2. Mutt.
»rutf der tnlßoer leiieitdntcerti in Snlba.
*> Fuldaer Leitung. *$*
Lokaies.
Fulda, 23. Nov. 1912.
Eine Bitte.
Der herannahende Winter lenkt wiederum die Blicke auf untere notleidenden Mitmenschen. _ Den hiesigen WohltätigkeUsvercinen wird es in den nächsten Monaten nicht an Ärbeit auf dem Gebiele christlicher Nächstenliebe fehlen. Wir erlauben uns heute die Aufmerksamkeit unserer bester gestellten Leser besonders auf den hiesigen St. Bincenzverein zu lenken, von dem wir in Erfahrung bringen, daß besten Kasse (wohl zum ersten Kale) erschöpft ist und daß die letzten Reserven für die dringenden notwendigen Anforderungen der beiden Konferenzen verausgabt werden wüsten. Es widerspricht dem Geiste und den Ueberlieierungen deS Vereins durch, aus, Reserven auf die Dauer anzulegett, trotzdem hat es ihm bis jetzt niemals an den nötigen Mstteln, dank der wohlwollenden Gesinnung unserer Mit- büraer, gefehlt. Die gegenwärtige Notlage ist dadurch zu erklären, daß im Jahre 1912 dis jetzt nur 520 Mt, an größeren Zuwendungen und Legaten dem Verein zugeflosten sind, während solche im Jahre 1911 1700 Mk. betrugen. Es genügt vielleicht dieser Hinweis, um manches mildtätig» Herz zu einer außergewöhnlichen Gabe zu veranlassen. Daß die Mittel des Vereins nur nach genauester Prüfung der Verhältnisse der Armen iy gewissenhaftester Weise vcr- wendet werden, dafür bieten die erfahrenen, selbst- lojen Vcreinsmitglieder die beste Gewähr.
Fk. Zur Windthorstfcier am morgigen Sonntag im katholischen Geseüenhaul« hat auch der Hochwürdigstr Herr Bischof sein Erscheinen in Aussicht gestellt. DaS sollte für dir Katholiken FuldaS ein besonderer Ansporn sein, an der Feier trilzunehmen. Da der Festredner, Herr Dr. Nieder (M.-Gladbach) sowie der stadtpfarr- liche Kirchenchor und die Artilleriekapelle ihr Bestes bieten werden, so steht den Teilnehmern ein genußreicher Abend bevor.
§ Prinz Eitel passierte heute früh 4 Uhr 27 Min., von Berlin kommend, die hiesige Station.
# Ihre» 95. Geburtstag begeht am Dienstag den 26. November Frau Staatskai sierer Weidemann. Die hochverdiente und verehrteKa>siererlnderSt.Lwba« Konferenz des Elisabeth-Vereins, eine große Wohl- täterm der Armen, erneut sich noch körperlicher Rüstigkeit und geistiger Frische; sie dürfte wohl die älteste Bewohnern Fuldas sein.
-t Der Diözesanvorstand des Albertus-Magnus- vereins hat dieser Tage seine übliche Sitzung abge- halten zur Erledigung der eingegangenen Unterstützungsgesuche. Es wurden 18 Beihilfen bewilligt im Gesamtbeträge von 17 00 Mk. und zwar 4 zu 125 Mk., 6 zu 100 Mk. und 8 zu 75 Mk.. Ein Petent wurde als nicht bedürftig abgewiesen und 6 Gesuche an den Hauptvorstand in Trier weitergegeben. Wiederholt sei darauf hingewiesen, daß Studierende im er st en undzweiten Se- m e st e r wegen Mangels an Mitteln nur noch in ganz außerordentlichen Fällen unterstützt werden können. Erfreulich war die Mitteilung des Kassie- rers, daß einer der Stipendiaten der ersten Jahre den ganzen ihm s. Z. bewilligten Betrag — 250 Mk. — zurückgezahlt habe. Nach § 15 der Statuten werden die Beihülfen des Vereins bekanntlich nur als „zinsfreie Darlehen" gewährt, die an den Verein zurückgezahlt werden sollen, sobald die Verhältnisse des Empfängers es erlauben. Es sollen dadurch die- jenigen, die in ihrer Studienzeit die Wohltaten des Vereins genossen haben, auch wieder anderen in der Erreichung des gesteckten Zieles behilflich sein. Die im letzten Jahresbericht ausgesprochene Hoffnung, daß man für dieses Jahr auf die ersten Rückzahlungen würde rechnen können, hat sich also erfüllt. Da der Diözesanverband nun bereits 8 Jahre besteht, werden gewiß auch noch manche andere der in den ersten Jahren Unterstützten in der Lage sein, mit den Rückzahlungen allmählich zu beginnen, so daß in den nächsten Berichten wohl regelmäßig auch Rückzahlung gen gebucht werden können. Es ist einleuchtend, daß durch alljährliche regelmäßige Rückzahlungen die Leistungsfähigkeit des Vereins wachst, so daß er immer mehr den an ihn gestellten Anforderungen entsprechen kann. Diese Anforderungen werden immer größer; darum ergeht an alle seitherigen Freunde und Gönner des Vereins die herzliche Bitte, dem Verein ihr Woblwollen zu bewahren. Der Diözesanvorstand konnte auch in diesem Semester 8 Bewerbern nur ein Darichen von 75 Mk. gewähren; das ist
** „Rrrhech—rrrhech!"
Aus heiler Haut heraus wird man eines Morgens — mitten in der Gemütlichkeit des Kaffeetisches — beschuldigt, in der vergangenen Nacht geschnarcht zu haben. Mar. ist erstaunt und zugleich beleidigt, denn man hat die Empfindung, daß einem völlig Unschuldigen der Vorwurf gemacht werde, sich gegen Anstand und Sitte vergangen zu haben. Außerdem glaubt man es nicht, aber Madame bleibt bei der Behauptung und macht einem vor, wie man geschnarcht habe: „Rrrhech-rrrhech!" Und hinterher soll es geklungen haben, als wenn Erbsen gekocht tyürden. Nein — derartige Töne ist man gar nicht imstande ohne raffiniert-künstliche Anstrengungen vorzubringen. Also bitte, man wünscht künftighin sofort geweckt zu .werden, denn niemand könne gezwungen werden, Derartiges anzuhören — das gibt man gerne zu, ver- tritt selbst ganz entschieden den Rechtsstandpunkt.
. Und man wird geweckt und legt sich „anders rum", tote es verlangt wird, um nach einer Weile zu er- itoachen, weil jemand ganz laut im Schlafzimmer spricht. Madame hält Monologe: „Das ist ja nicht mehr zum Aushalten" — sagt sie — „das ist ja graulich!" Also hat man schon wieder von frischem geschnarcht.
Am nächsten Morgen sieht man im Konversations- L-xckon unter „Schnarchen" nach. Man erfährt, daß es besonders im Schlaf vorkomme, wenn der Mund osten ;tege. Hervorgebracht werde es beim Ein- und stu->aimen, mfolge Erzitterns des Gaumensegels und des apfchms. (Man hat sich das schon gedacht, nur dem Gaumensegel wußte man bisher nicht mehr etwa von der Zirbeldrüse.) Aber toeiter: Ge- wohnhettsichnarcher dürfen den Kopf nicht nach hinten Überhängen lasten und müsten sich bemühen, durch die Nase zu atmen — heißt es warnend.
9tui kein Gewohnheitsschnarcker werden! Und vor dem Schlafengehen werden diesmal umfastende Vorsichtsmaßregeln getroffen: Man bekommt eine Rolle ins Genick, eine Bandage um den Kopf und ein Pflaster auf den Mund und wird durch sanftes Zureden hypnotisiert, durch die Nasyzu atmen. Wenn man dann am andern Morgen nicht tot aufgefunden toird, so hat man nicht geschlafen, also auch nicht geschnarcht — was schon als Fortschritt gelten kann.
eine recht bescheidene Beihilfe in der heutigen teuren Zeit. Wenn sie durchschnittlich auf 150—180 Mk. erhöht werden sollten, wie es aus allen Generalversammlungen als wünschenswert bezeichnet worden ist, müßten die Einnahmen noch um etliche Tausend Mark im Jahre wachsen. Möchten deshalb die alten Gruppen und Einzelmitglicder alle treu bleiben und auch jene Bezirke, die noch nichts für den Albertus-Magnusverein getan haben, für die gute Sache sich gewinnen lasten. An außerordentlichen Beiträgen ist in diesem Jahre noch wenig eingegangen; die Actiendruckevei hat wieder 300 Mk. geschenkt, ein Legat hat 50 Mk. gebracht und zwei abgetretene Forderungen ca. 200 Mk.: bis zum Betrag des vorigen Jahres — 1442 Mk. — fehlt also noch viel und auch der Betrag von 1910 — 830 Mk. — ist noch lange nicht erreicht. Eben befinden sich in der Kaste ca. 800 Mk., während 1 7 0 0 Mk. an Stipendien für das laufende Semester bewilligt worden sind, was die mit ihren Beiträgen noch rückständigen Ortsgruppen und Einzelnnt- glieder veranlassen möge, sich recht bald der den Jahresberichten s. Z. beigelegten Postanweisung zu bedienen.
D Fuldaer Geschäftshäuser. Ein Geschäftshaus, das dem neuzeitlichen Bedürfnis entspricht, geht in seinem Umbau der Vollendung entgegen: cs ist das Geschäftsbaus der Firma Gebrüder Müller, Manufakturwarenhandlung in der Marktstraße. Die Arbeiten wurden in diesem Frühjahr begonnen und erregten das Interesse der Vorübergehenden; namentlich wurde das Abstemmen des Oberteiles vom Hause mittelst Balken viel beachtet. Der Umbau wurde nack den Plänen des Architektett Hermann Mahr, Fulda, ausgeführt. Nunmehr steht die äußere Umrahmung des Unterhauses fast ganz in Glas da. Daß wir im Zeitalter der Reklame und des äußeren Effektes leben, zeigte sich im Laufe der letzten Jahre auch in unterer Stadt. Fast alle größeren Geschäftshäuser Fuldas haben im letzten Jahrzehnt weitgehende Neu- und Umbauten vorgenommen, ein Beweis für den outen Geschäftsgang und den Aufschwung unserer Stadt. Ganz besonders tritt dies in den Straßen hervor, die im Zentrum der Stadt liegen und wo der Hauptverkehr des Publikums sich abwickelt. Hier gibt es kaum noch ein Haus, das im unteren Stock nid; einen Laden aufweist. Wie ganz anders fah es noch vor wenigen Jahren aus, als sehr viele Ge- schoftsbönser noch durch ein einfaches Schild oder kleines Schaufenster die Aufmerksamkeit der Passanten zu erregen suchten. Auch für Fulda gilt das Wort Allinghausens in Tell: „Das Alte stürzt, es ändert sich die Zeit und neues Leben blüht aus den Ruinen."
** Eine Neuregelung des städtischen und ländlichen Taxtoesens soll sich, wie die „Post" hört, bei den beteiligten Regierungsstellen in Vorbereitung befinden. Voraussichtlich wird der Entwurf dem neu- ger ählten Landtag vorgelegt werden. Zur Vorbereitung des Gesetzentwurfs haben im Landwirtschaftsministerium Beratungen mit Vertretern von Provinzial - Kreditbanken, Hypothekenbanken, privaten Vc s-cherungsunternehmungen und Sparkassen statt- gcft nden. Es ist anzunehmen, daß für das Tarwesen in den Städten die Errichtung von Schätzerstellen in Frage kommt. Für das ländliche Taxwesen würde die Aufstellung allgemeiner Grundsätze, die für die Abschätzung gewisse Richtlinien geben, in Betracht kommen.
WeihnachtSsenbungen. Die Refch-poffverwaltung richtet auch in diesem Jahr an das Publikum das Ersuchen, mit den Weidnachtssendungen bald zu beginnen, damit dte Paketmasten stch nicht in den letzten Tagen vor dem Feste zu sehr zusammendrängen. Eine Gewähr für rechtzeitige Zustellung kann vor dem Weihnachtsfeste nicht übernommen werden. Die Pakete finb dauerhaft zu verpacken. Etwaige auf dem Verpackungsstoffe vorhandene ältere Aufschriften und Beklebezettel müssen beseitigt oder unkenntlich gemacht werden. Die Benutzung von dünnen, schwachen Schachte'» ufw. ist zu vermeiden. Die Aufschrift der Pakete muß deutlich, vollständig und haltbar hergestellt sein. Bei in Leinwand verpackten Sendungen mit Fleisch und anderen Gegenständen, die Feuchtigkeit, Fett, Blut ufro. absetzen, darf die Aufschrift ntcht auf die Umhüllung geklebt werden. Die Paketaufschrist muß sämtliche Angaben der Postpaket- abreste enthalten, also auch den Frankovermerk, bei Paketen mit Postnachnahme den Betrag der Nachnahme sowie den Namen und di« Wohnung des Absenders, damit im Falle des Verlustes der Postpaketadreste das Paket doch dem Emvsänger ansgehändigt wer en kann. Empfehlenswert ist dte Anbringung einer zweiten Aufschrift innerhalb der Verpackung. Zur Be'chleunigung des Betriebs trägt eS wesentlich bei, wenn die Pakete frankiert ausgeliefert werden. Dte Versendung mehrerer
Hat man doch wieder mit Gaumensegel und Zäpfchen gearbeitet — und es soll Individuen geben, die unter diesen Bandagen und Pflastern Jerichower Trompeten blasen — weiß vielleicht Tante Minna Rat. Aber mit ihren Ratschlägen geht es einem wie mit ihren Medikamenten, sie Helsen nur ihr selber. Ein anderer kann stundenlang an ihren Hosfmanns- tropfen riechen, er wird seine Zahnschmerzen nicht loch sie aber braucht nur den Pmpfcn auf dem Fläschchen zu drehen — und fortgeblasen ist jeder Schmerz, der sie gequält.
Man hat gehorsam alleS getan, was sie vörge- schlagen — geholfen aber hat nichts, und als man ihr das wahrheitsgemäß gesteht, wird sie beleidigend und ausfallen: „Du hast vielleicht was mit der Nase — einen Polypen oder sonst was, geh, zum Arzt, sonst wirst Du noch mal dran ersticken!"
Nein, für seine Nase garantiert man, und zum Arzt will man nicht gehen. Das Ende vom Liede ist also, daß man sich nachts mit seinem Gaumensegel dahin ffüchtet, wo man es voll entfalten kann. Mancher kehrt aus dieser Einsamkeit gebessert zurück, mancher aber bildet sich zum Schnarch-Virtuosen aus: Man hört ihn durch Türen und Decken, und man würde es nie glauben, daß dieses Konzert ein einzelner Mensch fertig bekomme. Das größte Wunder aber ist, daß der Schnarcher von diesem, seinem eigenen Skandal nicht munter wird.
Ter gutmütige Polizeihund. Ein amüsantes Stückchen wird uns von einem Polizeihunde erzählt: In einem englischen Dorfe war einem Landwirt, der kurz vorher aus der Stadt zurückgekehrt war, ein Rock gestohlen worden, in dem sich eine Brieftasche mit einer Geldsumme befand. Da zu der betreffenden Zeit gerade ein Fremder im Orte gesehen worden war, benachrichtige der Amtsvorsteher die Polizeibehörde und erbat einen Polizeihund, damit man den Tieb verfolgen könne. Kurze Zeit später kam ein Polizeihund mit Führer per Automobil an, und sofort wurde dem Tiere an der betreffenden Stelle, wo der Rock gehangen hatte, Witterung gegeben. Ter Hund umkreiste das Gehöft ein paarmal und schlug dann eine bestimmte Richtung nach dem benachbarten i Walde ein. Der Führer und die Polizisten konnten !
Pakete mVtel# einer Potipaketadrefse ist für die Zeit vom 12. bis eirüchliehlich 24. Dezember weder int inneren deuttchen Verkehr noch im Verkehr mit dem Ausland gestattet.
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21 mt Eeifa und Umgehung.
!§! Kraulucken, 22. Nov. 1912. In der Nacht zum 18. November wurden bei einem Einbruch in dem Stalle des Ludwig Gramm einige gemästete Gänse gestohlen. Kramm erstattete sofort Anzeige bei der Gendarmerie, und bald war der Täter infolge der eifrigen Bemühungen des Gendarmen Bleckert von Geisa ermittelt. Zugleich konnten dem Täter and) die Gänsediebstähle vom Mückenhof und Zitters, welche einige Zeit zurückliegen, nachgewiesen werden. Der Täter, der ans der' Fuldaer Gegend stammen soll, hat sämtliche gestohlenen Gänse z. T. unter Preis in Geisa verkauft. Die Bewohner der ganzen Gegend sind froh, daß dieser Gänsefuchs und seine Abnehmer ermittelt worden sind.
* StadtlengLjelS, 22. Nov 1912 Die Kaliwerke Großherzog von Sachsen in Dietlas haben die Mittel zur Errichtung und zum Betrieb einer Säuglingsberatungsstelle in Weilar rnr Verfügung gestellt Die Säualmgsberalungsstelle Weilar ist die neunte, welche in diesem Indre im 4. Verwaltungsbezirke ins Leben gerufen wird. Denn wie jetzt die Kaliwerke G oßherzog von Sachten lür Weilar eingejreten finb, bat die Gewerkschaft Heiliaenroda für die Säug- lingsberatunaSstetle in Dorndorf die Mittel bewilligt. Für diejenige in Oechten hat die Gewerkschaft Heiligcnmühle, für die tn Buttlar die Gewerkschaft Buttlar, für die in Unterbreizbach die Gewertschatt Sachien-Weimar die Mittel zur Verfügung gestellt. Die Säuglingsberatungsstellen von Vacha und Salten« nordheim wurden durch die politische Gemeinde und die von Stadtl-ngsseld und von Gehaus durch die Orts rauenvereine dieser Gemeinden begründet und auch finanziert.
* OßhelM, 22. Nov. 1912. Die Winter schule unserer Landpflege, die am 1. November eröffnet wurde, ist jetzt von 10 Schüfen men besucht, also voll besetzt. Die meisten stammen aus dem weimarischen Kreise, ans unserer Rhön nur eine, aus Wiesemhal.
* Sontra, 22. Nov. 1912. Nach tagelangem Suchen ist die Leiche des am 11. d. M. ertrunkenen Müllers- so mes Grünbaum von hier vor Schönau in der Hörsel aufgefunden worden.
* Oberstreu, 22. Nov. 1912. Der Kriegerverein hat die Errichtung eines Kriegerdenkmals beschloss n. Eine freiwillige Sammlung hat den Betrag von 400 Mark ergeben.
* Gerstungen, 22. Nov. 1912 Bei der am Montag und Dienstag im hiesigen Walde abgehaltenen Treibjagd wurden 30 Hasen, 4 Füchse und 3 Rehe zur Strecke gebracht.
Aus Gberhefsen u- den heff. Remtern.
* Marburg, 22. Nov. 1912. Die Lahn und ihre Nebenflüsse führen wieder Hochwasser. Sett Donnerstag abend ist die Lahn um fast einen Meter gestiegen, und südlich und nördlich der Stadt stehen dir Niederungen unter Wasser. Noch schlimmer ist es im Ohm- uno Wohratal, wo eine Ueberschwemmung der anderen folgt. Es gibt Lank wirte, die ihre Felder noch nicht völlig abernten oder bestellen tonnten, weil sie durch die Nässe immer daran gehindert werden.
* Frankenberg, 22. Nov. 1912. Der Verkehrsverein hat sich auch 'unserer Privatschule angenommen. Sein Bestreben geht dahin, die Schule unter städtische Verwaltung zu stellen, was der Magistrat mehrfach abgelehnt hat Die Bürgerschaft will eine vierstufige Schule wie seither, aber mit einem erheblich niedrigeren Schulgeld ohne Höherbelastung des städtischen Etats. Eine Umfrage bei den 67 Ortschaften unseres Kreises ergab, daß zu Ostern t I. auf mindestens 100 Schüler zu rechnen ist. — Infolge der anhaltenden Regengüsse ist die Edder stark angeschwollen und über ihre Ufer getreten.
* Ziegenhain, 22. Nov. 1912. Die starken R e- a e n g ü s s e, die seit Dienstag nacht herniedergingen, haben die Schwalm abermals znm Steigen gebracht. Sie ist an einzelnen Stellen wieder über ihre User gegangen.
* Vom Knüll, 22 Nov. 1912. Unter zahlreicher Beteiligung hat der Kn ü 1 l k l u b kürzlich in Oberaula seine Hauptversammlung abgehalten. Der Klub zählt jetzt rund 500 Mitglieder. Im verflossenen Vereinchahr ist auch der 65 Mitglieder zählende Schwalmklub in Kassel körperschaftliches Mitglied ge
ben' Tier nickt so schnell folgen, da es durch Gestrüpp und Unterholz ging: um so größer war daher das Erstaunen, als der Hund plötzlich winselnd den gestohlenen Rock niederlegte. Er hatte in einiger Entfernung den Dieb erreicht und ihn tüchtig "verbellt, so daß dieser keinen Schritt mehr vorwärts gehen konnte. Der Spitzbube hat bann den Rock in seiner Angst hingeworfen. Der Hund witterte Wohl sofort, daß der Rock dorthin gehörte, wo man ihm vorher Witterung gab, er faßte den Rock und lief damit feinem Führer entgegen. Als man das Tier zum zwei- tenmale ansetzte, konnte es den Dieb nicht mehr erreichen. =a
— Wie Herzog Karl Theodor von Bayern ein armes Mädchen behandelte. Herzog Karl Theodor in Bayern, der Vater der jüngst verstorbenen Prinzessin Rupprecht, war bekanntlich ein sehr tüchtiger Augenarzt. Bon seine? ärztlichen Tätigkeit wird eine hübsche Anekdote erzählt. Sein Vater, der sehr beliebte Maximilian von Bayern, der sehr stolz auf die ärztliche Kunst seines Sohnes war, ließ es sich oft angelegen sein, seinem Sohne in die Klinik arme Patienten zu schicken, denen er auf der Straße begegnete. Bekanntlich wurden die Patienten in der Klinik der Herzogs unentgcltlid) behandelt. Eines Tages ging der Herzog Maximilian in München spazieren und bemerkte hier ein blindes Leierkastenmädchen, das durch Drehen ihres Musikinstrumentes milde Gaben von den Vorübergehenden erwartete. Der Herzog warf ein Geldstück in das neben dem Mädchen offen stehende Körbchen und wollte vorübergeben, plötzlich aber blieb er stehen und fragte die Blinde, ob sie schon einen Arzt wegen ihres Leidens befragt habe, und bemerkte, indem er sein Notizbuch hervorzog: „Ich werde Ihnen eine Empfehlung an einen tüchtigen Arzt geben, vielleicht ist etwas zu machen." Das bcmstleidenswerte Leierkastenmädchen barg den Brief unter innigem Dank in seinem Brusttuche. Heimgekommen hörte das Mädchen aber von allen Seiten, ein Spaßvogel habe sich einen unpassenden Scherz mit ihr erlaubt, der Brief trage ja die Adresse des Herzogs Karl Theodor. Tie Aermste wollte jedoch nicht glauben daß die milde Stimme des Herrn gelogen haben konnte und ließ sich am nächsten Tage von einer Nachbarin in den Ordinationssaal des furft-
M 269.
Samstag 25. November 1912.
worden. Die Tätigkeit des Klubs War auch im morgen Jahre wieder äußerst rege. Besonders wurde in der Bezeichnung der Wanderstrecken gearbeitet, ebenso in der Wegebczeichnung Ti: Vorftandswaht ergab die Wiederwahl der seitherigen Herren. Bon besonderem Interesse waren die Mitteilungen über den Aussichtsturm auf dem Eisenberg Die Sammlungen hierfür haben bis jetzt 5200 Mk ergeben, mit den noch bestimmt zu erwartenden Beträgen wird die Summe bis zum Schluffe des Jahres auf 6000 Mk. steigen. Es kann deshalb mit dem Bau und der Fertigstellung des Turmes im Frühjahr begonnen werden. Tie Einweihung wurde für August 1913 in Aussicht genommen An die Verhandlungen schloß sich die Vorführung von Lichtbildern aus dem Volksleben der Schwalm und landschaftlicher Motive aus dem Änüögebiet.
* Breitenbach b. Herzb., 22. Nov. 1912. Beim Fällen von Kiefern wurde gestern am Rimberg bex 58jäbrige Maurer Röder aus Gehau von einer Kie'ei lo febroer im Rücken verletzt, daß er zu!amm en- brach und ohne das Bewuß iein noch einmal erlangt zu haben, nach einer halben Stunde starb.
* Riichendach bei Gladenbach, 22. Nov. 1912. Unser Schulneubau ist vollendet und feiner Bestimmung übergeben worden. Die Geiamtkosten werden auf annähernd 30,000 Mark veranschlag l.
* Fritzlar, 22. Nov. 1912. Für gestern war Ter< min zur Vorführung von Warmblut-Stuten angesetzt, um prüfen zu tönnen, ob es sich noch lohne, für den Kreis einen Warmbluthengst zu gellen. Leider wurden nur etwa 20 Pferde, Darunter auch noch mehrere zur Zucht wenig oder gar nicht geeignete vorgeführt. Gutes Pferdematertal war aus Haddamar gestellt. Bei der geringen Beteiligung von Züchtern des Warmblutes wird das Bestreben, auch in unterem Kreis die Beibehaltung eines Warmblut- Hengstes zu erreichen, kaum Erfolg haben.
* Homberg, 22. Nov. 1912. Der zweite Weihnachtsfeiertag dieses Jahres bringt die 100jährige Wiederkehr des Geburtstages des Tondichters Prof« Dr. Wilhelm V o l ck m a r, des Ehrenbürgers um serer Stadt. Es wird angeregt, des Tages durch ein Kirchenkonzert zu gedenken, in welchem einige feinet Werke zum Vortrag gelangen sollen.
vermischtes.
♦ Ter Eifenbahnhund. Militär und Polizei ha- ben vor einigen Jahren schon den Anfang gemacht und waren recht zufrieden mit dem Erfolg. Nun will auch die Eisenbahn folgen und Hunde im Auf- sichts- und Bewachungsdienst verwenden. Sie hat schon damit begonnen, was bei uns in Preußen- Teuffchland nun einmal von jeher das erste ist: sie dem neuen vierbeinigen Beamten einen Titel gegeben. „Eisenbahndiensthunde" — so sollen die deutschen Schäferhund, offiziell heißen, denen von nun an mehr und mehr die Bewachung von weiträumigen Bahnanlagen, Güterbahnhöfen usw. anvertraut werden soll. Man darf annehmen, daß sie da manchen Diebstahl verhindern werden. Und mancher Bruder Straubinger wird sie mit einem Fluch bedenken, wenn sie ihn in friedlich stiller Sommernacht aus dem Bette treiben, das er sich eben in einem leerstehenden Eisen- bahnwagen eingerichtet
* Eine Bergpost in die Tiefe gestürzt. Im Unter- engadin stürzte an der Tiroler-schweizerischen Grenze der Pcstomnibus ans Schuls über eine steile Geröll- Halde 150 Meter tief ab. Ein Passagier wurde während des Absturzes aus dem Postomnibus geschleudert und kam mit leichteren Verletzungen davon. Eine Dame erlitt Schädel-, Schulter- und Schlüsselbein- bruck und liegt hoffnungslos darnieder. Die Schuld an dem Unglück soll den Postkutscher treffen, der bei dem Unglück den Tod fand.
Briefkasten der Redaktion.
Nr. 20. Wir ersuchen um Angabe genauer Adressd,
Reklamen- «nd Anzeigenteil.
RFür Erholnnosbedurftlge und räfshfere flFVßll» ?ral,ke-.
V vll Kuranstalt Hofheim i.Taunus,
_ _ */8 Sionde von Frankfurt a.M.
Prospekte durch Dr. Schulze-Kahleyss, Nervenarzt.
lieben Arztes führen. Zitternd überreichte sie dem Hohen Herrn ihr Empfehlungsschreiben, und kaum hatte es' dieser erblickt, als er freundlich sagte: „Mein Vater hat schon mit mir von Ihnen gesprochen; ich will mir recht Mühe geben!" Kurz darauf führte der rnenfchenfteundliche Herzog die schwierige Operation aus, welche glücklich gelang; die arme Kleine, welche ihre Wohltäter niemals vergaß, wurde später die glückliche Gattin eines Münchener Kaufmanns; der Pate ihres ältesten Sohnes aber war Herzog Maxi- milian.
— Erblindung durch künstliche Düngemittel. Die Landwirtschastskannner für den Regierungsbezirk Wiesbaden macht die Landwirte auf die Gefahren der künstlichen Düngemittel für das Auge aufmerksam. Das Eindringen künstlicher Düngemittel verursach' oft schwere Schädigung der Augen, ja Erblindung, Es zeigen fick; schwere Entzündungen der Lider» Aetzungen und Geschwüre der Hornhaut. Ein Landwirt batte 5 Zentner Thomasschlacke, Superphosphat und Kainit gestreut, öfter gegen den Wind. Schon am ersten Tage zeigten sich Entzündungen. Ein anderer Fall wird von Dr. Heßberg beschrieben. Das Augenlid eines Landwirts war stark geschwollen, die Hornhaut eiterte, war stark mit Geschwüren bedeckt und stark getrübt, auch die Regenbogenhaut war stark schmutzig und eitrig belegt. Die Hornhaut schmolz schließlich ein, das Auge vereiterte ganz und es trat Erblindung ein. Diese Gefahren mahnen dazu, das Ausstreuen nur mit dem Wind, nicht gegen den Wind vorzunehmen. Auch empfiehlt sich das Tragen einer Schutzbrille. Auf alle Fälle ist das Berühren der Augen mit den Händen zu vermeiden.
— Er will nicht wehr dem Teufet dienen. Ein leichtsinniger Lehrbursche, der immer spät in der Nackt nach Hause kam, wurde endlich von feinem Meister durch sehr gewichtige Gründe überzeugt, daß fein Lebenswandel ein schlechter sei. Wäyrend oer Meister seinen Rücken kräftig bear eitete, tief er fortwährend: „Wie lange willst du nur noch dem Teufe! bienen ?" — Wimmernd entgegnete der Junge: „Ihr wißt e§ ja am besten, Meister — ich glaube, meine Zeit lauft in drei Monaten ab!" -a. .