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Zuldaer

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Lokaies.

Fulda, 21. Nov. 1912.

* Personalicn. Der Krci-aWenzarzt Tr. Rap- tnitr.ö aus Ätarburg ist zum Kreisarzt ernannt und mit der Verwaltung des Kreisarztbezirkes Kreis Querrurt beauftragt worden. — Dem Regierungs. affcffor Dr. Scheer in Kassel ist die S tile des Ober» Zollinspektors in Burg b. M. verlieben worden.

* Verlichm wurde dem Gemeinderechner Wilhelm Schweizer zu Opperz, Kr. Fulda, dem Stadlförster Heinrich Schellba'e und dem Stadlrechner Christian Mühlhausen in Waldkappel das Allgemeine (ihren» Zeichen; dem Gendarmerieoberwachtmeister Rollmann zu Ziegenhain das Kreuz des Allg. Ehrenzeichens.

§ Verbrannt. Sehr schwere Brandwunden erlitt Dienstag abend gegen 10 Uhr das sechsjährige Mädchen des ' odieneis R. Das Kind war in Abwesenheit tu. Vkutter neben dem Ofen einge» Olafen. Piog ich fingen die Kleider Feuer, und im Nu stand die Kleine in Flammen Obwohl Hülfe rasch zur Stelle war und das Kmd von der Sani- lätslolonne nach dem Landkrankenhaus gebra tt wurde, starb das Mädchen dennoch infolge der starken Brand­wunden neuern morgen kurz nach 4 Uhr.

. r*s Schöffengericht. Die Verhandlung gegen den 42jährigen Kaufmann I. H- in E. wegen Beleidigung des König!. Försters H. in Sandberg dauerte am Dienstag sechs Stunden. Der Angeklagte hatte den Beamten seit längerer Zeit fortgesetzt durch das Wort .Bieineider" öffentlich beleidigt. Nach Schluß der Beweisaufnahme beantragte der Amtsanwalt eine Gefängnisstr ife von neun Monaten. Ter Vertei­diger plädierte um eine bedeutend mildere Strafe. Es kam wiederholt zu kleineren Auseinandersetzungen Zwischen dem Vorsitzenden und dem Verteidiger. Schließlich wurde die Beweisaufnahme nochmals wieder au;genom>nen. Nach längerer Pause wurde dann das Urteil babin' verkündet, daß der Angeklagte wegen öffentlirher Verleumdung des Försters drei Atonale Gesängnis zu verbüßen hat.

L Tie Kaft.inieiiallee, die wegen Neupfiasterung längere Zeit tür den Fuhriverkoerkehr gesperrt war, ist nach Beendigung der Arbeiten dem freien Verkehr wieder zugängig gemacht worden. Die Kastauienallee bat an beiden Seiten auch neue Bürgersteige mit Mosailpstast r erhalten. Die Umgebung des Dom­platzes ist somit in guter Verfassung — bis auf den Platz selbst.

Fk. Vollsvcrein. Wie wir bereits mitteilten, be­ginnen die L ekanatskonferenzen am Sonntag, den 24. November, nachmittags 3*/s Uhr im katholischen Geseltrnhause in Fulda und finden fortlaufend am Montag in Neuhof, a:n Tieustag in Hilders, am Mittwoch in Geisa und am Donnerstag in Hünfeld statt. T>e Verhandlungen in den Konferenzen werden sich auf lolgende Gegenstände erstrecken: 1. Stand und Entwicklung des Volksvereins in den betreffenden Dekanaten; 2. Referat: Die Rückwirkung der gegen­wärtigen Spannung zwischen Landwirtschaft und Industrie auf unsere Artttlärnugsarbeit in Stadt und Land; 3. Täiigkeit des Volksvereinssekretariats Fulda; 4. freie Air ip aciie über das Referat; neue Hilfs­mittel für unsere Winterarbeit, Versammlungen, Agitation, Rednerliste uiro., die Frau rm Volksoerein, die Zuiamuienarveit des Volksvereins mit allen übrigen Organisationen. In Anbetracht der interessanten Tagesordnung darf wohl erwartet werden, daß sich Interessenten aller Kreise recht zahlreich beteiligen werden. Tas Referat des Herrn Dr. lieber wird wertvolles Material zur Beurteilung schwebender wirtschaftspolitischer Fragen liefern. Die Aussprache über die vus den gegenwärtigen wirtschaftspolitischen Verhältnissen sich ergebende Aufklärungsarbeit wird hoffentlich zu praktischen Resultaten führen. Aus dieser Arbeit wird nicht nur der Volksoerein, sondern werden alle katholischen Vereine Nutzen ziehen können. In den an die Konferenzen sich an­schließenden Versammlungen wird Herr Dr. Nieder, außer in Fulda, über die neuen Zeitaufgaben der Deutschen Katholiken sprechen. In der Windi- horstgcdächtnrKfcier in Fulda wird er in einer großzügigen Rede das Andenken unseres Windthorst feiern." Die Katholiken Fuldas dürfen es sich nicht nehmen lassen, durch euren Atassenbesuch die Windl- horstfeier zu einer machtvollen riruidgebung katholischen Lebens zu gestalten. Nach Atöglichkeit müssen alle katholischen Männer und Frauen dabei sein, dem Beispiele Windlhorst's folgend, der auf einer Verzamm- lung in Breslau sagte: .Atem Alter und meine Krankheit hätten mir nicht geraten hierherzugehen, über eine innere Stimme sagte mir: .Du darfst, solange du noch Bewegung hast, nicht aufhören teil­zunehmen an den Manifestationen katholischen Strebens, weil wir noch lange nicht das erreicht haben, was wir erreichen müssen, und ich will nicht

eher ausspannen, bis ich von Gott ausgespannt roerbf.* Katholiken von Fulda, machtS nachts nach!

::: Naturheilverein. Am Montag hielt in der Monatsversammlung des NaturheilvereinS Herr C. Eucker einen Vortrag über .Aderverkalkung und Schlaganfälle*. Der Beitritt zur neu gegründeten Begräbnisunterstützungskaffe des deutschen Bundes der Naturherlvereine wurde den Mitgliedern dringend empfohlen. Auf Vorschlag des Vorstandes wurde bann beschlossen, bem Bunde deutscher Boden» reformer als körperschaftliches Mitglied beizutreten. Acht neue Mitglieder wurden aufgenommen. Am . Sonntag wird der Verein bet günstigem Wetter einen Ausflug nach Dietershan unternehmen.

= Tas Gauturnfest des Oberfulda«Werragartes sollte ursprünglich rm August nächsten Jahres in Vacha Jtattfinben. Mit Rücksicht auf das beutjdje Turnfest mußte jedoch ein anderer Termin gewählt werden; es sind nunmehr der 21., 22. und 23. Juni sestgefetzt worden.

+ Fulda's Barockwerke. Als die,Fuldaer Zeitung' in ihrer Samstagsnummer darauf hinwies, daß Fulda in einem von dem bekannten Kunstverlag Karl Robert Langcwiesche herausgegebenen Prospekt .Deutscher Barock' eine besondere Auszeichnung erhalten habe, da konnte man auch schon am nächsten Tage den unter diesem Titel angekündigten Kunstband in den hiesigen Buchhandlungen ausgehängt sehen. Und da? neueste „Blaue Buch* selber ist auf der Stirnseite gleichfalls mit unserer Florastatue geziert. Ein Blick in den sehr reichen Silber-estand desselben aber zeigt, wie liebevoll der Heraus zebcr (Wilhelm Pinder) gerade unsere Orangerie — nach seinen Worten: „als Gesamtwirkung in der Natur ritte der reizvollsten in ganz Deutschland"! — berücksichtigt hat. Nicht nur das Aenßere und das Innere mit feinet schon von Gutlitt gefeierten, „wundervoll seinen Dekoration" ist trefflich wiedergegeben, auch die Floravase sehen wir in V.'tbindung mit dem schönen Bau in einer ganzseitigen Abbildung und dies alles durch feine Charakteristiken erläutert. In der Tat, der Heraus­geber versteht es, einem die Augen für die von den Aesthetikern jetzt wieder so stark empfundenen Schön­heiten unserer Barockwerke zu öffnen. Welcher Fuldoer aber sollte sich nicht freuen, wenn er an dem vielbe­wunderten Kunstdenkmal „den hinreißenden Schwung der plastischen Idee" oder „den wunderbar jubelnden Aufstieg der Linien" mit Entzücken rühmen hört! — Daü auch der Fuldaer Dom in das Werk aufge­nommen wurde, braucht wohl kaum gesagt zu werden. Erwähnen aber möchten wir, daß beifen Architekt Jo­hannes Tientzenhofer auch noch mit andern glänzenden Architektur-Leistungen, wie Schloß zu Pommersseiden und Klosterkirche zu Banz in dem Werke durch prächtige Abbild ngen vertreten ist, die uns gerade im heurigen Jubeljahre unserer Kathedrale als den fränkischen Pleister charalterisiereiidesAnschauungsmaterialdoppelt interessant erscheinen dürfen.

W Ersatzleistungen sirr Nachnahmesendungen. Ist eine Nachnahmesendung ohne ordnungsmäßige Ein­ziehung des Nachirahmebetragcs ansgehändigt worben, so leistet die Postverwaltung dem Absender fortan bei Eins üreib« und Wertsendungen sowie bei gewöhn­lichen Paketen mit Nachnahme für den entftanben-n unmittelbaren Schaden bis zum Betrage der Nach­nahme Ersatz. Diese Bestimmung, durch welche die Postordnung jetzt ergänzt word'en ist, trägt den Wünschen weiter Kreise Rechnuna.

-4- Zustellung unverlangter Waren. Tie Unsitte, daß einem Waren zugestellt werden, die man gar nicht bestellt hat, lediglich zu dem Zwecke, um den Adressaten zum Abnehmen zu zwingen, hat in den letzten Jahren mehr zugenontmen. Namentlich werden derartige Sendungen jetzt vor Weihnächten sich wieder Haufen. Man soll diese Zumutungen entschieden ab» weisen und wird diesen Unfug am ersdlgleichsten be» kämpfen, wenn man ans Prinzip nie darauf eingeht, auch sich nicht die Mühe ma t, solche Gegenstände zurückzusenden. Man beantworte die Bitten, doch endlich zu bezahlen, oder zurückzusenden, nicht, sondern hebe die Sacken irgendwo auf. Zum Ausvewabren ist man verpflichtet, nicht dagegen zum Zurücksenden, es sei denn, daß dcr Absender eine angemessene Ent­schädigung für Rücksendung und Porto vorher ein» sendet.

Hk. Deutsche Firmen, die sich für den südafrikanischen Markt tntere|fieren, wollen dies zwecks" Uebeftendung einer vertraulichen Information der '.ständigen Aus- stellungswmmission mr die deutsche Industrie" (SBerlih' N. !tL. 40, Roonstraße 1) Mitteilen.

Aus dem Uachbarged'rete.

* Gersfeld, 19. Nov. 1912 Am Samstag fand zu Ehren des nach Franzburg versetzten Kreissekrttärs

Alms Keb'ö.

4] Roman von Fritz Ewald.

Und so flogen sie dahin, die Stunden der Nacht; ?aS Ticken der hohen Wanduhr mischte sich mit dem Klingen der Goldstücke, und der durch den Kamin fegende Novembersinrm tlang wie Aechzen und Kla­gen einer gequälten Seele.

Als sich die Herren erhoben, dämmerte schon Früh­morgen. Mit starren Blicken sah Leo auf die lässige Handbewegung, mit der Evlmani eine Anzahl Schuld­scheine, seine Schuldscheine, in die Tasche schob; es war ihm zumute, als schaue er in eine bodenlose Tiefe, als wandle er in einem schweren Traum und müsse erst erwachen. Leicht berührt; der andere seinen Arm, während die übrigen Herren rm Hintergrund die Säbel umschnallten. — „Lassen Sie sich Zeit, Danhoff, es hat leine Erle."

Er harte alles nur aus weiter Ferne, es war ihm gar nicht, als ob er es sei, der dort die Kasinostufen hinunterschritt, über irgend ein gleichgültiges Thema plandumd. — Die Kameraden schlugen, leicht frö­stelnd nach der durchwachten Nacht, die Mantelkragen in bi? Höhe. Gedankenlos tat er es mit und sah, wie ein neuer Tag langsam, ganz langsam in: Osten zu erwachen begann. Die ersten Milchwagen rüttelten über das Siroßenpflaster und ab und zu fing hinter matt erleuchteten Fenstern die Großstadt wieder an zu arbeiten. Alles rieb sich den Schlaf aus den Augen zu neuem Leben, neuem Schaffen, berechtigt zu neuem Hoffen; nur ;r halte keinen Anteil daran, — er hatte sein zugemcsscn Teil verspielt. — Bis zu den Pforten seiner Wohnung hatte er seine mühsam er­rungene Fassung behaupten können, dann aber war es mit seiner Kraft zu Ende. In einem Sessel fernes Arbeitszimmers brach ’s zusammen; — das Gesicht in den Händen Vergraben, fühlte er sich schmachvoller als ein Verbrecher, elender wie ein Verurteilter. Es war ein Kapital, das er an Cclmcmi verloren halte und er sah Ieinen Ausweg, die Ehrenschuld, welche keinen Aufschub duldete, übertragen. Sein Vater

besaß nur seine Pension, das Vermögen seiner Mut­ter war festgelegt. Er überhäufte sich mit Vorwur- fen, klagte sich an, im Wahnsinn gehandelt zu habm; die Hand in das dunkle, dichte Haar vergraben, starrte :r fassungslos ins Leere. Was sollte nun werden? — — —

3. Kapitel.

„Glanz nach außen", war die Devise, welche in unsichtbaren, aber eingreifenden Settern über dem Hause derer von Winningen stand — Als Hoftnar- schall eines kleinen, regierenden Fürstenhauses, hatte einst Herr von Winningen eine vermögenslose Grä­fin cingeführt und in seiner Ehe und seiner Stellung gelernt, die Interessen des „Äeußerlichen" auf das peinlichste zu wahren. Wenn ein Mensch in seinen Taten genau der Etikette Vorsckriften entsprach, war es ihm völlig gleich, tote es um das Denken besagter Persönlichkeil bestellt war. „Die gute Form", das war es, worauf er und feine Frau den Hauptwert legten, — auf das „SStc" im Leben kam es ihm an, nicht auf das „Was". „Sand in die Augen", wenn es nicht anders ging, — aber es mutzte „Goldstaub" feilt. Und dieser Goldslaub durchzog die ganze Atmos­phäre des Winningenschcn Hauses. —

„ES ist eigentlich in der guten Gesellschaft eine Schande, kein Geld zu haben", pflegte die geborene Gräfin zu sagen, aber wenn man nun mal, wie wir, in der beklagenswerten Sage ist, mutz man fein Hauptaugenmerk darauf richten, daß es wenigstens niemand merkt." — In diesen Ansichten waren die Kinder erzogen und groß geworden. Sie hatten es lernen müssen, lächelnd auf heitz gehegte Wunsche zu verzichten, mit der Begründung anderen gegenüber, „daß ft: sich nichts daraus machten", — hatten es mitansehen müssen, daß die schönsten Geschenke ihren Geburtstagstisch zierten, solange derselbe den Äugest der Bekannten preisgegeben war, dann aber, am Abend in die Geschäfte zurückgesandt wurden mit dun Bescheid, daß die zur Wahl bestellten Gegenstände aus' diesem oder jenem Grunde nicht den Anforde­rungen genügt hatten. Und keiner der Gäste ahnte, wenn il an rcidjbckbtcr Tafel saß unb sich in den

Leitung. **■

Krng im Hotel „Adler" eine A b s ch i e d s f e i e r statt.

* Hcrsfeld, 19. Nov. 1912. Ein eigenes Ge­schäftshaus hat im Saufe des Jahres das Bank­haus Pfeiffer, Tepositenkasse Hersseld, in der Kaiserstratze erbauen lassen. Es ist nach Entwürfen Kaff-ler Architekten durch eine dortige Firma ausge­führt und nahezu vollendet.

♦ Bad Brückenau, 19. Nov. 1912. Ein: schwere Bluttat hielt die Gemüter in dem Orte Main­berg in Aufregung. Ter 26jährige Arbeiter Kreb verletzte nach Schluß eines Tanzvergnügens zwei Ein­wohner namens Weck und Kraus durch Messerstiche lebensgefährlich. Der Messerheld ging flüchtig-

* Salmünster, 19. Nov. 1912. Annähernd fünf­zig Kinder sind hier an Diphtherie erkrankt, mehrere Sterbefälle sind schon voraekommen.

* Hanau, 19. Nov. 1912. In der Spar- und Leih- kaffe in Klein-Auheim ist ein Fehlbetrag von 9000 Mark entdeckt worden. Der Rechner ist seines Amtes enthoben worden und wurde verhaftet. — Im Stadt- und Landkreise Hanau sind für die N a» tional-Flug spende zusammen 12 199 Mark gesammelt worden. — Bei einem in der Nacht zum 17. d. Mts. erfolgten Einbrüche in einem Hause bet Leimenstraße ist eine eiserne Kassette mit einer goldenen Uhr samt Kette und Medaillon im Werte von 900 Mk., einer Borstecknadel in Hufeisenform im Wert: von 10 Mk. und einem goldenen Ringe mit blauem Steine im Werte von 10 Mk. gestohlen wor­den. — In vergangener Nacht sind aus einer Bude vom Meßplatz für ca. 80 Mk. Doublee- und Talmi­ketten gestohlen worden.

* Witzenhausen, 19. Nov. 1912. Der Kreis hat das dem Landratsamt gegenüber liegende Heldmann- sche Grundstück angekauft, um hier ein Geschäftsge­bäude für die K reiss Parka sse zu errichten.

* Abterode, 19. Nov 1912. Gestern abend ging das Fuhrwerk des Weinhändlers Hupfeld, aus Wei­denhausen durch. Am Ausgang: des Dorfes kam dem Fuhrwerk der Kaufmann Bl. auf feinem Wa­gen entgegen. Es erfolgte ein überaus heftiger 3ufam m c n ft o ft. Bl. wurde von seinem Wa­gen geschleudert und blieb bewußtlos liegen, während die Deichsel seines Wagens dem Hupfeldschen Hand- pserd direkt in die Brust drang und es auf des Stelle tötete. Das Tier halte einen Wert von 1200—1500 Mark. Der Bl'sche Wagen ist vollständig zertrüm­mert.

* Kassel, 18. Nov. 1912. Heule nachmittag stürzte ein etwa zweijähriges Kind aus einem Fenster des ersten Stockes. Es erlitt anscheinend einen Schädelbruch und wurde ins Krankenhaus ge­bracht, wo es hoffnungslos barnieberliegt. — Auf dem Rondell erschoß sich gestern abend ein junger Mensch vor den Augen mehrerer Passanten. Er trug keinerlei Legitimationspapiere bei sich. Wahrschein­lich handelt es sich um einen reisenden Kaufmann oder einen Handwerker.

* Münden, 19. Nov. 1912. In Bonaforlh fand man gestern im Hause der Eltern Den erst 15jährigen Sohn des Einwohners E- erhängt auf dem Boden des Hauses vor. Der' Junge war als fleißig und aufmerksam bekannt.

* Göttingen, 19. Nov. 1912. In NittmarStzauftn sind in der vorletzten Nacht sämtliche zu dem Schnee­mann scheu Gute gehörigen Wohngebäude, Stallungen und Scheunen bis auf den Grund niedcrge­brannt. 87 Schafe und 320 Stück Federvieh ka­men in den Flammen1 um, das Großvieh und die Schweine konnten rechtzeitig in Sicherheit gebracht werden. Die Entstehung deZ Riesenbrandes ist auf Selbstentzündung ton feucht eingebrachtem Stroh zurückzuführen.

* Gerstungen, 18. Nov. 1912. Als der Wagner- meister Kürschner in der Dunkelheit die Treppe an seinem Haus betrat, kam ar durch einen Fehltritt .zu Fall und schlug seitwärts auf ein Baumstamm- ende auf, sodaß er drei Rippen brach.

* Gießen, 19. Nov. 1912. Die Leiche der seit fünf Wochen verschwundenen Sulu Gatzmamr ist am städ­tischen Elektrizitätswerk gelandet worden. Es liegt allem Anschein nach Selbstmord vor.

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Amt Geisa und Umgebung«

* Stadtlengsfeld, 19 Nov. 1912. Ter Knecht eines hiesigen Fteischermeisters, der am Freitag ent» lassen wurde, stahl seinem Dienstherrn einen Sack Korn. In Dem L-acke befand sich auch, wie die Untersuchung ergab, ein frisch geschlachtetes Huhn und ein paar Würfle. Der Knecht wurde dem Amts­gericht zugesührt. — Der vorigen Freitag au5 dem Arntsgertchlsgesängnis entsprungene Günther aus Occhsen wurde Montag nactit auf dem Wege nach

vornehmen, mit allem Komfort ausgestatteten Räu­men bewegte, daß, um dieses Fest zu ermöglichen, die Kinder manchen Abend weinend vor Hunger zu Bett gegangen waren. In dem erbarmungslosen „Muß", den streng vorgeschriebenen Pflichten der Gesellschaft verstand Herr von Winnmgen keinen Spatz, — und jeder hatte sich seinen Anordnungen willig zu fügen. Akwr auch die kleinen Aeußerlichkuten des täglichen Lebens durften nie außer acht gelassen werden. So hielt der Hofmarschall streng darauf, dah jeden Mittag auf dem Speisetisch eine Flasche echter Rüdesheimer ffanb( — dieser Anblick gehörte für ihn "zur Not­wendigkeit und mit dem'gleichen, konventionellen 85- ch:ln wandte er sich jeden Mittag an feine Frau: „Liebe Ottonie, befiehlst Du etwas Weißwein?" Und jedesmal klang dieselbe, freundliche Antwort zurück: „Ich danke Dir, ich trinke heute Wasser." — Selbstverständlich wurde auch an die Töchter die gleiche Frage gerichtet, und ebenso selbstverständlich erfolgte di: dankende Ablehnung. Dann strich der Hausherr wie liebkosend mit der Hand über den Flaschenhals und entschied: „Nun, wenn wir alle danken, wollen wir sie erst gar nicht öffnen lassen", und nahm befriedigt fein einfaches Mittagsmahl ein. — Ter guten Sitte war wieder einmal Gynüge ge­schehen.

Er persönlich fühlt sich zuweilen ganz befriedigt in diesen Selbsttäuschungen, — feine Kinder aber nicku. Moderne Menschen, von einem neueren Geist angeweht, seufzen sie ost unter dem Truck der Ver- halln'ffe gegen dieses „Schausensterdasein", wie sie es nannten, wo man alles Schöne aus nächster Nähe sehen, aber nicht benutzen, oder sich zu eigen machen dürfe. Besonders die Töchter litten sehr darunter, denn Wolf, der einzige Sohn, erhielt von einem rei­chen Patenonkel eine angemessene Zulage, welche es ihm ermöglichte, in das Dragoner-Regiment „Prinz Anion Albrecht" einzutreten und mit den anderen annähernd gleichen Schritt zu halten. Aber et gerade war es, welcher das Treiben im Ellernhaufe noch unterstützte, damit vor drr Welt die Seinen in jede« Hinsicht „standesgemäß" erscheinen sollte unb der doch wieder anderi-its, durch seine großprahlerischeu

JVs 267.

Donnerstag 1\. November 1912.

Gehaus verhaftet. Günther hat schon in seiner Zell» einen Fluchtveriuch gemacht, indem er hinter dem Ösen ein größeres Loch in die Wand arbeitete, um auf den Korridor zu gelangen. — Die hiesige Filz» sabrik, welche der Frau Geheimrat von Mosengeil in Bonn, der Besitzerin eines hiesigen Gutes, gehört, wird zu Januar den Betrieb einstellen.

* Merkers, 19. Nov. 1912. Zu der gemeldeten Schlägerei zwischen ausländischen Arbeitern ist noch nachzutragen, daß einer der Gestochenen bereits gestorben ist.

* Sechsen, 19. Nov. 1912. Gestern wurde auf der Gewerkschaft 72 Mann gekündigt, davon 40, die am Schachtbau tätig waren. Da vorläufig nur an einem Schacht wcitcrgcarbeitet wird, sind Arbeits­kräfte überflüssig geworden.

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2lus Gberheffen u» den heff. Aeintern.

^Marburg, 20. Nov. 1912. Eine im Armen» Hause in Ziegenhain wohnende Frau hatte in meh­reren Eingaben an die Behörden und die (Staats» anroalt|djaft den dortigen Bürgermeister strafbarer Handlungen beschuldigt. Sie wurde deshalb von dcr hiesigen Strafkammer zu fünf Monaten Ge- sängms verurteilt. — Eine Versammlung hiesiger Kaufleute und @eroerbetreibenben beschloß angesichts der in letzter Zeit sestgestellten Auswüchse dcs Aus- verkaulswesens die Regierung zu ersuchen, die im § 711 des Gesetzes gegen den unlauteren Wett­bewerb sestgeleglen Ergänzungsbestimmungen hier emzusübren.

* Marburg, 19. Nov. 1912 Von einer größeren Anzahl Einwohner ist an die städtischen Körperschaf­ten ein: Petition um Errichtung einer Mit tLi­sch u l c gerichtet worden.

X Kirchhain, 19. Nov. 1912. Das Eisen- und Baumaterialiengeschäft des Kaufmanns Leonhäuser ging durch Kauf in den Besitz der Kaufleute Balzer und Orth über. Der Kaufspreis soll dem Verneh­men nach 65 000 Mark betragen. — Gestern nach­mittag geriet auf dcr Neubaustrecke der Wohralalbahn der Bremser O. aus Burgholz unter einen Arbeits­zug, wobei er am Oberschenkel schwer verletzt wurde. Er mutzte in die Marburger Klinik geschafft werden.,

* Frankenberg, 19. Nov 1912. Im nahen Wie­senfeld erlitt gestern der Sohn des Landwirts Müller, der bei der Dreschmaschine beschäftigt war, eine hoch­gradige Blutvergiftung. Durch eine Wunde an der Hand sollen nach dem Gutachten des Arztes Gistkeime vom Hafer die Vergiftung herbeigeführt haben. — Am Freitag abend hielt der geschäftsfüh- renbe Ausschuß für das nächste Gause st im „Hff- fischen Hof" ein: Sitzung ab,'in welcher den Einzel- Ausschüssen ihre Arbeiten zugeteilt wurden-.Das Fest wurde definitiv auf den 5., 6. und 7. Juli näch­sten Jahres sestgelegl.

[:] Neustadt, 19. Nov. 1912. Der ledige Arbeiter Drescher von Atomberg, ftev hier in Arbeit stand, er­litt gestern abend einen Schlaganfall und war sofort tot. — Die hiesige evangel. Schule mußte geschloffen werden, da in der Familie des Lehrers Drphtheritis aufgetreten ist.

Hz,Trchsa, 19. Nov. 1912. . Der etwa 60jährige Gendarmerie-Wachtmeister Häleman hat sich heute früh erschossen. Er wollte gestern abend mit dem Zuge einen schweren Verbrecher in die Strafanstalt in Ziegenhain einliefern. Als er ihn auf den Wagen steigen ließ, stieß ihn dieser mit der Wagentür zurück und sprang auf der anderen Seite herunter. Der Ent­sprungene verschwand alsbald im Dunkel der Nacht und konnte bis zur Stunde nicht aufgesunden werden.

# Momberg, 19. Nov. 1912. Dem Kriegs-Vete­ran Johann Rhein ist in Anbetracht seiner lang­jährigen Pflichttreuen Dienstzeit als Gemeinde-Rech­ner der Gemeind: Momberg das Allgemeine Ehren - zeichon vom Landrat von Kirchhain feierlich überreicht worden.

* Von der Talsperre, 19. Nov. 1912. Abermals kehren demnächst vier Familien bem früher so freund­lichen Ederöörfchen Bringhausen den Rücken, um sich eine neue Heimat zu suchen. Sie habLn das Ritter­gut Mahlberg, das etwa 400 Morgen groß ist, käuf­lich erworben und wollen das Gut unter sich teilen.

* Fritzlar, 19. Nov. 1912. Der Kreistag ge­nehmigte gestern den Vertragsentwurf mit dem Staate zwecks Errichtung einer Üeberlandzentrale mit 17 gegen 1 Stimme. Die Preise für fette Schwe i n c sind noch fortwährend im Steigen begriffen, auch füll) die Preise für frisch r.rilchend: Kühe ganz enorm. So wurde in diesen Tagen vom Landwirt Schnitzerling zu Besse eine frischmilchende Kuh hiesiger Landrasse an einen Händler verkauft für den gewiß hohen Preis von 750 Mk.

Ansichten, die Anschauungen der Schwestern völlig verwirrte. — — — —

Soeben hatte die kleine Stutzuhr von schwarzem Marmor die sechste Stunde verkündet, als Isolde von Winningen aussprang und in großer Eile das kleine, in weE unb rosa gehaltene Schlafzimmer der Schwe- l'tcrn durchschritt.

„Sybille, jetzt laß mich endlich auch mal an den Spiegel, — ich sehe es kommen, der Wagen zum Ball fährt vor, und ich bin noch nicht fertig, nur weil Tn drei Stunden zu Deiner Frisur gebrauchst."

„Erst muß ich vollendet schön fein, besser, eine ganz tadellos als -wei halb, das verdirbt das Renomee doppelt ff erwiderte die Angeredete, — lächelte ihrem entzückenden Spiegclbilde zu und befestigte sehr um­ständlich einen Kranz von Rosen in den dunkelbrau­nen Locken.

„Tu hast wieder fünf Lichte heruntergebrannt"/ schalt Isolde und deutete auf die Kerzen, welche Sy- , bitte neben einer Petroleunftampe im Halbkreis um sich geschart hat. „Du weißt, wie knapp Mama in diesem Moment mit ihrem Wirtschaftsgeld ist."

„Sehen muß man doch wenigstens können", grollte Sybille. „Schon ein Skandal, daß man kein elektrisch Licht hat — na, hoffentlich hat die Hungerleiderei bald ein Ende." t

„Wenn die Männer in punkto „arme Mädchen" alle wie Wolf denken, ist uns die alte Jungfer ge­wiß", seufzte Isolde.

Sybille lachte hell auf und stellte sich dicht vor die Schwester hin.

„Sieh mich mal genau an, sehe ich aus wi: ein* angehende alte Jungfer?" Fast bewundernd ruhte der Blick der älteren Schwester auf der Erscheinung der jüngeren: dem runden, rosigen Gesichtchen, den strahlenden, ti:fMauen Augen, aus denen keine Seele, aber Lebensübermut und Trotz blickten, dem stol- zeii, kleinen Munde und den zarten, Weichen Formen der schlanken, kaum mittelgroßen Gestalt, welche ba? duftige, etwas schleppende Gazekleid heute größer er­scheinen ließ. ^rortsctzuna folgt.)