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z. eian.

Druck der ruitcer Sctientmmi in fiulbe.

*$* SulSaer Leitung.

Jf 275.

Donnerstag 28. November 1912.

Lokales.

Fulda. 28. Nov. 1912.

§ Ernannt. Der Vizefeldwebel Fennel vom Feld. ♦ Regt. Nr. 47 ist vom 1. Derember zum Stations-Aspirant in Ragulen (Rt§. Dessaus ernannt.

* Verliehen wurde dem Holpttalsprovisor Blumenstem, dem Siechenhausprovisor Schäfer, beide gu Spangenberg, dem Tendarmerieoberwachlmeifter Zeichner zu Eschwege, den Fußgendarmeriewacht­meistern Scheibe zu Rmteln und Grüll zu Langen­selbold das Allgemeine Ehrenzeichen, sowie dem Hauer Rieth zu Roppershain im Kreise Homberg das Allg. Ehrenzeichen in Bronze.

-r- «in Wort an daS kaufende Publikum. Vor nicht langer Zeit ist an diefer Stelle nock die Rede vom Borgunwesen gewesen, daS sich seitens deS kaufenden Publikums den Gewerbetreibenden gegen­über bemerkbar mache. Man geht nicht fehl in der Annahme, daß dabei in vielen Fällen Lässigkeit eine erhebliche Rolle spielt, zumal sich die Borger zu einem nicht geringen Prozentsatz aus begüterten Kreisen rekrutieren, und gerade diese os. übermäßig lang mit den Zahlungen zögern. Die Klein-Handelsgeschäfte, die durch Konventionen von Fabrikanten und Groß­händlern an kurze Zahlungssrifren gebunden sind und ihre Verkauispreise im allgemeinen auf Barzahlung der Kundschaft eingerichtet haben, geraten durch schleppende Zahlungsweise der Käufer in große Ver­legenheit; durch die vielen und großen Ausstände von Forderungen erleiden sie nicht nur große Zinsverluste, sondern sind oft gezwungen, zur Befriedigung ihrer Gläubiger fremde Mittel in Anspruch zu nehmen, was in jedem Falle, besonders in Zeiten hohen Reichsbankdiskonts, eine beträchtliche Steigerung der Geschäftsunkosten bedeutet. DaS Publ tum darf es unter diesen Umständen nicht übel nehmen, wenn die Geschäftswelt notgedrungen dazu übergeht, ausstehende Forderungen anzumahnen und Zinsen zu berechnen. Es würde ein erheblicher Fortschritt in der Löiung der Miltelstandsfrage sein, wenn in der kommenden Weihnachtszeit diejenigen Stände, die finanziell hierzu in der Lage sind, den Einkauf von Waren nur gegen Barzahlung bewirkten. Auf keinen Fall aber sollen die in den einzelnen Geschäften festgesetzten Zahlungs­ziele Überschritten werden. Wenn Kunden, wie es vorkommen soll, nach sechs-, neun- oder gar zwölf­monatiger Wa t<z it eine Mahnrechnung oder eine Q-iltung zur Zahlung vorgelegt beto.umen und dann über .Unkulanz" der betreffenden Geschäitsleute räsonnieren oder sogar in Freundes« uns Bekannten­kreisen mit unwahren Darstellungen für eine Boy­kottierung dieses „unfulanten" Geichäftes Propaganda machen, so liegt die Unkulanz doch wohl aus Seiten des Kunden; der Lieferant hat nur sein gutes Recht verlangt. Aber auch die Geschäftswelt ift ihierieüs verpflichtet, zur Abstellung des beklagten Uebelstandes inso ern beizutragen, als sie die Käufer stärker als bisher zur Barzahlung anhält und, wo dreie nicht durchführbar ist, durch regelmäßige monatliche oder vierteljährliche Zustellung von Rechnungen an ihre Pflicht erinnert.

L, Einige österreichische HeereSpflichtige, die hier in Arbeit stehen, haben einen t5efteuung=hefebl erhallen.

* Vollversammlung der Landwirtschauskammer. Für die diesjährige Vollversammlung der Landwlrtschasls- kammer sür Kurhessen sind als Verhandlungstage Freitag/ der 20. Dezember und Samstag, der 21. Dezember angeietzt worden. Auf der Tagesordnung stehen u. a. Berichterstattung oes Vorsitzenden bezw. ernannten Referenten der' Pserdezuchltommiiston, Ge- flügelzuchtkommiiston, Molkereikommffsion, der land­wirtschaftlichen Versuchsstation der Kammer in Harles­hausen, Erstattung e nes Berichtes über das lanSwirl- schaslliche Genossenschas swesen, Bericht der Verkehrs« kommijsion uiw. Ten Verhandlungen werden voraus­sichtlich als Vertreter der Staatsregierung Obeu>räfi« deut Hengstenberg, Regierungspräsident Graf v. Bern« storff und em Vertreter der kommunalständ scheu Verwaltung beiwohnen.

-T- Die Fleifchpreife sind jetzt überall im Fallen begriffen. So zeigen auch die von der Statistiichcn Korrelpondenz errechneten durchschnittlichen Klem- handelspreiie für Preußen in der ersten November- hüllte sür Rindfleisch einen erneuten Rückgang auf 185,9 Psg. pro Kilogramm gegen 189,6 in der zweiten und 194,0 «n der ersten Oktoberhälsle. Auch H immel- steisch ist etwas billiger, 18t,5 gegen 190,3 und 196,6. D»e übrigen Preise zeigen nur ganz geringfügige Verschiebungen.

(*) Die Kreistags-Abgeordneten sind aut Samstag, den 14. Dezember d. Zs., vormittags 9l/e Uhr, zu einer Versammlung im Sladtoerordnelensitzungslaal eingeladen. Es stehen folgende Punkte zur Beratung: 1. Prülung, Feststellung und Entlastung der Rech­nungen der Kieiskommunalkasfe, des Kreistzcn-

verbandes, des ktreissiechenhauses und des Fonds zur Hebung der Rindvieh,ucht für das Etatsjahr 1911. 2. Vorlage der Rechnung über die dem Schutzoor- stände des St. Lioba-Kreissiechenhauses vorn Kreise Fulda zur Verwaltung des Slechenhauses über­wiesenen Mittel für das Etatsjahr 1911. 3. Wahl von 10 Sachverständigen und 2 Stellvertretern der Aushebungs- und Abschätzungslornmission für Kraft­wagen und Flugzeuge in Frankfurt a. M. für die Jahre 1912, 1913 und 1914, 4. Entscheidung über die ton einem Mitglied erfolgte Ablehnung des Amtes als Mitglied der Einkommensteuer-Veranlagungs« Kommission. 5. Bericht der Wahlprüiungskommission über die Gültigkeit der im Monat November d. Js. vorgenommenen regelmäßigen Ergänzungswahlen ,um Kreistage. 6. Beichlußsaffung über die Vorschläge der Kreisvertretung für die Wiederbesetzung des er­ledigten Landratsamtes nach Maßgabe der Bestim­mungen im § 24 der Kreisordnuug vom 7. Juni 1885.

□ Krankenpflegerinnen - Prüfung. Am 26. und 27. d. Pits, fand rm Landtrankenhause zu Fulda unter dem Vorsitze des Herrn Regierungs« und Medizinal- rats Dr. Rockwitz aus Kassel die Staatsprüfung von 10 Krankenpflegeschülerinnen statt, nachdem die­selben ein Jahr lang die unter Leitung des Herrn Landkrankenhausdirektors Dr. Gunkel bestehende, staatlich anerkannte Krankenpflegeschule mit Erfolg besucht hatten. Sämtliche Prüflinge, die alle dem Orden des hl. Vmcenz von Paula angeboren, be­standen das Examen und zwar 8 mit dem Prädikat .sehr gut' und 2 mit .gut". Der Vorsitzende sprach am Schluffe der Prüfung seine Anerkennung und Befriedigung über die ausgezeichnete theoretyche und praktische Ausbildung aus und entließ die Prüflinge mit den besten Wünichen für die Zukunft.

— Von der Landwirtschaftskammer. Die Acker­bau-Kommission der Kammer befaßte sich in ihrer letzten Sitzung zu Anfang November u. a. auch mit den diesjährigen Hafer-Tünaunos-Bersuchen. Von den eingeleiteten Versuchen mußten drei wegen star­ker Beschädigung durch Krankheiten bezw. Witte­rungs-Einflüsse ausgeschaltet werden. Die im Etat der Landwirtschaftskammer eingestellte Staaisbeihilfe für Düngungsversuche soll künftig nicht mehr für fort­laufende, sondern für gelegentliche Versuche Verwen­dung finden lind zwar sollen von den im Entwurf des Etats 1913/14 eingesetzten 400 Mark je 200 Mark für Feld-Düngungs- und Wiesen-Düngungs-Bersuche benutzt werden. Gegenwärtig werden Feld-Dün- gungs-Versuche mit Kalkstickstoff und Lützeler Guano in Aussicht genommen. Entsprechend einem Beschlüsse der Ackerbau-Kommission vom 26 Januar d. Js. werden die Hafer-Düngungs-Versuche eingestellt. Mit Rücksicht hierauf trat die Kommission in eine Bera­tung über die Anstellung neuer Versuche ein. Tie Kosten dieser Versuche sollen künftig nicht mehr aus Staatsmitteln, sondern aus dem Kali-Propaganda­fonds gedeckt werden. Es wurde beschlossen, mit Hilfe dieses Fonds Kali-Felddüngungs- und Kali- Wiefendüngungs-Versnche anzustellen.

* Streik in Sicht? Die fonalvemokratiscki organi­sierten B a u a r b e i t e r der P r o v i n z,H e f s eu-N a f s a u und des Großberzogtums ö elfen nahmen in Frank« furt in einer Vertreterversammlung Stellung zu einer Lohnbewegung, die im nächsten Frühjahr einten soll. Man beschloß sich der Bcweaung anuiichließen und nn'er Aufge ot aller Kraftentfallung die neuen Tarifforderungen durchzusetzen.

Au? dem Harbbargebtefe.

* Bebra, 27. Nov. 1912. Im Gefängnis in Son­dershausen hat sich der hier wohnhafte Bergmann Gärtner, ein verheirateter Mann Mitte der dreißiger Jahre, erhängt. Er war von der Strafkammer zu sechs Wochen Gefängnis wegen wissentlich falscher Anschuldigung veriirteilt worden. Seine Strafe hatte er erst am Samstag angetreten.

* AlSjcld. 27. Noo. 1912. Es ist nunmehr auch eine Auto - Omnibus - Verbindung Alsteld-Kroß- felda»Ebringshausen geplant. Das Zustande­kommen hängt davon ab, rote sich die intereffierten Gemeinden zu dem P oiekt stelle"

* Bischofsheim v. Rhön, 26 Nov. 1912. Bei der Bewilligung eines Zuschusses für unsere Schnitz- schule int untersränkischen Landrat hatte Landrat Prieger sich zur Vorlage in Opposition gestellt mit der Begründung, daß die Schnitzschulen der Land- wirtschaft entfremdet würdeii. Prieger scheint die landwiitschoftlichen Verhältnisse der Rhön vollständig zu verrennen, sonst hätte er wissen müssen, daß im näheren Umkreis der Schule ausschließlich landwirt­schaftlicher Kleinbesitz herrscht, der für? sich nicht im­stande ist, seine Wirtschafter zu ernähren, daß viel­mehr fast jebe bäuerliche Haushaltung geradezu ge-

Mms Het'd.

10] Roman von Fritz Ewald.

Es war am Morgen nach dem ereignisreichen Ball bei Rilsterheims, Leo hatte sich vom Dienst beurlau­ben lassen und war früher, als erwartet, ohne von den Eltern bemerkt worden zu fein, die Hintertreppe her- aufgekommen und in Ellinors Zimmer geeilt; — hier saß er nun, unzugänglich für jeden wohlmeinenden Zuspruch, den Kopf in die Kissen des Sosas ver­graben.

„Bist Tu krank, Leo?" Ellmor fragte es mit angst­vollem Ton.

„Ein Schuft", klang es gedämpft zurück.

„Leo!"

„Es ist volle Wahrheit."

„Du hast stets gesagt, ich sei Tein bester Freund, Leo."

Ellinor trat dicht an den Bruder heran, — „ich bin es aus tiefster Seele, laß mich Anteil nehmen, ich bringe Dir keinen Vorwurf, nur Verständnis ent­gegen." '

Und dann war er aufgesprungen, vor ihr nieder­gekniet, — hatte den Kopf in ihren Schoß vergraben und ihr alles, alles gestanden.

Es war still geworden in dem kleinen Gemach — keins der Geschwister 'brach ein Wort, — Ellinor sah wie erftarrt vor sich nieder, — ihr Bruder rührte sich nicht. — Endlich hielt er es nicht länger aus; er schüttelte ihre Hände.

„So schilt doch, — klage mich an, — stoße mich von Dir, — aber sage etwas."

„Was — soll — ich — sagen?" — ganz lang­sam und tonlos klang es von den Lippen der Schwe­ster.

Ich habe mir auch schon alles, was man an Schmähungen sagen konnte, selber gesagt, mich mit Vorwürfen überhäuft/

Das nützt nichts mehr" — tote leblos stand Clli- nor'noch immer auf demselben Fleck.

„Die armen, armen Eltern", klagte Leo, „sie ha­ben es nicht um mich verdient, — hilf mir, es ihnen bnzubringen, ich kann es nicht, es bricht' mir das Herz."

Er sprang auf.

„Ich muß den Abschied nehmen, nach Amerika gehen, Lohnkutfcher, Kellner ober toas toeiß ich wer­ben, --ich habe auch schon daran gedacht, mir eine

Kugel durch den Kops zu schießen, aber das ändert nichts und ein Tanhoff fällt nicht durch eigene Hand. Ich werde tragen, to's ich verschuldet habe; wenn ich nur erst wüßte, wo ich im Augenblick das Geld hcr- bekvmmen soll, iem wrensch borgt einem eine jo hohe Summe: ich habe an Silberstein gedacht, ihn will ich darum bitten."

„Und wann zurückgeben?"

Die ernsten Augen der Schwester hafteten voll auf seinem Gesicht.

„Eine Summe borgen, ohne die Möglichkeit vor Augen, sie je zuruckgeben zu können, das kann nicht Tein Ernst sein, Leo."

..W"-- toll ich denn aber machen? Haben muß ich das Geld, bis morgen muß es Colmani erhalten " — Leo faßte sich mit beiden Händen an den Kovf. — „Ick- habe ja im Wahnsinn gehandelt, — in der Lei­denschaft des Spiels ist man ja nicht Herr seiner selbst: aber so unsinnig, wie an jenem Abend, bin ich noch nie gewesen. — Ob ich es wage, Mama zu bit­ten, einmal den Versuch zu machen, an ihr Vermö­gen heranzukommen?"

„Du weißt, daß Mamas kleines Kapital laut Te­stament unantastbar festgelegt ist."

„Dann weiß ich keinen Ausweg mehr, bann bin ich eben gezwungen, aus bem Leben zu gehen."

Ellinors Hanb war kalt unb kälter in ber seinen geworben, bic Augen noch starrer, die Lippen fester zusammengepreßft Enblich loste sie ihre Rechte aus der des Bruders, sie rang förmlich nach Worten, ehe sic halb tonlos hervorstieß:

„Tu sollst mich nicht umsonst Deinen besten Freund genannt haben, versprich mir, daß die Eltern nichts erfahren, ich werde Dir helfen — heute abend — ist — alles in — Ordnung "

zwungen ist, sich durch Verdienst aus der Hausindu­strie, durch Taglohn und durch sog. Sachsengängerei die fehlenden Existenzmittel zu beschaffen. Lediglich zur Hebung ber Hausindustrie für die bäuerliche Be- völkerung ber Rhön wurde die Holzschnitzschule ge- grünbet und biefe Aufgabe, das muß jeder Unbefan­gene rückljaltlos anerkennen, hat die Schule in reich- stem Maße erfüllt, abgesehen davon, daß auch noch nach Dutzenden Männer mit künstlerischem Können aus ihr hervorgegangen sind. Man sieht hieraus, wie bedenklich es oft ist, generalisieren zu wollen. Die Aufhebung der Holzschnitzschule Bischofsheim würde für die getarnte Rhönbevölkerung eine schw-reSchädigung bedeuten, zu der die maß­gebenden Stellen nie die Hand bieten werden und des­halb hat auch das entschiedene Eintreten von Regie­rung und Landrat für die Schule hierzulande das dankbarste Echo ausgelöst.

* Vom Eichsselde, 27. Nov. 1912. Unter dem Verdacht der Brandstiftung wurden der Gastwirt B. aus Wintzingerode und dessen Sohn verhaftet. Vor etwa vier Wochen waren die Scheune und der Tanzsaal B.'s abgebrannt. — Wegen Lohnbifferenzen finb sämtliche Feilenschleifer der Feilenfabrik Ufer in den Ausstand getreten. — In der Gefangenen­anstalt Worbis war ein Häftling damit beschäftigt, Wunderkerzen anzufertigen. Auf unaufgeklärte Weise explodierte eine neben ihm liegende Menge Pulver, wobei der Häftling derartig verbrannt wurde, daß an feinem Amkommen gezweifelt wird.

* Diez, 27. Nov. 1912. In Netzbach wird seit 14 Tagen das Dienstmädchen Zimmermann ver­mißt. Es hatte an jenem Tage eine Postkarte er­holten, in der es vor das Dors bestellt wurde. Von dem Ausgange ist es nicht mehr zurückgekehrt.

Amt Geisa und Umgebung.

* Geisa, 27. Nov. 1912. Zur Wahl für di Handwerkskammer sind im 4. Verwaltungsbezirk die Gewerbevereine in Dermbaed, Empfertshausen, Geisa, Kaltennordheim, Klings, Ostheim, Stadtlengs­feld, Tiefenort, Vacha und der Weberver-m in Ober­weid als wahlberechtigt anerkannt worb Tie Er« aänzungswahlen zur Handelskammer finden am 2. Derewber im Hotel »Adler" in Vacha statt.

* Dermbach, 27. Nov. 1912. Heute vormittag versammelte sich hier eine stattliche Zahl von Gästen, nm an jener Stelle, wo vor 25 Jahren ber Thüringer Raisfeisenverband gegründet würbe, ein gemeinsames Fest zn feiern Mit dieser Festlichkeit war auch ein Uuterverbandstag des Eisenacher Oberlandes „Nord- rhön" und „Kaltensundheim" angeschlofsenen Vereine verbunden.

* Neidhartshausen, 27. Nov. 1912. Auf Anregung des Bezirkslurk-roarts, Lehrer Orf-Wiesen Hal, wurde hier cm Turnverein gegründet, lieber den Bei­tritt zur Deutschen Turnerschaft soll demnächst be­raten werden.

* Kaltensundheim, 27. Nov. 1912. Die Mit­glieder des Bieiienzüchterverems ..Vorderrhön" sind zu einer am Sonntag, nachmittags 3 Uhr, hier beim Gallwirt Hanf ftatifinbenben Versammlung einge­laden worden. Zur Erörterung stehen die Fragen, ob ein Gcetz zur Bekämpfung bet Faulbrut nötig sei und ob die Bienenzüchter zur Bienensütterung dena­turierten Zucker verwenden müssen.

An§ Oberhessen n. den Hess. Aemiern.

A Marburg, 27. Nov. 1912. Auf bem Wochen- markte sollte heute zum ersteumale Fleisch ver­kauft werben. Drei ftinkelnagelneuc Ständer, welche die Stabt ausgestellt hatte, waren von zahlreichen Kauflustigen unb 'Neugierigen umlagert. Sie war- teten vergeblich, beim bic Marburger Metzger schei­nen von bieser Art Fleischverkauf nichts wissen zu wollen, unb frembe Fleischverkäuser hatten sich auch nicht eingefunben. Wie man hört, sollen sich für bie nächsten Wochenmärkte auswärtige Fleischverkäufer angemelbet haben.

* Marburg, 27. Nov. 1912. Bei der gestrigen Ersatzwahl der städtischen Kreistagsvertret.er wurden die ausscheidenden Mitglieder Oberbürger­meister Troje, Justizrat Dörffler, Regierungsbau- meister Sardemann und Rentner P. Runckel wieder- gewählt. Ncugewählt wurden Kaufmann Tromm, Zimmermeister G. Volland unb Justizrat Rohde.

* Kirchhain, 27. Nov 1912. Die Automobilver- binbttng K irchhai n—K irtorf wird am 1. De­zember eröffnet werden. Da der »Personenomnibus zu diesem Zeitpunkt noch nicht fertig gestellt fein kann, wird Fahtrabbändler Nahlcr-Marbnrg ben

Bet neb bis zur Einstellung des von den Benzwerken zu liefernden Fahrzeuges durch zwei Personenautos unterhalten. Eine Probefahrt auf der Strecke wird am nächsten Samstag stattfinden.

* Frankenberg, 27. Nov. 1912. Die österreichischen Sicherheitsmaßnahmen haben auch die Einbe­rufung mehrerer Heerespflichttgen aus dem Perso­nal der Thonetschen Möbelfabrik im Gefolge gehabt gleiche Orders haben die österreichischen Reservisten in der Nachbarftadt Eorbach erhalten.

* Thalitter, 27. Nov. 1912. Jmolge des anhal­tenden RegenwellerS löste sich von dem Berge in der Nähe der Kaiser'fchen Wollspinnerei ein Felsblock von ca. 40 Zentner und rollte auf die Straße. Der Riesenstem mußte zertrümmert werden, um ihn bei Seite schaffen zu können.

* Wabern, 27. Nov. 1912. Aus der Besserungs­anstalt Wabern sind in der vergangenen Nacht drei Insassen ausgebrochen und geflüchtet. Die Ver- Verfolaung wurde sofort ausgenommen.

* Fritzlar, 27. Nov 1912. Gestern abend hielt der Fxemden-Verkehrs-Vcrein feine Ge­neralversammlung ab. Der Geschäftsbericht zeigte, daß der Verein trotz seines kurzen Bestehens schon recht erfolgreich gewirkt hat. Dex bisherige Vorstand wurde vsiedergewählt. Sodann wurde über den int nächsten Jahre hier abzuhaltenden Verbandstaq des N. H. T.-V. Ian*» Zeit verhandelt.

vermischtes.

* Si'ittt Absyringen vom Wagen getötet. Bei bem Versuche, sich von einem durchgehenden Kippwagen durch .ugen zu retten, wurden unweit Taubenbach drei Arbeiter schwer verletzt. Ein vierter Arbeiter wurde von einem Personcnzug erfaßt und getötet.

* Die Reste eines ausgedehnten römischen Lagers wurden zwischen den pfälzischen Rheindörfern Rhein­gönnheim und Altripp gesunden. Die Dimensionen betragen mehr als das Doppelte der Saalburg. Aus- gedeckt wurden große Straßenzüge, die Tore und ein Militärbad. Zahlreiche Funde von Gefäßen, Was- feuresten und Bronzesachen wurden in das Museum nach Speyer übergefuhrt. Man nimmt an, daß das Lager um 75 nach Christus endgültig verlassen wurde unb zuletzt einer Reiterabteilung als Quartier qe- dieut hat.

* Tollkühne Flucht eines Verbrechers. Durch einen Sprung von einem in voller Fahrt befindlichen Schnellzuge brachte sich in London ein Verbrecher in Sicherheit Ein Londoner und ein Liverpooler Detektiv saßen^mit einem Gefangenen in einem Son­derabteil des Schnellzuges, der von Rugby nach Lon­don fuhr. Etwa 30 Kilometer hinter Rugby, als ber Schnellzug seine volle Geschwindigkeit von 90 Kilo­meter pro Stunde erreicht hatte, sprang der Gefan­gene, der mit einer Hand an einen Detektiv gefesselt toar und Meter einem Vorwand einen Augenblick fru- gelassen worden war, nach der Kupeetür, die er blitz- schuell öffnete. Die Detektivs faßten ihn beim Kra- gen und es entspann sich ein heftiger Kamps. Der eine Detektiv hielt den Gefangenen fest, während der andere versuchte, die Notleine zu ziehen, die jedoch nicht recht funttionierte. Endlich machte sich der Ge­fangene frei und sprang vom dähinbrauseuden Zug- herab. Als dieser schließlich zum Stehen gebracht wer­ben konnte, stellte sich heraus, daß ber Tollkühne un­versehrt entkommen war. Er batte eine Signalbude erbrochen, daraus eine Bahnbeamtenmütze gestohlen und sich aus dem Staube gemacht.

Gottes-ienstor-nung.

Freitag, 29. November. Fulda. Frauenberg- (Fest aller Heiligen der drei Orden des hl. Vaters Franziskus. Ablaßtag für alle Gläubigen.) 6 Uhr Levitenamt, 8 Uhr HI. Messe. Nachm. Vi5 Uhr feutl. Komplet mit sakram. Segen.

Reklamen- und Anzeigenteil.

war wieder ausserordentlich ge­mütlich, wir haben einen guten Durst entwickelt und die Luft war zum Schneiden. Da«,s ich trotzdem keinen rauhen Hals habe,

danke ich den Wybert-Tabletten, die ich gleich heim Heimkommen und heute früh genommen

habe. Sie machen den Hals frei und benehmen auch

den üblen Geschmack im Mund. Die Schachtel kostet in allen Apotheken 1 Mark und hält lange vor.

Sie ging mit mühsam schleppendem Schritt zur Tür und schien zu wanken

Leo eilte ihr nach, sie mit seinem Arm zu schü­tzen. „Ellinor, was willst Du tun?"

Sic aber wehrte ihn heftig ab.

„Laß mich, bitte, laß mich jetzt allein."

Ratlos sah ihr Bruder ihr nach. Wie sollte er ihr seltsanies Benehmen verstehen, wie diese rätsel­haften Worte sich deuten? Auf Vorwürfe, Tränen, geteilte Verzweiflung seines Schmerzes, auf all dies war er gefaßt gewesen, aber nicht auf bie Worte „heut: abend ist alles in Ordnung."

Auf welche Weise konnte das zarte Mädchen ihm Helsen, ihm Rettung bringen wollen? Er sann unb sann, kam aber zu keinem Resultat. — Ellinors fast starres Wesen beunruhigte ihn, fein gutes Her; litt unter bem Gedanken, baß sie sich f-incttoegen irgend- welche Entbehrung aufcrlegen könnte. — Er erwog ben Entschluß, ihr zu folgen, sie zu bitten, keinen über­eilten Schritt zu tun, ahcr er kannte Ellinor, — von einmal gefaßten Vorsätzen toar sie nicht abzubringen, und toenn sie allein sein wollte, durfte man sie nicht quälen. Unruhig schritt er im Zimmer auf unb ab, bemüht, der auf ihn eiustürmenden Gedanken Herr zu werben; — und bann kam es über ihn tote eine große, jubelnde Befreiung. Wenn Ellinor wirklich ein Mittel fände, die drückende Last von ihm zu neh­men, — toenn er Offizier bleiben, in den liebgetoorbe- ncn Verhältnissen weiter leben könnte, den Eitern der Kummer feines Leichtsinns erspart bliebe, — feine Schuld gedeckt würde, — diese Aussicht toar kaum auszudenken, so schon und befreiend. Aber tote sollte sie zur Wirklichkeit werden können? Indes so unb-- greislich ihm alles auch erschien, die Hoffnung warf sonnige Lichter auf seinen Weg, denn er wußte, was Ellinor versprach, das hielt sie auch.

Und während schon schüchtern wieder die Lebens- freube ihr Haupt in seinem Herzen hob, kämpfte tot« ntge Zimmer von ihm entfernt die Schwester den schwersten Kampf ihres Lebens. — Ihr Entschluß toar gefaßt, — aber toas er ihr kostete, trugt: nur Gott — In heißem Gebet hatte sie Kraft und Hilfe

von ihm erfleht, hatte unter bitteren Tränen dem eigenen Glück entsagt und nahm mit zitternden Hän­den Fritz Ellerns Bild von dem Schreibtisch, um es für immer von dort zu verbannen. Es war ihr, als ob sie in dieser Stunde ihre Jugend, ihr Glück begraben müßte, nichts durste sie äußerlich wenigstens, an den Jugendgeliebten erinnern, doch ob es auch gelingen würde, sein Bild ans dem Herzen loszureihen? Der ganze, von Poesie umwobene Zauber der ersten Liebe, das ohne Ueberlegung sich Hinqezogenfühlen von Herz zu Herzen, kann es übertounben werben durch bin Wechsel ber bahenbrausenben Zeit? Kann es sich jr ausloschen lassen?

„Was würbe Fritz sagen, was sollte Fritz von ihr denken?" — Dies wär der Gedanke, welcher sie am meisten beherrschte; die Wahrheit durfte er nicht er­fahren, sie mußte seine Verachtung ertragen. — Ge­bunden waren sie nicht mit Worten aneinander, aber sie wußte um seine Liebe, wie er die ihre kannte, wußten es beide, aus unzähligen gegenseitigen Be­weisen und was die Lippen verschwiegen, hatten die Augen sich oft gestanden, und einer glaubte an die Treue des anderen.

„Treu bis zum Tode" toar ber Wavpenspruch ber Danhoffs. Wie in Flammenschrift stanb er heute toieber vor Ellinors Augen, aber gab es nur eine Treue gegen ben Geliebten — toar bie Treue gegen Eltern und Geschwister nicht näherliegender, notwen­diger? Sollten die ihren, an denen sie von ganzem Herzen hing, im Unglück unterliegen — unb das würden sie bestimmt — nur weil sie an dem eigenen Glück festhielt, — konnte es je ein Glück für sie wer­den, das mit solcher Schuld erkauft toar? Sie war die einzige, die helfen konnte, helfen mußte, sie mußte sich opfern!

Und eine halbe Stunde später empfing Leos Bursche einen Brief „an Oberleutnant Gräf Col- * mani."

Er hatte recht behalten, die Hand Ellinors toar er­obert. —

(Fortsetzung folgt!