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2. Blatt.

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JV5 268.

Freitag 22. November 1912.

Lokales.

Fulda, 22. Nov. 1912

# Personalien. Versetzt wurde: Regierungs- Zaumeister Bühl vom Betriebsamt Fulda nach der Direktion Frankfurt a. M. — Bahnmeister-Aspirant Traut w e r n.Franksurt a. M. vom 1. Dezember an die Bauabteilung Fulda. — Poftinspeüor Brandl von Insterburg zum 1. Dezember an das Postamt in Fulda. — Der O.ergütervorstehcr Rautenkranz in Kassel-Unlerstadl ist zum Rechnungsrat ernannt worden. — Die Forstaufseber Ziesig zu Mack nzell, Borcherding zu Frankenberg, Kieder zu Franken­hain und Opper zu Rasdorf wurden zu Förstern ernannt.

# Verliehen wurde dem Dsenbahnlokomotivsührer a. D- Franz Schmidt zu Oberkaufungen das Ver­dienstkreuz in Silber, dem Bürgermeister Magnus Birken bach zu Edelzell das allgemeine Ehrenzeichen.

(*) Zm hiesigen städtischen Schlachthofe wurden iw Monat Oktober ds. Js. aeschlachtet: 42 Ochsen (Oktober 1911: 46), 9 Bullen (8), 6H Kühe >82), 91 Junarinder (111), 196 Kälber (248). 837 Schweine (1083), 95 Schafe (133), 16 Ziegen (39), 4 Lämmer (0), 1 Ferkel (66) und 6 Pferde (11).

§ Erlegt. Im Jagdrevier Gläserzell wurde von einem hiesigen Nimrod ein kapitaler Hirsch (Sechs­ender) erlegt. Waidmannsbeil!

§ Unfug. In den Schrebergärten am Künzeller­weg wurde in der Nacht von Montag auf Dienstag die Fahnenstange glatt abgehaucn und mitgenommen Dem Täter ist man auf der Spur.

*€? Der Postverkchr mit Paketen, Wertbriefen und Postanweijungen nach sämtlichen türkischen Post­anstalten der europäischen Türkei mit Ausnahme von Konstantinopel (für den Postpaketverkehr) ist bis auf weiteres eingestellt worden. Pakete für diese Post- anstalten können daher einstweilen zur Beförderung «icht mehr angenommen werden.

---- BIS Vergütung für Fourage, die im Monat November verableicht wird, gelten in den Kreisen Fulda, Hünfeld, Gersfeld und Schlüchtern folgende Preise für den Zentner: Hafer 9,98 Mk., Heu 3,15 Mk., Stroh 2,36 »tf.

** Für Geschäftsleute. Nach den Vorschriften im Geschäftsbereich des Ministers der öffentlichen Ar- betten erfolgte bei Vergebung von Arbeiten oder Lieferungen bisher die Versendung von Zuschlags, schreiben frankiert, die Versendung der Ablrhnungs- schretben unfrankiert. Nunmehr ist angcordnet worden, daß auch die Ablehnungsschreiben zu frankieren sind. Bei Gelegenheit der Regelung dieser Portosrage hat der Minister den ihm unterstellten Behörden emp­fohlen, die Zuschlagsschreiben und in Verbindung Ka­mst auch die Ablehnungsschreiben sobald wie möglich nach getroffener Entschließung abzulaffen, damit die Anbieter nicht länger als unbedingt nötig in Un- gewißheit bleiben.

(*) Lehrstrllenvermittlung. Auch in diesem Jahre gibt der Mitteldeutsche Arbeitsnachweisverband ein im Monat 2 bis 3 Mal erscheinendes Lehrstellen­vakanzenblatt heraus, das die offenen Lehrstellen und Lehrstellensuchenden mit genauer Adresse enthält und an ca. 1200 Adressen (Arbeitsnachweise, Innungen, Gewerbevereine, Amtsgerichte, Schulen, Erziehungs- anstalken, Pfarrer) kostenlos versandt wird. Adressen der offenen Stellen und Lehrstellensuchenden können bei den öffentlichen Arbeitsnachweisen sowie den Vor« fitzenden der Innungen und Gewerbevereine einge- ehen werden.

£i Eine groß« Versammlung der Hausbesitzer, ein« berufen vom Grund» und Hausdesitzerverem Fulda, joU anfangs Dezember hier stallfinden. In dieser Ver­sammlung, zu bet olle Hausbesitzer und Interessenten Zutritt habe», werden zwei auswärtige Herren sprechen. Herr Obert-Frankfurt har das atiuelle Thema über­nommen : »Gründung eines Pfandbrief - Instituts für zweite Hypotheken". Der Vorsitzende des Provinzial- verbaudeS der Haus- und Grundbesitzerveretne, Herr M a lth a ei-Frankfurt, wird über die »Stellungnahme der Hausbesitzer gegenüber den Bodenreformbeftrevungen" rekerrereu.

Aus dem Kachbargebiete.

E Rückers, 21. Nov. 1912. Gestern nachmittag hielt der hiesige Darlehuskassen-Berein seine Herbst-Generalversammlung ab. In derselben hielt unser ehemaliger Vereinsrechner, Herr Lehrer Jestädt-Kohlhaus einen sehr lehrreichen, mti großem Interesse und Beifall aufgenommenen Vortrag über di« rationelle Düngung verschiedener Bodenarten. Zum Schluß empfahl der Redner, alles Urland mög­lichst urbar zu machen, damit das Bodengut aus» «nützt werde, den Obstbau zu fördern, und das schad- liche Grundtvasser aus dem Boden durch Drainie-

Ilms Geld

fi] Roman von Fritz Ewald.

„Du siehst süß aus, Illa", unwillkürlich entfuhr ihr der Ausruf.

^Das wollte ich nur gehört haben", nickte diese befriedigt. — „Hühnerheim war klug, sich den Tisch- Walzer zu sichern."

„Hat der eigentlich Geld?"

Isolde schlang das schön: goldblonde Haar, Wei- ches bis über die Taille herabhing, zu dickem Knoten zusammen.

„£>at rrgenwo in Pommern eine reiche Tante sitzen, der „Kommiß" würde Wohl zusammenkom­men", lautete die Antwort. „Aber ich hätte lieber den italienischen Grasen, da ist mehr Temperam-nt drin und dabei ein paar Millümen."

Sybille saß auf dem Bettrand und klappte die rosa Atlasschnhchen aneinander. „Aber „Graf" muß mein zukünftiger Gemahl unbedingt sein, unterm Grafen tue ich es nicht." —

„Glaubst Du, daß die neunzackiaen Kronen das Glück gepachtet Haber.?"

„Zum großen Teil ja, wenn man eine leidlich wohlhabende Gräfin ist, kann man nie ganz unglück­lich werden." — „Illa!!" — Fast zornig klang es von den Lippen der Schwester.

„Entrüste Dich nicht so sehr, schöne Seele, — hei­rate Deinen Felsdorf, meinetwegen, koch Dein Essen selber und laß Dich zum Lohn von ihm besingen. Er versicherte erst neulich wieder, „er schwärme nur für große, schlau.:, bleiche, dunkeläugige Mädchen, die weißen Lilien zu vergleichen wären","— na, die Be­schreibung Paßt doch haarscharf." — ,

„Felsdorf denkt ebensowenig daran, mich zu hei­raten, wie ich ihn, — wir haben uns gern, wissen aber genau, daß wir arm sind und keinen anderen Gedanken auskommen lassen dürfen."

„Sehr vernünftig", lobte Illa, „nur kein unnützer Zeitverlust mit aussichtslosen Lieben."

‘ Ich möchte nur ein sorgenfreies .ruhiges Leben habe^ — denn richtig lieben, so alles vergessend, —-

rung abzuleiten. — Wie in früheren Zeiten allgemein üblich, befand sich auch in unserer 880 Seelen zäh­lenden Pfarrei der Friedhof um die Pfarrkirche herum. Da beileibe angeblich den Gesundheitsverhält- niffen nicht entfpricht und außerdem zu klein sein soll, ist die Genieinde angewiesen worden, einen neuen Friedhof anzulegen. Zu diesem Zwecke wurde auf der nördlichen Seite des Dorfes ein -Grundstück gekauft, mit deffen Herrichtung zu einem Friedhof man jetzt beschäftigt ist.

* Aus der Rhön, 21. Nov. 1912. Wer in den letzten Jahren die Rhön als fiöhlicher Tourist durch­wanderte, mutz dabei die Beobachtung gemacht haben, daß in vielen Orten hübsche Neubauten entstanden sind. Um so erfreulicher ist es, datz bei Häuserrepa­raturen die alten freundlichen Fachwerkbauten wieder zur Geltung kommen, deren Faffaden in den letzten Jahrzehnten so vielfach hinter einem eintöni­gen Verputz verschwunden waren. Immer mehr zeigt sich wieder die Wertschätzung der Zimmermanns­arbeit früherer Jahrhunderte, die es verstand, aus den selbstbehauenen Eichenholzbalken wahre Kunst­werke, tote Menschen- und Tierköpfe, Rosenketten, Efeuranken und andere Ornamente erstehen zu las­sen und ganze Battenseiten mit Inschriften herans- zumeitzeln. Möge sich dieser Sinn für Heimatpflege in unserer an Fachtoerkbauten so reichen Rhön immer noch weiter entwickeln, nicht zum Schaden der be­it effend . Orte selbst.

* Bischofsheim v. Rh., 21. Nov. 1912. Der unter» fränkische Landrat genehmigte für unsere Holz­schnitzschule den Betrag von 2500 Mk.

* Hammelburg, 21. Nov. 1912. Mit Rücksicht auf die geringe Frequenz unseres Proghmnafiums be» schloß der unterfränkische Landrat/ bei der Regie­rung um Aufhebung desselben als öffentliche Lehr­anstalt vorstellig zu werden.

* Offenbach, 21. Nov. 1912. Der Gastwirt Kolb wurde gestern abend, als er in seinem Keller einen fremden Mann traf und zur Rede stellte, von diesem durch vier Al 2 s f e r st i ch e am Kopfe verletzt. Der Eindringling entfloh dann unter Zurücklassung seines Hutes unerkannt.

* Frankfurt, 21. Nov. 1912. Die Vorbereitungen für dm vierten Wettstreit deutscher Mämter- gcsangvereinc um deu Wanderprüs des Kaisers ha­ben mit einer Sitzung der Ortskommission unter dem Vorsitz des Oberbürgermeisters Voigt ihren Anfang genommen. Der Wettstreit wird in der Frankfurter Festhalle, die etwa 17 000 Personen faßt, abgehalteu.

* Kassel, 21. Nov. 1912. Die 15jährige Tochter des Werkmeisters H ist seit Montag spurlos ver­schwunden. — Der 2jähr. Sohn des Schuhma­chermeisters Sch. st ü r z t e aus dem 1. Stock auf die Straße und erlitt 'einen Schädelbruch, an dessen Fol­gen er im Landkrankenhause gestorben ist.

* Neudorf, 21. Nov. 1912. Eine schreckliche Eisenbahnfahrt machte am Montag abend d:r 21jährige Landwirt Kleinschmidt von hier auf der Kleinbahnstrecke Eltville—Langenschwalbach. Der Zug hatte bereits die Station Eltville verlassen, als der junge Mann abspringen wollte, um sich in Eltville noch ein wenig zu vergnügen. Beim Absvringen kam er zu Fall, wurde von dem Trittbrett ersaßt und mitgeschleift. In seiner Todesangst schrie der Ver­unglückte um Hilfe, wurde jedoch erst cm der nächsten Haltestelle bemerkt. Das linke Bein ist total zersplit­tert, so daß es Wohl amputiert werden muß. Auch sonst erlitt Kleinschmidt erhebliche Verletzungen.

* Aus dem Spessart, 21. Nov. 1912. Der nasse Novemberschnee der letzten Woche hat in den Kie­fernforsten wieder großen Schaden verursacht. Man spricht, daß allein im Forstamt Heigenbrücken an 5000 Kubikmeter Holz durch d:n Schneedruck zu­sammengebrochen sind.

* Aus Franken, 21 Nov. 1912. Gestern wurde der frühere langjährige Vorstand der Regierungs­forstabteilung von llnterfranken, Oberforstdirekwr a. D. Franz Klecspies in Würzburg, vom Schlage »getroffen und war sofort tot. — Gestern verschied in Würzburg der Privati:r Ostberg und wenige Stun­den später bessert Sohn, der frühere Metzgermeister Franz Ostberg. — Tie nahe an Koburg gelegenen bayerischen Ortschaften Witzmannsberg, Eicha, Schor­kendorf, Wohlach, Welsberg, Schottenstein und die nahe an Nossach (S.-K) gelegenen, gleichfalls bayerischen Ortschaften Zilgendorf, Altenbanz, Pützig usw. wollen den Anschluß der Dahn Koburg-Rossach an die bayerische Jvgrundbahn Dietersdorf-Breiten­güßbach anstrengen, um auch mit der Stadt Bamberg in Geschäftsverkehr treten zu können. — Der Ober­monteur Eckert aus Fladungen, zurzeit in Ger­merode, stürzte von einem 150 Meter hohen Wasser- türm in die Tiefe, wo er 2 Stunden bewußtlos lag. Eckert erlitt -einen Schädelbruch.

Ami Seifa und Umgebung.

♦ Dermbach, 21. Nov. 1912. Unter dem Vorsitz des Oberschulrats Dr. Krumbholz aus Weimar fand am Samstag im hiesigen Lehrerseminar eine Rek­torprüfung statt, welche Stiftslehrer Eouvreur- Weirnar und Bürgerschullehre Gotze-Jena bestanden.

* Stadtlengsfeld, 21. Nov. 1912. In der G e­mein berat ssitzung vom Dienstag wurden u. a. die Kosten für elektrisches Licht zur Beleuchtung eines Schulsaalcs zur Fortbildungsschule bewilligt und dem Gesuch des Lehrerkollegiums, die Mietsent- schädigung auf 350 Mark zu erhöhen, entsprochen.

* Wenigentaft, 20. Nov. 1912. Der Zuschlag zur Uebernahme der Bahnhofswirtschaft in Querfurt ist dem Bahnhofswirt Kersten von hier erteilt worden.

♦ Wölferbütt, 21. Nov. 1912. Am Basaltwerk Dietrichsberg ist ein Arbeiter Eizert aus Völkers» kaufen von einem fahrenden Bafaltwagen so schwer getroffen worden, daß er den Verletzungen erlag.

Aus Oberheffen tu den heff. Remtern.

• Marburg, 21. Nov. 1912. Mittwoch nachmit- tag fand hier eine Sitzung des Gefamtausfchusses für die Erbauung einer Bahn von Biedenkopf nach Wetzlar nnd Gießen (Hinterlandbahn) statt. In allen wesentlichen Punkten wurde Einmütigkeit erreicht und das gemeinsame Ziel wird mit allen Kräften weiter gesördert werben. — Postsekretär Creds feierte am Montag fein 50jähriges Dien st» j u b i I ä u m. Aus diefcm Anlaß wurde ihm der Krvnenorden 4. Klasse verliehen.

♦ Kirchhain, 21. Nov. 1912. Die Eisenbahn-Bau- Abteilung Kirchhain hatte die Anfertigung, Lieferung, Ausstellung und den Anstrich der flußeisernen lieber« bauten für die Straßenunterführungen in den Bau- stationen der Neubaustrecke Kirchhain—Gemünden a. d. Wohra öffentlich ausg:fchrieben. Das niedrigste Angebot stellte sich auf 18 343,20 Mk.. das höchste auf 34 997 Mk.

[:] Neustadt, 21. Nov. 1912. Am Feste der hl. Elisabeth wurde die schon lang: geplante Marianische Jüngling s-Kongregation durch Herrn Pfarrer Ebel gegründet. Nach gemeinschaftlichem Empfang der hl. Sakramente am Morgen fand abends in der Kirch: die feierliche Aufnahme von 37 Jünglingen statt. Herr Pfarrer Günther-Allem darf hielt eine Ansprache über Zweck und Bedeutnng der Marianischen Kongregationen. Mit brennenden Kerzen in d:n Händen umstanden die jungen Sodalen den Altar, um im Angesichte ihres Schutzpatrons, des hl. Aloysius, und im Beisein zahlreicher Gläubigen, ihre Versprechen abzulegen. Die Jungsrauenkongre- gation sang während der Feier passend: Lieder. Dar­auf fand ein gemütliches Beisammensein der neuen Sooalität im eigenen Vereinslokale statt.

* Neustadt, 21. Nov. 1912. In voriger Woche verunglückte, wie wir mitteilten, der zwischen Neu­stadt-Alsfeld bisher fahrende Aytopost-Qmni- b u § kurz vor Arnshain infolge des schlechten Zustan­des der Alsfelder Straße, dre mit ungewalztem Stein­schlag belegt worden ist. Die Fahrten mußten einge­stellt werden und der Verkehr wird durch Fuhrwerke vermittelt. Dem Vernehmen nach hat die durch die schlechte Straßenbeschaffenheit geschädigte Firma Ost- heim-Marbnrg den Beschwerde- bezw. Klagüveg be- schritten.

* Neukirchen, 21. Nov. 1912. Die Wiesen deS Schwalmtales bilden von Zella bis fast nach Treysa einen großen See.

* Speckswinkcl, 21. Nov. 1912. Sein 50jähriges Dienstjubiläum als Schweinehirte unserer Ge­meinde feierte der Landwirt C. Losekcun. Bei der letzten Fruchtbesoldung, die in natura geliefert wird, veranstalteten die Viehbesitzer in der Gastwirtschaft Sommer eine kleine Feier, bei welcher der Jubilar wegen seines Pflichteifers und Treue bei Ausübung seines „Hirtenamtes" geehrt wurde. Der Genannt: versieht auch die Stelle eines Nachtwächters und Orts- dieners seit vielen Jahren.

* Von der Talsperre, 21. 9tob. 1912. Fürst Fried­rich von Waldeck-Pyrmont besichtigte vor eini­gen Tagen den gegenwärtigen Stand der Bauarbeiten an der Eder-Talsperre bei Hemsurt.

vermischtes.

* Der „unvorsichtige" Zeppelin. Vor kurzem war gegen ben Grasen Zeppelin von einer Firma in Eibelstadt eine Entschädigungsklage auf Zahlung von 750 Mk. angestrengt worden aus sol» gendem Grunde: Beim Ueberfliegen einer der et«

ich glaube das kann ich gar nicht", seufzte Isolde und sah gedankenvoll vor sich nieder.

„Du denkst jetzt an Fritz Ellern und Ellinor", ri:| die Schwester, „weiß Tu, das ist schon nicht mehr normal, — die Ellinor ist ja sonst ganz nett, aber mit dem bürgerlichen „Leiermann" hat sie sür immer bei mir verspielt." —

„Kein Wort gegen Ellinor" — Isolde streckte ab­wehrend die Hand aus. „Sie ist zehnmal edler, bes­ser als wir."

„Ne alte Kuh ist auch gut", grollte Illa leise, das Lieblingswort ihres Bruders zitierend.

Isolde war mit ihrem Anzug fertig; sie sah in dem schleppenden Weißen Seidenkleid und den Wei­ßen Blüten im Haar wirklich wie „eine Weiße Lilie" aus.

„Komm", ermahnte sie die noch einmal vor dem Spiegel hin und her trippelnde Schwester, löschte die Lampe aus und schritt die Treppe zu den Wohn­zimmern hinab.

Der Hvfmarschall stand vor dem Kachelofen, der drei Salons durchheizen mußte, von denen keiner abgeschlosicn werden durfte, und wärmte sich. — Bei dem Eintritt seiner Töchter ging er ihnen entgegen, — sagte ihnen einige schmeichelhafte Worte über ihr Aussehen und küßte ihnen die Fingerspitzen; er tat dies stets, wenn sie tn großer Toilette waren.

Frau von Winningen lehnte tn einem der hohen, wappengeschmückten Stühle vor einer verschleierten Lampe und mühte sich mit etwas schadhaft geworde» nen Wäschestücken ab, natürlich nur, weil sie gerade keine andere Handarbeit bereit hatte." —

„Also, nicht tor.br, liebe Töchter, Ihr habt die Güte, noch einmal Eurer Mutter und meine Ent- schnldiguug in gebührender Form Frau von Rüster­heim vorzutragen." Ter Hoftnarschall strich den langen, Meißen, wohlgepflegten Bart. „Wir sind untröstlich, fern bleiben zu muffen, aber der Arzt hat der Mama, ihrer angegriffenen Gesundheit wegen, vor Weihnachten jede Geselligkeit versagt — und ich werde sie ganz selbstverständlich, nicht verlaffen." — Er hatte diesen Satz nun schon so ost gesagt, daß er ihn, tej} des blühenden Aussehens seiner Frau,

bald selber glaubte und den wahren Grund vergaß, der darin gipfelte, daß man zunächst zwei neue Tor- letten für die Töchter hatte anschaffen muffen, und die angegriffene Kaffe erst nach Weihnachten eine selbstverständlich sehr „standesgemäße Toilette" für die Freifrau von Winningen" gestattete. — Diese ließ die Arbeit finken und blickte mit unverhohlener Freude zu den auffallend hübschen Töchtern herüber.

„Die Kleider sitzen tadellos, Ihr seht durchaus distinguiert aus, das ist die Hauptsache, Vornehm vom Scheitel bis zur Sohle; <nb Euch Eures Wertes bewußt, Kinder." „Ich hoffe, die drei Winningens werden uns heute abend Ehre machen", lächelte der Hoftnarschall. „Vergeßt nie daß Ihr nicht nur für Euch selber einzutrrten habt, sondern auch die Fami- lie Vertretet."

Isolde nickte gedankenlos, :— Illa aber stand noch einmal vor dem großen Pfeilerspiegel, um sich in ganzer Figur zu bewundern und noch einiges an ihrer Toilette zu verbessern.

„Wenn nur der Wagen nicht zu früh kommt", klagte sie, erst müssen alle versammelt sein, dann toiö ich als Letzte eintreten, als der „große Clou">

4. Kapitel.

Die mit fast fürstlicher Eleganz ausgestattesen Räume des Oberst von Rüsterheim strahlten in sest- lichem Glanze, — es fehlten nur noch einige Minuten an 7 Uhr, und der erste Ball der Wintersaifon sollte seinen Ansang nehmen, —- sollte alle, die sich durch Rang oder Stand auszeichneten, für die Taner einer kurzen Lebensgenusses vereinen Der schwere rote Sammetvorhang, welcher die Flucht der übrigen Salons von dem Tnnzsaal trennt:, wurde zurückge­schlagen, und die hohe Gestalt der Hausstgu trat über die Schwelle, noch einen letzten prüfenden Blick auf die Arrangements zu werfen. Wohlgefällig ruht: ihr Auge auf den von kunstgeübter Hand zu klein:» Lauben umgetoanbelten Ecken und lauschigen Plätz­chen, — bei bämmernben Behaglichkeit des Winter­gartens, — im Gegensatz zu dem von Hunderten von Wachslichtern erhellten Festiaal. In diesem waren die elektrischen Flammen auSgeschaltet worden, um

wähnten Firma gehörigen Weide durch das tn Ham­burg stationierte Luftschiff „Z. 3" scheute ein Pferd und wurde so erheblich verletzt, baß es getötet werben mußte. Die Firma verlangte nun Schadenersatz sür den durch das Geräusch des Lustschisfes verursachten Schaden mit bet Begründung, baß bet Führet des Luftschiffes „es an bet nötigen Vorsicht habe sehlen lüften". Die Klage würbe aber von bem Lanbgericht Altona abgewiesen unter Hinweis auf bie Feststel­lung, baß Graf Zeppelin, bet an bem betreffenben Tage bie Führung bes Luftschiffes selber in Hänben hatte, wie immer wähtenb bet Fahrt alle erbenklichs Vorsicht angewenbet habe.

* Infolge des Wagenmangels und der Derkehrs- fwckung im Westen müssen bereits zahlreiche Zechen Feierschichten einlegen. Verschiedene große Eisenwerke im Dortmunder Bezirk holen ihren Koh­len» und Koksbedarf durch Fuhre herbei. Auch im Schiffsverkehr auf dem Rhein macht sich eine Verkehrsstockung bemerkbar.

* Ein neues deutsches Wasserflugzeug. Ter Flug» zerigbau Friedrichshafen hat einen bedeut­samen Ersolg in der Konstruktion eines Wasftrflug- zeuges durch den früheren Oberingenieur des Grafen Zeppelin Kober zu verzeichnen. Der schweizerische Pilot Gsell unternahm mit einem von Oberingenieur Kober konstruierten Flugapparat wohlgelungene Probeflüge über den See, denen auch Graf Zeppelin beiwohnte. Die Flugmaschine, die einen sehr ruhigen Flug hat, erzielte trotz starken Gegenwindes eine er­hebliche Geschwindigkeit.

* Eine Selbstmörderbrücke. In Plauen sprang ein Arbeiter von der „Selbsttnörberbrücke" herab und blieb tot auf dem Steinpflaster der unter der Brücke durchführenden Straße liegen. Es ist dies schon das 24. Opfer der erst vor 6 Jahren erbauten Brücke. Die vom Plauener Magistrat geplante Schutzvorrich­tung befindet sich noch immer tut Stadium der Er­wägung.

* Die Cholera. Nachrichten über ein beunruhi­gendes Auftreten der Cholera in der Tür k e i wer­den auch von der deutschen Reich Sregiernno aufmerksam verfolgt. Da bei einer weitern Ausdeh­nung der Seuche, an der kaum zu zweifeln ist, ein, Verschleppung durch den Schiffsverkehr auch nach deutschen Häsen im Bereiche der Möglichkeit liegt; so sind bereits diejenigen Maßnahmen in die Wege geleitet, die zur Verhütung einer Sinschlep» pung geeignet sind.

* Bei dem Brand« eines Vorratshauses in Kos­low (Rußland) sind mehrere Personen umqekommev und Eier und Geflügel im Werte von 4 Mill io» nen Rubel verbrannt.

Handel nnd Jndnstrie.

♦ Berlin, 21. Nov. 1912. Die Hoffnung aus eine baldige Beendigung beS Balkankriegrs und Vermei­dung eines ernsten Konfliktes zwischen Oesterreich und Serbien tief eine Kurssteigerung an der Börse bervor. Am Montanmarkte waren Erhöhungen um 1—3 Pro­zent zu verzeichnen. Bank-, Eisenbahn- und Schiff- scchriS-Aktien ziemlich belebt. Am Industrie»Kassa- warkle steigende Kurse. Der Privat-DiSkont zog auf 5$/e Prozent an.

Reklamen» and Anzeigenteil.

Blühendes Aussehen.) ffiet seine Widerstandsfähigkeit erhalten und blühend^ Au^stbcn haben hnß. der nehme Scotts Ltbrrtran-Emul- fion. Man sche sich die rosigen Bäckchen der lieben Klemm att. ine fte tn erster Linie dem längere Zeit sortgesehtm Gebrauche von Scotts Emulsion verdanken. Auch Er­wachsenen tonb Scotts Emulsion zu einem blühenden, gesunde» Aussehen verhelfen.

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den Beleuchtungskörpern der Großmutter Platz zu machen, weil dieselben durch ihren warmen Glan; den Augen ein andere» Feuer zu verleihen imstande waren. Frau von Rüsternheim hüstelte ein wenig, der betäubende Dust des Eau de die, der bie Räume füllte, fiel ihr einen Moment auf bie Lungen, aber fte liebte dieses starke Parsirm, liebte alles Ueber« triebene. Noch einmal schritt sie hinüber in den Speisesaal, es war ein Rauschen unb Wogen bes schweren, himmelblauen Damastkleides um sie her­um. — Wie mit fiebernder Hast eilte sie um den Tisch unb schob eine darauf befindliche hohe gefchliffene, mit seltenen Orchideen gefüllte Kristallvase zur Seite.

„Ich muß ihn bejjet sehen können", flüsterte sie leise, „er sitzt mir schräg gegenüber", unb bann nahm sie bie weiße Tischkarte, welche nur das Rüsterheim- sche Wappen zierte und las mit bebenden Lippen „Oberleutnant Graf Colmani". Der schöne Kopf mit den rotblonden Haaren neigt: sich darüber, dis tiefdunkeln Augen flammten auf, als wollten sie ben Namen in Glut versengen, — bann plötzlich schrat sie zusammen, horchte nach bet Tür, unb mit bezau­berndem Lächeln streckte sie bem eintrrtenben Oberst beide Hände entgegen.

„Da kommt ja bet orbengeschmückte Herr beS Festes, — bin ich seiner einigermaßen würbig, gefalle ich ihm?" —Den Kopf leicht zurückgebogen, die Lip­pen halb geöffnet, sah sie mit kokettem Lächeln zu ihm auf.

Boll Bewunderung ruhten die Augen des (Regt« mentskommandcurs auf seiner schönen Frau, unb mit warmer Zärtlichkeit wollte er liebkosend ben Arm um sie schlingen, jedoch sie enttoanb sich ihm mit schlangenhafter Grazie."

„Ditte, Liebster, mein: Toilette zu respektieren; alles ansehen, nicht? ansaften."

Eine leichte Enttäuschung malte sich in den Zü­gen bes Obersten, er war zwar an JuttaZ ablehnend bes Verhalten in bieser Hinsicht gewöhnt, jedoch es kränkte ihn stets von nettem, — Denn er liebte sie, liebte sie heute noch genau so, tote an jenem Tag:, als er dr: schöne, aber gänzlich mittellose Gesellschaf- terin zur Baronin von Rüsterherm machte. F. f.)