in der Frage des Jesuitengesetzes um eine Niederlage deS Mini steriüms Hertling. Ich werde Gelegen- heit haben. Ihnen zu zeigen, daß es sich dabei um Tif- erenzvunkte von ganz unteraeorbneter Bedeutung ban­

delte, derentwegen ich, wenn ich bayerischer Minister­präsident wäre, überhaupt nicht an den BundeSrat her- angetreten wäre. Nach dem geltenden Recht ist der Orden ber Gesellschaft Jesu unb bie ihm verwandten Orden unb Kongregationen vom Gebiet bes ^.euticken Reiches ausgeschlossen. Die gum Vollzug dieses Gesetzes erforberlicken Anorbnungen werben vom Bundesrat er. lassen. In ber parlamentarischen Geschichte ist es ein einzigstehenbes Ereignis, baß ein Parlament ferne ganze gesetzgeberische Befugnis in biefer Materie aus den Händen gab und in die Hände des Bundesrats gelegt hat in einer Weise, die dem ReickStag eine Aenderung für die Zukunft unmöglich gemacht hat. (Sehr richtig! im Ztr.) Auf Grund der landeSpolizeilichen Befugnisse hat daS preußische Ministerialreskript vom 28., September 1872 jede priesterliche unb seelsorgerische Tätig' t ver­boten. Ich betone, man hat hier festgehalten an bem Ausbruck: „Die seelsorgerische Tätigkeit". Dann kommt bie Aufhebung bes § 2. Unb nun erläßt nach ber Aus- Hebung bes § 2 Preußen ein weiteres Ministerialreskript, in dem es bas frühere teilweise aufhebt unb bie Lesung einer stillen Messe, die Primiz, die Austeilung der Sa­kramente gestattet. Dennoch kommt Bayern und legt ben Erlaß dahin aus, daß die Konferenzvortrage und bte Aushilfsseelsorge gestattet fein sollen, und damit setzt die Erregung ein. Das allerdings muß ich von vornherein einsetzen, daß die katholischen Ge­müter auf daS tiefste erregt wurden. (Sehr richtig" im Ztr.) Ich kann nur das eine sagen, her Ge- banke, daß die Aufhebung des Jesuitengesetzes den Ion. fessionellen Frieden in Deutschland gefährden könne, ist uns niemals gekommen. (Sehr richtig! im Ztr.) Wir sind alle davon überzeugt, daß die Aufhebung des Ge­setzes den konfessionellen Frieden f ör- dern werde. (Lebhafte Zustimmung im Ztr.) Der Red­ner verliest sodann Teile der Eingabe ber bayeri- scheu Bischöfe, in ber auf ben Ernst der Sage in Deutschland, auf die Sorge unb Spannung ber Katho- liken unb ihre schweren Besorgnisse hingewies-n wirb. Unb nun kommt ein Artikel in ber Kölnischen Zeitung, die, was sehr bezeichnend ist, in ber ganzen Sacke gut unterrichtet war (Hört! hört! im Ztr.), mit einer War. n u n g an bie preußischen Bischöfe, sie möchten nicht bem bäuerischen Beispiel folgen, fonbern sie möchten sich fragen, ob nicht bie bisher von ben preußischen Behörden geübte Nacksickt einer schärferen Praxis weichen werde, wenn die Entscheidung des Bundesrats gefallen wäre. (Hört! hört! im Ztr.) Unsere Bischöfe haben aber ge­glaubt, eS sei ihre Pflicht, in dieser Sache vorzugehen und der Warnung keine Beachtung zu schenken. Wäh- renb aber unsere Bischöfe die Eingabe geheim halten, wird sie in der Kölnischen Zeitung stückweise veröffentlicht. (Hört! hört! im Ztr.) ES wäre interessant zu erfahren, wie das gekommen ist. Der BundeSrat hat die Antwort auf das Verlangen ber Katholiken gegeben. Der Bundesrat hat alle F o r • berungen abgelehnt. Er ist bazu gekommen, eine Definition für bie Zukunft zu geben. Der Redner verliest ben Bunbesratsbesckluß. Die schrift- stellerische Tätigkeit hat man ben Jesuiten darin nicht verboten. Das fehlte noch. Aber sonst hat man fast olles verboten. Man hat dabei auch die wiederholten Beschlüsse des Reichstages außer acht gelassen. Ordens- nicberlaffungen dürfen nicht errichtet werden. Das ein­zelne OrbenSmitglied kann sich im Deutschen Reiche auf. halten, es können auck zwei beieinander wohnen, aber nur, wenn ber Einzelstaat nickt sagt: Halt, das ist eine Niederlassung! In ber Zukunft ist auch noch jeher ein­zelne Staat in ber Lage, sich einfach gegen bas Reichs- gesetz zu toenben unb gegen bie Bekanntmachung bes Bunbesrats unb aus fick heraus wi»der Beschränkungen für bie Tätigkeit bes OrbenS einzuführen. (Sehr richtig! im Ztr.) Iebe religiöse Tätigkeit soll ben Jesuiten verboten fein. Nicht einmal die Nottaufe barf ber Jesuit vornehmen, was bock jeder Laie kann. Auch die Sterbesakramente darf er nicht geben, weil ba» eine religiöse Handlung ist. (Hört! hört! im Ztr.) Wenn ber Jesuit ein unmünbigeS Kinb Kinbergebete lehren will, so darf er bas nicht. Wenn ich in ber Haus- kapelle bie Kommunion empfangen will, nachdem ich bei meinem Geistlichen gebeichtet habe — der Jesuit, der dort die Messe gelesen bat, darf mir nickt die Kom­munion erteilen. (Hört, hört! im Ztr.) Was geht denn bie Oesfentlichkeit an, was innerhalb ber Schranken meines Hauses geschieht? (Lebh. Zust. im Ztr.) Wer hat sich darum zu bekümmern? Tas große, mächtige Deutsche Reich! Wenn man solche Maßregeln wirklich durchführen will, so führt das doch einfach zur Denun- zitation und (Schnüffelet. (Lebh. Zustimmung.) Und nun ber. Ausschluß der religiösen Tätigkeit. Tas ist ja gerade das, was int Augenblick am meisten Auf­regung Hervorrufen wird. Ferner die Vorträge. Ich meine, wenn nicht der Zweck der Ordenstätigkeit die rehgiöfen Vorträge sind, dann kann man sie auch nicht unter die Bestimmung bringen, die'ausschließlich ge­stattet, daß wissenschaftliche Vorträge zulässig sind, wenn sie nicht religiöse Gegenstände betreffen. Seither waren klar verboten nur die Missionen, unb baß man bje Mis­sionen neben bie Ordenstätigkeit gestellt hat, das war mir seither ein Moment für die Auslegung deS Begriffs ber OrbenStätigkeit in ber Bekanntmachung deS Bunde?- rat? selbst. Weshalb das Reich sich um die Primizfeier kümmert, ist mir ganz unverständlich. (Sehr richtig! im Ztr.) Das hat auch wirklich niemals gum Unheil geführt. Weshalb man ba eingreift unb nur eine Familienfeier gestattet, verstehe ich nicht. Glauben Sie mir: Diese Bekanntmachung wird bem Jesuitenorden viel mehr deutsche Katholiken zuführen, als irgend eine Primiz­feier. Jetzt, noch ber Bekanntmachung be» Bundesrats, sind bie Jesuiten zu einet gewissen stillen Wirksamkeit verurteilt, bie rein persönlicher Natur ist. Damit wer- ben sie aber veranlaßt, bas beutsche Gebiet wie­her zu verlassen, unb ber ganze Zweck ber Auf. Hebung des 8 2 des Jesuitengesetzes wird damit ver­eitelt. Hat denn ber Bundesrat nicht Veranlassung, sich zu fragen, ob er nicht vielleicht in' dem Kreise der von ber Bekanntmachung betroffenen anderen Orden nunmehr eine Linderung schaffen kann? Aber nein, statt zu geigen, daß man irgendwelches Empfinden für bie katholische Bewegung unb Erregung hätte, findet biefe Frage Überhaupt keine Berührung. (Hört! Hört! im Zentr.) Am meisten bestraft sind durch die Bekannt- mackung des SP’inbcS’mf? di- Katholiken, denen ihre Kräfte für ihr inneres religiöse? Leben gemindert bezw. entzogen weiden. hr uc. -ig! im, Zentr.) Was ist bas für ein Eingriff in bi e Parität (Sehr rich­tig! im Zentr.), wenn man uns verbietet, bie Mittel angutoenben, die wir für nölig und richtig halten für bie Belebung unseres religiösen Lebens, während man jede Bewegung ber Propaganda des evangelischen Bekennnisses unter den Katholiken frei gibt. Ich trete ihr nickt entgegen, aber Parität dürfen mir verlangen. Den Evangelischen gibt man alles frei, auch denen, die den Umsturg predigen. Was ist denn in Deutschland vorgekommen, was diese Verschlim- tnetuna des Jefuitenaeledes nötig machte? (Sehr gut!

im Zentr.) Tatsächlich nichts. Nichts ist bei uns geschehen und es konnte auch nichts geschehen; die Je­suiten sind ja vertrieben. Die Tätigkeit der Jesuiten wird überall im Auslande anerkannt, auch von unseren amtlichen Vertretern, und wir selbst würden nicht mehr für sie eintreten, wenn wir an ihrer Makellosigkeit ben geringsten Zweifel hätten. (Sehr richtig! im Zentr.) Was für- Deutsche Reich in Frage steht, ba? ist bte Gerechtigkeit unb Billigkeit (Sehr richtig! im Zentr.), die man ben Jesuiten versagt. Unb biefe Versagung geschieht in bem Augenblick, wo wir Wirren tm Auslande sehen, wo wir mit inneren Wirren gu tun haben, die uns allen eS erwünscht sein lassen müssen, daß ber konfessionelle griebe nicht gestört werde, sondern daß er aufrecht erhalten werde. (Sehr richtig! im Zentr.) Die Ordensleute werden ihren Lei­densweg, den sie nun schon seit Jahrhunderten gegan­gen sind, ruhig weiter gehen, sie werden schweigend ertragen, daß sie um eine Hoffnung ärmer geworden sind. Aber ich vertraue, daß sie nach wie vor im Aus- lande daS Deutschtum, deutsche Sitten, deutsche Auf­fassungen und deutsche Interessen vertreten werden. (Lebh. Beifall im Zentr.) Sie werden sich nicht rä. dien an uns (Sehr wahr! im Zentr.), aber durch die Vertreibung legt das Reick sich selbst eine schwere Schuld auf bie Schulter. (Lebhafte Zustimmung im Zentr.) Da mochte ich doch nun geltend machen, daß sich alle Schuld auf Erden rächt. (Sehr wahr! im Zentr.) Für uns bleibt das drückende fi’e* wußtsein dieser Schuld, unb wir werden bestrebt fein, sie von uns abzuwälzen, indem wir unermüdlich fort, fahren werden, die Aufhebung des Je­suitengesetzes zu verlangen. (Lebhafte Zu- stimmung int Zentr.) Die Zeit wird kommen, wo auch die Mitalieder der großen Parteien, der Nationallibe- ralen unb der Konservativen, sich sagen müssen, e? toar unberftänblid), tote man den Katholiken das Recht versagen konnte, das toir für uns unb unsere Seelsorger in Anspruch nehmen (Sehr richtig! im Zentr.), unb tote man beutsche Staatsbürger in ihren Rechten be- schränken konnte, weil sie ben Beruf des Jesuiten er. wählt haben. (Erneute Zustimmung im Zentr.) Ich habe int Namen meiner Fraktion folgende

Erklärung

zu verlesen i

Das Gesetz vom 4. Juli 1872 betreffend den Orden der Gesellschaft Je'u enthält einen An griff gegen die katholische Kirche und die staatsbürgerlichen Rechte ber Katholiken tm Deutschen Reiche. Das k österlicke Leben und bie. Wirkiamkett der Dr-cn liegen tm Wesen der katholischen Kirche. Ter Orden ber Gesellschaft Jesu, bie Slönregationen der Lazarinen und Sacrecoeur- Scktoeftern siuo mn ber katholischen Kirche anerkannt. Deshalb ift das Verbot der religiösen Tätigkeit für bte Angehörigen biefer Orden eine Beschränkung des Lebens ber katholischen Kirche unb eine Beein­trächtigung der freien Religionsübung der Katholiken, bie im Reiche voll- unb gleich­berechtigt sind.

Die gegen bie Jesuiten früher unb jetzt erhobenen Votwürie ber Immoralität, ber Deutsch- und Kultur- setndlichkeit, sowie Der Störung des religiösen Friebens sind unwahr. Der gut Beurteilung ber Jesuiten zuständige beutsche Episkopat hat Ihnen wie 1871 so auch jetzt bezeugt, daß sie sich durch die Unantaft» barteit ihres Lebenswandels und ihre Wiffenschast, sowie nicht minder durch ihre eifrige und gesegnete Wirksamkeit in ber Hiljsseelsorge auszeichneten.

Die Bekanntmachung des Bundesrates vom 28. November 1912 verletzt durch bas Verbot der prtesieilichen Tätigkeit ber Ordenspersonen bte Gewissensireiheit aller Katholiken, welche die Spen­dung der Sakramente ihrer Kirche nach ihrer Wahl von denjenigen Priestern empfangen müssen dürfen, denen sie ihr Vertrauen schenken.

Der Bundesrat hot die in dem Ausnahme gcsetze gegen den Orden l.c Getellschaft Jesn liegenden Eingriffe in die bürgerliche unb kirmliche Freiheit verschärft. Unter diesen Umständen Irinnen wir zu Reichs­kanzler und Bundesrat bas Vertrauen nicht haben, daß die Bedürfnisse der Katholiken im Deutschen Reiche bei ihnen eine gerechte Behandlung finden; wtr werden unser Verhalten dementiprecheud eiurichten. (Lebh. mehrfach wieder­holtes Bravo im Zentrum.)

Reichskan; er Dr. v. Betbmann Hollweg: Der Herr Abg. Spahn hat von ber tiefen Erregung gesprochen, in die das latholtiche Volk burch den letzten Bundesrats, beschlich versetzt worden sei. Gewiß greifen bte Streitig­keiten, die bas relig öse Gebiet berühren, uns Deutschen viel tiefer an das Leben, als anderen Nationen. Seit Jahrhunderten sind solche Streitigkeiten verhängnisvolle und vielfach blutige Kapitel ber deutschen Geichichte gewesen. Das vergißt ein Volk, wie das deutsche, nicht. Darum geben die Wogen der Erregung beute wieder hoch. Aber aui beiden Seiten; denn ben zahlreichen St.mmtn aus katholischen Kreisen, welche bte Zurückberusung der Jesuiten verlangen, stehen zum mindesten eben o zahlreiche Aeußerungen vonevan- gelischer Seite gegenüber, welche der ernsten Bes.'ignts vo> bet Zuruck'unst des Ordens Jesu Aus­druck geben. Der Reichskanzler relapituliett sodann den Hergang mit bem Erlaß des Jesutlenge etzes unb führt aus: Obwohl der Bunbesrar eine Definition der Orbens- lätigteit nicht gegeben hat, ba.te sich tm Deutschen Reich eine einheitliche Praxis gebildet, bie tm allgemeinen eher ote Neigung zeigte, milder als schärler zu wirken. Für den Bunbesrat und den Reickstanzlir lag fein Grund vor, uch mit bet Sache zu beschäftigen Da kam Der bäuerliche Erlaß. D-eser Erlaß hat mich unb den Bundesrat genötigt, uns neuerdings mit bet Ausführung des JesuttenreietziS zu beiaffen. Ich muß dies gegen­über den eitegten Klagen in katholnchen Kreisen aus« drück ich vor dem Lande fefllteUen. (Sehr richtig.) Bei uns hat die Initiative nicht gelegen. iLevhaste Zu­stimmung) AVer tnbem ich dies leststelle, will ich in». in (einer Weise mit den Vorwütsen identifizieren, die in bet O ff.ntlichkeit erhoben wo den sind, als hätten sie sich gegen daS Reich aut ebnen wollen. Die Art unb Weise, rote Bayern die Angelegen­heit vor den Bundesrat gebracht i at, sollte die bayernche Regierung jedes VorwutiS des Versuches, das Reichs­