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Fuldaer Zeitung

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Amt Geisa und Umgebung.

* Vacha, 3. Dez. 1912. Zu Handelskammer-Ab« geordneten für den 4. Be itt wurden am Montag Kommerzienrat Meyer als Vertreter der 3. Abteilung und Kaufmann Nunbaum als Vertreter der ersten Abteilung wiedergewählt.

* Occhsen, 3. De«. 1912. Schulvorstand und ®e« meinderal beichäitigten sich zur Zeit mit der An­regung der Schulbehörde, von Ostern ab eine dritte Lehrkraft anzustellen. Es sind 173 Schulkinder vorhanden, davon 73 in der Oberklasfe. Bis zur Fertigstellung des Schulneubaues wird wahrscheinlich ein Saal gemietet werden.

* Elnhausen, 3. Dez 1912. Die Dienstmagd Elisabeth Schmidt aus Amönau, welche 40 Jahre hier bet einer Herrschaft redienstet war, und der vor einigen Wochen eine Auszeichnung für treue Dienste überreicht wurde, durste sich nicht lange dieser Auszeichnung freuen. Sie starb am vergangenen Sonntag.

M 278.

Mittwoch 4. Dezember ML

totales.

Fulda, 4. Dez. 1912.

# Dtrllkhm wurde den Amtsgerichtsgeräten Dr. Echemann in Hersfeld urb Dr. Abt tn Bteber (Kreis Geln ausen) der Role Adler<-rden 4. Klaste, dem Roltenarbeiter Göbel zu Miche.sderg (Zügen« kam) das Allgemeine Ehrenzeichen, sowtr dem Registrator Schäser beim Generalkommando des 11. Atmeekmps die Erlaubnis zur Anlegung des Fürstlich Schwarzburgischen EhrenkreuzeS.

# Ernannt wurden die Amtsrichter Hoffmann in Holgersmar und Dr. Beyer in Schenklengsseld zu Amisgertchtsrälen.

Tie Kgl. Bejuchskommiffion, bestehend auS den Herren Geh. Reg «Rat Röckwitz, Reg.-Rat Frhr. v. Deiiau auS Kastel und dem Dtrekior der LandeS- heilanstalt Prof. Tr. Tuczek aus Marburg, stattete gestern vormittag dem St. Anloniushrtm und ebenso dem Herz-Jem-Heim den regelmäßigen Besuch ab.

-s- Handwerkssörderuug. Das .Reue deutsche Hand« ronterbiait' zu Wiesbaden bracht« in Nr. 46 eine Notiz aus Fulda, in der u. a. mugeteilt wurde, daß daS Handwerk sich hier mehr und mehr in Innungen zuiammenschlteße und so dte Jniereffen deS gesamten Handwerks am besten wahrnehme. Vor allem sei deS der Wirtsamkeit des JnnungSauSschusseS und Vesten Vorsitzenden, der an dem guten Gederhen der Ha dwerlersachr am Platze den größten Anlerl habe, zuzuschrrlben. Hierzu wird uns nun auS Hand- werkerkrelsen geichr eben: Be den neugegründeten und noch zu gründenden bezw. im Entstehen begriffenen Innungen hat vor allem auch der Vorstand deS Gewerbevereins hervorragenden Anteil. Er hat hauptsächlich hierzu die Anregungen gegeben und den Zusammenschluß der Handwerker bewirkt. So ist «S auch daS Verdienst deS Gewerbe» reinS, daß die Regelung der Frage deS städtischen Submusions- wesen« in die Wege geleitet worden ist und hoffenl- lich tn aller Kürze erledigt wird. Weiler hat der Gewilbeverein durch Vorträge rc. für den Zusam­menschluß der Handwerker und die Gründung wei­terer Innungen in uns rer Stadt keine Kosten ge­scheut. Einem Anträge deS Gewerbevereins bei der Raffelet Handwerkskammer auf Gewährung einer Beihilfe für solche handwerklichen Zwecke wurde seitens deS Vorstandes der Kammer leider nicht ent­sprochen. „

)( Der Vorschutzverein (®. m. l>. H.) zu Fulda hielt gestern abend im Ballhaussaale feine 2. ordent­liche Generalversammlung für 1912 ab Als einziger Punkt stand zur Tagesordnung Die Ersatzwahl oeS AuistchtsrateS, auS der folgende Herren hervorgingen: Joseph Fr>tz, Philipp Siebert, Philipp Neidhardt, Hermann Breitenborn und Pms Kramer.

• Der Etat deS BezirkSverdandeS. Der Voran­schlag der ordentlichen Einnahmen und Ausgaben deS BezirksverbandeS Kastel für das EtatSjahr 1913 beläuft sich nach den Landesausschußdeschlüffen auf 4 395 670 Mk. geoen 4 332 000 Mark des Voran, schlags für daS Elatsfahr 1912. Die Bezirkssteuer wird wiederum in der Höhe von 10 Proz. zur Er­hebung kommen.

rt Schöffengericht. Der 19 Jahre alte Fabrik- arbeitet O. K. hier halte sich gestern wegen Set- Übung groben Unfug», ruhestörenden LärmS und Wideistandes gegen einen Schutzmann zu verant­worten. Für bteie Ungezogenheiten wird er zu einer Geldstrafe von 30 Mark verort eilt. — Weil er eine Peitsche im Werte von ungefähr fünf Mark gestohlen und für eine Mark wieder versilbert halte, muß der Arbeiter I. A. M. hier 14 Tage in» Ge-ängn s. — Der wiederholt vorbestrafte Gelegenheitsarbeiler P. B. hier hat wieder einmal in ungebührlicher Weise Spektakel gemacht. Neun Tage Gefängnis muß er hierfür verbüßen.

= Im Roth. Rattfm. Verein sprach gestern abend Herr Oberlehrer Goebel über Weltanschauungen. Tie Einteilung, die Redner zu diesem Thema gab, hatte speziell lokales Jntereste. Man konnte aus chr enmehmen, daß es auch in Fulda inbezug auf Weltanschauung anders geworden ist. Abgesehen da­von, daß rs dem Redner vasiierte, daß ihm auf einer belebte-» Straße Fuldas ein keineswegs Parlamentärs scher Gruß zugerusen wurde, war die Wiedergabe einer Unterhaltung) die 2 Reisende im Eisenbahnabteil zwischen Fulda und Bebra über Fulda führten, von besonderem Interesse. Der eine der beiden Reisen­den schilderte seinem Gegenüber das Leben und Trei­ben in Fulda ungefähr folgendermaßen: „Fulda bietet wenig, Theater ist nicht da, abgesehen von einem kurzlebigen Sommertheater; neuerdings hat Fulda ein Kino, in dem man mal etwas sehen kann; ?§ hat 2, höchstens 3 Gasthäuser zum Logieren; abends ist's langweilig da, doch hat man auch Gelegenheit, sich zu

2. Blatt.

bte« der «nlboet Xctientnittui hl Selbe.

schnell.

Felsdorf sah ihnen lange sinnend nach.

Friedrich aber bog sich zu Isolde nieder und sagte: Ter hat Dich wobi mal sehr gern gehabt?"

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Weise hat das Gesamtbild der Straße bedeutend an Aussehen gewonnen.

* Em strenger Winter wird von bett ,®ad}»ethän. digen", den Meteorologen, angelündigt. Im Oktober gingen bereits in Rußlanb so gewaltige Schneemaste« nieder, wie sie seit 100 Jahren, dem berüchtigten und für die groge Armee verhängnisvollen Jadre 1812, nicht mehr zu verzeichnen gewesen sein sollen. Im Laufe von 24 Stunden fiel vor 14 Tagen m Monte­negro drei Fuß hoher Schnee. Und was man tn Rußland bereits erfahren, kündigt sich in England und Belgien auch schon an. Ganze Scharen von Wintetvöaeln ziehen gen Süden.

(!) MSechenabend. Wir wollen schon heute darauf Hinweisen, baß am Sonntag den 8. Dez. im Saale des Bürperverems für das kunstliebend« Publikum Fulda» ein Märchen-Abend, veranstaltet von Hetrn Ernst Mosin und Fräulein Lina Poppe aus Frankfurt a. M., statt­finden wirb. Der Besuch für bu eigenartig reizvoll«, llebli-P« Vorstellung ist jung und alt sehr zu empfehlen. Di« E-ntritlskarien werden schon im Borverlauf in der Mater'» Hosbuchhandlung zu 1 Mark (Schülerkarten 50 Pfg.) verkamt.

c. Fußballsport. Sämtlich« 4 Ligaspiele um dir Hessische Kretsmetsterschatt, die auf den letzten Sonntag angesetzt waren, find zum Austrag gekommen. In Kafiel selbst war nur ein Spiel zwischen Kafieler Fußballverein und Fuldaer Fnßballvrrein. Die Gäste hielten sich sehr tapfer, mußten aber noch in den letzten 5 Minuten mit 1 ; 0 unterliegen. Eintracht Kafiel spielte in Gießen gegen Sportverein 1900, den sie überlegen mit 8 : 0 schlugen. Sport Kassel war in Fulda und holl« fich gegen Borussia eine Stiederlag« von 5:1 Toren. Ferner gewann die Fußballabteilung deS dompfarrlichen Jüng» lingsverems gegen Borussia 4. Mannschaft mit 6:0Toren.

Aus dem Nachbargebiete.

* Buchenau, 3. Dez. 1912. Schloß und Ritter- gut Buchenau, der Freiherrlich von Schenk zu Schweinsb^fgisch« Besitz, ist heute für 575000 Mark an einen tn Kassel wohnenden Neffen des kürzlich verstorbenen Besitzers, Herrn v. Göckingk, verkauft worden.

* Mittelbuchen, 3. Dez. 1912. In der Hofraite des Landwirts Emmel brach heute früh Feuer aus, das die Scheune »inäscherte. Außer Futter- und Strohvorräten sind auch landwirtschaftliche Geräts verbrannt.

* Frankfurt, 3. Dez. 1912. Im Ostbahnhof kam heute früh bei dem Aufglnsen entgleister Wagen der Schlosser Berzl zwischen die Puffer und wurde so schwer verletzt, daß er bald starb. — Der 39jährige Bierbrauer Schuhmacher lud einen Hausdiener zu sich in die Wohnung ein. Hier zechte man stutzig. Als der Hausdiener am Einschlafen war, versuchte ihm Sch. die Brieftasche mit Papiergeld zu stehlen. Sch. hatte aber kein Glück, denn der Hausdiener roch den Braten und verli:ß das Zimmer. Sch. folgte ihm und schlug ihn zu Boden, um ihn der Brieftasche zu berauben. Auf seine Hilferufe eilten Passanten herbei. Der Räuber wurde verhaftet.

* Rotenburg, 3. Dez. 1912. Die Einwohnerzahl unserer Stadt ist nach der Personenstandsaufnahme am 16. Oktober d. I. gegen das Vorfahr um 198 ge- stiegen und beträgt zur Zeit 3442. Der Zuwachs tst wohl in der Hauptsache auf die Verlegung der Ka- bi-tschen Fabrik von Kassel nach hier zurückzuführcn.

* Oberaula, 8. Dez. 1912. Die unter den Ge­flügelbeständen vor kurzem ausgebrochene Geflügel- Cholera ist wieder erloschen.

* Immenhausen, 3. Dez. 1912. In der Rächt zum Montag machte der 43 Jahre alte Maurer A. hier seinem Leben durch Erhängen ein Ende. A., der eine Witwe mit 12 Kindern hinterläßt, von denen das jüngste b-eitiertel Jahre alt ist, lebte in geord­neten Verhältnissen und war am Abend vorher noch mit Freunden in einer benachbarten Restauration, wo niemand etwas Auffälliges an seinem Wesen be­merkte.

* Kassel, 2. Dez. 1912. Am Sonntag fand hier eine Versammlung des konservativen Ver­eins für Hessen und Waldeck statt. Der Hauptredner, Rittergutsbesitzer v. Stockhausen, schnitt auch die Frage der F l e i s ch n o t an und betonte, daß auch landwirtschaftliche Kreise zugeben müßten, daß die Fletschpreise außergewöhnlich hoch seien; den- noch sei zu bemerken, daß die Landwirtschaft Deutsch­lands imstande sei, die heimische Bevölkerung mit Fleisch zu versorgen, wenn sie Ruhe und Sicherheit zu ihrer Entwicklung fände; an den hohen Fleischpreisen sei, nach Ansicht des Redners, lediglich der Zwischen­handel mit Vieh schuld, der nach Möglichkeit ausge­schaltet werden sollte. Die Stadtverwaltungen hätten anstatt der Begünstigung der Einfuhr ausländischen Fleisches oder Viehes lieber versuchen sollen, unter AuSschaltpng deS Zwischenhandels für Schlachtvieh

der Familie und trotz vielfacher Anfeindungen meiner Bekannten, stets treu zu Ruth gehalten."

„Das tst brav, das ist mehr, als ich Ihnen zuge- traut hätte", lobte Frau Karsten, „aus fester Ueber- zeugung für recht erkannte Wege einschlagen, das macht innerlich freudig und frei, allerdings kostet es harte Kämpfe, denen nicht jeder standhaft, darum gibt es so viele Unterliegende, so wenig Sieger; — ein Vetter von mir, der hier in einer Nebenstraße ein großes Geschäft Hal, ist auch einer der letzteren."

„Isoldes Blicke weiteten sich erichrocken; die Schwiegermutter verstand die bange Frage, welche sie enthielten.

»Ja, Fräulein von Winningen, wir haben unter unserer Verwandtschaft noch viele Geschäftsleute, — eS sind hochgeachtete, ehrenhafte Männer, deren wir uns durchaus nicht schämen, auf die wir im Gegen- teil sehr stolz sind."

Isolde mußte unwillkürlich an ihren Vater, an die Ansichten denken, in denen er sie erzogen hatte» und sie konnte sich eines Gefühls von Unbehagen nicht cito ehr en.

Friedrich legte sein» Hand auf die ihre. „Du darfst Dir Deinen Verkehr ganz nach freier Wahl suchen, — ich werde in dieser Hinsicht nie einen Zwang auf Dick, ausüben."

Sie erwiderte den Druck. „Ich werde alles tun, was Du gern hast", — aber sie konnte eS nicht hin­dern, daß ein leiser Seufzer sich bei diesen Worten über ihre Lippen stahl.

Die große Wanduhr über dem Sofa holte zu vollen Schlägen aus, — die junge Braut verglich ihre Pünktlichkeit mit der kleinen goldenen Uhr im Gürtel und gab dem Verlobten ein Zeichen.

„Ich glaube, es wird Zeit für uns zum Aufbruch", — er erhob sich sofort. Die Mutter legte ihr Strick­zeug aus der Hand.

„Ich bitte Sie nicht darum, öfter einmal wieder zu kommen", wandt: sie sich an Isolde, „jeder Zwang schließt bt.t vornherein die Freude für beide Teile auS. Sie sollen nicht etwa denken: Ich muß mal wieder zu der alten Frau gehen, wenn Sie aber frei-

• w'llia und gern kommen werd' Sie mir »weit

mit den Fleischern Hand in Hand tn der Weise zu arbeiten, daß sie direkt Vieh von den Gütern und den Landwirten auf die städtischen Vieh« und schlacht. Höfe einführten; dann hätte man der Fletschnot wir­kungsvoll begegnen können.

♦ Kafiel, 3. Dez. 1912. Bor kurzem tourb» hier ein lljähriges Mädchen in einem Keller fast völlig entkleidet und an ein Gitter gebunden vorgefunden. Das Mädchen gab an, von zwei maskierten Mannern vergewaltigt worden zu srin. Es hat sich nunmehr herauSgestellt, daß der Ueberfafl von dem Mädchen völlig erdichtet ist und ihn ans einem Schund­roman, den «s gelesen hatte, nachgeahmt hatte.

* Hetborn, 3. Dez. 1912. Gestern übetuel der Arbeiter Hermann den 19jäbrigen Fabrikarbeiter Schmidt und versetzte ihm von hinten mehrere 'Dlefier* stiche in den Rücken. Schmidt war sofort tot. Der Täter wurde verhaftet.

• Gießen, 3.Dez. 1912. Leutnant Jttmann, der mit dem Franzosen Fighiera ein Ptslolenbuell halte, an dessen Folgen letzterer gestorben itt, wurde am Samstag in Frankfurt vernommen und in daS Untersuchungsgefängnis tn Gießen gebracht. Er soll vor Austragung deS Duells bereits den Abschied genommen haben, also nicht mehr aktiver Offizier gewesen fein. '

♦ Bürgel, 3. Dez. 1912. In der traurigen Bür- geler S ch u l k r n d e r a f f ä r e ist jetzt Anllage B neun Beteiligte erhoben worden. Verband-

„ termin ist auf Mittwoch den 11. Dezember an» beraumt worden.

♦ Wiesbaden, 2. Dez. 1912. Bei den Wahlen der Arbeitgebervertreter für die hiestge Ortskrankenkafie wurde die Liste der Sozialdemokraten zum ersten Mal gewählt und zwar mit 77 Stimmen. Auf bie Liste bet bisherigen bürgerlichen Vertreter entfielen nur 26 Stimmen.

4- Erfurt, 2. Dez. 1912. In einer am letzten Sonntag hter abgehaltenen Versam 1 hing kaiho.iicher Männer unb Frauen wurde nach einem Vortrag des Reichslagsabgeorbnelen Ko > s m a n n folge be Resolution einstimmig angenommen: „Die om 1. Dez. 1912 im Kaiserlaal tagende Versammlung kaiholi chex Männer und Frauen erhebt lauten Protest gegen den neuesten Beschluß des Bundesrats m der I e s u i t e n- frage. Die Versammlung sieht in dem Beschluß dne wesentliche Verschärfung de» Jesuilengesetzes und empfindet ihn als einen Schlag ins Gesicht des beulichen Episkopats und des gesamten katholischen Volkes. Eine Regierung, die in solcher Weise die Freiheit und Loyalität verletzt, muß im Volke immer mehr an Vertrauen verlieren. Tas bedauert die Ver­sammlung aufs Lebhafteste, nicht zuletzt aus nationalen Gründen.

* Limburg, 3. Dez. 1912. Der bisherige Poli- zeidteuer der Gemeinde Dietkirchen wurde zum Bürgermeister gewählt.

* Ans Thüringen, 2. Dqz. 1912. Das KonlurSverfah. ten wurde, über das Vermögen der Stadtbrauerei Blan­kenhain Akt.-Ges. in Blankenhain eröffnet. — In Weida sind zwei Kinder eines Fabrikarbeiters, die man allein zu Haus gelassen hatte, erstickt. — Die Land­wirtschaftskammer der Provinz Sachsen will an die Städte Erfurt, Halle und Magdeburg ein An­gebot gelangen lassen, wonach sie sich erbietet, mit Hilfe der ihr angeschlossenen zahlreichen landwirtschaftlichen Grnoiienf^^en auf fünf Jahre hinaus etwa di« Hälfte alles auf den drei städt. Viehhöfen benötigten Viehes zu einem aus dem D.urchschnitt der letzten fünf Jahre genom. menen festen Preis zu liefern, z. B. jährlich 125 000 Schweine zum Preis von 47 bis 50 Mk. das Stück. — Anscheinend an Vergiftung find am Bußtage in Eisenach und Umgebung ca. 25 Hunde einge­gangen.

Isolde sah zu Friedrich hinüber, eine leichte Eifer, sucht regte sich in ihrem Herzen; — das also war wohl bie Schwiegertochter, welche sein: Mutter sich ersehnt hat? Aber bie strahlenden Augen ihres Ver­lobten, mit denen er sie anblickte, verbannten soglüch bie kleinliche Regung, — unb sein Ton war so ganz ungezwungen, als er sagte:

„Ich glaube gar nicht, daß der Ruth sehr viel am Heiraten liegt, — ft: behandelt alle Herren, die sich ihr nahen, ziemlich kühl."

„Weil sie gewiß in der dauernden Angst lebt, um des Geldes willen geheiratet zu werden", — die Ra­deln der Alten klapperten hörbar annnander, „nnb das ist auch bie große, stete Gefahr, in der die Reichen dabei schweben."

„Warum verkehrt eigentlich Deine Schwester Illa nicht bei SilbersteinS, nur Du?" gab Friedrich dem Gespräch eine andere Wendung.

Isolde spielte verlegen an den Fransen der Tisch­decke.

„Ja, sieh mal, — das ist eben — weil sie, .— glla hat da ihre eigenen Ansichten, — weil Herrn Ubersteins Vater Jude war."

„Stört sie bas vom menschlichen ober, christlichen Standpunkt aus?" Statt des Sohnes fragte es mit scharfer Betonung bie Mutter.

„Vom christlichen boch wohl."

„So", — die Nadeln klapperten womöglich noch energischer. „Na, ich habe da meine ganz bestimmte Meinung und will sie überall versechten, ich achte jed- Religion, wenn sie für den Betrrftenben „Reli- gion" im höchsten Sinne ist, das heißt, ihm dazu ver- hilft, aus wahrer Nächstenliebe ein guter Mensch, aus fester Ueberjeugung ein Gläubiger zu sein, die ihm Frieden für die Erde, Hoffnung auf das Jenseits gibt. Wer in solcher Religion lebt unb stirbt, der rft mir wert, — unb glauben Sie, dah bei allgewal­tige Gott kleiner denkend ist, wie Menschen?"

„Ich stimme ganz mit meiner Mutter überein", pflichtete Friedrich dieser bet

„Ich auch", — Isolde sah ihn voll und groß an, „ich habe" auch aus diesem Grunde oeaen den Wunsch

„amüsieren", wenn man erst mal ortskundig ist Trotzdem kann ich Ihnen Fulda empfehlen; Sie wer- den kaum eine Stadt finden, wo von den Damen für Garderobe soviel angelegt wirb, wie in Fulda. Die Leute haben eben sonst keine Gelegenheit, Geld aus­zugeben unb verwmben'S brum bazu. Ich bin mit meinen Reisen nach Fulda immer sehr zufrieden go­to efett." Ob der Mann recht hat? Man ist versucht, diese Meinungsäußerung über unsere Vaterstadt zu bestretten, indessen wird rine nähere Untersuchung dem Urteil jenes gern in Fulda weilenden Geschäfts- mannes nicht ganz Unrecht geben. Denn wer sähe nicht, daß der Geist der Zeit mehr und mehr auch in unserer Stadt seinen Einzug hält und neben manchem Erfreulichen unb Begrüßenswerten auch seine uner- freulichen Spuren hinterläßt! Nach biesen Voraus­schickungen ging Redner auf die Wettanschauungen im Allgemeinen über, um dann die christliche katholisch; Weltanschauung, die auch das Ideal des Verbandes der kath. kaufmännischen Vereine fei, in ihrem ganzen trostvollen Werke den zahlreichen Zuhörern als den einzigen, die Völker beglückenden Rettungsanker zu preisen. ®ie Versammlung zollte dem verehrten Herrn Redner reichen Beifall. — Am kommenden Sonntag feiert der Verein fein T i t u I a r f; st mit Generaikommunion in der Marienkavelle des Domes um 7V( Uhr morgens. Neu ausgenommen wurden vier Mitglieder. Die vorrunehmendc Ersatzwahl für den zum Militär einberufenen 2. Schriftführer ver­einigte die Höchstzahl der Stimmen auf Herrn G. Lindenmeyer. Zum Vorsitzenden der Aaitationskom- miffion wurde Herr Aug. Brurner gewählt.

§ Schlägerei. In einer Wirtschaft am Horaser- toeg kam es zwischen zwei Männern namenS D. unb H. von hier zu einem heftigen Wortwechsel, bet alS- balb in Tätlichkeiten auSartete. D. verletzte tz. mit einem leeren Bierglas« mehrere heftige Schläge auf ben Kops, so baß ba» Glas in Stücke ging unb H. schwere Verletzungen bavonirng. Noch in bet Naht mußte H. ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen.

§ Einbrecher sinb roteber an ber Arbeit. In ver­gangener Nacht würben iroei Einbrüche hier verübt. Per Apfelsinentempel, Eck« Heinrich- unb Bahnhof­straße, mürbe erbrochen unb eine größere An,all Apfelsinen, Zitronen, Bananen ufm. gestohlen. Außer- bem statteten bie Diebe einem anbern Geschäftshaus« in ber Badnhosstraße noch einen Bemch ab unb nahmen außer Kuriwaren auch einen Waschkorb mit.

§ Zwangsversteigerung. Der gerichtliche Verkauf ber auf ben Maurer Johann Laibolb in Eichenzell eingetragenen Grundstücke mußte heute auf Betreiben eines Gläubiger» eingestellt werben. Der Gesamtwert ber Grunbstücke ist auf 2200 Mark taxiert, während die Belattung insgesamt 3165,25 Mark beträgt.

§ Ausgestellt ist in einem Schaufenster ber Firma Wich. Stöhr Nächst tn ber Friedrichstraße ein ‘täfel« bufett, baS infolge feiner komplizierten und originellen Zusammensetzung besonders bei Damen baS oröfite Interesse erweckt. Alle Küchengewürz«, wie Zucker, Mehl, Kaffee, ReiS, Ingwer, Nelken rc., sinb in bem« selben vertreten. Die Herstellerin bes Buketts ist Fran Restaurateur Gutderlet im evangelischen Ge- meinbehauS.

§ Große Trauer herrscht bei ben hiesigen „Ge­nossen*. Ihr Stammlokal in ber Florengasse bat seit einigen Tagen seine Pforten schließen müffen. Dem Wirt rourb« bie Konzession nicht wieder ver­längert.

* Witwen- nnb Waiseiwersorgnngsanfiatt beS Be- zirksverbanveS bes Regierungsbezirks Kafiel (Wilhelm- Augusta-Sttttung) betrug Ende März 606, gegen 605 i. D. An SJlitglieberbettragen würben 50002,63 Mk. vereinnahmt, gegen 49402,70 Mk. i. I. 1910, mithin gegen bas Vorjahr 599,93 Mk. mehr. Ende März waren vorhanden 182 Witwen, gegen 180 i. D und 45 Waisen, gegen 48 t. V. Gezahlt würben 78 786,76 Mark an Witwengelb unb 4262,24 Mark an Waisen« gelb, zusammen also 83 049 Alk., gegen 82193,23 Mark i. I. 1910. Der Nennwert beS in Wert­papieren angelegten Anftaltsvermögens bezifferte sich Enbe März wie i» Vorjahre auf 572000 Mk. Die Zunahme belief sich, ebenfalls rote im Vorjahre, auf 19799,16 Mk. An Verwaltungskosten sind 120,10 Mark entstanden. Der zu deckende Fehlbetrag be­zifferte sich i. I. 1911 auf 13 327,31 Mk. gegen 12 916,19 Mk. t I. 1910. Dieser Betrag ist auf die einzelnen Anstalten und FondS deS Bezirksverbandes nach dem Verhältnis ber von ihnen zu zahlenden M'tgliedeibeiiräae unteiverteilt worden.

0 Tie Straße „Hinter ben Löhern" erfährt jetzt abermals eine Verbreiterung; nachdem sie im ver­gangenen Jahre bereits bis zum Hause des Herrn Maurermeisters Hautumm erweitert wurde, ist jetzt der letzte Tell der Straße bis zur Ecke des Gartens der Wwe. Faulstich verbreitert worden. Auf diese

herzlich willkommen sein." Ihr Blick war freund­licher, als bnm Kommen, und ihre Hand umschloß zum Abschied einen Augenblick länger, als vorher bie Hanb des jungen Mädchens.

Isolde atmete in ber köstlichen, warmen Früh- lingsluft tote befreit auf, als sie ber kleinen nach Latoenbel duftenben Stube unb dem Banne ber strengen Augen entronnen war. Sie kam sich' tote ein Bogel mit befchnittenen Flügeln vor, und erst langsam gewann sie unter bet warmen, ruhigen Herz- lichkeit ihres Verlobten ihr Gleichgewicht wieber. Er schlug ihr einen Spaziergang durch den Stadtpark vor und unterhielt sie in seiner ernsten, klugen Art nur von Dingen, denen sie besonderes Jntereste ent- gegenbrachte und sie für bett Augenblick völlig fes­selten.

In einem Settenwege kam ihnen Felsborf ent­gegen. er sah bleich unb traurig aus unb fuhr förm­lich erschrocken zusammen, als sie sich gegenüberstan» den, aber es gab gar kein Ausweichen, man mußte sich begrüßen

Felsdorf stammelt; einige ganz alltägliche Glück­wunschworte und beugte sich über Isoldes Hand, aber in seinem Blick las sie deutlich die traurige Frage: „Warum hast Du mir bas getan, konntest Tu wirklich so schnell vergessen?"

Sie versuchte im barmlosen Plauberton ber glück­lichen Braut zu erzählen, baß sie soeben von ber Schwiegermutter käme, aber einer leichten Befangen­heit konnte sie boch nicht gleich Herr werben, sie fühlte sich Felsdorf gegenüber schuldig. Unwillkürlich verglich sie in Gedanken die b’iben Männer, wie sie so nebeneinander standen, sah von bem ungelenken blonden Riesen zu dem schönen, schlanken, eleganten Offizier hinüber, unb ber quälende Gebanke ließ sie nicht los: „Würbest Du Karsttn jenem auch vorqc- zogen haben, wenn er kein Gelb hätte?" — Sie schämte sich bieser Regung unb verabschiedete sich

Wins Geld.

15] Roman von Fritz Ewald.

„Du wirst meine Isolde bald lieben kernen", — Friedrich legte ben Arm um ihre Taille.

„Gott wolls geben", seufzte bie Alte, und holte einen Korb mit einem Strickztug. „Ich kann nicht müßig sitzen", sagte sie, wie entschuldigend. „Der liebe Gott hat uns unsere Tage gegeben, daß wir sie ausfüllen unb unsere gesunden Hande, daß wir damit schaffen, wir können ihm nicht brsfer zu jeder Stunde dafür danken, als daß wir sie zur Arbett benutzen. Nichtstun ist Gotteslästerung — Ich stricke jeden Sommer vierzig Paar Strumpfe für die Armen zu Weihnachten. Können Sie stricken, Fräulein von Winningen?"

Isolde verneinte. „Nur brennen, malen, sticken."

„Gemalte und gebrannte Hemden und Strümpfe werden leider den Armen nicht viel nützen; aber «in einfaches Hemd zu nähen, werden Sie doch verstehen, — ich habe allwöchentlich mein: Nähkränzchen, und da sind wir sehr fleißig bei der Arbett — unter den sämtlichen Angestellten unserer Fabrik ist keiner, der nicht mit ordentlicher Wäsche versehen ist, „Putz" kau- sen sich die Leu« schon von selbst, ich sorge für bas Reelle.

„Auch bavon verstehe ich nichts", gestand Isolde und überflog in Gedanken die Damen ihres Verkehrs, welche von ihnen wohl das Eramen ihrer Schwieger- mutter bestanden haben würde.

Ti; alte Fran zog mißmutig die Augenbrauen in die Höhe.

„Wissen Sie, wer von Ihren Bekannten die flei- ßigste unter uns ist und mir in allem zur Hand geht? Ruth Silberftein, — das Mädchen ist ein Juwel, so einfach in ihrem Auftreten und der Kleidung, — ein rascher Blick streift: Isolde? eleganten Anzug, — und so großartig in ihrem Charakter, — der Mann, der die mal kriegt, kann sich freuen, — der wünsche ich einen recht netten." •