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JVs 275.

Samstag 50. Noscmdrr

Zolltarifs beginnen, und eS heißt, ?r wolle in gewis- fem Sinne „abrüHen"! Die Nordamerikaner haben eine äußerst einseitig ausgebildete Industrie, die in ihren Domänen Glänzendes leistet, aber zu wenig Anpassungsfähigkeit besitzt, um allen Gebieten gerecht zu werden. Infolgedessen ist man auf manchem Ge­biete im Rückstände geblieben, und diesen will man den Bezug von Rohstoffen und Halbfabrikaten aus dem Auslande erleichtern. Besonders kommt dabei der Schiffsbau in Betracht, für den z. B. Motore aus dem Auslande billiger eingeführt werden sollen. Dort drüben setzt somit das Vorspiel für die große Zoll­tarifkämpfe der europäischen Kulturstaaten in den nächsten Jahren ein.

-E Meineide in Trier.

Im Oktober dieses Jahres ging ein gehässiger Artikel durch die gegnerische Presse unter dem Titel: „Religion und Verbrechen". In einem Meineids­prozesse in Trier richtete der Schwurgerichtsvorsitzende folgende eindringliche Mahnung an die Zeugen:

„Ich midbe Sie darauf ansmerNam, Latz gewisse Orte in der Nähe Ihres ModnsiheS sich au$,e et ebnen durch eine besonders große Zahl von Mein­eiden und deshalb in einem üblen Rufe stehen. Hier in Trier, wo man annehmen tollte, bn6 im Lande Religion herrscht, kommen mehr Meineide zur Verhandlung als zum Beispiel in der großen Stadl Köln. Dis ist ein sehr böie? Zeichen."

Der Richter mag recht haben; wir können seine Behauptung, so wie sie vorliegt, nicht nachprüfen. Unverschämt aber waren die ganz tollen Vcrallge-

3. Blatt.

Druck der ruldoer Lckientrvcerei in kulda.

Tochter sich durch solche Gesellschaft ehren guten Ruf verdirbt. Hast Tu mich verstanden, Isolde?

„Ich weiß nicht, was Du an Herrn Karsten aus­zusetzen hast, Papa."

Der Hofmarschall, der, die Hande auf dem Ru­cken verschränkt, int Zimmer auf- und niederschritt, blieb vor feiner Tochter stehen und sah sie groß an.

„An Herrn Karsten habe ich gar nichts auszusehen, der Mensch ist mir viel zu uninteressant, um mir über das Problem seiner Persönlichkeit den Kopf zu zer­brechen, — auszusctzen habe ich lediglich etwas an meiner Tochter, welche sich zu vergessen scheint.

„Willst Du nicht lieber gleich mit dem Mann, der da dratrßen in der Küche die Wasserleitung in Ord­nung bringt, anbättdeln?" fragte Wolf Winningen mit fcharfem Spott und wippte im Schaukelstuhl auf r.nö nieder. „Wenn Du Dich nun mal der allgemei­nen Verbrüderung anschließen willst, dann auch gleich ordentlich "

„Wahre Deine Zunge, Wolf", fuhr Isolde heftig auf, „ich weiß nicht, was Tu willst, Herr Karsten hat eine große Fabrik in Eisen — er--"

„Tanke, — Danke", der Hofmarschall wehrte mit der Hand ab. „Wir sind völlig orientiert über die Familienangelegenheiten dieses Herrn, — man hat Tech schon oster in seiner Begleitung gesehen, und da hat Tein Bruder die große Güte gehabt und keine Mühe gescheut, feine Personalien festzustellen, — wir sind völlig im Bilde über dir Vergangenheit des väter­lichen „Kunstschlossers", und dieser „Mann in Eisen" interessiert uns in keiner Weise weiter."

„Du bist schlecht unterrichtet, Wolf", empörte sich Isolde, „wenn man Dir nicht gesagt hat, daß Herr .Karsten ein außerordentlich guter, ehrenhafter Mensch ist." —

„Habe ich vielleicht behauptet, daß er silberne Löf­fel stiehlt", gähnte Wolf, „ich habe ja nur gesagt, er ist eilt Mnscbko."

„Ich weiß gar nicht, warum Ihr Euch so über diesen Herrn alteriert", legte sich Frau von Winnin- gen ins Mittel, „die ganze Sache ist gar nicht so viel Worte wert, tont de bruit---"

13,7, Königsberg 8,8, Frankfurt 5,1. Auch hier soll nicht in Abrede gestellt werden, dag m nntgen katho- lischen Gegenden Verletzungen der Eide-psl'cht be­dauerlich oft vorkommen, aber die Verallgemeinerung ist ungerecht und im Munde von Sozialdemokraten keck und — gefährlich. Oder darf man d>e;en „Tugendhelden" keine Gegenrechnung aufmachen-' dann sind sie, wie unser Beispiel zeigt, blamiert, während die frömmsten Gegenden wohl Grund hat­ten, mit etwas Abscheu auf die rötesten Gefilde htn- überzuschauen."

** Der -errtsch-österre'chnche BimÄrris- Bertrag.

Anläßlich der Zuspitzung der Lage auf dem Bal- kau hat geaenwärtig die Frage des Bündnisfalles zwischen desterreich-Ungarn und Deutschland beson­deres Interesse gefunden. Die fraglichen Bellimmun- gen des Bündnisvertrages sind darum von besonde­rer Wichtigkeit. , . m ...

Dem Vertrage selbst gehl das feierliche Verbre­chen der beiden Monarchen voraus, daß sie ihrem rem zur Abwehr getroffenen Abkommen nach kemer Rich­tung jemals eine Absicht zum Angriff beilegen wollen. Artikel 1 besagt Folgendes: Sollte wider Erhoffen eines der beiden Reiche von Rußland ange­griffen werden, so sind die Verbündeten vervslich- tet, einander mit ihrer gesamten Heeres- macht beiz u st eh en und den Frieden nur ge* meinsam und übereinstimmend zu schließen. Artikel 2 lautet: Würde ein-r der Vertragschließenden von einer anderen Macht als Rußland angegrif­fen, so verpflichtet sich der andere Verbündete, min­destens eine wohlwollende Haltung gegen den Ver­bündeten zu beobachten. Wenn jedoch die angreifende Macht seitens Rußlands irgendwie unterstützt wird so tritt die Verpflichtung des Artikels 1 in Kraft. Artikel 3 bestimmt: Der Vertrag soll in Ge- mäßbeit seines friedlichen Charakters geheim gehalten werden. Sollten sich aber die Hoffnungen, daß Ruß­land Frieden halte,'nicht erfüllen, fo würden beide Verbündete es als eine Pflicht der Lohalität erkennen, den Zaren mindestens vertraulich davon zu verständi­gen, daß sie einen Angriff auf einen von ihnen als gegen beide gerichtet betrachten müßten

Tatsächlich ist der Fall- daß die in dem Artikel 3 vorgesehene Mitteilung an Rußland notwendig wurde, zehn Jahre nach Abschluß des Vertrages ein­getreten. Das Verhältnis zwischen Rußland und dem deutschen Reich war damals äußerst gespannt, und vor allem die russische Presse führte eine so gehässige Sprache gegen Deutschland, daß man in Berlin nicht gleichgültig bleiben konnte. Als daher Alexander III. am 18. November 1887 Berlin passierte, gab ihm Bismarck Kenntnis von dem mit Oesterreich geschlosie- nen Vertrage unter besonderem Hinweis darauf, daß, wer mit Deutschland Frieden halten wolle, auch dessen Verbündete nicht angreifen dürfe. AI? trotzdem die drohende Sprache der russischen Presse nicht nachließ und an der galizischen Grenze sogar verdächtige Trup- penverschiebüngen vorgenommen wurden, erschien am 3. Februar 1888 gleichzeitig im Deutschen Reichsün- zeiger, in der Wiener Abendpost und im Pester Lloyd der volle Wortlaut des am 7. Oktober 1879 geschlosse­nen Bündnisses. Drei Tage sväter hielt bann Bis­marck im Reichstag seine berühmte Rede, nach der das neue Wehrgefetz angenommen würbe, durch das das erste Aufgebot um eine halbe Million deutscher Streiter bermebrt wurde. Durch das Hinzutreten Italiens wurde das Bündnis späterhin zum Drei­bund ausgestaltet.

Auf den Sportplätzen herrschte reges Treiben, die Rennen waren an der Taaesordnung, die Radler durchsausten die Gegend und das Tennisspiel vereinte wieder seine Hunger in streng gezogenem Karee.

Ein lauer Frühlingstag nahte seinem Ende, ganz leis: senkten sich die Schatten des Monds, die ganze Luft war erfüllt von Fliederblüten, welche die Wall­gräben der alten Festungsstadt umzogen, einem Dust, welcher das klare Denken betäubt und dem Menschen trügerische Bilder von Hoffen und Sehnen vor- sxtegelt.

Es war still und menschenleer in den Straßen der Vorstadt, und zwei Personen, ein Herr und eine Dame, gingen langsamen Schrittes durch die Lenzes- pracht, — die Schläger in ihren Händen verrieten, daß sie vom Tennisplatz kamen. Die Unterhaltung wurde fast ausschließlich vonseiten des Herrn ge­führt, nur ab und zu wandte die Same den Kopf und blickte zu ihm empor, denn obgleich ziemlich hoch ge­wachsen, erschien sie klein neben der riesenhaften, breitschultrigen Figur des Begleiters.

Sie hatten ihr Ziel erreicht, — das junge Mädchen blieb stehen.

„Und darf ich sagen: auf Wiedersehen?"

Tie Frage klang halb freudig, halb zagend von sei­nen Lippen.

„Bestimmt auf Wiedersehen, morgen."

Sie reichte ihm die Hand entgegen, und er um­schloß sie mit festem Truck.

„Tausend Dank für die Aussicht und gute Nacht, Fräulein Isolde."

Grüßend zog er den Hut, langsam schritt sie die Stufen zur elterlichen Wohnung empor und betrat das Familienzimmer.

„Soer war der Herr, der Tech soeben nach Hanse gebracht d 't, Isolde", fragte sogleich nach der Begrü­ßung der Hosmarschall mit ziemlich eindringlichem Ton.

Isolde wurde c'tvas Uericgen. —

„Fabrikbesitzer Karsten, Papa." , .

„Du wirst die Begleitung dieses Herrn in Zm'mst ein für allemal ablehnen, ich wünsche nicht, M ’ reine

meinerungen, mit denen besonders die rote Presse dieses ernste Rickterwori glossierte:

-Also uud) hur Die immer wteöerlehrenbe Drtchemung, daß wir in den frö mmst en Gegend en die idjlimmften und meisten -8 er d r e ch er linden. Wie osl (Wo? d. Red.) haben die Ger.chle ,chon früher aus diesen Umstand him-ewiewn, und fetzt idlliefet sich auch der Vorsitzende des Schwurgerichts Trier der Meinung an, daß Frömmigkeit gegen -der brechen nicht schützt, ,andern daß tn den frömmsten lalhoUschen legenden die Verbrechen starter auf treten roie aiiberSroo." .

Wir wandten uns, um die Dreistigkeit der sozta- listischm Glossen zahlenmäßig Nachweisen zu können, an einen bekannten katholischen Statistiker, der uns folgende sehr interessante Auskunft gab:

„Man kann zugeben, daß es auch katholische Lan- desteile mit hoher Kriminalität gebe, besonders tn den östlichen Provinzen Preußens mit vorwiegend polnischer Bevollerung und in Altbayern mit feiner zu Raushändeln geneigten Landbevölkerung. Aber in der Allgemeinheit tst der Satz „daß in den fromm« sten katholischen Gegenden die Verbrechen starker auf­treten wie anderswo", ganz falsch.

Das amtliche Quellenwerk „Statistik des deut­schen Reiches", Bd. 155, gibt eine zusammenfassende Uebersichi über die Kriminalität im Durchschnitt de§ Jahrzehntes 1893—1902. Danach kamen nn gan­zen Reich auf je 10 000 Strasrnündige 118,5 Verur­teilte. Unter den Bundesstaaten und größeren Ver- ' waltungsbezirken finden sich bei den „frommen ka- 1 thvlischeil Gegenden" eine ganze Reihe, die i weit unter dem Durchschnitt stehen, so die preußischen : Regierungsbezirke Osnabrück mit 57,3 Verurteilten auf lu 0Ö0 Strafmündige; Sigmaringen mit 61,1; Koblenz mit 76,2; Aachen mit 79,9; Munster mit 84,3; Trier mit 101,1. die badischen Bezirke Mos- batu mit 62,1; Konstanz mit 71,5; Waldshut mit 77,6; Baden mit 84,9: der Bezirk Lothringen mit 84,4 usw.

Dagegen haben die Hochburgen der So­zialdemokratie gang enorme Ziffern aufzuweisen, die weit über dm Durchschnitt hinaus- gehen, so die Bundesstaaten Bremen mit 192,7; Ham­burg mit 167,3: Schwarzburg-Rudolstadt mit 141.7; die "Reichshauvtstadt mit 157,2; die Pfalz mit 177,9; Heidelberg mit 133,8; Mannheim mit 204,5. .

Und innerhalb der größeren Verwaltungsbezirke sind es wiederum fehr häufig gerade „die frommen katholischen Gegenden", welche sich durch, geringe Kriminalitätszisfern auszeichnen, während die Kreis:, in denen die ungläubige Sozialdemokratie am stärk­sten vertreten ist, die höchsten Kriminalitatszifsern haben. , .. . -

So fanden sich im gleichen Jahrzehnt die n red - rigften Kriminalitätsziffern im ganzen deutschen Reich in den ganz katholische n Kreisen Hume- ling mit 24,1 und Warendorf mit 28,3 Verurteilten auf je 10 000 Strafmündige. Im Großherzogtum Oldenburg hatten die „frommen katholischen Aemter Vechta 47,0, Cloppenburg 62,7, Friesoyte 72,6 Ber- urteilte auf 10 000 Strafmündige; die Hochburgen der Sozialdemokratie Delmenhorst 145,1 und Bud- jabingen 130,7. Im Regierungsbezirk Düsseldorf hatten Kleve 42,8, Geldern 43,1; dagegen Duisburg 155,1, Essen 183,7 Verurteilte auf 10 000 Strasmün- blSUnb nun im besonderen der Regierungsbezirk Trier, von dem die Erörterung ausging. Im Durchschnitt hatte er 101,1 Verurteilte, also bedeutend weniger als der Reichsdurchschnitt (118,5), aber er» heblich mehr als die benachbarten „frommen katho­lischen" Bezirke Aachen und Koblenz. Wie ,kommt dieser Durchschnitt zustande? Sind es vielleicht die „frommen katholischen" Landkreise des Bezirks, dw hohe Kriminalitätsziffern haben? Nein, sie belief sich im Kreise Prüm auf 41,0, in Bitburg auf 43,7, m Wittlich auf 52,5, in Daun auf 55,9, in Bernkastel auf 57,8 in Saarburg auf 58,7, im Landkreis Trier auf 79,8, selbst in der Stadt Trier nur auf 105,3; dagegen in Saarbrücken auf 146,5 und in Ottweiler auf 142,1. Also die angeschuldigten Kreise Wittlich und Bernkastel gehören zu den Gegenden mit ge­ringster Kriminalität, die in Deutschland überhaupt vorkonimen. .

Speziell Verletzungen der Eidespflicht sind in dem genannten Quellenwerk für den Durch- schnitt der Jahre 1883—1902 nur für größere Ver­waltungsbezirke angegeben. Es kamen in bteiem Zeitraum auf da? Reich im ganzen 4,2, auf die ?,frommen katholischen" Regierungsbezirke Aachen 13, Osnabrück 1,3, Koblenz 2,0, Trier 2,3, Sig- maringen 2,4, Münster 2,4 Verurteilte wegen Ver- letmng der EideSpslicht auf je 10 000 Strafmündige; dagegen in den nicht frommen und nicht katho­lischen Bremen 5,2, Schwarzburg-Rudolstadt 5,5, Braunschweig 4,6, i,n Regierungsbezirk Gumbinnen

„Für mich ist sie noch mehr Worte wert, Mama", Isolde richtete sich zu ihrer ganzen Höhe empor, —, >enn ich habe die Absicht, Friedrich Karsten zu hei- raten." — _ , , ..

„Zu bei—ra—ten!" Der Hofmarschall bheb mit­ten in dem Zimmer stehen und rang förmlich nach Worten. _, .

Wolf sprang so heftig aus dem Schaukelstuhl, daß dieser mitten in das Zimmer flog, trat dicht vor feine Schwester hin und herrschte sie an, „bist Du verrückt geworden?", während die geborene Gräfin sich in ihre Sofaecke zurücklehnte und laut zu lachen begann. „Kinder, Ihr fallt auf alles herein, die Isolde hat sich einen Spaß mit uns gemacht."

„Ich bin weder verrückt, noch habe ich Spatz ge» macht", sagte Isolde, jedes Wort betonend, „es ist mein voller Ernst."

Das war zu viel für den Hofmarschall, er hatte feine Sprache wiedergesunden und der Vollblutaristo­krat in ihm bäumte sich auf. — Die Empörungsworte seines gekränkten Standesgesühls regneten nur so auf Isolde'herab. Alles, was er in 25, Jahren in der Atmosphäre der Hosluft an Rangesstolz aufgesogen hatte, was seinem Leben zur Notwendigkeit geworden war, es ergoß sich über die Tochter, welche allem mit offenem Blick und ruhiger Haltung standhielt.

„Ich soll wohl den Abschied nehmen, das könnte Dir Passen", fuhr Wolf die Schwester an, „aber ich erkläre Dir feierlich, ich sage mich von Dir los, ich kenne Dich nicht mehr — oder glaubst Tu, ich werde mit meinem Schwager Arm in Arm durch die Stra­ßen gehen, der aus den niedrigsten Kreisen der Stadt stammt? Tie ganze Affäre haben wir wieder lebig» lich Seiner unglaublichen Freundschaft mit der eu» berstein zu danken, ich habe Dich oft genug gewarnt, wer verkehrt auch mit „sowas", wärst Du nicht da in den Tennisklub eingetreten, hättest ^u m: den „Mann in Eisen" kennen gelernt."

„Wie bist Du nur auf die wunderbare Idee ver­fallen, den Menschen heiraten zu wollen", klagte die geboren: Gräfin in der Sofaecke und wischte sich die Stirn mit dem Spitzentaschentuch, „lieben kannst Tu ihn dock unmöglich." (Fortsetzung folgt.)

vermischtes.

* Ter höchste Turm in Deutschland wird der Neubau des im vergangenen Frü. .ahr eingesturzten Nau euer Telefunkenturmes sem Die jetzige Neuanlage dürste die größte dieser Art auf bet ganzen Welt sein, denn sie besteht aus nicht we­niger als 14 Telefunkentürmen, von denen einer eine Hühe von 275 Bieter erreichen wirb. Von den neuen Telefunkentürmen in Rauen werden zwei demnächst in Betrieb genommen. Die ganze Anlage soll Ende 1913 vollendet fein. Der emgesturzte Turm war ll)0*'^ir Jubiläumsstiftung der Firma Krupp für das preußische Heer macht sich, wie wir m der „P> st lesen, in außerordentlich erfreulicher Weise geltend. Bekanntlich erhält der Unteroffizier^ der nach 12iah- riger Dienstzeit ausscheidet, eine Prämie von 1000 Mk., die ihm den Uebergang in das bürgerliche S-ben erleichtern lall. Dem Unteroffizier aber,, der aus irgendwelchen Gründen den Dienst früh -r verlas sen muß, stehen außer seiner Rente keine anderen Mittel zu Gebote. So ist er vor die Notwendig!-it gestellt, den neuen Abschnitt seines Daseins mit Schulden zu beginnen oder ^de Tattgknt anzuneh» men die sich ihm darbietet. In dieser Hinsicht kann die Krupp-Jubiläumsstiftung in der Aat geradezu als ein Segen bezeichnet werden.. Auch die -Emrich. tuna von neuen Soldatenheimen, welche durch diese Stiftung ermöglicht worden ist, kann auf bas ^^*LohubÄÄug ^Berliner Schneibergewerbe. Eine Berliner Mitgliederversammlung sämtlicher Branchen des Schneiberverbandes gab ihre Zustimmung zu der geplanten Lohnbewegung Gefordert wird von denKonfektionsfehneidern YaupLsachllch emcinheiticher Tarif für alle in Frage kommenden Geschäfte, sowie eine durchschnittliche Lohnerhöhung vo n - eh« Prozen für die Kostümschneider die -ßer> ung der Arbeuszeit von 9 auf 8Vi Stunden, sowie eben» falls Lohuzulagen. In Frage kommen gegen 6000

Mor?anschlag auf den Londoner Polizeichef. Der Londoner Polizeipräsident ist Mittwoch abend vor fei» ner Wohnung von einem unbekannten Engländer durch Revolverschüsse schwer Zerfetzt worden. Der Chef der Londoner Polizei, Sir Eduard Richard Henry war gerade mit seinem Auto nach Hause ge» kommen, als ein junger, gutgekleidtter Mann auf ihn zutrat und drei Schüsse auf ihn abgab. Zwei Ku?^" verfehlten ihr Ziel, während die dritte dem Polizei» Präsidenten in den Unterleib drang. ®er Gbauffeur des Polizeichefs sprang sofort hinzu und streckte den Attentäter mit einem wohlgezielten Faustschlag zu Boden. Zwei Detektivs, die sich ständig tn ber Be­gleitung des Polizeichefs befinben, eilten gleichfalls herbei und fesselten den Verbrecher. — Es wurde feft> gestellt, daß er ein 25jäbriger Auto uhrer namens Bowes auS der Londoner Vorstadt Acton ist Das Moftv seiner Tat war Rachsucht. Sem Gesuch um Zulassung als Autodroschkenführer war von der Polizei abgelehnt und seiner Beschwerde beim Ober» kommissar war von diesem nicht stattgegeben worden.

* Fahnenflüchtige Russen. Immer noch fluchtm aus Kriegsangst zahlreiche wehrpflichtige Russen wber die ostpreutzische Grenze. Vielen der An» kömmlinge fehlen die Mittel zur Weiterreise, so daß die Russen zur Zeit scharenweise in den ostpreutzischen Grenzorten festfitzen. ..

* Russische GesängniSreformeu. DaS GekmgniS' ressort wird in der Reichsduma eine Gesetzvorlage zur Reorganisation der Zuchthäuser embrtngcn. Zwangsarbeit soll künftig nicht nur m den ^wangsarbeitshäusern in Sibirien stattfinden, sondern auch im europäischen Rußland; zugleich soll die Zwangsansieblung abgeschafft werden.

— Aus ber Schule. Lehrer: „9Bie ich euch ge­zeigt habe, liebe Kinder, bedeutet die Vorsilbe ,yer' meistens, baß etwas in einen ungünstigen Zustand übergegangen oder schlechter geworden ist; ihr habt da z B. die Worte „verderben", .verpfuschen" und fo weiter. Kann mir jemand von euch noch ander« Beispiele sagen?" Fritz: „Verloben, verheiraten!

lvochen-Kundjchau.

[:] Fulda, 29. November 1912.

Ä«r Reichstag hat seine Arbeiten wieder auf« genommen. Wenn die Reichsboten wieder in Ber­lin zusammentreten, dann heißt es für gewöhnlich: Uni) jedermann erwartet sich ein Fest." Die Be­ratungen haben jedoch außer einer Kraftprobe zwi­schen Rechts und Links bei der Präsidentenwahl und ein er Teuerungsdebatte, die erheblich zu spät kam, noch nichts von Belang gebracht. Man arbeitete fleißig Gegenstände zweiter Ordnung ab. der nächsten Woche soll und will der Kanzler zur auswärtigen Sage sprechen. Sann werden die Tribünen auf ihre Kosten kommen.

Mit großem Interesse wurde tm ganzen Reiche ber Verlauf des außerordentlichen Kongreßes der christlichen Gewerkschaften in Essen ver- folgt. Wer sich von den dort geführten Verhandlitn- aen Mitzhelligkeiten und ftbärfercS Hervortreten be­stehender Gegensätze versprochen hat, ist nicht auf seine Rechnung gelommen. Der Kongreß hat vielmehr we­sentlich zu einer Klärung der durch die päpstliche Ge- verlfchaftsenzyklika geschaffenen Sage beigetragen. Er hat das erfreuliche Ergebnis gehabt, daß die Auffas­sung der deutschen Bischöfe über > i Zweck und Sinn der päpstlichen Entscheidung sich mit der Auffassung ber christlichen Gewerkschaften deckt. Diese Tatsache kann nur zur Beruhigung der Gemü:r und zur Einstellung jeglicher Polemik über di- Streitfrage Anlaß geben. Immer deutlicher tritt die Ansicht zu­gute, daß durch das päpstliche Schreiben an dem be­stehenden Zustande nichts geändert werden soll, daß es vielmehr nur die notwendige Folge des langen Drängens aus gewissen katholischen Kreisen heraus war.

Die Zusammenkunft des Kaisers mit dem Erz­herzog Thronfolger von Oesterreich bietet einen neuen Beweis für die Festigkeit und Einmütigkeit des Drei­bundes in den augenblicklichen Zeitkäufen. Sie Einig­keit Deutschlands mit seinem österreichischen Bundes­genossen bietet gerade jetzt die beste Gewähr für die Erhaltung des europäischen Friedens. Mit Genug­tuung muß es uns auch erfüllen, daß gerade von amt­licher deutscher Stelle aus durch eine energische Er­klärung die durch Kriegsfurcht und unkontrollierbare Gerüchte beunruhigten Gemüter wieder ins Gleich­gewicht gebracht worden sind und die internattonale Lage eine Entspannung erfahren h Denn trotz der noch immer nicht unbedenklichen L die besonders durch eine österreichisch-russische Span­nung verschärft worden war, beginnt man allmäh­lich doch wieder allgemein einer optimistischeren Auf­fassung ber diplomatischen Sage zuzuneigen. Hatte die Beruhigungsnote der deutschen Regierung die Sorge befeitigt, daß die Frag- des serbischen Adria- Hafens, aus dem Gesamtkomplex der Balkanprobleme losgelöst, von heute aus morgen zu verhängnisvollen Verwicklungen führen könne, so sind die Nachrichten über das Wiedererschein-n des österreichisch-ungari­schen Konsuls Brochaska von Prisrend geeignet, eine andere ernste Sorge zu erheben. Auch in Belgrad scheint man endlich die Ueberzeugung zu gewinnen, daß die Politik des russischen Gesandten von Hartwig nicht die Billigung des amtlichen Rußlands findet. Die serbische Kriegsstimmung würde zweifellos sehr batb' abflauen und die serbische Regierung würde auch recht bald ihre Ansprüche zu mäßigen versteh:», wenn man von Petersburg aus unumwunden er­klären wollte, daß Serbien auf russische Unterstützung nicht zu rechnen hat. Die Friedensverhand­lungen zwischen der Pfort: und dem Balkanbund kommen nicht recht vom Fleck. Die Forderungen des letzteren sind nicht wesentlich mäßiger geworden, er beharrt auf Uebergabe von Skutari, Janina und Adrianopel, und, da die Pforte mit der Aufgabe dieser Plätze, vor denen die Balkanheere bisher nicht viel erreichen konnten, tatsächlich ihren europäischen Be­sitzstand preisgeben würde, so ist e§ wohl zu verstehen, wenn sie sich auf diese B-dingungen nicht ohne weite­res einlassen will. Um so mehr, als sie in der Tscha- taldschalinie doch tatsächlich den Angreifern gegenüber im Vorteil ist. lieber die Grausamkeiten der Er­oberer gegen di- mohammedanische Bevölkerung wer­den grauenhafte Meldungen gegeben. Beruhen sie auf Wahrheit, bann wird der siegreiche Feldzug der Dalkanvölker gegen den Halbmond für ewige Zeiten besudelt und gebrandmarkt bleib’n. Unterdessen frißt die Cholera auf dem Balkan weiter, noch fallen ihr bei dem Mangel aller Vorkehrungen zum Eindäm- men der Seuche, tausende zum Opfer. Auch deutsche Kriegsberichterstatter sind an der Cholera erkrankt, einer ist ihr bereits zum Opfer gefallen.

In den Vereinigten Staaten wird der neue Präsident seine Arbeit mit einer Revision des

12] Roman von Fritz Ewald.

„Er verachtet mich", schluchzte sie, „verachtet mich tore die Eltern und alle, welche es ja tun müssen, die einft Ellinor Danhoff gern gehabt. — Um etwas Tröstendes hervorzusuchen, dachte sie an Leo, wie er Ihr zu Füßen gesunken war mft dem Aufschrei: „ich danke Dir" und ihr doch immer wieder versicherte, „hätte ich diesen Schritt nur im entferntesten ahnen können, dies Opfer hätte ich niemals von Dir an­genommen, lieber hätte ich alles ertragen, als meine Schuld mit diesem Preis zu tilgen." Aber er war wenigstens frei von dieser drückenden Sorge, — la­chend hatte heute morgen Colmani die Schuldscheine vernichtet.

Ellinor trat zum Fenster und öffnete eS, die kalte, erfrischende Luft tat ihr wohl, — ein- prächtige, vom Mondlicht übergossene Schneelandschaft breitete sich vor- ihren Blicken ans — eine dicke weiße Decke lag über den Bluten, welche einft im Frühlingsglanz ge­standen, — so lag auck eine kalte dichte Schicht über den Hoffnungsblüten ihres Lebens. — Drüben, in einem der Häuser bemühte sich eine ungeübte Hand, eine Melodie zufaminenzubrmgen, sie sann über den Text nach, lächelte bitter und sprach leise zu den Klängen:

„Du hast Siamanten und Perlen, Hast alles, was Menschen Begehr; Tu hast ja die schönsten Augen, Herzliebchen, wa§ willst Su noch mehr?" Unweit im Kasino ab:r trank man jetzt auf ihr Wohl, auf ihr Gluck, und knallten in rascher Reihen­folge die schwer errungenen Ehampagnerpsropsen. — 8. Kapitel.

Der Winter verging, — die Sage wurden längir, — die Sonne stieg hoher. — der Frühling wand einen Kranz von Blüten und brachte ihn der Mutter Erde rum Gruß, und streute Gaben der erneuten Lebens- Winutm -. Lebensfreude den Kinder» d:r Welt!

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