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2. Blatt.

Dr«<f der entleer Zcttmnuerti fit cn'ba.

Zuldaer Leitung.

M 21t.

Dienstag 5. Dezember 1912.

totales.

Fulda, 3. Dez. 1912.

n Ter Kaiser mhr gestern abend 11,06 Uhr au, der Rackcehr von Donauechmgen nach Berlin hier durch.

# Verlikhen wurde dem Amtsgencktsiat (Stetb in Neuhor der 'Jiote Ädlerordcn 4. Krasse, dem Forfl- aibeiter 21 It zu Neuengronau, Kr. Schlüchtern, das Allgemeine Ehrenzeichen in Bronze, loroie die Erlaub- nir zur Anlegung des EhrenoffrzierStreuzes des Groß- herzoglich Oweoburgischen Haus- und Berdiennordens dem Gey. Mediziratrat Proiessor Tr. Ziehen in Wiesbaden uno des Nnierrreuzes des Eroßherzoglich Lvxembuigiichen Ordens der E.chenkrone dem Bürger» meinet Karivous in Weilnvra.

# Versetzt wird mit dem 1. Januar 1913 der Oberbahnainitenl r!6 regel von hier in gleicher Eigenschaft nach Frantflirt (Ostbahnhof).

** Weihnachtssonberzug nach Berlin. Am Sams» tag, 21. Lezember. sahrt ein Sonderzug 2. und 3. .illasse von Mainz—Franlsurt-Süb nach Berlin. Ab­fahrt von Süddahnhof Frankfurt 8.10 Uhr, Elm 9.57, FuIda 10.29 Uhr. Ankunft tn Berlin Potsdamer Bahnhof 7.10 Uhr am 22. Dezember. Fahrkarten sind bereits vom 12. Dezember an auf den Station:n zu haben. Die Rückreise kau i mit allen fahrplan­mäßigen Zügen erfolgen. Fahrtunterbrechung ist nur ein Mal und zwar auf der Rückreise gestattet.

X Tie Wetterkarte bekommt im Winter eine für weite Kreise angenehme Neuerung: Sie enthalt Mittwochs und Somstags eine Uebersicht über die Schneeverhältniffe der benachbarten Gebirge. An diesen Tagen berichten eine Reihe von Wintcrsportplätzen über die dortigen Schneever- hältnisse an die Wetterdienststelle des Physikalischen Vereins. Liese Nachrichten werden in die Wetter­karte ausgenommen und dadurch schon in den Mittags­stunden den Abonnenten der Wetterkarte mitgetcrlt. Durch die Verbindung mit der Wetterkarte bekommen diese Schneebericht: einen erhöhten Wert, weil man nämlich aus der Prognose zugleich auf etwaige Aen- derungen schließen kann. Eine Erhöhung des Abon- nementpreises ist damit nicht verbunden; man kann sie nach wie vor bei jeder Postanstalt für 50 Psg. mo­natlich bestellen.

X Tie Wandcrarbeitssiätten im Rig.-Bez. Kastel schließen für das Berichtsjahr 1911 mit 75 115,56 Mk. Defizit ab. Davon entfällt der größere Betrag mit 28 485,72 Mk. aus die Wanderarbeitsstätte Bebra, 21 430,24 Mk. aas Hanau, 13 916,08 Mk. auf Kastel, 3 666,80 Mk. auf Marburg und auf die Wanderar­beitsstätte Rinteln 7616,72 Mk. An Kolonisten- und Wanderverpsleoungstagen sind 9400 mehr zu verzeich­nen toi: im Vorjahre. Der tm Berichtsjahr entstan­dene Fehlbetrag beträgt vro Kolonisten- und Wander- verpslegungstag 1,19 Mk.

L- Errichtung eines Pfandbrief-Instituts für zweite Hypotheken in der Provinz Hessen-Nassau. Die von uns bereits augckündigte große öfsentlichc Ver­sammlung derHaüsb-sitzer findet bestimmt am Samstag abend 8y2 Uhr tnt Saale des Bürger­vereins statt. In erster Linie wird sich die Ver­sammlung mit der Errichtung eines Pfandbriefinsti- tuts für zweite Hypotheken besassen. Von wie großer Bedeutung, nickt nur für den Grundbesitz, sondern auch für die Allgemeinheit, ein solches Institut ist, weiß jeder, der sich um Erlangung einer solchen Hypo­thek bemühen mußte. Der Hausbesitzer, namentlich der mittlere und kleinere Hausbesitz, ist heute oft gar nicht oder doch nur unter großen Schwierigkeiten in der Lage, das Kapital für eine zweite Hypothek zu er­halten. Er muß an Zinsen, Vermittlungsgebühren und sonstigen Unkosten geradezu ungeheuerliche Ver­pflichtungen übernehmen. Ist aber die zweite Hypo- thek glücklich bestellt, so sind die Bedingungen oft der­art hart, daß sic nicht eingehalten werden können, und erbarmungslos wird dann die Zwangsversteigerung betrieben. Das gleiche tritt ein, wenn für eine ge­kündigte sh eite Hypothek nicht gleich Ersatz beschafft werden kann. Wie viele Millionen sauer ersparten Geldes gehen alljährlich durch solche Grundstücksver­steigerungen verloren, welche schwere wirtschaftlichen Nachteile erleiden dadurch die mittleren und kleineren Hausbesitzer und damit das ganze Volk. Es muß also diesem notleidenden Grundbesitz geholfen werden, soll er nicht dem Untergang preisgegeben werden. Du-ch die Bestrebungen der $obcnrcformer und der Sozial­demokratie hat vielsach das Publikum, besonders das kapitalanlegende, das Vertrauen zum Hous- und Grundbesitz verloren, sodaß privates Kapital heute für hypothekarische Beleihungen an erster und zweiter Stelle kaum noch zu finden ist. Deshalb müssen Staat, Provinz u»b Gemeinde helfend eingreifen. In richti.

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Alms Held.

14] Roman von Fritz Ewald.

„Sehr", entschied er -mit Nachdruck, „aber es ist •ine Güte, welche in der Tiefe des Herzens, nicht an der Oberfläche des Wesens ruht. Du darfst nicht zu- rückschrecken, wenn Du sie nicht gleich wahrnimmst, meine SUlutter hat das Leben von einer anderen Seite kennen gelernt wie Du, sie hat viel im Schatten, selten in der Sonne gestanden, und chre Austastung des Daseins entspringt strengen Grundsätzen." —

„Sieh, hier sind wir an unserem zukünftigen Heim angelangt."

Sic standen vor einem großen, dunkelgrauen Ge­bäude, das einen fast düsteren Eindruck machte, schmucklos, ohne Balkons oder Veranden, lag die ziemlich breite Front der Fenster vor ihnen; ein hohes, schwarzes Eifentor umschloß den Borgarten — alles ernst, gediegen, ohne jedes übcrslüstige Beiwerk.

„Meine Mutter wohnt int Hinterhause, sie kann sich nicht vom alten Platz und von ihren alten Ge- wohnheitei losreißen", erklärte Friedrich, „dies: erste Etage hier oben werden wir einst bewohnen.^ — Möchte Tein Eintritt in dieses Haus ihm Segen bringen" — innig und schlicht klang es von seinen Lippen, als er das Tor vor ihr öffnete.

Sie vermochte ihm nichts zu erwidern, ein Gefühl von Beklemmung legte sich auf ihre Brust.

Sie wußte kaum, wie sie einen großen Hofraum, der das riesige Fabrikgebäude vom Herrschaftshause trennte, durchschritten hatten, — eine Treppe empor- gesliegen waren, und von einer mürrischen alten Dienerin in ein mittelgroßes Wohnzimmer geführt wurden. Ein Wohnzimmer, wie es Isolde in solcher Einsachheit der Einrichtung noch nie gesehen hatte.

Wie eine junge Fürstin stand sie inmitten dieses bürgerlichen Hausrats, und blickte mit weit geöffneten Augen der schlichten, großen Frau entgegen, welche langsam auf sie zuschritt. Dieselbe trug zwar ein Kleid von schwarzer Seide, aber man sah es ihr an, daß sie nicht oewohnt war, es oft zu tragen. Auf dem weißen glatt gescheitelten Haar lag ein schwarzes Spitzenhäubchen, — die großen, b-tklen Augen blick-

ger Erkenntnis dieser Sachlage haben deshalb auch die Minister des Innern für Landwirtschaft und der Finanzen durch gemeinsame Rundversilgung die Be­hörden dahin angewiesen, daß die Gemeinden An­leihen zum Zwecke der Hypothekenbeleihung du-ch kommunale Hypothekenanstalten ausnehmen dürfen. Der Zwe k dieser Anstalten soll auf die Beschafftlng wohlfeilen und die Schuldabbürdung fördernden, Kre­dits gerichtet sein. Es sei auch gegen die Absicht, die Beleihungen bis zu 70 Proz. des Beleihungswertes und auf zweitstellige Hypotheken auszudehnen, nichts einzuwenden, da es einem dringenden Bedürfnis ent» sp-äche. Der Staat hat hierdurch kundgegeben, daß er die wirtschaftliche Not des Grundbesitzes richtig er­kennt und von der Bedeutung des Grundbesitzes für Staat und Gemeinden überzeugt ist. Es wäre Wün­schenswert. daß auf dem eingeschlagenen Wege auch weiter gearbeitet werde. Eine große Protestversamm­lung gegen die steuerliche Ucberlaftung des Haus- und Grundbesitzes am 25. November in Berlin brachte ein geradezu missehenerregendes Tatsachenmaterial aus der Praxis herbei. Der hiesige Grund- und Hausbc- siververein wird sich bemühen, hierüber weiteste Auf­klärung allen Beteiligten zu verschaffen. Es sei daher der Bcsuck der Versammlung am 7. Dezember int Bürgerverein allen Interessenten warm empfoh­len. lieber diese zeitgemäße Frcmen muß jeder Haus­besitzer unterrichtet sein. Es tut Aufklärung not, wie ohne Schwierigkeit die Lösung dieser wichtigen Fragen erfolgen kann.

y Fletlchverdingtmg. Die Angebote auf die am 21. November seitens der Jntendanlur des 11. Ar ee» koips für den Standort Fulda ausgeschriebene Fleisch- lie*erung sind hen'e morgen im Schlachtho'aebäude geöffnet worden. Daoet ergab fick folgendes Mindest­angebot: Für Ocksenflnsch 1,60 Mk., Kuhfleisch 1,30 Mk., Kalbfleisch 1,30 Mk., Schweinefleisch 1,76 Piark. Die Preise sind auf ein Kilogramm berechnet. Selbst wenn man berücksickkigt, daß derartige Engros- Lieferungen zu billigeren Preisen erfolgen können, so muß doch der für Fulda außergewöhnlich niedrige Preis auffallen. Plan darf aber doch annehmen, daß der Submittent wirtlich zu den anaejührten Preisen liefern kann, ohne sich geschäftlich zu schädigen.

8. Die ZwilUngsgeschwisier Adam und Josep'a Zengerle in der Florengaste feiern morgen ihren 79. Geburtstag tn voller Rüstigkeit.

K. Unfall. In der Rübsam'schen Wachsfabrik erlitt heute moraen gegen 81/» Uhr ein etwa 17jäh« riges Mädchen einen Schlaganfall. Es wurde von der Sanitätslolonne dem Landkrankenhause zuge- sühr«.

Rh. TaS KrmMndms V. a. K. hielt am Sonntag in den Sälen der Harmonie eine Nikolousscier ab, die so stark besucht war, daß der "Saal sich fast als zu klein erwies. Nach dem Vortrag gememschaft- lieber Lieder und passender Gedichte kam St. Nikolaus, gefolgt von Ruprecht und St. Barbara. Während etneter den Kindern Ermahnungen und Belehrungen erteilte und Ruprecht hie und Da von feiner Rute Gebrauch machte, teilte St. Barbara Geschenke aus. Der Verein gedenkt am 6. Januar 1913 im Saale bei St. Josephs heim eine Weihnachtsfeier abzuhalten, bei der ein Klippenspiel ausgesührt wird.

Vortrag im Ratnrheil-Vereiu. Der- angetün- digten Vortrag über »Die Grenzen der Naturheil­kraft mit besonderer Berücksichtigung der operations­losen Kredsbehandliing" hielt am Sonntag tn bei „Harmonie" Herr Tr. Backem-Frankfurt a. M. Er legte bar, daß eine Behandlung ohne chirurgische Eingriffe oft erfolgversprechend sei. In manchen Fällen sei eS freilich nötig, zum Messer zu greifen. Sehr wtcktig sei es, zur Verhütung von Rückfällen sofort nach der Operation die naturgemäßen Heil- sakloren anzuwenden.

* Schwrinttiaußport ank Milchwagen. Man schreibt uns: Am Samstag hte.t am «chweinemaikie em Milchwagen an, und man erlebte das unglaubliche Schauspiel, baß aus bem Wagenraume, der die Muckgesäße auszunehmen bestimmt ist, lebende Schweine entnommen und zu Markte gebracht wurden. Säst schon das Aeußere mancher Mllch- roagen, die alltäglich zur Stadt heretnkommen, alles zu ivünjchen übrig, so ericheint es direkt. ekelhaft, wenn die 'Milch auf bem Transporte zur etabt mit Tieren und deren Verunreinigungen tn Berührung gebracht itirb. Es ist höchste Zett, daß Dem Verkehr mit dem wichtigsten und dabei ewpsinviichsten Nah­rungsmittel, der lUild), seitens der Behörden gröbere Beachtung geschenkt wird.

(*) Ruhegehaltskasse für die Kommunalbeamten des Reg.-Vez. Kassel, Am Schluss: des 8. Geschäfts- ten durch Brillengläser scharf zu ihr herüber. ES war eine Musterung mit einem Blick.

„Slutter, hier bringe ich Dir meine Braut." — Friedrich legte den Arm um Isolde und sührte sie der alten Frau zu.

„Ich heiße Sie wMommen, Fräulein von Win­ningen."

Die Stimme klang rauh und nichts weniger als wie freundlich, und eine Hand, welche die Spuren der Arbeit trug, berührte flüchtig Isoldes Weißen Glacehandschuh.

In grenzenloser Verlegenheit beugte sich da» junge Mädchen über die Hand der Schwiegermutter, um sie mit ihren Lippen zu berühren, — aber heftig zog jene sie zurück.

„Ich bitte Sie, Kind, lasten Sie ein für allemal diese törichte Sitte mir gegenüber, ich bin sie nicht gewohnt und liebe sie nicht, — Sie sind genau so wie ich Sie mir gedacht habe", fuhr sie dann sott — in Isolde, vor Verlegenheit gerötetes Gesicht blickend. „Zug um Zug dem Bilde entsprechend, welches ich mir entworfen habe. Ich hoffe, Friedrich hat Sie vorher darüber aufgeklärt, wie einfach es bei un» zugeht. damit Sie nicht enttäuscht sind."

„Wir wollen aber alles tun, Mutter", fiel ihr der Sohn ins Wort, „daß sich Isolde wohl und glücklich bei uns fühlt." —

„Wo Friedrich glücklich ist, bin ich es auch", ent­gegnete die junge Braut halblaut, „ich habe nur den Wunsch und das Bestreben, ihn glücklich zu machen." Prüfend f'b die alte Frau Karsten sie an, — sie saßen neben dec Schwiegermutter auf dem unmoder­nen, mit grellrotem Samt bezogenen Sofa.

„Das Streben an sich ist ja ganz lobenswert", bemerkte die alte Frau trocken, „und genügt für die Tändelstunden des Braufftandes, — aber das geben läßt sich nicht mit schönen Worten und guten Vor­sätzen abftnden, es fordert Taten, und ob Sie imstande sind, in diesem Sinne glücklich zu machen, weiß ich nicht."

„Mutter", bat Friedrich in fast flehendem Ton.

„Ja, ich habe c5 nicht gelernt, schöne Phrasen zu machen, ich sage, wakJch denke, gerade heraus, daran müsten Sie sich gewöhnen — ab-r", zum erstenmal trat ein warmer, inniger AuÄu i die Augen der

jahrez (31. März 1912) gehörten der Kaste als Mit- glicbcr an: 22 (im Vorjahre 22) Landkreise, 47 (4o) Städte, 14 (11) Landgemeinden, 59 (57) andere Kör­perschaften, 23 (23) Großgrundbesitzer, 7 (7) Landrate des Regierungsbezirks Kassel, sowie 3 Kreise, 4 Städte und 1 Landgemeinde der Fürstentümer Waldeck und Pyrmont, zusammen alfo 180 (173) Mitglieder mit überhaupt 1025 «9v'4) Beamten und 2 329 705,17 Mk. (2 202 873,38 Mk.) ruhegehaltsberechtigten Einkorn- men. Tie tm Etatsjahre 1911 erhobenen Mitglieder- betträge beztsfertcil sich aus zusammen 118 799,41 Mk. Die Kasse übernahnt bei 87 (t. V. 75) in den Ruhe­stand versetzten Beamten und Lehrern die Zahlung der Ruhegebälter in Höhe von 92 091,52 Mark (66 256,93 Mk.) Hiernach betrug der Zugang an Pensionen 12 und an übernommenen Ruhegehältern 25 834,59 Alk. An Verwaltungskosten wurden 157,06 Mark (189,12 Mk) bst tritt en, sodaß unter Berücksich­tigung des zu Beginn des Etatsjahres übernommenen Bestandes von 2859,19 Mk. ein Bestand von 5465.35 Mark verblieb, der auf das nächste Jahr übertragen worden ist. Der Reservefonds, welcher außer den vorgedachten Mitglieberbeiträgen von 23 944,67 Mk. noch eine Zinsenztinahm: von 5366,50 Mk. hatte, ver­fügte Ende 1911 über ein in Wertpapieren angelegtes Vermögen im Nennwerte von 178 700 Mk. (146 700 Mark) und im Ankaufspreise von 171067,20 Mk. (142 203,20 Nik.).

Aus dem NachbargebieLe.

-ö- Steinbach (Nhön), 2. Dez. 1912. Am Sonntag sand bi-r tm Saale der Walk'schen Gastwirtschaft eine Versammlung des Volksvereins statt, die von saft allen 'Männern und Jünglingen unserer Ge­meinde besucht war Nach Eröffnung der Versamm­lung durch den Geschäftssuhrer, Henn B ö ke r, hieß der Vorsitzende, Herr Pfarrer Wiegand, die Er­schienenen herzttch willkommen und dankte ihnen für ihre rege Teilnahme. In schönen Worten feierte er bann bie beiben höchsten Gewalten, Papst unb Kaiser, unb brachte auf sie ein Hoch aus, das in dem Liede: „Ein dentutsvoller Glaube" cmsklang. Daraus ent­warf der Vorsitzende ein herrliches Lebensbild des Paderborner Bischofs Konrad Martin, der in der traurigen Zeit des Kulturkampfes wegen seiner Treue zur Kirche und Liebe zu feiner Diözese Kerker und Festungshaft erleiden mußte, ja sogar des Landes verwiesen wurde und bann als Flüchtling umher» irrte, bis er in der Verbannung starb. Sobann sprach Herr Kaplan Beck -Eiterselb über bie Bestrebungen derSozialbemokraten unb beleuchtet: bereu geträumten Zukunftsstaat, inbem er ihn mit unserem Staats­wesen verglich unb babei auf bie Vorgänge in Frank­reich unb der Pyrenaerchalbinsel hinwies. Nachbem ber Vorsitzende beit beiden Rednern im Namen der ganzen Versammlung seinen Dank ausgesprochen hatte, schloß bie schön verlaufene Feier. — Sicherlich hat jeber ber Versammlungsteilnehmer ans den treff­lichen Ausführungen, bie von tiefem Ernst getragen waren, aber auch des echten Humors nicht entbehrten, manche Anregung unb neue Begeisterung für ben Volksverein, besten au (klärende Arbeit gerabe in un­serer Zeit so not tut, mit nach Hause genommen.

Find'«, 2. Ten 1912. (Seilern Abend hielt biet der Volksverein in Gemeinschaft mit bem kath. Arbeiter-Verein einen Famtlienabend ab, bet bem auch bte Frauen nickt fehlten. In humor­voller Ansprache eröffnete Herr Pfarrer Winter von hier bie Versammlung und erteilte Herrn Rektor Haseneier (Groß-Auhetm) bas Wort zu einem Lichtbildervorttag über Entstehung unb Werbegang ber eucharistischen Kongresse. Herr Popp-Fnlba sührte in Lichtbildern eine Anzahl berühmter Kon­greßteilnehmer, Kirchen unb Kathedralen ber Kongreß, orte, sowie einig« Hauplgruppen ber während bet Kongresse »eranflnlteen Prozessionen vor. Der Redner empsahl bann eindringlich, bie kath. Presse zu unterstützen. Die Gesangsabteilung be§ Arbeiter­vereins trug einige gut gelungene Sieber vor. Herr Haseneier ergriff bann zum zweitenmale bas Wort zu einem zeitgemäßen Vortrage über Jugendpflege und Gefahren"oer Jugend in ben Großstädten. Et schilderte seine Erlebnisse als Seelsorger tm Industrie­gebiet und empfahl als wirksames Gegenmi tel gegen die sozialvemokrattscke Jugendarbeit die Gründung christlicher Jugendvereinigungen. Es wurde daraus beschlossen, hier in Flieden einen Jünglingsver­ein zu gründen. Herr Pfarrer Winter bonlte bem Reiner für lerne glanzvollen Ausführungen und fchloz die Veriammluna.

—// Soden-Stolzenberg, 2. D:z. 1912. Die hie- fige Mattanische Jungfrauen-Kongregation beging Frau, „mein Junge liebt Sie mit ber ganzen Kraft seines Herzens, spielen Sie nie mit dieser Siebe, er würde daran zugrunde gehen, es ist die eine große Bitte, welche ich an Si: habe, — mein Sohn ist das letzte, bas einzige, was bas Geschick an Menschen, bie ich liebte, mir gelassen hat, in bem mein ganzes Leben unb Denken gipfelt."

Der Eintritt ber mürrischen Magd, in dem kurzen breiten Wollrock unb der schwarzen Schürze, enthob Isolde d:r Antwort; — sie brachte eine mächtige, dickbäuchige, dampfende Porzellan-Kaffeekanne herein, aus welcher sie die großblumigen Tuffen bis zum Rand vollgotz, während Frau Karsten einen der- lockend aussehenden Kuchen anschnitt.

„Ist er selbst gebacken?" fragte Isolde, nur, um überhaupt etwas zu sagen.

Die Schwiegermutter sah sie erstaunt an. „Aber natürlich, ich backe alles selbst, — das wäre noch des- fer — das Geld zum Bäcker tragen und dafür mangel- hafte Ware eintauschen, — ich nehme nur die besten Zutaten, da weiß ich, was ich habe, das ist mein Friedrich von Jugend an nicht anders gewöhnt. Sie tonnen doch auch kochen, Fräulein von Winningen?"

-Ich kann es ja lernen", stotterte sie, „bisher hat eS immer unser Mädchen gemacht."

„Beunruhige Dich nicht", tröstete Friedrich, ihre Hand ergreifend, — „die gute Mutter wird schon unserer Köchin Anweisungen erteilen, und Deine Pflichten erleichtern."

„Ein: gute Hausfrau muß in allem selbst Bescheid wissen", erklärte strengen ToneS die Mutter, — „bie eigene Kraft ist stets der bezahlten vorzuziehen, wenn sie es auch nicht selbst ausübt, sie muß anleiten kvn- neu. — Jedes junge Mädchen muß wissen, toi: man ein Zimmer reinigt, — das Essen, vom einfachsten bis zum feinsten, kocht, — wieviel Seife zu einer ordentlichen Wäsche gehört, wie sie zu handhaben ist — und muß alle Verrichtungen des Hauses einmal selber getan haben, dann erst kann sie die richtige Be­urteilung aller Arbeit gewinnen, ihrem Haushalt ordentlich Vorstehen, und ihre Leute gern und lange in ihrem Dienst behalten."

„Man hat mich bisher in dem allen noch nicht unterrichtet", versichert: Isolde offen.

„Das sehe ich den Händen an", leichter Spott

am Sonntag ihr S t if t u n g s s e st. Bei übersetztem Kurhaussaale erfreute sie bie Besucher mit bem er­bauliche Theaterstück „Fabiola" unter Leitung der Fräulein Lehrerin Kreß. Betätigung des jcsten Glau­bens an Christus in Hingabe b:s Lebens für ibn kam meisterhast zur Darstellung. Nickst minder anregenb unb belcljrenb wirkte ber darauf folgende „April­scherz" mit ber Tenbenz für bie Dienstherrschaften, nur echt christliches Dienstpersonal zu engagieren, wahrend das Dienstpersonal treffliche Belehrung erhielt, nur bet solchen Herrschaften einzutreten, die ihnen gestat­ten, ihren religiösen Obliegenheiten allzeit genügen zu dürsen. Die ergiebigen Einnahmen werden größten­teils bem Bonisattus-Berein zusließcn.

* Pom Kreuzberg, 2. Dez. 1912. Am gestrigen Sonntag hatten sich eine große Anzahl von Sport- freunben eingefunben, bie bei herrlichstem Winter- toetter — 40 Zentimeter Schneehöhe unb tounberbarer Rauhreis — bem Schisport eifrig hulbigten. Seit heute morgen herrschen im Rhöngebirge heftige Schneewehen. ,

-d- Bad Crb, 2. Dez. 1912. Seit einigen Tagen sinb hier weitere Kreise in einige Unruhe versetzt. Der starke Sprubel ber Philipp Ludwig- Quelle ist ausgeblieben. Ein Gluck, baß er seinen Streik in bie stille Zeit verlegt hat, sonst hätte das Ausbleiben schwere Nachteile verursachen können. Hoffentlich hat er seine Tätigkeit nur vor- übergchmb eingestellt unb hält nur einen Winter- schlaf, um für bie fortgesetzt steigenden Ansprüche ber Saison neue Kräfte zu sammeln.

* Bübingen, 1. Dez. 1912. Zur Erschlie­ßung bes'süblichen Abhanges des Bo- gelsberges taucht wieder mal ein Plan auf, hof­fentlich kommt dieser endlich zum Abschluß, um auch ben bortigen Anwohnern bte Vorteile des Verkehrs zugänglich zu machen. Wiederholt schon ist nachge­wiesen worden, daß eine direkte Bahnver­bindung Fulda—Frankfurt mit gleichzei­tiger Entlastung ber Bebraer Bahn nur burch dieser 2Hl des Vogelsberges schneiden kann. Vorerst ist et eine Kraftwagenverbindung, die zwischen Büdingen unb Schlierbach bezw. Birstem beabsichtigt wirb. —- Auch die Bahn Bübingen—Hanau tritt toieber in ben Vordergrunb, so wurden in letzter Zeit in ver­schiedenen in Betracht kommenden Orten Gemeinde ratssitzungen abgehalten, tn den:n bei ber Erkenntnis, daß jede Bahn Verkehr bringt, nicht allein tue früher gegebene Zustimmung erteilt, sondern es wurde auch ber lebhafte Wunsch ausgesprochen, baß bie Arbeiten bald in Angriff genommen to :rben möchten.

* Hanau, 2. Dez. 1912. Die organisierten Schnei­der haben gestern ihren seitherigen Taris g e k ü n- bigt. Sie forbern eine zehn- bis zwölfprozentige Lohnerhöhung. — Im Nachbarorte Hüttengesäß geriet ber Maschinenführer Dotth mit ber Hand unter eine Strohpresse, sodaß sie bis an das Gelenk völlig zermalmt wurde.

* Offenbach, 2. Dez. 1912. Wiederholt wurde tm Stadtverordnetenkollegium von bürgerlicher Seite be­antragt, kleinere Einkommen, etwa bis zu 1200 Mk., von der städtischen Steuer zu befreien. Man irrte sich aber, wenn man meinte, bie sozialbemokra- tische Mehrheit würde bie Gelegenheit wahr- nehmen, bie wirtschaftlichen Schwachen von ber Steu­erlast zu befreien. Im Gegenteil, bie sozialdemokra­tische Mehrheit lehnte diese Anträge immer ab. Ein fortschrittlicher Stadtverordneter brachte nun neuer» dings den Antrag ein, die Grenze ber steuerfreien Einkommen von 600 Mk. auf 900 Mk. zu erhöhen, da die finanzielle Lage ber Stadt diese Erleichterung wohl gestatte. Die Mehrheit folgte auch diesem An­trag, bekam dann aber wieder „Reue" und änderte ben Beschluß dahin ab, daß nur die Einkommen bis zu 750 Mk. fteuerfrei fein sollten.

* Frankfurt a. M., 2. Dez. 1912. Die städtische Skulpturensammlung erwarb aus ber Galerie Lipp- mann-Berlin ein Majolikarelief von Andrea della Robbia: Seda mit bem Schwan darstellenb. Wie ber Katalog mitteilt, entstammt das künstlerisch bedeut­same Werk dem Badezimmer des Eostmo von Medici. Der Kaufpreis beträgt 26 000 Mk. — In der St. Josephskirche wurde am Sonntag vormittag der 52- jährige Privatier Pfeiffer von einem tödlichen Schlag­anfall betroffen. — Arn Samstag abend wurde in b-r Stallung des Fuhrunternehmers Buhl der 58- jährige, von Offenbach stammende Tagelöhner Eisen­mann unter ber Pserdekrippe t o t baliegenb anfgefun- ben. Eisenmann war obdachlos unb hatte sich in ben Stall ein-wschlicken, um dort zu nächtigen. Ein Schlaganfall hat seinem Leben ein Ziel gesetzt. — Am letzten Donnerstag verlor ein Mädchen am Hauvt- bahnhof einen H u n dertmarkschein. Sie Hang durch bie Worte der Frau, — „Sie haben nie gelernt anzugreisen, — und wohl auch nicht festzu­halten."

„In unseren Kreisen legt man daraus nicht fo viel Wert, wir sind mehr für Kunst, Sport und Wis­senschaft -erzogen", — in Isolde regte sich die Aristo­kratin — aber kaum ausgesprochen, bereute sie ihre übereilten Worte.

„Ja, das ist eben ber Knotenpunkt", — bie Alte nickte mit bem Kops, — „in unseren Kreisen schätzt man bie Frau nach ihren häuslichen Fähigkeiten ein — unb in diese Kreise gehören Sie doch nun fortan hinein, ob Sie sich einst darin gefallen, hängt von Ihnen ab, denn wir haben genau so unseren Stolz wie Sie den Ihren, — nur bei Ihnen sieht man mehr aus bie Schale, bei uns aus ben Kern. Unb biefeiben Vorstellungen, bte Ihnen Ihr Herr Vater gemacht haben wird, habe ich meinem Sohn gemacht. — Ihr müßt Euch beibe klar darüber sein, daß jeder mit großer Nachsicht unb Selbstverleugnung dem an» beten entgegenkommen muß, sonst werdet Ihr es nie lernen, Euch zu verstehen."

„Aber Mama, wir verstehen uns ausgezeichnet"; Friedrich ergriff bie Hand feiner Brant.

„Abwarten", entschied bie Mutter kurz unb goß sich bie vierte Tasse Kaffee ein. Dann sah sie zu ber bleich unb stumm gewordenen Isolde hinüber unb begegnete einem flehenden Blick ihres Sohnes. „Sie bürfen mir meine Worte nicht übel nehmen", lenkte sie besänftigend, ein, — „ich sage immer, was ich denke, zwischen mir unb bem Menschen, ben ich vor mir habe, muß Klarheit fein. Sie haben sich jeben- salls ihre zukünftige Schwiegermutter anbers vorge­stellt, ich mir meine Schwiegertochter auch. Aber wir wollen beibe versuchen, gut miteinanber auszukom­men, bie beiberfeitige Siebe zu Friedrich wird uns dazu verhelfen, unb wenn ich sehe, baß Sie mir mei­nen Jungen wirklich glücklich machen, will ich Ihnen ewig Dank wissen, bann will ich Sie ganz als mein: Tochter an mein Herz nehmen. Für den Augenblm toirb Ihnen wohl auch noch nichts daran gelegen sein, — wir wollen es vorlausig bei der förmlichen Anrede lassen, — denn ich nenne nur Menschen „Tu", die ich liebe, und Sie können nicht verlangen, baß ich Sie heut, schon lieben soll." (F. f.)